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Full text of "Kreuz und Hakenkreuz [microform] : der Kampf des Nationalsozialismus gegen die katholische Kirche und der Kirchliche Widerstand"

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Imprimatur: 

G. V. 2785 München, 11. März 1946 

Erzbischöfliches Ordinariat 
München und Freising 

Buchwieser 
Gen.-V. 



Alle Rechte vorbehalten. 

Copyright by Verlag der Kath. Kirche Bayerns in München. 

Zulassung Nr. 6 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung. 

Druck: Val. Höfling (Dr. Valentin Mayer), München, Bayerstraße 57/59. 

Auslieferung: Pfeiffers Buchhandlung, München 2, Herzogspitalstr. 5 u. Q 






78374 



GELEITWORT 



Wer den „weltanschaulichen" Kampf der beiden letzten Jahr- 
zehnte nicht in der Feuerlinie miterlebt hat, kann sich nur schwer 
eine Vorstellung davon machen, mit welcher Verlogenheit und Ge- 
hässigkeit der Kampf der nationalsozialistischen Bewegung und 
Partei gegen die kirchlichen Stellen geführt wurde. Es ging offen- 
bar nach dem Grundsatz: Den Hirten schlagen, damit die Herde 
sich zerstreue! Der Verfasser der Adventpredigten weiß ein Lied 
davon zu singen. 

Soweit es sich um persönliche Beschimpfungen und Anrempe- 
lungen handelte, konnten die Bischöfe im Geiste des Evange- 
liums schweigsam sich schlagen lassen. Soweit aber die Angriffe 
auf die kirchliche Glaubens- und Sittenlehre und kirchliche Ein- 
richtungen abzielten und die christliche Tradition unseres Volkes 
zu erschüttern drohten, durften die Wächter nicht schweigen. Frei- 
lich sind die Kundgebungen der Bischöfe weit zerstreut und schwer 
zu sammeln. Bischöfliche Predigten und sonstige Erlasse durften 
nicht im Druck verbreitet werden, konnten nur maschinenschrift- 
lich für einen kleineren Kreis von Lesern hergestellt werden. In 
manchen Gegenden jwurde gegen katholische Lesestoffe seitens der 
HJ eine förmliche Treibjagd veranstaltet. In den letzten Jahren 
wurden katholische Büchereien beschlagnahmt und verbrannt oder 
eingestampft. 

Der Verfasser dieses Buches „Kreuz und Hakenkreuz" hat mit 
vieler Nachtarbeit die zerstreuten Kundgebungen der Bischöfe ge- 
sammelt und verbunden mit Laienstimmen der Abwehr quellen- 
kritisch in diesem Buch zusammengestellt. Prälat Johann 
Neuhäusler, der Verfasser dieses Buches, war selber mehr .als 
vier Jahre im Lager Dachau, hat also die Kampfmethoden der 
satanischen Bewegung aus nächster Nähe miterlebt und ist ohne 
Zweifel der berufene Mann, der über die nun versunkene Welt 
Zeugnis ablegen kann. Die kirchlichen Kreise, die Chronikschreiber 
und das ganze deutsche Volk werden dem auch im Ausland an- 
gesehenen Prälaten für dieses Buch dankbar bleiben. Also haben 
die Bischöfe, die Sendboten der christlichen Wahrheit und Wächter 
der sittlichen Ordnung, doch nicht immer geschwiegen, wenn sie 
reden mußten, und nicht geschlafen, wenn sie in das Wächterhorn 
stoßen mußten. Also können die Chronisten der Zeit, wenn es 
ihnen überhaupt um wahre Geschichtschreibung zu ' tun ist, den 



Verdrehungen und Lügen der Parteipropaganda nach authentischen 
Quellen die Wahrheit entgegenstellen. Also kann man doch nicht 
von einer allgemeinen Kollektivschuld sprechen, da mit den Bi- 
schöfen auch einzelne Laien gegen die Ungerechtigkeit und Un- 
moral und für die persönlichen Rechte gegenüber Staat und Partei 
und ebenso für Elternrechte trotz aller Parteidiktatur ihre Stimme 
erhoben und beispielsweise das Kreuz in der Schule verteidigt 
haben. 

Das Buch „Kreuz und Hakenkreuz" ist nicht auf allen Seiten 
eine erquickliche und erbauliche Lesung. Es wurden da und dort 
Derbheiten und Roheiten der Parteiführer und Parteipresse bei- 
behalten, um die Leser des Buches mitfühlen zu lassen, in welchem 
Ton der Kampf gegen alles, was uns Christen heilig ist, geführt 
wurde und mit welchen Mitteln im letzten Ziel das Christentum 
ausgerottet werden sollte. Es ist etwas Unheimliches um das kurze 
Gedächtnis der Menschen. Nach kaum drei Jahren können sie sich 
„nicht mehr erinnern". Solchen Menschen mit kurzem Gedächtnis 
-mag dieses Buch die Wirklichkeit der vergangenen Jahre wieder 
ins Gedächtnis rufen. Das Buch erhebt auch nicht den Anspruch, 
eine lückenlose Materialsammlung zu sein. Es werden voraussicht- 
lich Nachträge erfolgen. Viel wichtiger scheint, daß die Heraus- 
gabe dieses Zeitbildes nach authentischen Quellen nicht länger ver- 
zögert wird. 

Gläubige Leser werden dieses Buch nicht aus der Hand legen, 

ohne in dem Gottvertrauen zu wachsen: Der Herrgott, der das 

"deutsche Volk aus diesem Abgrund von gestern errettet hat, hat 

es gewiß nicht gerettet, um es i^iorgen in einem neuen Abgrund 

versinken zu lassen. 

Cardinal Faulhaber. 
M ü n c h e n , 2L März 1946. 



INHALTSVERZEICHNIS 



Begleit Worte Sr. Eminenz des.H. H. Kardinals Dr. Michael Faulhaber , 

Vorwort des Verfassers 

Erster Teil 

Der Kampf des Nationalsozialismus 

gegen die katholische Kirche 

Seite 

A. Die Kirch env erfolg ung im Dritten Reich — 
eineTatsache ■. . . . • • H 

1. Zeugen und Zeugnisse der Verfolgung ........ 12 

a)' Papst Plus XI. . . * • • • 12 

b) Der deutsche Episkopat ........... 14 

,c). Eine Dokumentensammlung . ... . •: •. . . 15 

d) Ein Zeuge aus dem Feindeslager ... . * . . . . . 17 

2. Träger, Mittel und System der Verfolgung . ..... . 17 

3. Hauptzielpunkte der Verfolgung 22 

a) Kampf gegen das Papsttum . « . . 22 

■hy Kampf gegen die Bischöfe , , . . 27 

c) Kampf gegen den gesamten Klerus . : .... . 38 

B. FesselnfürdieKircheGottes . . . .. . . -. 41 

1. Fesseln für das Wort Gottes ... ^ ....... . 44 

2. Fesseln für den Gottesdienst ........... 61 

3. Fesseln für die Seelsorge 73 

4. Fesseln für die kirchliche Schultätigkeit 87 

a) Kampf gegen die BekeHntnisschule . 88 

b) Kampf gegen klösterliche Lehrkräfte und Kloster- 
schulen 100 

c) Kampf gegen Theologische Hochschulen 104 

d) Kampf gegen den Religionsunterricht .... ^ . 105 

e) Kampf gegen religiöse Mitarbeit der Lehrer . . . 109 

f) Kampf gegen religiöse Lehrmittel w . 110 

g) Kampf gegen Schulgebet und Schulkreuz .... 115 

5. Fesseln für die katholischen Orden ..... w .. 122 

a) Devisenprozesse . » . 127 

b) Sittlichkeitsprozesse ,.,.;,.. 133 

1) Neue Methoden der Untersuchung 136 

2) Tendenziöse Darstellungen und Entstellungen . .137 

5 



Seite 

3) Erwiesene Erfindungen 139 

4) Übertreibungen .- 140 

5) Verallgemeinerungen 141 

6) Einseitigkeit «... 1 142 

7) Heuchelei . i . . . . 143 

c) Wirtschaftliche Erdrosselung der Orden 145 

d) Klosterentvölkerung 146 

e) Klosterraub ..... i . 148 

f) Eaub von Almosen, Meßstipendien, Kelchen ... 156 

g) Klosterraub in Luxemburg und Lothringen .... 156 
h) Klosterraub im Elsaß 157 

6. Fesseln für die katholischen Vereine s ...... 165 

A. Kampf der HJ gegen die katholische Jugend . . 165 

B. Kampf gegen alle katholischen Vereine . 188 

7. Fesseln für dais kirchliche Schrifttum ..... v . 198 

A. Fesseln werden geschmiedet ♦»...•.... 198 

B. Fesseln werden angelegt .. i i, ..... ^ 216 

8. Fesseln für die wirtschaftliche, Entwicklung der Kirche . 238 

C. AntichristohneFesseln » . . 248 

1. Antichrists Wüten gegen das Christentum 249 

A, Abschied dem alten Gott . . . , , . , 249 

B. Der Theologe der deutschen Heiden . » . . 257 

2. Antichrists Wüten gegen Heiliges ... i .... i 289 

3. Antichrists Wüten gegen das „unwerte Leben" . . . 307 

4. Antichrists Wüten gegen das Judentum ...... 316 

5. Antichrists Wüten gegen katholische Priester . * » •. 330 

6. Antichrists Wüten gegen eine Hochburg katholischen 
Glaubens und Lebens 350 

D. Antichrists Geheimwaffenschmiede « » . -. 357 

1. Geheimanweisung des Reichsleiters Borniann ... * 358 

2. Eine der vielen Geheimanweisungen der Gestapo . -. 360 
W e 1 1 n o t o r i s c h » < $ . . s » . . . . • i < < -i ■, 383 



Richtigstellungen! 

Vor die Titel Seite l45, 146, 148 sind statt der Zahlen IV, V, VI die 
Buchstaben c, d, e zu setzen, 

Namen- und Sachregister folgen im 2. Band. 
6 



VORWORT 



„Stückwerk ist unser Erkennen". Dieses Paulus- 
wort (1. Cor. 13,9) kam mir in den Sinn, als ich noch in den letzten 
Wochen der Gefangenschaft die ersten Zeilen dieies Buches zu 
schreiben begann. Es blieb in meinem Bewußtsein bis zur letzten 
Zeile, mochte auch der Stoff im Laufe der Zeit mächtig an- 
schwellen. Ich wußte: es bleiben trbtz alles Suchens, Sammeins 
und Findens in den meisten Punkten noch große Lücken. Solche 
waren ja schon in meiner eigenen Materialiensammlung durch 
Kriegseinwirkungen entstanden, ebenso bei Mitbrüdem und Mit- 
kämpfern, die seit Jahren wertvolle Dokumente sorgfältig auf- 
bewahrt imd geordnet hatten. Eine große Lücke bedeutete es so- 
dann, daß ich viereindrittel Jahre in Schutzhaft und Konzen- 
trationslager war und so eine lange Spanne Zeit den Kampf zwi- 
schen Nationalsozialismus und Kirche nicht mehr unmittelbar er- 
lebte und mitmachte. Auch in anderen Diözesen sind viele Auf- 
zeichnungen und Archivalien durch Bomben, Brand und Beschlag- 
nahmen zugrundegegangen. Der mehr oder minder große Rest ist 
bei den derzeitigen Verwahrungsschwierigkeiten und Verkehrs- und 
Postverhältnissen noch nicht erreichbar. So mußte es zur Zeit bei 
einer Schau aus einem bloßen Winkel Deutschlands, aus einer 
kleinen Ecke des Kampffeldes bleiben. Zu alldem fehlte bei der 
vielseitigen anderweitigen beruflichen Ansj^annung die Zeit und 
Ruhe zur gründlichen Verarbeitung des Materials. 

Anderseits mehrten und verstärkten sich von allen Seiten die 
Bitten und Aufforderungen, doch möglichst bald eine Darstellung 
des nationalsozialistischen Kampfes gegen die Kirche und ins- 
besondere des in In- und Ausland noch so wenig bekannten und 
noch weniger gewürdigten kirchlichen Widerstandes zu versuchen. 

In einer Konferenz von zirka 35 amerikanischen und eng- 
lischen Pressekorrespondenten zu Anfang Juni 1945 in 
Neapel, zu der der Verfasser auch geladen war, wurde dies wieder- 
holt dringendst verlangt. 

Aus deutschen Kreisen Roms wurde geschrieben: 

„Man scheint sich in Deutschland teilweise gar keine rechte Vor- 
stellung machen zu können von der Wucht des Hasses, der gegen die 
Deutschen in der ganzen Welt vorhanden ist. Wir sind durch den Hitler-^ 

1 



krieg politisch, wirtschaftlich, kulturell und moralisch völlig erledigt. 
Dabei macht man im Ausland wenig Unterschied zwischen Hitlerianern 
und Deutschen, Es gibt wohl wenige, die den Deutschen ihr Schicksal 
nicht vergönnten, und noch weniger wohl, die etwa Mitleid hätten. Ich 
könnte Ihnen da manche wenig erbauliche Dinge auch aus unseren 
Sphären erzählen. 

Es wäre sehr angezeigt, wenn die deutschen Bischöfe alles Material 
über den Widerstand gegen die Hitlerdiktatur, der von katholischer 
Seite und vom weltanschaulichen Standpunkt aus geleistet wurde, doku- 
mentarisch zusammenfassen würden in einer Art Farbbuch. Darin hätten 
aufzuscheinen: Die Hirtenbriefe der Bischöfe von 1933 bis 1945, ihre 
Predigten bei verschiedenen Gelegenheiten, die „Gesetze" und deren 
praktische Anwendung durch die Hitlerianer, die Übergriffe in die 
kirchliche Hoheitssphäre auf den verschiedenen Gebieten, wirksame 
Einzelperioden von der Behandlung der Geistlichen, 'Ordensleute und 
der Gläubigen, aus denen besonders ersichtlich ist, inwieweit die Gläu- 
bigen Widerstand geleistet haben. All das dokumentarisch mit Datum 
etc. belegt. Das wäre ein Beitrag zu unserer Ehrenrettung, wenigstens 
•bei den katholischen Kreisen. Vergessen Sie nicht, daß man uns nicht 
ganz zu Unrecht politische Unreife und Neigung zum Kadavergehorsam 
vorwirft, ich meine, den Deutschen im allgemeinen. 

Wenn ich sage, daß das wenigstens auf katholische Kreise wirken 
müßte, so ist damit nicht gesagt, daß es wirklich wirkt; denn es kom- 
men für die Abneigung gegen uns auch Motive in Frage\ für die wir 
nichts können. Wir haben es nicht in der Hand, die öffentliche Meinung 
des Auslandes entscheidend zu beeinflussen; wir können aber dazu bei- 
tragen, im obenerwähnten Sinn und vor allem dadurch, daß bei uns im 
Innern unbarmherzig der Hitlergeist ausgerottet wird." 

Schweizer Freunde, die in echtem schweizerischen und 
christlichen Geiste Hilfsaktionen für die Notleidenden Deutsch- 
lands durchführen, baten schon zu Beginn dringend um Material 
über die Leiden und Kämpfe kirchlicher Kreise während des 
Dritten Reiches. 

Ähnliche Stimmen kamen auch von wohlwollenden ameri- 
kanischen Kreisen und wurden noch lauter, wenn man in 
Gesprächen ein wenig den Schleier lüftete, der noch über manchen 
Geschehnissen und amtlichen Schritten der letzten zwölf Jahre 
liegt. 

Führende Persönlichkeiten des katholischen Deutschlands 
äußerten ebenfalls den Wunsch, z. B. Prälat Schreiber- 
Münster, zur Zeit Rektor der dortigen Universität, der in einer 
ausgezeichneten Denkschrift über die vordringlichsten Zukunfts- 
aufgaben des deutschen Katholizismus unter anderem schrieb: 

„Es ist dringlich, den Widerstand gegen den Nationalsozialis- 
mus literarisch herauszuarbeiten, der bereits vor 1933 und dann später 

8 



von 1933—1945 gegen die Nazis geleistet wurde. Jedes Detail wäre hier 
sorgfältig zusammenzutragen (Hirtenbriefe, Predigten, Vernehmungen, 
Bestrafungen, Priester im Kz., Haltung der Kirchenblätter und deren 
Unterdrückung, ev. Umfrage bei den Pfarrämtern; wichtig wäre, daß 
auch die Orden Material beibrächten)." 

Über alldem merkte ich aus Gesprächen mit taien aller 
Kreise, daß die meisten keine Ahnung hatten von der Schwere, 
dem Umfang, der Hinterlist, der Systematik und Zielstrebigkeit 
des Kampfes vom Anfang bis zum Ende: Tarnung und Terror 
hatten ja die Wahrheit hierüber wie über so vieles andere während 
der ganzen zwölf Jahre unterdrückt. 

Aus dieser Unkenntnis erwuchsen dann da und dort sogar schwere 
Anklagen „integraler Katholiken" gegen die Kirche und ihre hauptver- 
antwortlichen Leiter. Man ging oder ist daran, gelegentliche, anerken- 
nende Aeusserungen, vereinzelte zeitnotwendige Zugeständnisse, Erfül- 
lung bloßer Anstandspflichten zu sammeln und daraus kirchlichen Per- 
sönlichkeiten ' einen Strick zu drehen. Man übersieht aber dabei die 
feste, grundsätzlich ablehnende Haltung, wie sie in Hun- 
derten von Dokumenten zum Ausdruck kommt. 

Endlich gestanden mir auch viele geistlicheMitbrüder, 
daß sie aus Besorgnis vor Haussuchungen u. ä. manches Material 
vernichten mußten, jedenfalls nicht mehr zur Hand hätten oder 
auch schon aus dem Gedächtnis verloren hätten und keinen rechten 
Überblick mehr über die lange ^it und all die kirchenpolitischen 
Ereignisse besäßen. 

So entschloß ich mich trotz aller Bedenken und Unzulänglich- 
keiten schließlich doch, einen Aufriß dieses Kampfes zu versuchen, 
zumal ich hierfür, wie ich mit ehrerbietigstem Dank bekennen 
möchte, eine überraschende und kräftige Unterstützung von höch- 
ster kirchlicher Seite empfing. 

Meine Arbeit will und kann aber wirklich nur ein roher und 
kleiner Baustein sein zu dem großen Werk, das im Interesse der 
Wahrheit und Gerechtigkeit und Ehre über kurz oder lang von 
viel berufeneren Personen und auf Grund reicheren Materials und 
gründlicheren Studiums erstellt werden muß. Kommen dazuwohl- 
behauene Bausteine aus der Zeit 1921 — 1933, aus den verschiedenen 
Diözesen und Teilen Deutschlands, Österreichs und der kriegs- 
besetzten Länder, von den Orden, von den einzelnen führenden 
Kämpfern des Priester- und Laienstandes und von den „Stillen im 
Lande", ganz besonders aber auch von evangelischer Seite, dann 
mag allmählich „die Vollendung kommen und das Stückwerk auf- 
hören" (1. Cor. 13,10). Dann m^g mein Baustein, an vielen Ecken 
und Kanten und Unebenheiten kräftig behfäuen, nur noch im 
kleinsten Format oder bloß mit ein paar Stücklein eingefügt oder 
schließlich als Altmaterial beiseitegelegt werden. 

Neben dieser Befürchtung des „Zu wenig" schleicht sich aber 
auch die Befürchtung eines „Zu viel" ein: Bei der Wiedergabe 
mancher Dokumente nationalsozialistischer Aussprüche, Lieder, 

Kreuz und Hakenkreuz 2 q 



Gotteslästerungen, Fälschungen, Spottgedichte, Verunglimpfungen 
höchster kirchlicher Persönlichlceiten, Anleitungen zu unsittlichem 
Tun u. ä. wollte sich wirklich die Feder sträuben, . sie in ihrer 
ganzen Trivialität, Banalität, Frivolität, Immoralität festzulegen. 
Aber Dokumente haben schließlich nur vollen Wert, wenn sie 
genau und vollständig sind. 

Freilich bei einzelnen Berichten fehlen trotzdem Namen, Orts- 
angaben u. ä. Dies darf aber ihrer Wertung keinen Eintrag tun, 
erklärt sich eben daraus, daß wegen der ständigen Gefahr von 
„Quellenforschungen" der Gestapo und von polizeilichen Durch- 
suchungen selbst bischöflicher Amtsräume manches im vorhinein 
unerwähnt oder bei -der Abschrift ausgelassen werden mußte, was 
irgendwie die Herkunft oder den Verfasser hätte verraten können. 
Die Verlässigkeit der Berichte wurde dabei immer festgestellt und 
gewahrt. 

Als Aufschrift gab ich meinem Baustein die Worte: 

„Kreuz und Hakenkreuz". 

Dazu veranlaßt mich die Gegenüberstellung dieser zwei Kreuze, wie 
sie mehrfach schon in der Zeit des Kampfes als Ausdruck größten 
Gegensatzes und schärfsten Widerspruches gemacht wurde., Z. B. 
vor zehn Jahren durch Professor Volkmar Hentrich in dem 
Worte: „Kreuz und Hakenkreuz sind Symbole einer 
kommenden großen Entscheidung" (zitiert in „Nord- 
land" vom 27. 1. 1935); ebenso von Seebecker in der Gedicht- 
sammlung: „Freiheitsflammen" mit dem Haßausbruch: 

„Wem das Hakenkreuz ins Herz gebrannt, 
der haßt all' anderen Kreuz e." 

Endlich in dem Wort der Trauer, das der große Vor- und 
Hauptkämpfer im Heerbann Christi, Papst Pius XI., sprach am 
Tage, da Hitler in Rom weilte (1938) und Hakenkreuzfahnen und 
-abzeichen die Straßen und Gebäude der Ewigen Stadt verun- 
zierten: 

„Betrübliche Ereignisse! Und darunter mag die eine Tat- 
sache besonders erwähnt werden, daß an dem Festtag .des heiligen 
Kreuzes hier öffentlich das Zeichen eines anderen Kreuzes 
getragen wird, das nicht Christi Kreuz ist." 

Im Geiste der Sühne für die Schmach, die dem Kreuz Christi 
vor den Augen des Heiligen Vaters wie so vielerqrts im deutschen 
Lande angetan wurde, möchte ich das Wort der Karfreitagsliturgie 
sprechen: „Crucem tuam adoramus, Domine." 

„Dein Kreuz, o Herr, verehren wi r." 

München, 27. Januar 1946. 
10 



E R S T E R T E I L 

Der Kampf des Nationalsozialismus 
gegen die katholische Kirche 

A. Die Kirchenverfolgung im Dritten Reich - eine Tatsache 

Zuvörderst muß die Frage gestellt werden: Gab es wirklich 
einen Kampf des Nationalsozialismus gegen die katholische Kirche? 

Hat Hitler sein eigenes Wort Lügen gestraft, das er in „Mein 
Kampf" niedergelegt hat: „Die große Aufgabe der Bewegung ist 
nicht die einer religiösen Reformation, sondern einer poli- 
tischen Reorganisation unseres Volkes. Sie sieht in beiden 
religiösen Bekenntnissen wertvolle Stützen für den Bestand 
unseres Volkes"? , 

War das „positive Christentum" des § 24 des Partei- 
programms nur eine Larve, die man zur gegebenen Zeit leicht' 
ablegen konnte? 

War es beispiellose Unaufrichtigkeit und bloße M a - 
chiavelli-Diplomatie, wenn Hitler in seiner programma- 
tischen Reichstagsrede vom 23. März 1933 dem deutschen Volke und 
der ganzen Welt verkündete: „Die nationale Regierung 
sieht in den beiden christlichen Konfessionen 
wichtigste Faktoren der Erhaltung unseres Volks- 
tums. Sie wird die zwischen ihnen undden Län- 
dern abgeschlossenen Verträge respektieren; 
ihre Rechte sollen nicht angetastet werden . . . 

Die nationale Regierung wird in Schule und 
Erziehung den christlichen Konfessionen den 
ihnen zukommenden Einfluß einräumen und 
sicherstellen. Ihre Sprge gilt dem aufrichtigen 
Zusammenleben zwischen Kirche und Staat"? 

Gab es trotz dieser feierlichen Erklärung und ähnlicher fester 
Zusagen, z. B. am 17. August 1934 in Hamburg, am 28. August 1934 
in Ehrenbreitstein, trotz Reichskonkordats vom 20. Juli 1933 eine 
ernste Bekäriipfung, ja eine förmliche Verfolgung 
des Christentums, insbesondere der katholischen Kirche im Dritten 
Reich? 

Wer Augen hatte zu sehen und Ohren zu hören und einen 
Mund zu reden und ein Herz mit Wahrheitsliebe und Mut, der 
mußte gar bald au? diese Fragen ein lautes und unein- 
geschränktes „Ja" antworten. 

^ 11 



1. Zeugen und Zeugnisse der Verfolgung. 

P a p s t P i u s X I. 

a) Schon ein Monat nach der Ratifizierung des Konkordates 
(10. September 1933) mußte Papst Pius XL zu Pilgern aus deut- 
schen katholischen Jugendvereinen klagen: 

„Deutsche katholische Jugend! Deutsch — katholisch — Jugend: 
Drei Worte! Jedes davon ein Grund zu einem besonders herzlichen 
Willkommgruß! Ihr fühlt es: Es ist so, besonders- in dieser Zeit, in 
dieser Stunde, die so historisch ist für Deutschland; aber nicht bloß 
historisch, sondern auch hart. Ihr versteht Uns. Wir müssen große 
Hoffnungen in unsern Herzen aufrichten. Aber, geliebte Söhne, unsere 
Hoffnungen können' nicht jede Gefährdung ausschließen. Ihr wißt es, 
daß Wir mit tiefster Besorgnis und wirklichem Schrecken über die 
lügend Deutschlands erfüllt sind und daß Wir Furcht hegen wegen der 
Religion in Deutschland." • . 

Ähnlich sprach dann der Heilige Vater in seiner Osterbotschaft 
an die deutsche Jugend uiid in der Audienz für katholische Jugend- 
vereinsmitglieder an Ostern 1934 und 1935. 

b) Gelegentlich der Eröffnung der Internationalen katholischen 
Presseausstellung im Vatikan (1936) stellte der Heilige Vater zum 
erstenmal den russischen Bolschewismus und den Nationalsozialis- 
mus nebeneinander. Er hielt es für nötig zu betonen, daß Rußland 
und Deutschland in dieser Ausstellung niqht beteiligt sein konnten. 
Nachdem er zuerst über das Fehlen von Rußland gesprochen hatte, 
ging er dazu über, Deutschland mit folgenden Worten zu behandeln: 

„Als Zweites ist Deutschland nicht vertreten, da in diesem Land, 
entgegen aller Gerechtigkeit und Wahrheit, vermittels einer künstlichen 
und absichtlichen Vermengung von Religion und Politik, die. wirkliche 
Existenz einer katholischen Presse bestritten wird." 

c) Im Jahre 1937 sprach der Heilige Vater so oft von Ver'- 
folgung und Bedrückung der katholischen Kirche in Deutschland, 
daß er in dieser Beziehung einmal selbst das italienische Sprich- 
wort zitierte: „Die Zunge des Kranken muß immer wieder zu dem 
Zahn hin, der wehtut." 

Abgesehen von vielen kürzeren Anspielungen redete Papst Pius XI. 
ausführlicher und deutlicher darüber: 

am 14. März in dem großen Weltrundschreiben „Mit brennender 
Sorge", 

am 19. Mai in einer Audienz von Pilgern aus Münster und Köln, 

am 9. Juni zu deutschen Pilgern, 

am 16. Juni zu deutschen Neupriestern, 

im September wiederum zu einer deutschen Pilgergruppe, 

im Oktober in dem Weltrundschreiben über den hl. Rosenkranz, 

am 13. Dezember gelegentlich der Ernennung von fünf neuen Kar- 
dinälen, wiederum Rußlands und Deutschlands antireligiöse Maßnahmen 
in einem Atemzuge nennend, 

in der Weihnachtsansprache an ^lie Kardinäle. 

Nur aus drei dieser päpstlichen Äußerungen seien einige Worte 
als Beleg für die Tatsächlichkeit der Kirchenverfolgung in Deutsch- 
land wiedergegeben: 

1? 



aa) Aus dem großen Weltrundschreiben vom 14. März- 1937: 

„Der Anschauungsunterricht der vergangenen Jahre klärt die Ver- 
antwortlichkeit. Er enthüllt Machenschaften, die von Anfang 
a n kein anderes Ziel kannten als den Vernichtungskamp f." 

„In die Furchen, in die Wir den Samen aufrichtigen Friedens zu 
pflanzen bemüht waren, streuten andere — wie der inimicus homo in 
der Hl. Schrift (Mt 13,25) — die Unkrautkeime des J^^ißtrauens, des Un- 
friedens, des Hasses, der Verunglimpfung, der heimlichen und offenen, 
aus tausend Quellen gespeisten und mit allen Mitteln arbeitenden grund- 
sätzlichen Feindschaft gegen Christus und seine Kirche." 

„In dieser Stunde, wo ihr Glaube (der Glaube der katholischen 
Gläubigen Deutschlands) in dem Feuer der Trübsal und der versteck- 
ten und offenen Verfolgung als echtes Gold erprobt wird, wo 
sie von tausend Formen organisierter religiöser Un- 
freiheit umgeben sind, wo der Mangel wahrheitsgetreuer Unter- 
richtung und normaler Verteidiguhgsmöglichkeit schwer auf ihnen 
lastet, haben sie ein doppeltes Recht auf ein Wort der Wahrheit und 
der seelischen Stärkung von dem, an dessen ersten Vorgänger das 
inhaltsschwere Heilands wort gerichtet war: ,Ich habe für dich gebetet, 
daß dein Glaube nicht wanke, und du hinwiederum stärke deine 
Brüder!" (Lc 22,22) ' 

bb) Am 19. Mai 1937 sprach Papst Pius XI. unter anderem: 

„Die Deutschen sind uns besonders willkommen im Haus des ge- 
meinsamen Vaters, da sie heute einen Kampf bestehen müssen, der 
so hart, so ungerecht und so feindselig gegen sie geführt 
wird. Gegen das Gewissen, gegen Gott und gegen den christlichen 
Glauben haben sich die Mächte dieser Welt in Deutschland verschworen, 
und um des Glaubens willen, für die Ehre, der Kirche und für den 
Ruhm Gottes müssen die deutschen Katholiken diesen 
Kampf aufnehmen und kräftig dawider kämpfen." 

Der Hl. Vater fügte hinzu, daß er bereits an die Welt über diesen 
Kampf geschrieben habe und daß „Wir noch weiter Uns immer dringen- 
der an die Welt wenden und über die deutschen Katholiken 
schreiben werden". 

cc) In seiner Weihnachtsallokution vom Jahre 1937 wies Papst 
Pius XI. auf den schmerzvollen, den größten Kummer erregenden 
Tatbestand der religiösen Verfolgung in Deutschland hin, 
■weil er nach seinen eigenen Worten die Dinge bei ihrem Namen 
nennen wolle und nicht wünsche, daß man auf ihn das Wort des 
antiken Geschichtsschreibers . anwenden könne: „Vera etiam rerum 
perdidimus nomina". 

„Nein," so fuhr Seine Heiligkeit fort, „Gott Dank haben wir die 
rechten Bezeichnungen noch nicht verloren und wollen die Dinge beim 
Namen nennen. 

In Deutschland besteht wirklich eine religiöse 
Verfolgung. Seit einiger Zeit wird behauptet und verbreitet, daß 
es dort keine Verfolgung gäbe. Wir dagegen wissen, daß sie da ist, 
und zwar s c h w e r. Es hat sogar nur in wenigen Fällen eine so schwere, 
wahrhaft besorgniserregende Verfolgung gegeben, die so betrübend in 
ihren tiefsten Wirkungen ist. Es ist eine Verfolgung, bei der es weder 
an der Gewaltanwendung noch an der Bedrückung durch Drohungen 
noch an verschlagenen und heuchlerischen Ränken fehlt. Niemand kann 
daran zweifeln, daß, wenn der Statthalter Christi von solchen Tat- 

13 



beständen spricht, die seine Verantwortlichkeit aufs engste berühren, 
daß er weniger gut unterrichtet ist oder die Dinge etwa verwechselt." 

d) Als dann im Frühjahr 1938 Hitler nach Rom kam, brachte 
die Vatikanische Zeitung „L'Osservatore Romano" hierüber keine 
Zeile. Dagegen sprach der Papst in einer Audienz zu Castel 
Gendolfo; 

„Traurige Ereignisse geschehen eben, wirklich traurige, sowohl In 
der Ferne wie auch ganz nahe. Ja, wahrhaft betrübliche Geschehnisse! 
Und unter diesen mag man wohl die Tatsache erwähnen, daß an dem 
Fest des heiligen Kreuzes hier öffentlich das Abzeichen eines anderen 
Kreuzes getragen wurde, das nicht das Kreuz Christi ist. Wir werden 
genug .gesagt haben, wenn wir Euch sagen, wie notwendig es ist zu 
beten, viel zu beten, innig zu beten, daß uns Gottes Erbarmen nicht' 
verlorengehe." 

e) Gegen Ende des Jahres 1938 sprach der Heilige Vater ein 
neues, kräftiges Wort über die religiöse Lage in Deutschland: 

„Die Verfolgungen in Deutschland und Österreich werden mit einer 
wirklich einzigartigen Keckheit ausgeführt. Und^ sie werden in ihren 
Methoden und Härten noch ständig gesteigert. Wir erfahren dies von 
Zeugen, die wir hier vor unseren Augen hatten. Diese Verfolgung trifft 
den Papst sehr schwer. Seine Betrübnis und Besorgnis sind über alle 
Maßen und dies nicht bloß, insofern wir als Papst das Haupt der gläu- 
bigen Christenheit sind, sondern auch als Mensch, da die Menschen- 
würde so sehr verraten wird, gerade so wie durch Julian den Ab- 
trünnigen und durch Judas Ischariot; denn diese Verfolgung er- 
streckt sich sogar bis zum letzten Laie n." 

Das sei genug des Zeugnisses des berufensten Kenners der 
Lage der katholischen Kirche im Dritten Reich! 

DerDeutscheEpiskopat. 

Gemeinsam und einzeln, in Hirtenbriefen fürs ganze katho- 
lische. Volk und in Denkschriften an höchste Stellen, in Predigten, 
Kanzelverkündigungen wiesen Deutschlands katholische Bischöfe 
immer wieder auf die unaufhörlichen und sich steigernden Be- 
drückungen der katholischen Kirche in all ihren Gliedern und auf 
allen Gebieten hin und scheuten sich nicht, das Wort Verfol- 
gung als den allein richtigen Ausdruck hiefür zu gebrauchen, ja 
es noch zu verstärken mit Feststellungen, wie z. B. im Hirtenwort 
vom 28. August 1938: 

„Sie (= die Angriffe) erstreben die Hemmung und Blutentziehung 
des katholischen Lebens; noch mehr: die Zerstörung der katholi- 
schen Kirche innerhalb unseres Volkes, ja selbst Ausrottung des 
Christentums überhaupt und die Einführung eines Glaubens, der 
mit dem wahren Gottesglauben und dem christlichen Glauben an ein 
Jenseits nicht das geringste mehr zu tun hat." 

Angesicht^ solch deutlicher Worte der Gesamtheit der 
katholischen Bischöfe Deutschlands erübrigt es sich, noch Einzel- 
zeugnisse derselben anzuführen, zumal im zweiten Teil der Schrift 
viele solche wiedergegeben werden. , 

14 



EineDokum^ntensammlung. 

1940 erschien in London ein umfangreiches Buch mit dem 
Titel; 

„The persecution of the Catholic .Church in the 

Third Reich" 

Facts and Documents. Translated from the German. 

London 1940 

(„Die Verfolgung der katholischen Kirche im Dritten Reich" 

„Tatsachen und Dokumente".) 

Der Untertitel erweist den Wert dieiser Sammlung, die von 
1933 bis 1940 reicht. 

Die englische Ausgabe ist längst vollkommen vergriffen. 1942 
erschien eine neue Ausgabe im Verlag Longmans, Green & Co, in 
New York. Mittlerweile ist auch in Südamerika- eine Übersetzung 
ins Spanische erfolgt. 

Die amerikanische Ausgabe umfaßt 552 eng bedruckte Seiten, 
eine Wolke sicherer Beweise für die Tatsächlichkeit der Kirchen- 
verfolgung durch den Nationalsozialismus. 

Eine Wiedergabe des Inhaltsverzeichnisses mag die Ausdehnung 
der Kanipffront und die Planmäßigkeit des Ansturmes aufzeigen: 

1. Teil: 

AuthentischeZeugnissefürdietatsächlicheKirchen- 
verfolgung in Deutschland : 

I. Erweis durch den Vatikan. 
IL Erweis durch die deutschen Kirchenfürsten. 

2. Teil: 

Die Regierung des Dritten Reiches und die Kirche 

I. Amtliche Aktion gegen Kirchenregierung und -Ver- 
waltung (Eindringen in kirchliche Amtsgebäude; Wegnahme 
kirchlichen Eigentums; Schließung von theologischen Hoch- 
schulen; finanzielle Maßnahmen). 

n. Konflikt mit der Lehrgewalt der Kirche (Maßnahmen 
gegen Päpstliche Weltrundschreiben und Hirtenbriefe. Kanzel- 
paragraph. Abwürgung der katholischen Presse). 

HL Ausschluß der Kirche vom Erziehungswerk: 

1. Die Vernichtung der katholischen Jugend. Ihre Erwür- 
gung von Anfang an beschlossene Sache. Diffamierung; Be- 
kämpfung in der Schule. Wirtschaftliche Erdrosselung. Physi- 
scher Terror. Auflösung. ' 

IV. 2. Die Vernichtung der katholischen Privatschulen u. ä.: 
Auch ein Ziel von Anfang an. Vorbereitende Schritte. Zer- 
störung des christlichen Charakters. Entfernung der Kreuze. 
Aushöhlung der Bekenntnisschulen von innen heraus. Auf- 
hebung der Klosterschulen. Vertreibung der klösterlichen Lehr- 
kräfte. 

V. 3, Die Vernichtung der katholischen Volksschulen 
(„Elternabstimmung", Elternzwang. Abschaffung). 

15 



VI. 4. Die Vernichtung des Religionsunterrichtes (Abschaf- 
fung. Ausschluß des Geistlichen. Nationalsozialistischer Geist 
in der Schule). 

VII. Der Kampf gegen die kirchliche. Seelsorge: 

1. Die Vernichtung der katholischen Erwachsenen- 
Organisationen (Berufsvereinigungen, Katholische Ca- 
ritas). 

7III. 2. Die Vernichtung verschiedener Apostolischer Werke: 
Die Säkularisierung des öffentlichen Lebens. Die Behinderung 
rein religiösen Wirkens der Kirche, Amtliche Förderung des 
Glaubensabfalles. 

IX. Verweigerung des gesetzlichen Schutzes für die 
katholische Kirche. (Nichtbeachtung von kirchlichen Protesten. 
Kr/euzesfrevel. Katholiken außerhalb des Gesetzes. Angriffe auf 
Bischöfe). 

X. Angriffe auf die Ehre der Kirche (durch Plakate, Lieder, 
Ausstellungen, Theater, Filme, Reden, Presse, -Zeichnungen, 
Karikaturen). 

XI. Devisen- und Sittlic hk eitsprozesse (Skandalöse 
Berichterstattung. Übertreibungen und Verallgemeinerung. 
Zweck. Unerhörte Methoden von Polizei und Gericht. Zweier- 
lei Maß. Vorwürfe gegen die kirchliche Aufsichtsbehörde). 

3. Teil: 

Die Nationalsozialistische Partei unddie Kirche 

I. Die Parteigliederungen und ihre Veröffentlichungen (Par- 
• teizeitschriften und Zeitungen allgemeinen Charakters; die Abtei- 
lung „Rassekunde", die SS, die SA, die Ordensburgen). 

II. Die Berufsorganisationen und ihre Veröffentlichungen: 
NS Deutsche Arbeitsfront, NS Bauernschaft, NS Reichsbund Deut- 
scher Beamter, NS Studentenbund, Lager, Kurse. 

III. N S J u g endverbände und ihre Veröffentlichungen (HJ und 
BDM, Reichsarbeitsdienst, Landjahr). 

IV. Amtliche Unterstützung anderweitiger Angriffe auf die 
Kirche. (Hetze gegen die Kirche in Büchern und Flugschriften, in 
Zeitungen und Zeitschriften, in öffentlichen Versammlungen). 

V. Angriffe auf die Kirche und ihre Repräsentanten. (Die 
Kirche verleumdet als antinational und antisozial. Beschiihpfung 
der kirchlichen Würdenträger). 

VI. Angriffe auf katholischen Glauben und Kult 
(Katholisches Dogma, katholische Moral, katholische Andachten). 

VII. Die neue Moral (Grundzüge der NS Moral. Heidnische Ehe- 
moral. Uneheliche Mutterschaft. Ehescheidung. Heidnische 
Sexual- Moral. Nacktkultur. Schreckliche Folgen dieser Tendenzen). 

VIII. Die Ersatzreligion. (Der Nationalsozialismus will selbst Re- 
ligion sein. Neuheidnischer Kult mit Umdeutung. der Feste, der 
christlichen Gebräuche und Symbole, mit Ersatz des christlichen 
Begräbnisritus, der christlichen Trauung, der hl. Kommunion und 
Firmung). 

IX. Schlußfolgerung: 1 Ziel: Die Vernichtung der Kirche. 

2. Die Verschleierung der Verfolgung. 
16 Bilder. 

16 



Ein Zeuge aus dem Feindeslager. 

Am 26. Mai 1941 äußerte ein SS-Mann der politischen Ab- 
teilung des Konzentrationslagers Sachsenhausen- Oranien- 
burg gelegentlich der Aufnahme zu dem Verfasser: 

„Wir werden die katholische Kirche und das ganze 
Christentum in Deutschland vernichten. Dieser Schwin- 
del muß aufhören." Als ich darauf ruhig und bestimmt erwiderte: „Das 
ist seit 1900 Jahren schon oft angekündigt und versucht worden, aber 
noch nie gelungen", erklärte der SS-Mann entschieden: 

„Ja, aber wir werden es fertigbringen. Wir haben einen 
Plan, einen klar durchdachten und bis ins kleinste ausgearbeiteten 
iPlan. Wir werden die Kirchen kaputt machen." 

2. Träger, Mittel und System der Verfolgung-. 

Es war tatsächlich Planmäßigkeit und Zielstrebig- 
keit im ganzen Kampfe des Dritten Reiches gegen das Christen- 
tum. Auf der ganzen Linie und mit allen Mitteln, mit List und 
Gewalt, bald vorsichtig, bald getarnt, dann wieder brutal und offen, 
immer aber zäh und nachdrücklich, wurde der Kampf vorwärts- 
getrieben. Herodes und Pilatus, der gewalttätige Diokletian und 
der verschlagenes Julian Apostata fanden sich zusammen und such- 
ten in jeder Stadt und in jedein Dorf Judasknechte und Spitzel. 

Hauptk ämpf er w ar en : 

die Reichsregierung, insbesondere das Innenministe- 
rium (Polizeimaßnahmen), das Kultusministerium (beson- 
ders gegen das katholische Schulwesen), das Kirchenmini- 
sterium (mehr ein Ministerium gegen die kirchlichen An- 
gelegenheiten als „für die kirchlichen Angelegenheiten"), das 
Propagandaministerium (mit einem Verleumdungsfeld- 
zug nach dem anderen gegen Kirche, Klerus, Orden usw.!), das 
Justizministerium (Devisen- und Sittlichkeitsprozesse, 
Volksgerichtshof!), das Finanzministerium (Steuerschraube 
ohne Ende und Steuergesetzesauslegung nachteiligster Art), 

die Landesregierungen in all ihren Zweigen, 

die Gestapo und der „Sicherheitsdiens t" (SD), 

die Partei mit all ihren Gliederungen und in all ihren Orts- 
gruppen, 

die neuen Ämter, wie Rosenbergausschuß, Reichskulturkam- 
mer, Reichspressekammer, Reichsschrifttumskammer usf. 

Die kirchliche Freiheit wurde immer mehr eingeschränkt, 
die seelsorgliche Tätigkeit, selbst die Verkündigung des 
Wortes Gottes und die Sakramentenspendung wurden immer mehr 
gefesselt. Wie der Leiter der katholischen Fachschaft in der Reichs- 
pressekammer einmal zu dem Verfasser sagte: „Die Maschen werden 
immer enger gezogen", so geschah es auf allen Gebieten. Der kirch- 
liche Einfluß auf die breiten Massen des Volkes, insbesonders 

17 



auf die Jugend, aber auch auf Kultur, Wissenschaft, Brauchtum 
und ähnliches wurde zurückgedrängt und nach Möglichkeit aus- 
geschaltet. 

Das ganzeöffentlicheLeben wurde „entkonfessionali- 
siert" und säkularisiert und nationalisiert (germanisiert), 

Das katholische Schrifttum (Zeitungen, Zeitschriften, 
Plugblätter und Buchet) wurde unterdrückt, dafür aber das ganze 
Reich überschwemmt mit Christentums- und kirchenfeindlichen 
Presseerzeugnissen niedrigster Art. 

Das katholische Vereinswesen wurde immer mehr 
eingeschränkt und größtenteils aufgehoben unter Einzug des Ver- 
mögens und der Häuser. 

Die konfessionellen Schulen und katholischen 
Privatschulen wurden abgeschafft, katholische Lehrschwe- 
stern und Kreuze aus den Schulen entfernt, der Religionsunterricht 
fortdauernd eingeengt, zuletzt vielerorts ganz beseitigt, die Nach- 
schaffung neuer Lehrmittel für die religiöse Unterweisung unter- 
bunden. 

Theologische Hochschulen wurden ausgehungert und 
aufgehoben. 

Das Ansehen der christlichen Kirchen, insbeson- 
ders des Papsttums, der Bischöfe, des Klerus, der Orden, der katho- 
lischen Karitas usw. wurde untergraben. 

Die wirtschaftlichen Grundlagen der Kirchen, des 
Klerus, der Orden wurden verengt und unterwühlt. 

Der' Verkehr zwischen deutschem Episkopat und dem 
Heiligen Stuhl wurde dauernd überwacht und gehemmt, 
ebenso die Aufklärung des Auslandes über die kirchen- 
feindlichen Maßnahmen. 

Die Verbindung zwischenVolk undKlerus wurde 
zu lockern, das Vertrauen zueinander zu erschüttern versucht. 

Der gesetzliche Schutz wurde katholischen Personen 
und Einrichtungen immer mehr versagt. 

Die Zusammenarbeit der beiden christlichen Haupt- 
konfessionen, insbesonders die sogenannte Una-Sancta-Bewe- 
gung, wurde verdächtigt und als staatsfeindlich (gegen die geplante 
neue Religion gerichtet) bezeichnet. 

Kirche nfeindlicheStrömungen aller Art („Deutsche 
Christen", „Deutsche Glaubensbewegung", „Ludendorff-Bewegung"), 
abgefallene Geistliche und ihre Bücher wurden in jeder Weise 
gefördert. 

Theater, Kino, Radio, Ausstellungen, Plakat- 
säulen und ähnliches wurden in den Dienst der Kirchenhetze 
genommen. 

Die nationalsozialistische Weltanschauung 
wurde im Schrifttum aller Art, in Lehrbüchern und Unterricht, in 

18 



Schulungskursen und Versammlungen, Im Arbeltsdienst und HJ- 
Lager verbreitet. 

Christliche Grundsätze wurden in der Gesetzgebung 
und in der Praxis immer mehr verleugnet (z. B, in Ehegesetz- 
gebung, im „Lebensborn", in „Sterilisation" und „Euthanasie" (Be- 
seitigung der Geisteschwachen), in Judenverfolgung, in Unter- 
drückung der Friedensbewegung u. ».)• 

Religiöse Worte wurden ihres Wertes beraubt und für 
Weltliches, Völkisches, Natürliches genommen, ebenso wurde Ersatz 
für Christentum, Sakramente, christliche Gebräuche und Übungen 
gesucht. Blut, Rasse, Volk, Staat, Deutschland, Hit- 
ler wurden vergöttert. Die primitivsten Menschen- und 
Bürgerrechte wie Gewissens- und Religionsfreiheit, Rede- und 
Pressefreiheit, Brief- und Telephongeheimnis, Wahlgeheimnis, 
Rechtsgleichheit, richterliche Unabhängigkeit, Rechtsberufung u. ,ä. 
wurden aufgehoben, ihr Fehlen im besonderen gegen kirchliche 
Personen und Vereinigungen ausgenützt. Geistliche, Laienführer, 
politisch Andersdenkende, Juden wurden in Massen verhaftet, 
ins Konzentrationslager gesteckt, gequält, gemordet. 

Ptanmäßig Schrittfürs ch ritt! 

Die kürzeste und beste Darstellung des systematischen Kamp- 
fes, seiner fortschreitenden Entwicklung, Verstärkung und Erweite- 
rung und des abgrundtiefen, unüberbrückbaren Gegensatzes zwi- 
schen Nationalsozialismus und Christentum gab wohl Erzbischof 
Gröber- Freiburg in seinem Hirtenschreiben „Rückblick und 
Ausschau" vom 8. Mai 1945; 

„Die neue Weltanschauung ging wurzelhaft aus von Rasse und 
Blut, um zu behaupten, daß von diesen, ja von diesen fast allein, das 
gesamte körperliche und geistige Leben und Schicksal der Einzelmen- 
schen und der Völker bedingt sei. Unter allen Rassen aber, so hieß es 
weiter, nehme die nordische, die germanische, die überragendste 
Stellung ein; denn in ihr lägen als ausschließliches Erbgut eine Fülle 
so herrlicher Anlagen und so hochzielender Antriebe, daß sie von der 
Natur sichtlich berufen sei, über alle anderen, minder wertvollen zu 
herrschen. Diese Rasse habe sich nun, so fuhr man fort, vornehmlich, 
wenn auch in langsamer Entwicklung, im jetzigen deutschen Volk 
vei'körpert, in den Stämmen des nördlichen Deutschland zumal, wäh- 
rend in den süd- und südwestdeutschen Menschen viel beigemischtes 
anderes Blut ströme. Man blieb bei dieser Höchstbewertung der 
Rasse und des Blutes nicht stehen, sondern betrieb sogar den 
Kult, also die Verehrung dieses so auserwählten und meistveranlagten 
Volkes fast bis zur eigentlichen Vergottung. Zwar sprach man 
gelegentlich noch von „Vorsehung" oder einigemale auch noch von 
„Gott", aber kein klares Wort verriet, was man eigentlich darunter 
verstehe. Nur das eine war offenkundig, daß sich der neue Gottes- 
begriff mit .dem christlichen nicht im mindesten decke. Tatsächlich 
wurde das Göttliche ins eigene Volk verlegt oder richtiger ausgedrückt, 
der ewige, unendliche Gott durch das ewige deutsche 
Volkersetzt. 

19 



Mit der Umdeutung des Begriffes "^.Gott" war notwendigerweise 
auch der Untergang jeder wahren Religiosität verbunden. 
Man behauptete zwar, daß das schon Religion sei, wenn man das rechte 
Verhältnis zur deutschen Gemeinschaft besitze, und rühmte als heilig- 
sten Gottesdienst den treuen und opferfrohen Dienst am 
Volk. Aber das war ein grober Mißbrauch des Wortes Religion. Ohne 
einen persönlichen, überweltlichen Gott ist das, was wir Religion nen- 
nen, entweder ein Mythos, d. h. eine wandelbare Anschauung je nach 
Zeit und Rasse und Blut, ein Glaube, der jeder verpflichtenden Kraft 
entbehrt, oder eine lächerliche Selbstanbetung oder die Anbetung 
eines anderen Geschöpfes, ob es nun Volk oder Weltall heißt oder einen 
anderen klingenden Namen trägt, kurz gesagt, ein Götzendienst, 
der das Wesen der Welt und Gottes verkennt. 

Im Anschluß an den neuzeitlichen gottlosen Materialismus 
wurde auch die Unsterblichkeit der Seele geleugnet und 
lediglich das Fortleben der Einzelmenschen in der Sippe und Volks- 
gemeinschaft angenommen. Die Aufgabe des Menschen 
liege und vollziehe sich, so hieß es in gebundener und ungebundener 
Rede, ausschließlich auf dem Boden der Erde, worin auch der 
Ursprung des Menschen in seiner Ganzheit, also nach Leib und' Seele, 
zu suchen sei. Wenn daneben von Schöpfung die Rede war, so meinte 
man damit nur die in ungeheuren Zeiträumen erfolgte Weiterentwick- 
lung eines zufällig entstandenen Lebens ohne jede außerweltliche, gött- 
liche Ursache'. 

Mit alledem erschien das Christentum als für immer er- 
ledigt, ganz abgesehen davon, daß man es auch als Judenreli- 
gion begeiferte und verwarf. Eine Erlöserreligion, so wurde 
zudem behauptet, müsse schon deswegen abgelehnt werden, weil der 
Mensch von Natur aus gut sei und darum auch keinen Erlöser und keine 
Erlösung brauche. Die Lehre von der Erbsünde sei ein artfremder, 
von Osten eingeschleppter und unseren deutschen Vorfahren aufgezwun- 
gener Wahn. Es gebe überhaupt nur eine einzige Sünde, die 
Sünde gegen Rasse und Volk. Da man weiter behauptete, das 
Christentum liege wie ein Hemmschuh an unserem Fortschritt oder wie 
ein Fluch auf unserem Volk, wurde auch die ganze deutsche Ge- 
schichte von diesem falschen und verfälschenden Gesichtspunkt aus 
betrachtet und namentlich in den Schulbüchern verunstaltet. 

Wenn man gegen alles das einwirft, daß sich laut Parteiprogramm 
„die Bewegung' doch auf den Boden des „positiven Christentums" ge- 
stellt und sogar als erste großpolitische Tat ein Konkordat mit 
dem Papst geschlossen habe, so ist darauf zu erwidern, daß sich bei- 
des später als eine bewußte, zweckdienliche Täuschung 
der Öffentlichkeit erwies. Das positive Christentum, das 
w i r vertreten, wurde als negatives, als verwerfliches umgedeu- 
tet, und das Konkordat, nachdem es seine politische Betörung des 
katholischen Volkes und der ganzen Welt erfüllt hatte, als „überholt", 
als „ausgehöhlt", als ein „Fetzen Papier", das heißt als nicht mehr 
bindend und verpflichtend betrachtet. Schon der Besuch des 
katholischen Gottesdienstes oder gar die Teilnahme an einer 
feierlichen Prozession galt nun als ein Verstoß gegen die Auffassung 
des herrschenden Volksteiles und wurde zur Gefahr für jedeab- 
hängige Existenz. Es hieß sogar: Wer auf dem Boden, des neuen 
Staates, sei es als Lehrer oder Beamter oder sonst 'als vollwertiger 
Volksgenosse stehe, habe die Pflicht, aus der Kirche aus- 
zutreten. 

Da man Gott und Volk einander gleichsetzte und von einer Gott- 
heit über uns keine Rede mehr war, wertete man auch auf dem sitt- 
lichen Gebiet in denkrichtiger Entwicklung als gut und verpfiich- 

20 



tend nur das, was dem Volke unmittelbar oder mittelbar nützte, ob 
es den alten Gottesgetaoten und dem menschlichen Gewissen entsprach 
oder nicht. Das ewige Volk galt als Ziel und Maßstab für 
alles. Neu war dieser Grundgedanke insofern nur, als statt der in 
Deutschland ] angst schon von sog. Philosophen gelehrten und von vielen 
ins eigene Leben umgesetzten Vergottung des Ich nunmehr die Ver- 
gottung des Volkes behauptet wurde und in unerbittlichen Forderun- 
gen zum Ausdruck kam. 

In durchaus unwissenschaftlicher und willkürlicher Berufung auf 
altgermanisches Denken und Wesen, das man über zwei Jahr- 
tausende hinweg als vorbildlich und verpflichtend auch der ganz anders 
gearteten Gegenwart darbot, trat weiter an die Stelle der^ dem Christen- 
tum wesentlichen Nächstenliebe die Härte und der Haß, an 
die Stelle der Verzeihung und Versöhnung die unblutige 
oder blutige Rache, an die Stelle der menschenwürdigen und 
ruhigen Überlegung und der vernünftigen Anpassung an die nun ein- 
mal gegebenen Verhältnisse der ungezügelte Fana'tismus, d. h. 
die Weckung des tierischen Angriffshungers und 
Blutdurstes im Menschen, der erst dann gestillt und gesättigt 
ist, wenn sich' das Opfer in seinem Blute am Boden windet und röchelnd 
verendet. Damit wurden Leidenschaften heilig gesprochen 
und als höchste Triebkräfte' empfohlen und befohlen, die der bisherigen 
Menschheit als Kennzeichen einer minderen, ans Tierische grenzenden 
Entwicklungsstufe galten. Im Dienste des Volkes hielt man alles für 
erlaubt, ob es nun Fr eihei t sb er aubun g war oder barbarische 
Mißhandlung oder ein mörderisches politisches Attentat 
oder die Tötung einzelner oder ganzer Volksteile ande- 
ren Blutes oder der Raub fremden Landes. Ach Gott, wieviel 
Übles haben wir damit in den vergangenen dreizehn Jahren auf unser 
Schuldkonto gehäuft! .... 

Von der Wahnidee her, daß die nordische Rasse die vorzüg- 
lichste und durch das Schicksal zur Weltbeherrschung be« 
stimmte Rasse sei, wurden endlich auch die politischen Ziele 
gesetzt und zur Erreichung in systematischen und fast stürmischen 
Angriff genommen. Das war überhaupt das Eigentümliche, daß man 
nicht in Ruhe warten konnte und reifen lassen wollte, sondern in maß- 
losem Hochmut vermeinte; man sei dazu berufen, in einem Jahrzehnt 
eine ganz neue Welt als Wundertäter aufzubauen. Man dachte sich die 
Entwicklung der Geschichte auf Grund der neuen Weltanschauung 
etwa so: 

Erste Stufe: Die Erfassung aller Völker unseres Blutes, die etwa 
in früheren Jahrhunderten zum Römischen Reiche Deutscher 
Nation gehörten. 

Zweite Stufe: Die Einbeziehung der germanischen Völker über- 
haupt. Damit streckte sich die gierige politische Hand unter anderem 
auch nach den längst schon selbständigen nordischen Staaten 
aus. 

Dritte Stufe: Der europäische Staatenbund unter 
autoritärer Führung des neuen Deutschland. 

Letzte und höchste Stufe: Die beherrschende Stellung des 
deutschen Volkes in der ganzen Welt. 

Daß in allen diesen Stufen ähnlich wie im ganzen Wesen der Be- 
wegung eine versteckte Kriegsgefahr enthalten war, sei nur nebenbei 
bemerkt. Denn das glaubte doch kein Mensch, daß sich alle diese Ziele 
nur durch diplomatische Geschicklichkeit ohne Gegenwehr der Bedroh- 
ten oder Betroffenen erreichen lassen. Darum auch die geheime und 
öffentliche Kriegsrüstung und die Sammlung zum Winter- 

21 



hilf swerk, die kaum je zur Linderung der Armut, sondern fast aus- 
schließlich zur Beschaffung von Kriegsmaterial verwendet wurde. 

Wir verkennen es nicht: das gesteckte politische Ziel war gewaltig 
und höchstgespannt und vorzüglich dazu geeignet, jugendliche Men- 
schen, Phantasten, lorbeerlüsterne Generale, Kriegsgewinnler, einseitige 
und kurzsichtige Nationalisten, deren Gott die Nation war, und 
solche, die die Weltwirklichkeit und die Machtverteilung auf der Erde 
nicht genügend kannten, ■ mit seinem trügerischen Schimmer zu be- 
rücken. Es war aber, vom Endergebnis aus betrachtet, nur ein fieber- 
hafter Wahntraum, aus dem man jetzt, nach kurzem Siegestaumel in 
einem trostlosen Elend erwacht und die Augen erschreckt öffnet und 
ausreibt, ein Zusammenbruch wie jener unserer Städte nach einem 
konzentrischen 'Bombenangriff, der alles in Schutt und Asche legte und 
zahllose Menschenleben darunter begrub. Man muß weit in die Ge- 
schichte zurückgreifen, um das Beispiel einer ähnlichen, so raschen und 
fast restlosen Niederlage zu entdecken. Man denkt dabei an Isaias 
14,14 ff., wo es heißt: „Zu Wolkenhöhe steige ich empor und mache mich 
dem Höchsten gleich. Nun stürzest du ins Schattenreich, zur allertief- 
sten Grube. Die einstens dich gesehen, gespannt sie dich anblicken, 
betrachten dich und sagen: Ist das der Mann, der einst die Erde zittern 
ließ, in Schrecken Königreiche setzte? Und der die Welt zur Wüste 
machte und ihre Städte niederriß, nicht losgab seine Häftlinge nach 
Hause?" 

, 3. Hauptzielpunkte der Verfolgung. 

„Unser Führer Adolf Hitler hat im Gegenteil wiederholt erklärt, die 
Partei wird stets so zu führen sein, daß kein Katholik mit seinem Ge- 
wissen in Konflikt kommen könne als treuer Anhänger der National- 
sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (,Sehr richtig' bei den NS). 
Darnach richtet sich die offizielle Politik, die Führung unserer Partei." 

So steht es als Erklärung des Sprechers der Nationalsozialisti- 
schen Landtagsgruppe im offiziellen Bericht der 115. Sitzung des 
Bayerischen Landtages vom 29. April 1931 (S. 692). 

Und die Taten dieser Partei undihres Führers? 

Fesseln um Fesseln, Gewissensbedrückung und Gewissens- 
vergewaltigung, Unterdrückung von Freiheit, Recht und Menschen- 
würde auf allen Gebieten. 

Nach der Regel: „Schlage den Hirten, und die Herde wird sich 
von selbst zerstreuen" (Zach. 13,7), richtete sich der Hauptstoß des 
Nationalzozialismus auf der religiösen Linie zunächst gegen die 
kirchiicheObrigkeit. 

a) Kampf gegen das Papsttum. 

Es ist bezeichnend, daß der Leiter der weltanschaulichen 
Schulung des NS, Alfred R o s e n b e r g, im 1. Kapitel seiner 
Kampfschrift: „An die Dunkelmänner unserer Zeit" den Sturmbock 
gegen den Felsen Petri ansetzen wollte unter dem Titel: „Die an- 
gebliche Einsetzung des Petrus bei Matthäus 16,18." Was er da an 
seichten Ausführungen, an Deutungen bzw. Mißdeutungen und 
Leugnungen vorbrachte, wurde dann von ungezählten „Schülern'* 
in Zeitungsartikeln und Vorträgen nachgebetet. 

Besonders gern und ausführlich wurde geredet und geschrieben 
über die „schlechten Päpste", selbst vor der Jugend. Papst Alex- 

22 



i 
ander VI. wurde als Typus der allgemeinen Schlechtigkeit 
der Päpste hingestellt (vgl. „Das Schwarze Korps" vom 17. 12. 1936). 
Das Buch von Löhde: „Der Papst amüsiert sich", ein echtes Luden- 
dorff-Verlags-Werk, wurde eifrigst in Parteikreisen empfohlen und 
verbreitet. Die lächerlichsten und niedrigsten „Papstfabeln", wie 
z: B. jene von der „Päpstin Johanna", wurden neu aufgetischt (z. B. 
in „Das Schwarze Korps" vom 23. 4. 1936). Sogar eine ganz neue 
'Papstfabel wurde erfunden und verbreitet: daß der Jude Ko- 
lumbus im Auftrage Roms seine Fahrt nach Amerika unter- 
nommen habe, um „die nicht romhörige nordische Kultur Nord-, 
amerikas" zu zerstören. 

Die Kämpfe zwischen Päpsten und Kaisern und die Religions- 
kriege des Mittelalters waren beliebte Themen von Aufsätzen und 
Vorträgen, auch Gegenstand nationalsozialistischer Romane und 
Bühnenstücke („Heinrich IV," von Kolbenheyer; „Der König reitet" 
von Frau Anders). 

Wußte man aber gegen das persönliche Leben der Päpste des , 
letzten Jahrhunderts nichts einzuwenden, so hing man ihnen um so 
mehr politische Sünden an: Die Päpste seien durchwegs 
deutschfeindlich: z. B. habe Papst Benedikt XV. nicht Einspruch 
erhoben gegen den Versailler Gewaltfrieden!! Die Päpste seien 
überhaupt nicht gegen den Krieg, sobald sie dadurch ihre Macht 
und Herrschaft in der Welt ausdehnen könnten. Die Päpste trügen 
eine Schuld oder wenigstens Mitschuld an dem Kriege 1870/71, 
natürlich auch am Weltkrieg, ebenso an Italiens Krieg gegen 
A,bessinien. 

Der Vatikan stehe im Bund mit der Freimaurerei 
(Goebbels „Der Angriff" vom 21. 6. 38). Mos^kau und Vatikan 
verhandelten über ein Konkordat. Die ganze Geschichte des Papst- 
tums sei vom Geist des Judentums beeinflußt („SA-Mann" vom 
12. 6. 36). Ja, Papst P i u s XI. sei ein H a 1 b j u d e, seine Mutter 
sei eine holländische Jüdin gewesen („Judenkenner" von 1935 und 
„SA-Mann" vom 9. 9. 38). In Wirklichkeit waren die Vorfahren 
des Papstes seit^ vielen Generationen einfache Bauersleute, seine 
Mutter war eine geborene Galli aus Desio. Sein Kardinalstaats- 
sekretär P a c e 1 1 i sei sogar Volljude. Der „Heidelberger Stu- 
dent", das Organ der Heidelberger Gruppe des NS-Studentenbundes, 
vereinigte am 4, 5. 35 die Vorwürfe in einem Spottbild, das einen 
Freimaurer, Juden und Jesuiten um einen runden Tisch vereint 
zeigt, überrascht von einem SA-Mann, der den Vorhang aus- 
einanderschiebt. Darunter die Unterschrift: „Sie sind entlarvt". 

Natürlich wußten die Nationalsozialisten viel zu erzählen von 
der unersättlichen Geldgier der Päpste. Die „Mainfränkische 
Zeitung" vom 25. 8. 37 z. B. berichtete: Als Erzberger mit einem 
Rundschreiben aufgefordert habe, reichlich für den Peterspfennig 
zu geben, damit der Vatikan nicht in einseitige finanzielle Ab- 
hängigkeit von den westlichen Ländern gerate, seien aus Deutsch- 

23 



land allein innerhalb der Jahre 1916—18 an die 2 Millionen 
Mark als Peterspfennig nach Rom gewandert!! 

Auch der im Reichskonkordat feierlichst bekräftigte Wunsch, 
„die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich be- 
stehenden freundschaftlichen Beziehungen zu festigen und zu för- 
dern", tat der Papsthetze des NS keinen Abbruch: Schon drei Tage • 
nach der Unterzeichnung dieses völkerrechtlichen Vertrages begann 
der „Völkische Beobachter" eine Polemik gegen das vatikanische 
Organ „L'Osservatore Romano" über die Auslegung dieses Abkom- 
mens. — Unter dem Titel: „Das Parteiprogramm und das Reichs- 
konkordat" veröffentlichte ein hoher Regierungsbeamter, A. Richter, 
in Nr. 8 der Monatszeitschrift „Deutschlands Erneuerung" (1936 
S. 464ff.) einen langen Artikel mit der Schlußfolgerung: „Das 
Konkordat gilt nur insoweit, als esnicht der 
innerenEntwicklungunseresVolkesunddenVer- 
ordnungen des nationalsozialistischen Staates 
entgegen ist." 

Papstfilm verboten. 

Als im Jahre 1934 in München mit großem Erfolg ein Film 
über Rom und Vatikan mit Aufnahmen vom Heiligen Jahr, von 
Pilgerfahrten, Papstaudienzen u. ä. aufgeführt wurde, wurden da- 
gegen in üblicher spontaner Weise „Volksdemonstra- 
tionen" organisiert und Störungen versucht. Und die Polizei — 
stand zu den nationalsozialistischen Radaumachern und tat ihren 
Willen mit der Verfügung vom 6. Juni 1934: 

Betreff: öffentliche Ruhe und Ordnung. 

Beschluß. 

Auf Grund § 1 der VO. des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk 
und. Staat vom 28. 2. 33 (RGBl. 1933 Teil I S. 83) wird die öffentliche 
Aufführung der Bildstreifen: 

a) „Rom, die ewige Stadt" und 

b) „Der Vatikan in Kunst und Geschichte" 

bis auf weiteres untersagt. 

Ein halbes Jahr nach Konkordatsabschluß durfte sich der satt- 
sam bekannte Dr. Dinter in der Wochenzeitung: „Die deutsche 
Volkskirche" (Februar 1934 Nr. 74) ungestraft folgende Spottergüsse 
über den Papst leisten: 

a) Der „Heilige Vater" betet: Die diesjährige Weihnachts- 
ansprache des Papstes war sehr kurz. Er betonte eingangs, er sehe da- 
von ab, auf die einzelnen Ereignisse des abgelaufenen Jahres einzu- 
gehen, es sei auch durchaus nicht seine Absicht, eine bedeutsame Rede 
zu halten. Er spreche nur, weil er die Erwartung vieler, aus seinem 
Munde Ansichten über diese und jene Fragen zu hören, nicht ganz ent- 
täuschen wolle. In der Politik würden viele Worte gemacht; aber das 
einzige, was er tun könne, sei beten. 

Wir haben volles Verständnis dafür, daß der Papst an diesem Weih- 
nachtsabend nicht das Bedürfnis hatte, auf „einzelne Ereignisse des ab- 
laufenden Jahres" einzugehen; denn dieses ereignisreiche Jahr hat ihm 
deutlich genug gezeigt, daß sein Ansehen in der ganzen Welt erschüttert 

24 



ist. Die urkatholischen Länder Spanien und Mexiko haben sich völlig von 
ihm losgesagt. In den übrigen katholischen Ländern ist er nur noch 
eine Puppe, die man duldet, weil es so zum guten Ton gehört. In die 
Politik läßt man ihn nicht mehr hineinreden. Einzig und allein durch 
das Konkordat mit dem nationalsozialistischen und protestantischen 
Deutschland hat er noch einmal einen Auftrieb erhalten; sonst wäre 
seine eingebildete Weltmacht schon im Jahre 1933 für alle Welt sichtbar 
zusammengebrochen. Trotz diesem unerwarteten Auftriebe hat der 
„Heilige Vater" aber alle Ursache zu Jahwe zu beten; denn er weiß, 
daß das neue Jahr 1934 das religiöse Erwachen des Deutschen Volkes 
bringen und daß die reine Heilandslehre über Deutschland hinaus die 
ganze Welt in Flammen setzen wird. Dann aber ist es mit seiner Herr- 
lichkeit vorbei! 

b) Winterhilfswerk für den „Heiligen Vate r". Einem 
Bericht der jüdisch-römischen „Neißer Zeitung" zufolge machten Mit- 
glieder des katholischen Frauenberufsverbandes „Schaffende Frauen" 
eine Pilgerfahrt nach Rom. Diese Frauen, die zu den Ärmsten der 
Armen gehören, hatten für den Papst vielerlei Geschenke mitgenommep. 
So hatten drei Berliner Wäschenäherinnen zwei Dutzend Wäschekragen 
genäht, die der „Heilige Vater" mit „sichtlicher Freude" entgegennahm. 

Diese Pilgerfahrt armer deutscher Frauen nach Rom und die Be- 
schenkung des Papstes durch sie ist symbolisch dafür, daß die Lehren 
der jüdisch-römischen Kirche die Umkehrung der reinen Heilandslehre 
sind. Wenn der Papst und die jüdisch-römische Kirche nur einen Fun- 
ken Heilandsgeist hätten, so würde kein Mensch zu hungern und zu 
frieren brauchen. Es genügte ein Bruchteil ihrer Reichtümer, um Not 
und Armut zu beseitigen. Statt dessen schwelgen die Jahwepriester im 
Überfluß, und ihr Oberpriester läßt sich seine Kragen auch noch von 
armen Berliner Frauen schenken." 

Eine „Kunstausstellun g ", die von der NS-Kultur- 
gemeinde München im Jahre 1935 an verschiedenen Orten Süd- 
bayerns veranstaltet wurde, hielt es für einen wertvollen Beitrag 
zum kunstgeschichtlichen Unterricht, Spottbilder über das Papst- 
tum aus den letzten vier Jahrhunderten zu bringen (vgl. Kardinal 
Faulhaber: „Steinwürfe gegen den Thron der Päpste" 1936). 

In einer NS- Versammlung in Schlehdorf bei Kochel in 
Oberbayern am 12. Novemlaer 1938 nannte der Redner, Dr. Pfann- 
müller, leitender Arzt der Heil- und Pjflegeanstalt Eglfing-Haar, den 
Heiligen Vater einen „Idioten" und „Erztrottel", Kardinal Innitzer 
von Wien einen „Bazi". Gleichzeitig rühmte er sich und seine 
Parteifreunde: „Dem Faulhaber haben wir es heute nacht besorgt" 
(Sturm auf den Münchener Bischofshof am 11. November 1938). 

Auch die unreifen, von der Jugend selbst erzogenen Hitler- 
jungen glaubten sich schon am Felsen Petri reiben zu müssen 
und schrien mit dem Lied der „Deutschen Glaubensbewegung": 
„Der Herbststurm fährt übers Stoppelfeld" durch die Straßen: 

„Der Papst hockt in Rom 

auf seidenem Thron, 

es hocken bei uns seine Pfaffen, 

Was hat einer deutschen Mutter Sohn 

mit Papst und Pfaffen zu schaffen?" 

25 



Ein anderes Spottlied auf den Papst, in der HJ zu Düsseldorf 
gesungen, lautete; 

„Ein schwarzer Götze in weißem Gewand 
regiert von Rom aus die Stunde, 
regiert auch schon das deutsche Land, 
seine Diener sind treue Hunde. 
Schlagt tot, schlagt tot, schlagt alle tot! 
Schlagt sie nieder, die heuchelnden Geister 
mit deutscher Kraft und deutschem Mut, 
dann werdet ihr deutsche Meister." 

Ein Spottlied richtete sich direkt gegen den regierenden Papst, 
mit dem man das Konkordat alpgeschlossen hatte: 

„Papst Pius kam geritten 
auf .einem Ziegenbock. 
Da meinten die Katholiken, 
es sei der liebe Gott. 
, Sie beteten ihn an 

und sangen schöne Lieder, 
wie man sich denken kann." 

Auf der HJ-Tagung zu Speyer im Jahre 1937 verstieg sich der 
Führer der HJ zu dem Ausspruch; „Die höchste Religion 
steht über dem Papst und über Luther; man muß nur dorthin 
gehen, wo der Führer ruft. Die Priester haben ihren Führer 
verkannt, obwohl dieser Prophet, der Führer, sie vor dem Unter- 
gärig gerettet hat." (S. „Hochwacht" v. 17. 8. 37.) 

Eine „Stürmer"-Tafel vom August 1937 brachte eine Karikatur 
des Staatssekretärs Sr. Heiligkeit, Kardinal Eugen Pacelli, aus An- 
laß seines Besuches in Paris: „Die 2 Roten". Der Kardinal wendet 
sich in dieser Spottzeichnung zu einem Kommunisten um, der ihm 
die rote Schleppe trägt, und spricht: „Ich danke Ihnen für diesen 
Dienst. Ich werde Ihnen dafür hernach den Segen geben." 

Ebenso gemein, verlogen, Papst und Staatssekretär beleidigend 
war ein Bild in „Das Schwarze Korps" vom 22. Juli 1937 mit dem 
Titel: „Die Frankreich-Reise des Kardinals." Des Papstes Staats- 
sekretär legt seine Hand auf die Frau Kommune mit jüdischem 
Gesicht und spricht: „Schön ist sie ja nicht, aber sie kann gut 
kochen": „Greuellügen" und „Antinazi" „aus der Giftküche Volks- 
front". 

Daß sich Partei und Presse nach dem Erscheinen des Päpst- 
lichen Weltrundschreibens: „Mit brennender Sorge" im März 1937 
wie eine aufgehetzte Meute von Hunden auf den Papst stürzten und 
allen Respekt und Verstand vergaßen, ist nicht zu verwundern. 

Vor der Papstwahl im Jahr 1939 brachte das Organ Goebbels' 
„Der Angriff" eine Artikelreihe: „DieMänner, diedenPapst 
umgebe n". In mehr als 100 000 Exemplaren wurden diese Artikel, 
die voll von gemeinen Unterstellungen und Beleidigungen kirch- 

26 



licher Würdenträger waren, In einer Flugschrift zusammengefaßt 
und unter das deutsche Volk geworfen. 

Die schändlichen Spottbilder auf Papst und Priester, die an 
Decke und Wänden der Kegelbahn des Kommandanturhauses im 
Konzentrationslager Dachau waren, dürften wohl bloß ein Bei- 
spiel von dem sein, was in SS-Kreisen mit Vorliebe verhöhnt wurde. 

Selbst bei Führungen in St. Peter und in den Vatikanischen 
Museen zu Rom, also sozusagen im Hause des Papstes selbst, konn- 
ten deutsche Reiseführer es sich nicht versagen, mit Skandal- 
geschichten gegen das Papsttum zu hetzen; es mußte erst eine ernste 
Verwahrung des Erzbischöflichen Ordinariates München beim Reise- 
veranstalter gegen solchen Unflat an heiliger Stätte und gegen 
solche Verletzung der Gefühle katholischer Reiseteilnehmer- ein- 
gelegt werden (1938), daß hier die einfachsten Anstandspflichten 
erfüllt wurden. 

b) Kampf gegen die Bischöfe. 

Gegen die eigenen Volksgenossen, mochten sie auch die Bi- 
schofsweihe haben und in den Augen der Katholiken Nachfolger 
der Apostel sein, getraute man sich im Dritten Reich noch rück- 
sichtsloser und unverschämter vorzugehen. 

In Nr. 36 der nazistischen „Deutsche Volkskirche" vom Jahre 
1935 schrieb Dr. Dinter von der Fuldaer Bischofskonferenz als 
von „teuflischem Beginpen", „verräterischem Tun dieser Jüdisch- 
Römischen Jehova-Priester". 

Die „Führerblätter der HJ" nannten im August 1936 
Hirtenbriefe der Bischöfe „Sprechtraktätchen", „Fetzen, Sudel- 
papier", „Frivolität", „Gemeinheit". 

Übertrumpft wurden diese Schmähungen noch von dem Spdtt- 
bild, welches „Das Schwarze Korps" vom 6. 5. 37 in Rück- 
sicht auf die „Sittlichkeitsprozesse" gegen die katholischen Bischöfe 
Deutschlands brachte: Es stellte einen „Oberhirten" mit einer Herde 
von Schweinen dar, welche Etiketten trugen: „Vergewaltigung"^ 
„Sadistische Orgien in Klöstern". „Unzucht wider die Natur in 
Gotteshäusern". „Mißbrauch von Kindern und Schwachsinnigen". 
Der „Oberhirte" aber sieht von all dem Greuel nichts, weil er eine 
Zeitung vor den Augen hat mit der großen Überschrift: „Politik"* 
Unter dem Schmähbild aber steht blasphemisch das Herrenwort: 
„Weide meine Lämmer!" 

Ein paar Monate darauf leistete sich die N S - P a r t e i selbst 
eine unerhörte Verhöhnung von katholischen Bischöfen des In- und 
Auslandes. Die Parteiamtliche Wandzeitung der NSDAP zeigte am 
8. 7. 1937 als Folge 28 der „Parole der Woche" für acht Tage an 
allen Orten Deutschlands: 

Roms „Alte Männer" 

mit folgendem Text: 

27 



„Der alte Bischoi von Speyer 

Dr. Sebastian hat, wie der Frankenthaler Prozeß einwandfrei ergab, 
das Konkordat gebrochen und einer auswärtigen Macht verleumderische 
Mitteilungen über unseren neuen Staat gemacht. Außerdem betätigt 
sich dieser Bischof als anonymer Brief Schreiber mit Worten wie: Lüg- 
ner, Lump und Verleumder. Sein Verteidiger erklärt dazu, daß das 
,nicht ernst zu nehmende Schreibereien eines alten Mannes' sind. 

Der alte Kardinal von Chicago 

Mundelein erlaubt sich die unerhörtesten Angriffe gegen das natio- 
nalsozialistische Deutschland und seinen Führer. 

Der alte Fürst- Erzbischof von Prag 

Kaspar hat eine Verfügung erlassen, wonach im gesamten sudeten- 
deutschen Sprachgebiet in^ Zukunft nur noch Neupriester tschechischer 
Nationalität eingestellt werden dürfen. Diese Maßnahme zielt auf Aus- 
rottung des Deutschtums und intensive Tschechisierung hin. 

Der alte Bischof von Krakau, Fürst 

S a p i e h a ließ demonstrativ den bei der Kirche unbeliebten toten 
Nationalhelden Marschall Pilsudski aus seiner bisherigen Ruhestätte in 
eine Nebengruft des Wawel überführen. Damit hat er sich in schärfsten 
Gegensatz zum polnischen Volk gestellt. 

Dieser Bischof ist bel^annt. als eingefleischter Deutschenhasser und 
als einer der starrköpfigsten katholischen Geistlichen. Er hat den Plan 
gefaßt, auf dem nächsten Posener Kongreß die internationale Geistlich- 
keit zu einer Erklärung gegen Deutschland zu veranlassen. 

Der alte Bischof von Trier 

Dr. Bornewasser kann sich in einem Sittlichkeitsprozeß plötzlich 
an nichts mehr erinnern und leistet einen ,objektiven Meineid', wie der 
Staatsanwalt festgestellt hat. 

Wir haben einwandfreie Beweise dafür, daß alte römische Bischöfe 
an Devisenschiebungen beteiligt sind, daß sie angeklagte homosexuelle 
Ordensbrüder in Fronleichnamsprozessionen mitmarschieren ließen, daß 
sie dem Staat die Aktenherausgabe verweigerten und perversen Ver- 
brechern zur Flucht ins Ausland verhalfen. 

'Der alte Bischof von Linz 

hat jüngst von der Kirche gefordert, sie solle sich nicht zu viel mit rein 
religiös-kirchlichen Betätigungen abgeben, sondern vielmehr das 
Augenmerk auf weltliche Dinge richten! 

» 

»ImneuenDeutschland 
herrscht nicht das Gesetz des Vatikans, sonder ndas 

Gesetz des Volkes'. 

Das hat Reichsminister Dr. Goebbels eindeutig ausgesprochen. Die 
Weltpolitik des Vatikan wurde zu jeder Zeit und in allen Staaten von 
,alten Männern' gemacht. Alte Männer hängen gern an Überliefe- 
rungen, Formen und Gebräuchen vergangener Zeiten. Möglicherweise 
ist das der Grund, warum dieselben ,alten Männer' sich nur sehr 
schwer in die heutige Zeit finden können. Aus einer greisenhaften und 
senilen Vorstellungswelt heraus entsteht zunächst auch eine gewisse 
Unsicherheit und Nervosität der neuen deutschen Volkwerdung gegen- 
über, die zu mancher Unklugheit verleiten läßt. Aber trotzdem glau- 
ben wir bei der Häufung der angeführten Fälle nicht an angeb- 
lich ,nicht ernst zu nehmende Handlungen alter Män- 
n e r'. Durch alle diese Vorfälle zieht sich eine gewisse, planmäßig fest- 
gelegte Linie. Für uns bedeuten sie eine Mahnung, auf der Hut zu sein, 
und sie sind uns Veranlassung, nur um so näher zusaromenziu'ücken. 

28 



wir wissen eines! 

Auch Gepflogenheiten und Traditionen, die sich scheinbar in Jahrhun- 
derten bewährt haben, verlieren ihren Gültigkeitsanspruch in dem 
Moment, wo sie am Bestand unseres Volkes zu rütteln wagen. 
Ist dieser in Gefahr, so wird die sonst auch bei uns ge- 
pflegte Ehrfurchtvor dem Alter uns nicht abhalten, 
mit der uns eigenen Energie solchen überalteten und 
gefährlichen Strömungen entgegenzutreten. 

Die nationalsozialistische Bewegung kennt keine überstaatliche 
internationale Bindung, sondern anerkennt nur das ewige Lebensgesetz 
des eigenen Volkes. / 

Die Wohlfahrt des Volkes, seine Kraft und Gesundheit sind oberste 
Richtschnur für seine Führung und Betreuung. Über allem steht: 

Das Gesetz des Volkes!" 

Seite an Seite mit .diesen Angriffen auf die Gesamtheit der 
deutschen Bischöfe ging der Kampf im einzelnen: In ganz 
Deutschland ist wohl keinkatholischerBischof, der nicht 
von Seiten der Nationalsozialisten auch noch persönliche Verun- 
glimpfungen und Verspottungen, Entstellungen und Mißdeutungen 
seines Redens und Tuns erleiden mußte. 

Umgekehrt suchte man Treuekundgebungen für die 
Bischöfe, Ansammlungen treuer Katholiken vor Bischofswohnungen, 
Hoch- und Heilrufe bei ihren Abfahrten zu verhindern, photo- 
graphierte und verhaftete Leute, die sich solch eines „Verbrechens" 
schuldig machten, trieb sie unsanft auseinander etc. Verfasser wurde 
nach der Fronleichnamsprozession 1936 eigens zum Polizeipräsi- 
denten von München befohlen, um Aufschluß zu geben, warum der 
Kardinal nach der Prozession so langsam heimgefahren sei und so 
das Volk zu Kundgebungen veranlaßt habe!! 

Beschimpfungen und Bedrohungen des Kardinals 

von München 

Bei Vernehmungen verhafteter Angehöriger des Bischofs 
im Polizeigebäude zu München waren gemeinste Beschimpfungen 
desselben mit nicht wiederzugebenden Ausdrücken von selten der 
Amtspersonen gang und gäbe. Dies ist beispielsweise von zwei 
Zeugen protokollarisch festgelegt bezüglich einer polizeilichen Ver- 
nehmung am Tag des 25jährigen Bischofsjubiläums Seiner Eminenz: 
sozusagen die einzige „Gratulation" einer Amts- 
stelle zu diesem Feste ! 

Immer wieder wurde auch zu durchsichtigem Zweck die alte 
Verleumdung aufgewärmt und verbreitet, daß Kardinal Faulhaber 
am 8./9. November 1923 Einfluß auf den bayerischen 
Ministerpräsidenten Kahr genommen habe, um ihn zum 
„Bruch seines Wortes" gegenüber Hitler zu bewegen. Eine Ver- 
dächtigung, die gerichtlich als Lüge erwiesen wurde, den. 
Nationalsozialisten aber gut genüg war zu neuer Hetze gegen den 
hohen Kirchenfürsten, z. B. in der HJ-Zeitschrift: „Wille und 
Macht" vom 1. 9. 1937. 

29 



Die Hetze und Drohungen gegen den Kardinal wurden schließ- 
lich so heftig und zahlreich, daß sich das Erzbischöfliche Ordinariat 
München zu folgender Vorstellung beim Reichsinnenminister ge- 
zwungen sah: 

München, den 25. Februar 35, 
An das ' 

Eeichsministerium des Innern 

Berlin. 

iöetreff: Beschimpfungen und Bedrohungen des H.H. Kardinal Faulhaber. 

In der Beilage (B. 1) übersenden wir einen Bericht über Beschimp- 
fungen und Bedrohungen, wie sie in letzter Zeit wiederholt gegen Se. 
Eminenz den Hochwürdigsten Herrn Kardinal Dr. Michael Faulhaber in 
Erscheinung treten. 

Wir verweisen insbesondere auf die offenen Mordandrohun- 
gen, die in der Versammlung der „Deutschen Schulgemeinde" am 15. ds. 
im Bürgerbräukeller laut und aus vieler Mund in den Saal hinein- 
gerufen wurden, ohne daß vom Versammlungsleiter oder Versamm- 
lungsredner irgendeine Zurückweisung erfolgte oder die zahlreich im 
Saal verteilte Polizei, SA und SS sich irgendwie zu einem Einschreiten 
veranlaßt sahen. Zu unserem lebhaften Bedauern sind, offenbar durch 
die anwesenden, teilweise sogar verhafteten ausländischen Bericht- 
erstatter, gerade über diese Bedrohungen Sr. Eminenz Nachrichten in 
die ausländische. Presse gekommen und haben dem Ansehen Deutsch- 
lands neuen Eintrag getan. 

In einem Schreiben an die Polizeidirektiön München (sibhe Beilage, 
B. 2) hatten wir schon tags vorher unsere ernsten Befürchtungen ge- 
äußert, daß nach einem so aufwühlenden Schulkampf eine unter aus- 
drücklichem Gegensatz zu Eminenz einberufene Massenversammlung 
schlimme Auswirkungen haben muß, fanden aber leider hierfür keiner- 
lei Gehör bei der Polizeidirektion München, die wenige Tage vorher 
(9. ds.) schon in einem bloßen, sachlichen Seelsorgerbrief der Münchener 
Stadtpfarrer, der unter verschlossenen, adressierten Kuverts nur den 
Eltern von Schulkindern ins Haus getragen werden sollte, eine Gefähr- 
dung der öffentlichen Sicherheit imd Ordnung erblickte und eine Be-^ 
schlagnahme dieser Briefe verfügte. 

Tags darauf, also am 16. ds. Mts., rief das Auswärtige Amt beim 
Erzbischöflichen Ordinariat München an und bat um die Ermächtigung, 
eine englische Rundfunknachricht über eine Verhaftung oder Belästi- 
gung Sr. Eminenz unter Berufung auf das Erzbischöfliche Ordinariat 
München dementieren zu dürfen. Dies wurde gern zugestanden, aber 
auch zugleich der ernsten Besorgnis Ausdruck verliehen, daß Ver- 
sammlungsreden, wie sie tags zuvor gehalten wurden und schwerste Be- 
drohungen gegen Eminenz erzeugten, leicht unbesonnene und unbe- 
herrschte Elemente zu ähnlichen oder noch schlimmeren Übeltaten rei- 
zen könnten, wie dies vor etwa Jahresfrist bereits geschehen sei. 
(Schüsse ins Erzbischöfliche Palais!) 

Ohne jede polizeiliche Behinderung durfte 5 Tagei darauf in dem 
Vortrag des Herrn Dr. Schott von der NS Kulturgemeinde, Gau Ober- 
bayern-Isartor und Max-Josef-Platz eine neue Hetze gegen Papst, Kar- 
dinal, Priester und Christentum vor sich gehen und neue Beschimpfun- 
gen und Bedrohungen Sr. Eminenz hervorrufen. Nachdem unsere Vor- 
stellungen bei der Polizeidirektion München keinen Erfolg hatten, sehen 
wir uns gezwungen, das Reichsministerium des Innern selbst auf diese 
Gefahren aufmerksam zu machen und zu bitten, in Erfüllung des Art, 5 
des RK. die zuständigen Stellen entschieden anweisen zu wollen, Bi- 
schöfen und Klerus den Schutz des Staates gegen jedermann zu gewäh- 
ren, öffentliche Beschimpfungen und Bedrohungen, derselben ernstlich 

30 



2U verbieten und jeden Versammlungsleiter, der solche Schmähungen, 
Drohungen ungeahndet läßt, und jeden Versammlungsredner, der sie 
selbst macht oder hervorruft, zur Verantwortung zu ziehen und Organi- 
sationen, die solche Sicherheit, Ordnung und deutsches ansehen ge- 
fährdende Hetze treiben, solange keine Versammlung mehr zu gewäh- 
ren, bis sie wirksame Garantien gegen Wiederholungen solcher Ent- 
gleisungen und Gefährdungen geben. 

Beilage 1. 

Beschimpfungen und Bedrohungen Sr. Eminenz des H.H. Kardinals 
Dr. Michael Faulhaber in öffentlichen Versammlungen in München, 

I. 

Der Auftakt zu einer ununterbrochenen Folge von systematischen 
Verleumdungen unseres Oberhirten war das Verlesen der „deutschfeind- 
lichen" Predigt des Kardinals in der Versammlung der Deut- 
schen Glaubensbewegung Mitte Oktober (im kleinen ebenerdi- 
.gen Saal des Museums zu München, Promenadestraße). Als diese Pre- 
digt ein paar Wochen später nach Erscheinen im „Blitz" als eine tsche- 
chisch-sozialistische Unterstellung öffentlich gebrandmarkt ward, wurde 
die Anschuldigung wohl in der nächsten Versammlung der deutschen 
Glaubensbewegung widerrufen, aber in einer Form tmd in einem Ton, 
daß eine neue Anschuldigung daraus wurde: „Es war begreiflich, daß 
wir uns täuschen ließen, weil Ausdruck und Art dieser nichtgehaltenen 
Predigt durchaus im Sinne der gehaltenen Predigten des Kardinals 
waren." Auch war in der Spanne Zeit, die zwischen der Oktoberversamm- 
lung und der Novemberversämmlung lag, immer wieder in den öffent- 
lichen Versammlungen und dem Rednerkurs der DGB. auf die anti- 
nationale Einstellung des Kardinals Bezug genommen worden. Die 
ersten „Pfui"-Rufe, die dem Kardinal galten, dessen Verhalten eine' 
„Schmach und eine Schande" seien, sind jedenfalls in der Oktober- 
versammlung gefallen, dann häufig an den Dienstagabenden, an denen 
die DGB. bis, kurz vor Weihnachten ihre Zusammenkünfte abhielt. Ohne 
Übertreibung kann man feststellen, daß kein einziger dieser Abende 
ohne unerhörte Schmähungen — auch gegen den Klerus und die Kirche 
— verlief und daß für die unglaublichen Anschuldigungen niemals ein 
Beweis erbracht wurde, obwohl dieser häufig angeboten wurde. Daß 
ganz offen und mit einem gewissen Stolz behauptet wurde, der jüdische 
§ 5, der den Mord verbiete (also 5. Gebot Gottes) habe keine Geltung, 
wenn das Staatsinteresse die Beseitigung eines „Schädlings am Volks- 
körper" fordere, gibt den Schmähreden gegen die Kirche, ihre Priester 
und den Oberhirten eine besondere Bedeutung. Es wäre durchaus ver- 
ständlich, wenn fanatisierte Menschen, bei denen die Hemmungen von 
Glauben und Gewissen auf diese Weise aufgehoben sind, den Plan faß- 
ten, diese „Schädlinge voll Habgier, Eigennutz, Machthunger, Feigheit, 
Bestechlichkeit, Verlogenheit, Verrat" durch Mord aus der Welt zu 
schaffen. 

II. 

Beim Kampf gegen die Bekenntnischule flammte der offene Haß 
gegen den Oberhirten und die Priester auch an einer anderen Steile 
auf, in der neugegründeten Deutschen Schulgemeinde. In einer 
der 25 Elternversammlungen, die diese am 12, II. 35 einberufen hatte, 
im Cafe Viktoria, Maximilianstraße, richtete sich der Redner, Kreis- 
schulrat Streicher', mit allem Nachdruck gegen die Kirche, den 
Klerus und den Kardinal (allerdings ohne Namensnennung, nur immer 
in der Form des „Predigers von St. Michael"), die keine nationale Ein- 
stellung hätten und denen die Frage der Bekenntnisschule lediglich 
eine Machtfrage sei. 

Eine Steigerung der haßdurchtränkten Anfeindungen gegen den 
BLardinal vollzog sich dann in der Massenkundgebung im Bürger bräu- 

31 



keller am 15. Februar 1935. Es wirkte schon aufreizend, daß die Re- 
klame für diese Versammlung in Presse, Rundfunk und besonders in 
den Plakaten den Gegensatz zu Kardinal Faulhaber in besonderer'Weise 
betonte; in riesengroßen Lettern verkündeten z. B. die Plakate: „Unsere 
Antwort an Kardinal Faulhaber". Damit fühlten . sich' die Gegner des 
Kardinals schon im vorhinein besonders eingeladen. Dazu kam nun, daß 
der Redner manche Predigtworte des Kardinals lächerlich und ver- 
ächtlich machte und dadurch Entrüstungsstürme und Zurufe entfesselte 
wie: „Pfui! Hängt ihn auf! Erschiessd'n! Dachau!" Der Versammlungs- 
leiter Sechser hielt es nicht für notwendig, solche Ungehörigkeiten und 
Ungeheuerlichkeiten zu rügen und zu verbieten. Der Redner selbst wies 
sie ebenfalls nicht zurück. Und die im ganken Saal gut verteilte, etwa 
aus 600 SA und SS bestehende Saalordnung, die jeden abführte, der 
sich irgendwelche Notizen machte, fühlte sich nicht bemüßigt, irgend 
einen dieser Schreier zurechtzuweisen oder festzustellen oder gar zu 
verhaften. Man hörte die Drohungen und konnte auch die Rufer recht 
wohl sehen, aber man fand nichts dahinter. 

Die Inschutzhaftnahme des Schwerkriegsbeschädigten Jesuitenpaters 
Rupert Mayer, der sich für die Diskussion nur ein paar Merkpunkte 
notierte, löste bei einzelnen Versammlungsbesuchern erst recht .gehässige 
Bemerkungen gegen den Klerus aus. 

Noch weiter ging die Verhetzung in einer von der NS Kultur- 
gemeinde, Gau Oberbayern — Isartor und Max- Josef-Platz-Bezirk ab- 
gehaltenen Versammlung am 20. II. 35 im Kreuzbräu zu München. Der 
Lichtbildervortrag von Dr. Schott mit dem Thema „Zweierlei Welten" 
stellte in Bild und Wort eine Herabwürdigung der katholischen Glau- 
bensgüter und eine Verleumdung und Schmähung der Kirche, des Hl. 
Vaters, des Kardinals und der Priester dar. — Der Hl. Vater wurde > in 
zwei Bildern als Fuchs hingestellt, der „jenseits der Wasserscheide" die 
Schalmei blase und auf dessen 'Lockruf die „deutschen Hühner" resp. 
„deutschen Hasen" hereinfielen. Für Kardinal Faulhaber wurde eine 
große Ähnlichkeit mit dem Teufel des Dürerbildes „Ritter, Tod und 
Teufel" gefunden, ebenso mit dem Kardinal- Großinquisitor von EL 
Greco, dem die „Stichflamme", an der sich Scheiterhaufen entzünden, 
aus den Augen spränge. Der Redner vermied es zwar schlauerweise, bei 
dieser Gelegenheit den Namen „Kardinal Faulhaber" selbst zu nennen, 
legte aber seine Worte so an, daß dieser Name den Zuhörern von selbst 
auf die Zunge kam, bemerkte dann nur, daß er nichts dafür könne, 
wenn solche Zwischenrufe kämen. — Die Menschen waren derartig ver- 
hetzt, daß außer den lauten Zwischenrufen „Pfui" an den einzelnen 
Tischen Bemerkungen gemacht wurden, die auf den Willen zur Beseiti- 
gung der „Römlinge" schließen ließen." 

Der Heilige Stuhl unterstützte diese Eingabe des Erzbischöf- 
lichen Ordinariats München mit einer Note vom 26. 2. 35 und be- 
merkte am Schluß: 

„Der Hl. Stuhl sieht den diesbezüglichen Feststellungen der 
Reichsregierung mit Interesse entgegen sowie der Mitteilung über 
die Maßnahmen, die gegen eine so eklatante Verletzung des Art. 5 
des Reichskonkordats ergriffen worden sind." 

Antwort hierauf: keine! 

Maßnahmen dagegen: keine! i 

Ungeheuerlich waren die Beleidigungen, welche der Kreisleiter 
Dr. F r i t s c h am 28. August 1938 vor etwa 1000 politischen Leitern 
des Kreises Freiburg in der Festhalle von Freiburg im Breisgau 

32 



wider Erzbischof öröber-Freiburg und Bischof Sproll-Rottenburg 
aussprach. 

Fritsch stellte zuerst die Frage, ob ein Katholik überhaupt 
Nationalsozialist, sein könne. Er bemerkte hierauf, er würde einem 
solchen zwei Fragen stellen: 

1. Wie er sich zum Alten Testament stelle, das jüdisches 
Geistesprodukt und zwar das einzige sei. 

2. Ob er sich zur Rassenlehre bekenne. Dann sei der Satz: 
„Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker!" erledigt. 

Das habe auch der „alte Herr" in Rom erkannt. Wir können 
nicht mit Zulukaffern und ähnlichem Gesindel die gleiche Welt- 
anschauung haben. 

Daß der weltanschauliche Kampf in Freiburg so vornehm geführt 
werde, sei nur der Disziplin der nationalsozialistischen Partei zu ver- 
danken. Ihr verdanke es auch der Erzbischof, daß er noch in seinem 
Palais wohnen könne und nicht schon die gebührende Antwort auf sein 
Treiben erhalten habe. Dieser „Lumpenbub" verbreitete Lügenmeldun- 
gen in der Auslandspresse. Das sei Landes- und Hochverrat. Mit er- 
hobener Stimme fuhr der Redner fort: „Ich nenne ihn in aller Öffent- 
lichkeit Gauner, Lügner und Vaterlandsverräter. Er soll 
mich verklagen, damit wir einmal Gelegenheit haben, ihm vor Gericht 
zu sagen, was wir ihm alles vorzuhalten haben." 

Dr. Fritsch fuhr fort: „Wir hätten das schon längst von uns aus 
getan, aber wir wollten keinen Märtyrerbischof schaffen." Sodann be- 
faßte sich Kreisleiter Dr. Fritsch mit der Pressenotiz vom Donnerstag 
und Freitag in der „Freiburger Zeitung" und dem „Alemannen", daß 
Bischof SproU von Rottenburg seit einigen Tagen sich in Freiburg auf- 
halte. Er bemerkte dazu: „Freiburg ist kein Asyl für Vaterlandsver- 
räter. Wenn dieser Herr nicht binnen weniger Tage das Weite sucht, 
dann werden wir dafür sorgen, daß es ihm hier ebenso ergeht wie in 
Rottenburg. Die nötigen Mannschaften werden nicht fehlen. Dann geht 
aber der zweite gleich mit. Wenn wir das bisher nicht getan haben, so 
nicht deshalb, weil uns etwa der Mut fehlte — um Waschlappen zu ver- 
treiben, braucht man keinen Mut — , sondern deshalb, weil wir uns die 
Finger nicht dreckig machen wollten an solchen Schweinen." 

T ä 1 1 i c h k e i t e n g e g e n B i s c h ö f e. 

Von beleidigenden Worten über Bischöfe ging man aber als- 
bald auch zu verletzenden Taten über, so schon im Jahre 
1934 gegen den BischofvonWürzburg: 

Die päpstliche Note vom 14. 5. 1934 berichtet darüber im Anschluß 
über Klagen gegen die „Passivität der verantwortlichen höchsten Stel- 
len" folgendes: 

„Früchte dieser Toleranz von oben und des in gewissen Kreisen 
herangezogenen Geistes sind Vorgänge, wie die jüngst erfolgte Demon- 
stration -von etwa tausend Mann vor dem Bischofshof in Würzburg, da- 
von ein Drittel in der Uniform von Nationalsozialisten und Hitlerjugend. 
Der Diözesanbischöf hatte die Feier der Erstkommunion in der Pfarrei 
Waldbüttelbrunn abgesetzt, weil der dortige Pfarrer unmittelbar vorher 
am Gründonnerstag in Schutzhaft genommen worden war und die Vor- 
bereitung der Kinder auf die erste hl. Kommunion nicht mehr vollenden 
konnte. Auch in diesem Falle ist an der von einer bestimmten Parteistelle 
erfolgten planmäßigen Vorbereitung der Demonstration kein Zweifel. Aus 

Kreuz und Hakenki'euz 3 oo 



der zusammengebrachten Menge fielen In vorbereiteten Sprechchören 
die Rufe: ,Die schwarzen Jugendführer sollen gehängt werden! Der 
Bischof soll gehängt werden! Er ist Landesverräter und Volksveräter! 
Heraus mit der Politik aus der Kirche!' Der Bischof trat an das Fenster 
und sprach: ,Wir tragen die Politik nicht in die Kirche! Wir verteidigen 
die Rechte der Kirche!' Darauf wurde mit einem Balken das Haustor 
eingerammt. Bei dieser Demonstration ereignete sich auch die schmach- 
volle Tatsache, daß die Veranstalter den Osterbrief des Hl. Va- 
ter s Satz für Satz verlasen und Satz für Satz von der durch sie auf- 
gebotenen Parteimannschaft mit Pfui! beantworten ließen. Abgesehen 
von einem örtlichen Demonstrationsverbot für die Zukunft, ist dem Hl. 
Stuhl bisher nicht bekannt geworden, welche Genugtuung dem katholi- 
schen Volk Würzburgs für diese unwürdige Verletzung seiner religiösen 
Rechte und Gefühle zuteil geworden ist. Das Bewußtsein der Recht- 
losigkeit und des Ausgeliefertseins an die Instinkte der Straße muß in- 
folge' solcher Vorfälle, die frühere Kulturkampfzeiten nie gekannt haben, 
wachsen. In diesem Zusammenhang soll nur nebenher erwähnt sein, 
daß der gleiche Osterbrief des Hl. Vaters an verschiedenen Orten von 
den Kirchentüren abgerissen worden ist. Die Fälle sind der Bayerischen 
Staatsregierung zur Kenntnis gebracht worden. Von einem Einschreiten 
ist, in Übereinstimmung mit ungezählten sonstigen Fällen, bisher nichts 
bekannt geworden. Der Hl. Stuhl kann es verstehen, wenn Se. Eminenz 
der Herr Kardinal-Erzbischof von München in seinem Protestschreiben 
vom 21. April d. Js. an den Herrn Reichsstatthalter von Epp in schmerz- 
licher Bewegung schreibt: 

,Die deutsche Reichsregierung hat mit dem Hl. Vater ein Konkordat 
abgeschlossen und 'will nach den feierlichen Erklärungen des Herrn 
Reichskanzlers die friedlichen Beziehungen zum Apostolischen Stuhle 
aufrecht erhalten; Es muß auf die Katholiken des Inlandes und des 
Auslandes einen niederschmetternden Eindruck machen, wenn von amt- 
licher Seite das Bekanntwerden eines päpstlichen Schreibens unter- 
drückt und auf der Gasse ein päpstliches Schreiben verhöhnt wird."' 

Frühzeitig begann man auch schon mit Anpöbelungen des 
Kardinals Faulhaber selbst: 

In der Nacht vom 4. auf 5. Juli 1936 riß man an dem Pfarrhof 
von St. Jodok in Landshut, in dem der Bischof wohnte, den 
Schmuck herunter. 

Direkt gegen die Person des Kardinals richtete sich dann ein 
Angriff vor der Kirche Heilig-Kreuz in München am 
Christkönigsfest 25. Oktober 1936. „Stoßtruppleute der Deutschen 
Glaubensbewegung" riefen dem Kardinal bei seinem Auszug aus 
der Kirche haßerfüllt zu: „Nieder! Nieder mit dir! Heil Hitler!", 
schlugen schließlich noch mit Fäusten an die Fenster des Autos und 
mit einem Stock auf das Dach desselben. Die Straftat der Ermittel- 
ten führte zwar zunächst zu einer Verhandlung vor dem Amts- 
gericht München, doch' erklärte sich dieses schließlich nicht für zu- 
ständig, da „Landesfriedensbruch" in Frage stehe. Eine für 14. Juli 
1937 (also acht Monate später!) angesetzte Verhandlung vor dem 
Landgericht München wurde am Vorabend abgesetzt, da ein Gesuch 
des Verteidigers vorliege, das Verfahren niederzuschlagen. Am 
13. November 1937 (also mehr als ein Jahr nach der Missetat) kam 
dann folgende Mitteilung des Amtsgerichtes München: „Der Führer 
und Reichskanzler hat das Strafverfahren gegen die Angeklagten 

34 



K. Oberstötter, Karl Geiger, Karl Foltz, Anton Friedrich Büchting 
und Ludwig Paul Rahl wegen groben f Unfugs, Beleidigung, Ge- 
fangenenbefreiung und Landesfriedensbruch mit Erlaß vom '22. Ok- 
tober 1937 niedergeschlagen." 

Wie milde konnte doch „der härteste Mann, den Deutschland 
seit Jahrzehnten, vielleicht seit Jahrhunderten hatte" (nach Hitlers 
eigenen Worten), sein, wenn es sich um Vergehen seiner Freunde 
gegen die Kirche handelte! 

Ähnlich ging es auch, als Kardinal Faulhaber während der 
Fronleichnamsprozession 193 9, da er das AUerheiligste 
trug, laut von einem Balkon herab „Landesverräter" geschmäht 
wurde. Auch diese öffentliche schwere Beleidigung blieb ungestraft, 
obwohl die Polizei sofort auf den Verbrecher aufmerksam gemacht 
wurde und das Erzbischöfliche Ordinariat um Strafverfolgung oder 
wenigstens um Namensbekanntgabe zwecks Privatklage ersuchte. 

In Eichstätt wurde in der Nacht nach der glänzend ver- 
laufenen Papstfeier im Dom (14./15. Februar 1937) in den Brief- 
kasten des Bischöflichen Palais* ein Zettel geworfen mit der 
Drohung: 

Nehmt Euch in acht ! 

schwarze H. 

In der Nacht vom 15. /l 6. Februar wurde durch die 
Türspalte des Bischöflichen Palais' ein handgeschriebenes Plakat 
geschoben; 

DiePfaffen, 

die das Kleid des Seelsorgers mißbrauchen, um sich mit rein welt- 
lichen Dingen zu befassen, sind die größten Lügner und Vaterlands- 
verräter. So wie sie es vor 100 Jahren getrieben haben, wird es 
heut nicht mehr möglich sein. Sie tun gut, mit den Juden ein 
Bündnis zu schließen, denn ihre Absichten sind miteinander ver- 
wandt. 

Unterschrift: 

E i n H i r t e ! 

In der gleichen Nacht wurden die Türen des Bischöf- 
lichen Palais' verschmiert: 

Schurken — Schwarze Brut — Schweinehunde 

Am Morgen des 17. Februar konnte man lesen: 
Volksverhet^er — Römlinge. 

In ganz Deutschland erregte gewaltiges Aufsehen eine Demon- 
stration der HJ am 12. Mai 1935 in Hamm gegen den Erzbischof 
von Paderborn: 
Zusammenstellung aus dem Bericht des Erzb. Ordinariates Paderborn: 

„Aus den eidlichen Aussagen einer großen Anzahl von Zeugen stellt 
sich folgender Tatsachenbericht zusammen: 

Die HJ hat diese Aktion planmäßig vorbereitet und dazu mit als 
,streng geheim' gezeichneten Einzelschreiben eingeladen. Auf einer 

35 



Führerbesprechung wurde der Plan angeregt, auf einem Heimabend die 
Durchführung beraten und durch Geheimbefehl den einzelnen Jungen 
mitgeteilt. Am Tage selbst wurden Lieder und Sprechchöre eingeübt. 

Die Hitler jungen verteilten sich auf dem Bahnsteig, an der Sperre 
unter der Menge. Sie hatten den Auftrag, sobald der Erzbischof er- 
scheine ,Devisenschieber' und ähnliches zu rufen. Als der Bischof ein- 
traf und von der Geistlichkeit begrüßt wurde, demonstrierte die HJ mit 
Rufen: .Devisenschieber', ,Unserm Führer Adolf Hitler Sieg Heil!' 
Hitler jungen versuchten, den Bischof beim Besteigen seines Wagens zu 
hindern. Als der Wagen abfuhr, brüllten sie in den Wagen hinein: 
.Devisenschieber', schwangen sich auf das Trittbrett, versuchten in den 
Wagen zu spucken, trafen aber Passanten und machten schließlich An- 
stalt, den Wagen umzuwerfen. Die Bevölkerung, die den Bischof 
schützen wollte, wurde von der HJ sogar mit gezücktem Ehrendolch an-, 
gegriffen. Immer wieder drängten sie sich an den Wagen heran und 
schrien im Sprechchor: ,Nieder mit dem Bischof!' ,Wer bringt die 
Devisen ins Ausland? Die Pfaffen!' 

Auf dem St.- Agnes-Kirchplatz angekommen, versammelten sich die 
Hitler jungen um ihre Führer und bildeten Sprechchöre: ,Wer hat den 
Arbeitsdienstmann Koch ermordet? Die Pfaffen,!' — ,Wir haben nur 
einen Führer! Sieg Heil!' Nach vergeblichen Versuchen, die Hitler- 
jungen durch gütliches Zureden zum Schweigen zu veranlassen, gingen 
die Jungen zum Angriff vor und schlugen wahllos auf die Zivilbevölke- 
rung ein. Durch Kriminalbeanite wurde nunmehr das Überfallkom- 
mando benachrichtigt. Die Begrüßungsrede auf dem Kirchplatz mußte 
abgebrochen werden. Nachdem der Erzbischof die Kirche betreten hatte, 
dauerte das Rufen und Toben auf dem Kirchplatz noch fort, ja man 
schlug mehrmals gegen die Kirchentür. Als dann das Überfallkom- 
mando erschien, verschwanden die Hitlerjungen." 

Unter den beteiligten Hitler jungen befanden sich der Oberbann- 
führer Bierkämper, der Unterbannführer von der Heide, der 
Jungbannführer Meßmacher, alle aus Dortmund, ferner der 
Jungbannführer Schiockermann, Lippstadt, sowie eine Reihe 
HJ-Führer aus Hamm." 

Ähnlich war es mit einer Anpöbelung des Bischofs von 
Hildesheim am 3. Juli 1938, wo Polizei unmittelbar vor dem 
Kirchenzug des Bischofs die Fahnen vor dem Pfarrhof wegnahm, 
SA, HJ und JV (Jungvolk!) mit Hetzliedem durch die Straßen zogen. 

Bischof Bornewasser vonTrier wurde am 26. Mai 
1935 ebenfalls auf der Firmungsreise von der HJ belästigt und be- 
schimpft, B i s c h o f R ä c k 1 v o n E i c h s t ä 1 1 am 11. April 1937. 

Tätlich keitengegenBiscHofshöfe. 

Der Haß der Partei trieb schließlich auch zu Gewalttätig- 
keiten gegenBischofshöfe, so am 9. April 1934 in 
W ü r z b u r g, dann wiederholt im Jahre 1938 in Rottenburg: 

Am 18. April 1938 waren dort schon Fenster des Palais eingeworfen 
worden. Am 23. Juli 1938 aber holte die Partei Nationalsozialisten aus 
der ganzen Umgebung von etwa 50 km zusammen Und führte dann an 
die 3000 Demonstranten vor ,das Bischoüshaus; dort wuirde Feuerwerk, 
Holz entzündet; die Tausende schrien, pfiffen, heulten, riefen einzeln 
oder in Sprechchören: „Schwarzer Zigeuner! Volks Verräter! Heraus mit 
dem Lumpen!" Dann wurden Fensterläden ausgehoben, Türfüllungen 
gesprengt; viele drangen ins Haus ein bis in die Kapelle, wo Erzbischof 

36 



Gröber von Freiburg zusammen mit Bischof Sproll von Rottenburg vor 
dem Allerheiligsten betete. An die 20 Personen blieben dort etwa eine 
Viertelstunde lang, teilweise mit brennenden Zigaretten und mit der 
Mütze auf dem Kopf. 

Keiner der Demonstranten wurde bestraft. Nur — der Bischof 
wurde seiner Diözese und des Landes verwiesen bis zum Kriegsende. 
Sein Verbrechen war, daß er sich geweigert hatte, einen Wahlzettel ab- 
zugeben, mit dem er Kirchenfeinde wie Rosenberg u. ä. hätte wählen 
müssen. 

Im gleichen Jahr 1938 wurde zwei Tage nach dem Sturm auf 
die jüdischen Geschäfte in München ein Angriff auf den Bi- 
schof shof des KardinalsFaulhaber gemacht (11. November). 
Unter ohienbetäubendem Schreien, Johlen und Pfeifen wurden 
Steine (sogar Ziegelsteine) gegen Fenster und Fensterläden, auch 
in den ersten Stock hinauf geschleudert, an die 100 Fensterscheiben 
zertrümmert, Fensterrahmen verbogen oder zerbrochen. Das Ein- 
fahrtstor wurde '^^ mit Balken berannt. Dazwischen Rufe: „Raus! 
Raus! Nach Dachau! In Schutzhaft mit dem Hochverräter!" Unter 
den Demonstranten waren nicht wenige uniformierte Amtswalter 
der Partei, auch der stellvertretende Gauleiter. 

Der HaßgegenBischöfetriebnochweitereBl Uten. 

Bischof Legge von Meißen (Sachsen) wurde wegen 
„Devisenvergehens" (weil er kirchliche Schulden in Holland be- 
gleichen wollte) gerichtlich verurteilt und mehrere Monate ins Ge- 
fängnis geworfen^ 

Bischof Ehren fried von Würzburg wurde auf seiner 
amtlichen Reise nach Rom im Jahre 1938 an der deutsch-italie- 
nischen Grenze festgehalten und durchsucht: alle seine amtlichen, 
lateinischen Dokumente wurden photographiert. 

Die Bischöfe von Straßburg und Metz wurden beim Ein- 
marsch der Deutschen in Frankreich vertrieben. 

Ein polnischer Weihbischof und der französische Bi- 
schof Gabriel Piguetvon Clermont-Ferrand wurden 
ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Bischof Piguet war vor- 
her im Lager zu Nazweiler (Elsaß) von einem SS- Wachmann ge- 
schlagen worden. 

Wenige Tage nach der Bischofskonferenz in Fulda im Jahre 
1938 drangen 12 Gestapobeamte in die Druckerei Mischkowska in 
Breslau ein, wo, wie sie wußten, das Protokoll der Bischofs- 
konferenz gedruckt werden sollte. Sie beschlagnahmten die 
Handabzüge und den Rest des Protokollmanuskriptes. 

Bischöfliche Amtsgebäude wurden immer häufiger durch- 
sucht, so das Ordinariat Berlin schon 1935 zur Fahndung nach 
„Mitteilungen des kirchlichen Informationsdienstes"; das Ordinariat 
München am 31. August 1938, das zu Limburg 1939 usf. 

37. 



c) Kampfgegeniden gesamten Klerus. 

Die öffentlichen Beschimpfungen und Verdächtigungen des 
Klerus in Wort und Schrift lassen sich nicht annähernd wieder- 
geben. Das eingangs erwähnte Buch: „Die Verfolgung der Kirche 
im Dritten Reich" sagt Seite 430: „Man könnte wirklich ein großes 
Buch füllen allein mit der Angabe der Stellen in Naziliteratur, in 
welchen abträgliche Bemerkungen über das katholische Priester- 
tum zu finden sind." 

Immer wieder und in allen möglichen Wendungen wurde dem 
Klerus der Vorwurf der Hetze, des Verrates, des „politischen Katho- 
lizismus", der Herrschsucht, der Geldsucht (vgl, Bild in „Das 
Schwarze Korps" mit Unterschrift: „Eine feste Burg ist unser 
Gold! "), der Erbschleicherei, der Volksfeindschaft, des Miß- 
brauches der Kanzel, des Beichtstuhls (z. B. 26. 6. 1935 und 
1. 7. 1937) usw. gemacht. 

Beispielsweise schrieb die Neu-Ulmer-Zeitung am 12. Dezember 1933 
u. a,: „Katholische Geistliche haben sich, geschützt durch den Talar, zu 
Hütern einer roten, staatsfeindlichen Bewegung gemacht. Das waren 
sie schon vor der Revolution offen. Sie sind es heute im geheimen. Sie 
sind erklärte Staatsfeinde." 

Die Geheime Staatspolizei in Bayern ließ im ganzen Land 
polizeilich nachforschen, ob Geistliche Kinder hätten. 

Schriften abgefallener Geistlicher Wurden — mehr oder minder 
mit Zwang — vertrieben. Die abgefallenen Priester selbst wurden 
in wichtige Parteiämter übernommen. 

In Schaukästen wurden die Geistlichen verhöhnt, z. B^ war im 
Schaukasten der HJ in Rosenheim im Mai 1935 folgender Anschlag 
ausgehängt: 

Meister der Lüge ! 

Am Sonntag, den 12. 5. fand in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus, 
Rosenheim, eine Männerpredigt statt, in der u. a. folgende Worte fielen: 
„ . . . Unsere Altvordern, die Germanen, waren auch nicht unmensch- 
licher und menschlicher als die andern Heiden. Sie waren auch nicht 
besser und auch nicht schlechter. Nach den Wotanfesten hingen an den 
Ästen der Bäume die aufgeschlitzten Leichen von Tieren und Menschen, 
denen sogar die Herzen herausgerissen waren. Die Vandalen, die diesen 
Namen tatsächlich mit Recht tragen, haben ganze Länder verwüstet, 
ganze Völker vernichtet." 

Dem haben wir in aller Sachlichkeit zuzufügen: Auf welch hoher 
Stufe die vandalisch hausenden Germanen standen, das zeigen die bei- 
gefügten Bilder. Diese Kunstschätze wurden schon, ehe ein Bonifatius 
nach Deutschland kam, hergestellt. Nebenbei bemerkt: Im alten Hellas 
und Rom herrschte vor Jahrtausenden, weit vor Christi Geburt, eine 
Höhe der Kultur, die keineswegs erst von den Mönchen erzeugt wurde. 
Weiter wenden wir uns in aller Schärfe gegen die Lügen „der Leichen 
an den Bäumen". Zur Zeit der alten Germanen gab es noch keine 
Jesuiten, die das, was man hier mit bewußter Sicherheit vorzutragen be- 
. strebt ist, wirklich gesehen hätten. Heute stellt man es als Tatsache hin, 
nur um die unwissenden Kirchenbesucher gegen unsere Vorfahren auf- 
zuputschen. 

Wohl ist aber geschichtlich bewiesen, aber leider nur 
zu wenig bekannt, .daß zur Zeit der Inquisition in Spanien, Frank- 

38 



reich und in Deutschland Hunderttausende auf Grund der 
Urteile von römischen Mönchen gepfählt, verbrannt, ent- 
hauptet und lebendig begraben wurden. Herrliche Kulturtaten im Zeichen 
der ewig politisierenden Kirche!!! Weitere Beispiele siehe in 
Eosenbergs verhaßtem „Mythos des 20. Jahrhunderts". Das Buch 
enthält prachtvolle Wahrheiten, die man freilich in gewissen 
Kreisen nicht gerne hören will! Wir Icämpfen keineswegs gegen die 
Religioh, wohl aber gegen jede Lüge der hundertprozentigen Eiferer, 
Wir sind nun auf der Wacht, uns ist das Altgermanentum heilig! Wir 
werden auch in Zukunft die versteckten Absichten von Kanzelreden 
obigen. Stiles zu entdecken und zu brandmarken wissen. 

Noch ärger trieb man es mit der Verspottung der Geistlichen 
in öffentlichen Aufzügen, z. B. am 18. August 1935 in 
Bruckmühl, am 12. Juli 1936 in Prien. In Prien zeigte einer der 
mitgeführten Wagen einen Juden und einen Bolschewisten und 
zwischen den beiden einen Geistlichen, darüber die Überschrift: 
„Die Staatsfeinde". Der Aufmarsch begann noch während der 
Gottesdienstzeit! 

In Bruckmühl waren SA und SS von Kolbermoor, Bad Aibling 

und Bruckmühl auf vier Wagen. Schandbare Karikaturen von 

Priestern und Klosterfrauen und Schilder mit Aufschriften waren 

angebracht, z. B.: 

1 
Bild: Eine sterbende Klosterfrau mit Sterbekreuz in der Hand und 
Blumenstrauß, neben ihr ein großer Geldsack. 
Aufschrift: „Hast Du kein Geld Dir mitgenommen, 

Kannst Du nicht in den Himmel kommen." 

Bild: Tod mit Geldsack und obigem Spruch. 

Bild: Ein Altar, vor demselben ein recht wohlbeleibter, betender Pfarrer 
und daneben ein großes Beil. 

Bild: Pfarrer, Juden und Klosterfrauen, gemeinsam einen Geldsack 
haltend. 

Sodann mehrere Schilder mit Aufschrift allein, wie z. B. 

„Paifen nach Rom, Juden nach Palästina, Uns aber Deutschland." 
Oder: (mehrfach): „Wenn die den Kampf wollen, können sie ihn haben." 
Oder: „Ron) den Pfaffen, — Uns aber Deutschland." 
Oder: „Widerstände sind da, um sie zu brechen; wir sind bereit." 
Oder: „Willst Du ins Kloster gehen, rnußt Du zuerst das Schieben lernen." 

Daneben das Bild: Pfarrer und Klosterfrau mit Rosenkranz und 
Geldsack. , ' 

Die Bevölkerung in Bruckmühl hat dieses traurige Schauspiel 
mit eiserner Ruhe nach außen hin, innerlich aber mit tiefer Em- 
pörung über sich ergehen lassen. 

Noch trauriger war, daß selbst die Hitlerjugend ähnlichen 
Spott gegen den Klerus trieb: 

Gelegentlich des Hochlandlagers im Jahre 1935 wurde in Leng- 
gries ein Umzug gehalten, während dessen die Anführer wiederholt 
fragten: „Was tun wir mit den Pfaffen?" Der Chor antwortete: 
„Aufhängen! Aufhängen!", Auch ein Brett mit Aufschriften dieses 
Inhalts würde mitgetragen. 

39 



Vom April ab brachte „D as Seh warze Korp s" in 
jeder Nummer Bilder und Artikel gegen das 
Priestertum. Ganz besonders richteten sich die Angriffe gegen 
den Zölibat, dann aber auch gegen die kirchlichen Einrichtungen 
für den Priesternachwuchs, gegen die Theologischen Fakultäten an 
den Universitäten u, ä. 

„Die Brennessel", eine nationalsozialistische Zeitschrift mit Bil- 
dern, brachte am 1. Februar 1938 ein „Schwarzes ABC" mit teil- 
v/eise nicht wiederzugebenden Zeichnungen und mit nachfolgenden 
Spottversen: 

SchwarzesABC 

A „Anathema!" bedroht den Sünder, 
Amtsbrüder zeugen keine Kinder. 

B Das Beichten ist ein frommer Brauch, 
den Beutel braucht die Kirche auch. 

C . Die Christenlehre dient den Seelen. 

Es gibt kein Centrum mehr zu wählen. 

D ' Das Dogma dienet der Erbauung. 
Die Demut fördert die Verdauung. 

E Die Ehe darf der Mensch nicht lösen. 
Erkenntnis ist ein Werk des Bösen. 

F Viel Fratres deutsches Land verließen, 
dem Fiskus fehlt es an Devisen. 

G Die Geilheit scheut das Licht der Sonne, 
doch gottgewollt lebt Mönch und Nonne. 

H Auf Hintertreppen ist es glatt, 

im Himmel fehlt das KircheniDlatt. 

I Der Intrigant zerstört den Frieden. 
Intolerant sind Jesuiten. 

K Die Keuschheit soll die Jungfrau zieren. 
Kapläne re- und absolvieren. 

L Im Lateran gibt's Kardinäle, 
auch Lucifer hat schöne Säle. 

M Die Menschheit muß, sich mischend, mehren. 
Der Missionar gibt Wilden Lehren. 

N Der Nuntius bringt gesalbte Noten. 
Die Nuditä'ten sind verboten. 

O Der Obulus ist ein Stück Geld, 
non ölet, wenn es Rom erhält. 

P Dem Pfaffen ziemen fette Pfründen, 
der Pilger büßt für seine Sünden. 

Q Der Hölle Quälen schmerzen arg. 
Der Quietist nährt sich von Quark. 

R Die Reue kann den Reichen läutern. 

Das Rindvieh melkt man an den Eutern. 

I 

S . Soutanen sind kein Damenstrumpf. 

Schwarzkittel fürchten nicht den Sumpf. 

T Als Taube kam der Heilige Geist. 

Die Tröstung frommt den Witwen meist. 

40 



U Herr Urian war eift Hexenbock. 

Die Unschuld wohnt im langen Rock. 

V Der Vatikan ist eine Stadt. 

Die Venus trägt ein Feigenblatt. 

W Das Wunder ist des Glaubens Frucht. 
Weh dem, der nach der Wahrheit sucht. 

X Mit Xereswein man Mesäp hält. 

Aus X wird U, wenn's Rom gefällt. 

Y In Yokohama fehlt's an Christen, 

Yak heißt der Grunzochs der Buddhisten. 



Z Das Zugtier wird zumeist kastriert. 
Der Zölibat ist approbiert. 

Bischof Buchber ger-Regensburg sagte in einer Predigt 
vom 15. November 1936 mit Bezug auf diese Verhöhnung des Klerus 
in Wort und Bild: 

„InRußländundSpanienerleidenPriesterden 
Verlust ihres Lebens; hier in Deutschland aber 
suchen dieKirchenfeinde ihnen die Ehre und alles 
Vertrauen zu ihnen zu nehmen. Und es gibt viele 
Priester, die lieber ihr Leben als ihren guten 
Namen verlieren möchte n." 

B. Fesseln für die Kirche Gottes. 

Bereits am 14. 5. 1934 mußte der Heilige Stuhl in einer Note 
an die Reichsregierung feststellen: 

„Auf Grund der ihm bis in die- jüngste Zeit hinein zugegangenen 
amtlichen Informationen kann der Hl. Stuhl die Feststellung nicht unter- 
lassen, daß der katholische Klerus im heutigen Deutschland auch 
nicht entfernt das Mindestmaß derjenigen Freiheit 
in der Ausübung seines seelsorgerlichen Amtes genießt, ohne die er der 
Pflicht der geistlichen Leitung der ihm anvertrauten Seelen nicht ge- 
nügen kann. 

Ein widriges Spitzeltum umlauert vielfach jeden Schritt 
und Tritt, jedes Wort und jede Amtshandlung. Durch Angebertum 
, suchen mehr als zweifelhafte Elemente sich als Retter des angeblich 
bedrohten Staates bei den Behörden wichtig zu machen. Der Eindruck, 
den der Hl. Stuhl aus den diesbezüglichen Unterlagen gewinnt, ist nach- 
gerade beschämend." 

Bezeichnend ist hiefür die Anweisung, welche einem Orts- 
gruppenleiter für die Überwachung aller kirchlichen Wirksamkeit 
zuging. Darnach waren zu beobachten mit folgender Bericht- 
erstattung: 

I) 

1. Die Predigten der Ortsgeistlichen; für ihre Abhörung wurden „Ver- 
trauenspersonen" aufgestellt. Besondere Beachtung sollte dabei ge- 
schenkt werden Aussetzungen an, der Rassenlehre und an der Ge- 
schichte der germanischen Vorfahren, dann sympathischen Äuße- 
rungen über das Judentum, endlich dem Widerstand gegen de» 
Sterilisierungs-Feldzug. 

Kreuz und Hakenkreui 6 4J 



2. Religiös-seelsorgerliche Kurse, die in der Pfarrei gehalten werden: 
dabei sollten möglichst Einzelheiten berichtet werden. 

3. Die Exerzitienbewegung: Exerzitienhäuser und Teilnehmer sollten 
beobachtet werden. 

4. Die Volksmissionen. Dabei ist anzugeben, welchem Orden die Mis- 
sionäre angehören, welches der Nattie des Missionsobern ist. 

5. Die Sammlungen für die Heidenmission, insbesondere ^Kindheit- 
Jesu- Verein und Ludwig-Missions- Verein. 

6. Rompilgerfahrten der einzelnen Pfarreien, einzelner Vöreine. 

7. Die Errichtung katholischer Schulen, neuer Kirchen, neuer Ordens- 
häuser und neuer Orden. ^^ 

II) 

1. Die Haltung des katholischen Klerus gegen das neue Reich. 

2. Das Verhalten des Klerus zum neuen „Deutschen Gruß". 

3. Der Widerstand gegen staatliche Mäßnahmen. 

4. Die Verbreitung von „Greuelnachrichten". 

5. Moralische Verfehlungen des Klerus. 

6. Benehmen des Klerus an der Grenze. 

III) 

1. Katholische Vereine. 

2. Besonders scharf zu überwachen sind: Katholischer Frauenbund, 
Katholischer Caritas- Verband, Katholische Männervereine, Katholi- 
scher Jungmänner- Verband. 

So wurden also die Priester und Katholiken auf Schritt und 
Tritt überwacht, und gär oft wurde die Überwachung zur Fesselung. 

Und die schlimmsten Fesseln waren nicht die, welche vielen 
Priestern tatsächlich an den Händen angelegt wurden. Viel un- 
heilvoller und unerträglicher wurden jedem apostolischen Herzen 
die harten Fesseln, die Tausenden von Priestern in ihrer Tätig- 
keit, die selbst dem Wort Gottes, dem Gottesdienst, den heiligen 
Sakramenten, dem katholischen Unterrichts- und Erziehungswesen, 
der außerkirchlichen Seelsorge an Jugendlichen und Erwachsenen, 
dem katholischen Schrifttum u. a. angelegt wurden. 

Der Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten, 
Dr. Kerrl, stellte zwar am 11. Dezember 1937 die Behauptung auf: 
„Niemals ist irgendein Priester in der Ausübung seines Amtes 
behindert worden, nicht ein einziger Gottesdienst, nicht eine einzige 
Messe ist gestört worden." Aber die Tatsachen reden 
eineandereSprache. 

Die Tatsachen zeigen auch die Knechtung der Gewissensfreiheit 
der einzelnen Gläubigen. Ein Beispiel dafür: 

Bespitzelung bis auf des Herzens Grund: 

1937 bekamen 40 junge Münchener Referendare nachfolgenden 
Fragebogen zur Beantwortung: 

Religion? 

1. Glauben Sie an das Dasein Gottes? 

2. Wenn ja, glauben Sie an die Lehre der Kirche, der Sie angehören, 

42 



oder haben Sie eine andere Vorstellung von Gott und seinen Be- 
ziehungen zu den Menschen? 

3. Glauben Sie an die Gottheit Christi? 

Glauben Sie, daß Christus von einer Jungfrau geboren wurde? 

Glauben Sie, daß Christus nach seiner Kreuzigung wieder auf- 
erstanden ist? 

Oder glauben Sie, daß Christus nur ein Mensch war? 

4. Glauben Sie, daß die Bibel das Wort Gottes ist, d.h. daß ihr Inhalt 
von Gott denen eingegeben war, die sie schrieben, und daß Gottes 
Wille in ihr zu finden ist? ' 

5. Glauben Sie an ein Weiterleben der Seele nach dem Tode? 

6. Glauben Sie an eine göttliche Gerechtigkeit, d. h. daß der Mensch 
nach dem Tod belohnt wird für ein gutes Leben und bestraft wird 
für Bin schlechtes Leben? 

7. Beten Sie zu Gott und glauben Sie, daß Gott das Beten hört? 
Glauben Sie, daß Gott sich in seinem Tun durch Gebet beeinflussen 
läßt? 

8. Glauben Sie, daß die christliche Religion unersetzlich ist als Grund- 
lage der Sittlichkeit und als Autorität für menschliche Moral und 
Erziehung? Oder glauben Sie, daß ein Glaube an Gott, der nicht 
mit der christlichen Lehre verbunden ist, dafür auch genügt? Oder 
glauben Sie, daß eine andere Moral- Grundlage dieselbe Autorität 
haben kann wie der Glaube an Gott? Und wenn so, welche? 

9. Glauben Sie, daß die christliche Lehre einen ewigen und universalen 
Wert hat? Wenn nein, glauben Sie dies von irgend einer anderen 
Lehre? Wenn ja, von welcher? Oder glauben Sie, daß Religions- 
und Sittenlehre verschieden sind nach verschiedenen Zeiten und 
Rassen und diesen angepaßt und mit ihnen verändert werden muß? 

.10.. Glauben Sie, daß die Seele etwas im Menschen ist, was ein eigenes 
Sein hat, d. h. daß der Mensch aus zwei Teilen, aus Leib und Seele 
besteht? Glauben Sie, daß Stoff und Geist in der Welt Dinge sind, 
die unabhängig voneinander existieren, aber zusammenwirken? 
Oder glauben Sie, daß die Seele nur ein Reflex des Leibes ist, d.h. 
daß alle geistigen Experimente letzten Endes auf bloß körperliche 
Experimente zurückgeführt werden können? Glauben Sie darum, 
' daß Stoff das einzige der Welt und Menschen ist? Oder glauben Sie 
im Gegenteil, daß alles Stoffliche nur ein Reflex des Geistes sei, 
d. h. daß das Körperliche und all seine Energien nur Reflexe geisti- 
ger Vorgänge sind? Glauben Sie also, daß Geist das einzige Grund- 
elemeht der Welt und Menschen ist? 

11. Haben Sie sich schon bisher mit religiösen und philosophischen 
Fragen dieser Art befaßt? Oder haben diese Fragen keinen beson- 
deren Platz in Ihrem Denken? Wie oft haben Sie nach Ihrer Be- 
rechnung in dem letzten Jahr einem Gottesdienst, z. B. der Messe, 
beigewohnt? 

12. Wollen Sie noch irgend eine besondere Bemerkung machen? 

Auf die Frage eines jungen Juristen, ob dieser Fragebogen ein 
amtliches Dokument sei, wurde die echt nationalsozialistische 
Antwort gegeben: „Jetzt noch nicht." 

Genug der Fesseln waren übrigens ^chon anderweitig ge- 
schmiedet und angelegt worden. 

.43 



1. Fesseln für das Wort Gottes. 

„Das Wort Gottes Ist nicht gefesselt," konnte der hl. Paulus 
seinem Schüler Timotheus (2 Tim. 2,9) noch aus dem Gefängnis 
schreiben. 

Der Nationalsozialismus versuchte , auch diese Fesselung, 

Einzelne Glaubenswahrheiten, religiös-sittliche Lehren sollten 
oder durften nach dem Willen der Partei überhaupt nicht mehr 
behandelt werden. Als z. B. Kardinal Fgulhaber noch vor 
der „Machtergreifung" in der St.-Bonifaz-Kirche zu München für 
den „Friedensbund deutscher Katholiken" eine Predigt über den 
Frieden hielt, schrieb eine nationalsozialistische Zeitung un- 
gefähr folgendes: „Wenn wir an der Macht sind, wird der Herr 
Kardinal keine solche Predigt mehr halten können." (Tatsächlich 
wurde die genannte katholische Friedensvereinigung schon zu Be- 
ginn der NS-Gewaltherrschaft aufgelöst und ihr Leiter, Domini- 
kanerpater S t r a t m a n n, ins Konzentrationslager gesteckt, Koope- 
r.alor v. S o d e n verfolgt, der Verfasser selbst hierüber 1941 pein- 
lich vernommen, M. ä.) 

Universitätsprofessor Dr. K r e b s - Freiburg wurde von der 
Gestapo, verboten, am 29. November 1934 im Dopa zu Freiburg über 
die Erbsünde zu predigen. 

Ähnlich waren Predigten über das Alte Testament ver- 
pönt. Die Veröffentlichung der Predigten, die Kardinal F a u 1 - 
haber im Advent 1933 über die religiösen, sittlichen, sozialen und 
messianischen Werte des Alten Testamentes gehalten hat, wurde in 
vielen Gauen verboten. Ebenso seine Predigt über die Leichen- 
verbrennung im Jahre 1937. 

Im Juli 1935 wurden Vorträge des weltbekannten Eugenikers 
im Priesterkleid, des Professors Herr mann Muckermann, 
in Duisburg verboten, nachdem vorher SA und HJ systematisch 
Ruhe und Ordnung gestört hatten. Später erhielt Muckermann über- 
haupt volles Redeverbot, auch Predigtverbot. 

Selbst kurze Bemerkungen über die Sterilisierungs- 
f rage in der alljährlichen Ehebelehrung der Oberhirten begeg- 
neten da und dort schon Schwierigkeiten, erst recht Predigtworte 
über „Euthanasi e", „Mythos des 20. Jahrhunderts", „Rasse- 
kult" u. a. Auch bloße Zurückweisung von Angriffen der NS-Presse 
oder einzelner Parteigliederungen auf Glaubenswahrheiten, Kirche, 
hl. Sakramente und kirchliche Gebräuche führten des öfteren zu 
Beanstandungen, wurden als Herabsetzung und untragbare Kritik 
an nationalsozialistischen Einrichtungen gewertet und bestraft. 

Ja, schon einzelne, Ausdrücke und Worte durften 
nicht mehr im alten Sinn gebraucht werden: z, B, ordnete ein 
eigener Erlaß des Reichsinnenministers vom 5. Juni 1935 an, daß 
im behördlichen Verkehr das Wort „Mischehe" nur in dem 
Sinn zu gebrauchen sei, daß hierunter „eine zu einer Rasse- 

44 



mischung führende Ehe zu verstehen sei*'. Nun durfte der 
Prediger nur noch von einer „religiös- gemischten Ehe" spre- 
chen, wenn er auck von seinem Ehercchtstudium her seit Jahr- 
zehnten gewohnt war, nur einfach von „Mischehe" zu reden. 

Ähnlich wurde im Herbst 1939 der katholischen Presse des 
Dritten Reiches verboten, den Titel „Volk" den bloßen Teilnehmern 
an kirchlichen Funktionen zu geben; denn das Wort Volk bedeute 
für den Nationalsozialismus nicht bloß die Angehörigen einer be- 
stimmten Konfession, sondern die gesamte Gemeinschaft, welche all 
die versfchiedenen Bekenntnisse in sich begreife. 

Ein Kautschukerlaß: 

Am 5, April 1935 erließ der kommissarische Oberpräsident der Rhein- 
provinz, Staatsrat Terboven, auf Grund des Polizeiverwaltungs- 
gesetzes in Verbindung mit der Verordnung zum Schutze von Volk und 
Staat vom 28. Februar 1933 eine Polizeiverordnung für Bekämpf^ung 
des Mißbrauch s dogmatischer Erörterungen und der 
Verstöße gegen die Grundgesetze der nationalsozialistischen Bewegung. 
„Wer künftig mit der Behauptung, kirchliche und dogmatis ehe 
Grundsätze zu verteidigen, in der Öffentlichkeit gegen die Grund- 
sätze der nationalsozialistischen Bewegung in irgendeiner Weise ver- 
stößt oder sie herabsetzt, verwirkt die Verhängung eines Zwartgsgeldes 
in Höhe bis zu 150 Reichsmark oder ersatzweise Zwangshaft bis zu. 
drei Wochen." . 

Diese Fessel des Wortes Gottes ließ sich leicht gegen jeden 
Priester handhaben. Da nicht wenige Grundsätze der national- 
sozialistischen Bewegung (z. B. ,,Gut ist, was nützt," „Rassenlehre', 
„Euthanasie" u. a.), „kirchlichen und dogmatischen Grundsätzen" 
diametral widersprachen, so blieb dem Prediger nur die Wahl, von 
der Verkündigung gewisser Wahrheiten und Sittenlehren abzusehen 
und „wie ein stummer Hund zu schweigen" (Js. 56,10) oder Zwangs- 
geld bzw. Zwangshaft zu riskieren. 

Und dabei hatte man im Schlußprotokoll des Reichskonkordates 
ausdrücklich festlegen lassen: „Das den Geistlichen und Ordens- 
leuten Deutschlands in Ausführung des Artikels 32 zur Pflicht ge- 
machte Verhalten bedeutet keinerlei Einengung der pflichtmäßigen 
Verkündigung und Erläuterung der dogmatischen und sittlichen 
Lehren und Grundsätze der Kirche." 

„Staatsfeindliche" Katechismuslehren. 

Am 27. Januar 1937 verbot der badische Kultusminister die 
vom deutschen Episkopat herausgegebenen „Katechismus - 
Wahrheiten", deren Aufgabe war, die katholische Glaubens- 
lehre im Lichte der modernen Probleme und Fragen zu erklären. 
Bereits in der Schule verteilte Exemplare sollten zurückgenommen 
und zerstört werden. 

Als Grund wurde angegeben, daß die Fragen und Antworten Nr. 17, 
23, 28 und 34 „staatsfeindlich" wären. Diese lauteten: 
Frage 17: Was war die größte Ehre des jüdischen Volkes? 

45 



Antwort: Die größte Ehre des Jüdischen Volkes war, daß der göttliche 
Heiland aus ihm hervorging. 

Frage 23: Woher kommt es, daA auch i» der katholischen Kirche schwer« 
Sünden geschehen? 

Antwort: Daß in der katholischen Kirche schwere Sünden geschehen, 
kommt daher, daß viele katholische Christen auf die Kirche 
nicht hören und nicht mit ihr leben. 

Frage 28: Woran fehlt es dem Menschen, der keine Demut hat? 

Antwort: Dem Menschen, der keine Demut hat, fehlt es an der Wahr- 
heitsliebe. 

Frage 34: Wer allein hat das höchste Hecht über unseren Leib und un- 
sere Gesundheit? 

Antwort: Das höchste Recht über unseren Leib und unsere Gesundheit 
hat Gott allein. 

Am 24. Februar 1937 meldet das Bischöfliche Ordinariat Speyeir, 
daß diese staatsgefährlichen „Katechismuswahrheiten" an der Kir- 
chentüre einer Pfarrei beschlagnahmt wurden. 

Auch das Hirtenwort der Bischöfe 
wurde gefesselt. So, um nur einige Beispiele zu nennen: 

Am 5. Mai 1935 Hirtenbrief der preußischen Bischöfe für den Erziehungs- 
sonntag wegen „untragbarer Kritik am Landjahr". 

Am 21. Juli 35 Hirtenbrief von Bischof Kaller-Ermland über die Be- 
■ * deuturig der katholischen Vereine und ihre gegenwärtigen Be- 

drängnisse. 

Am 20. August 35 Hirtenbrief der gesamten deutschen Bischöfe. Er 
wurde sogar in den Druckereien, Buchhandlxmgen, Pfarr- 
häusern, sogar in bischöflichen Amtsgebäuden beschlagnahmt. 

Im März 36 Hirtenbrief der deutschen Bischöfe zur Reichstagswahl, 
weil darin gesagt wurde, daß auch ein „Ja" nicht notwendig 
eine Billigung der mannigfachen Freiheitsberaubungen der 
Kirche bedeute. 

Im Mai 1936 Verbot (nachträglich) der Veröffentlichung des gemein- 
samen Hirtenbriefes über die katholischen Jugendvereine. 

21. Juni 36 Verbot des Hirtenbriefes der bayerischen Bischöfe über die , 
Ausweisung der klösterlichen Lehrkräfte. 

20. August 36 Konfiskation (nachträglich) des Hirtenbriefes der deut- 
schen Bischöfe. 

20. September 36 Veröffentlichungs-Verbot des Hirtenbriefes über die 
Bekenntnisschule. 

13. Dezember 36 Druckverbot des Hirtenbriefes der bayerischen Bischöfe. 
Dezember 36 Verbot des Hirtenbriefes von Erzbischof Gröber-Freiburg 

gegen die gehässigen und systematischen Angriffe auf die 

Kirche. 

Februar 37 Verbot des Hirtenbriefes von Bischof Kaller-Ermland; den 
Priestern sogar noch beim Vorlesen während der hl. Messe 
aus der Hand genommen! 

Juni 37 Verbot und Beschlagnahme des Hirtenbriefes deutscher Bischof« 
gegen Goebbels' Rede über die Sittlichkeitsprozesse. 

46 



August 36 Verbot des Hirtenbriefes aller deutschen Bischöfe. 

In der Diözese Rottenburg wurde jeder Priester, der ihn ver- 
lesen hatte, mit 30 Mark Geldstrafe belegt. 
Die Vervielfältigungsapparate, mit welchen er hergestellt 
wurde, wurden in mehreren Ordinariaten beschlagnahmt. 

1936 Verbot des Regierungspräsidenten von "Westfalen an die Religions- 
lehrer von Mittelschulen in den Schulgottesdiensten bischöf- 
liche Hirtenbriefe zu verlesen, auch wenn angeordnet sei, sie 
in allen Kirchen zu verlesen. Sofortige Entlassung angedroht. 

Schon 1935 hatte der Oberpräsident einer diesbezüglichen War- 
nung folgenden Wortlaut gegeben: - 

Anlage 3 zu Rdschr. 13 Betr.: Schulgottesdienst 

Der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Münster, d. 7. 6. 1935 

Abteilung für höheres Schulwesen. 

An die höheren Lehranstalten meines Amtsbereiches^ 

Betr.: Schulgottesdienst. 

Ein Sonderfall gibt mir Veranlassung aUf folgendes hinzuweisen: 

Der Schulgottesdienst ist — auch wenn Erwachsene Zutritt haben — 
so eng mit dem gesamten Schulbetrieb, insbesondere dem Religions- 
unterricht verbunden, daß er als Schulangelegenheit zu betrachten ist. 

Daher ist im Schulgottesdienst — unbeschadet seines religiösen 
Charakters — mit besonderem Nachdruck darauf Wert zu legen, daß er 
mit den Zielen der nationalsozialistischen Jugenderziehung, die vater- 
ländische.s, staatsbürgerliches und soziales Pflichtbewußtsein erstrebt, 
in Einklang steht.' Für die entsprechende Ausgestaltung des gesamten 
Schulbetriebes ist neben den Lehrpersonen der Leiter der Anstalt ver- 
antwortlich. Ein Verstoß gegen diesen Grundsatz liegt vor, wenn in ab- 
lehnender oder gar abfälliger Kritik zu Einrichtungen und Maßnahmen 
des nationalsozialistischen Staates Stellung genommen oder auch eine 
derartige abfällige Kritik wiedergegeben wird; dies 
gilt auch für kirchliche Anordnungen einschließlich 
bischöflicher Hirtenbriefe. Ich werde gegen derartige Ver- 
stöße mit aller Schärfe — gegebenenfalls durch Suspendierung — vor- 
gehen. Der zuständigen kirchlichen Stelle habe ich entsprechende Mit- 
teilung gemacht. Entsprechend ersuche ich, allen Lehrpersonen von die- 
sem Runderlaß Kenntnis zu geben und mir über etwaige Verstöße un- 
verzüglich zu berichten. Etwa erforderliche Maßnahmen behalte ich 
mir vor. 

gez. Lünningk. 

Seit 1937 konnten Hirtenbriefe fast nur mehr hekto- 
graphiert werden, da jeder Druck und jede Verteilung zur vor- 
zeitigen Konfiskation und zu Repressalien gegen Drucker "und Ver- 
breiter führen konnte, wie es Reichsminister Kerrl am 4. Okt. 1936 
ausdrücklich angedroht hatte. Es kam so weit, daß schon das Per- 
sonal von Druckereien sich weigerte, einen Hirtenbrief zu 
setzen, wenn darin irgenwelche „bedenkliche Stellen" gefunden 
wurden; sie fürchteten, daß der Betrieb geschlossen würde und sie 
arbeitslos werden könnten. 

Bischöfliche Predigten begegneten dem gleichen 
Schicksal, wenn sie nachträglich gedruckt wurden oder werden 
sollten: So wurde am 19. Februar 1936 die Papstpredigt des Kar- 
dinals Gestein würfe gegen den Päpstlichen Stuhl") 

47. 



verboten, gleichzeitig auch seine Silvesterpredigt über den „Christ- 
lichen Glauben", weil sie als ein Ersatz der Kirchenzeitung be- 
trachtet wurde. 

1937 wurde die zweite Folge der Kardinalspredigten: „Lei- 
denskraft und Tatkraf t", „Das Christentum im 
deutschenVol k", „ElternrechteundElternpflich- 
t e n" beschlagnahmt. 

Ebenso wurde auch die dritte Serie mit der Predigt: „Das 
Reichskonkordat: Ja o.der Nein?" beschlagnahmt und 
polizeilich vernichtet. 

Zu gleicher Zeit, da ein Flugblatt zugunsten der Feuerbestat- 
tung ohne jede polizeiliche Behinderung überall verbreitet werden 
konnte, wurde die Allerseelenpredigt des Kardinals über: „Christ- 
liches Begräbnis oder heidnische Verbrennung?" 
im Erzbischöflichen Ordinariat beschlagnahmt. 

1936 wurde eine Predigt des Bischofs B u c h b e r g e r, Regens- 
burg, über die „Gefährdung des katholischen Glau- 
bens" verboten, das „Katholische Sonntagsblatt" von Regensburg 
wegen Abdrucks dieser Predigt beschlagnahmt. 

Überwachung des Wortes Gottes. 

Nicht bloß das Bischofswort, gesprochen oder gedruckt, wurde 
überwacht und gar oft gefesselt, sondern auch das Kanzelwort des 
kleinsten Dorfes und letzten Kaplans. Neben den amtlichen Auf- 
passern von der Polizei waren hiefür im Land noch eine Unzahl 
von Spitzeln und Denunzianten beflissen, jedes scharfe oder auch 
nur vermeintlich scharfe Preüigtwort an die Partei oder Gestapo 
zu melden. 

Des öfteren ergingen besondere Anordnungen zur Überwachung 
der Prediger an einem einzelnen Tag oder nach besonderen Rück- 
sichten. So z. B. am 23. Mai 1936 von der Polizeidirektion München 
mit folgendem Wortlaut: 

Betreff: Wanderprediger. 

Wie mitgeteilt wird, ziehen in letzter Zeit auffallend zahlreiche 
Ordensgeistliche, insbesondere auch Jesuiten, als Wanderprediger von 
Ort zu Ort. Den Wanderpredigern und auch ganz besonders den Mis- 
sionsgeistlichen ist besonderes Augenmerk zuzuwenden. Etwaige Wahr- 
nehmungen wollen unter Bezugnahme auf diese Entschließung sofort 
hierher berichtet werden. Vor allem ist für einwandfreie Feststellung 
der Personalien der Redner und die Sicherung entsprechender Zeugen- 
aussagen bei abgehaltenen Predigten zu sorgen. 

. I.V. gez. Dr. Stepp. 
M. 23. V. 36 Polizeidirektion gez. Mayr. 

Dann wiederum am 14. Oktober 1936 aus Anlaß des schlechten 
Gewissens, das Staatsminister Wagner und stellvertretender Gau- 
leiter Nippold wegen ihrer Reden bei einem Kreistag hatten: 

48 



Betreff: Kirchenüberwachung. 

Auf Weisung des Staatsministeriums des Innern sind die katholi- 
schen Kirchen an den Sonntagen bis auf Widerruf insbesondere darauf- 
hin zu überwachen, inwieweit von den Predigern zu den anläßlich des 
Kreistages von Staatsminister Wagner und stellvertretendem Gauleiter 
Nippold gemachten Ausführungen Stellung genommen wird. 

Ich ersuche, geeignete Beamte mit der Überwachung zu beauftragen 
und sie anzuweisen, über etwaige Ausführungen möglichst, im Wortlaut 
zu berichten. '' 

War ein Geistlicher auf der „Schwarzen Liste", 
so wurde die Überwachung seiner Predigten noch verstärkt. 

Für das Abhören der Kardinalspredigten war in der 
Regel ein ganzer Stab von Aufpassern abgeordnet. Einmal wurde 
sogar die Lautsprecherleitung, mit welcher die Kardinals- 
predigt in eine andere Kirche übertragen wurde, von der Mün- 
chener Parteileitung „angezapft" und die Predigt auf Schall- 
platten aufgenommen, einerseits um den Text ganz sicher fest- 
zulegen, anderseits um damit im „Braunen Haus" zu München noch 
am gleichen Abend eine Art „Belustigungsvorstellung" geben zu 
können, indem man die Schallplatte zur Verzerrung des Bischofs- 
wortes das einemal ganz langsam und entsetzlich langweilig, das 
anderemal wieder überhudelt schnell ablaufen ließ. 

Die JRundfunkpredigten wurden natürlich im vorhinein 
streng zensiert und kleinlichst korrigiert, nach wenigen Jahren 
(ab 1936) der Naziherrschaft überhaupt aufgehoben, wobei der 
katholischen Presse ausdrücklich verboten wurde, darüber irgend- 
wie ihr Bedauern auszudrücken. Auch in dieser Beziehung sollte 
eben das öfifentliche Leben „säkularisiert" werden. Dagegen durften 
nazistische Organisationen, insbesondere die HJ, ihre heidnischen 
Morgenfeiern ruhig weiterbringen. Ja, am 28. November 1937 wurde 
vom Rundfunk Breslau und seinen Nebenstationeh Gleiwitz und 
Görlitz sogar der „Deutschen Glaubensbewegung" eine 
neuheidnische Morgenfeier zugestanden. 

Im übrigen wurde auch, um den Wirkungskreis von Predigten 
bekannter hoher Persönlichkeiten möglichst einzuschränken und 
das Wort Gottes auch räumlich zu fesseln, die L a u t - 
Sprecherübertragung von Predigten in andere Kirchen 
(besonders für Kardinalspredigten in München gedacht) und auf 
öffentliche Plätze polizeilich verboten. 

Strafen für das Wort Gottes. 

Die vielen Spitzel und Aufpasser unter der Kanzel wollten 
nicht umsonst angesetzt und zur Berichterstattung aufgefordert sein. 
Sie gaben Meldung an die Polizei oder an den Kreisleiter; diese 
meldeten weiter an Gestapo oder Gauleitung. Und so regnete es 
nach und nach Beschwerden bei den kirchlichen Behörden, Vor- 
ladungen, Vernehmungen, Verwarnungen einzelner Geistlicher. An 

• 49 



einem einzigen Tag übergab die Bayerische Regierung dem Erz- 
bischöflichen Ordinariat München eine Liste von 19 katholischen 
Geistlichen Bayerns, die »»staatsfeindlich gepredigt'* hätten. 

Ein Beispiel: Dr., Michael HöCk, München, wurde zur Rechenöchaft 
gezogen, sogar ein paar Tage in der Polizei behalten, Weil er zu Anfang 
des Krieges bei einem Elnkehrtäg für Frauen zu Inzell „den Krieg 
eine Heimsuchung Gottes'* genannt hatte. 

Predigtverbote. 

Einzelnen Predigern wurde über kurz oder lang das Predigen 
überhaupt verboten. So z. B. dem Jesuitenpater Rupert Mayer 
zunächst äußei-halb Münchens, zuletzt dann auch noch in München 
selbst. 

Stadtpfarrprediger Heinrich Göttl von München-Sankt 
Peter wurde ob seiner kernigen, mannhaften Kan2elworte auf 
Monate aus der Erzdiözese verwiesen. 

Gerichtliche Verfolgung von Predigern. 
In steigendem Maße kam es schließlich zu gerichtlichen 
Verfolgungen von Predigern. Handhaben hiezu boten der in der 
Kulturkampfzeit geschaffene „K a n z e 1 p a r a g r a p h" und ein 
neu geschaffenes „Gesetz gegen heimtückische An* 
griffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Partei- 
Uniform" vom 20. Dezember 1934. 

Der „Kanzelparagraph" war § 130a des Strafgesetzbuches für das 
Deutsche Reich. Er bestimmte: 

„Ein Geistlicher oder anderer Religionsdiener, welcher in Ausübung 
oder in Veranlassung der Ausübung seines Berufes öffentlich vor einer 
Menschenmenge oder welcher in einer Kirche oder an einem anderen 
zu religiösen Versammlungen bestimmten Orte vor Mehreren An- 
gelegenheiten des Staates in einer den öffentlichen Frieden 
gefährdenden Weise zum Gegenstand einer Verkündigung 
oder Erörterung macht, wird mit Gefängnis oder Festungshaft bis zu 
2 Jahren bestraft. 

Gleiche Strafe trifft denjenigen Geistlichen oder anderen Religions- 
diener, welcher in Ausübung oder in Veranlassung der Ausübung seines 
Berufes Schriftstücke ausgibt oder verbreitet, in welchen An- 
gelegenheiten des Staates in einer den öffentlichen Frieden gefährden- 
den Weise zimi Gegenstand einer Verkündigung oder Erörterung ge- 
macht sind." 

So scharf dieses Schwert war und so vielseitig es angewendet 
werden konnte, es war dem Nationalsozialismus noch nicht genug 
Sicherung gegen ein freies Wort von der Kanzel. Er brauchte vor 
allem auch noch den Schutz für di? Partei und ihre vielfach so 
verwundbaren Funktionäre. Darum legte ör sich schon nach drei- 
viertel Jahren einen neuen Panzer um, damit ihn das „Schwert des 
Geistes, d. i. das Wort Gottes" (Eph. 6,17) nicht verletze: 

Das berüchtigte Heimtückegesetzl 
Artikel 1 § 1 lautete unter 1: 
„Wer vorsätzlich eine wahre oder gröblich entstellte Behauptung 
tatsächlicher Art aufstellt oder verbreitet, die geeignet ist, das Wohl des 

50 t 



Reiches oder das Ansehen der Reichsregierung oder das der national- 
sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei oder ihrer Gliederungen schwer 
zu schädigen, wird, soweit nicht in anderen Vorschriften eine schwerere 
Strafe angedroht' ist, mit Gefängnis bis zu 2 Jahren und, wenn die Be- 
hauptung öffentlich aufgestellt oder verbreitet wurde, mit Gefängnis 
nicht unter 3 Monaten bestraft." / 

§ 2 besagte unter 1: 

„Wer öi^entlich gehässige, hetzerische oder von niedriger Gesinnung 
zeugende Äußerungen über leitende Persönlichkeiten des Staates 
oder der NSDAP, über ihre Anordnungen oder die von ihnen geschaffe- 
nen Einrichtungen macht, die geeignet sind, das Vertrauen des Volkeä 
zur politischen Führung zu untergraben, wird mit Gefängnis bestraft." 

Man beachte: In § 2 ist nicht mehr bloß die Rede von „un- 
wahren oder gröblich entstellten Behauptungen". Straf- 
würdig ist es darnach auch schon, Wahres über die Persönlich- 
keiten des Staates oder der Partei auszusagen (z. B. über früher* 
wirkliche Verfehlungen und gerichtliche Strafen von leitenden Per- 
sönlichkeiten der Partei) oder Kritik zu üben an irgendwelchen 
Anordnungen der Partei (z, B. der Unterdrückung der Presse oder 
Konfessionsschule oder des Sonntagsgottesdienstes in Arbeitsdienst- 
lagern u. ä.), wenn dies irgendwie als „gehässig, hetzerisch oder 
von niedriger Gesinnung zeugend" empfunden wurde. Und dieses 
„Empfinden" brauchte gar nicht bei den Hörern der Äußerungen 
entstanden sein, es genügte, wenn Gestapo und nationalsozialistische 
Richter so empfanden!! 

So wurde P. RupertMayer S.J. in München nicht wegen 
„unwahrer oder gröblich entstellter Behauptungen", angeklagt und 
verurteilt, sondern gemäß § 2 Absatz 1 dieses neuen national- 
sozialistischen Gesetzes. 

Als Beispiel dessen, was Nationalsozialisten nicht hören konnten 
und wollten, auch wenn es lOOprozentig wahr gewesen ist und nur 
zur Verteidigung von Recht und Freiheit der Mitbürger wie der 
Kirche gesagt wurde, zugleich aber auch als Beispiel dafür, wie 
geradezu jede Predigt eines einzelnen bespitzelt und an die 
Gestapo berichtet wurde, sei die Anklageschrift des Staatsanwalts 
beim Sondergericht München gegen den Pater wiedergegeben: 

CMfentliche Ankla|:e gegen Pater Rupert Mayer 

vom Staatsanwalt beim Sondergericht München. 

Aktenzeichen: IcJsSo lOO/S*? 

Ich erhebe 

öffentliche Klage gegen 

Mayer Rupert, geboren am 23. Januar' 1876 in Stuttgart, Sohn von Rupert 
Mayer und Emilie Wörle, ledig, Jesuitenpater in München,- nicht vor- 
bestraft, in dieser Sache vom 5. bis 10. Juni 1937 in Polizeihaft, seitdena 
in Untersuchungshaft im Straf Vollstreckungsgefängnis Stadelheim, 
welchen ich beschuldige, fortgesetzt öffentlich hetzerische Äuße- 
rungen über leitende Persönlichkeiten des Staates und deren Anordnun- 
gen gemacht zu haben, die geeignet sind, das Vertrauen des Volkes zur 
politischen Führung zu untergraben und durch die gleiche Handlung 

51 



fortgesetzt als Geistlicher in Ausübung seines Berufes In Kirchen vor 
mehreren Personen Angelegenheiten des Staates in einer den öffent- 
lichen Frieden gefährdenden Weise zum Gegenstand von Erörterungen 
gemacht zu haben. 

Tatbestand: 

Der Beschuldigte P. Rupert Mayer wirkt seit Jahren als Seelsorger 
und Kanzelredner in München und seiner näheren und weiteren Um- 
gebung. Vor der nationalen Erhebung trat er wiederholt in politischen 
Versammlungen auf und kämpfte herzhaft gegen den Kommunismus; 
nach der Machtübernahme nahm er eine sich ständig verschärfende ab- 
lehnende Stellung gegen den Nationalsozialismus ein, so daß seine Pre- 
digten, Reden und Schriften wiederholt polizeilich beanstandet werden 
mußten. Am 7. Mai 1936 wurde der Beschuldigte wegen einiger hetzeri- 
scher Äußerungen seitens der Staatsanwaltschaft München I verwarnt 
(Aktenzeichen: 16a Js So 430/36). 

In letzter Zeit, insbesondere seit Beginn des Jahres 1937 hat sich der 
Beschuldigte in mehreren seiner öffentlichen Predigten mit dem Schul- 
wesen, mit den Strafverfahren gegen katholische G e i s t - 
liehe und Ordensangehörige wegen sittlicher Verfehlungen, 
mit dem Pressewesen, mit dem Na tionalsozi alismus als 
solchem und mit dem nationalsozialistischen Schrif.ttumi 
befaßt. Unter anderem wurden von ihm folgende Themen in seinen 
öffentlichen Predigten behandelt: 

1. Thema: Gemeinschaftsschule: 

a) Predigt vom 3. 2. 37 in der St.-Josefs-Kirche in München: 

„ Am letzten Montag wurde ein Sieg gefeiert, aber so ein Sieg ist 

noch nicht gefeiert worden, solang die Welt besteht! Ich muß schon 
sagen, ein Sieg war das, der denen, die ihn gefeiert haben, gewiß nicht 
zur Ehre gereicht! Ein Sieg war das, ein Terror! Dieser Sieg war ein 
Türkensieg, ein Gewaltsieg!... " 

b) Predigt vom 29. 3. 1937 in Ursberg: 

In München sind die katholischen Erziehungsberechtigten ge- 
gen alles Recht und Gesetz um die katholische Bekenntnisschule ge- 
bracht worden. Da haben alle staatlichen und Parteidienststellen zu- 
sammengeholfen, mündlich und schriftlich . , ." 

c) Predigt vom 11. 4. 37 in Weißenhorn: 

„...Ja, habt Ihr noch nichts gehört von Schulkämpfen! Die Menschen 
sollen genötigt werden, ihre Kinder in der Schule entkonfessionieren zu 
lassen ... Es wurde in den Schulen gelogen, daß sich die größten Balken 
gebogen haben , . . Die Sache hat einen ernsten Hintergrund; es kommt 
einem gerade vor, als ob die Reichsregierung das Konkordat abgeschlos- 
sen habe, um es sabotieren zu lassen von den untergeordneten Stel- 
len..." 

d) Predigt vom 18. 4. 37 in Kirchheim: 

„ . . . Man will die Schule entkonfessionieren, sie darf auch nicht mehr 
christlich sein. Man sagt, man habe noch Religionsunterricht; in einem 
Jahr hat das Christentum in der Gemeinschaftsschule vollständig auf- 
gehört, dann weht ein antikatholischer, antichristlicher Geist... Was 
in dem Schulkampf gelogen wurde von untergeordneter Stelle, da wurde 
gelogen, daß sich die Balken bogen . . . Wie man es' diesen Menschen 
gemacht hat! Sie wurden Volksfeinde und Landesverräter genannt, die 
nicht da mittun wollen; das hörte man überall durch. Wenn einer diesen 
Staatsbetrug nicht ausüben wollte, dann hat man ihm dieses Schimpf- 
wort zugeworfen . . ." 

52 



e) Predigt vom 23. 5. 37 in der St.-Michaels-Kirche in München: 

„...Wäre ich im Lager unserer Gegner, ich hätte mich über einen mit 
so unredlichen Waffen erfochtenen Sieg nicht freuen können. Ich hätte 
mich eines solchen Sieges geschämt! Mit roher Gewalt kann man kein 
Recht zerstören oder vernichten ... ." 

?. Thema: Strafverfahren gegen katholische Geist- 
liche und Orden sangehörige sowie Presseberichterstattung 

über diese Verfahren: 

a) Predigt vom 24. 1. 37 in der St.-Michaels-Kirche in München: 

„Die Zeiten sind vorbei, wo wir geglaubt haben, was in der Zeitung 
steht! Was über religiöse Dinge in der Zeitung steht, das glauben wir 
grundsätzlich nicht! . . . Glaubt überhaupt keiner Zeitung, wenn sie sich 
mit sittlich-religiösen Dingen befaßt! Hört nicht darauf! Lest keine 
Zeitungen! Und jetzt, wenn ihr hinausgeht, dann möchte ich, daß eine 
religiöse Welle von der Kirche aus sich auf die Straße ergießt und von 
der Straße aus in die einzelnen Häuser .. ." 

b) Predigt vom 2. 5. 37 in der St.-Michaels-Kirche in München: 

„...Aber, meine Lieben, es ist nicht alles, wahr, was in der Zeitung 
steht. Die Art und Weis'e der Darstellung ist so übertrieben und wird 
so aufgebauscht, und das, was in den chigstentum- und katholiken- 
feindlichen Zeitungen steht, das wird erst recht aufgebauscht und aus- 
geweidet. . . Dann lasen wir überall von 1000 Sittlichkeitsverbrechen 
von Priestern und Ordensleuten! Die Zahl ist bei weitem übertrieben, 
und, soviel ich weiß, sind es höchstens 500 Fälle, von denen ich gelesen 
habe, vielleicht sind es aber auch nur 250! . . . Warum liest man das 
überhaupt nur bei katholischen und evangelischen Kreisen? ■ Von den 
anderen liest und hört man nie etwas! Wer im Glashaus sitzt, soll nicht 
mit Steinen werfen!... Wir sind keine Revolutionäre, aber wenn das 
so weitergeht, dann werden wir katholischen und evangelischen Geist- 
lichen eine ganz gewaltige Stinkbombe hineinwerfen müssen! Wir lacr^ 
sen uns das nicht mehr gefallen, wir werden jetzt dagegen rücksichts- 
los kämpfen! ..." 

e) Predigt vom 23. 5. 37 in der St.-Michaels-Kirche in Mühchen: 

„...aber das ist noch etwas ganz anderes, was man jetzt dem katholi- 
schen Volk vorzulügen sucht. Liebe Freunde, was uns wehe tut, das sind 
die Berichte über diese Skandalprozesse, Denn da müssen wir das 
eine sagen: Wir haben jetzt Beweise in der Hand, die genügen, um uns 
jeden Glauben an einen großen Teil der deutschen Presse zu nehmen 
und endgültig zu rauben. Wir wußten schon, daß man in diesen Pro- 
zessen für katholische Dinge überhaupt kein Verständnis hat. So ein- 
seitig, so unwahr und gehässig und so verlogen hat ntian immer über 
die katholische Kirche geschrieben . . . Man sagt so gerne zu uns: Ihr 
könnt zufrieden sein; denn in Spanien hätte man euch schon längst an 
die Wand gestellt! Ich sage aber ganz ruhig: Dem Tod habe ich hun- 
dertemale ganz bewußt in die Augen geschaut. Das bin ich gewöhnt. 
Das ist nicht so schlimm. Aber wenn man einen Menschen geistig tötet, 
wenn man ihn kaputt macht vor der Welt, das ist das Furchtbarste, was 
man sich vorstellen kann . . . Darum liebe Freunde, ist es aus und vor- 
bei mit dem Glauben an den Großteil der deutschen Presse, wenn sie 
berichtet über religiös- sittliche Verhältnisse, über christlich-katholische 
Belange..." 

3. Thema: Nationalsozialismus. WS Schrifttum. 

ia) Predigt vom 26. 1. 37 in der St.-Theresien-Kirche in München': 

,; . . . In der Marxistenzeit habe ich viele Hetzschriften gelesen, weil man 

das nicht bekämpfen kann, was man nicht kennt! Meine lieben Freunde, 

53 



ich muß sagen, es löt mir, damals oft der Ekel aufgestiegen und es ist 
mir reichlich schwer gefallen, diesen Schmutz zu lesen. Aber das, was 
an nationalsozialistischer Literatur heute empfohlen wird, das ist ekel- 
erregender denn je!..." 

b) Predigt vom 24. Januar 37 in Aichach: 

„ ... Es wird heute viel von nationalsozialistischer Weltanschauung ge- 
sprochen; darum müssen wir sie mal von unserer Seite aus ansehen. 
Ich beschäftige mich seit Monaten mit dem nationalsozialistischen 
Schrifttum, doch bin ich mir nicht klar geworden, was .man darunter 
versteht. Euch, liebe Freunde, wird es auch so gehen!... Nach diesen 
Beweisen ist der Nationalsozialismus der erbittertste Gegner der 
Kirche . . . Ihm gegenüber steht die Erklärung der Reichsregierung vom 
Frühling 1933, das Konkordat und der Programmpunkt 24. Da kennt 
man sich nicht mehr aus, was richtig ist." 

Wesentliches Ergebnis der Ermittlungen: 

Der Beschuldigte Pater Rupert Mayer ist im großen und ganzen 
geständig; im übrigen wird der Sachverhalt durch die den fraglichen 
Predigten beiwohnenden Zeugen geklärt werden können. 

Zusammenfassend erklärte der Beschuldigte P. Rupert Mayer: Er 
habe sich nicht darüber de^ Kopf zerbrochen, ob er in seinen Predigten 
in Widerspruch geraten würde mit dem Kanzelparagraphen (§ 130a 
RStGB.), voii dessen Existenz er wohl wisse, den er aber bisher nicht 
weiter studiert habe — oder mit den Bestimmungen des „Heimtücke- 
gesetzes"; er würde auch jetzt, nachdem er entsprechend auf- 
geklärt sei, trotz dieser Bestimmungenfort fahren auf 
Grund des Konkordates die Belange der katholischen 
Kirche zu verteidigen, wie er es bisher getan habe; er halte sich 
hierzu in seiner Eigenschaft als katholischer Priester für 
verpflichtet und nach dem Kpnkordat auch für be- 
rechtigt. 

Die oben geschilderten Handlungen erfüllen den Tatbestand eines 
fortgesetzten Vergehens gem. § 2 Abs. 1 des Gesetzes vom 20. 12. 1934 in 
Tateinheit mit einem fortgesetzten Vergehen gem. §§ 130a, 73 RStGB. 

An den Herrn Vorsitzenden des Sondergerichts München 
mit dem Antrag auf Anordnung der Hauptverhandlung, Terminbestim- 
mung und Fortdauer der Üntersuchungshafty 

München, den 7, Juli 1937. 

Der Leiter der Anklagebehörde bei dem Sondergerichte München. 



Und ein deutsches Gericht brachte es fertig, diesen Priester 
des Herrn, diesen Ordensmann voll Selbstlosigkeit, diesen Männer- 
apostel voll glühenden Eifers, diesen Edelmann lauterster Ge- 
sinnung, diesen Ehrenmann von der Fußsohle bis zum Scheitel, 
diesen Freund aller Armen, diesen schwerverwundeten Veteranen 
des Weltkrieges wegen seines Kampfes für Wahrheit, Gerechtig- 
keit und Freiheit zu sechs Monaten Gefängnis zu verurteilen und 
fünf Monate einzusperren!! 

Sein Nachfolger auf der Kanzel von St. Michael in München, 
PaterAnton Körbling, wurde zwei Jahre darauf ebenfalls 
auf Grund des gleichen Gesetzes auf die Anklagebank gesetzt und 

54 



zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Als bezeichnendes Beispiel 
sei auch die gegen ihn erhobene Anklage wiedergegeben: 

Aktenzeichen Ib Js— So 344/39 

Anklageschrift 

Ich erhebe öffentliche Anklage gegen 

Körbling Anton, Jesuitenpater in München, ledig, geboren am 29, 12. 
1902 in Kötzting, Eltern: Ignaz Körbling und Maria, geborene Jann, 
nicht vorbestraft, den ich beschuldige, durch dieselbe Handlung: 

1. öffentlich hetzerische und gehässige Äußerungen über leitende 
Persönlichkeiten des Staates und der NSDAP, über ihre Anordnungen 
und die von ihnen geschaffenen Einrichtungen gemacht zu haben, die 
geeignet sind, das Vertrauen des Volkes zur politischen Führung zu 
untergraben, 

2. als Geistlicher in Ausübung seines Berufes in einer Kirche vor 
Mehreren Angelegenheiten des Staates in einer den öffentlichen Frieden 
gefährdenden Weise zum Gegenstand einer Erörterung gemacht zu 
haben. 

Sachverhalt: 

Der Beschuldigte hielt am Sonntag, den 12. 2. 19^9 In der Michaels- 
kirche in München eine Predigt, in der er sich mit dem Satz des Evan- 
geliums „Der Same aber ist das Wort Gottes" befaßte. Er stellte ein- 
leitend fest, daß der Katholizismus zurückgehe, und untersuchte die Ur- 
sachen hiefür. Dabei führte er u. a. dem Sinne nach aus: 

Der Same, das Wort Gottes, habe nicht die Schuld; denn das Wort 
Gottes sei gut, wenn auch die heutige Zeit es bespitzle und bespöttle, 
daß es den Modergeruch der Pharaonengräber an sich habe und all 
unfruchtbares, totes Wort dem neuerweckten Germanen untragbar sei. 

...Es sei die Pflicht des Pfarrers, dem Volk das Wort Gottes beim 
Hauptgottesdienst zu vei'künden. So werden immer Menschen als Sä- 
leute Gottes über die Erde wandern müssen aus heiliger Verflichtung, 
auch wenn man ihr Tun lästert oder höhnt oder als das von Faulenzern, 
die mit Bibelsprüchen durch das Land ziehen, als überflüssige und un- 
produktive Beschäftigung abtut. Es wiederholt sich immer wieder die 
Szene vom Areopag, da Paulus zu gottesfürchtigen Menschen redet; ein 
paar Lebemenschen und Universitätsprofessoren kommen hinzu mit der 
Frage: Was will denn dieser Schwätzer? 

Die Predigt ist ein schwerer Auftrag . . . Die dritte Schwierigkeit 
liegt in der Zeit. Sturm erschwert das Schreiten über das Ackerland. 
Der Bauer bleibt vielleicht in solchen Tagen daheim. Dem Prediger ist 
der schwere Gang nicht erspart. Es gibt eine Menge von Saatgut, die 
nach geltenden Gesetzen und Verordnungen nicht mehr angebaut wer- 
den sollte, die aber der Herrgott immer noch nicht von seinem Saat- 
plan gestrichen hat. Das gibt notwendigen Konflikt, das wird immer 
wieder Gefängnis und Predigtverbot geben; wenn einer schweigen muß, 
wird ein anderer auftreten, und wenn Menschen nicht mehr sprechen 
können, dann werden die Steine reden. Luk. 20,40. 

„Ob gelegen oder ungelegen, kündige das Wort. Es gibt Dinge, die 
gesagt werden müssen..." Ebenso selbstverständlich sollte es sein, daß 
der Katholik in seinem Glauben sich systematisch weiterbilde, daß er 
seine Standespredigten besuche und aus der Verkündigung des Wortes 
Gottes die Waffen sich besorge, die zur Verteidigung seiner heiligsten 
Güter notwendig sind. Wenn der Unsinn, der heute feilgeboten wird — 
ich erinnere nur an die stets wiederkehrende und wiedergeglaubte Ver- 
drehung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis — , angefangen 
von dem „Mythos" bis zu den Reden in unseren Tagen, von wissende» 

55 



Katholiken berichtigt Werden würde, es könnte dann nimmer einer 
weiterhin so sprechen, ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Es 
sind auch solche Ausführungen nicht geeignet, der deutschen Wissen- 
schaftlichkeit einen guten Namen zu erwerben. 

Diese Tatsache sei für. die deutsche Wissenschaft etwas Unwürdiges 
und dem Ausland gegenüber eine Schande ... 

„Wende das Wort auf dich an. Sage nie: ,Heute hat er es ihnen 
aber wieder gesagt.' Wir predigen nicht für jene, die nicht da sind, 
auch nicht für den Abgesandten der politischen Polizei, der zufällig da 
ist. Wir wissen, daß dort für unser Kanzelwort nicht das rechte Erd- 
reich gegeben ist und daß ein Samenkorn, das auf das Blatt des Beob- 
achters gefallen ist, noch nicht zum Heil aufgegangen ist . . ." 

Wesentliches Ergebnis der Ermittlungen: 
Der Beschuldigte ist geständig. 

Die Äußerungen des Beschuldigten erfüllen den Tatbestand eines Ver- 
gehens nach § 2 Absatz 1 des Gesetzes vom 20. 12. 1934, rechtlich zu- 
sammentreffend mit einem Vergehen nach §§ 130a Absatz 1. 73 StGB. 

Die Strafverfolgung aus § 2 des Gesetzes vom 20. 12. 1934 ist an- 
geordnet durch Verfügung des Herrn Reichsministers der Justiz vom 
25. 7. 1939 III g 18 647 a/39 (Bl. 11). 

Zur Aburteilung ist nach §§ 1, 2 der VO v. 21. III. 33 über die Bil- 
dung von Sondergerichten — RGBl I S. 136 — das Sondergericht Mün- 
chen zuständig. 

Als Beweismittel bezeichne ich: 
Zeugen: Müller N., Kriminalsekretär, Staatspolizeileitstelle München. 
Urkunden: Strafliste. 

An den Herrn Vorstizenden des Sondergerichtes München. 
Ich beantrage 

1. die Hauptverhandlung anzuordnen und Termin zu bestimmen. 
München, den 18. August 1939 

Der Oberstaatsanwalt bei dem Landgericht München I 
als Leiter der Anklagebehörde bei dem Sondergericht München 

gez. Resch. gez. Dr. Schnabl, 

(gez. Trellinger). 



„Unbegreiflich sind — die Gerichte des Dritten Reiches. 

Die größte Ungeheuerlichkeit an Fesselung und Bestrafung des 
Wortes Gottes im Reich des Nationalsozialismus bedeutete wohl das 
Urteil gegen den Karmeliterpater Gebhard Hey den von Neu- 
markt (Oberpfalz), geboren am 30. November 1904 zu St. Lorenzen 
bei Regensburg. Lassen wir ihn selber erzählen: 

Ich war seit September 1942 stationiert auf dem Mariahilf berge 
Neumarkt/Opf. Da uns unser Kloster von den Nazi genommen und zur 
Hitlerschule umgewandelt war, hausten wir nebenan notdürftig in 
einem Waldhäuschen und versahen von dort aus den Gottesdienst in der 
Wallfahrtskirche. Am 13. und 16. Juli 1944 predigte ich und wurde 
dabei von einem Offizier (ob SS-Offizier, weiß ich nicht genau) be- 
spitzelt. Der Offizier war im Lazarett der katholischen Schwestern am 
Fuß des Berges. Er steckte mit dem Kreisleiter von Neumarkt, der 
ebenfalls am Fuß des Berges eine Villa bewohnte und der vor einem 
Jahr sein Amt angetreten hatte und ein echter Preuße war, unter einer 

56 



Decke. Er war von diesem eigens geschickt, um mich zu überwachen. 
Der Kreisleiter scheint schon länger nach einem Anlaß gesucht zu haben, 
mich fassen zu können, denn er hielt Leute an, die zu uns in die Kirche 
gingen und fragte sie, was sie denn dort oben suchten. Ähnlich be- 
merkte er kurz zuvor in einer Rede, daß jetzt auch Prozessionen und 
Bittgänge nichts helfen, sondern nur die gepanzerte Faust des deutschen 
Soldaten. 

Ich wurde am 2 0. Juli 1944 nachmittags 3 Uhr zur Gestapo in 
das Polizeigebäude Neumarkt geladen und dort von dem 
Gestapo-Beamten ungefähr 3 Stunden verhört. Dieser Beamte, dessen 
Namen ich nicht genau weiß, vielleicht dürfte er A 1 1 geheißen haben, 
war mit seiner Sekretärin aus Regensburg gekommen. Nach dem Ver- 
hör wurde ich sofort in das Amtsgerichtsgefängnis Neumarkt über- 
geführt. • V 

Nach 5 Tagen wurde ich vom Polizeichef von Neumarkt per Auto 
nach Regensburg gebracht. Dort wurde ich im Polizeigebäude 
photographiert, es wurden Finger- und Handabdrücke und die üblichen 
polizeilichen Feststellungen an mir gemacht, wie sie für Schwerverbre- 
cher vorgesehen sind. Gegen Abend wurde ich in das Gerichtsgefängnis 
Regensburg überbraqht. Dort wurde mir nach einigen Tagen mein 
Ordenskleid genomrhen. Nach etwa 14 Tagen wurde ich von einem 
älteren Beamten des gewöhnlichen Gerichts nochmal verhört. Nachdem 
ich diesem meine Aussagen dargelegt hatte, meinte der Beamte, daß 
er mich an sich freischreiben könnte und möchte. „Aber," sagte er, 
„wenn ich Sie auch, freischreibe, so nützt das doch 
nichts; denn die Gestapo läßt Sie nicht frei. Ich bin ja 
nur ein Werkzeug der Gestapo." Hierauf blieb ich in Untersuchungshaft 
zu Regensburg bis Ende November. 

Ende November wurde ich als Einzeltransport von einem Polizei- 
beamten in das „Z e llengefängnis" Nürnberg überbracht. Dort 
wurde ich — warum weiß ich nicht — unter die tschechischen Häft- 
linge gezählt. Meine Verhandlung war für den 2 1. Dezember angekün- 
digt, wurde aber tatsächlich, ohne daß ich vorher benachrichtigt wurde, 
schon am 2 0. Dezember gehalten. So konnten weder Ent- 
lastungszeugen noch Freunde meiner Verhandlung bei- 
wohnen. Mein Tribunal war der 1. Senat des Volksgerichtshofes Berlin. 

Die zwei Sätze, die mir aus meiner Predigt als Verbrechen vor- 
geworfen wurden, lauten: 

1. „Der Krieg ist ein Strafgericht Gottes für die 
Völker und dies ist noch nicht zu End e." 

2. „Deutschland muß wieder zu Christus zurück- 
kehre n." 

Speziell der letzte Satz wurde mir als Hauptverbrechen ausgelegt. 
Man deutete meinen Ausspruch dahin, daß ich sagen wollte: Das Be- 
kenntnis des deutschen Volkes zum Nationalsozialismus sei ein Irrweg. 

Auf diesen Vorwurf antwortete ich: „Soweit der NS Politik ist, 
steht es mir nicht zu, zu urteilen; soweit aber der NS Welt- 
anschauung sein will, bin ich als katholischer Priester verpflichtet, 
dem gläubigen Volk die Wahrheit zu sagen, und da muß ich sagen, daß 
das Bekenntnis des deutschen Volkes zum NS als Weltanschauung der 
größte Irrweg ist, den das deutsche Volk je gegan- 
gen ist." 

Auf diese meine Antwort hin entstand eine allgemeine Entrüstung 
unter den Richtern. Sie zogen sich zur Besprechung zurück und er- 
schienen alsbald wieder, um mit feierlicher Geste mir das Todes- 
urteil anzukünden. Es war kein Zeuge bei der Gerichtsverhandlung 
anwesend, auch nicht der SS-Offizier, der mich bespitzelt hatte. Dieser 
war bezüglich seiner Aussagen gegen mich sehr unsicher geworden und 

57 



hatte sich von Neumarkt In das Lungensanatorium Donaustauf bei 
Regensbürg versetzen lassen. Der Polizeichef von Neumarkt fuhr eigens 

zu ihm, um ihn gegen mich wieder scharf zu machen. Ich wurde 

also vom Obersten deutschen Volksgerichtshof ohne 
ZeugenzumTodeverurteilt. 

Während der Verhandlung warf mir der Vorsitzende vor, daß ich 
ein Fanatiker der Wahrheit sei. Ich antwortete: „Fanatiker der 
Wahrheit bin ich nicht, aber Bekenner der Wahrheit 
will ich sei n." Ein anderer Beisitzender des Volksgerichts, der in 
Kapitänsuniform dasaß, meinte spöttisch: „Sie wollen uns wohl alle 
katholisch machen." Ich antwortete: „Wenn ich es nur könnte!" Ein 
weiteres Mitglied des Gerichtshofes in Partei uniform rief mir zu: „Euer 
Gott muß aber ein blutrünstiger Gott sein." Ich erwiderte: „Gott braucht 
nicht immer mit Blut zu strafen, er hat auch andere Mittel." Wiedeir ein 
anderer bemerkte: „Auf den macht es auch keinen Eindruck, Wenn wir 
ihn zum Tode verurteilen." 

MeinVerteidiger, der mir von Amts wegen beigegeben wurde, 
kam erst 10, Minuten vor der Verhandlung zu mir, um sich über meine 
Lage noch flüchtig zu informieren. Dementsprechend fiel auch seine 
Verteidigungsrede aus, wenn man diese überhaupt so bezeichnen kann. 

Auf die Frage, wie der Gesamteindruck meiner Predigt auf das 
Volk war, antwortete ich: „Der Gesamteindruck auf das Volk ist' wohl 
der einer religiösen Predigt und nicht einer politischen Hetzrede ge- 
wesen; Beweis hierfür dürfte sein, daß sehr viele Leute, darunter zahl- 
reiche Soldaten, sich nach der Predigt in die Sakristei begaben, um sich 
dort in die religiöse Bruderschjaft (Skapulierbruderschaft) aufnehmen zu 
lassen und nicht, wie es bei einer politischen Hetzrede zu erwarten 
gewesen wäre, zum Kreisleiter hinuntergingen, um diesem die Fenster 
einzuwerfen." 

Nach der Verhandlung wurde ich gefesselt in das Gefängnis 
zurückgeführt und mit noch zwei anderen Todeskandidaten in eine Ker- 
kerzelle gesperrt, in der sonst nur ein Gefangener war. Die Behand- 
lung von selten der Wachtmeister im Nürnberger Gefängnis war, im 
großen und ganzen gesehen, angängig. Was aber die Kerkerhaft er- 
schwerte, war der Mangel an Licht und Wasser; dabei war das Klosett 
in die Kerkerzelle eingebaut. Die Kost war vor allem seit den schweren 
Bombardierungen (Januar bis Februar) sehr . notdürftig und ging mehr 
oder minder in eine Hungerkost über; Dotschen und einige Kartoffeln, 
eine kleine Ration Brot, das kaum mehr Brot zu nennen war. 

Während der schweren Bombardierungen durften wir 
politischen Häftlinge in keinen Schutzraum gehen, sondern mußten im 
obersten Stockwerk in der Zelle, unmittelbar unter dem Dache, bleiben. 

Als die amerikanischen Truppen bereits den Rhein über- 
schritten hatten, wurde Nürnberg als Festung erklärt und zur Verteidi- 
gung eingerichtet. Alle nicht zur Verteidigung in Frage kommenden 
Leute wurden deshalb evakuiert, am Schlüsse auch die Insassen des 
Gefängnisses. Ich wurde mit meinen Leidensgenossen am 30. März 1945 
(Karfreitag), je zwei zusammengefesselt, in das Zuchthaus Straubing 
an der Donau gebracht. Dorthin kamen auch die Häftlinge aus ver- 
schiedenen anderen Zuchthäusern, so daß das Zuchthaus Straubing 
schwer überfüllt wurde. Dementsprechend war auch die Verpflegung. 
Sie war eine ausgesprochene Hungerkost: fast nur angefaulte 
und zum Teil gefrorene Kartoffeln samt Schale und Schmutz 
als Eintopf gekocht, und zwar scheint diese Kost für einige Tage vor- 
ausgekocht worden zu sein, da sie uns oft kalt und in säuer- 
lichem Zustand verabreicht wurde. 

Der Anfang unseres eigentlichen Leidensweges be- 
gann aber erst mit dem 25. April 1945. An diesem Tage wurden wir 

58 



morgens 5 Uhr geweckt mit dem Befehl: „Schlafdecke und Kochgeschirr 
mitnehmen!" Wir wußten nicht, wohin es gehen sollte, nur das war uns 
einigermaßen klar, daß wir wegen der Nähe des Feindes aus dem Stadt- 
gebiet entfernt werden sollten. Wir marschierten gegen 7 Uhr vom 
Zuchthaus Straubing weg, Richtung Landshut. Während des Marsches 
erfuhren wir von einem Mitgefangenen, der den Wagen unserer ärmi- 
lich'bn Verpflegung fuhr, daß es nach Dachau gehen sollte, wo wir unsere 
gemeinsame Massenhinrichtung zu erwarten hätten . . . 

Was dieser Marsch, der bis zum Abend des 30. April „währte, alles an 
Entbehrung, Hunger, Elend, Mißhandlung, Erschöpfung bis zum Tode in 
sich schließt, kann kaum wiedergegeben werden. Als der Transport am 
1. Mai im Dorf Unterheldenberg bei Landshut von den amerikanischen 
Truppen unter lautem Jubel und mit heißem Dank befreit wurde, waren 
von 4000 Häftlingen, die von Straubing wegmarschiert waren,, nur noch 
etwa 800 — 900 übrig geblieben. Die meisten unserer Mitgefangenen 
waren bereits ihrem schweren Schicksal erlegen. Die übrig geblieben 
waren, befanden sich in einem Zustand, daß sie das Erbarmen und Ent- 
setzen der Leute erregten. 



Neben dieser Unbegreiflichkeit deutscher Gerichtsspre- 
chung sei noch ein Fall beispielloser Gemeinheit und Hinterlist 
nationalsozialistischer Lockspitzelei gegen ptiesterliche Lehrtätig- 
keit gesetzt: 

Msgr. Lelf ers, katholischer Pfarrer von Rostock, wurde im . Jahre 
1935 von einem Universitätsstudenten und 2 Universitätsstudentinnen 
aufgesucht, die „seelsorgerlichen Rat" wünschten. Sie wollten angeb- 
lich die Ansicht des katholischen Klerus über den Nationalsozialismus 
.besser verstehen lernen und insbesondere erfahren. Was von Rosenbergs 
„Mythos des 20. Jahrhunderts" zu halten sei. Die Frankfurter Zeitung 
vom 17. April 1935 stellte fest, daß die drei „eifrige Verfechter von 
Ludendorffs antichristlicher Bewegung" waren und daß sie bei dem 
Priester bewußt den falschen Eindruck zu erwecken 
suchten, als Wäre es ihnen um geistliche Hilfe zu tun. 
„Sie waren gekommen, ihm eine Falle zu stellen." Diesen jungen Leu- 
ten, die vielleicht glaubten, etwas Verdienstvolles getan zu haben, sollte 
zu Bewußtsein gebracht werden, daß ihr Benehmen schlechter sei als 
das jener Zuträger, . welche hohe Parteibeamte mit anerkennenswerter 
Festigkeit ständig in vielen öffentlichen Versammlungen zurückgewiesen 
. hätten. Aber das Gericht wies diese Judasseelen nicht zurück, nahm 
ihre verräterischen Angaben entgegen und zur Grundlage einer An- 
klage und eines Urteils: 

Msgr. Leffers wurde zu iVz Jahren Gefängnis verurteilt 

zum Dank dafür, daß er drei jungen Leuten das Wort Gottes als Weg- 
weiser gegenüber nationalsozialistischen Irrlichtern schenken wollte!! 
Der Priester und Seelsorger wurde auf Grund des „Heimtückegesetzes" 
schwer bestraft. Aber wo war gerade in diesem Fall die 
Heimtücke ? ! 

Neue Fesseln für das Wort Gottes. 

Am 23. April 1935 gab die Bayerische politische Polizei in einer 
„streng vertraulichen" Anweisung allen Polizeistellen in bezug auf 
die Jesuiten neuen Auftrag: 

„öffentliche Versammlungen sind mit allen Mitteln zu unterbinden. 
Private Versammlungen sind zu überwachen. 
Schuldige sind strengstens zu bestrafen. 

59 



staatsfeindliche Darlegungen sind rücksichtslos mit Schutzhaft zu 
ahnden. 

Über jedes öffentliche Auftreten von Jesuiten ist sofort anher Be- 
richt zu ex'statten." 

Noch mehr glaubte im Juni 1934 die Oldenburgische 
Staatsregierung tun zu müssen, den „Kanzelparagraph" und 
das „Pleimtückegesetz" noch durch eine besondere Verordnung zu 
ergänzen: 

„Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. Februar 
1933 zum Schutze von Volk und Staat wird folgendes angeordnet: 

§ 1. Geistlichen und anderen Religionsdienern ist es verboten, die 
nationalsozialistische Bewegung oder die eine oder andere ihrer Gliede- 
rungen oder die Zugehörigkeit zu einer Gliederung als unchrist- 
lich oder gefährlich zu bezeichnen. Dies darf auch 
nicht in versteckter Form geschehen. 

§ 2. Geistlichen und anderen Religionsdienern ist es verboten, un- 
mittelbar oder auch mittelbar vor dem Besuch nationalsoziali- 
stischer Versammlungen zu warnen. 

§ 3. Geistlichen und anderen Religionsäienern ist es verboten, be- 
hördliche Maßnahmen als unchristlich oder gefähr- 
lich oder gegen die Kirche gerichtet — sei es auch in 
versteckterForm — zubezeichnen. 

§ 4, Zuwiderhandlungen gegen die §§ 1 — 3 der Anordnung unter- 
liegen den im § 4 der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat 
angedrohten Strafen." 

Auch dem Papst wird das Wort Gottes gefesselt. 

Als Papst Pius XL am 14. März 1937 ein Weltrundschreiben 
„Mit brennender Sorge" verfaßt hatte, beschlagnahmte die Polizei 
nicht bloß alle erreichbaren Druckexemplare, sondern es wurden 
Geistliche auch gestraft, weil sie diese Enzyklika pflichtgemäß ver- 
Jasen: 

Pfarrer Johann Georg Mayer in Arzheim wurde am 
30. 6. 37 vom Oberlandesgericht Zweibrücken zu 15 Tagen Gefäng- 
nis bzw. 150 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er am 26. März 1937 
in Erfüllung des bischöflichen Auftrages das Papstwort von der 
Kanzel verlesen hatte. 

Ein Religionslehrer an einer höheren Schule wurde sogar seiner 
Stellung enthoben, einzig aus dem Grunde, weil er bloß den Ab- 
schnitt „An die katholische Jugend" aus diesem Päpstlichen Send- 
schreiben seinen Schülern bekanntgegeben hatte. 

(Siehe Denkschrift der deutschen Bischöfe an die Reichs- 
regierung vom 26. August 1937). 

Das Wort Gottes auch im Beichtstuhl gefc^sselt! 

Selbst religiöse Beichtzusprüche wurden mißdeutet, 
denunziert, als „staatsfeindlich", empfunden und verfolgt, 

Kapuzinerpater Johann Nep. Hermann von München- 
St. Joseph wurde im Januar 1940 in Schutzhaft genommen, „weil 

60 



er mit politischer Hetze im Beichtstuhl der Regie- 
rung in den Rücken gefallen se i". Und worin bestand 
diese politische Hetze? Bloß darin, daß er zu einem Mann gesagt 
hätte: „Jetzt (im Kriege) können und müssen wir zeigen, daß wir 
die Vaterlandsliebe nicht bloß auf der Zunge haben, sondern im 
Herzen tragen und bereit sind, Opfer für andere zu bringen." 
„Vaterlandsliebe auf der Zunge tragen" — große Sprüche darüber 
machen, das konhte doch nur auf Nationalsozialisten gemünzt sein!! 
Also ist § 1 Absatz 1 des Heimtückegesetzes gegeben: „Gehässige, 
hetzerische Äußerungen über leitende Persönlichkeiten des Staates 
oder der NSDAP". Es dauerte etwa einen Monat, bis die Gestapo 
sich überzeugen ließ, daß der von ihr behauptete Zuspruch rein 
religiös und positiv gemeint war. 

Wahrlich, es war nicht leicht, im Dritten Reich das Wort Gottes 
zu verkünden, den Paulusauftrag zu erfüllen: „Predige das Wort 
Gcttes, tritt dafür ein, sei es gelegen oder ungelegen! Überführe, 
weise zurecht, ermahne mit aller Geduld und aller Belehrung!" 
(2 Tim 4,2.) 

2. Fesseln für den Gottesdienst. 

Im Gegensatz zu der schreienden Propaganda, welche für 
nationalsozialistische Veranstaltungen aller Art mit Riesenplakaten, 
Pressenotizen, Radioansagen, Flugblättern usw. gemacht werden 
konnte und immerfort gemacht wurde, hat man die Kirche in der 
Ankündigung ihrer Gottesdienste und religiösen Feierlichkeiten 
immer mehr eingeschränkt und dieselbe unterbunden. 

Den Tageszeitungen wurde die Aufnahme von Notizen über 
gottesdienstliche Veranstaltungen verboten. Sie mußten ja „ent- 
konfessionalisiert" werden und durften nur Nachrichten bringen, 
welche für die Allgemeinheit von Interesse waren. 

Die den Zeitungen als Werbemittel so willkommene Gratis- 
veröffentlichung von lokalen Gottesdienstordnungen wurde 
ebenfalls untersagt. 

Die Herausgabe eigener Gottesdienstanzeiger und 
Pfarrblätter wurde erschwert, zuletzt ganz verhindert. Nicht wenige 
Pfarreien, welche den Ausfall der Gottesdienstbekanntgabe in der 
Tagespresse durch einfache gedruckte oder auch nur hekto- 
graphierte, gratis in der Kirche aufliegende Handzettel auszuglei- 
chen suchten, erhielten von der Reichspressekammer ein Schreiben, 
wie folgt: 

Der Präsident der Reichspressekammer. Berlin W 35 — d. 27. 8. 38 

Geschäftszeichen: A4bWg/Ba. Viktoriastr, 11 

An das kathol. Pfarramt Maisach (Obb.). 

Betrifft: Einstellung der Herausgabe Ihrer Gottesdienstordnung. 

Jede Neugründung auf dorn Gebiet der Presse war nach dem 
13. Dezember 1933 — von genehmigten Ausnahmen abgesehen — bis 
30. September 1934 überhaupt ausgeschlossen (meine Anordnungen vom 
13. 12. 33 und 8. 2. 34). 

61 



Vom 30. September 1934 ab bestand dieser Zustand weiter bis zur 
allgemeinen Regelung über Neugründungen auf dem Gebiet der. Presse 
in meiner 10. Anordnung vom 31. Januar 1935. 

Nach dieser Anordnung war jede Neuplanung periodisclier Presse- 
erzeugnisse anmelde- und genehmigungspflichtig. Dieser Grundsatz wird 
in meiner jetzt geltenden Anordnung über verlegerische Neuplanungen 
Vom 15. Juni 1938 noch einmal bestätigt. 

Die von Ihnen verlegte Gottesdienstordnung, die als inhalts- 
beschränktes Pfarreiblatt im Sinne meines Erlasses vom 17. 2. 36 ein 
durch Druck oder sonstige mechanische Weise vervielfältigtes periodi- 
sches Presseerzeugnis darstellt, ist, wie ich aus Ihrer Meldung ersehe, 
erstmalig zu einem zwischen dem 13. Dezember 1933 und dem heutigen 
Tage liegenden Zeitpunkt ohne meine Genehmigung erschienen. 

Ihr Erscheinen ist daher unzulässig. Ich ersuche, 
die weitere Herausgabe sofort einzustellen und die 
Fachschaft der katholisch-kirchlichen Presse in der 
Reichspressekammer, Berlin W 35, Margaretenstr. 5, 
von der erfolgten Einstellung in Kenntnis zu setzen. 

Anträge auf nachträgliche Genehmigung sind zwecklos, da ich 
sie in diesen Fällen grundsätzlich nicht erteilen kann. Die Tatsache, daß 
nach dem 13. 12. 33 veröffentlichte und ohne meine Genehmigung er- ' 
schienene Gottesdienstordnungen vielfach nachträglich bei der Fach- 
schaft der katholisch-kirchlichen Presse angemeldet wurden, begründet 
keine Herausgabeberechtigung. 

Wer nach dem 13. 12. 33 erstmalig erschienene Gottesdienstordnun- 
gen ohne meine ausdrückliche Genehmigung weiter herausgibt oder neu 
begründet, setzt sich wegen seines ungesetzlichen Verhaltens der An- 
wendung polizeilicher Maßnahmen aus. 

L.S. Im Auftrage: Willi 

Gelegentlich einer persönlichen Vorsprache des Verfassers bei 
obenbezeichnetem Vertreter der Reichspressekammer in Berlin 
wurde erklärt, daß auch vorschriftsmäßig und rechtzeitig ein- 
gereichte Anträge von Pfarrämtern um Genehmigung besonderer 
Gottesdienstanzeigen keine Aussicht auf Erfolg hätten, auch dann 
nicht, wenn sie sich verpflichteten, gar nichts weiteres zu bringen 
als bloß Zeit und Art der gottesdienstlichen Veranstaltungen. „D i e 
Maschen werden immer enger" wurde höhnisch dazu 
bemerkt. 

Das sollte für die gesamte Seelsorge Geltung bekommen. 

Der Krieg bot hiezu neue Möglichkeiten: Schon im ersten 
Monat desselben wurde in einzelnen Teilen des Reiches, später aber 
allgemein jede außerordentliche Funktion, wie Volksmission, Ein- 
kehrtage, Triduen, Religiöse Wochen, Exerzitien verboten. Kein 
Tag und keine Stunde sollte der Kriegsrüstung verloren gehen! 

Selbst an den kirchlich vorgeschriebenen Feiertagen, die staat- 
licherseits ohne jede Fühlungnahme mit der Kirche ganz ab- 
geschafft wurden (wie Epiphanie, Maria Himmelfahrt und Aller- 
heiligen), oder ebenso eigenmächtig einfach auf den nächstfolgenden 
Sonntag verlegt wurden (wie Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, 
Evangelischer Bußtag), durfte keine vom Werktag abweichende 
Gottesdienstordnung sein. Nur mit Mühe und Not durfte in den 

62 



letzten paar Jahren das kirchliche Privileg der Abendmesse ge- 
braucht werden. 

Nach mitternächtlichen Fliegeirangriffen durften die Kirchen 
nicht vor 10 yhr ' vormittags zur rein freiwilligen Teilnahme an 
heiligen Messen und zum Empfang von hl. Sakramenten geöffnet 
werden, während alle Arbeiter, Angestellten und Beamten ver- 
pflichtet waren, so zeitig wie sonst an ihrer Dienststelle zu er- 
scheinen. 

In Polen, teilweise auch in Tirol, wurden viele Kirchen dem 
Gottesdienst überhaupt entzogen, vollständig geschlossen, in Posen 
z. B. sogar die Kathedrale, die doch zugleich Pfarrkirche für 14 000 
Seelen war, angeblich „wegen bedrohlicher Bauschäden," die aber 
anderseits nicht hinderten, daß darin weltliche Konzerte abgehalten 
werden konnten; ähnlich die St.-Magdalena-Kirche, ebenfalls Pfarr- 
kirche für 23 000 Seelen. Die wenigen Kirchen, die noch Priester 
hatten — ungefähr die Hälfte der Pfarreien der Erzdiözese Gnesen- 
Posen hatten keine Priester mehr — sie waren in Gefängnissen 
oder Konzentrationslagern oder liquidiert •— , durften nur an Sonn- 
tagen, und auch da nur zwischen 9 und 11 Uhr, geöffnet sein. In 
dieser knappen Zeit sollten alle hl. Messen gefeiert, die hl. Sakra- 
mente (Taufen, Beichten, Kommunion) gespendet und evtl. die 
Predigten gehalten werden. Es war in großen Pfarreien einfach 
unmöglich, allen Katholiken in diesen paar Stunden Gelegenheit 
zur Erfüllung der Sonntagspflicht und zum Sakramentsempfang zu 
geben. 

Um jede Bezweiflung dieser staatlichen Bevormundung rein 
kirchlich-seelsorglicher Betätigung auszuschließen, sei ein amtlicher 
Erlaß wiedergegeben: 

Geheime Staatspolizei Posen, den 24. Oktober 1940 

Staatspolizeileitstelle Posen , Ritterstraße 21 

B. Nr. — II B — 

An den 

General Vikar der Erzdiözese Posen- Gnesen 
z, Hd. des Herrn Weihbischofs Dr. Dymek 

in Posen 
Dominsel 

Betrifft: Zeitbestimmung für konfessionelle Veranstaltungen im Gebiet 

des Reichsgaues Wartheland. 
Vorgang: Ohne. 

Der Reichsstatthalter für den Reichsgau Wartheland hat durch Erlaß 
vom 3. Oktober 1940 •— A.Z. 1/8 D. 147 — in Abänderung der in dem Er- 
laß des Reichsstatthalters vom 24.7.40 festgesetzten Zeiten für konfes- 
sionelle Veranstaltungen für die Winterzeit ata 15. 10. 40 folgende Zeit- 
bestimmungen getroffen: 

1. Gottesdienst an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen in der Zeit von 
8 bis 11 Uhr. 

2. Messen an Werktagen in der Zeit von 8 bis 9 Uhr, Sonnabends untet 
Zulassung, an allen anderen Tagen unter Ausschluß der öffentliche 
keit. 

63 



f 



3. Beicht- und Kommunionunterricht für Jugendliche" am Mittwoch 
nachmittag von 14 bis 16 Uhr. 

4. Beichten für Erwa9hsene am Sonnabend von 14 bis 18 Vhv. 

5. Für die Icirchliche Betätigung anläßlich . der Eheschließung, der Be- 
erdigung und Taufe sowie für Versehgänge werden zeitliche Be- 

. Stimmungen nicht auferlegt. 

In den Gottesdiensten an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen ist die 
Predigt zugelassen, 

6. Die Veranstaltungen dürfen nur von den Mitgliedern der einzelnen 
jeweiligen Kirchengemeinden besucht werden] 

Für die deutschen evangelischen Kirchengemeinden sowie für die katho- 
lischen Kirchengemeinden, die 

a) geschlossen oder überwiegend deutsch sind und in denen 

b) ein Geistlicher deutscher Volkszugehörigkeit (im Besitz eines amt- 
lichen Ausweises) tätig ist, 

gelten diese Bestimmungen nicht. 

Ich ersuche, die Ihnen .unterstellten kirchlichen Stellen von dem 
Erlaß des Reichsstatthalters vom 3.' 10. 40 umgehend zu unterrichten. 
Zuwiderhandlungen gegen die in dem Erlaß festgelegten Bestimmungen 
werden durch staatspolizeiliche Maßnahmen geahndet. 

**' L. S. gez. B i s c h o f f 

Beglaubigt: 

E. Troeder 

Kanzleiangestellte. 

Der Josefinismus weit überboten. 

Aber auch in Deutschland selbst gab es viele Fesseln für den 
Gottesdienst. Tausenden und oftmals Zehntausenden wurde durch 
sonntägliche Pflichtarbeit in Rüstungsbetrieben, durch pflichtmäßige 
Appelle, Gemeinschaftsarbeiten, Schießübungen, Ausmärsche, Pa- 
raden, Parteitagungen oder -festlichkeiten, durch entsprechende 
Tagesordnung in Arbeitsdienstlagern, Land jährdienst usw. der 
Kirchenbesuch unmöglich gemacht Zum Beispiel am 20. August 1933 
etwa 35 000 Hitlerjungen gelegentlich des Gebietstreffens 
in München (Wecken, 5 Uhr früh); ebenso der ganzen Hitlerjugend, 
die beim Parteitag in Nürnberg war; wiederum in München am 
Tag der Deutschen Kunst: 15. Oktober 1933. Die Jungens 
hatten sich da jeweils schon so früh an den Treffpunkten zu sam- 
meln (V26 Uhr morgens!), daß eine vorherige Teilnahme am Gottes- 
dienst unmöglich war. Alle Versuche und Angebote des Ordinariats, 
eine Verschiebung des Appells auf einen späteren Zeitpunkt zu er- 
reichen oder in den Unterkunf tslägern selbst einen Gottesdienst 
zuzulassen u. ä., wurden abgesehlagen oder sabotiert. Ähnlich ging 
es vielerorts, als mit Beginn des Krieges die HJ an Sonn- 
tagen zum vormilitärischen Ausbildungsdienst ge- 
zwungen wurde. Oberhirtliche Vorstellungen, wie sie im Auftrag 
der gesamten katholischen Bischöfe Deutschlands durch Bischof 
Wiencken bei der Reichsführung der HJ gemacht wurden^ hatten 
nur geringen Erfolg. Es hing schließlich alles von dem guten oder 
gar leicht schlechten Willen der örtlichen HJ-Leitung ab. 

64 



HJ-Führer verbieten undverhindern Teilnahme 
an Fronleichnamsprozessionen. 

Höhere und niedere „Befehlsgewaltige" der HJ glaubten auch, 
etwas Großes leisten zu können, wenn sie der Fronleichnamsprozes- 
sion Abtrag tun würden. Sie verboten der HJ die Teilnahme oder 
machten es ihr durch Ausmärsche oder Appelle unmöglich, sich 
daran zu beteiligen. 

Ein paar charakteristische Beispiele: 

Zugführer Eder von Bann II Fähnlein 1 des Zuges III der HJ ge- 
stand laut Mitteilung vom 7. 6. 34, daß er im Auftrag seines Fähnlein- 
tuhrers Peter an dem Heimabend, welcher dem Fronleichnamssonntag 
vorausging, allen HJ jede (auch private und nicht uniformierte) Teil- 
nahme an der Fronleichnamsprozession befehlsgemäß verboten habe 
und daß dieser Befehl von oben gekommen sei. Er gab zu, ausdrücklich 
gewarnt zu haben, „daß sich ja keiner erwischen lassen soll". Der Zug- 
führer hat, wie er ebenfalls zugab, die Prozession in Befolgung des von 
oben gekommenen Befehls kontrolliert und dabei zwei Buben der fünf- 
ten Klasse der Ridler-Simultanschule erkannt, am nächsteh Tag zur 
Rede gestellt und gesöhimpft. Er warf ihnen vor, daß sie die einzigen 
Katholiken (der Schule) waren, „die da mitgemacht haben", langte 
ihnen, wie auch Zeugen zugeben, ans Hirn und sagte zu dem einen: 
„Du bist ein seltenes Rindvieh, daß Du da mitgegangen bist." 

Im nächsten Jahr versuchte man es mit eigenen Anschlägen an den 
HJ-Tafeln der Schulen. 

1. In der Ridlerschule 

„Fähnlein I tritt am Donnerstag um 8 Uhr in der Früh vor der 
Schule an. Erscheinen ist Pflicht. Jeder kommt in Uniform. Brotzeit 
ist mitzunehmen. Wir kommen bis Mittag wieder nach Hause." 

Heil Hitler 
1. A. Pickl. 

2. In der Guidein schule 

„Wer ein wirklicher Pimpf ist, wird sich gegen alle Schwierigkeiten, 
die von gewissen Seiten hineingetragen werden, durchsetzen. Angst- 
hasen und Muttersöhnchen bleiben zu Hause; dann marschiert lieber mit 
der Prozession." 

Unterschrift: Schneider. . 

Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus 
bemühte sich auch noch höchst persönlich, der Fronleichnam s- 
prozessionFesseln anzulegen. Es schrieb am 5. Juni 1939 
den Direktoraten der höheren Schulen: 

Betreif: Beteiligung von Schülern und Lehrern an Prozessionen. 

Lehrern und Schülern ist die private Anteilnahme an Prozessionen ge- 
stattet. Dagegen hat die geschlossene Beteiligung von 
Schulen, Schulklassen und Schulabteilungen zu unterbleiben. Damit 
die notwendige Scheidung zwischen Schule und Kirche nicht verwischt 
werde und nach außen hin nicht der Eindruck entstehen kann, als ob 
Schulabteilungen irgendwelcher Art an Prozessionen teilnehmen, kann 
ich es aus dienstlichen Gründen nicht gestatten, daß Lehrkräfte 
die Beaufsichtigung und Führung von Kindern und 
Jugendgruppen bei Prozessionen übernehmen. 

I.V. gez. Boepple. 

Kreuz und Hakenkx'euz 5 gg 



^ 



Auch gegen die Teilnahme am Frühgottesdienst. 

Dem Landesschulrat von Kärnten war die Teilnahme der Schul- 
kinder an der täglichen hl, Messe ein Dorn im Auge, wenngleich 
'diese an den meisten Orten nur etwa ^/t Stunden vor Schulbeginn 
stattfand. Er verfügte darum nach einer Mitteilung des Kreisschul- 
rates Wolfsberg vom 27. Januar 1940: 

Besuch des Frühgottesdienstes 
durch Schulkinder. 

An die Direktionen der Hauptschulen und alle Schulleitungen. 

Der Landesschulrat hat mit Erlaß vom 19. Jänner 1940, ZI. 757/40 
folgendes anher eröffnet: 

Auf eine Anfrage über den Besuch des Frühgottesdienstes durch 
Schulkinder wird folgendes eröffnet; 

Der Besuch des Frühgottesdienstes vor dem Unterricht, insbesondere 
zur Winterszeit und in Fällen, in denen ein weiter Schulweg zurück- 
zulegen ist, beeinträchtigt jedenfalls die geistige Spannkraft dpr Schul- 
kinder und ist dem Unterricht in der Schule abträglich, zumal damit 
öfter verspäteter Schulbesuch verbunden ist. 

Daher wird ersucht, auf die Schulkinder und ihre gesetzlichen Ver- 
treter in geeigneter Weise dahin einzuwirken, daß aus diesem Grunde 
vom Besuch des Frühgottesdienstes durch Schulkinder vor dem Unter- 
richt abgesehen werde. Ein verspätetes' Erscheinen der Schüler zum 
Schulbesuch ist unter keinen Umständen . zu dulden und müßte als 
Schulversäumnis bestraft werden. 

Die Berichte, in welchem Ausmaß mit dem Stichtag 1. Februar 1940 
der Frühgottesdienst von Schulkindern an Ihrer Schule besucht wird, 
sowie über die Erfahrungen,' die mit dem Besuch des Frühgottesdienstes 
durch Schulkinder vorliegen, sind zuverlässig bis 8. Februar 1940 anher 
vorzulegen. 

Der Vorsitzende 

Beglaubigt Brandstätter e-h. 

I 

Eine weitere Fessel für den Gottesdienstbesuch bedeutete das 
von der Partei besonders für die Amtswalter und von den Partei- 
gliederungen für alle Mitglieder erlassene und trotz aller kirch- 
lichen Proteste aufrechterhaltene Verbot, in Uniform in die 
Kirche zu gehen. 

Ein Nürnberger SA-Gruppenbefehl Nr. 35 vom November 1936 
befahl z. B.: 

Nachdem nach Ablauf weiterer zwei Jahre die Aussichten auf eine 
vernünftige Einstellung der verschiedenen Religionsgemeinschaften 
gegenüber dem Führer und unserem Reich mehr schlechter als besser 
geworden sind, sehe ich mich genötigt, meine im Gruppenbefehl Nr. 27 
vom 9, Mai 1934 erlassenen Anordnungen wie folgt zu verschärfen: 

1 Ich verbiete mit sofortiger Wirkung das Tragen des SA- Dienst- 
anzuges anläßlich von Hochzeiten, Taufen und dergleichen. 

2. Ich verbiete die Teilnahme von Standarten, Fahnen, Ein- 
heiten und einzelnen Führern und Männern der SA an Beerdigun- 
gen, solange Vertreter der Kirche anwesend sind,. 
Es ist in Zukunft bei verstorbenen SA-Männern Vorsorge zu treffen, 
daß die Beerdigungsfeierlichkeiten so eingestellt werden, daß die 
Amtshandlungen eines Kirchenvertreters vor oder nach der Teil- 

66 



nähme und der Gedenkstunde der SA stattfinden. Der SA-Mann 
lehnt in Zukunft jede Gemeinschaft mit welt- 
anschaulichen Organisationen ab. 

Ähnliches wurde für die SS verordnet, besonders für die in 
Kasernen untergebrachte Waffen-SS. Ohne ein förmliches Kirchen- 
verbot wurde ihr praktisch der Kirchenbesuch unmöglich" gemacht. 
Es bestand nämlich: 

1. das Verbot, ohne Uniform dieKasernezuverlassen, 

2. das Verbot, in Uniform eine Kirche, zu betreten. 

Ebenso erklärte der Leiter der NS-Sportschule von Burg Vogel- 
sang in der Eifel: „Die Junker (so hießen die Kursteilnehmer) kön- 
nen Gottesdiensten in Zivilkleidung beiwohnen", aber, er fügte 
hohnlachend sogleich hinzu: „Freilich, die meisten haben keine 
Zivilkleidung dabei." — Nationalsozialistische Ehrlichkeit oder Un- 
ehrlichkeit? Je nachdem! 

Verschiedenerlei Methoden, aber ein Ziel: 
Nicht in die Kirche! 

Die gleiche Methode indirekten Zwanges zum Fernbleiben von 
Kirchen und Gottesdiensten wurde gebraucht in den vielen L a n d - 
Jahrheimen, deren Insassen praktisch nur mit Uniform 
ausgestattet waren — Kirchgang i n Uniform aber war verboten! 

Die HJ leistete sich bezüglich des Verbotes, in Uniform zum 
Gottesdienst zu gehen, noch eine besondere Ungerechtigkeit. Die 
offizielle Zeitung der Reichsleitung der HJ vom 18. August 1934 
gab bekannt: „daß es der HJ nicht verboten sei, in Uniform dem 
Gottesdienst der evangelischen Kirche, der Freikirche und der alt- 
katholischen Kirche beizuwohnen". Also ein Ausnahmegesetz 
für die katholischen Mitglieder derHJ, die am Sonn- 
tag dem Gebot ihrer Kirche Folge leisten wollten. 

Bei dieser einseitigen Stellungnahme ist es auch nicht zu ver- 
wundern, wenn im März 1934 HJ und B d M von Ulm und Neu- 
Ulm einfach geschlossen in den Gottesdienst des prote- 
stantischen Domes geführt wurden, so daß die katholische 
Jugend nicht bloß gezwungen wurde, einem nichtkatholischen Got- 
tesdienste beizuwohnen, sondern auch davon abgehalten wurde, in 
Erfüllung ihrer Sonntagspfiicht eine hl. Messe mitzufeiern. 

In Arbeitsdienstlagern und Jugend-Ferienlagern und Landjahr- 
heimen wurden trotz aller erleichternden Angebote und 
dringendster G e s u ch e Gottesdienste nichtzuge lassen. 

Ein anderes Mittel, die katholische HJ in Lagern vom Gottes- 
dienst abzuhalten, war der Spott durch die „Führer", ferner die 
ermüdende Morgengymnastik und entsprechende Gestaltung dei 
Tagesordnung, z. B. offizielle Flaggenhissung gerade in der Zeit dos 
Gottesdienstes. 

67 



1 



In einem Pfingstlager der HJ in Bayern befahl der tagerleiter 
beim Morgenappell: „Jeder, der zur Messe zu gehen wünscht, soll 
vortreten." Als dann die Mehrzahl vortrat, setzte der Lagerleiter 
eine Kartenieseübung an und zog sie so lange hin, bis die Messe 
vorüber war! • 

„Kultischer" Heimabend der HJ. 

In dem „Informationsdienst", herausgegeben von der Reichs- 
jugendführung Berlin NW. 46 vom 28. Oktober 1935, werden u. a. 
Versuche unternommen, die Jugend aus den kirchlichen Gottes- 
diensten herauszubringen; dazu werden Belehrungen gegeben, daß 
der Masse doktrinär und dogmatisch der Nationalsozialismus ein- 
geimpft werden müsse; man könne dem Volk die Dogmen nur 
nehmen, wenn man ihm andere gebe. Der Heimabend müsse eine 
kultische Form erhalten mit regelmäßiger Lesung aus „M ein 
Kampf" als der Bibel der Bewegung und aus dem P a r - 
t e i p i- o g r a m m als unserem „Neuen Testament" oder 
„unseren Zehn Gebote n". Der Stoff, der im Ritus der Kon- 
fessionen behandelt werde, sei als unwahr und erlogen erwiesen, 
von der Wissenschaft überholt und werde deshalb vom Volk ab- 
gelehnt. 

ProtestzwanggegenPredigten. 

Eine eigenartige Barriere gegen Gottesdienstbesuch errichtete 
Reichsstatthalter und Gauleiter Wagner von Baden mit einem Erlaß 
vom 26. Mai 1937 des Inhalts: Es sei nicht länger tragbar, daß 
Beamte Angriffe auf den Nationalsozialismus aus Versammlungen 
und gottesdienstlichen Veranstaltungen, die nicht religiös genannt 
zu werden verdienen, schweigend und ohne „gesetzmäßigen und 
respektvollen Protest" anhören. In Zukunft würde gegen solche 
Beamte, die sich derart gegen Loyalität und Treue verfehlen, diszi- 
plinar vorgegangen, eventuell mit Entlassung. Diejenigen, welche 
diese Warnung nicht beachten wollten, müßten die Konsequenzen 
tragen. Das gleiche gelte auch für Parteimitglieder. — Wieder das 
alte Theater: Kein förmliches Verbot, dem Gottesdienst anzuwoh- 
nen, aber verkappter Zwang, ihm fernzubleiben! Entweder „in 
gesetzmäßiger, . respektvoller Weise" protestieren und denunzieren 
oder, um iiicht in diese Zwangslage zu kommen, von der Kirche im 
vornherein wegbleiben. 

Ein Kirchenerlaß von Heß. 

Der Stellvertreter des Führers faßte am 23. Januar 1939 die 
mancherlei Einzelverbote für Kirchenbesuch, Übernahme von Kir- 
chenämtern und Förderung kirchlicher Belange in folgendem Rund- 
schreiben xusammen: 

.,In meinen Anordnungen vom 11, November 1937 und 1, Juni 1938 
habe ich bestimmt, daß die Partei, ihre Gliederungen und angeschlosse- 

68 



nen Verbände sich jeglicher Einflußnahme auf innerkirchliche Dinge zu 
enthalten haben. 

Ich habe erneut Veranlassung, auf die unveränderte Haltung der 
Partei in diesen kirchlich-konfessionellen Auseinandersetzungen hinzu- 
weisen und gebe im folgenden die Bestimmungen für alle Gliederungen 
und angeschlossenen Verbände der Partei noch einmal bekannt. 

Es ist notwendig, daß die Partei in ihrer Gesamtheit unbedingt eine 
geschlossene Haltung diesen Fragen gegenüber einnimmt. Ein Verstoß 
gegen diese Anordnungen wird in Zukunft mit disziplinaren Maßnahmen 
geahndet werden und zieht erforderlichenfalls den Ausschluß aus der 
NSDAP und aus der Gliederung nach sich. 

X. Unterführer der Bewegung (das sind; Politischer Leiter, Führer und 
Unterführer der Gliederungen, Walter und "Warte der angeschlosse- 
nen Verbände) dürfen kein kirchliches Amt oder Ehrenamt annehmen. 
Dasselbe gilt für ein Amt oder Ehrenamt irgendeiner sonstigen reli- 
giösen Gemeinschaft, Organisation oder Gruppe. Sollte in dem einen 
oder anderen Falle eine Trennung noch nicht durchgeführt sein, so 
ist die Trennung sofort zu veranlassen. 

2. Ebenso ist Unterführern der Bewegung die Übernahme von Aufgaben 
oder Beschäftigungen in irgendeiner konfessionellen oder religiösen 
Organisation, Gruppe, Gemeinschaft oder dergleichen, auch soweit es 
sich nicht um ein eigentliches Amt handelt, untersagt. 

3., Unterführer der Bewegung dürfen keine Aufträge von irgendwelcher 
Stelle annehmen, nach denen sich der Betreffende mit konfessionellen 
Fragen zu beschäftigen hat. Ausgenommen ist hierfür selbstver- 
ständlich der Dienst für Partei und Staat. Ferner diejenigen Fälle, 
in denen aus ganz besonderen Gründen von mir ausnahmsweise die 
Genehmigung erteilt wird. (Zur Bespitzelung? Der Verfasser.) 

4. Darüber hinaus ist es den Unterführern der Bewegung untersagt, 
auch ohne Annahme eines Amtes oder ohne Ausführung eines Auf- 
trages in der Öffentlichkeit sich im Sinne einer dieser Organisationen 
oder Gemeinschaften zu betätigen oder für sie einzutreten. 

5. Die Anordnungen Ziffer 1 — 4 gelten nicht für Parteigenossen, An- 

gehörige der Gliederungen und angeschlossenen Verbände, die nicht 
Unterführer der Bewegung sind. Jedoch ist es diesen untersagt, bei 
Betätigungen dieser Art sich auf ihre Zugehörigkeit zur Partei, einer 
Gliederung oder eines angeschlossenen Verbandes zu berufen oder 
dabei in Uniform aufzutreten oder Abzeichen zu tragen, 

6. Jegliche Teilnahme von Parteigenossen, Angehörigen der Gliederun- 
gen und angeschlossenen Verbände in Uniform an kirchlichen Ver- 
anstaltungen oder an den Veranstaltungen sonstiger religiöser Ge- 
meinschaften ist untersagt. Ausnahmen hiervon können bei Beerdi- 
gungen, wenn eine Teilnahme in Uniform geboten erscheint, zugelas- 
sen werden. 

7. Die Tätigkeit von Parteigenossen, Angehörigen der Gliederungen und 
angeschlossenen Verbände in den sogenannten Finanzausschüssen, die 
in einigen Ländern als staatliche Behörden eingerichtet worden sind, 
kann bis auf weiteres ausgeübt werden, Ziffer 5, Satz 2 gilt hiefür 
sinngemäß. ' 

Ich mache in diesem Zusammenhang besonders aufmerksam, daß 
von kirchlich-konfessionellen Gruppen wiederholt der Versuch gemacht 
worden ist, Parteigenossen in führenden Stellungen für irgendwelche 
Organisationen oder Arbeitsgruppen, Arbeitsgemeinschaften usw. zu ge- 
winnen, um sie als Repräsentanten von Partei, Staat oder Wirtschaft 
herauszustellen. Derartige Versuche müssen selbstverständlich zurück- 

69 



gewiesen werden. Soweit nach diesen Anordnungen in Zukunft noch 
Zweifel au.„reten, ist meine Entscheidung einzuholen." 

gez. Heß. 

Kirchliche Andachten — verbotene 
Versammlungen! 

Gestapo und Partei gingen jedoch des öfteren noch weiter; z. B. 
wandten sie das für katholische Vereine erlassene Versammlungs- 
verbot da und dort auch auf kirchliche A'^d-^rhten und Predigten 
an, besonders wenn sie für einzelne Stände '1er Berufe gehalten 
wurden. So wurde beispielsweise eine Na '''nittagsan dacht des 
katholischen Müttervereins (einer kirchlichen Bruderschaft) in 
Scheyern (Oberbayern), die vor ausgesetztem Allerheiligsten statt- 
fand, als verbotene Versammlung erklärt,- ähnlich in Wasser- 
burg am Inn. 

In Münder a. Deiste (Diözese Hildesheim) kam mitten während 
der hl. Messe, die mangels einer Kirche in einem Schlafzimmer 
gehalten werden mußte, auf Geheiß der Gestapo ein Polizist und 
rief laut „Heil Hitler! Der Gottesdienst ist ver- 
böte n." Und er blieb auch für lange Zeit verboten. 

Die gefährliche Dollfuß-Gedächtnismesse! 

Das Katholische Stadtpfarramt St. Anna iri München wurde im 
Jahre 1935 von der Gestapo zur Rechenschaft gezogen, weil am 
Jahrestage der Ermordung des Bundeskanzlers Dollfuß auf Ersuchen 
des österreichischen Generalkonsuls eine stille hl. Messe gelesen 
worden war. Ursprünglich war für früh 8 Uhr ein Requiem bestellt 
und von Reichs- und Staatskanzlei genehmigt gewesen. Am Vor- 
abend jedoch (23. Juli 1935) wurde mitgeteilt, daß der Gottesdienst in 
dieser Form nicht stattfinden könne und die Sänger abzubestellen 
seien. Die als Ersatz gedachte stille hl, Messe wurde dann um eine 
Stunde vorverlegt, um jeden Schein einer Provokation zu ver- 
meiden und jede Teilnahme fremder Personen hintanzuhalten. Tat- 
sächlich kam dann auch nur das Personal des Generalkonsulates 
selbst, unauffällig und getrennt. Trotzdem die Vorladung zur 
Gestapo und Verweis! 

Auch die, Bahnhofmessen müssen verschwinden. 

Eine weit mehr einschneidende Maßnahme wurde gegen die den 
Tausenden von Sonntagsausf lüglern so willkommenen Morgengottes- 
dienste (ab 3.20 — 7 Uhr hl. Messen mit Predigt und Kommunion- 
austeilung) im Hauptbahnhof zu München getroffen: Sie wurden 
beileibe nicht verboten, aber die bisher so entgegenkommende 
Eisenbahndirektion mußte auf einmal den Wartesaal auch für diese 
paar Sonntagsmorgenstunden unbedingt benötigen und durfte auch 
zu dieser Zeit keinen anderen Raum entbehren können. 

Auch die in Bayern so beliebten Primizen mußten ob der 
unerwünschten allzu großen Teilnahme des Volkes Fesseln be- 

70 



kommen; trotz jahrhundertealten Brauches durften sie vielfach 
nicht mehr im Freien abgehalten werden, sondern wurden auf die 
für solche Massenbeteiligung viel zu kleinen Kirchenräume ver- 
wiesen. 

Schikanen gegen kirchliche Prozessionen. 

Auch kirchliche Prozessionen, selbst die an einzelnen Tagen für 
die ganze Welt vorgeschriebenen, wie an Bittagen und am Markus- 
tag, wurden immer mehr eingeschränkt. Nur die „alther- 
gebrachten" sollten noch sein dürfen, ebenso nur „alther- 
gebrachte Wallfahrten", Ein eigener Erlaß des Reichsinnenministers 
vom 17. August 1937 erläuterte den Ausdruck ..althergebracht" noch 
eigens dahin, daß er nicht etwa so zu verstehen sei, als ob eine 
bestimmte Anzahl von Festen, Prozessionen und Wallfahrten er- 
laubt sei, sondern die Gesamtumstände müßten altherkömmlich sein, 
z B. gleicher Anlaß, gleiche Ausgestaltung und Aufmachung und 
gleicher Zweck. Sei eines dieser Merkmale früheren Wallfahrten 
gegenüber verschieden, so läge keine althergebrachte Wallfahrt vor. 
Der Minister fügte hinzu, daß für „Marienfeierstunden", „Christus- 
Feiern" und andere Veranstaltungen mit ähnlicher Bezeichnung, so- 
fern sie lediglich ein Ersatz für Wallfahrten seien, die gleichen Vor- 
schriften gälten. 

Ein Mittel, die Prozessionen auf Nebenstraßen zu verdrängen 
und die Wallfahrten zu beschränken, gab dem Reichsinnenminister 
am 5. November 1936 der § 33 der Reichsstraßenverkehrs- 
ordnung: 

„Es hat sich nun gezeigt, daß in verschiedenen Gegenden des Rei- 
ches auch religiöse Kundgebungen, Fußgängerwallfahrten, Prozessionen, 
besonders Fronleichnamsprozessionen, Leichenbjegängnisse, zum Teil 
Verkehrsbehinderungen verursachten (die Fußmärsche, Paraden und 
Aufzüge der Partei und Parteigliederungen natürlich nicht!), so daß er- 
wogen werden muß, diese Kundgebungen und Züge von den größeren 
Verkehrsstraßen wegzuführen, auch dann, wenn sie in althergebrachter 
Weise diese Wege bisher benutzten." 

Natürlich wurden größere Wallfahrten fest bespitzelt und die 
Teilnehmer festgestellt. So verlangte die badische Parteileitung im 
Jahre 1937, daß die Namen all der Beamten gemeldet wür- 
den, die an der herkömmlichen Wallfahrt nach Birnau teilgenommen 
hätten, bei der Erzbischof Gröber gesprochen hatte. 

Der Krieg gab dann rechten Vorwand, die Wallfahrten ganz zu 
verbieten. Pilgerfahrten nach Rom und ausländischen Gnaden- 
orten wurden schon lange vor dem Kriege durch entsprechende 
stille, aber zwingende Einwirkung auf Eisenbahndirektion und 
Reisebüros unterbunden, ohne daß jedoch Eisenbahnverwaltung und 
Reisebüroleitungen sagen, ja auch selbst auf Anfragen zugeben 
durften, entsprechende Weisungen von oben zu haben. 

Wie die Übertragung von Predigten von Kirche zu Kirche oder 
im Freien verboten wurde, so wurde nach ein paar Jahren Nazi- 

71 



Herrschaft auch die schon lange übliche Lautsprecherübertragung 
der Evangelien, Gebete, Lieder und Orgelstücke bei der Münchener 
Fronleichnamsprozession verhindert, aber wieder nicht durch ein 
offenes Verbot, sondern durch Befehl an die mit der Leitungslegung 
beauftragte. Telefunkengesellschaft, Hindernis um Hindernis zu 
finden. 

öffentliche Musikkapellen, wie jene der Stadt, Post, Feuerwehr, 
Sanität, durften bei der Fronleichnamsprozession nicht mehr mit- 
wirken. In Freiburg i. Br. wurde eine solche Musik- 
kapelle sogar während der Prozession abberufen. 
Dafür aber durften Flugzeuge die Prozession längere Zeit auf- 
fallend geräuschvoll und niedrig überfliegen!! 

Den Lehrern wurde nahegelegt, den Chorregenten- und 
O r g a n i s t e n d i e n s t in den Kirchen niederzulegen. Parteimit- 
gliedern wurde verboten, ihren Söhnen Ministrantendienste 
leisten zu lassen. 

Nach einer Mitteilung vom 14, Februar 1937 untersagt der SS- 
Reichsführer im Sommer 1936 den SS-Angehörigen jegliches Musi- 
zieren in Kirchen, auch das bloße Orgelüben. 

Bespitzelung der Exerzitienteilnehmef. 

Um von der Teilnahme an Exerzitien (drei- bis viertägige 
„geistliche Übungen" in besonderen geistlichen Häusern) abzu- 
schrecken oder die Teilnehmer auf die Schwarze Liste nehmen zu 
können, wurde im Jahre 1937 der polizeiliche Meldezwang für 
Fremdenübernachtung auch auf Exerzitienhäuser ausgedehnt, hie- 
für sogar eigens das Meldeformular entsprechend abgeändert. 

Fünf Männer der Pfarrei Aufkirchen am Starnberger See, die im 
Jahre 1938 an Exerzitien im Hause der Jesuiten auf der Rottmannshöhe 
teilgenommen hatten, wurden acht Tage darauf in der Gemeindekanzlei 
von Höhenrain vorgeladen und dort vom Kreisleiter von TÖlz, vom 
Stützpunktleiter und 'Bürgermeister des Ortes mit schwersten Vorwürfen 
überschüttet!! 

Die Teilnahme am Eucharistischen Kongreß in 
Budapest im Jahre 1938, zu dem sich schon Tausende von 
reichsdeutschen Katholiken gemeldet hatten, wurde vollständig 
verboten. Selbst die Lichtbilder, welche von diesem Kongreß 
herauskamen, wurden beschlagnahmt und vernichtet. 

Der Krieg gab, wie zu vielem anderen, auch Anlaß zu ein- 
schränkenden Bestimmungen gegen das kirchliche Glocken- 
geläute, die wohl nicht bloß zur Vermeidung von Störungen der 
Luftüberwachung u. ä. erlassen wurden; z. B., daß jeweils nur eine 
halbe Stunde vor Sonnenaufgang und bis eine halbe Stunde nach 
Sonnenuntergang geläutet werden dürfe und dann nur in der Dauer 
von drei Minuten. Später wurde sogar versucht, alle Kirchen Mün- 
chens am Sonntag nur einmal gleichzeitig läuten zu lassen, ohne 

.72 



Rücksicht darauf, wann in den einzelnen Kirchen die Gottesdienste 
begannen. 

Dagegen wurde da und dort das kirchliche Glockengeläute 
fixr politische oder parteiliche Kundgebungen 
verlangt oder erzwungen oder einfach ohne Befragung der Kirchen- 
vorstände von fanatischen Pärteileuten selbst ausgeführt (ähnlich 
wie anfänglich die Beflaggung der Kirchentürme mit Hakenkreuz- 
fahnen). 

Gefordert wurde das kirchliche Glockengeläute und bei den in nach- 
folgender Liste mit * bezeichneten Fällen schon vor jeder Fühlungnahme 
mit den kirchlichen Behörden in das durch Presse und Radio veröffent- 
lichte Programm aufgenommen: 

* zum Sonnwendfeuer auf dem Starnberger See; 

zur Eröffnung des neuen, rein nationalsozialistischen Stadtrates in 
München; 

zum Probealarm für „Abwehr eines FlugzeugangrifOes"; 

zum Nürnberger Parteitag; 

• zum Tag der Deutschen Kunst in München, bzw., wie das Pro- 

gramm zeigt, „zur feierlichen Einholung des Führers" 15. Oktober; 

zum Einzug des Führers in Neumarkt (Opf.) am 29. Oktober 1933. 
Da es versagt wurde, verlegte man den Einzug auf 12 Uhr mit- 
tags und deutete dann das um 12 Uhr stattfindende „Gebet- 
läuten" in der Presse als „Glockengeläute von allen Kirchen der 
Stadt". 

Der Gemeinderat Oberhaching ging sogar so weit, ein Glocken- 
geläute von einer halben Stunde Dauer als feierlichen Auftakt zur Volks- 
abstimmung für Samstag, 11. Oktober 1933 (8 bis 8.30 Uhr) zu verlangen. 

3. Fesseln für die Seelsorge. 

„Lehret alle Völker!" hatte Christus den Aposteln aufgetragen. 
„Fesselt das WortGottes und seine Verkünder!" 
war Parole der Nationalsozialisten. 

„Taufet sie!" befahl Christus weiter. „Legt Fesseln 
anderSakramentspendungunddemSakramenten- 
empfang!" War wiederum die Antwort des Christus hassenden 
Nationalsozialismus. 

Schon das erste Sakrament, 

die Tau f e, 

wurde möglichst zu verhindern und durch Hohn und Spott zu ver- 
leiden gesucht. Sie war ja nach nationalsozialistischer Auffassung 
vollständig überflüssig und verstieß überhaupt gegen „germanische 
Anschauungen'". Sie hing ja zusammen mit dem Glauben an die 
E r b s ün d e, eine „Ausgeburt orientalischen Geistes und Aber- 
glaubens". 

„Das Schwarze Korps" vom 28. Januar 1937 brachte einen Artikel 
über die Erbsünde: „Der erste Gang einer jungen Mutter nach dem 
Wochenbett war zur Kirche. Aber wenn sie ankam, war es ihr nicht 
gestattet, den geweihten Raum zu betreten, sondern sie mußte in dem 

Kreuz und Hakenkresix i 73 



nicht geweihten Vorhäuschen warten, bis sie .gereinigt* wurde. , So ver- 
langt es katholischer Brauch ..." 

Die Grundforderung des Katholizismus und der Kern seiner Lehre 
über die Erbsünde mag in dem Worte zusammengefaßt sein: „Das Leben 
selbst ist Sünde, der Tod aber bedeutet Erlösung." Daß diese Lehre die 
ganze orientalische Mißachtung der Frau in sich begreift, wird freilich 
von römischer Seite nicht zugegeben, am wenigsten in bezug auf 
deutsche Frauen; denn deutsche Frauen betrachten die Stunde, in der 
sie einem Kind das Leben geben dürfen, als die stolzeste Stunde ihres 
Lebens. Sie wissen, daß der Sinn des weiblichen Daseins seine Erfüllung 
gefunden hat und danken Gott mit freudigem Herzen für die Gnade, 
die er ihnen erwiesen hat. (Bemerkung: Der Artikelschreiber hatte keine 
Ahnung davon, daß im ganzen Ritus der sogenannten „Vorsegnung' oder 
„Müttersegnung" tatsächlich alles von Freude und Dank klingt, kein 
Wort von „Reinigung' vorkommt.) 

In der Nummer vom 4. November 1937 leistete sich dann' „Das 
Schwarze Korps" einen neuen Angriff auf die Taufe, besonders wegen 
der „undeutschen und unhygienischen Zeremonien" der katholischen 
Taufe. Dabei erniedrigte es sich zu folgender theologischer Unkenntnis 
und banaler Redeweise: „Man sagt, die Taufe sei ein Sakrament, das 
von Christus eingesetzt sei. Aber es war doch der hl. Johannes, der sie 
zuerst übte, indem er Jesus am Jordan taufte. Weder er noch Christus 
ließen die Finger abschlecken noch Salz schlucken. Erst die Priester 
führten ,symbolische Handlungen' ein, die weder verordnet noch er- 
wünscht waren." 

Solch „ungermanische, unhygienische, überflüssige" Handlungen 
durfte natürlich kein echter Nationalsozialist an seinen Kindern 
vornehmen lassen, insbesonders nicht ein hoher Parteifunktionär 
und SS-Mann. Und wenn einer schon gar nicht auf das a:lte Her- 
kommen verzichten wollte, dann erwartete man wenigstens, daß er 
seinem Kinde nicht einen ungermanischenNamen gab, son- 
dern den eines der „Herren des Nationalsozialismus", beileibe nicht 
einen christlichen Namen. 

Der Reichsführer der SA, V. Lutze, ging da seinen Gefolgs- 
mannen mit gutem Beispiel voran. Auf die schriftliche Einladung 
des katholischen Pfarrers von St. Bernhard in Berlin, sein neu- 
geborenes Kind taufen zu lassen, ließ er nachfolgende grobschläch- 
tige Antwort geben und veröffentlichen: 

Der Oberste SA-Führer, R/R 
Adjutant des Stabschefs. 
Briefb. Nr. 9370/36/1/1. 
Betrifft: Kindstaufe. 
Bezug: dort. v. 16. 9. 1936. 

Berlin W, den 30. Sept. 1936. 
Voßstraße 1. 

Abschrift. 
An das 

katholische Pfarramt St. Bernhard 
Berlin-Dahlem 
Königin-Luise-Straße 33. 

Sehr geehrter Herr Pfarrer! 

Ihr Schreiben vom 16. ds. Mts. lag dem Stabschef vor, und der Stabs- 
chef läßt dem katholischen Pfarramt St. Bernhard darauf folgendes er- 
widern: 

74 



Es trifft zu, daß dem Stabschef ein Kind geboren ist, das die Namen 
„Adolf Hermann" trägt. Das Kind ist nicht getauft und der Stabschef 
beabsichtigt auch nicht, das Kind durch eine der beiden in Deutschland 
vorherrschenden Religionseihrichtungen taufen zu lassen. Maßgebend 
für den Stabschef sind folgende Erwägungen: 

Mit großer innerer Besorgnis verfolgt der Stabschef seit langem die 
Ijinie, auf der sich die beiden in Deutschland vorherrschenden Konfes- 
sionen seit längerer Zeit bewegen. Die Wahrheit ist mit das höchste Gut 
der Menschheit, wie dieses ja auch die christliche Religion in ihren 
Schriftisn und in ihrer Lehre mehrfach zum Ausdruck bringt. Mit tiefer 
Betrübnis hat der Stabschef als wahrhafter Mensch die vielen zusam- 
mengelogenen und gehässigen Angriffe beider Konfessionen gegen den 
heutigen Staat zur Kenntnis genommen. Es widerspricht sich doch, 
wenn eine christliche Konfession von ihrer Anhängerschaft verlangt, 
„sie solle nicht falsch reden wider den Nächsten", und wenn dann 
andererseits die beamteten Sachwalter dieser Religion von der Kan- 
zel herab „falsch Zeugnis reden wider den Staat". Dies muß jedem 
wahrhaften und rechtlich denkenden Menschen unverständlich sein. Die 
vom heutigen Staat bezahlten Warte der Religion haben es ja lediglich 
dem heutigen Staat zu verdanken, daß ihre Versammlungsorte — in 
denen' sie predigen — noch nicht als grausige Fackeln und lUuniination 
des nächtlichen Deutschland in Flammen aufgegangen sind und daß sie 
selbst von einem roten, Mob nicht in tierischer Weise hingeschlachtet 
worden sind, wie dies ja in Spanien, wo der antichristliche Bolschewis- 
mus herrscht, in Hunderten von Fällen vorgekommen ist und noch 
heute vorkommt. 

Wenn man lehrt: „Du sollst Deine Feinde lieben", dann ist es un- 
logisch, daß die Religionsverkünder — selbst wenn man von ihnen an- 
nehmen würde, daß sie Staatsfeinde Avären — den heutigen Staat be- 
kämpfen. Denn selbst als „Feinde" des heutigen Staates müßten sie ihn 
doch lieben und man kann nicht schmähen, was man liebt! 

Man predigt: „Du sollst keusch und züchtig leben in Worten und 
Werken" und von den berufenen Verkündern der christlichen Lehre 
wandern Dutzende wegen tierischer Schweinereien auf längere Zeit hin- 
ter Gitter: Verlangt man denn das „keusch und züchtig leben nur von 
den Anhängern, und findet man die verbrecherischen Ausschweifun- 
gen der Prediger für durchaus am Platze?" Man hat doch nachweislich 
diese Schweinereien höheren Orts gewußt und geduldet, bis endlich der 
Staat das schützende Tuch weggerissen und die übergroße perverse 
Triebhaftigkeit der „Diener Jesu" brandmarkte. Es steht nirgendwo in 
der Heiligen Schrift, daß die Diener der christlichen Weltanschauung 
sexuelle Ausschweifungen begehen dürfen und nach der Heiligen 
Schrift regelt siqh doch auch das Leben der Priester. 

Die christliche Religion hat es in 2000 Jahren nicht nur nicht er- 
reicht, die Menschheit so gut zu machen, wie sie eigentlich auf Grund 
der Gebote und der Bibelsprüche sein soll, sondern es ist ihr darüber 
hinaus in 2000 Jahren nicht einmal gelungen, die Verkünder zu 
guten Menschen zu machen! 

Dies wären von den Hunderten von Widersprüchen nur einige, die 
hier angeführt worden sind. Man bringt aber junge Menschen, die man 
all diesem Widerspruch aussetzt, in einen erheblichen seelischen Zwie« 
spalt, der sich nachteilig auf das ganze Leben auswirken muß. 

Der Stabschef kann in seiner Gottgläubigkeit diese Verantwor- 
tung nicht auf sich nehmen und muß als treusorgender Familien- 
vater alle Möglichkeiten ausschalten, die seine Kinder in Gefahr 
bringen könnten, daß sie durch sexuelle Lüstlinge im Priester- 
kleide unrein werden. Darüber hinaus muß er sie von jeder Be- 
rührung mit unwahren Lehren bewahren! Sie werden zu 

71 



gottgläubigen, reinen Mensche.n ohne Bindung an eine Konfession 
erzogen werden. 

Daß das katholische Pfarramt St. Bernhard seinen Brief nicht mit 
„Heil Hitler" geschlossen hat, wird diesseits lediglich als eine Vergeß- 
lichlfeit angesehen. 

Heil Hitler! 

Der erste Adjutant des Stabschefs, 
gez. Reimann, Brigadeführer. 

Wo der Stabschef mit so derbem Stiefel voranschritt, da wollten 
viele SA-Männer „im Geist mitmarschieren". 

Und die SS, die ihre unehelichen Kinder in das Kinderheim 
des vom „Winterhilfswerk", von „Mutter und Kind", von „Volks- 
wohlfahrt" und ähnlichen nationalsozialistischen „Hilfswerken" 
reichlieh unterstützten „Lebensborn" in Steinhöring 
(Cberbayern) sandten, duldeten natürlich auch nicht, daß in dem 
Hause auch nur eines der Kleinen getauft würde. Eine Mutter, die 
dies doch wünschte, wußte sich nur dadurch zu helfen, daß sie mit 
ihrem Kind nach ein paar Wochen angeblich zu Besuch bei einer 
bekannten Familie ins Dorf ging und dort dann das Kind taufen 
ließ. ! 

Ganz besonders verhaßt War den Nationalsozialisten die 
Taufe von Juden. Des öfteren wurden von den bischöflichen 
Ordinariaten Statistiken über Judentaufen, ja sogar Bekanntgabe 
der Namen solcher Täuflinge verlangt, eine Forderung, die freilich 
immer zurückgewiesen wurde. 

Die Berliner Polizei stellte sogar dem „Stürmer" amtliches Mate- 
rial zur Verfügung, um durch öffentliche Anprangerung und Drohung 
von weiteren Judentaufen abzuschrecken. Der wackere Stadtpfar- 
re rvon St. Matthias in Berlin protestierte daraufhin am 
15. März 1936 in jeder hl. Messe dagegen, daß der „Stürmer" im vor- 
ausgehenden Januar photographische Wiedergaben von zwei offiziellen 
Schriftstücken dieser Pfarrei betreffs Aufnahme von zwei Juden in 
die katholische Kirche veröffentlichte. Er teilte dabei mit, daß 'er auf 
eine Anfrage bei der Polizei, wie diese Schriftstücke in den Besitz des 
„Stürmers" gekommen seien, keine Antwort erhalten hätte, ebenso die 
bischöfliche Behörde nicht. Im Gegenteil: des Pfarres Mitteilung an die- 
Polizei, daß er in Zukunft der Polizei keine solchen Meldungen mehr 
machen werde, sei amtlicherseits wiederum dem „Stürmer" zum Abdruck 
zur Verfügung gestellt worden. Darum erklärte der Pfarrer feierlich 
vor seiner Gemeinde: „Euer Pfarrer ist nicht willens, sich 
seine tägliche Tätigkeit vom „Stürmer" diktieren zu 
lassen, sondern von seinem eigenen Gewissen. Und 
dem Gewissen folgend, wird er nicht zögern, Ungläu- 
bige jeglicher Ras sein die Kirche aufzunehmen, die 
Christus für alle Menschen gegründet hat, solange als er. auf der ande- 
ren Seite nicht unehrliche Absichten befürchten muß." 

Verdächtigung derBeicht. 

Bei der feindseligen Einstellung des Nationalsozialismus gegen 
Christentum und Priestertum, gegen Sünde und Sakramente ist es 
nicht verwunderlich, daß auch die hl. Beicht, in gehässigster Weise 

76 



bekämpft wurde. Beispiele dafür sind mancherlei Spottbilder, wie 
sie vom „Schwarzen Korps" am 1. 7. 37 und vom „Stürmer" in 
Nr. 31/1936 gebracht wurden; ebenso die zahlreichen Verdächti- 
gungen, wie sie in dem Buch von E. Thomassin: „Ich war ein 
Katholik" ausgesprochen wurden. Die Überschrift, welche „Das 
Schwarze Korps" Nr. 23/1937 einem Artikel gab: „Sie lügen! Sie 
lügen!" hätte am besten auf all die Ausführungen dieses Blattes 
über die Beicht gepaßt, wie sie auch voll zutraf für eine Behaup- 
tung des betreffenden Artikels selbst, die da lautete: 

„Im Beichtstuhl flüstere man den Frauen ins Ohr, die Nazis wollen 
die Kirche abschaffen, sie sollen daher ihren Männern die ehelichen 
Freuden versagen, wenn sie dem nationalsozialistischen Kirchenfeind 
nicht abschwören." 

Wie erlogen diese Anschuldigung war, zeigte sich daraus, daß 
eine Aufforderung des Erzbischöflichen Ordinariates München vom 
12. Juli 1937 um nähere Angaben unbeantwortet blieb. 

BeschimpfungundBehinderung 
der hl. Kommunion. . 

Es erübrigen sich nähere Ausführungen über die niedrige Rede- 
weise von Nationalsozialisten über die hl. Kommunion. In ganz 
Bayern war es wohl bekannt, daß Gauleiter und Staatsminister 
Adolf Wagner gern einfach von ,, Hostienfressern" sprach. 

Überraschender ist wohl, daß nationalsozialistische Stellen auch 
staatliche Machtmittel gegen dieses hl. Sakrament einsetzen wollten. 
Bezeichnend ist hiefür nachfolgendes Schreiben: 

Abdruck zu Nr. IV 33312 

NSDAP Gau München -Oberbayern Freising, den 12. Juni 1935 

Kreisleitung Freising. , 

Abteilung Kreisleitung. Diktat:- Le/LI. 

Vertraulich ! 

An die Gauleitung Miinchen-Oberbayern, Kanzlei des stellv. Gauleiters 

München. 

1. Es ist eine allgemeine Erscheinung, daß die katholische Kirche eine 
fieberhafte Tätigkeit entwickelt. In den Volksschulen war bisher üb- 
lich, daß die Kinder alle 3 Monate beichteten. Nunmehr wurde 
monatliche Beichte angeordnet, und zwar Samstag nachmittags, also 
am Staatsjugendtag. 

2. Ferner fällt auf, daß in diesem Jahr zweimal Kommunion für die 
Erstkommunikanten stattfindet, d. h. nach den nunmehr 10jährigen 
Kindern werden nun auch die 9jährigen Kinder in den nächsteh 
Wochen die Kommunion empfangen. Abgesehen von den wirtschaft- 
lichen Opfern, die die Eltern zu bringen haben, dünkt es sonderlich, 
daß nunmehr der Zeitpunkt gegeben erscheint, daß Kinder bereits in 
der 3. Klasse Volksschule das Sakrament der Kirche empfangen. 

3. Es besteht immer noch die alte Schulordnung, wonach Lehrer ver- 
pflichtet sind, an sogenannten Bittprozessionen geschlossen mit ihren 
Kindern teilzunehmen. Eine Verfügung, die diesen Zwang entkräftet, 
ist bisher noch nicht' erschienen. 

,77 



Alle diese Fragen lege ich der Gauleitung mit der Bitte vor, bei den 
zuständigen Stellen Aufklärung zu fordern bzw. Mißstände zu beseitigen. 

Heil Hitler! 

gez. Lederer, Kreisleiter. 

(Bemerkung: Wochenlang forschte ein Jahr später die Gestapo nach, 
wie das Erzbischöfliche Ordinariat München Kenntnis von diesem 
Schreiben erhalten hatte.) 

Auch die hl. Firmung 

paßte den lOOprozentigen Nationalsozialisten nicht. Kreisleiter 
Endrös von Traunstein z. B. gab sich alle Mühe, die Kinder davon 
abzuhalten und ihnen dafür eine andere „Freude und Ehre" zu 
bereiten. Am 31. Mai 1939 schrieb er an alle Ortsgruppenleiter: 

„Es stehen immer noch die Meldungen derjenigen Kinder durch die 
Ortsgruppenleiter aus, die nicht gefirmt werden. Ich beziehe 
mich, auf meine wiederholten Ausführungen und ersuche, bis spätestens 
11. Juni 1939 diese Meldung namentlich vorzunehmen, da ich, wie be- 
reits bekannt, für diese Kinder gemeinsam mit ihren Paten eine Feier- 
stunde und einen größeren Ausflug plane. (Besuch der Burg Burg- 
hausen und des Geburtshauses des Führers in Braunau)." 

Das katholische Ehesakramentund Eherecht 

wurden natürlich auch Gegenstand besonderen nationalsozialisti- 
schen Hasses und Angriffes. 

„Das Schwarze Korps" z. B. polemisierte am 11. Februar 1937 
gegen die Päpstliche Ehe-Enzyklika. Am 1. April 1937 
und. am 17. Februar 1938 wurde die katholische Lehre von der Ehe 
und insbesonders das Dispenswesen angegriffen.. Am 23v März 1939 
wandte sich das Blatt in schai-fen Worten gegen den starren Wider- 
stand der Kirche gegen die „Mischehen", wie schon am 26. Aug. 1937. 
Am 5. März 1936 faßte es die christlichen Grundsätze in bezug auf 
das 6. Gebot als „überholte Moral" zusammen. 

Dementsprechend wurden auch die unverheirateten 
Frauenspersonen aufgefordert, Kinder zu gebären. So 
schrieb „Das Schwarze Korps" am 30. Dez. 1937: „Wir können es 
uns nicht leisten, die Kinder der Frauen zu verlieren, die, zum 
Überschuß gehörig, Mütter \verden können, aber keine Gattinnen." 

Der Bürgermeister von Wattenscheid in Westfalen zog daraus die 
entsprechende Schlußfolgerung und wurde dafür im „Schwarzen Korps" 
vom 6. April 1939 ausdrücklich gelobt, seine Maßnahmen als „nach- 
ahmenswert" bezeichnet. Er versprach nicht bloß allen Ehepaaren für 
ein gewolltes 4. oder 5. oder 6. Kind das nötige Kapital zum Erwerb eines 
eigenen Hauses oder eine moderne, gesunde viei-zimmerige Mietwohnung 
zu höchstens 34 Mark Monatsmiete; er versprach weiterhin nicht bloß 
für jedes 3. oder 4. oder weitere Kind der Mutter eine Prämie von 
100 Mark, sondern er sicherte solche Vergünstigungen auch allen 
Frauenspersonen zu;, die vor 1910 geboren und nicht durch ihre eigene 
Schuld unverheiratet geblieben seien. Wenn sie über diese herkömm- 
lichen Vorurteile hinwegkommen und ihrem Volk Kinder schenken, so 
übernehme die Stadt für jedes erste oder zweite Kind die Patenschaft, 

78 



sie gebe als Geburtstagsgeschenk eine Sparkassenbescheinigung von 
500 Mark und werde diesem Kind bis zur Mündigkeit Fürsorge zu- 
wenden. 

So würden die 2 Millionen Frauenspersonen, deren künftige Män- 
ner im Kriege gefallen seien, jetzt aufgerufen, „ihrer natürlichen Be- 
stimmung als Frauen Folge zu leisten". Um aber in den Genuß dieser 
Vergünstigungen zu kommen, müsse die Absicht, ein Kind zu erzeugen, 
vorher den Behörden kundgetan werden', weil ein Kind, das nicht mit 
ernster Absicht erzeugt wird, nicht als ein freiwilliger Beitrag für das 
allgemeine Wohl betrachtet werden könnte. 

DerneueKrieg ab 1. September 1939 gab den biologischen 
Zielen der Partei gewaltigen Aufschwung und ließ sie erst recht 
über die elementarsten Moralprinzipien hinweggehen. Seit Weih- 
nachten 1939 begannen nationalsozialistische Partei und Staat mit 
einer systematischen Propaganda: 

„Mehr Kinder, um jeden Preis, wenn's nottut, auch ohne Ehe!" 

Ausgerechnet in seiner Weihnachtsnummer 1939 veröffentlichte der 
„Völkische Beoboachter" in großen, dicken Lettern zwei Briefe unter 
dem Titel: , .Rudolf Heß und eine unverheiratete Mutte r". 
Der erste Brief ist der eiiies Mädchens, das ein Kind erwartet von Ihrem 
Verlobten, der in Polen gefallen ist, und in ihrer Not 'Hilfe beim Stell- 
vertreter des Führers sucht. Der zweite Brief ist die Antwort des 
Reichsministers Heß an diese Mutter. Er drückt seine Bereitwilligkeit 
aus, als Pate für Mutter und Kind zu sorgen. Mutter und Kind würden 
durch die Partei genau so behandelt, als wenn die Heirat schon vorher 
geschlossen worden wäre. Eine ähnliche Vorsorge werde für alle jun- 
gen Mütter gleicher Art. getroffen werden. Denn „jedes neue Leben sei 
für die Nation yon größter Bedeutung, besonders in Kriegszeit, die man- 
chen jungen Mann als Opfer fordere". Wenn darum junge Männer von 
untadeligen rassischen und biologischen Qualitäten zu den Waffen ger 
rufen würden und daheim zur Weiterleitung ihres Blutes auf kom- 
mende Generationen Kinder ließen, geboren von Frauenspersonen ent- 
sprechenden Alters und ähnlicher Eigenschaften, mit denen aber aus 
diesem oder jenem Grunde nicht sofort eine Heirat möglich sei, so wür- 
den Schritte unternommen, dieses wertvolle nationale Erbe zu bewahren. 
Gegenteilige Erwägungen, die in normalen Zeiten ge- 
rechtfertigt sein mögen, hätten hier zurückzutreten. 
Das Gemeinwohl, das sei das Leben der Nation, habe hier den Vor- 
rang vor allen Regeln, welche Menschen ersonnen hätten, vor allen 
Gewohnheiten, die der Ausdruck eines anerkannten Brauches, aber 
nicht der Moral selbst seien, erst recht vor allen vorgefaßten Ideen. 
Der höchste Dienst, welchen eine Frau der Gemeinschaft leisten könne, 
sei, beizutragen zur Erhaltung der Nation, indem sie Kindern von ras- 
sisch gesundem Stamm aas Leben gebe. 

Der Schriftleiter des „Völkischen Beobachters" bemerkt hiezu, 
daß der Stellvertreter !des Führers der nationalsozialistischen An- 
schauung würdigsten Ausdruck verliehen habe. 

Ähnlich äußerte sij;h „Das Schwarze Korps" vom 1. Dezember 
1939 und vom 4. und 5{ Januar 1940. 

Inzwischen war aufh etwas in die Öffentlichkeit gedrungen von 
einem Geheimerlaß dejs Reichsführers SS an die gesamte SS und 
Polizei. 

79 



(Der Erlaß war so geheim gehalten, daß der Münchener Stadtpfarrer 
Paul Meisel ins Gefängnis und Kz gesteckt wurde, weil er nicht preis- 
geben wollte, woher er Kenntnis von dieser Verordnung erhalten hatte.) 
Die Kundgebung lautete: 

Der Reichsführer SS und Berlin, den 28. Oktober 1939. 

Chef der Deutschen Polizei 

im Reichsministerium des Innern, 

SS-Befehl 
für die gesamte SS und Polizei 

Jeder Krieg ist ein Aderlaß besten Blutes. Mancher Sieg der Waffen 
war für ein Volk zugleich eine vernichtende Niederlage seiner Lebens- 
kraft und seines Blutes. Hierbei ist der leider notwendige Tod der 
besten Männer, so bedauernswert er ist, noch nicht das Schlimmste. Viel 
schlimmer ist das Fehlen der während des Krieges von den Lebenden 
und der nach dem Krieg von den Toten nicht gezeugten Kinder. 

Die alte Weisheit, daß nur der ruhig sterben kann, der Söhne und 
Kinder hat, muß in diesem Kriege für die Schutzstaffel wieder zur 
Wahrheit werden. Ruhig kann der sterben, der weiß, daß seine Sippe, 
daß all das, was seine Ahnen und er selbst gewollt und erstrebt haben, 
in den Kindern seine Fortsetzung findet. Das größte Geschenk für die 
Witwe eines Gefallenen ist immer das Kind des Mannes, den sie ge- 
liebt hat. 

Über die Grenzen vielleicht sonst notwendiger 
bürgerlicher Gesetze und Gewohnheiten hinaus wird 
es auch außerhalb der Ehe für deutsche Frauen und Mädel 
guten Blutes eine hohe Aufgabe sein können, nicht aus Leichtsinn, 
sondern in tiefstem sittlichem Ernst Mütter der Kinder ins Feld ziehen- 
der Soldaten zu werden, von denen das Schicksal allein das weiß, ob sie 
heimkehren oder für Deutschland fallen. 

Auch für die Männer und Frauen, deren Platz durch den Befehl des 
Staates in der Heimat ist, gilt gerade in dieser Zeit die heilige Ver- 
pflichtung, wiederum Väter und Mütter von Kindern zu werden. 

Niemals wollen wir vergessen, daß der Sieg des Schwertes und das 
vergossene Blut unserer Soldaten ohne Sinn wären, wenn nicht der Sieg 
des Kindes und das Besiedeln des neuen Bodens folgen werden. 

Im vergangenen Krieg hat mancher Soldat aus Verantwortungs- 
bewußtsein um seine Frau, wenn sie wieder ein Kind mehr hatte, nicht 
nach seinem Tod in Sorgen und Not zurücklassen zu müssen, sich ent- 
schlossen, während des Krieges keine weiteren Kinder zu erzeugen. 
Diese Bedenken und Besorgnisse braucht ihr SS-Männer nicht zu haben. 
Sie sind durch folgende Regelung beseitigt: 

1. Für alle ehelichen und unehelichen Kinder guten Blutes, 
deren Väter im Kriege gefallen sind, übernehmen besondere, von mir 
persönlich Beauftragte im Namen des Reichs^ihrers SS die Vormund- 
schaft. Wir steilen uns zu diesen Müttern und werden menschlich die 
Erziehung und materiell die Sorge für das droßwerden dieser Kinder 
bis zu ihrer Volljährigkeit übernehmen, so daß keine Mutter und Witwe 
aus Not Kümmernisse haben muß. 

2. Für alle während des Krieges erzeugten Kinder ehelicher und 
unehelicher Art wird die Schutzstaffel während des Krieges für 
die werdenden Mütter und für die Kinder, vfenn Not und Bedrängnis 
vorhanden ist, sorgen. Nach dem Kriege wird die Schutzstaffel, wenn 
die Väter zurückkehren, auf begründeten Ar,trag des einzelnen wirt- 
schaftlich zusätzliche Hilfe in großzügiger Foim gewähren. 

SS-Männer und ihr Mütter dieser von Deutschland 
erhofftenKinder, zeigt, daß ihr im Glauben an den Führer und 

80 



im Willen zum ewigen Leben unseres Blutes und Volkes 
ebenso tapfer, wie ihr für Deutschland zu kämpfen und sterben versteht, 
das Leben für Deutschland weiterzugeben willens seid. 

Der Reichsführer SS 
gez. H. Himmler. 

Es ist klar, wo solche Moralbegriffe herrschten, war kein Platz 
für katholische Eheauffassung und Ehepraxis. Da war die Ehe kein 
Sakrament, sondern nur ein rein bürgerlich-rechtlicher Akt; da war 
die kirchliche Trauung etwas Überflüssiges, etwas Uner- 
wünschtes. Darum mußte auch jeder SS-Mann Farbe bekennen: 
Bei dem Einholen der Eheerlaubnis auch ausdrücklich die Frage 
beantworten, ob er sich kirchlich trauenlas.sen wolle. 
Je höher der Rang eines SS-Mannes oder Parteiangehörigen, desto 
mehr wurde ihm kirchliche Trauung verübelt. 

Der Treuhänder der Arbeit in Bayern, Kurt Frey, wurde im 
Jahre 1941 mehrere Wochen lang eingesperrt, weil er ohne ausdrückliche 
Erlaubnis der Partei sich hatte kirchlich trauen lassen, ebenso Dom- 
vikar Josef Thalhamer- München, weil er diese Trauung vor- 
genommen hatte. Verfasser wurde von der Gestapo- Berlin lange mit der 
Frage bedrängt, welche kirchliche Trauungen von „Parteibonzen" und 
höheren SS-Leuten in der Erzdiözese München stattg(^funden hätten und 
wer diese vollzogen hätte. Als er eine Aussage hierüber entschieden 
verweigerte, wurde gedroht: „Wenn Sie das nicht sagen, kommen Sie 
überhaupt nicht mehr aus dem Gefängnis heraus", worauf die Antwort 
natürlich nur lauten konnte: „Gut, dann muß ich' eben herinnen bleiben." 

Das „Amtsgeheimnis" wollte man ja kirchlichen Personen überhaupt 
nicht mehr zugestehen, wie nachfolgende Presse- Veröffentlichung vom 
14. Dezember 1938 zeigt: 

Berlin, 14. Dezember 1938. 

Kirchlichen Amtspersonen ist bisher von ihren Kirchenbehörden 
ein Schweigeversprechen auch für den Fall einer Vernehmung vor welt- 
lichen Gerichten abgenommen worden. Reichskirchenminister Kerrl hat 
nun verfügt, daß gegen die Abnahme eines solchen Versprechens we- 
gen Begünstigung vorgegangen werden soll. Es soll damit einer 
Verschleierung der Wahrheit in Strafverfahren entgegengearbeitet 
werden. 

„Münchener Neueste Nachrichten" vom 15. Dezember 1938. 

(Dabei bestand für Partei-Amtswalter ein gleiches „Amtsgeheimhis- 
gebot", auch für gerichtliche Vernehmung.) 

Schlimmer noch erging es einzelnen katholischen Geistlichen, 
wenn sie pflichtgemäß und in rein seelsorglicher Absicht auf 
kirchlicheEhebestimmungen aufmerksam machten, z. B. 
vor Ehen mit Geschiedenen warnten oder bei Erteilung von Sterbe- 
sakramenten forderten, daß vorher die ungültige Ehe getrennt 
würde. Dagegen wetterte „Das Schwarze Korps" wiederholt in 
schärfster Weise, z. B. am 30, Juni 1938, dann wieder am 2. Februar 
1939, und 14 Tage später neuerdings unter Nennung eines Augs- 
burger Pfarrers als eines „Beispiels solcher Seelenmasseure und 
Engelfabrikanten" und mit der Forderung „strenger Bestrafung". 

81 



Tragisch, geradezu zu doppeltem Martyrium führend, war der 
Fall des Pfarrers Neururer von Götzens (Tirol): 

Pfarrer Neururer hatte einem Fräulein seiner Pfarrei, das einen 
geschiedenen Mann heiraten wollte, als Seelsorger Aufklärung dar-, 
über gegeben, daß eine solche Ehe nach katholischem Recht nicht. 
möglich sei. Der geschiedene Mann war aber ein Freund von Gau- 
leiter Hofer in Innsbruck und teilte diesem mit, daß ob dieser 
Warnung des Pfarrers Neururer seine geplante Heirat nicht zu- 
stande komme. Daraufhin wurde Pfarrer Neururer verhaftet, später 
nach Dachau und zuletzt nach Buchenwald gebracht. Dort endete 
sein Leben sehr rasch auf unerklärliche Weise; er wurde eben 
„liquidiert". Seine Leiche wurde verbrannt und die Asche in seine 
Heimat geschickt. Seitehs der kirchlichen Stellen wurde von der 
Gestapo die Erlaubnis zur Beisetzung der Asche in der Kirche 
erwirkt. 

Die Todesanzeige wurde im Benehmen mit dem Generalvikar 
und Provikar, Prälat Dr. Karl Lambert von Innsbruck (geb. 
9. L 94 in Göfis, Vorarlberg), gefertigt und hatte folgenden Wortlaut: 

Todesanzeige 

Gott hat unsern innigstgeliebten Seelsorger 

H.H. Pfarrer Otto Neururer 

nach großem Leid heimgeholt in seine Liebe. Er starb am 30. Mai 1940, 
fern seiner Seelsorgegemeinde, in Weimar-Buchenwalde. Wir kannten 
Herrn Pfarrer Neururer als einen Mann vorbildlicher Pflichterfüllung 
und ganzer Hingabe an seine Seelsorgeaufgabe. Sein Leben unter , uns 
und sein Sterben werden, wir nie vergessen. Die Beisetzung des lieben 
Toten wird später bekanntgegeben. 

Hievon gibt in tiefer Trauer Kenntnis 

Die Pfarrgemeinde. 
Götzens am 3L Mai 1940 
bei Innsbruck 

Dieser Text wurde durch den Faktor der Buchdruckerei der 
Gestapo vorgezeigt. Der Gestapobeamte äußerte: „Wir sind doch 
kein Leichenbestattungsinstitut. Das geht uns nichts an." Er be- 
haupete später, die Todesanzeige nicht gelesen zu haben. Nach Aus- 
sage des Faktors hat er sie aber gelesen. 

Bald nach der Beisetzung der Asche wurde Prälat Lambert im 
Auftrag des Gauleiters verhaftet mit dem Bedeuten, daß er zu- 
nächst auf sechs Wochen in der Haft behalten und dann dem Land- 
gericht wegen „Aufwiegelung der Bevölkerung durch die Todes- 
anzeige" übergeben würde. Beanstandet wurde dem Vernehmen 
nach vor allem die Stelle: „Nach großem Leide", sodann die Angabe 
„Buchenwalde", endlich die Bemerkung: „Sein Sterben werden wir 
nie vergessen". 

In Wirklichkeit wollte man, wie der stellvertretende Gauleiter 
von Tirol einmal offen bekannte, in ihm den anderen (den H. Bischof) 
treffen, an den selbst man nicht herankönne, solange noch der 

82 



Befehl des Führers in Kraft sei, daß Bischöfe nur auf seine be- 
sondere Anordnung „gepackt" werden dürften. 

Am 20. August teilte Gauleiter Hofer dem Propst Wein- 
g artner von Innsbruck mit, daß Prälat Lambert auf Anordnung 
des Reichsführers SS in den nächsten Tagen in ein Konzentrations- 
lager kommen werde. Er wurde dann zunächst ins Kz. Sachsen- 
hausen-Oranienburg gebracht, und zwar in die Strafkom- 
panie, später ins Kz. Dachau. Am 1. August 1941 freigelassen, 
wurde er nach Mecklenburg verbannt, am 4. Februar 1943 neuer- 
dings verhaftet, weil er sich von einem Lockspitzel, Ingenieur 
Hagen, von deutschen , Geheimwaffen hätte erzählen lassen zu 
dem Zwecke, davon den Feind zu verständigen. Am 20. Dezember 
1943 wurde Lambert vom Reichskriegsg?richt wegen „Wehrmachts- 
zersetzung, Feindbegünstigung, Abhören von Feindsendern" zum 
Tod verurteilt, am 8. September 1944 neuerdings in ganz geheimer 
Verhandlung wegen „versuchten Landesverrats durch Spionage". 
Am 13. November 1944 wurde er dann in Halle hingerichtet. 

Welche Scheingründe für diesen Justizmord auch vorgetäuscht 
wurden (der Vorsitzende des 1. Gerichtes zog es darum vor, am Tag 
vor der Verhandlung Selbstmord zu begehen), derwahreGrund 
warLamberts aufrechte Haltung gegen den Natio- 
nalsozialismus und seine Treue zum Bischof, ge- 
nau so wieNeürurers Tod ein Opfer der Berufs- 
treue und der Seielsorgepflicht war. 

Ähnlich erging es Pfarrer GeorgHäfner, Pfarrer von Ober- 
schwarzach, Diözese Würzburg. Als der Förster von Oberschwarzach, 
der in kirchlich ungültiger Ehe lebte, versehen wurde, verlangte 
der Pfarrer die vorgeschriebene Erklärung. — Bei der Beerdigung, 
an der auch viele Parteiinstanzen teilnahmen, wurde diese Er- 
klärung vorgelesen. Seitdem wurde der Pfarrer verfolgt. Er war 
zuerst vier Monate im Gefängnis, dann 13 Monate in Dachau. Er 
wurde dort mehrmals blutig geschlagen. Am 20. August 1942 starb 
er aus Hunger und Herzeleid. Sein Vater und ein Domkapitular 
durften nach langen Bemühungen den Leichnam sehen. Ihr Antrag, 
den Leichnam zur Beerdigung mit nach Würzburg zu nehmen, 
wurde abgelehnt mit der Begründung, daß er verbrannt werden 
müsse,- Die Aschenüberreste wurden fünf Wochen später in Würz- 
burg feierlich beigesetzt. Der Bischof von Würzburg mit dem Dom- 
kapitel und 140 Priestern sowie viele Angehörige der Pfarrei 
Oberschwarzach nahmen an der Beerdigung teil. 



Behinderung der Seelsorge in Gefängnissen, an 
Kriegsgefangenen und ausländischen Arbeitern. 

Außer Fesseln bei der Sakramentenspendung wurde von selten 
der Nationalsozialisten auch die Seelsorge überhaupt durch 
mancherlei Beschränkungen und Behinderungen eingeengt. 

83 



In den Gefängnissen der Gestapo, in den Polizeigefäng- 
nissen und Konzentrationslagern wurde trotz aller mög- 
lichen oberhirtlichen Eingaben und Vorschläge keine Seelsorge zu- 
gelassen, nicht einmal für Sterbefälle. 

Die Seelsorge an den Kriegsgefangenen wurde 
sehr erschwert; z. B. durften nur Militärgeistliche ihre Beicht ab- 
nehmen. 

Erst recht wurde die Seelsorge an den Millionen von 
ausländischen Arbeitern mit Verboten und Einschrän- 
kungen belegt. Die Polen z. B. durften nicht dem allgemeinen 
Gottesdienst beiwohnen; auf jeden Fall mußten sie einen geson- 
derten Platz, getrennt von den Deutschen, haben. Ein Sondergottes- 
dienst durfte ihnen bloß einmal im Monat gehalten werden. Die 
Abnahme der Beicht durfte nicht in polnischer Sprache geschehen, 
mußte entweder mit Hilfe des kirchlicherseits herausgegebenen 
viersprachigen Beichtspiegels gemacht oder durch die General- 
absolution ersetzt werden. Ausgenommen war von diesem Verbot 
nur der Sterbefall. 

Unbarmherzig auch gegen Fel.dzugsoldaten und 

Flüchtlinge! 

Ganz unbegreiflich und ungerecht war die behördliche Unter- 
bindung der Seelsorge d'es Pfarrklerus an den im Felde 
befindlichenPfarrkindern, ebenso an den Flücht- 
lingen der eigenen Pfarreien — ein trauriges Zeugnis der geist- 
lichen Knechtung, die nicht einmal Rücksicht auf kämpfende und 
notleidende Volksgenossen nahm, ihnen herzlos den ersehnten Trost 
der Heimat versagte. Der Reichsminister für die kirchlichen An- 
gelegenheiten und das Oberkommando der Wehrmacht reichten sich 
die Hand zu solcher ,, Heldentat". Ihre erste diesbezügliche Verlaut- 
barung war: 

Der Reichsminister für die Berlin, 27. Oktober 1939 

kirchlichen Angelegenheiten I 24190/39 II 

1. An die Evangelischen Landeskirchen 

2. An die Herren Erzbischöfe und Bischöfe 

Betrifft: Sammlung von Feldpostanschriften und Versendung religiösen 
Schrifttums dch. Pfarrämter u. andere kirchliche Stellen 

1. ' 

Im Einvernehmen mit dem Oberkommando der Wehrmacht weise 
ich darauf hin, daß die Sammlung von Feldpostanschriften 
zum Zwecke der Versendung religiöse^ Schrifttums aus A b - 
wehrgründen unter allen Umständen unterbleiben 
muß. 

2. 

Im übrigen muß ich von allen Kirchenbehörden und sonstigen kirch- 
lichen Stellen erwarten, daß sie nur solches religiöse Schrifttum ver- 
senden oder durch ihre örtlichen kirchlichen Stellen versenden lassen, 

84 



das gemäß der zwischen dem Oberkommando der Wehrmacht einerseits 
und dem Evangelischen Preßverband Berlin-Steglitz, Beymestr. 8 bzw. 
der katholischen Kriegshilfssteile, Abteilung, Schrifttum, Berlin C 2, 
Oranienbui'gerstraße 12, andererseits getroffenen Regelung geprüft 
undfür geeignet befunden ist. Es genügt nicht, daß die Listen 
des so geprüften Schrifttums den Pfarrämtern nur als „Anregung" 
übersandt werden (vgl. Ges.Bl.d.Dt.Ev.Kirche 1939 S. 114). Die Geistlichen 
und anderen nachgeordneten kirchlichen Stellen müssen verpflich- 
tet werden, nur dieses vorgeprüfte Schrifttum an die Soldaten zu ver- 
senden. Religiöse Schriften, die von den Pfarrämtern oder anderen 
kirchlichen Stellen für geeignet zur Versendung an Soldaten gehalten 
werden, aber noch nicht auf der Liste stehen, sind baldmöglichst zur 
Veranlassung des Prüfungsverfahrens und nachfolgender Aufnahme in 
die Liste den obengenannten Stellen (Evangelischer Preßverband bzw. 
Katholische Kriegshilfsstelle) einzureichen. 

gez. Kerrl. 

Einige Tage vorher hatte der Reichsverteidigungskommissar 
für Wehrbezirk VII, Staatsminister Wagner in Bayern, im gleichen 
Betreff einen erweiterten Erlaß hinausgegeben, der in noch schär- 
feren Worten die kartei- und listenmäßige Erfassung von 
Feldpostanschriften, die Anschriften von Flücht- 
lingen durch Geistliche und die organisierte Versorgung 
mit Druckschriften aller Art durch Geistliche beider Kon- 
fessionen und andere Personen verbot und, falls Ver- 
anlassung bestehe, „strenge Kontrolle bei den in Frage stehenden 
Geistlichen und Beschlagnahme sämtlicher bisher angefallener 
Unterlagen vorbezeichneter Art" anordnete. 

Dementsprechend waren dieserhalb schon Haussuchungen und Be- 
schlagnahmen von Adressen, Feldpostschreiben und Schreibmaschine (!) 
bei Kooperator Daurer von St. Rupert-München (28. 10. 39), im Jugend- 
seelsorgeamt der Erzdiözese München, also im Ordinariat selbst, 
noch ehe das Ordinariat Kenntnis von obigem Erlaß erhalten und dem 
Klerus davon Mitteilung hatte machen können. 

Nochmals verstärkte und erweiterte sich diese Schikane gegen 
die Seelsorge an unteren Amtsstellen; zum Beispiel verfügte der 
Landrat Landshut in Niederbayern: 

Nr. 1963 Landrat Landshut Landshut, den 10. April 1940 

An die Pfarrämter! 

Betreff: Sammlung von Feldpostanschriften und Versendung religiösen 
Schrifttums an Wehrmachtsangehörige. 

Der Reichsverteidigungskommissär hat aus Gründen- der Reichs- 
verteidigung, Spionageabwehr, Überbeanspruchung der Feldpost, Ver- 
hütung von Mißbrauch die kartei- und listenmäßige Erfas- 
sung von Feldpostanschriften sowie Anschriften von 
Flüchtlingen durch Geistliche die organisierte Versorgung 
mit Druckschriften aller Art durch Geistliche, konfessionelle Organisa- 
tionen und andere Personen verboten. Unter dieses Verbot fällt also 
auch die Herstellung und Versendung von hand- und 
maschinengeschriebenen Briefen durch Geistliche an Wehr- 
machtsangehörige und die Versendung der von den Feldbischöfen frei- 
gegebenen Druckschriften durch Geistliche. 

85 



Die Verteilung religiöser Schriften an Wehrmachtsangehörige darf 
nur durch Wehrmachtsgeistliche erfolgen. 

Ich ersuche diese Anordnungen zur Vermeidung von Weiterungen 
genau zu beachten. 

gez.: Unterschrift. 

Der Herr Landrat verbot also nicht mehr bloß die Versendung 
von Drucksachen, sondern auch von Briefen, mochten sie 
hand- oder maschinengeschrieben sein. Man wollte um jeden Preis 
verhindern, daß der Pfarrer noch irgendwelchen seelsorglichen Ein- 
fluß auf seine Pfarrkinder in der Ferne habe, auch nicht durch 
Mittelspersonen oder Vereine. 

So kriegswichtig erschien die Sache, daß der Chef des 
Oberkomma ndosderWehrmacht und der Reichsminister 
für die kirchlichen Angelegenheiten ein halbes Jahr später noch 
einmal gemeinsam das Schwert gegen diesen „Feind" zückten und 
verfügten: 

Der Reichsminister für die Berlin, den 12, April 1940 

kirchlichen Angelegenheiten 
I 20859/40, II 

An die obersten Kirchenbehörden. 

Erlaß betreffend Sammlung von Feldpostanschriften. 

Es besteht Veranlassung, auf den Erlaß des Reichsministers für die 
kirchlichen Angelegenheiten vom 27. Oktober 1939 — I 24190/39, II -- 
hinzuweisen, wonach die Sammlung von Feldpostanschriften durch 
Geistliche oder andere kirchliche Stellen oder konfessionelle Orga- 
nisationen aus allgemeinen militärischen Gründen untersagt ist. 
Die anderweitige Äußerung des Oberkommandos der Wehrmacht in 
einem Einzelfall gegenüber dem Ländeskirch!enrat in München vom 
18. Dezember 1939 findet damit ihre Erledigung. 

Berlin, den 30. März 1940 

Der Chef 
des Oberkommandos der Wehrmacht 

gez. Keitel. 
Der Reichsminister für die 
kirchlichen Angelegenheiten 
gez. Kerrl. 

Z 20623/40 Abschrift des vorstehenden Erlasses übersende ich zur Kennt- 
nisnahme und Beachtung. Im Auftrag: 

gez. Roth. 

Die im Landshuter Erlaß so kräftig betonten Gründe der 
„Reichsvertieidigung, Spionageabwehr, Überbeanspruchung der Feld- 
post, Verhütung von Mißbrauch," ebenso die im letztgenannten 
Gemeinschaftsschreiben von Keitel und Kerrl erwähnten „mili- 
tärischen Gründe" waren aber kein Hindernis, daß nationalsozia- 
listische Ortsgruppen und Vereinigungen unbehelligt Zehntausende 
Kriegsteilnehmer „kartei- und listenmäßig erfassen," ja sogar ihre 
Adressen in Vereinszeitschriften veröffentlichen konnten. 

Einige Beispiele: 
1. „Das Schwarze Korps" vom 21. Dezember 1939, Folge 51, Seite 11, 
bringt unter dem Titel „Das feste Band" die tägliche Betreuung der 

86 



feldgrauen Betriebsangehörigen in Wort und Bild (ein Bild mit der 
. großen Kartei der Feldpostadressen der Firma Bewag). 

2. ,,Das Schwarze Korps" vom 28. Dezember 1939, Folge 52, berichtet 
von 8000 Paketen an die Angehörigen der Wehrmacht aus dem SS- 
Abschnitt Main. 

3. Der „Völkische Beobachter", Münchener Ausgabe vom 22. Dezember 

1939 bringt unter dem Titel „Musterbetrieb — auch im Kriege bei- 
spielhaft" „Briefe zvvischen Front und Heimat" eine öfEentli(?he An- 
erkennung für eine Münchener Fabrik, deren Betriebsobmann „Kund- 
schreiben ins Feld schickt", so daß alle eingezogenen Betriebsmit- 
glieder über Leben und Treiben im Betrieb regelmäßig unterrichtet 
werden. „Dazu wurde eine Feldpoststelle eingerichtet, ihre Aufgabe 
ist es, regelmäßig Liebesgaben an die Gefolgschaftsmitglieder zu 
leisten". 

4. Die Münchener Turn- und Sportvereine fordern in ihren 
Organen zur Einsendung von Feldpostadressen ihrer Mitglieder auf 
und bringen zum Teil in ihren Mitteilungsblättern lange Spalten der 
eingesandten Feldpostadressen, z. B. „Postsportblatt, Postsportverein 
München e.V." Heft 11 vom November 1939 Seite 7 veröffentlicht 
gegen 50 eingesandte Adressen von Vereinsmitgliedern. 

5. Im 2. Sonderdruck zur Hauptversammlung des D.A.V. in Graz aus 
den Mitteilungen des Deutschen Alpen Vereins wird ver- 
öffentlicht: „Die Verbindung mit den abwesenden oder im Felde 
stehenden Mitgliedern ist ungemein wertvoll und wichtig und soll 
mit allen Mitteln gepflegt werden (Nachsendungen der 
Zweigvereinsnachrichten, Veröffentlichung von Feldpostanschriften, 
Frontberichten, Auszeichnungen). Der Reichssportführer sagt: „Die 
Fäden dürfen nicht abreißen". 

6. Der Zentralverlag der NSDAP Franz Eher Nachf. G.m.b.H. Berlin 
SW 68, versendet einen Aufruf (25. 11. 1939) des Reichsführers der 
SS und Chefs der Deutschen Polizei H. Himmler zur „Patenschafts- 
Bestellung" « des „Schwarzen Korps" für die Kameraden der 
Front, wozu die Feldpostadressen der Kameraden eingeschickt wer- 
den sollen." 

7. „Nordland", das „Kampfblatt für gottgläubiges 
Deutschtum" bringt seit einer Reihe von Nummern im April/Mai 

1940 eine inseratmäßig aufgemachte Aufforderung von Paten- 
schaften „für das Nordland" und bittet das entsprechende 
Formular für die Feldpostadresse des Soldaten auszufüllen und ein- 
zusenden. 

8. Die H J hat einen eigenen Betreuungsdienst für die H J-Führer orga- 
nisiert, indem die BDM-Mitglieder die regelmäßige Betreuung der im 
Felde stehenden Kameraden freiwillig und ehrenamtlich übernahmen. 



Zeigt dies zweierlei „Recht nicht das rohe Unrecht, das man 
den Soldaten und Flüchtlingen tat, indem man ihnen die Ver- 
bindung mit den Seelsorgern und ihren katholischen Vereinen ab- 
schnitt? Lag in den berührten Erlassen höchster Stellen nicht eine 
ungeheure Heuchelei und Verlogenheit und Gehässigkeit? Galten 
„militärische Gründe" wirklich nur für die Geistlichen? 

4. Fesseln für Jkatholische Schule und Schultätigkeit. 

„Die Beibehaltung und Neueinrichtung katho« 
lischerBekenntnisschulenbleibtgewährleistet,* 

87 



lautete Artikel 23 des am 20. Juli 1933 abgeschlossenen und am 
10. September 1933 ratifizierten Reichskonkordates. Diese Garantie 
entsprach einer Erklärung, welche Hitler schon zur Abstimmung 
über das sogenannte Ermächtigungsgesetz gegeben hatte. 

Der Kampf gegen die Bekenntnisschule. 

Eineinhalb Jahre später begann aber schon der national- 
sozialistische Kampf gegen die Bekenntnisschule und die Propa- 
ganda für die „Gemeinschaftsschule", ein Deckmantel für die 
„nationalsozialistische Zwangsschul e". Immer lau- 
ter und allgemeiner wurde die Parole wiederholt, welche der Mün- 
chener Stadtschulrat Bauer gegeben hatte mit den Worten: „E i n 
Volk, ein Reich, ein Recht, eine Schule!" Was „Wille 
und Macht", das Führerorgan der Hitlerjugend, um die Jahres- 
wende 1936/37 schrieb, das war von Anfang an Richtung und Ziel 
des Nationalsozialismus: 

Der Kampf ist allerdings vereinfacht: nur zwei Fronten — aber 
beide mit sehr klaren Erziehungszielen — stehen sich gegenüber; die 
eine entschlossen, den Streit im Angriff — entsprechend ihren Grund- 
sätzen -r zu entscheiden, die andere überzeugt, daß sie sich nur noch 
auf die zähe Verteidigung ihrer Positionen im Rückzuggefecht einrichten 
könne. 

Der Nationalsozialismus sieht im Leben des einzelnen eine Ver- 
pflichtung an das Gesamtvolk. Um diese jedem Glied eines Volkes auf- 
erlegten Pflichten erfüllen zu können, muß der einzelne zur Erkenntnis 
dieser Verpflichtung geführt werden, daß er die ihm gestellten Auf- 
gaben zum Besten der Volksgemeinschaft lösen kann. Das ist Sache der 
Schulerziehung. 

Die Kirche sieht das irdische Leben als Vorbereiturigszeit für das 
Jenseits an. Das Erziehungsziel gilt einer anderen Welt. Der primäre 
Zweck der Erziehung ist also nach katholischer Auffassung die Aus- 
richtung der seelischen Kräfte auf das Jenseits; dieser Vorbereitung 
hat auch die Ausbildung in allen weltlichen Aufgaben z.u dienen. Auch 
der Unterricht, dem die Entwicklung der intellektuellen Kräfte über- 
tragen ist, hat die Voraussetzungen für das ewige Leben zu schaffen. 
Durch den religiösen Erziehungszweck gerät er aber von selbst in das 
Gebiet der Religion und — wie die Verhältnisse bei uns liegen — der 
Konfessionen. So ergibt sich der Anspruch der Kirche, den die bayeri- 
schen Bischöfe in einer Denkschrift vom Juni 1919 niedergelegt haben 
(„Münchener Tagblatt" 8. Januar 1937). 

Zu Beginn des Jahres 1935 trat der Nationalsozialismus zum 
offenen Kampf an. 

Durch ungeheure Propaganda, Verbot des katholischen Eltem- 
vereinskalenders, Einschränkung der katholischen Elternvereins- 
versammlung, Einschüchterung und Terrorisierung der Eltern 
wurde bei der Schuleinschreibung am 13. Februar 1935 in München 
erreicht, daß statt der bisherigen 84 Prozent nur 65 Prozent der 
neu eintretenden Kinder für die Bekenntnisschule gemeldet und 
25 Bekenntnisschulen in Gemeinschaftsschulen verwandelt wurden. 
Selbst die von katholischen Ordensfrauen geleitete Schule des 
Städtischen Waisenhauses wurde in eine Simultanschule verwandelt. 
Soviel Gewalt und Ungerechtigkeit, soviel Beeinflussung durch 

88 



städtische Schulbehörden geschah, daß Kardinal Faulhaber in seiner 
Papstpredigt 1935 feierlichst dagegen protestieren mußte. 

Juni 1935 wurde die bisher allgemein übliche Mitwirkung und 
Vertretung katholischer Geistlicher in den Schulkommissionen von 
einer besonderen staatlichen Genehmigung abhängig gemacht. 

Dann wurde eine eigene Kampf Organisation für die staatliche 
Einheitszwangsschule gegründet, die „Deutsche Schul- 
gemein d e", die sich einerseits durch keinerlei Konkordats- 
verpflichtungen gebunden zu fühlen brauchte, anderseits durch Per- 
sonalunion ihrer Vorstandschaft mit staatlichen oder städtischen 
Schulleitern über großen Einfluß und starke Druckmittel verfügte, 
so besonders ihr Leiter in München, der schon genannte Stadtschul- 
rat Bauer. 

Zur Schuleinschreibung 1936 trat die Deutsche Schulgemeinde 
mit nachfolgendem Plakat an die Öffentlichkeit (während natürlich 
den Freunden der Bekenntnisschule jede öffentliche Bekannt- 
machung oder Aufklärung verboten war!). 

„W arum Deutsche Gemeinschaftsschule? 

weil der Zweck unseres völkischen Lebens, die Erhaltung der Nation 
in ihrer Erziehung zur Gemeinschaft und zu einheitlichem Wil- 
len erreicht werden kann, 

weil sie die Volksgemeinschaft auch auf dem Gebiete der Erziehung 
verwirklicht, 

weil sie als christliche Schule den Keligionsunterricht für beide Kon- 
fessionen getrennt in vollem Umfange durchführt, aber in ande- 
ren Unterrichtsfächern keine Trennung nach konfessionellen 
Gesichtspunkten duldet, 

weil sie ein wohlgegliedertes Schulwesen ermöglicht und dadurch den 
besten Erziehungs- und Unterrichtserfolg verbürgt, 

weil die hohe Schülerzahl in vielen Klassen vermieden wird, 

weil sie jedem Kinde den Besuch der nächstgelegenen Schule ermög- 
licht, 

weil der Bau neuer Schulhäuser nur für Gemeinschaftsschulen er- 
folgen kann. 

Darum, Deutsche Eltern, 

heißt am 2. Februar 1936 

das Kennwort: 

,Deutsche Gemeinschaftsschule!' 

Herausgeber: 

Deutsche Schulgemeinde." 

Hand in Hand mit dieser halbamtlichen Werbung für die 
staatliche Zwangsschule ging jene durch die 

Partei und ihre Gliederungen, 
wie nachfolgende Dokumente zeigen: 
Ortsgruppe Siegestor der NSDAP — Giselastraße 29/2 

An den Hauswart Herrn 

des Hauses Straße Nr 

Die Ortsgruppe Siegestor der NSDAP bestätigt Sie vorerst zum 
Hauswart obengenannten Hauses, Sie werden demnächst zu einer be- 

89 



sonderen Besprechung vom Ortsgruppenleiter aufgerufen. Was das Amt 
eines Hauswartes bedeutet, wird Ihnen sicher bewußt sein. Sie arbeiten 
damit für unseren Führer^ für unser Volle und für unser Vaterland. 
Jeder, der in unserer herrlichen Bewegung mitarbeiten darf, hat erhöhte 
Pflichten den anderen gegenüber. Sie wollen uns daher treu zur Seite 
stehen. 

Das beiliegende Rundschreiben wollen Sie sofort lückenlos 
ausgefüllt mit der Ein topfliste zurückgeben. In dieseln Falle haben 
Sie folgende Punkte genau zu beantworten: 

Sie wollen bitte im ganzen Hause sämtliche Eltern erfassen, 
die schulpflichtige Kinder besitzen, also solche Eltern, die Kinder bereits 
in der Volksschule haben, welche im ersten bis zum letzten Schuljahr 
stehen; weiter auch die Eltern, die erst im Frühjahr ein Kind in die 
Schule schicken. 

Heil Hitler! 

gez. Mayer 
Ortsgruppenleiter. 

Noch deutlicher ist nachfolgendes parteiamtliche Rundschreiben: 

München, Februar 1936. 

National Sozialisten , und Nationalsozialistinnen ! 

Sie haben, ganz gleich ob Pg. oder nicht, bei dem Kampf um die 
Gemeinschaftsschule durch tatkräftigen Einsatz Ihrer eigenen Person 
mit zu dem schönen Erfolg beigetragen, der der Partei in dieser wich- 
tigen Angelegenheit zuteil geworden, ist. Seien Sie versichert, daß die 
Ortsgruppe Au-Nord auch Ihre Arbeit als die eines unbekannten Sol- 
daten Adolf Hitlers dankbar anerkennt und daß wir auch fernerhin auf 
Ihre Mitarbeit nicht verzichten wollen. Mit unserem Führer freudig und 
opferbereit in das 4. Jahr. 

Propagandaleiter: Ortsgruppenleiter: 

gez. Dr. Ottmann gez. i. V, Tott 

NB. Übergeben an die Blockwartinnen Anfang März. 

Die Methode, nach welcher die bekannten und unbekannten 
Soldaten Adolf Hitlers den gefahrlosen Kampf für die Gemein- 
schaftsschule führen sollten, zeigt nachfolgende 

Anvi^eisung für Blockwärterinnen: 

„München, 2. Februar 1936 

E = Einwände gegen die Gemeinschaftsschule. W = Widerlegung. 

E. Die religiöse Erziehung ist in der Gemeinschaftsschule (G.Sch.) nicht 
so gesichert, wie in der Bekenntnisschule (B.Sch.). 

W. 1.) Die Zahl der Religionsstunden ist die gleiche, auch die Religions- 
. lehrer sind häufig die gleichen. 

2.) Es wird den katholischen Schülern in der G.Sch. genau die 
gleiche Gelegenheit gegeben, an Beichte, Kommunion, Fronleich- 
namsprozession, Schulgottesdienst, Abendandachten usw. teilzu- 
nehmen, wie den Schülern der B.Schule. 

E, Aber wir verlangen eben, daß das • ganze Leben, der ganze Unter- 
richt von dem religiösen Bekenntnisgeist durchdrungen ist. 

W. Das ist eine übertriebene Forderung, die die Natur des Kindes im 
Volksschulalter geradezu vergewaltigt. Denn wenn man das ganze 
Leben des Kindes, sein Spiel, seinen Sport, seine Kameradschaft, sein 
Lernen, immer wieder mit Gott und den Heiligen, mit Himmel und 

90 



Hölle ausfüllen wollte, dann wächst ihnen schließlich die Religion 
zum Halse hinaus oder wir beicommen scheinheilige Frömmler. 

E. Aber im Geschichtsunterricht z. B. wenn die Reformationszeit durch- 
genommen wird, muß der Lehrer doch zeigen, ob er mehr katholisch 
denkt oder protestantisch, er muß Luther anklagen oder verteidigen. 

W. Das muß er eben nicht; er kann das Leben und die Absichten 
Luthers schildern, ohne ihn zu beschimpfen und er kann ebenso 
seinen Gegnern gerecht werden. Aber jeder deutsche Lehrer muß 
deutsche Geschichte geben, auch wenn er in einer B.Schule unter- 
richtet; der nationalsozialistische Staat wird auch einem Lehrer der 
B.Schule niemals gestatten, das Glaubensbekenntnis des anderen 
Volksteils verächtlich zu machen. 

E. Die Simultanschule ist aber doch eine Marxistenscliule? 

W. Die deutsche Gemeinschaftsschule ist etwas ganz anderes als die 
frühere Simultanschule.. Denn: 

1.) Haben in ihr die Juden und die Anhänger der Gottlosenbewegung 
keinen Platz mehr. 

2.) Hat sich die Simultanschule nur deswegen manchmal zur Pro- 
letarierschule heruntersetzen lassen müssen, weil im Jahre 1919 
Kommunisten und Sozialdemokraten sie für sich in Anspruch ge- 
nommen haben. 

Deshalb haben viele Eltern, die den roten Terror satt hatten, ihre 
Kinder in die B.Schule getan, um sie nicht mit der Göttlosen- 
bewegung der Kommunisten in Berührung zu bringen. Diese Angst 
ist aber doch heute hinfällig, nachdel-n der Punkt 24 des Partei- 
programms heißt: ,Die Partei als solche vertritt den Standpunkt 
eines positiven Christentums, ohne sich konfessionell , an ein be- 
stimmtes Bekenntnis zu binden.' 

E< Durch das Konkordat ist aber doch den Katholiken das Recht zu- 
gestanden worden, die Errichtung von B.Schulen zu beantragen.- 

W. Das Recht schon, aber eine Verpflichtung dazu kann weder aus den 
10 Geboten Gottes noch aus den 5 Geboten der Kirche hergeleitet 
wcj den. Es gibt doch auch sonst Rechte, auf die man gern verzichtet, 
weil sie ja gar keinen Vorteil bringen. 

E. Die B.Schule bringt aber doch auch keine Nachteile mit sich! 
W. Doch manche! 

1.) Ist die gl^chmäßige Verteilung der Schüler auf die Schulen der 
einzelnen Bezirke sehr erschwert. Wir haben z. B. Fälle erlebt, daß 
in einer protestantischen B.Schule in einer Klasse nur 25 Schüler 
saßen, in der benachbarten katholischen Bekenntnisschule aber 
50.- Daß in einer so großen Klasse die Schüler nicht so gefördert 
.werden können; wie in einer kleinen, ist doch klar. Und manches 
Kind hat nur deswegen einen so weiten Schulweg, weil in seinem 
Wohnviertel eben keine solche Schule ist, die die Eltern wollen. 
Haben wir aber einmal eine einzige Schulart, dann kann eine voll- 
kommen gleichmäßige VeVteilung erfolgen. 

2.) Kann die Stadt doch auch leichter in neuen Wohnvierteln Schul- 
häuser bauen, wenn sie nur eine Art zu bauen hat, nicht eine 
eigene katholische und daneben eine protestantische. 

3.) Eine Trennung nach Konfessionen in den Schulen hält im Volk 
doch immer das Bewußtsein wach, daß es zweierlei Deutsche gibt, 
und gerade am Einschreibetag wird der Gegensatz besonders le- 
bendig, wenn die protestantischen Eltern eines Hauses in diese 
Schule, die katholischen aber in eine andere gehen müssen, wäh- 
rend sie sonst vielleicht freundschaftlich miteinander verkehren. 

91 



Für die Einigkeit der Volksgemeinschaft ist eine solche Betonung 
der Bekenntnisverschiedenheit unbedingt ein Nachteil. 

E. Aber in anderen Ländern kämpft man doch auch nicht so gegen die 
B.Schulen, nur in Deutschland. 

W. In anderen Ländern z. B. in Frankreich, in der Tschechoslowakei, 
, sogar in Österreich kennt man B.Schulen in unserem Sinne über- 
haupt nicht; dort ist die G.Sch. die {Regel. Aber auch in den aller- 
meisten Ländern Deutschlands, in Baden z. B., hat man seit 50 Jahren 
die G.Sch., obwohl dort das Zentrum doch lange Zeit die Herrschaft 
hatte. Die geistliche Obrigkeit legt dort den Katholiken nicht die 
geringsten Schwierigkeiten in den Weg, wenn sie ihre Kinder in 
diese G.Schule schicken. Der Kampf bei der Einschreibung jedes 
Jahr ist eigentlich nur mehr in München und Nürnberg. Und wenn 
in allen höheren Schulen und in allen Fortbildungsschulen auch hier 
in München Katholiken und Protestanten nebeneinandersitzen kön- 
nen, ohne daß ihre Religion Schaden leidet, dann besteht diese Ge- 
fahr doch erst recht nicht bei den noch jüngeren Volksschülern, bei 
denen das religiöse Bewußtsein überhaupt noch gar nicht so ent- 
wickelt ist. 

E. Wenn wir aber unsere Kinder jetzt auf die G.Sch. überschreiben 
lassen, dann müssen sie vielleicht in eine andere Schule und be- 
kommen einen anderen Lehrer. 

W. Diese Sorge hatten voriges Jahr auch viele Eltern, aber sie war voll- 
kommen unbegründet, wie die Eltern, die ihre Kinder für die G.Sch. 
einschreiben ließen, ja erfahren haben. Ihre Kinder behielten, ab- 
. gesehen von einigen selbstgewoUten Ausnahmen, die gleiche Schule 
und den gleichen Lehrer. Gerade wenn die Münchener Eltern ge- 
schlossen für die G.Sch. stimmen würden, dann könnten am leichte- 
sten große Umwälzungen vermieden werden, nur in den Fällen, wo 
weite Schulwege oder eine Überfüllung von Klassen eine Änderung 
notwendig machen würden, käme ein Schul- oder Lehrerwechsel in 
Betracht. Aber das wäre ja auch den Kindern selbst zum Vorteil." 

An' die Seite der Blockwärterinnen stellten sich im, Kampf 
gegen die Bekenntnisschule noch die Amazonen der 

NS-Frauenschaft. 

Sie verfaßten und verteilten folgendes Flugblatt (während den 
Verteidigern der Bekenntnisschule jedes Flugblatt verboten war): 

NS Frauenschaft 

Kreis München München, Prannerstraße 3/3 

27. Januar 1936 
„Deutsche Mutter! 

Am nächsten Sonntag, 8 vormittag bis 12 mittag, findet in sämtlichen 
Münchener Volksschulen die 

Ein- und Umschreibung 

der schulpflichtigen Kinder statt. 

Du weißt, wie bedeutungsvoll dieser Tag im Leben Deines Kindes ist. 
An diesem Tag gibst Du Dein Kind aus Deiner Obhut in die Erziehung 
der Schule; an diesem Tag gibst Du aber auch für Dein Kind, das be- 
reits zur Schule geht, der Schule Anweisung, in welchem Sinn es er- 
zogen werden soll. Du entscheidest am Sonntag, ob Dein Kind 

im konfessionellen Streit oder im Sinne der Volks- 
gemeinschaft aufwachsen soll. Entscheide für Dein Kind! Laß 
es nicht abseitsstehen, sondern gib es der deutschen Volksgemeinschaft, 

92 



In der es ja einmal arbeiten uhcl leben soll. Die Schule der Völks- 
gemeinscVjaft ist 

die Deutsehe Gemeinschaftsschule. 

Die Deutsche Gemeinschaftsschule will, daß in der Schule den Kindern 
keine konfessionellen Trennungsmauern aufgerichtet werden. Die 
Deutsche Gemeinschaftsschule will die Jungen und Mädel christlich — 
gut katholisch und gut evangelisch — erziehen. 

Die Deutsche Gemeinschaftsschule will die Jungen und Mädel außer in 
den Religionsfächern gemeinsam im deutschen Sinn unterrichten. 

Das willst Du doch auch, deutsche Mutter! Und das wollen wir alle! 

Deshalb schreibe am Sonntag in der für Dein Kind zuständigen Schule 

Deine Jungen und Mädel ein in die Deutsche Gemeinschaftsschule! 

Heil Hitler! 

gez. Luise Rommelt." 

„Jugend muß durch Jugend geführt werden", hieß ein oft ver- 
kündeter Grundsatz des Nationalsozialismus. Dementsprechend 
glaubte auch schon die H J zur Entscheidung über die Art der 
Volksschule in Deutschland mit antreten zu müssen. Sie verteilte 
in München auch massenhaft ein Flugblatt. 

Die Jugend belehrte die Eltern. 

Aufruf! 

„Der Religionsunterricht wird an den 

Gemeinschaftsschulen ebenso gesichert sein 

wie an den Konfessionsschulen!" 

Das Jahr 1933 war der Anfang zur Verwirklichung des Gedankens 
der deutschen Volksgemeinschaft. Es gibt keine Standesunterschiede 
mehr — es gibt nur noch Deutsche, zusammengeschworen gegen 
alle bedrohende Not! Arbeiter der Stirne und der Faust am Aufbau 
des Reiches! 

Das Jahr 1936 muß die geschlossene Gemeinschaft der deutschen 
Jugend bringen. Die Hitlerjugend lehnt es ab, in Konfessionen und 
Konfessionsschulen geteilt zu sein. Sie redet in ihren Reihen nicht von 
Religion — das ist Privatsache jedes einzelnen — sie will nicht nur 
katholisch oder nur protestantisch sein, sie ist das 

Junge Deutschland! 

in dessen Reihen jeder marschiert, der den religiösen Glauben des ande- 
ren kritiklos respektiert. 

So wie der Nationalsozialistische Staat beiden Konfessionen seinen 
Schutz angedeihen läßt, so wird die Jugend dieses Staates beide Kon- 
fessionen als einzigartige Gemeinschaft in ihren Reihen haben. 

Weil wir nun nicht getrennt sein wollen in Katholiken und Prote- 
stanten, fordern wir für uns auch die Gemeinschaft an den Schulen! 
Wir wollen die 

Gemeinschaftsschule, 

in der alle zusammenhelfen am Aufbau des Vaterlandes, das uns allen 

Brot gibt, das dem Volk gibt, was des Volkes ist, und Gott, was Gottes ist! 

Es lebe der Führer und sein Einigungswerk! 

Der Führer des Standortes München Der Führer des Jungbannes 1 1 
gez. W. Fahrmeier gez. Fritz Steves 

93 



Noch verwunderlicher als diese Anmaßung der HJ 
ist die Einmischung einer für ganz andere Zwecke gegründeten, 
angeblich neutralen Organisation, wie des 

Reichsluftschutzbundes. 

Sein Eintreten für die NS-Zwangsschule deutet nachfolgender 
Briefwechsel an: 

„München, 11. Februar 1936 

Ich hielt den Reichsluftschutzbund für einen jenseits aller welt- 
anschaulich-religiösen Fragen stehenden Verein. Das war ein Irrtum. 
Das entschiedene Eintreten des Vereins für die Gemeinschaftsschule 
widerspricht meiner innersten religiösen Überzeugung. Darum erachte 
ich es für ejine Pflicht des Gewissens wie für eine Forderung deutscher 
Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, liiemit meinen Austritt aus dem Reichs- 
luftschutzbund zu erklären. 

Mit deutschem Gruß! 

J. Heinzinger." 

Die Antwort hierauf lautete: 

Reichsluftschutzbund Hauptstadt der Bewegung, den 14. 2. 1936 

Landesgruppe Bayern Gr. 1, Abt. I 

Bezirksgruppe München Zi/A. 

Herrn 

Heinzinger 

Oberstudienrat i. R. 

München 

Säbenersti*. 75 . 

Die Bezirksgruppe München hat mit größtem Erstaunen von Ihrem 
Schreiben vom 11. 2. 1936 Kenntnis genommen. 

Es dürfte Ihnen wohl entgangen sein, daß wir seit dein Jahre 1933 
in einer anderen Zeit leben, in der das Wort politische Betätigtmg nicht 
mehr existiert. Wenn sich der. Reichsluftschutzbund in der Hauptstadt der 
Bewegung für eine Aufgabe der Deutschen Jugend, nämlich der Ge- 
meinschaftsschule eingesetzt hat, dann deswegen, weil der Gauleiter 
und nicht zuletzt der Führer die Genehmigung für den Aufbau der 
Gemeinschaftsschule gegeben hat. Es dürfte Ihnen auch nicht unbekannt 
sein, daß der Nationalsozialismus auf dem Boden des positiven Christen- 
tums steht, so daß durch die Gemeinschaftsschule Ihre religiöse Über- 
zeugung oder Ihr Gewissen als Mitglied des Reichsluftschutzbundes nicht 
Schaden leiden kann. 

• Die Bezirksgruppe erwartet von Ihnen, daß Sie Ihren Austritt aus 
dem RLB zurückziehen. Unter Umständen müßte die Bezirksgruppe 
München Ihr Sclireiben zur weiteren Veranlassung an die Gauleitung 
München-Oberbayeni weiterreichen. 

Heü Hitler! 

gez. Unterschrift 
Adjutant. 

Im letzten Satz verschmäht man es also nicht, deutlich mit 
Denunziation zu drohen. 

Aber nochmals müssen wir weiterfahren: „Noch verwun- 
derlicher" als diese Einmischung des Reichsluftschutzbundes in 
den Schulkampf ist die Beteiligung einer amtlichen Stelle und 
Zwangsorganisation wie der 

Ortskrankenkasse München. 
94 



Sie sandte all 
Fragebogen. 



ihren Angestellten nachfolgendes Schreiben mit 



Anlage 4 zu Rundschr. 32 Betr.: Rundfrage über Zugehörigkeit 

zur Staats Jugend und Besuch 
der Konfessionsschule, 

An alle Berufskameraden 

der Allgemeinen Ortskrankenkasse München (Stadt) 

Wie uns die NSDAP, Amt für Beamte, Gau München-Oberbayern, 
mitteilt,, ist bis spätestens 27. Mai 1936 von allen RDB-Mitghedern 
(RDB = Reichsbund Deutscher Beamten) anzugeben, wieviel Kinder sie 
besitzen und ob diese bei der HJ bzw. BDM sind und ferner, ob diese 
die Gemeinschaftsschule oder Konfessionsschule besuchen. 
Nachstehender Fragebogen ist umgehend auszufüllen und an den Ver- 
teiler zurückzugeben. 

München, den 25. Mai 1936 

Heil Hitler! 



gez. Ernst Will, 




Hauptvertrauensmann 


Fragebogen 




Vorname 




geboren: 




SA: 


SS; 


Alter: HJ: 


BDM: 


Konfessions- 


GemeinschaftS' 


schule 


schule 



Für die Richtigkeit: 

gez. Fix, Vertrauensmann 

Name 

Dienststellung: 
Parteimitgliednummer: 
RDB Mitgliednummer: 
Kinder: Vorname: 



Auch das Polizeipräsidium München glaubte ein- 
seitig in den Schulkampf eingreifen zu müssen, als die katholischen 
Pfarrer Münchens den katholischen Eltern ihrer Pfarrei einen 
eigenhändig unterschriebenen und gesiegelten, geschlossenen und 
adressierten, also gar nicht flugblattartigen „Seelsorgsbrief" in die 
Wohnung zustellen ließen. 

Am 27. Januar 1937, abends ca. 6 Uhr, kamen daraufhin zwei 
Beamte des Polizeipräsidiums München in das Erzbischöfliche 
Ordinariat München und forderten: 

1. Auskunft über ein ;,Flugblatt", das vom Erzbischöflichen Ordi- 
nariat hergestellt und zu den Pfarrern gebracht worden sein soll. 

2. Aushändigung eines solchen „Flugblattes". 

3. Sofortige Weisung an die Pfarrer, die Verteilung dieses „Flug- 
blattes" einzustellen. 

Es wurde ihnen erklärt: 

a) Es handelt sich nicht um ein Flugblatt, sondern um einen 
Seelsorgerbrief, der im Auftrag des Erzbischöflichen Ordi- 
nariates hergestellt wurde und von den Pfarrämtern unter- 
schrieben und gesiegelt, in verschlossenen unc 

95 



adressierten Kuverts an bestimmte katholische An- 
gehörige ihrer Pfarrei ausgetragen oder versendet wird. Hiefür 
wird unbedingt der Schutz von Art. 4 des RK in Anspruch ge- 
nommen. Darum braucht dieser Seelsorgerbrief nicht der Polizei 
vorgelegt zu werden und kann nicht von ihr verboten werden 
und kann ihr auch jetzt kein Exemplar ausgehändigt werden: 
Es gibt keine Vcrzensurfür Ordinariatserlasse 
in Sachen des Hirtenamtes. Herr Generalvikar über- 
nimmt die volle Verantwortung für diese Seelsorgerbriefe. 

b) Die Zumutung, eine Weisung an die Pfarrer zu geben, die 
Weitervei'teilung dieses Seelsorgerbriefes einzustellen, wird zu- 
rückgewiesen. Bei der Verhinderung jeder sonstigen Auf- 
klärung über die Bekenntnisschule und bei der weitestgehenden 
Werbung der amtlichen Stelle für die Gemeinschaftsschule kann 
auf dieses konkordatmäßige Recht nicht verzichtet werden. 

c) Im Falle einer Verletzung dieses Konkordatrechtes wird man 
sich an den Führer. und Reichskanzler sowie an den H. H, Apo- 
stolischen Nuntius wenden. 

Daraufhin wagte sich die Polizei doch nicht weiter vor. 

JedesMitteierlaubt! 

In der Elternversammlung der Blumenschule am 23. Januar 1937 
war von; dem Redner Schweinsdorf erklärt worden: „Für die 
Werbung zur Gemeinschaftsschule ist mit Rücksicht 
auf die Wichtigli^eit der Volksgemeinschaft jedesMittel erlaubt." 
Ein Beispiel für die Skrupellos igkeit dieser Werbung zeigt 
nachfolgende Mitteilung des Erzbischöflichen Ordinariats München 
vom 10. Juni 1937 an alle Seelsorgestellen der Erzdiözese: 

„Betreff. Werbung der deutschen Schulgemeinde 
für die Gemeinschaftsschule 

Heute, den 10. Juni 193 7, erfahren wir von zuverlässiger Seite 
nachfolgendes: 

Am nächsten Freitag, den ll.ds. Mts., soll an allen Orten für die 
Gemeinschaftsschule geworben werden. Als Plal^at für diese Versamm- 
lungen soll dienen ein ,f lammender Protest gegen die Bom- 
bardierung des Schiffes „Deutschland" durch dieBol- 
schewisten in Spanien.' Nach kurzem Protest in der Versamm- 
lung soll dann zum Thema Kirche übergeleitet werden (,Poli tischer 
Katholizismus', ,Ultramontan' und ähnliche Schlagwörter!). Wenn dann 
die Masse etwas eingestimmt ist, soll der Redner an die Versammlung 
Fragen stellen,. zu deren Beantwortung Leute bzw. ein Chor recht- 
zeitig aufgestellt werden soll. Unter anderem sollen folgende 
FraT;en gestellt werden: * 

1. Wer hat den Staat gerettet? — Die bestellten Leute sollen 
rufen: Adolf Hitler. 

2. Wer sabotiert dauernd die Aufbauarbeit des Führers? — Ant- 
wort der Bestellten: Die Kirche. 

3. Wer soll in Zukunft die Jugend führen? — Antwort: Nur noch 
Staat und Partei. 

96 



4, Wollt Ihr Eure Kinder in die deutsche Volksschule schicken? 
(Das Wort .Gemeinschaftsschule' ist nicht zu gebrauchen!) Antwort: 
Ja! (Diese Antwort soll als Zustimmung für die Gemeinschaftsschule 
gelten). 

5. Wollt Ihr mit uns an der deutschen Volksschule den Religions- 
unterricht beibehalten? — Antwort: Ja! 

Anschließend sollen Werbezettel der Deutschen 'Schulgemeinde ver- 
teilt werden. Eltern, die sich weigern, zu unterschreiben, müssen zu 
Hause aufgesucht und es muß ihnen eindeutig zu erkennen gegeben 
werden, daß das Nichtunterschreiben Ausschluß aus den Formationen 
bedeutet ..." , 

Wäre es nicht um eine so ernste Sache gegangen und wäre es 
nicht eine Schande gewesen für deutsche Bürger, sich so am natio- 
nalsozialistischen Gängelband führen zu lassen, so müßte man heute 
noch über dieses Komödienspiel lachen. Aber es war eher zum 
Weinen, ein Schwindel vom Anfang bis zum Ende. 

Auch die Lehrer müssen für die Gemeinschafts- 
schule we rben. 

Der Leiter der Deutschen Schulgemeinde, Stadtschulrat Bauer, 
ließ (natürlich nicht „amtlich!") Schulleitern einen Aufruf auf den 
Katheder legen, der u. a. sagte: 

„In den vergangenen Wochen wurden über die Ziele der deutschen 
Schulgemeinde Unwahrheiten verbreitet, die eine Irreführung der öffent- 
lichen Meinung bedeuten. So ist es unwahr, daß die Schulgemeinde die 
Religion beseitigen oder eine Gottlosenschule einführen will. Sie will 
auch keine andere Religion schaffen. 

. . . Wir haben die Kirche vor dem Bolschewismus und die Schule 
vor Gottlosigkeit bewahrt. Wir werden immer dafür eintreten, daß der 
Religionsunterricht in. der gleichen Stundenzahl von den Religions- 
lehrern erteilt wird. 

Die Schulform in den Landschulen zu ändern ist nicht Sache der 
Schulgemeinde, Jenen unverantwortlichen Elementen, welche Lügen 
'über die Deutsche Schulgeraeinde verbreiten, geht es auch scheinbar gar 
nicht um die Religion. Sie wollen nur Unruhe und Gewissenskonflikte 
in die Elternschaft hineintragen und die vom Führer erkämpfte Volks- 
gemeinschaft zerstören. 

Die oberbayerischen Eltern werden ihnen damit die richtige Antwort 
geben, daß sie sich geschlossen zur Schulgemeinde ihrer Kinder be- 
kennen und in dieser Erziehungsgemeinschaft mitarbeiten für die Jugend, 
welche dereinst das Werk des Führers vollenden soll. In einem einigen, 
starken, freien und na.tionalsozialistischen Deutschland! 

Heil Hitler! 
München, den 4. 7. 1936 

Der Leiter 

der Deutschen Schulgemeinde 
München und Oberbayern 
I gez. Josef Bauer 

Stadtschulrat." 

Neue Tricks! Abstimmungsschwindel! 

•Trotz all dieser hemmungslosen Propaganda für die „Deutsche 
Gemeinschaftsschule", trotz der Knechtung aller außerkirchlichen 

Kreuz und Hakenkreuz 7 97 



Werbungen für die Bekenntnisschule war man des Erfolges noch 
nicht recht sicher und mußte zu neuen Tricks und ^ Rechts- 
verletzungen schreiten: 

Die Abstimmung wurde vielerorts mitten in die Arbeitszeit 
verlegt, so daß schließlich überhaupt niemand dazukommen konnte, 
wenn er nicht Fabrik- oder Feldarbeit verlassen und in die Ge- 
meindekanzlei zur Willensäußerung gehen wollte. So war dann 
vielerorts der Bürgermeister der einzige, der „abstimmte" — für 
die Deutsche Gemeinschaftsschule — und meldete, diesmal aus- 
nahmsweise, „wahrheitsgetreu", wenn auch in ganz ungewohntem 
Sinn: „Die Gemeinde NN. hat sich einstimmig für die Um- 
wandlung der Bekenntnisschule in eine Gemeinschaftsschule er- 
klärt," „Einstimmig" bedeutete freilich hier allzu wörtlich „mit 
nur einer Stimme" aus der ganzen Gemeinde, nämlich der des 
Bürgermeisters allein. ' 

Bischof Franz Rudolph von Trier berichtet in seiner 
Predigt am 28. März 1937 ein anderes Beispiel seltsamer Volks- 
befragung. 

„In einem Dorf hat der Ortsbürgermeister am Freitag, also schon 
einen Tag, bevor die Abstimmung gehalten wurde, die Gemeinschafts- 
schule angekündigt und durch die Ortsstelle bekanntgegeben: ,Es ist 
beabsichtigt, auch hier die Gemeinschaftsschule einzuführen. Wer etwas 
dagegen einzuwenden hat, kann heute abend um 7 Uhr auf dem 
Bürgermeisteramt seine Gründe vorbringen (also nicht etwa seine 
Stimme für die Bekenntnisschule abgeben!). Natürlich ist keiner zu dieser 
Abendstunde zum Vorbringen seiner Gründe gegen die Gemeinschafts- 
schule gekommen. Die Zeitung aber meldete: 100 Prozent haben 
fiir d"ie Gemeinschaf tsschule abgestimmt." 

Ähnlich ein anderer Fall: „In einem Orte — Ich nenne absichtlich 
die Orte nicht — wurde nachmittags um 2 Uhr (werktags nachmittags!) 
von der Gemeindebehörde eine Bekanntmachung angeschlagen mit dem 
Inhalt, daß mit dem Beginn des neuen Schuljahres hier die Gemeinschafts- 
schule eingeführt wird. Wer dagegen ist, muß bis 7 Uhr abends in der 
Gemeinde Einspruch erheben." Keiner kam. Nun sofort wieder die posi- 
tive Ausdeutung: 100 Prozent haben für die Gemeinschaftsschule ge- 
stimmt! 

Bischof Sebastian von S^peyer gab in seiner Predigt 
vom 11. April 1937 bekannt: 

Man hat in manchen Gemeinden, von denen man wußte, daß sie 
überwiegend für die Bekenntnisschule stimmen würden, überhaupt 
nicht abgestimmt und doch 100 Prozent für die Gemein- 
schaftsschule verkündet. 

Man hat in anderen Gemeinden die erste Abstimmung, die 100 
Prozent für die Bekenntnisschule ausfiel, nicht gelten lassen 
und eine zweimalige und dreimalige Abstimmung unter Mas- 
senaufwendung von Personen und Druckmitteln vorgenommen, bis end- 
lich das gewünschte Ergebnis kam. — Einzelne Werber haben mit ver- 
schleiernden und falschen Angaben ahnungslose Frauen getäuscht und 
zur Unterschrift gebracht, z. B. mit Angaben: „Es wird in der Schule 
nichts geändert." „Es bleibt alles beim altfen." „Es handelt sich darum, 
daß der Religionsunterricht in der Schule bleibt." 

98 



Neben der Werbung mit allen erlaubten und unerlaubten Pro- 
pagandamitteln, neben Lug und Trug wurden auch noch Zwang 
und Terror benützt, um die Eltern von kirchlichen und konfessio- 
nellen Schulen abzuschrecken, Sie wurden mit Entlassung, mit Aus- 
schluß vom Winterhilf s werk und ähnlichem bedroht. 

So kam z. B. zu dem Verfasser eines Tages ein einfacher Arbeiter 
und berichtete tief bekümmert: „4 Jahre bin ich arbeitslos gewesen und 
habe mich so gefreut, daß ich endlich wieder Arbeit fand, bei der 
Reichspost zum Waschen der Omnibusse verwendet wurde. Und nun 
bin ich wieder Knall und Fall entlassen, weil ich meine Kinder noch in 
die Schule der Armen Schulschwestern am Anger gehen lasse." 

Bischof Sebastian von Speyer führte in . der Predigt vom 11. April 

1937 ein anderes Baispiel der Erpressung an: „Ein Arbeiter schreibt: 
, Ahnungslos kam ich am Samstag "abends von der Arbeitsstelle heim. 
Da wurde ich sofort herausgeholt und auf das Gemeindebüro mitgenom- 
men. Dort habe ich sofort erklärt: Ich will die römisch-katholische 
Schule. Damit wollte ich wieder fort. Der Zellenleiter und ein Beamter 
hielten mich aber zurück und schrieben einen Zettel ' an meine Firma 
und erklärten, ich sei somit von der Arbeit entlassen. Ein Gendarm 
sagte mir: Wenn ich nicht unterschreibe, könne ich nicht mehr Staats- 
ärbeiten bekommen. Man redete mir zu: ,Es kommt ja doch noch. Sie 
machen sich nur unglücklich!' In Aufregung und Verwirrung unter- 
schrieb ich. Aber niemals, auch heute nicht,' will ich etwas anderes als 
die katholische Schule." , 

Anderswo, besonders in Wien, benutzte man einen anderen 
Druck, um die Eltern davon abzuhalten, ihre Kinder in die Be- 
kenntnisschule zu schicken: Man ließ die Angehörigen dieser Schule 
möglichstweiteWegegehen. In der Großstadt für Kinder 
eine große Gefahr! 

Mit solchen Mitteln und Methoden „entkonf essionaliöierte" man 
im Dritten Reich die Schule und schuf die nationalsozialistische 
Einheitszwangsschule. Kultusminister Hipp hatte recht, wenn er 
in seiner Verfügung vom 23. Juli 1945 erklärte: 

„über diese eindeutige Rechts- und Sachlage, wie sie seit 1933 be- 
stand, setzte sich der nationalsozialistische Staat bedenkenlos hinweg, 
um seine kirchen- und bekenntnisfeindlichen Bestrebungen auf dem 
Gebiet des Volksschulwesens zu verwirklichen. Es entsprach aber seiner 
sonstigen Kampfweise, wenn er die geltenden Bestimmungen nicht 
änderte oder nicht offen brachte; er suchte vielmehr für seine Rechts- 
verletzungen den Schein des Rechtes. Er führte infolgedessen zur Um- 
wandlung von Bekenntnisschulen in bekenntnisfreie Schulen Abstim- 
mungen der Erziehungsberechtigten herbei. Diese Abstimmungen spra- 
chen allerdings jedem Gefühl der Gerechtigkeit Hohn. Die Erziehungs- 
berechtigten wurden entweder einem Druck ausgesetzt, dem sie sich 
ohne Befürchtungen für ihre Existenz nicht entziehen konnten, oder sie 
wurden in für andere Zwecke einberufenen Versammlungen derart über- 
rumpelt, daß sie überhaupt nicht wußten, in welch schwerwiegender 
Sache sie abgestimmt hatten. Die gesetzlich vorgeschriebene Einholung 
des Gutachtens der kirchlichen Oberbehörde unterblieb auch in der 
überwiegenden Zahl der Fälle. Auf Grund solcher Machenschaften 
konnten die Gauleiter dem Ministerium berichten, daß in ihren Gauen 
alle Bekenntnisschulen in bekenntnisfreie Schulen umgewandelt seien, 
und das Ministerium sprach den Beteiligten mit M. B. vom 24. Oktober 

1938 (Regierungsanzeiger Nr. 300) sein Lob über das Ergebnis aus und 

99 



stellte fest, daß in Bayier» keine Bekenntnisschulen mehr vorhanden 
seien. Schließlich hat das Ministerium den erwähnten Artikel 10 des 
Schulbedarf sgesetzes (,daß die Bereitstellung der Mittel zur Errichtung 
einer Volksschule eines Bekenntnisses angeordnet werden könne, wenn 
in einer Gemeinde oder Ortschaft oder in mehreren im Umkreis von 
3,5 km Halbmesser gelegenen Gemeinden, Ortschaften, Weilern oder 
Einzelhöfen nach dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre 50 oder mehr 
hauptschulpflichtige Kinder des Bekenntnisses der Minderheit vorhan- 
den seien . . .'), bei der Neufassung des Gesetzes vom 11. Januar 1939 aus 
dem Gesetz entfernt und nur noch übergangsweise (Artikel 20) erwähnt, 
obwohl bei der Neufassung von 1939 sachliche Änderungen unzulässig 
waren ... Der durch unsittliche und unerlaubte Mittel 
herbeigeführte Zustand ist als rechtsunwirksam an- 
zusehen." 

Genau so waren zu Anfang 1939 alle Bekenntnisschulen in 
Württemberg, Baden, Sachsen, Thüringen, Oldenburg, Saarpfalz, 
außerdem in einem großen Teil von Preußen und in ganz Öster- 
reich, im ganzen mehr als 10 000 katholische Schulen des „Dritten 
Reiches", zwangsweise in nationalsozialistische Gemeinschafts- 
zwangsschulen verwandelt. 

Die Vertreibung klösterlicher Lehrkräfte. 

Gleichzeitig mit diesen Terrormaßnahmen gegen die Bekennt- 
nisschule ging der Kampf gegen die klösterlichen Lehrkräfte, 
Schulen und Institute. 

Auf der Frühjahrsschulung der Erzieher des Traditionsgaues 
verkündete Staatsrat Dr. Boepple im Jahre 1936 laut „Völkischer 
Beobachter" vom 23. Mai 1936: 

„Es würden 300 neue Volksschullehrerstellen für das Land Bayern 
geschaffen, von 1600 klösterlichen weiblichen Lehrstellen 600 in welt- 
liche umgewandelt. Zweieinhalb Millionen Mark seien bereitgestellt, um 
bedürftigen Gemeinden Zuschüsse zu Schulhausbauten und zur Her- 
richtung der Lehrerwohnungen zu geben. Die Maßnahmen würden auch 
im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Die Umwandlung aller 
klösterlichen Lehrstellen in weltliche sei unbedingt 
notwendig, da der Staat sein Erziehungswesen zentral in der Hand 
haben müsse." 

Der wirkliche Abbau der klösterlichen Lehr- 
kräfte setzte dann am 1. Januar 1937 ein: 600 Lehrschwestern 
wurden in Bayern auf einmal auf die Straße gesetzt. Den national- 
sozialistischen Staat kümmerte es keinen Deut, was diese plötzlich 
entlassejien Schwestern nun zu tun hätten, wovon sie (ohne Pen- 
sion) lebten, wo sie Unterkunft fänden usw.. Trotz des drückendsten 
Lehrermangels setzte er die Ausweisung der Ordensfrauen aus der 
Schule andauernd fort: Bis Mitte 1938, also in bloß eineinhalb 
Jahren, wurden von 1676 Klosterfrauen, welche in bayerischen 
Volksschulen tätig waren, 1200, entlassen! 

Dazu kam dann noch die Vertröbung der Schwestern aus städ- 
tischen und gemeindlichen Kleinkinderbewahranstal- 
ten, Kindergärten, Kinderhorten, Nähstuben, 

100 



Handarbeitskursen, H aushal tun gs schulen und 
ähnlichem. 

Schließung k 1 ö s t e r 1 i c h e r S c h u 1 e n. 

Auch das war den Feinden der Kirche und Orden und Ordens- 
schultätigkeit noch nicht genug. Nachdem bereits 1937 den Kin- 
dern von Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes 
der Besuch klösterlicher Schulen verboten worden war, wurde zu 
Ostern 1938 durch das bayerische Unterrichtsministerium schlag- 
artig auch noch die Schließung oder der stufenweise Abbau 
von 84 klösterlichen Lehranstalten (64 weiblichen 
und 20 männlichen), die Ordenseigentum waren, angeordnet. 

Das war nationalsozialistische Erfüllung des Artikels 9 des 
bayerischen Konkordates: „Orden und religiöse Kongregationen 
werden unter den allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen zur 
Gründung und Führung von Privatschulen zugelassen!" 

Das war die Treue zu der in Artikel 25 des Reichskonkordates 
eingegangenen Verpflichtung „Orden und religiöse Kongregationen 
sind im Rahmen der allgemeinen Gesetze und gesetzlichen Bedin- 
gungen zur Gründung und Führung von Privatschulen berechtigt." 

Das war die Einlösung des Hitlerwortes: „Was wir versprechen, 
das halten wir. "Was wir nicht halten können, versprechen wir 
nicht." 

Er hätte weiterfahren können: „Was wir letzten Endes wollen, 
das sagen wir nicht. Wir haben für alles eine scheinheilige Begrün- 
dung, z. B. für die Aufhebung weiblicher Mittelschulen die Besorg- 
nis um die Gesundheit der Schülerinnen; denn ,nachgewiesener- 
maßen' sind die Lehrschwestern dieser Anstalten vielfach lungen- 
krank!" (Eine solche Scheinbegründung wurde tatsächlich ver- 
sucht!!) 

Raub klösterlicher Schulräume! 

Nach der Schließung der klösterlichen Gymnasien, Mittel- 
schulen, Lyzeen, Aufbauschulen, Haushaltungsschulen u. ä. kam 
der Raub ihrer Räume und Lehrmittel. Ein eigenes bayerisches 
Gesetz ermächtigte die Gemeinden, sich erforderlichenfalls in den 
Besitz der klösterlichen Anstaltsgebäude und Schulen auf dem 
W^ege der Zwangsenteignung zu setzen. Das geschah z. B. 
in München selbst ganz ausgiebig: Die erstklassigen Schulgebäude 
der Armen vSchulschwestern am Anger, in der Au, ebenso jene der 
Servitinnen in der Herzogspitalstraße wurden von der Stadt in 
Beschlag genommen. In Straubing wurde außer den Schulräumen 
auch noch ein großer Teil der Klausurräume des Ursulinen- 
klosters genommen. 

Das katholische Volk Bayerns war wie vor den Kopf geschlagen, 
als es durch einen flammenden Hirtenbrief der bayerischen Bischöfe, 
der trotz aller staatlichen Verbote am 21. und 28. Juni 1936 von den 

101 



Kanzeln verlesen wurde, Kenntnis von diesen Zwangsmaßnahmen 
gegen Klosterfrauen und Klosterschulen erhielt. 

Es ist bezeichnend, was der Stützpunktleiter von Schwanenkirchen 
(Nby.) darüber an seine Kreisleitung berichten zu müssen glaubte: 

„Stützpunkt der NSDAP Schwanenkirchen, den 8. Juli 1936 

Schwanenkirchen 

An die 

Kreisleitung der NSDAP 

Deggendorf 

Betreff: Auswirkung des Verlesens vom Hirtenbrief wegen Abbau der 
klösterlichen Lehrkräfte 

In der hiesigen Pfarrkirche wurde am Sonntag, den 28. Juni, der 
Hirtenbrief durch Verlesen bekanntgegeben. Von der Bevölkerung der 
hiesigen Pfarrei wurde die Anordnung der Regierung in bezug auf Ab- 
bau der klösterlichen Lehrkräfte fast allgemein als ungerecht, 
von einem Großteil der Pfarrangehörigen als ausgesprochene 
Härte und als direkterAngriffaufdieReligion aufgenom- 
men und hat große Mißstimmung und Aufregung, zum Teil auch bei 
Parteiangehörigen, verursacht. Diese Regierungsanordnung wirkt sich 
im Bereich des Stützpunktes ganz besonders ablehnend aus, da sich hier 
eine Klosterschule befindet, deren Lehrkräfte seit jeher ganz beson- 
ders eifrig und vorbildlich für die Schuljugend ge- 
wirkt haben. Ganz besonders muß lobend, hervorgehoben werden, daß 
sich die Schwestern der hiesigen Klosterschule seit jeher große Ver- 
dienste erworben haben außer den reinen Schulaufgaben, durch Ein- 
lernen aller Arten von Handarbeiten für die Mädchen, die für dieselben 
äußerst wichtig und notwendig sind. Keine Mädchenschule der 
Umgebung kann ähnliche Erfolge in diesem Fach auf- 
weisen. Unter der Bevölkerung wird die Besorgnis laut, weltliche 
Lehrkräfte würden sich nicht die Mühe geben mit den Kindern, wie 
dies bisher von den Klosterschwestern geschehen ist. D^e hiesige Be- 
völkerung verfolgt mit wachsender Besorgnis den von der Regierung 
angekündigten Abbau der klösterlichen Lehrkräfte und kann diese Maß- 
nahmen nicht verstehen, zumal sich die hiesige Klosterschule, für alle 
Schichten der Bevölkerung zum Vorteile ausgewirkt hat. Weiterhin 
spielt auch der Umstand eine große Rolle, daß Angehörige seßhafter 
Familien von hier als Klosterschwestern irgendwo leben, deren Existenz 
durch diese Maßnahmen verlorengehen würde. Durch diese angekün- 
digte Aufhebung der Klosterschulen bemächtigt sich der hiesigen Be- 
völkerung eine stark gedrückte Stimmung, vielfach auch eine ausdrück- 
liche Abneigung gegenüber der Partei. Selbst mehrere Pg. haben mir 
offen ihre Bedenken dagegen geäußert. Ich muß berichten, daß diese 
Maßnahme von der Bevölkerung absolut nicht verstanden werden kann 
und diese nahezu hundertprozentig dagegen eingestellt ist 
und daß ferner dadurch das Vertrauen zur Partei erheblich geschwun- 
den ist. Ich bin als Leiter des Stützpunktes der NSDAP von der hiesi- 
gen Bevölkerung, auch von Pg., wiederholt aufgefordert worden, diese 
vorerwähnten Bedenken an Herrn Kreisleiter zu berichten, damit von 
dieser Stelle aus im gleichen Sinne an die obersten Parteistellen über 
die Einstellung der Landbevölkerung zum geplanten Abbau dieser Maß- 
nahmen Bericht erstattet wird. Auch werden jenen Gemeinden, in denen 
bisher Klosterschulen bestanden, durch den Bau von Schulhäusern und 
Lehrerwohnungen ganz erhebliche Belastungen bevorstehen. 

Heil Hitler! 
StützpunIcUeiter.'* 

102 



Wie schwer den Schwestern selbst und den Kindern der Ab- 
schied von der klösterlichen Schule fiel, wie rücksichtslos nun aber 
nationalsozialistischerseits und behördlicherseits gegen Schwestern 
und Kinder vorgegangen wurde, wie man den Schwestern statt 
eines Dankes geradezu einen Fußtritt gab, zeigt nachfolgender Be- 
richt über Vorgänge in Mühldorf (Obb.) am 24. März 1937, dem 
letzten Tag des Schuljahres, das zugleich Schluß der Schultätigkeit 
der Schwestern sein sollte: 

,tAm Ende der Flaggenehrung um 8 Uhr sangen nicht alle Schwe- 
stern bei den Nationalhymnen mit, alle — bis auf eine — erwiesen aber 
den Deutschen Gruß. Nach dem Siegheil auf den Führer betrat der 
Schulrat Pietsch das Podium und erklärte im heftigen Ton: ,Die Schwe- 
stern haben nicht mitgesungen. Die Mühldorf er Jugend marschiert 
trotzdem Weiter im Dritten Reich. Nochmals Siegheil auf den Führerl' 

Im Auftrag des Schulrates verteilten sich die Lehrer auf die einzel- 
nen Mädchenklassen, um für schleunige Entlassung der Kinder zu sor- 
gen. Den Schwestern — mit einer Ausnahme — wird erklärt, sie hätten 
das Schulhaus sofort oder baldmöglichst zu verlassen. 
Die Schwestern erklären, sie hätten noch Zeichnungen etc. zurückzu- 
geben. Währenddessen werden vom Lehrer die Kästen etc. nach Gegen- 
ständen durchsucht, die die Schwestern vielleicht geschenkt bekommen 
hätten. Die aufgeregten Kinder werden von Lehrern teilweise mit Ge- 
walt entfernt. Viele lassen sich einfach nicht vertreiben^ sammeln sich 
immer wieder und kehren zurück. Die Schwestern versuchen vergeb- 
lich, die Kinder zum Heimgehen zu bewegen. Das rücksichtslose Vor- 
gehen der Lehrer hat verschiedentlich auch Auseinandersetzungen mit 
Schwestern zur Folge. Bezeichnend ist, daß ein Lehrer sogar mit einem 
Dietrich erscheint in der Vermutung, eine Schwester könnte sich mit 
den Kindern im Schulzimmer eingeschlossen haben. Der Aufforderung, 
sofort die Schlüssel zu den Schulzimmern abzuliefern, begegnen die 
Schwestern mit der Erklärung, sie müßten die Schulzimmer noch räu- 
men. In der 3, Mädchenklasse verlangt der Lehrer ein Blatt mit 
Namensunterschriften der Kinder, die bestimmt wären für einen Brief 
an den Heiligen Vater, und nimmt das Blatt an sich. Verschiedentlich 
werden auf der Straße Kindern die Andenkenbilder, die sie von 
den Schwestern erhalten hatten, von Lehrern zerrissen. Ein 
Mädchen muß sogar den Schuh ausziehen. Der Hand- 
arbeitsschwester wird von einem Lehrer der Handarbeitenkorb durch- 
wühlt, einer Frau sogar ihre TasChe. 

Das Schulhaus wird geschlossen. Kinder, die Taschen etc. zurück- 
gelassen hatten, dürfen das Schulhaus nur mehr betreten mit einem 
schriftlichen Ausweis von ihren Eltern oder von Lehrer Krieger, um 
die Sachen zu holen, und dann nur unter Aufsicht des Hausmeisters. 
Begreiflicherweise herrscht bei der Bevölkerung eine große Erregung! 

Um 2 Uhr nachmittags ist die Frau Oberin zum Bürgermeister Goll- 
witzer (ehemals protestantischer Pfarrer von Mühldorf, ein paar Tage 
bayerischer Landesbischof der .deutschen Christen'!) in das Rathaus ge- 
beten, wo der Schulrat, der Schulleiter und andere versammelt sind. 
Die Frau Oberin begibt sich mit einer Schwester in das Rathaus. Die 
Verhandlungen verliefen in großen Zügen folgendermaßen: Der Bürger- 
meister erklärt, sie seien heraufgebeten worden, da am Vormittag Dinge 
vorgekommen seien, die nicht in Ordnung gewesen wären. Die den 
Schwestern gewährte .Frist, noch 10 Tage im April in 
ihrem Hause bleiben zu dürfen, müßte er zurück- 
ziehen. Die einzelnen Punkte: 
1. Es sei eine staatswidrige, weil gesetzlich verbotene Sammlung 

g«lMiUiea worden. — Antwort: Von der Geldsammlung durch dl« 

103 



Kinder hätten die Schwestern nichts gewußt. Das Geld wird dem 
Befehl gemäß noch heute auf dem Stadtrat abgeliefert. (RM. 23.—!) 

2. Verhetzung des Volkes: Das wäre heute morgen skandalös 
gewesen. Keine Lehrerin hal)e die Kinder angewiesen, dem Befehl 
des Schulfates zu folgen. Das sei keine Erzieherart, wie sich manche 
Schwestern gebärdet hätten. Lehrer Krieger erklärt^ daß sogar in 
den Aborten Kinder zurückgehalten worden seien. Das sei diabo- 
lische Verhetzung. Gemeint ist damit die Tatsache, daß zur Zeit des 
Tumultes zwei Schwestern mit einigen Kindern damit beschäftigt 
waren, eine im Abort befindliche Blumenstellage zu räumen, — Der 
Bürgermeister sagt, wenn die Schwestern in dieser Weise die Kinder 
und das Volk verhetzen, dann arbeiten sie dem Bolschewismus vor. 
Er weist sodann auf Spanien hin und auf die so ganz anderen Ver- 
hältnisse in Deutschland. 

3. Unterschriften. Die Schwester legt den Sachverhalt genau dar 
und sagt, daß die Sache vom Katecheten ausginge. Darauf wird erklärt, 
daß man sich in diese Dinge nicht einmische. Als der Schulrat ein- 
wendet, warum d^es die Schwester in der Schule nicht sofort erklärt 
hätte, erhält er zur Antwort: Bei dem Wort ,Unterschriften* denkt man 
heute doch sofort an Unterschriften der Eltern. Erst als der Lehrer die 
Kinder genauer fragte, merkte die Schwester, was gemeint sei. 

Schluß: Die Frau Oberrin muß in die Hand versprechen, die Schwe- 
stern zu beruhigen, jede Sammlung zu verbieten, zu sorgen, daß die 
Leute nicht mehr verhetzt werden und vor allem, daß die Schwestern 
unauffällig verschwinden (nicht über den Stadtplatz wie eine Wall- 
fahrt!), jRichten Sie mir keinen Saustall an!' 

Die Schwestern können die 10 Tage noch bleiben. 

Der Schulrat erklärte selber: ,Ich habe die Herren in die Klassen 
befohlen und da hätte sich niemand zu widersetzen gehabt.' 

Der Bürgermeister gab am Vormittag dem Hausmeister Fischer den 
strengen Befehl, daß die Schwestern sämtliche Schlüssel sofort abzu- 
liefern hätten. Der Schulleiter Vogl änderte das dahin, daß bis abends 
die Schlüssel abgeliefert sein müssen. Am Na.chmittag könnten die 
iSchwestern noch räumen, aber unter keinen Umständen dürfte eine 
Schülerin zu ihnen zugelassen werden. 

Über die Durchführung der letzten Maßnahme zu wachen, wird die 
HJ (Jungvolk) beauftragt! !" 

Deutsche Ritterlichkeit im „Dritten Reic h" ! 



Und nun die theologischen Hochschulenl 

Nach der Beseitigung der Bekenntnisschule, nach dem Abbau 
der klösterlichen Lehrkräfte, nach der Liquidierung der kloster- 
eigenen Mittel- und Oberschulen ging es an die Strangulierung der 
staatlichen und bischöflichen philosophisch-theologischen Hoch- 
schulen bzw. Fakultäten, die an den einzelnen bayerischen Bi- 
schofstädten der Ausbildung des Priesternachwuchses dienen und 
durch bayerisches Konkordat (Artikel 4) und Reichskonkordat (Ar- 
tikel 19 und 20) geschützt waren. Sie wurden zunächst sozusagen 
„ausgehunger t", indem man die Anstellung neuer Professoren 
immer mehr hinausschob bzw. ganz verschob. 

Die theologische Fakultät an der Universität München wurde 
ün Mai 1939 von Staatsminister Wagner kurzerhand geschlossen, 

104 



als Kardinal Faulhaber aus „G e Wissens g r ü n"d e h nicht seine 
nach dem Konkordat erforderliche Zustimmung zur Übertragung 
eines Lehrstuhles an den nationalsozialistisch eingestellten und 
tätigen Professor Barion geben konnte. 

Gleichzeitig wurde das mehrere Jahrhunderte alte Priester- 
semi^iar Georgianum aufgehoben und für andere Zwecke in 
Anspruch genommen. 

In Österreich wurde im Jahre 1938 als erste theologische Fakul- 
tät jene in Innsbruck geschlossen, gleichzeitig auch das Canisianum 
mit 37 amerikanischen, 10 englischen, 10 schweizerischen, 8 italie- 
nischen, 2 polnischen und je 1 französischen, holländischen und 
japanischen Theologen. Sie mußten samt den Patres in wenigen 
Tagen das Haus verlassen und in die Verbannung gehen, in die 
Schweiz. 

„Gauleiter Hof er möchte Hitler als Geburtstagsgeschenk ein juden- 
und priesterfreies Tirol präsentieren", schrieb ein aus dem Canisianum 
vertriebener amerikanischer Student am 6. Januar 1939 im Universe. 

Zwei Monate spater wurde auch die theologisch* Fakultät in 
Salzburg . auf gehoben.. . . 

Fesseln für den Religionsunterricht. 

Jahrelang hatten die Nationalsozialisten in ihrer Agitation 
gegen die Bekenntnisschulen mit dem Schlagwort gearbeitet: „In 
der Deutschen Gemeinschaftsschule bleibt alles 
wie zuvor. Nicht einen Finger soll an der christlichen Religion 
gerührt werden. Sie ist in der Gemeinschaftsschule genau so ge- 
sichert wie in der Bekenntnisschule." In Dutzenden von Versamm- 
lungen, in der ganzen nationalsozialistischen Presse, im Rundfunk, 
in Reden offizieller Persönlichkeiten, Minister eingeschlossen, wurde 
dieses Versprechen in aller Form gegeben. 

„Der Religionsunterricht in den Schulen wird 
niemals eine Einmischung erfahre n," erklärte bei- 
spielsweise Dr. Kerrl, Reichsminister für kirchliche Angelegen- 
heiten, am 24. November 1937 in Fulda, ebenso Gauleiter Bürckel 
in seiner Rede an die Auslandsdeutschen im August 1938, mit Nach- 
druck betonend: „Wenn auch der Staat in erster Linie für die 
Jugenderziehung verantwortlich sei, so könne doch die Kirche 
dieser Jugend ihre religiöse Unterweisung geben." ' 

Aber alle diese Versprechungen des Nationalsozialismus er- 
wiesen sich als bloße propagandistische Phrase. Das Ziel stand von 
Anfang an fest: Ausschaltung alles Christlichen aus Unterricht und 
Erziehung! Der Marsch zu diesem Ziel kannte nur Stationen, kein 
Halt. Das Tempo des Marsches mochte da und dort aus Klugheit 
verlangsamt werden, aber, sobald die Umstände günstiger er- 
schienen, wurde aufgeholt. 

Kreuz und Hakenkreuz 8 105 



Bischof Galen^Münster gab In seinem Hirtenbrief Vom 21. Dezember 
1936 verschiedene Phasen des Kami»fes gegen den Religionsunterricht 
bekannt: 

Der Religionsunterricht wurde vielerorts abgeschafft, z. B. für die 
landwirtschaftlichen Schulen. 

In vielen Städten wurden Religionslehrer vorzeitig pensioniert und 
nicht mehr ersetzt. 

In vielen Orten durfte der Religionsunterricht, selbst in den Be- 
kenntnisschulen, nicht mehr während der Schulstunden gegeben wer- 
den, sondern nur in der Freizeit. 

Lehrer und Schulleiter an Bekenntnisschulen (!) verkünden deri 
Schülern immer wieder ausdrücklich, daß keine Verpflichtung bestehe, 
dem Religionsunterricht beizuwohnen. Für junge Leute geradezu eine 
Aufforderung, ihm fernzubleiben! 

Am 10. Oktober 1937 muß Bischof Preysing, Berlin, in 
einem Hirtenbrief klagen: Auch auf dem Gebiet der Erziehung hat 
es solche Stationen gegeben. Zuerst war die Parole: „Fort mit der 
Bekenntnisschule! Die Einheit des Volkes verlangt dies." Dann: 
„Die Priester hinaus aus der Schule!" Was wird der nächste Schritt 
sein? Wird der Religionsunterricht ganz abgeschafft und antichrist- 
iiches Gedankengut den Kindern aufgezwungen werden?" 

Zunächst wurde der Religionsunterricht in der Schule zeit- 
lichbeschränkt: 

In Süddeutschland, seit 1935/36 von vier Wochenstunden auf 
drei Wochenstunden, später auf dreimal 45 Minuten. 

Im Kölner Gebiet im Mai 1937 in den oberen drei Klassen auf 
eine Stunde, 1938 auch noch in weiteren Klassen. 

Im Frühjahr 1938 bestimmte der Reichsunterrichtsminister all- 
gemein, daß wöchentlich nur noch zwei Religionsstunden sein 
sollten, für das sechste Schuljahr nur noch eine. (Turnen und Sport 
hatten wöchentlich fünf Stunden!) 

Dann ward der Religionsunterricht mancherorts auf recht 
ungelegene Stunden verlegt, z. B. in Bayern durch 
Ministerialverordnung vom 17. März 1939 auf die erste und 
letzte Stunde, damit Nichtteilnehmer entweder den Vorteil hat- 
ten, erst später in die Schule kommen zu müssen, oder den Vorteil 
genossen, schon früher nach Hause gehen zu dürfen, eine Anreizung 
zur Abmeldung der Kinder vom Religionsunterricht. 

Ähnlich bestimmte die Schulbehörde von Wien , im Sommer 
1939, daß an allen Schulen, in welchen noch Religionsunterricht 
gegeben wurde, seine Erteilung entweder nach Schluß des vormit- 
tägigen Unterrichts oder erst am Nachmittag erfolgen müsse. 

Der badische Unterrichtsminister verfügte ähnliches. 

Auch in den Zeugnissen wurde der Religionsunterricht auf 
die letzte Rubrik verwiesen, während das Turnen an die erste Stelle 
vorrückte. Ja, selbst die Bezeichnung mußte dort geändert wei?den: 
Statt „Religion" wurde jetzt der „konfessionelle Unterricht" be- 

106 



notet. Vielerorts wurde seit 1939/40 der Religionsunterricht über- 
haupt nicht mehr im Stundenplan aufgeführt. 

In den Berufsschulen wurde er zu Anfang 1940 voll- 
ständig abgeschafft. ' 

In den höheren Schulen wurde er in den Oberklassen 
ebenfalls ganz beseitigt, in den Unterklassen bedeutend verringert. 

Die Abmeldung vom Religionsunterricht wurde 
immer mehr erleichtert, konnte beispielsweise entgegen früheren 
Bestimmungen auch während des Schuljahres geschehen. 

Die größte Ungeheuerlichkeit aber waren die sogenannten 

„Bubenrudel" und „Erzählerkreise". 

Da und dort wurden Hitler jungen von ihren „Führern" eigens an- 
gewiesen, dem Religionsunterricht trotz innerlicher Ablehnung 
weiter beizuwohnen, um ihn zu bespitzeln, zu stören 
und fruchtlos zu machen. Nachfolgendes Rundschreiben 
spricht iür sich selbst: 

Deutsches Jungvolk in der Hitlerjugend. 

Geheim! Geheim! 

Verteilt an: Jungbannstab Zur Kenntnis an: 

Beauftragte des Jungbannführers Gebiet 22 

Stammführer Kreisleitungen. 

Allgemeine Anweisung! 
(folgt L— III.) 
Befehl 1/36 
Für die Beauftragten: 

Betrifft Bubenrudel. Wie ich bereits in der Führertagung 
vom 4. und 5. Juli ausgeführt habe, soll zukünftig das Bubenrudel wei- 
ter ausgebaut werden, um den Abwehrkampf gegen die Zersetzungs- 
arbeit der katholischen Aktion besser führen zu können. Da hierbei 
äußerst vorsichtig zu Werke gegangen werden muß, darf in der Aus- 
wahl der Führer keine Vorsichtsmaßnahme außer acht gelassen wer- 
den. Nur solche Führer, die vom SD überprüft wurden und außerdem, 
soweit es sich um Lehrer handelt, vom NSLB als geeignet beurteilt 
wurden, können für diese Arbeit verwendet werder^. 

Die Arbeit, die ihnen zufällt, ergibt sich aus der Aufgabe: 

1. Unmerkliches Überwachen des Religionsunterrichtes, bzw. der sog. 
Bibelstunden unter Feststellung der jeweiligen täglichen Tendenz. 

2. Gründung sog. Erzählerkreise zur Erfassung derjenigen Alterstufen 
(7 — 9jährige), die, durch die Gegenarbeit weltanschaulich am meisten 
gefährdet sind. (Freiwillig — Je besser d. Erzähler, desto größer sein 
Zuhörerkreis). 

3. Entgegenwirken einer Minderwertigkeitstendenz in der 
Bibelstunde am Vormittag durch Erzählen- von Anekdoten, Sagen, 
Kurzgeschichten aus der Bewegung und der deutschen Geschichte 
nachmittags, die in der gleichen Weise heroische Weltanschauung 
vertreten. 

4. Damit verbunden: Spiele, Bastelarbeit, Singen von Klotzliedern usw. 

5. Auftreten als Autoritätspersonen jgegenüber den Eltern als Ausgleich 
des Einflusses unseres Gegners. — Deshalb einwandfreie Lebens- 
führung und absolutes Vorbild für die Kleinen im Hinblick auf die 

107 



sphwere Verantwortung. Zwang darf in keiner Weise angewendet 
werden. 

Die Beauftragten sehen sich um geeignete Leute um, holen über 
dieselben bei obenbezeichneten Stellen vertrauliche Beurteilung ein; 
Behörden und sonstige Stellen sind unter gar keinen Umständen mit 
dieser Sache vertraut zu machen. 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich anführen, daß alle Beobachtungen, 
auch die kleinsten über die Arbeit der katholischen Aktion an mich per- 
sönlich unter Umgehung des Dienstweges von allen Führern zu melden 
sind. Von mir aus werden sie dann allen in Frage kommenden Stellen 
zusammengestellt zugeleitet. 

Nur belegte Ereignisse sind brauchbar..; 

' Dieses Rundschreiben ist absolut vertraulich 

z u b e h a n d e 1 n. 

gez. Otto Würschinger . Der Führer d. Jungbannes 306 

, Das war wiederum ein Schritt zu der von Bischof Pröysing 
genannten Station:. ,, 

„Di e P r i e;.s t er h i n a u s a ti s d e r S c h u 1 e" 

" In einer M 1 1 1; e Iklasse einerMün che n e r Sc hu 1 e 
würdö bei'Eihquartiefüng der SS gelegentlich des Miissoiihibesuches 
delr-Schraftk mit eiri^tn N ach Schlüssel geöffnet, beiliegendes Blatt 
iri den Katechismus eingelegt und dann der Kasten wiedier versperrt: 

, „Die Kinder nicht mit Gewalt verdummen, sondern aufklären • 
" über das Werk der Schöpfung! Deswegen gibt es eine deutsche 
Nation. Frei vom römischen Ungeist. Frei von Pfaffen- und 

Judengeist. 

Werdet freie deutsche Frauen und Männer! 

ii 

Ihr Erzieher glaubt doch hoffentlich nicht an diesen sog. Erzschwindel. 

Bitte, handelt als Deutsche! 

Religionsunterricht nur mit besonderer staat- 
licher Bevollmächtigung! 

Ein weiterer Schritt zu dieser Station war die Forderung, daß 
der schulische Religionsunterricht durch Geistliche von einer be- 
sonderen Erlaubnis staatlicher Stellen abhängig gemacht 
wurde. So schon 1936 in Westfalen und im Trierer Land. 

In Bayern verlangte eine Regierungsverfügung vom 10. März 
1938, daß die Geistlichen für die Erteilung des Religionsunterrichtes 
in Volksschulen die Ermächtigung durch den Regierungspräsidenten 
habeji müssen. Diese Befugnis sei zu versagen, hieß es dort, wenn 
ein Geistlicher Nichtarier, politisch verdächtig oder als Lehrer unr 
geeignet sei. 

Der bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus, 
Dr. Hipp, bemerkte in seiner Verordnung vom 23. Juli 1945 zu 
obiger Verfügung seines Vorgängers: 

108 



( ,;Diese Bestimmung richtete sich mit voller Absicht gegen die Geist- 
lichen der christlichen Kirchen und gegen sonstige Personen, die auf 
Veranlassung einer Religionsgesellschaft an einer öffentlichen Volks- 
schule .Religionsunterricht erteilen wollten." 

Wie die bayerischen Bischöfe insbesondere beklagen mußten, 
wurde nicht wenigen Geistlichen ohneAngabevon Gründen 
und ohne jede Möglichk eit einer Veirteidigung 
diese Erlaubnis zur Erteilung des lehrplanmäßigen Religionsunter- 
richtes versagt oder entzogen. 

Außerhalb Bayerns ging man. aber noch einen Schritt weiter: 
Man wies den Geistlichen allgemein aus der Schule und übertrug 
den Lehrern den Religionsunterricht. Bischof Preysing, Berlin, muß 
dies bereits im Hirtenbrief vom 10. Oktober 1937 beklagen. Bischof 
Galen, Münster", muß im November 1937 mit ihm bemerken, daß 
die Maßnahme ohne jede Fühlungnahme mit dem Bischof und 
unter Bruch des Reichskonkordates geschehen, sei. Ähnlich in Würt* 
temberg, Ermland, Freiburg,. Trier, Hildesheim und anderwärts. 

Wie der Religionsunterricht vieler, Lehrer, die ganz mit national- 
sozialistischen Ideen erfüllt waren, . ausfiel, läßt sich. leicht/denken» 
Die bayerischen' Bischöfe sahen sich gezwungen, in ihrem HirteiiT 
brief vom 13. Dezertiber 1936 zu klagen:. „Es gibt Lehrer, jdie, einen 
unchristlichen Geist in den Religionsunterricht bringen und selbst 
den Bibelunterricht dermaßen geben, daß die Kinder . an i^hrem 
Glauben verwirrt werden müssen". Das galt natürlich in anderen 
Ländern genau so. 

In Bayern wiederum suchte man überdies- die Volksschullehrer 
möglichst davon abzuhalten, noch irgendwie an der religiösen Unter- 
weisung der Kinder mitzuwirken. So z. B. versandte im Winter 1938 
der Kreisleiter des Nationalsozialistischen Lehrerbundes von Für- 
stenfeldbruck (bei München) allen Lehrpersonen seines Bezirkes 
nachfolgenden Fragebogen; 

1. Geben Sie noch Eibelunterricht? 

2. Wenn ja, warum? 

3. Können Sie den Unterricht im Alten Testament in Einklang brin- 
gen mit den rassischen Gesichtspunkten? 

' 4. Wünschen Sie den Bibelunterricht einzustellen? 

5. Versehen Sie noch den Organistendienst? 

6. Wenn ja, bestehen dafür besondere Gründe? 

7. Wünschen Sie diesen Dienst, aufzugeben? 

8. Gehören Sie der Partei an? 

Als das Erzbischöfliche Ordinariat von München am 27. April 
1939 bestimmte, daß in Rücksicht auf die Kürzung der Religions- 
stunden der Religionsunterricht in den oberen Klassen nur 
durch Geistliche zu erteilen sei, hielten es die städtischen Schul- 
behörden für angezeigt, alle Lehrpersonen aufzufordern, zum Protest 
gegen diese „Beschimpfung des Lehrerstandes" den Religionsunter- 
richt auch in den unteren Klassen niederzulegen. 

109 



In vielen Schulen Berlins tat man im Herbst 1937 den letzten 
Schritt zu dem schon von Anfang an gesetzten Ziel: Der Religions- 
unterricht wurde plötzlich vollständig abgeschafft. Den Eltern ward 
mit einem Zirkular mitgeteilt: Wenn sie wünschten, daß ihre Kinder 
weiterhin in Religion unterrichtet würden, so könnte dies außerhalb 
der Schule geschehen. 

„Staatsgefährliche Religionslehrmittel" 

Eine neue Fessel für die kirchliche Schultätigkeit, einen neuen 
Schritt zur vollen Entchristlichung der Schule bedeutete es, wenn 
immer mehr religiöse Lehrmittel ausgeschaltet wurden. 
So z. B. verbot die badische Unterrichtsverwaltung am 27. Januar 
1937 die Weiterbehandlung der von der Fuldaer Bischofskonferenz 
herausgegebenen sogenannten „Katechismus Wahrheiten" 
in der Schule, ja ließ sie durch Lehrer den Kindern direkt wieder 
abnehmen. 

Am 24. Juli 1937 verbot der gleiche badische Unterrichts- 
minister die Weiterbenützung der seit Ostern 1936 in den Schulen 
der Erzdiöizese Freiburg eingeführten, seit vielen Jahren in der 
Erzdiözese Breslau und anderwärts gebrauchten „Biblischen 
Geschichte" in den Volksschulen und dehnte dieses Verbot 1938 
auch auf die höheren Schulen aus. 

Am 29. November 1937 stellte derselbe badische Minister für 
Unterricht und Kultus an die kirchliche Behörde sogar die Zu- 
mutung, das Alte Testament in den Schulen über- 
haupt nicht mehr behandeln zu lassen. Ähnliche For- 
derungen hatten rheinländischä Lehrer schon 1936 gestellt 
(siehe „Westdeutscher Beobachter" vom 25. Oktober 1936). Der 
Regierurigspräsident von Münster hatte schon am 8. Januar 1936 
bestimrrit, daß in Rücksicht auf die Kürzung der Religionsstunden 
auch eine Stoff kürzung erfolgen müsse, und zwar durch Ausschluß 
des Unterrichts über das Alte Testament. Die Regierung von An- 
halt verordnete im Januar 1939 neuerdings mit allem Nachdruck, 
daß das Alte Testament niqht mehr im Religionsunterricht behan- 
delt werden dürfte, Weisungen, welche die mit dem Religionsunter- 
richt betrauten weltlichen Lehrer natürlich willig und nicht ungern 
befolgten. 1937 legten 37 badische Lehrer den Religionsunterricht 
nieder, ' 

In Bayern unterband man den Neudruck von Katechismus- 
büchern, Biblischer Geschichte und DiÖzesangebetbuch mit der Be- 
gründung des Papiermangels, der aber für andere Drucksachen 
zweifelhaftester Art nicht bestand (1941). 

Direkt verboten wurden an kirchlich approbierten Religions- 
büchlein: 

Dr. Martin: Glaube und Leben, Merkbüchlein für den katho- 
lischen Religionsunterricht in den bayerischen Volksschulen; 

110 



Cohnen- Andres: Die Lehre von der Kirche; 
Thoma: Weg, Wahrheit, Leben. 

Der nationalfsozialistische Staat brauchte andere Schulbücher, 
als solche mit klarer Darstellung der christlichen Wahrheiten und 
mit christlichen Gebeten. 

Der neue Religionsunterricht: 

Als Vorbild würde das Buch Schenzingers: „Hitlerjunge Quex" 
im Jahre 1936 da und dort den Schulkindern der fünften und 
sechsten Klasse gegeben. Darin war z. B. die nationalsozialistische 
Auffassung von „Unsterblichkeit" dargeboten, indem Quex, tief 
traurig über den Tod seiner Mutter, gar nicht glauben kann, daß 
sie für immer ausgelöscht sein soll, bis er auf einmal die Erlösung 
von allem Schmerz erhält durch die Erkenntnis: „Die Mutter 
lebt noch in mi r." Ein Buch mit heidnischen Ideen . ; . 

Im Sommer 1936 Wurde in Mittelschulen das Buch des Staats- 
ministers Dr. Paul Schmitthenner, Universitätsprofessor vor> Heidelberg, 
„Führer und Völker" eingeführt. Darin werden Kirche und Papsttum 
in den schwärzesten Farben als die Todfeinde des deutschen Volkes ge- 
schildert, die wichtigsten katholischen Glaubenswahrheiten als voller 
Gegensatz zur deutschen Tradition hingestellt; die Reform von Cluny 
als undeutsch, römisch angeprangert, besonders ob des Geistes der Buße 
und der Priesterherrschaft, der Forderung des Zölibats usw.; die Kreuz- 
züge mit ihren Millionen von Todesopfern werden einseitig verurteilt; 
Luther wird als der große Führer des deutschen Volkes und Heros im 
Kampf gegen den geschworenen Hauptfeind „in Rom" verherrlicht usw. 

In München-Feldmoching benützte ein Volksschullehrer im Jahre 
1939 eine Ausstellung, die er mit Knaben der 6. Klasse über „Volks- 
gesundheit" in der Schule veranstaltete, unter anderem zu folgender 
Darstellung über „Geistiges Gift": 

Ein Bild zeigte 6 Figuren: Im Vordergrund waren zwei Juden mit 
dem Talmud unter dem Arm; hinter ihnen standen zwei Kommunisten 
mit einem toten Mann zu ihren Füßen; "dann sah man zwei Gestalten, 
die leicht als katholische Ordensleute zu erkennen waren: eine davon, 
ein Mönch in Talar, hielt in der einen Hand einen Stock, in der anderen 
eine Buchrolle mit der Aufschrift: „Alle Menschen sind gleich. . Liebet 
Eure Feinde!"; die zweite Figur, eine Nonne mit einer Geißel in der 
Hand, kniete auf einem Betstuhl, der die Aufschrift trug: „Abtötung, 
Verzicht auf die Welt." Vor dem Bild lag der „Völkische Beobachter" 
Nr. 43 vom 12. Februar 1939 mit Büdern von Kardinal Mündelein von 
Chicago, Eden, einigen Juden u. ä. 

Wie weit sich der Ersatzreligionsunterricht von nationalsozia- 
listischen Lehrkräften verirren konnte, wie man nicht davor zurück- 
schreckte, Hitler neben oder sogar über Jesus zu 
stellen, zeigt nachstehendes Diktat, das schon am 16. März 1934 
in der dritten Volksschulklasse an der Blumenschule zu München 

gegeben wurde: _ j «• • .. i « 

^ ^ „JesusundHitle r." 

Wie Jesus die Menschen von der Sünde und Hölle befreite, so rettete 
Hitler das deutsche Volk vor dem Verderben. Jesus und Hitler wurden 
verfolgt, aber während Jesus gekreuzigt wurde, wurde Hitler zum Kanz- 
ler erhoben. Während die Jünger Jesu ihren Meister verleugr.jten und 
ihn im Stiche ließen, fielen die 16 Kameraden für ihren Führer. Die 
Apostel vollendeten das Werk Ihres Herrn. Wir hoffen, daß Hitler sein 

111 



Werk selbst zu Ende führen darf. Jesus baute für den Himmel, Hitler 
für die deutsche Erde. 

Wie ernst der Ersatz des christlichen Religionsunterrichtes 
durch germanischen „Religionsunte-r rieht" gedacht 
und vorbereitet wurde, offenbart nachfolgendes Inserat im „Börsen- 
blatt für den deutschen Buchhandel" vom 19. Februar 1935. 

GERMANISCHES GOTTGEFÜHL 

im christlichen Religionsunterricht 

Zwölf Unterrichtsentwürfe von 

Hermann Tögel u. E. H. Wohlrab 

176 S. Geh. RM. 3.—, gebd. RM. 4.20 

Prof. Tögel gibt in seiner „Einführung" die gedankenmäßige Grund- 
legung für die unterrichtliche Behandlung des Germanenglaubens in 
der Volksschule. 

E. H. Wohlrab gibt in Teil II die schulpraktiche „Ausführung" in Ge- 
stalt von zwölf Unterrichtsentwürfen: 1. Naturglaube, 2. Wald- und 
Baumglaube, 3. Deutscher Frühlingsglaube, 4. Semnonenheim (Zin), 
5. Donar, 6. Wodan-Odin, 7. Freia, 8. Nordische Frömmigkeit, 9. Alt- 
sächsische f'römmigkeit, 10. Der Götter Untergang — Sieg des Christen- 
tums, 11. Die deutsche Weihnacht, 12. An den Externsteinen. Die zwölf 
Einheiten sind bereits schulpraktisch erprobt; denn Wohlrab hat sie mit 
ministerieller und bezirksschulrätlicher Genehmigung im Winterhalb- 
jahr 1933/34 mit 28 Knaben eines 7. Schuljahres an der Volksschule zu 
Bad Brämbach in über 40 Religionsstunden durchgearbeitet und 
die hierbei gemachten Erfahrungen in sorgfältiger Nachbearbeitung end- 
gültig ausgebaut. 

Chriistentum- und kirchenfeindliche Märchendeutung. 

Selbst unsere schönen deutschen Märchen und Sagen mußten 
sich nationalsozialistische Aus- und Umdeutung gefallen lassen und 
der Hetze gegen Christentum und Kirche dienen. Wenn nach- 
folgende Erklärung vom „Dornröschen" und „Schneewittchen" in 
der NS-Lehrerzeitung erschien, so kennt man sofort ihre 
Bestimmung: so sollte den deutschen Schulkindern 
nationalsozialistisches Märchenverständnis beigebracht werden. 

Nationalsoziaiistische Lehrerzeitung Reichstagung 1934 Frankfurt a, M. 

8. Heft Ernting 1934 S. 87. ' 

DornröschensErwachen. 

Von H. Paradies, Hude. 

Wer es selbst an seinen Kindern erlebt hat, wie dankbar sie, Vater, 
Mutter, Großmutter oder Lehrer sind, wenn diese ihnen Märchen er- 
zählen, wie da die Augen leuchten, die Wangen glühen, der weiß, welche 
Schätze in unseren Märchen verborgen liegen. 

Was wollen uns die Märchen sagen? Sind sie nur Dichtungen oder 
gar Ausgeburten der Phantasie? Nein, unsere Märchen sind viel mehr. 
Sie enthalten altaristische Wahrheiten und Erkennt- 
nisse. Die prophetischen oder seherischen Menschen unserer Vor- 
fahren wollten in den Märchen altaristische Erkenntnis, altaristisches 
Weistum auf die Nachwelt vererben. Da die neue Weltanschau- 

112 



•« n g, die im Werden ist, ihre Wurzeln in der Weltanschauung 
unserer Vorfahren haben muß, müssen wir die Verbindung mit 
der Jugendzeit unseres Volkes wiederherstellen und das Weistum un- 
serer Väter für die Gegenwart auswerten. „Märchen und Mythen sind 
die Fenster in den gewaltigen Bauwerken der Völkerkulturen, Sie 
erhellen" den Sinn des Lebens, sie sind ein Teil von unserem Blutstamm, 
und selbst die ältesten und sogar primitivsten märchenhaften Überliefe- 
rungen strömen wie vorgeschichtliche Bergseen von ungeahnter Schön- 
heit und Tiefe im Unterbewußtsein der Lebenden weiter." 

Die Kräfte zieht das Märchen aus einer Kulturschicht, die Jahr- 
tausende zurückliegt. In den Köpfen des deutschen Bauernvolkes hat 
sich dieses Weistum vererbt. Erst die Gebrüder Grimni haben die Mär- 
chen gesammelt und aufgeschrieben. Diejenigen unserer Vorfahren, die 
das ererbte Gut unverkürzt den Enkeln weitergaben, waren sicher nicht 
im Besitze solcher Weisheit, kaum daß sie den tieferen Sinn auch nur 
geahnt haben. 

Märchen- „Verkalung" 

Nach Werner von Bülow liegt der tiefere Sinn der Märchen in den 
sogenannten Kennworten verborgen, und diese sind so gewählt, daß sie 
sich dem Gedächtnis gut einprägen. So ist das entstanden, was man 
später „Verkalung" genannt hat. „Es bildete sich eine Formen- und 
Formelsprache heraus, durch die höchste geistige Werte auch von Un- 
mündigen und Unverständigen weitergegeben werden konnten, bis ein 
Geschlecht heranwuchs, in dem die Keime sich zu neuer Blüte ent- 
falten konnten." Diese Zeit ist' da! Der Königs söhn des Mär- 
chens, der Dornröschen und Schneewittchen aus dem Grabe erweckt, 
ist da. 

Die Verkalung, Vertarnung, Verheimlichung war notwendig, um sich 
vor Verfolgungen zu retten. Die Verfolgung ging namentlich von der 
christlichen Kirche des frühen Mittelalters aus. Wir wissen ja aus der 
Geschichte, daß Ludwig der Fromme auf Drängen der daraialigen frem- 
den, vielfach nichtdeutschen Priester und Missionare alles verbrennen 
und zerstören ließ, was an arischem Kulturgut vorhanden war. 

DieKennworte desMärchens. 

Kenn Worte sind: Prinzessin, Prinz, Jäger, Stiefmutter, die Magd, 
der Jude, Schlange, Wolf, Fuchs, Eule, Taube, Esel, Zwerge, Riesen, 
Dornbusch, Fiedler etc. Das Königskind bedeutet im Märchen alle- 
mal die menschliche Seele, sowohl die Seele des Einzelmenschen 
wie die Seele der ganzen Volksgenieinschaft. Unter einer Prinzessin 
stellen wir uns das herrlichste und schönste Mädchen vor, ausgestattet 
mit allen Tugenden der Rasse. Was ist das Herrlichste und Schönste 
am Menschen? Seine Seele, der göttliche Odem. Das Gegenstück zur 
Königstochter ist die böse Magd, sie versinnbildlicht die niederen Triebe 
in der Menschenbrust. Ebenfalls ist die Stiefmutter (Sneewittchen, 
Aschenbrödel) ein Gegenstück zum edlen Königskind. Die Stief- 
mütter sind die bösen Fremdkräfte, die die deutsche 
Volksseele zugrunderichten wollen. Prinz und Jäger sind 
die Geistesmenschen der Nation, die Führer und Helden, die uns aus dem 
unwürdigen Gefängnis befreien wollen. Daß der Jude das Symbol der 
Raffgier ist, der Wolf die Gefräßigkeit und Unersättlichkeit versinnbild- 
licht, ist jedem Deutschen bekannt. Die Kennworte könnte man beliebig 
vermehren, ihre Deutung ist nicht schwer. 

„Dornröschen" 

Es sollen noch kurz die beiden Märchen Sneewittchen und Dorn- 
röschen gedeutet werden. Die Märchen sind verwandt. Beide versinn- 
bildlichen die Wiedererweckung des deutschen Volkes 

113 



zu neuem Leben, (Nationale Wiedergeburt.) Dornröschen, die 
deutsche Volksseele, soll von der bösen Fee (die uns feindlichen 
Fremdkräfte) getötet werden. Dornröschen soll in der Blüte der 
Jahre sterben. Aber eine von den guten Feen (die edlen Rasseeigen- 
schaften, die Erberinnerung) kann den vernichtenden Schlag 
noch mildern. Dornröschen fällt nur in einen langen, langen Schlaf. 
Viele Prinzen, deutsche Geistesmenschen und Helden des Schwertes 
(Hermann der Cherusker, Meister Ekkehardt, Luther, Friedrich der 
Große, Stein, Lagarde, Bismarck und viele andere) versuchten das 
deutsche Volk von fremden Einflüssen zu befreien; aber keinem ist es 
restlos gelungen. Erst in unseren Tagen ist der Mann er- 
standen, der die deutsche Volksseele wachgeküßt hat: 
Adolf Hitler. 

„S n e e w i 1 1 c h e n" 

Im Märchen vom Sneewittchen wird ebenfalls die Auferstehung 
oder besser die Wiedererweckung der deutschen Volksseele versinn- 
bildlicht. Die böse Stiefmutter (die feindlichenFremdkräfte: 
rote, schwarze und gelbe Internationale) will Sneewitt- 
chen, die deutsche Volksseele, vernichten mit dem odembeklemmenden 
Schnürriemen, das zweitemal mit einem vergifteten Kamm, zuletzt er- 
folgreich mit dem vergifteten Apfel. 

Zuerst ward der deutsche Geist in die Schnürriemen fremder 
Begriffe eingezwängt. Das fing mit dem römischen Wesen an, 
setzte sich in judaisierten Glaubenselementen fort und 
gipfelte in allerhand internationalen Schlag- und Trugworten. Sodann 
fuhr der scharfe Kamm fremder Willensrichtung uns durch 
die Haare. Der römische Imperiumsgedanke lenkte den deutschen Tat- 
willen von seinen eigentlichen Zielen ab (Kaiser Friedrich Barbarossa). 
Die nach Rom fahrenden deutschen Kaiser verurteilten das deutsche 
Königtum zur Ohnmacht im Innern des Reiches. Das römische Reich 
unterdrückte deutsche Freiheit. Der materielle Erwerb, zum Selbst- 
zweck erhoben, beherrschte schließlich Denken und Trachten vollstän- 
dig. (Werner von Bülow.) 

Allen drei Versuchen erliegt Sneewittchen. Dem letzten Eingriff 
können auch die hilfreichen Zwerge (die sieben Planeten, damals Sonne, 
Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn) die a r t e i g e n,e n 
rassischen Kräfte im deutschen Menschen (die Erb- 
erinnerung) nicht wieder gutmachen. Aber der Königssohn naht, der 
giftige Apfelbiß fällt aus dem Munde, und Sneewittchen erwacht. 

„Altaristisches Mythenweistu m" 

Ebenso offenbart sich in den Mythen altaristisches Weistum, altari- 
stische Erkenntnis: Antäus, in der griechischen Mythologie der Sohn des 
Poseidon und der Gäa', der Mutter Erde, zwingt jeden Fremdling mit 
ihm zu ringen. Keiner konnte ihm widerstehen; denn er empfing, so- 
lange er die Erde berührte, von dieser seiner Mutter, immer wieder 
frische Kraft. 

Die Besiegten tötete er und schmückte mit ihren Schädeln den 
Tempel seines Vaters Poseidon. Endlich wurde er von einem fremden 
Riesen überwunden, der ihn frei in die Höhe hob und ihn so in der 
Luft schwebend, ehe er wieder die Erde berühren konnte, erdrückte. 

Könnte diese Mythe nicht von einem zeitgenössischen Beobachter 
geschrieben sein? Der mit der Erde verwurzelte Riese konnte der 
Bauernstand sein, der seine Kraft und Stärke von der Mutter Eirde 
hat. Der andere Riese, der ihm sein Geheimnis abgelauscht hat, ist das 
Fremdtum, das den Bauern entwurzelt, ihn in die Großstadt zu 
locken versucht und ihn hier leicht umbringt, 

Haben wir nicht das Gefühl, als wenn wir in dem letzten Jahr dies 
alles leibhaftig miterlebt hätten? Ist nicht jetzt plötzlich dem deutschen 

114 



Volke es v;ie Schupppen von den Augen gefallen, hatAdblfHitler 
mit seinem Geisteshauch nicht das deutsche Volk au3 
einem langen Schlaf zu neuem Leben erweckt! Haben 
wir nicht am 1. Mai 1933 ein herrliches Hochzeitsfest zwischen dem 
Prinzen und der Prinzessin gefeiert! 

Pas sind die trostreichen Märchen vom Dornröschen und Snee- 
wittchen. 

So laßt uns die Märchen als besonderes Geistesgut unserer Nation 
würdigen und in Ehren halten! 

Abschaffung des Schulgebetes. 

Eine neue Station auf dem Weg der Entchristlichung der Schule 
war die Abschaffung des Schulgebetes und die Entfernung der 
Schulkreuze. Dies ging an mit der „Simultanisierung" des 
Schi^lgebetes. Ein Beispiel dafür bietet folgender Bericht des Bi- 
schöflichen Ordinariates Regensburg vom 22. Dezember 1936: ■ 

„Wir beehren uns, Abschrift eines Berichtes vorzulegen, über die 
Verhältnisse in einer Gemeinschaftsschule mii über 500 katholischen und 
nur 35 protestantischen Kindern: 

Am Mittwoch, den 9. Dezember 1936 wurde den Kindern der Hans- 
Schemm-Schule in Regensburg- Schottenheim in allen Klassen so- 
wohl das Kreuzzeichen als auch das Hände falten beim 
Schulgebet untersagt. Voller Entrüstung kamen die Eltern in 
den Pfarrhof und berichteten darüber. 

Auf Befragen bei der Schulleitung, von wem und warum dieses Ver- 
bot erlassen worden sei, erklärte der Schulleiter, Hauptlehrer Blank, 
folgendes: 

V 1.) Das Verbot gehe weder von der Schulleitung noch von der 
Stadtschulbehörde noch von der Regierung aus, sondern von der Be- 
wegung. Bezirksoberlehrer Wiesend, Kreisamtswalter des NSLB, habe 
auf Grund seiner Visitation in der Schule anfangs Dezember nunmehr 
dieses Verbot erlassen. Daß Staat und Bewegung dasselbe sei, sei be- 
kannt. 

2.) Der Grund dieser Verordnung Hege darin, daß nur eine neu- 
tral e Gebetshaltung mit dem Wesen der Gemeinschaftsschule verein- 
bar sei. Ein Widerstand von selten der Eltern oder der Kinder müßte 
sofort an die Kreisleitung gemeldet werden. 

Eine Lehrkraft hat sich den Kindern gegenüber, wie die Eltern 
berichten, über den Grund noch näher hin geäußert; nur diese neutrale 
Gebetshaltung ohne Händefalten und Kreuzzeichen sei eines deutschen 
Jungen würdig ..." 

Ähnlich wurde am 30. Oktober 1937 in Neumarkt in der 
Oberpfalz, alsbald nachdem die Umwandlung der Bekenntnisschule 
in eine Simultanschule (14. Oktober 1937) vollzogen war, mit Rund- 
schreiben des SchuUeitefs allen Klassen, auch den rein katho- 
lischen, verboten, noch weiter das Kreuzzeichen machen und daf 
„Vaterunser" beten zu lassen. 

Im Oberdonau gebiet wurde das Schulgebet verboten 
mit dem Vorwand, daß das „Aufsagen der üblichen Gebete der ver- 
schiedenen Bekenntnisse" eine schädlicheEinwirkungauf 

115 



den wahren völkischen Gemeinschaftsgeist in den 
Schuiräumen bringe. 

Die nationalsozialistische Gemeinschaftsschule verlangte andere 
Gebete, wie z. B. „Gütige Hand des Allrnächtigen, leite die Arbeiten 
unserer Schule, sei weit ausgebreitet über unseren Führer und be- 
wahre ihn vor jeglichem Bösen. Segne unser Land und unser "Volk! 
Sei du ewig unser Gott!" 

Entfernung des Schulkreuzes. 

Der Kampf gegen das Schulkreuz begann, wie es scheint, zu- 
erst in Oldenburg, indem der Minister des Innern und der 
Kirchen und Schulen im Lande Oldenburg am' 4. November 1936 
verordnete; 

„Sämtliche öffentliche Gebäude des Staates, der Gemeinden und 
Gemeindeverbände gehören dem ganzen deutschen Volke ohne Rück- 
sicht auf das religiöse Glaubensbekenntnis der einzelnen Volksgenossen. 
Dies gilt auch für alle Schulgebäude. Es ist daher nicht zulässig, daß 
öffentliche Schulgebäude kirchlich eingeweiht oder eingesegnet 
werden. Aus gegebener Veranlassung wird darauf besonders hin- 
gewiesen. 

öifentliche Verwaltungsgebäude des Staates sind von alters \ier mit 
konfessionellen Zeichen — z. B.' Kruzifix oder Lutherbild — nicht aus- 
gestattet worden. Dies entspricht auch schon deshalb einem sachlichen 
Bedürfnis, weil der Staat das ganze deutsche Volk umfaßt. Für alle 
öffentlichen Verwaltungsgebäude der Gemeinden und Gemeindeverbände 
müssen die gleichen Gesichtspunkte maßgebend sein. Schulgebäude des 
Staates, der Gemeinden und Gemeindeverbände sind nicht anders zu 
behandeln. Auch die Volksschulgebäude machen dabei keine Ausnahme; 
denn sie gehören der Gesamtheit . und nicht irgendeiner bestimmten 
Glaubensrichtung. 

Demgemäß ordnen wir an, daß künftig in Gebäuden des 
Staates, der G e meinden undGemeindeverbände kirch- 
liche und andere religiöse Zeichen oben erwähnten 
oder ähnlichen Charakters nicht mehr angebracht 
werden dürfen. Die bereits vorhandenen sind zu ent- 
fernen. 

Über das Veranlaßte ist bis zum 15. Dezember d. J. zu berichten. 

I.V. gez. Pauly 
Beglaubigt: 
Wulff, Verwaltungssekretär." 

Einen anderen Versuch, das Kreuz aus der Schule zu entfernen, 
berichtete das Bischöfliche Ordinariat Münster am 26. Jan. 1937: 

„Am 21. Januar 1937 wurde in der Katholischen Volksschule zu Bis- 
lich (Kreis Rees, Diözese Münster in Westfalen) auf Anordnung des 
Kreisschulrates das Kreuz von seinem Ehrenplatz entfernt und über 
der Türe angebracht. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Kunde 
und löste bei der gläubigen Bevölkerung große Erregung aus. Als ich 
am 22. Januar in einer Schulklasse Unterricht zu erteilen hatte, saßen 
die Kinder laut weinend vor mir, so daß ein Unterrichten 
kaum möglich war. 

Am Sonntag, den 24. Januar, habe ich in jeder hl. Messe den 
Gläubigen diese Tats.ache bekanntgegeben und sie auf^ 

116 



gefordert, mit mir niederzuknien und zur Sühne 5 Vaterunser zu Ehren 
der hl. 5 Wunden unseres gekreuzigten Heilandes zu beten. 

Am Montag, den 25. Januar, morgens 9 Uhr, kamen 500 Männer 
und Frauen auf dem Schulhof zusammen. Der hiesige Polizeiwacht- 
meister Wissen suchte unter Hinweis darauf, daß eine Versammlung 
nicht angemeldet sei, die Leute zu bewegen, sich Wieder zu zerstreuen. 
Auf die Frage des Wachtmeisters, wer die Leute eingeladen hätte, wurde 
ihm aus der Menge geantwortet, sie seien aus ieigenem Antrieb gekom- 
men. Dann forderte die Menge in immer wiederholtem Sprechchor: 
,Wir wollen das Kreuz auf seinem alten Platz haben!' 
Dazwischen wurden zwei Strophen des Christkönigsliedes mit 
erhobener Schwurhand gesungen. Bei Beginn der Schulpause, 9.15 Uhr, 
forderte die Menge im Sprechchor: ,Wir wollen die Lehrer sprechen!* 
Darauf erschien der Hauptlehrer und ließ durch den Wachtmeister er- 
klären: ,Die Kreuze hängen wieder am alten Platz.' Diese Mitteilung 
wurde mit großer Begeisterung aufgenommen, Auf Verlangen der Menge 
betrat einer der Männer die Schule, um sich von der Richtigkeit dieser ' 
Erklärung zu überzeugen. Währenddessen sang die Menge das Lied: 
,0 Du hochheilig Kreuz!' Als bekanntgegeben wurde, daß alle 
Kreuze wieder auf ihrem alten Platze hingen, stimmte die Menge das 
Deutschlandlied an. Im Anschluß daran wurde folgendes Protestschrei- 
ben verlesen, das an die Regierung in Düsseldorf gesandt werden soll: 

,Am 21. Januar 1937 wurde in der katholischen Volksschule zu Bis- 
llch auf Veranlassung des Kreisschulrates Herrn Abel das Kruzifix von 
seinem Platz, den es von alters her in der Schule im Blickfeld der Kin- 
der hatte, entfernt und an einer Seiteriwand des Schulraumes an- 
gebracht. Wir christlichen Volksgenossen der Gemeinde Bislich haben 
für diese Maßnahme der .Schulbehörde kein Verständnis und erblickerT 
darin den ersten Schritt, ähnlich wie in Rußland und Spanien, das 
Kruzifix gänzlich aus dem Schulraum und damit aus dem Gedan- 
kenkreis unserer Kinder zu entfernen. Deswegen erheben wir 
gegen dieses Vorgehen einmütig allerschärfsten Protest und verlangen, 
daß dem Christuskreuz, dem Zeichen unseres Glaubens, der ihm ge- 
bührende Ehrenplatz wiedergegeben und daß es davon nicht wieder 
entfernt wird. Wir berufen uns dabei auf die uns von höchster Stelle 
gegebenen und in heiligen Verträgen verankerten Zusicherungen, 

Die Eltern und Einwohner der Gemeinde Bislich.' 

Nach Verlesung dieses Schreibens wurden die Anwesenden gebeten, 
durch ihre Unterschrift zu diesem Protestschreiben ihre Zustimmung zu 
geben. Um eine möglichst schnelle Abfertigung zu erzielen, wurden in 
zwei Sälen und außerdem auf der Dorfstraße Tische aufgestellt, auf 
denen die Unterschriften gegeben wurden. 

Am gleichen Morgen vor der Kundgebung fuhr eine Abordnung von 
5 Männern aus Bislich zur Regierung nach Düsseldorf, um Auskunft zu 
erbitten, ob die Maßnahme des Schulrates von der Regierung gebilligt 
würde. Es wurde ihnen erklärt, daß es nicht der Wille der Regierung 
in Düsseldorf und auch nicht der Wille des Herrn Oberpräsidenten sei, 
daß das Kreuz von seinem Ehrenplatz entfernt würde. Auf Wunsch der 
Regierung fuhren zwei Mitglieder der Abordnung zum Schulrat nach 
Wegel, um die Angelegenheit in Güte beizulegen. Zum großen Staunen 
der beiden erklärte der Schulrat, daß er dem Hauptlehrer in Bislich 
keinen Befehl gegeben habp, das Kreuz zu verhängen, obwohl der Haupt- 
lehrer nach wie vor behauptet, er könne mit einem Eide bekräftigen, 
daß dieser Befehl ihm vom Schulrat am 21. des Monats gegeben sei. 
Außerdem erklärte der Schulrat den beiden unter anderem: ,Die Ge- 
meinschaftsschule kommt doch!'" 

In der Rheinpfalz kam es in der Pfarrei Frankenholz zu 
einem heftigen Kampf um den Vorrang desChristuszei- 

117 



chens vor dem Führerbild. Ein Hirtenwort des Bischofs 
von Speyer berichtet darüber am 14. Februar 1937: 

„Liebe Diözesanen! Vor einigen Wochen habe ich Euch von den 
wackeren Katholiken in Oldenburg berichtet, die siegreich gegen die 
Entfernung des Kreuzes in den Schulen sich gewehrt haben. Nun muß 
ich Euch zur gleichen Treue und Standhaftigkeit aufrufen in einem Fall, 
der sich leider in der ;Pfarrei Frankenholz' unserer Diözese zugetra- 
gen hat: 

• Auf Veranlassung des dortigen stellvertretenden Schulleiters wurde 
am 25. Januar 1937 während der Mittagsstünden in drei Schulsälen der 
katholischen Bekenntnisschule zu Frankenholz das Kreuz von seinem 
bisherigen Ehrenplatz entfernt und an seiner Stelle das Bild des Füh- 
rers angebracht. Der stellvertretende SchuUeitet erklärte vor den Lehr- 
personen und vor dem Pfarrer, daß in der Schulleiterkonferenz zu Hom- 
burg am 23. Januar 1937 von dem Vorsitzenden Anweisung gegeben 
worden sei, das Pührerbild in das Blickfeld der Kinder 
zuhängen. Das Kreuz soll über der Türe seinen Platz erhalten. Viele 
Eltern der Kinder waren auf die Nachricht dieser Maßnahme hin sehr 
erregt. Denn sie waren sich bewußt, daß das heldenmütige Beispiel des 
gekreuzigten Erlösers den Kindern allezeit vor Augen stehen müsse, 
wenn sie zu charaktervollen Menschen, zu echten Christen und dadurch 
zu wahrhaften Deutschen erzogen werden sollen. Die Haltung der Eltern 
war nichi gegen die B^ehörde gerichtet, sondern gegen die Maßnahmen 
des stellvertretenden Schulleiters in Frankenholz, weil bekannt wurde, 
daß es nui ein örtliches Vorkommnis war. Seit dem 4. Februar wurden 
in Frankenholz unter großer Anteilnahme der Bevölkerung Betstunden 
gehalten, um einen guten Ausgang der Kreuzangelegenheit von Christus 
dem Gekreuzigten zu erflehen. Eine Abordnung von acht verdienten 
Männern wurde am Montag, den 8. Februar 1937, und Mittwoch, den 
10. Februar 1937, bei der Regierung des Saarlandes vorstellig, um die 
Forderung zu erheben, die Kreuze wieder an ihren alten Platz zu brin- 
gen. Erregt über die Vorkommnisse haben 80 Prozent 
der Eltern ihre Kinder von der 3. bis 7. Klasse nicht 
mehr in die Schule geschickt. Die Lehrerin der beiden 
untersten Klassen beließ das Kreuz entgegen der Forderung des 
Schulleiters an seinem alten Platz und ließ das Führerbild darunter 
anbringen. i 

' Der stellvertrende Schulleiter ließ am Montag, den 8. Februar, die 
Eltern, welche ihre Kinder am Morgen nicht zur Schule geschickt hat- 
ten, im Schulhause versammeln, forderte sie auf, die Kinder wieder in 
die Schule zu schicken und machte sie auf die ernsten Folgen eines 
Schulstreikes aufmerksam. Die Versammelten ließen den Sprecher fast 
nicht zu Worte kommen und unterbrachen seine Ausführungen immer 
wieder mit dem Ruf: ,Das Kreuz an seinen Platz!' — Darauf 
wurde die Versammlung geschlossen. Das Haus wurde von der Polizei 
geräumt. Unterdessen hatten sich vor dem Schulgebäude viele Hunderte 
von Leuten jeden Alters und Standes versammelt, um den Ausgang der 
Verhandlungen abzuwarten. Auch sie brachten immer wieder durch 
stürmische Rufe: ,Das Kreuz an seinen Platz!* zum Ausdruck, daß sie 
sich mit den übrigen Eltern solidarisch erklärten. Ihre Versuche, an 
der Versammlung teilzunehmen, wurden von der Polizei nicht gestattet. 
Am Tage darauf gingen viele Eltern mit ihren Kindern zur Schule. Als 
sie aber festgestellt hatten, daß das Kreuz noch nicht an seinem alten 
Platz hänge, nahmen sie die Kinder wieder mit nach Hause. Daraufhin 
verordnete die Regierung für das Saarland bis auf weiteres Schulferien 
für die drei streikenden Schulklassen. 

Die Erregung unter der Bevölkerung war groß, als am Donnerstag, 
den 11. Februar, bekannt wurde, daß die Lehrerin, die das 

118 ' 



Kreuz an seinem Platz belassen hatte, vorläufig aus 
dem Schuldienst entlassen sei. Die Bestürzung war um so 
größer, als der Bevölkerung bekannt wurde, daß der Abordnung der 
acht Männer von der Regierung in Saarbrücken zugesichert worden 
war, daß die Kreuzangelegenheit zur allgemeinen Zufriedenheit bald 
beigelegt werde. . 

Inzwischen wird die Bevölkerung, die ausnahmslos in abhängiger 
Stellung ist, einzuschüchtern versucht durch Drohungen, daß sie wirt- 
schaftliche Schädigungen (Entlassungen von der Arbeitsstelle) und 
schwere Freiheitsstrafen zu gewärtigen hätte. 

Liebe Diözesanen! Einmütig sprechen wir den wackeren Katholiken 
von Frankenholz unsere aufrichtige und uneingeschränkte Anerkennung 
ob ihres unerschrockenen Eintretens für Christus, den Gekreuzigten, aus. 
Wir alle fühlen uns mit ihnen eins und helfen durch unser Gebet zu 
einem glücklichen Ausgang des beklagenswerten Vorfalles. Wir wollen 
zugleich daraus die Lehre ziehen, immer für die Ehre des Kreuzes Christi 
wachsam zu sein und alle Versuche, dieses Zeichen unserer Erlösung 
irgendwie herabzuwürdigen, mit Entschiedenheit abwehren. 

Die oberhirtliche Stelle hat bei den maßgebenden Behörden des 
Saarlandes schärfsten Einspruch erhoben. In dieser entscheidenden An- 
gelegenheit betet heute ein Vaterunser und Ave Maria!" 

In B ay e rn glaubten Regierung und Partei im Jahre 1941 den 
letzten Schritt zur Entchristlichung der Schule machen zu können, 
stießen aber auch hier auf allseitigen kräftigen Widerstand. Auch 
dafür ein sprechendes Beispiel: 

„Im Jahre 1941 setzte durch den Staat der Kampf wider das Kreuz 
ein. Die Kreuze in den Schulen wurden entfernt. Affecking (Nieder- 
bayern) behielt sein Schulkreuz noch. Wegen der sich durch die Weg- 
nahme der Kreuze in vielen Gemeinden ergebenden Unruhen wurde ein 
Ministerialerlaß herausgegeben (von Anfang September 1941), wonach 
Kreuze aus den Schulzimmern nicht mehr entfernt werden durften. 
Nach Vorliegen dieses Erlasses wurde am 9* September durch den 
seinerzeitigen Kreisleiter , Dr. Donderer das Kreuz eigenhändig aus 
der Schule entfernt und mit nach Kelheim genommen. Auf späteres 
Schreiben des Pfarrers, daß das Kreuz sein Eigentum sei, wurde es ihm 
ausgehändigt und fand seinen Platz im Pfarrhof. 

Die Frauen des Dorfes (darunter viele Kriegerfrauen) waren beun- 
ruhigt durch die Wegnahme des Kreuzes; sie wußten auch von dem 
Erlaß, wonach, das unstatthaft war. Die Schulen sollten am 10. Oktober 
1941 wieder beginnen. Zu Beginn der Schulstunden fanden sich wohl 
100 Frauen im unteren Dorfe vor der Schule ein und brachten ein Kreuz 
mit, das sie im Schulraum wieder anbringen wollten. Der Lehrer L i n d - 
ner ließ i^nen sagen, er habe das Kreuz nicht aus der Schule entfernt 
und könne auch keines wieder anbringen, sie sollten sich mit dem Kreis- 
leiter auseinandersetzen. Eine der Frauen rief den Kreisleiter an und 
sagte ihm, es seien Kriegerfrauen vor dem Affeckinger Schulhaus und 
wollten das Kreuz wieder auf seinen alten Platz in die Schule bringen. 
Donderers Antwort war: ,Was wollt Ihr sein? Kriegerfrauen? Ihr seid 
Kriegerarschlöcher!' (Einem anderen hätte eine solch verächtliche Be- 
merkung über Kriegerfrauen zum mindesten Zuchthaus eingebracht.) Sie 
hätten sofort heimzugehen, die Polizei käme schon, (Diese war an- 
scheinend durch den Lehrer verständigt worden.) Es erschienen zwei 
Polizeibeamte (einer war L o i b 1) und befahlen den Frauen, sofort heim- 
zugehen; sonst würden sie verhaftet. Pfarrer Rohrmeier hatte an 
dem Morgen nach der hl. Messe eine Taufe und kam gerade aus der 
alten Kirche.; Er hörte die Bemerkung von der Verhaftung und sagte zU 

119 



Loibl: jMeine Pfarrkinder lasse ich nicht verhaften; dehn diese sind im" 
Recht, da ein Erlaß vorhanden ist, wonach Schulkreuze nicht mehr ent- 
fernt werden dürfen. Wenn jemand verhaftet werden soll, dann ich, 
nicht meine Pfarrkinder! Ich stehe für sie ein.' Loibl darauf: .Steigen 
Sie nur gleich ein!' Daraufhin umringten die Frauen den Pfarrer und 
riefen den Polizisten zu: ,Unsern Pfarrer lassen wir nicht verhaften!' 
Um die Frauen zu beruhigen, bat Pfarrer Rohrmeier Loibl in den Pfarr- 
hof, wo er mit ihm eine längere Auseinandersetzung hatte, in der er 
Loibl den Vorwurf machte, daß er -^ entgegen seiner Pfarrer Rohrmeier 
in Cham gegenüber geäußerten Aussage — aus der Kirche ausgetreten 
. sei. — Am Mittag kam dann die Geheime Staatspolizei von Regensburg, 
verhaftete Pfarrer Rohrmeier und nahm ihn mit nach Kel- 
heim, wo er bis zum Abend verhört wurde, und dann nach Regensburg 
ins Amtsgerichtsgefängnis, später für 4 Jahre ins Kz Dachau ! ! 
Das war der Beginn einer langen und harten Zeit. Erst nach der Be- 
freiung des Pfarrers aus dem Kz am 18. Juli 1945 wurde das Kreuz wie- 
der feierlich in die Schvüe getragen. Eine kurze Ansprache, die ein Lob 
der Frauen für ihr damaliges tapferes Eintreten für das Kreuz war und 
zugleich ein Dank für des Herrgottes gütige Fügung, und die Segnung 
des Hauses folgte dann. Nun dürfen Affeclcings Kinder wieder unter 
dem Kreuz groß werden!" 

Auch das religiöse Lied v er stumm t in der Schule! 

Mit Kreuz und Gebet verschwand auch das religiöse Lied aus 
der Schule des Dritten Reiches. In Baden wurde es schon zu Ostern 
1937 beseitigt. 

Statt des religiösen Liedes kamen dann triviale Lieder, wie sie 
die HJ gern sang, z. B.: 

„Wir sind des Geiers schwarze Haufen." 

Oder das Lied 

„Schwarze Fahne" 

das z. B. vom „deutsehen Jungvolk" Fähnlein 22/2/L als Liederblatt Nr. 2 
verbreitet wurde: 

1. Schwarze Fahne, halte stand! 
Sturmgewitter zieh'n durchs Land, 
Landsknechtstrommeln dröhnen gut, 
Brüllt sie an die Pfaffenbrut. 

:/:Wer sich unserer Fahne verschreibt, 

Muß ihr folgen. 

Wohin sie auch treibt. 

Wer sich unserer Fahne verschwört, 

Hat nichts mehr. 

Was ihm selber gehört!:/: 

2. Wehe Fahne, weh' zum Sturm, 
Wer dich anspeit, ist ein Wurm, 
Gleich dem Wurm wird er zertreten, 
Keine Zeit hat er zum Beten. 

:/:Wer sich unserer Fahne verschreibt . . .:/; 

3. Schwarze Fahne, halte stand! 
Sturmgewitter zieh'n durchs Land, 
Landsknechtstrommeln dröhnen gut, 
Brüllt sie an die Pfaffenbrut. 

:/:Wer sich unserer Fahne versehreibt...:/: 

120 



Ja, sogar folgendes gotteslästerliche Lied wurde eingeübt und 

gesungen: 

„Wir sind die fröhliche Hitlerjugend, 
Wir brauchen keine c h r i s 1 1 i ch e Tugend, 
Denn unser Führer Adolf Hitler 
Ist unser Erlöser., ist unser Mittler. 

Kein Pfaff, kein böser, kann uns verhindern 

Uns zu fühlen als H i 1 1 e r « K i n d e r. 

Nicht Christus folgen wir, sondern Horst Wessel. 

Fort mit Weihrauch und Weihwasserkessel. 

Wir folgen singend Hitlers Fahnen, 

Nur dann sind wir würdig unserer Ahnen. 

IchbinkeinChristundkeinKatholik, 

Ich geh mit SA durch dünn und dick. 

Die Kirche kann mir gestohlen werden. 

Das Hakenkreuz macht mich glücklich auf Erden. 

Ihm will ich folgen auf Schritt und Tritt, 

Baidur von Schirach, nimm mich mit!" 

In der Singschule, welche die Kreisbauernschaft Ti-aunstein 
„zur vermehrten Pflege des schönen heimischen Volksliedes" ver- 
anstaltete, wurden für die öffentliche Veranstaltung auch Lieder- 
(„Gstanzln") „von ganz eindeutiger Erotik" eingeübt 
(Bericht des nationalsozialistischen „Mühldorf er Anzeigers" vom 
Februar 1934). 

Volksschullehrer Thomas Irrgang von Schlier see in 
Oberbayern trug am 30. Juni 1936 seinen Schülern in der vierten 
Klasse, also in der Klasse der Erstkommunikanten, auf, binnen acht 
Tagen das neuheidnische Lied der „Deutschen 
Glaubensbewegung": „Der Herbstwind fährt über das 
Stoppelfeld" auswendig zu lernen. Der Text lautet: 

„Der Herbststurm weht übers Stoppelfeld, 

er weht über Acker und Brache; 

Ein neues Jahrhundert beginnt in der Welt; 

du, schlafendes Deutschland, erwache! 

D er Pap st sitzt in Rom aufsei dnem Thron, 

es sitzen bei uns seine Pfaffen. 

Was hat einer deutschen Mutter Sohn 

mit Papst und den Pf äff en zu schaff en? 

Man hat unsere Ahnen als Ketzer verbrannt 

der streitenden Kirche zur Ehre, 

in Asiens Wüsten, im heiligen Land 

verbluteten deutsche Heere. 

Rot floß die Aller vom Sachsenblut, 

die Stetinger wurden erschlagen; 

als Ablaß wurde das Bauerngut 

vom Mönch ins Welschland getragen. 

Die Zeit verging, der Pfaffe, der blieb. — 

Wir brauchen zum Himmel die Mittler nicht, 

uns leuchten ja Sonne und Sterne, 

und Blut und Schwert und Sonnenrad 

sind Kämpfer in jeglicher Ferne." 

121 



So kam man dem letzten Ziel, 

der nationalsozialistischen Weltanschaüungs- 

schule, 
immer näher. 

Professor B ä u m 1 e r, Sektionschef im Stab .Rosönberg, hatte 
dies schon 1938 in der Zeitschrift: „Weltanschauung und Schule" 
offen ausgesprochen mit der Erklärung, ,',daß die Gemeinschafts- 
schule durchaus, nicht eine Schule ohne Bekenntnis sei, weil sie 
eben nicht etwa bloß mehr Staatsschule sei, sondern vielmehr 

eine Schule für nationalsozialistischen Glau- 

b»» 
en. . . . 

Ähnlich wurde 1939 auf einer der Jubiläumsfeiern des National- 
sozialistischen Lehrerbundes als einer der Hauptgrundsätze betont: 
„Der Nationalsozialismus hat die Bekenntnisschule nicht abgeschafft, 
um sie zu verweltlichen. Er hat sie in eine Schule verwandelt, 
welche den nationalsozialistischen Glauben be- 
k e n n t." (Also auch eine „Bekenntnis schule", aber neuer, 
deutscher, heidnischer Art! Der Verf.) 

Am brutalsten umriß das Endziel Stadtschulrat Bauer von 
München, als er in einer Versammlung am 14. Juni 1939, die Maske 
vollends ablegend, die ihm bei der Propaganda für die Simultan- 
schule so dienlich war, offen erklärte: „D er Religionsunter- 
richt muß verschwinden aus den Schulen. Wir for- 
dern: Unter rieht ü.b er den deutschen Glauben durch 
DeutscheinderdeutschenSchule! Wer an die Dogmen 
der Kirche gebunden ist, hat von uns in Zukunft nichts zu er- 
warten." 

Vorbild hiefür sollten die Adolf-Hitler-Schulen sein. 
Sie hatten weder einen christlichen Religionsunterricht noch irgend- 
eine christliche religiöse Betätigung, nur Unterricht auf der Basis 
der Rosenbergideen und Religions geschieht s Unterricht. So 
sollten die künftigen „Führer" der Bewegung herangebildet werden 
und andere heranbilden. 



5. Fesseln für die katholischen Orden. 

„Die Ordensgesellschaften, in welchen wir nur eine Ver- 
neinung des Lebens sehen und die eine große Gefahr für die Moral des 
deutschen Volkes sind, müssen verschwinde n." 

(Führerblätter der „HJ" 1936, S.31.) 

„Wandelnde Leichname sind alle jene Mönche und Nonnen, die Rom 
den Kadavergehorsam geschworen. Sie sind bis in die Seele entdeutscht, 
entwurzelt, religiös vernichtet. Wir dürfen die kirchlich-klö- 
sterlichen Zwingburgen nicht mehr im Vaterlande 
dulden, dürfen nicht lässig zusehen, wie man Zehntausende unserer 
Jünglinge und Jungfrauen seelisch entführt, ihnen die deutsche Seele 
stiehlt und ihnen die naturhaft heilige Gemeinschaftsreligion nicht er- 
laubt. Alle Sekten und Kirchen sind im DBFE (Deutscher Bund für 

122 



heitsreliglon). Es gibt nur mehr 1 Reich, 1 Religion mit der Reichs- 
ministeriellen Spitze. 

Unser unbeugsamer Wille zur Volkwerdung lautet: 

Durch deutsche Einheitsreligion zum deutschen Einheitsstaat, zum großen 
Dritten Deutschen Reich, zum freien Volk auf freiem Grund!" 

(Dr. Hompf: „Reich und Religion", Verlag für nationalsozialistisches 

Schrifttum, Stuttgart.) 

„Die Orden sind der militante Arm der katholischen Kirche. Sie 
müssen daher von ihren Einflußgebieten zurückgedrängt, ein- 
geengt und schließlich vernichtet werden." 

„Für umfassendere Maßnahmen auf dem Gebiete des Ordenswesens 
muß der Boden erst propagandistisch noch mehr vorbereitet 
werden." 

(Geheimanweisung des Reichssicherheitsdienstes v. 15. Februar 1938.) 

Äußerungen von drei verschiedenen Seiten, eins in der Z i e 1 - 
kundgäbe: Vernichtung der katholischen Orden. 

Und das Mittel hiezu: Propagandistische Vorberei- 
tungdesBodenSi 

Und für diese Propaganda hatte Goebbels längst die Richt- 
linien festgelegt mit den Worten: 

„Die Aufgabe der Propaganda ist nicht ein Abwägen der v e r - 
schie denen Rechte, sondern das ausschließliche Be- 
tonen des einen, durch Propaganda zu vertretenden (Rechtes). Sie 
hat nicht objektiv die Wahrheit, soweit sie andern günstig 
ist, zu erforschen, um sie dann der Masse in doktrinärer Auf- 
richtigkeit vorzusetzen, sondern ununterbrochen der eige- 
nen zu dienen." So lautete Goebbels allgemeine Anweisung. 
Und er wandte sie rücksichtslos und skrupellos gegen die Orden an, 
um sie zunächst moralisch zu vernichten; dann konnten 
die verschiedenen Organe von Staat und Partei an die tatsäch- 
liche und volle „Liquidierung" gehen. 

Daß aber diese letztere von Anfang an als Endziel fest- 
stand, zeigen nachfolgende Maßnahmen: 

Schon eineinviertel Jahr nach Abschluß des Reichskonkordates, 
In dem den Orden feierlichst freie Niederlassung und Tätigkeit im 
Deutschen Reich zugestanden war, richtete 

das Schatzamt der NSDAP 

gierig seine Augen auf die Besitzungen der Orden und verfügte am 
20. Oktober 1934: 

„Streng vertraulich! 
An alle Gauämter! 

Die Gauämter werden angewiesen, bis zum 15. Dezember 1934 die 
Grundstücke und Gebäudekomplexe der in ihren Gau- 
Tbezirken sich befindenden Ordens- und Missionsgesellschaften beider 
Konfessionen genauestens zu, vermessen und bei den zuständigen Kata- 
sterämtern sich die genauen Pläne und Veranschlagungen aushändigen 
zu lassen. Vor allem ist auch eine Erhebung zu machen über die in 
Händen dieser Gesellschaft sich befindenden Darlehen, Hypothe- 

123 



k e n und Barvermögen, Die Verwendbarkeit der Häuser 
undGrundstückeistgenauanzugeben; 

Es wird noch einmal darauf hingewiesen, daß die Erhebungen bis 
spätestens 15. Dezember d. J. in Händen des Schatzmeisters sein müssen. 
Wert wird vor allem auf amtliche Unterlagen gelegt. 

Bis zum gleichen Termin ist ein Bericht über die Tätigkeit der 
genannten Gesellschaften an das Kulturpolitische Amt der 
NSDAP einzureichen. 

Mitgliederzahl, Schulung usw. ist genauestens zu vermerken. Bei 
den evangelischen Anstalten auch die religiöse Richtung dieser Mit- 
glieder. 

Ausgenommen von dieser Bestimmung sind die Diakonissen-r, Dia- 
konen-, Nonnen- und Brüderanstalten, die sich mit Kranken- und Wohl- 
fahrtspflege beschäftigen. Es wird noch einmal auf die strenge Ein- 
haltung des Termins hingewiesen. Die Erhebungen haben 
unbemerktvorsichzugehen. 

Heil Hitler! 

gez. Schwarz 

Reichsschatzmeister." 

Das Kult urpolitisch eAmt der NSDAP 

wollte seinerseits zunächst mehr die Tätigkeit der Orden be- 
spitzelt haben und so Vorwände für Maßnahmen gegen sie liefern. 
Sie gibt hiefür der Geheimen Staatspolizei entsprechende Winke: 

„Zentralleitung der Partei. 
Kulturpolitisches Amt der Nationalsozialistischen Deutschen 

Arbeiter-Partei. 



An die 



München, 3. November 1934 
Nummer O II 1405/6 



Geheime Staatspolizei! 

Gegenstand: Ordensschulen, , 

Exerzitien und Schulen. , 
Geheim ! 

An die 'Geheime Staatspolizei v. Recklinghausen. 

Die Überwachung der geistlichen Exerzitien ist durch ein 
Dekret des Reichsinnenministeriums nicht vorgesehen. Dennoch hat sich 
in den letzten Wochen ergeben, daß die religiösen Orden als 
Zentrum der reaktionären Tätigkeit betrachtet werden 
müssen, die darauf gerichtet ist, das Programm der Nationalsozialisti- 
schen Weltanschauung zu bedrohen. Ihr Werk ist um so gefährlicher, 
als sich ihre zersetzende Tätigkeit in aller Stille und unauffällig voll- 
zieht. 

Es ist für alle Sehenden klar, daß diese Gesellschaft den dich- 
testen Gefahrenherd für unsere Arbeit des kulturellen 
Wiederaufbaues darstellen; vor allem weil den religiösen Orden 
selbst sogar Schulen eingegliedert sind, die zum Teil im Ausland 
liegen. 

Nun hat dij Geheime Staatspolizei, Kulturpolitisches Amt, die Auf- 
gabe, ein genaues Bild der kulturellen Tätigkeit der in ihrem Bereich 
befindlichen religiösen Orden zu liefern und ferner zu berichten, was im 
Schöße der Orden selbst vor sich geht, besonders hinsichtlich ihrer Be- 
ziehung mit a u s 1 ä n d i s c h e n I n s t i t u t i o n e n. Unerläßlich ist eine 

124 



genaue Darstellung ihres Lehrplabes, Jhres Inhaltes wie auch ihrer Hal- 
tung und der politischen Vergangenheit ihrer Lehrer. 

Wir bitten, die Nachforschungen mit der größten Verschwiegen- 
heit und sobald wie möglich durchzuführen. In den ersten Tagen des 
Januar muß die Zentralleitung der Partei das ganze in Betracht kom- 
mende Material in Händen haben. 

Für die Leitung: Heil Hitler! 

gez. Köster gez. von Genner." 

Reichsführer SS Himmler 

konnte natürlich nicht hinter Reichsschatzamt und Kulturpoli- 
tischem Amt der Partei zurückbleiben, vielmehr schon zeitig ver- 
sorgen, daß überall geeignete Räuber und Verwalter für 
die Klosterbeute da seien, insbesondere aus den Reihen 
seiner geliebten SS. 

Er gründete darum den „Deutschen Reichsverein 
für Volks pflegeu n.d S i e d 1 e r h i 1 f e" e. V. (Welch schöner 
Name für Diebe! Ähnlich wie der Name: „Gemeinnützige Transport- 
gesellschaft" für die SS- Autos, welche die Geistesschwachen aus den 
Heil- und Pflegeanstalten in die Vernichtungsanstalten führten!). 
Zweck und Vollmachten dieser neuartigen „Treuhandgesellschaft" 
zeigt nachfolgendes Schreiben mit brutaler Offenheit: 

„Inspekteur der Sicherheitspolizei Wiesbaden, den 9. April 1940 

und des SD in Wiesbaden Gustav-Freytag-Straße 9 

Geheim 
An das 

Hauptfürsorge- und Ver.Amt — SS 
Berlin W 15 
Kurfürstendamm 217. 

BetrefE: Personal für den Verein für Volkspflege e. V. 
Vorgang: ohne 

Der Deutsche Reichsverein für Volkspfiege und Siedlerhilfe e. V, in 
Berlin, dem einzelne Gauvereine unterstellt sind, ist mit Einverständnis 
des Reichsführers SS gegründet worden. Er hat die Aufgabe, 
Kirchengrundbesitz wie Klöster, konfessionelle An- 
stalten usw. den Kirchen zu entziehen und derPartei 
undihren Gliederungen zur Verfügung zu stellen. 
Durch enge Zusammenarbeit des SD mit der Geheimen Staatspolizei 
und dem Regierungspräsidenten in Wiesbaden, als der staatlichen Auf- 
sichtsbehörde über kirchliche Stiftungen, ist es bisher gelungen, allein 
im Regierungsbezirk Wiesbaden Klöster im Werte von rund 30.000.000 
RM der katholischen Kirche zu entziehen und sie der deutschen Volks- 
gemeinschaft nutzbar zu machen. Ein Zugriff auf weitere Klöster usw. 
wird zum Teil dadurch erschwert, daß keine geeigneten SS-Angehörigen 
zur Verfügung stehen, die als Verwalter bei den einzelnen Klöstern 
eingesetzt werden können. In meiner Eigenschaft als Vorsitzender des 
Gaues Hessen-Nässau — SS-Gruppenführer Heydrich ist mit der Über- 
nahme dieses Amtes durch mich einverstanden — wende ich mich des- 
halb mit folgender Bitte an Sie:, 

Ich bitte zu prüfen, ob nicht ältere SS-Angehörige oder viel- 
leicht auch solche zur Verfügung stehen, die infolge einer Verwundung 
für den Dienst der Waffen nicht mehr in Frage kommen. Diese SS- 

125 



Angehörigen könnten In öffentlichen Anstalten des Regierungsbezirkes 
ausgebildet und damit in die Lage versetzt werden, Klöster mit ihrem 
wertvollen Grundbesitz zu verwalten, schriftlich und mündlich mit den 
verschiedenen Dienststellen zu verkehren, Anordnungen über den Be- 
trieb der Landwirtschaft zu geben und sich gegenüber den anfänglich 
noch in den Klöstern befindlichen Klosterinsassen durchzusetzen. Für 
eine solche Ausbildung wird etwa eine Zeit von zwei Monaten not- 
wendig sein. Nach erfolgter Ausbildung könnten sie dann nach Bedarf 
als Verwalter bei solchen kirchlichen Anstalten eingesetzt werden, die 
zusammen mit der Geheimen Staatspolizei an zustän- 
digen staatlichen Stellen auf meine Weisung hin den 
Kirchen entzogen werden. 

Wesentlich ist, daß die in Frage kommenden SS-Angehörigen nicht 
ohnejedekirchlicheBildungsind, dasiö wenigstens am An- 
fang ihrer Tätigkeit mit kirchlichen Stellen und insbesondere Kloster- 
insassen zu tun haben. Um sie in die Mentalität der Kirche einzuführen, 
wird beabsichtigt, die SS-Angehörigen nach Abschluß der fachlichen 
Ausbildung zu einem mehrtägigen' Lehrgang zusammenzuziehen, um sie 
auf diese Weise auf ihre künftige Arbeit auszurichten. 

gez. Unterschrift 
• SS-Standartenführer." 

Das Ziel war also eindeutig und fest. 

Als Einzelstationen dieses Weges dürfte vielleicht fol- 
gendes genannt werden: 

I. In Schrifttum aller Art, in öffentlichen Versammlungen, auf 
Schulungskursen u. ä. setzte ein offener und versteckter K^mpf 
gegen den Ordensgedanken überhaupt, gegen die 
katholischen Ordensgelübde ein. 

In allen Tonarten wurde verkündet: Mit der Armut der Klöster 
sei es nicht so weit her. Sie seien sehr reich; in ihnen esse und 
trinke man gut, arbeite wenig; Ordensleute wären Drohnen der 
Gesellschaft. Ehelosigkeit und Keuschheitsverpflichtung seien 
etwas Unnatürliches, Gesundheitgefährdendes, bevölkerungspoli- 
tisch Schädliches, Anreiz zu geheimen und öffentlichen Exzessen. 
Gehorsam und Abtötung seien eines freien Deutschen unwürdig. 
Hinter Klostermauem sei überhaupt nicht viel Ideales, sondern 
sehr viel Menschliches. 

II. Dann verdächtigte man die Wirtschaftsführung der 
Orden, setzte phantastische Zahlen über die Menge ihrer Nieder- 
lassungen, über den Umfang des im Besitz der „Toten Hand" 
befindlichen Grund und Bodens in die Welt, sprach viel von dem 
gewaltigen Einnahmenentgang, den der Staat ob der vielfachen 
Steuerfreiheit der Orden erleide, ebenso von der Konkurrenz 
durch die gewerblichen und industriellen Betriebe der Klöster 
(Brauereien, Druckereien usw.). 

Und dann sprach und schrieb man viel von den unzeitgemäßen, 
weitabgewandten Unterrichts- und Erziehungsmethoden der 
klösterlichen Lehranstalten, von gesundheitswidrigen Verhält- 
nisssen in geistlichen Instituten, von mangelnder Pflege des 
vaterländischen Geistes, erst recht vom Fehlen nationalsozialisti- 

126 



scher Gesinnung in klösterlichen Schulen usf. Immer offener 
und derber trat auch schon in Wort und Lied und Bild der 
Spott über das Ordensleben in Erscheinung. 

III. Im Sommer 1935 holte man dann zum großen letzten Schlag 
gegen die katholischen Orden aus zur gründlichsten Diffa- 
mierung. Mittel hiezu waren Devisen- und Sittlichkeits- 
prozesse. 

a) Devisenprozesse 

Zur Finanzierung der Aufrüstung Deutschlands hatte Reichs- 
minister Dr. H. Schacht unter anderem auch eine Reihe von 
Devisenverordnungen gegeben. 

Sie waren so kompliziert, daß selbst Fachleute Mühe hatten, 
sich darin zurechtzufinden und sichere Auskunft zu geben, daß 
Banken und Großbanken sich dafür eigene Spezialisten nahmen. 
Rechtsanwalt Reichling, der Verteidiger der Priester vom Heiligsten 
Herzen Jesu in Hiltrup, konnte am 22. Juli 1935 vor Gericht fest- 
stellen: „Ich habe erfahren, daß Rechtsanwälte, die sich durch viele 
Devisenprozesse durchgekämpft hatten, in privater Unterhaltung 
sich geäußert haben, daß nicht Bloß Kollegen (Rechtsanwälte), son- 
dern auch Richter und Staatsanwälteintheoretische 
Irrt um erbezüglichDevisenangelegenheitenver- 
1 e 1 e n. 

War es da ein Wunder, wenn Laien sich nicht auskannten? 
War es wirklich „Gaunergeist und Verbrechergesinnung", wenn 
Ordensleute, besonders Schwestern, in Finanzangelegenheiten zu- 
meist unerfahren, den Ratschlägen eines Finanzberaters und der 
oftmaligen Versicherung voller Gesetzmäßigkeit von Transaktionen, 
wie sie Finanzmann Dr. H o f i u s gab, Glauben schenkten? 

Kennte z.B. ein Finanzlaie nicht wirklich meinen, es sei er- 
laubt, daß deutsche Schwestern, die in Italien Schulen unterhielten, 
von ihren Ersparnissen Schulden ihres Mutterhauses in Holland 
zahlten? Aber nach den Devisenvorschriften durften sie dies nicht, 
weil sie in Italien keine eigene Ordensprovinz bildeten und darum 
nicht finanziell selbständig waren, vielmehr ihr Geld an das Pro- 
vinzialmutterhaus in Deutschland senden mußten. 

Zweifelhaft konnte es ebenso sein, ob ein deutscher Ordens- 
oberer, der nach Vorträgen in der Schweiz mehrere Tausend 
Schweizer Franken für die deutsche Ordensniederlassung in 
Jerusalem geschenkt erhielt, diese vom Schenker direkt ins 
Heilige Land schicken lassen durfte oder aber sie mit nach Deutsch- 
land nehmen mußte, um sie der deutschen Reichsbank zur Ver- 
fügung zu stellen, und so der Ordensniederlassung in Jerusalem 
die vom Schenker beabsichtigte, dringendst benötigte Unterstützung 
auf Jahre hinaus nicht zuwenden konnte. 

Bezeichnend ist jedenfalls, was die Hiltruper Herz- Jesu-Mis- 
sionare in einem Rundbrief vom 18. Dezember 1945 über den Aus- 

127 



gang des einstmals so groß aufgezogenen Devisenprozesses gegen 
zwei ihrer Patres schrieben: „Die äußere Verfolgung des Dritten 
Reiches gegen uns Hiltruper Herz-Jesu-Missionare begann mit dem 
sogenannten »Devisenprozeß'. Die beiden zu schweren Zuchthaus- 
strafen verurteilten Patres Rudolf Wilmsen und Martin Utsch 
wurden n ach einem Jahr Haf t wi e der freigelassen, 
ohne die Zuchthausstrafen angetreten zu haben, 
d a i h r e ü n s c h u 1 d o f f e n b a r w a r. ■* 

Ob unter den nachfolgend verzeichneten Personen, die in 
Devisenangelegenheiten inhaftiert waren, nicht manche letzten 
Endes subjektiv oder objektiv ebenso schuldlos waren wie diese 
zwei Missionare? 

Verhaftet waren 23. Juni 1935: 

a) Männer 

2 Generalvikare (Meißen und Hildesheim) 
2 Generalsekretäre des Bonifatiusvereins Paderborn 
2 Missionare vom Hl. Herzen Jesu (Hiltrup) 
10 Redemptoristenpatres (Bonn, Aachen, Heiligenstadt, München) 
1 Missionar V. Hl. Geist 
i Lazaristenpater 
4 Barmherzige Brüder aus Trier 

1 Barmherziger Bruder aus Waldbreitbach 

2 Angehörige der PaÜottiner (ein Pater und ein Bruder) in -Limburg 

1 Stiftspropst aus Lauban 

3 Franziskanerpatres aus Schlesien 

2 Rechtsanwälte 

3 Angestellte der Hofiusbank 

Direktor Schneider (Wohlfahrtshaus Berlin) 

b) Frauen 

2 Missionarinnen vom Hl. Herzen Jesu (Hiltrup) 

2 Schwestern U. L. Frau (Mühlhausen und Charlottenburg) 

2 Schwe.stern der christlichen Liebe (Paderborn) 
1 Arme Schulschwester U. L. Fr. 

4 Trebnitzer Borromäerinnen 

3 Graue Schwestern aus Breslau 

6 Schwestern vom Guten Hirten (Reinickendorf, Beuthen, Münster) 

1 Vinzentinerin (Köln-Nippes) 

1 Augustinerin 

1 Sekretärin vom Bonifatiusverein Paderborn 

Wer nicht parier t, w i r d s u s p e n d 1 e r t. 
41 Redakt-eure amtsenthoben! 

In der berechtigten Sorge, daß diesen angeklagten Geistlichen 
und Ordensleuten seitens der deutschen Justiz und der Goebbelschen 
Propaganda nicht volle Gerechtigkeit geschehe, veröffentlichte das 
Erzbischöfliche Ordinariat Breslau eine vorsichtige Erklärung zu 
den Prozessen. Die Redakteure vieler ehemals katholischer Zeitun- 

128 



gen waren froh, nach all den aufgezwungenen Beschuldigungen und 
Beschimpfungen des Klerus und der Orden dieses amtliche auf- 
klärende Wort bringen zu können. Sie alle, 41 an der Zahl, wurden 
daraufhin amtsenthoben, sollten sogar aus der Berufsliste gestrichen 
werden, kamen aber schließlich noch mit einem „blauen Auge", 
mit nachstehender „strengster Verwarnung" davon: 

Der Reichsminister 
für Volksaufklärung und Propaganda Berlin, W 8, den 18. Juni 1935 

.'. . , Wilhelmplatz 8/9 

An 

Sie haben in Ihrer Zeitung eine Erklärung des Erzbischöflichen 
Ordinariats Breslau zu den Devisenprozessen veröffentlicht. In dieser 
Erklärung wird ausgeführt, daß Übertretungen der Devisenverordnun- 
gen auch kirchlicherseits ernstlich mißbilligt würden, wobei die Frage, 
ob aus Unkenntnis oder infolge Irreführung seitens dritter Personen 
gehandelt ist, der Prüfung der Einzelfälle überlassen bleiben müsse. 
Gleiches gelte von der weiteren Frage, ob mildernde Umstände aus dem 
pfliehtmäßigen Streben nach Abwendung der sehr schlimmen Notlage 
einzelner Klöster herzuleiten seien. Einer späteren Zeit müßte es vor- 
behalten bleiben — unbeschadet der Achtung vor den schwebenden ge- 
richtlichen Verhandlungen — , ein ruhiges, alle Momente abwägendes 
Urteil über die genannten Vergehen in ihrer Gesamtheit zu t>'effen, wo- 
bei auch die Absichten der verurteilten Personen, die Irreführung der- 
selben von dritter Seite und nicht zuletzt die außerordentlich großen 
Verdienste der Orden für Religiosität, Volkswohl und freie Liebsstätig- 
keit im Inl und Ausland nicht übersehen werden dürften. 

Diese Sätze enthalten eine unhaltbare Beweisführung und einen un- 
geheuerlichen Abs(ihwächungsversuch eines gerichtsnotorischen Ver- 
brechens. Sie stellen eine offensichtliche Herabsetzung der Würde und 
des Ansehens der deutschen Justiz dar, die sich im schroffen Wider- 
spruch zu der über die Devisenprozesse in allen Volkskreisen herrschen- 
den öffentlichen Meinung befindet (vgl. dazu auch die Erklärung des 
Reichs j ustizministeriums). 

Sie haben damit gegen die Pflicht verstoßen, Ihrer Zeitung alles 
fernzuhalten, was geeignet ist, die Kraft des Deutschen Reiches nach 
außen und im Innern zu schwächen. (§ 14 Nr. 2 des Schriftleitergesetzes.) 
Sie haben ferner gegen die Pflicht verstoßen, die Gegenstände, die Sie 
behandeln, wahrhaft darzustellen (§ 13 a. a. O.). Ich verwarne Sie daher 
strengstens und erwarte, daß Sie in Zukunft die Gesetze des national- 
sozialistischen Staates schärfstens beachten. 

Mit der. vorstehenden Verfügung ist Ihre Zurdispositionsstellung 
aufgehoben. Ihrer weiteren Schriftleiterbetätigung steht dabei nichts 
mehr im Wege. 

Heil Hitler! 

In Vertretung 
gez. Walter Funk. 

Es gab gewiß Fälle, wo der Sachverhalt klarer , lag, wo die 
gesetzwidrige Geldausfuhr wirklich schwer zu verurteilen war. 

Aber mußte es dabei zu dieser Art von Prozeßführung 
kommen, wie sie nur im Dritten Reich und auch da nur für 
Ordensleute beliebt wurde? 
Kreuz und Hakenkreuz t ji 29 



Mußte es zu so u n e r h ö r t e n G e f ä n g n i s - u n d Geld- 
strafen und Ersatzforderungen (nach Hunderttausenden) 
kommen? 

Mußte den Verteidigern so wenig Zeit zum Stu- 
dium der umfangreichen und schwierigen Akten oder zur Be- 
sprechung mit dem Angeklagten belassen werden, daß z. B. der 
Vertreter des Redemptoristenpaters Aigner von Gars vor Gericht 
klagen mußte: „Eine kurze Frist von drei Stunden, in 
welcher etwa 3 Punkte besprochen werden müs- 
sen, reicht nicht aus, um den Fall klarzustellen." 

Mußte mit so ungleichem Maß gewogen werden? Warum 
konnte z. B. manchen Devisensündern aus Industrie- oder Bank- 
häusern, besonders aber aus Parteikreisen, Gelegenheit zur außer- 
gerichtlichen Wiedergutmachung gegeben oder über 
ihre nicht kleineren Vergehen nur mit ein paar Zeilen in 
der Presse berichtet werden? 

Mußten die Prozesse gerade dann hervorgeholt wer- 
den, wenn man sie besonders brauchte zur Aufreizung des Volkes 
öder zur Ablenkung von unangenehmen Ereignissen? 

Mußte über die Devisenverfehlungen von Ordensleuten in Zei- 
tung und 'Zeitungsanschlägen, in Presse und Radio berichtet werden 
unter Überschriften wie: „Fromme Gauner gehen ins 
Gefängnis", „Millionen Schmuggel von Klöstern", 
„Märtyrer und geistliche Devisenschieber" u. ä.? 

Mußte über Verurteilungen in breitester Öffentlichkeit ge- 
schrieben werden, aber geschwiegen werden über Be- 
rufungen und ihren vollen oder wenigstens teilweisen Erfolg? 

Mußte deutsche Justiz den Prozeß gegen den Jesuitenpater 
NellBreunig im Jahre 1936 absetzen, sobald in Erfahrung ge- 
bracht wurde, daß auch holländische Juristen zur Ver- 
handlung erscheinen wollten und so Gefahr war, daß die Sache 
nicht so einfach abgetan werden konnte, vielleicht gar nicht nach 
dem „Regieplan" verlaufen würde, dann aber 1943 (nach 7 Jahren!), 
als durch die militärische Überwältigung und Besetzung Hollands 
von dieser Seite eine juristische Einmischung nicht mehr zu be- 
fürchten war, den „auf Eis gelegten" Akt wieder hervorziehen und 
die Anklage wieder aufwärmen? Und wer versteht es, daß der 
Pater von einer Verletzung der Devisenvorschriften freigesprochen, 
ersatzweise aber wegen „mangelnder nationalsoziali- 
stischer Gesinnung" zu drei Jahren Zuchthaus, djarüber 
hinaus sein Orden auch zur Zahlung von rund 1 Million Mark ver- 
urteilt wurde? 

Mußte die Verfehlung einzelner Ordensleute der ganzen 
katholischen Kirche in die Schuhe geschoben und auf 

130 



Firmungsreisen Bischöfen ins -Gesicht geschleudert ^yerden, wie es 
in Hamm dem Erzbischof von Paderborn geschah? 

Mußte es nebst einseitiger un^ gehässigster Prozeßbericht- 
erstattung auch noch zu ärgsten Karikaturen der Ordensleute 
kommen, zu Bildern, wie sie „Das Schwarze Korps" brachte, z. B. 
mit der Darstellung von zwei abstoßenden Ordenspatres und der 
Unterschrift: „Der liebe Gott sieht es, aber Dr. Schacht sieht es 
nicht"? 

Mußte es veranlaßt und geduldet werden, daß auf allen Gassen 
und in allen Lagern Spottlieder auf. „devisenschiebende Ordens- 
leute", Vatikan und Papst gesungen wurden, selbst von unreifen 
Hitler jungen? 

Beispiele dafür: 

„KlosterHed (Melodie: ,Eine Seefahrt, die ist lustig') 

1. Ja das Leben in dem Kloster, 
Ja das Leben dort ist schön, 

Ja da kann man, statt zu beten 
auch Devisenschieben gehn! 
» Holerie, Holero... 

2. Pater, Mönch und auch die Nonne, 
alle drei sie nehmen an, 

beten schnell. ein Paternoster 
und dann geht's ans Schieben ran! 
Holerie, Holero . . , 

3. Mit Devisen schwerbeladen, 
schleicht die Nonne durch das Land, 
ihr Gesicht ist fromm und heilig, 
deshalb bleibt sie unerkannt. 
Holerie, Holero., , 

4. Und sie gibt dem Mönch das Päckchen, 
drückt ihm alles in die Hand, 

und der schiebt dann lustig weiter 
aus dem deutschen Vaterland. 
Holerie, Holero . . , 

5. Eines Tages war's zu Ende, 
eines Tages war's vorbei, 
und das Volk bekam zu hören 
von der großen Schieberei. 
Holerie, Holero... 

6. In des Kerkers tiefen Gründen, 
hinter Gittern, welch ein Graus, 
ruhen Pater, Mönch und Nonne 
vom Devisenschieben aus. 
Holerie, Holero . . < 

131 



Und es sagt die Nonn' zum Pater, 
ach, wie war es doch so schön, 
als man für den Heiligen Vater 
könnt' Devisen-Schieben gehn. 



Amen 



Am Donnerstag, den 25. Juli 1936, wurde nachfolgendes Devisen- 
schieberlied hektographiert beim Eingang in das Sturmheim in der 
Aberleistraße zu München vom stellvertretenden Sturmführer jedem SA 
überreicht mit der Bemerkung: ,Das muß man auswendig lernen.'' 

M e lo d i e : ,Als wir nach Frankreich zogen . . .' 

1. Ein Mädchen ging ins Kloster, 
Ade, du schöne Zeit! 

Da hat der Papst geschrieben: 
Sie soll Devisen schieben. 
Der Vatikan braucht Geld. 

2. Als sie nach Holland zogen. 
Da waren's ihrer drei, 
Ein Pater und zwei Brüder, 
Das waren Devisenschieber, 
Die Nonn' war auch- dabei. 

3. Und als sie weiter schoben. 
Da waren's nur noch zwei. 
Der Pater saß im Kittchen, 
Den hat man am Schlawittchen, 
Da war der Spaß vorbei. 

4. Njach Brüningschen Gesetzen 
Stellt man ihn vor Gericht. 
Sein Haupt war kahl geschoren, 
Sah aus wie ein Arsch mit Ohren 
Schneeweiß war sein Gesicht. 

5. Bei all den frommen Heuchlern 
Erhob sich ein Geschrei. 

Es flehen ihre Liedei*: 
Gebt die Devisen wieder 
Der armen Klerisei ll 

6. Als sie zum Himmel kamen, 

Der Papst stand schon dafür: ' 

Kommt rein, Devisenschieber, 
So seid ihr mir noch lieber. 
Für Euch steht auf die Tür. ^ 

7. Mit den scheinheiligen Worten 
Da ist es jetzt genug! 

Ihr sollt den Nächsten lieben 
Und nicht Devisen schieben, 
Denn das ist Volksbetrug." 

132 



b) Sittlichkeitsprozesse 

Wir müßten sie eigentlich Sittlichkeits s c h a n d prozesse hei- 
ßen, wenn wir sie sofort richtig kennzeichnen wollten. 

Denn Zweck dieser Prozesse war ja nicht so sehr die Be- 
strafung von Schuldigen, nicht die Ausmerzung von Übeln, nicht 
die Beseitigung von Gefahren, nicht die Besserung der Volksmoral, 
nicht die Reinigung der Kirche, sondern die Diffamierung des 
katholischen Klerus und der katholischen Orden, eine Schändung 
des Priester- und Ordenskleides, im besonderen aber eine neue 
Waffe im Kampf gegen die verhaßte Kirche, eine Rechtfertigung 
der ganzen kirchenfeindlichen Haltung des NS, ein Vorwand für 
die Unterbindung der Unterrichts- und Erziehungstätigkeit der 
religiösen Orden, ein beschönigender Grund für die Aufhebung 
geistlicher Anstalten und Klöster, ein Schreckschuß gegen die 
Ordensabsichten ; junger Menschen, eine Einschüchterung der welt- 
anschaulichen Gegner, eine Ablenkung von unangenehmen Tat- 
sachen und Kritiken. 

Kein Glied oder Freund der Kirche wird leugnen wollen, daß 
es da und dort auch bei Weltpriestern und Ordensleuten Mißstände 
rind Vergehen gab, besonders in Orden, die nach dem Weltkriege 
wegen Mangels an Arbeitskräften weniger streng in der Aufnahme 
von Kandidaten gewesen waren. Niemand wird es billigen, wenn 
Ordensobere oder auch kirchliche Behörden nicht schon bei Be- 
kanntwerden erster Verfehlungen schnell und scharf einschritten. 
Niemand in der Kirche wird verlangen oder auch nur erwarten, 
daß die Justiz halt mache vor Pfarrhöfen oder Klosterpforten oder 
gegen allenfalls schuldige Insassen weniger streng vorgehe als 
gegen Laien; eher das Gegenteil! 

Aber die Sittlichkeitsprozesse gegen katholische Priester und 
Ordensleute waren ja in der Hauptsache gar nicht eine Angelegen- 
heit der deutschen Justiz, sondern der deutschen Propaganda. 

Der Reichspropagandaminister Goebbels hat in seiner berüch- 
tigten Rundfunkrede vom 28. Mai 1937 an die zwanzigmal betont, 
daß er, der Propagandaminister, sich von Amts 
wegen mit diesen Prozessen beschäftigte, also Propaganda sollte 
damit gemacht werden. Und Goebbels setzte den ganzen gewaltigen 
Amts apparat der Propaganda in Bewegung, um In- und 
Ausland geradezu gruselig zu machen vor dem bodenlosen Abgrund, 
in den, er, in seinem innersten Sittlichkeitsgefühl zutiefst verletzt, 
rücksichtlos hineinleuchtete, und über den ekelhaften Schmutz,. der 
„bis zum Himmel stank". 

Und Goebbels befolgte hiebei genau und reichlichst seine 
eigene, eingangs erwähnte Anweisung für die Propaganda, daß sie 
„nicht objektiv die Wahrheit zu erforschen, son- 
dern ununterbrochen der eigenen zu dienen habe." 

138 



Bezeichnend sind dafür nachfolgende zweiSpezialanwel- 
sungen, welche der Reichs justizminister geradezu im Auftrag 
des Reichspropagandaministers, teilweise mit dessen eigenen Wor- 
ten, hinausgibt:, 

„Abdruck 

Reichsjustizministerium Berlin) den 9. April 1937 

Der Pressereferent 
1273 Pr. AUg. 190/37 

An die Herren 

Leiter der Justizpressestellen. 

Betreff: Berichterstattung über Strafverfahren gegen Geistliche und 
Ordensangehörige sowie sonstige Verfahren mit fcirchenpoliti- 
schem Gegenständ. 

Unter Bezug auf meine Verfügg. v. 8. 4. 37 — - 1273 — Pr. Allg. 190/37 •— 

In der heutigen Pressekonferenz der Reichsregierung hat der R., 
Minister für Volksauf klärung und Propaganda folgende Richtlinien be- 
kanntgegeben, die den Landesstellen durch Fernschreiben zugegangen 
sind: 

jDurch eine Rundverfügung d. Hr. Min. d. Justiz werden in kurzer 
Frist die im vorigen Jahre zurückgestellten Prozesse 
gegen katholische Geistliche und Ordensangehörige wegen sittlicher 
Verfehlungen usw. nunmehr durchgeführt. Die Berichterstattung 
über diese Prozesse wird bis auf weiteres durch von hier getroffene 
Einzelmaßnahmen geregelt. Im Einvernehmen mit dem Justizminister 
werden die wichtigsten und schwerwiegendsten Fälle herausgegriffen 
und zur Berichterstattung freigegeben. Welche Schriftleiter 
zu d^en einzelnen Prozessen zugelassen werden, wird 
jedesmal einzeln bestimmt. Aus der großen Masse der übri- 
gen Prozesse werden den Landesstellen zur örtlichen Berichterstattung 
jeweils einzelne interessante (!) Fälle zugeteilt. Die Landes- 
stellen können in dieser Beziehung Vorschläge machen, die mit d. R. 
Justizministerium geprüft und entschieden werden. Den Zeitungen ist 
jetzt schon zu untersagen, Verhandlungsberichte, die nur für einen 
Teil der Presse freigegeben werden, willkürlich zu übernehmen. Le- 
diglich die ganz schweren und großen Fälle, die im einzelnen noch 
mitgeteilt werden, sollten in der gesamten Reichspresse ausführlich 
behandelt werden. Über die übrigen Prozesse gibt DNB kurze zu- 
sammenfassende Meldungen aus, die die Art der Verbrechen und die 
ausgesprochenen Strafen enthalten. Diese Meldungen sind ebenfalls 
für die Reichspresse frei'. 

Zur Durchführung dieser Sprachregelung teile ich noch er- 
gänzend mit: 

1. Die Schriftleiter, die über besonders bedeutsame Strafverfahren 
berichten sollen, werden in jedem Einzelfall von d. H. R. Min. f. Volks- 
aufklärung und Propaganda ausgewählt. Gleichzeitig soll an den Haupt- 
verhandlungen über diese Strafsachen ein Vertreter des DNB teilneh- 
men. Diejenigen Zeitungen, deren Schriftleiter für die Hauptverhand- 
lung nicht zugelassen werden, haben daher den Bericht des 
DNB zu übernehmen. Eigene Berichterstattung dieser Zeitungen 
hat zu unterbleiben. 

Da über sämtliche Strafverfahren gegen katholische Geistliche von d. 
Staatsanwaltschaft d. Hr. R. Min. d. Justiz berichtetwerdenmuß, 
ist der R.Justizminister in der Lage, die besonders schweren Fälle, die 
sich für die Berichterstattung im ganzen Reich eignen, auszuwählen 

134 



und dem R.Propagandaministerium zur Freigabe vorzuschlagen. Das 
schließt jedoch nicht aus, daß die Justizpressestellen in geeigneten Fäl- 
len hierher entsprechende Anregungen geben. Die hier ausgewählten 
besonders schweren Fälle werden den einzelnen Justizpressestellen 
ebenso wie die Namen der ausgewählten Schriftleiter unverzüglich mit- 
geteilt. Diese Justizpressestellen haben darauf den Hauptverhandlungs- 
termin mit größter Beschleunigung hierher zu berichten. ■> 

2. Über Strafverfahren von geringerer Bedeutung, die nur örtliches 
Interesse haben, darf nur die örtliche Presse berichten. Um zu ver- 
hindern, daß dabei nicht richtig Maß gehalten wird, ist die Bericht- 
erstattung über diese Verfahren nur nach vorheriger Genehmigung durch 
die Presseabteilung des R.Propagandaministeriums gestattet. Die Ent- 
scheidung der Presseabteilung, die im Einvernehmen mit dem Presse- 
referenten im R.Justizministerium getroffen wird, wird der örtlichen 
Presse rechtzeitig vor der Hauptverhandlung durch die zuständige Lan- 
desstelle oder Justizpressestelle mitgeteilt. In diesem Strafverfahren 
kann die Justizpressestelle im Einvernehmen mit der Landesstelle bei 
mir die Freigabe der Berichterstattung unter Darlegung der Gründe 
für die Notwendigkeit der Berichterstattung anregen. 

3. In der Pressekonferenz ist die Presse noch ergänzend angewiesen 
worden, sachlich, zu berichten, sich jeder Angriffe auf die Kirche als 
solche zu enthalten und aus den Berichten alle Einzelheiten der Straf- 
taten wegzulassen, die das Sittlichkeitsempfinden verletzen könnten. 

4. Die Durchführung der Sprachregelung erfordert eine enge Zu- 
sammenarbeit mit der Landesstelle und mit den Staatsanwaltschaften, 
Es ist erforderlich, daß !.ich die Justizpressestellen über alle einschlägi- 
gen Verfahren unterrichten und ihrerseits die Landesstellen von diesen 
Verfahren laufend in Kenntnis setzen. Um die Unterrichtung der Justiz- 
pressestellen sicherzustellen, hat der Hr. Reichsjustizmihister die an- 
liegende R. V. an die Generalstaatsanwälte und Oberstaatsanwälte 
erlassen. 

5. Ich ersuche, mir besondere Erfahrungen bei der .Durchführung 
dieser Verfügung oder Anregungen zu ihrer Änderung beschleunigt mit- 
zuteilen. 

gez. Dr. Doerner." 

Um . die Unterrichtung der Justizpressestellen sicherzustellen, 
gab der Reichsjustizminister noch nachfolgende Verfügung: 

„Abdruck. 

Der Reichsminister der Justiz Berlin, den 9. April 1937 

6010/1 — 111-3 370/37 — 

An sämtliche Herren Generalstaatsanwälte, 
sämtliche Herren Oberstaatsanwälte, 
den Herrn Oberreichsanwalt in Leipzig, 
den Herrn Reichsanwalt b. Volksgerichtshof Berlin 

Betreff: Strafverfahren gegen Geistliche und Ordensangehörige sowie 
sonstige Verfahren mit kirchenpolitischem Gegenstand. 

Unter Bezugnahme auf die RV. v. 7. April 1937 Nr. wie oben! 

Für die Berichterstattung der Presse über die obenbezeichnetea 
Strafverfahren sind besondere Weisungen gegeben worden, die es erfor- 
derlich machen, daß die Justizpressestellen über sämtliche einschlägige 
Strafverfahren unterrichtet werden. Zu diesem Zwecke bestimme ich, 
daß in allen Strafverfahren gegen Geistliche und Ordensangehörige sowie 
in sonstigen Verfahren mit kirchenpolitischem Gegenstand ein Durch- 
schlag der Anklageschrift beschleunigt der zuständigen Justizpressestelle 

135 



zu übersenden ist. Dies gilt auch soweit die Anklage bereits erhoben 
ist; in den Fällen des Abs. 3 der RV. v, 7. April 1937 jedoch nur, wenn 
die Anklage nach Abschluß der vorgesehenen Prüfung aufrecht er- 
halten bleibt. 

I.A. 

gez. Dr. Grohne." 

Diese Anweisung läßt erkennen, daß die „Sittlichkeitsprozesse" 
gegen katholische Geistliche und Ordensangehörige wie die Devisen- 
prozesse auf lange Zeit zurückgestellt oder, wie der Fächausdruck 
lautete, „auf Eis gelegt" waren und erst wieder hervorgeholt wur- 
den, als die Zeitumstände dies günstig erscheinen ließen oder ver- 
langten, daß den „Schwarzen" wieder eins ausgewischt werden 
sollte. Unter diesem Gesichtspunkt ist das Datum des Rund- 
schreibens und der neuen Prozeß welle von Interesse: ^/s Monat 
nach der Verö»ffentlichung des Päpstlichen Rund- 
schreibensüberdieLagederkatholi'schen Kirche 
in Deutschland „Mit brennender Sorge". Sein gewaltiger Ein- 
druck im In- und Ausland mußte verwischt und verdrängt, das 
Interesse der Öffentlichkeit auf andere Dinge gelenkt werden. Und 
Unsittliches begegnet ja bei vielen Leuten großem Interesse. Darum 
ausführlichste Berichterstattung hierüber, und zwar durch Spezia- 
listen, welche Goebbels selbst „jedesmal einzeln bestimmt"! 

Und das Ergebnis dieser „Propaganda-Richtlinien" und „Sprach- 
regelung" und „Schriftleiterauswahl" war eine Berichterstattung 
über die Sittlichkeitsprozesse, auf die Prediger G ö 1 1 1 von Mün- 
chen (t) ibit Recht das Wort des Dichters Grabbe in „Scherz, Satire 
und Ironie" angewandt hat: „Diehärteste Strafe eines 
Ver dämmet en bestünde darin, daß er die ,Abend- 
zeitung' und den »Freimütigen' lesen müßteund 
sie nicht anspucken dürfte." 

Charakteristische Merkmale der „Sittlichkeitsprozesse" 
und -Berichterstattung 

I.Neue Methoden der Untersuchung: 

Im Laufe der Jahre 1936/37 stellte die Geheime Staatspolizei 
Nachforschungen in fast allen Klöstern, bischöflichen und klöster- 
lichen Seminarien, Mittelschulen und Studienheimen, ja selbst in 
Fürsorgeanstalten und in Krankenhäusern an, ob nicht irgend- 
welche Spuren sittlicher Verfehlungen zu finden seien. Unter rück- 
sichtsloser Außerachtlassung jeglichen Schamgefühls wurden düe 
einzelnen Schüler über Möglichkeiten von Verfehlungen befragt, 
von denen sie zumeist noch keine Ahnung hatten. In unpsycho- 
logischer und unpädagogischer Art wurde manches in sie geradezu 
hineingefragt und ihnen ein Anreiz gegeben, sich durch Anschul- 
düngen wichtig zu machen (bes. bei Fürsorgezöglingen naheliegend). 

Mit Versprechungen, Drohungen, selbst mit Mißhandlungen 
wurden Aussagen gegen die Geistlichen und Ordensleute zu ge- 
winnen gesucht. 

136 



Es ist bezeichnend, was ein Fürsorgezögling von Birkeneck bei Frei- 
sing nach solch einer Vernehmung äußerte: „Sagst du die Wahrheit, daß 
nichts Unrechtes gewesen ist, dann wirst du mit Einsperren bedroht, 
lügst du aber schließlich, um endlich Ruhe zu bekommen, und sagst 
etwas Unsittliches gegen die Geistlichen aus, dann bekommst du Ziga- 
retten." Und so gepeinigt war dieser Junge schließlich von der Schuld, 
falsches Zeugnis gegeben zu haben, daß er entlief, nach ein paar Tagen 
aber freiwillig zurückkehrte, um die erpreßte Anklage zurückzunehmen, 
sowohl vor den Vorgesetzten an der Anstalt wie vor der Oberhirtlichen 
Stelle. 

Ganz besonderen Wert legte die Gestapo bei diesen Unter- 
suchungen in klösterlichen und geistlichen Anstalten darauf, die 
Namen früherer Insassen, Schüler,, Kandidaten, Novizen, selbst 
von Hausangestellten, die aus eigenem Willen ausgetreten oder 
durch die Oberen entlassen worden waren, ausfindig zu machen. 
Diese wurden dann ganz besonders „ins Gebet genommen" und 
peinlichst ausgefragt, warum sie das Haus verlassen hätten, ob sie 
nicht irgendwelche unsittliche Vorkommnisse in der Anstalt ent- 
deckt oder gar mitgemacht hätten. 

In den Listen der Krankenhäuser der Barmherzigen Brüder in Pil- 
chowitz, Neustadt und Breslau wurden selbst Personen, die vor 1 bis 
4 Jahren dort als Patienten gelegen waren, festgestellt, um sie dann zu 
Hause über die Brüder zu vernehmen. 

In ganz Bayern wurde im Jahre 1937 die PoUzei beauftragt, 
nachzuforschen, ob Priester Kinder hätten oder jemals Alimente 
bezahlt hätten oder noch bezahlten. 

Selbst der Beichtstuhl war nicht sicher vor Anklage und Verleum- 
dung: Im Juni 1937 wurde ein altehrwürdiger Priester Münchens, dessen 
mehr als 50 jähriges vorbildliches Priesterleben keinen Makel dieser Art 
aufwies, in einer Zeitung auf Grund irgendwelcher Kinderaussagen be- 
schuldigt, den Beichtstuhl zu mißbrauchen zur Verteidigung von Per- 
sonen, die ob ihrer unsittlichen Verfehlungen vors Gericht gehörten. 

2. Tendenziöse Darstellungen und Entstellungen. 

Bloße Kandidaten und Postulanten, also Personen, 
die kein Ordensgelübde gemacht hatten und gar nicht zum Ordern 
gehörten, sondern nur zur Probe aufgenommen waren, wurden in 
Berichterstattungen über die Sittlichkeitsprozesse schon als 
Ordensleute bezeichnet. Ebenso wurden Personen, die längst 
aus dem Kloster entlassen waren, noch als „Ordensbrüder" 
bezeichnet. 

So setzte beispielsweise der Stuttgarter NS-Kurier vom 30. Dezem- 
ber 1937 über eine Verhandlung in Ellwangen die Überschrift: „Ein 
Laienbruder im Kloster Neresheim 20 Vergehen gegen die öffentliche 
Sittlichkeit überführt." Und der Tatbestand? Nur eines dieser Ver- 
gehen war im Kloster geschehen. Und gerade wegen dieser einen 
Verfehlung war der junge Mann sofort aus dem Kloster entlassen 
worden. Alle übrigen 19 Fälle spielten sich außerhalb des Klo- 
sters ab, wurden aber von der Zeitung dem „Klosterbruder" beigelegt. 

So waren von 14 Alexianerbrüdern, die verurteilt wurden, nicht 
weniger als 11 aus dem Orden ausgeschieden. Ein Alexianerbruder, von 

Kreuz und Hakenkreuz It jg^ 



dem die Zeitungen entrüstet berichtet hatten, daß er Ministranten zu- 
erst mit Meßwein betrunken gemacht und dann mißbraucht hätte, 
mußte als schuldlos freigesprochen werdenl 

Selbst Sittlichkeitsdelikte yon bloßen Hausdienern und 
Taglöhn ern, die in Klöstern oder Ordensanstalten arbeiteten, 
vmrden den Ordensleuten in die Schuhe geschoben, z. B. die Ver- 
fehlung eines Handwerkers, der gegen tägliche Entlohnung in der 
Mittelschule der Maristenschulbrüder in Mindelhelm tätig war. 

Ähnlich war es mit dem Mord von Manage in Belgien, über 
den „Das Schwarze Korps" in großer Aufmachung unter dem Titel: 
„Es stinkt zum HJmmel" und mit schwersten Vorwürfen und Verdäch- 
tigungen gegen die Klöster berichtete und im Anschluß daran fast die 
gesamte deutsche Presse. Extrablätter mit diesem Artikel des „Schwar- 
zen Korps" wurden gedruckt, in die Briefkästen von München, selbst in 
den Fragekasten einer Kirche gesteckt. Sogar ehemals katholische Zei- 
tungen, wie die „Kölnische Volkszeitung" vom 4. April 1937 wurden ge- 
zwungen, den Bericht der deutschen Nachrichtenagentur unverkürzt zu 
bringen. 

Und die Wirklichkeit? 

1. Das Institut Manage wat gar keine Klo st er schule, sondern eine 
Industrieschule, die lediglich Von Barmherzigen Brüdern ge- 
leitet wurde. 

2. Der Mörder War nicht ein Ordensbruder, sondern lediglich ein erst 
kurz eingestellter Hausdiener. 

3. Die Ärzte fanden es notwendig, den Verbrecher auf seihen Gei- 
steszustand zu untersuchen. 

4. , Von mehr als 10 000 Barmherzigen Brüdern Belgiens war kein 
einziger eines Sittlichkeits vergebens beschuldigt. 

Genau so unl ^gründet war es, als im Sommer 1937 die Ermordung 
eines 13jährigen Knaben durch einen 17jährigen Jungen zunächst als 
das Verbrechen eines „Laienbruders", dann als das eines Klosterzög- 
lings unter schwersten Angriffen auf Zölibat und Keuschheitsgelübde 
berichtet wurde. In Wirklichkeit hatte der Obere der Schulbrüder von 
Maria Tann den Schuldigen, der den Eindruck eines Geisteskranken 
machte, am selben Tag, an dem er Kenntnis von seiner Verfehlung 
mit einem Knaben erhielt, in das eine Stunde entfernte Krankenhaus 
von Villingen gesandt und hatte sofort den Vater des Schuldigen unter- 
richtet und war auch durch dessen inständigstes Bitten nicht zu be- 
wegen, den krankhaften jungen Menschen in die Anstalt zurückzuneh- 
men, riet ihm vielmehr eindringlichst, den Sohn mit nach Hause zu 
nehmen. Dieser tat es leider nicht. So schlich sich der Krankhaftveran- 
lagte nach einigen Wochen während der Nacht aus dem Haus in die 
Anstalt von Maria Tann und tötete das Opfer seiner Gier. Pfarrer 
Ackermann von Rodalben (Rheinpfalz) konnte am Grabe des zu Tode 
gemarterten Schülers der Schulbrüder zu Maria Tann konstatieren: 

„Von einer Schuld auf selten der Anstalt kann keine Rede sein. 
Was menschenmöglich war, ist hier geschehen. Das wurde auch 
von der Untersuchungskpmmission anerkannt. Der Mörder war 
kein Schulbruder, nicht einmal Klosterschüler zur Zeit der Tat, 
sondern befand sich, aus der Klosterschule entlassen, schon einige 
Wochen im Krankenhaus zu Villingen. Alle Vorwürfe und An- 
klagen, die in der Öffentlichkeit gegen das Kloster erhoben wurden, 
weise ich hier öffentlich und mit allem Nachdruck zurück." 

138 



Tendenziös entstellt waren auch Berichte über Sittlichkeits- 
vergehen von 

katholischen Theo lo gen undJugendführern. 

Der „Theologie studierende" von Saßbach, der eines Sitt- 
lichkeitsvsrbrechens bezichtigt wurde, war nichts als Schüler an einer 
Unterklasse einer Mittelschule. 

Der katholische „T heolo giestuden t" und „Führer der 
ganzen katholischen Jugendvereine Baden s", S c h ü 1 1 e, 
über dessen Verfehlungen „Das Schwarze Korps" vom 4. Februar 1937 
berichtet unter der Überschrift „Von der Blutschande zur Weihe", war 
auch bloß Student an einer Mittelschule und hatte lediglich vor zwei 
Jahren etwa sechs Monate lang mit Diözesanpräsides des Katholischen 
Jungmännerverbandes mitgearbeitet. Vom Empfang irgendeiner Weihe 
keine Spur! 

Der „Völkische , Beobachter" vom 25. Mai 1937 berichtete unter der 
Überschrift. „Drei Jahre Gefängnis für den Gründer einer katho- 
lischen Jugendvereinigung" über die Verurteilung eine« 
44jährigen Karl; Kr leger. Aber der von ihm gegründete Verein: 
„Jugendlust" war gar keine katholische Jugendorganisation. Weder 
Krieger selbst noch seine Gründung war den kirchlichen Behörden be- 
kannt. 

Noch krasser war es, daß ein Abtreibungsvergehen, das sich eine 
„Braune Schwester" in Tiengen bei Waldshut hatte zuschulden 
kommen lassen, in den Zeitungen als das einer „O r d e n s s c h w e s t e r" 
erschien. 

3. Erwies eneErfindungen 

a) Am 29. Mai 1937 berichtete der „Völkische Beobachter" einen 
Artikel: „Über die Grenze mit falschen Pässen". Tags darauf 
schrieben über ebendies die' „Münchener Neuesten Nachrichten" 
unter dem Titel: „Jesuitenpater fälscht Zeugniss e." 
In beiden Fällen handelt es sich um die Strafverfolgung von 
Alexianerbrüdern in Bonn. Einer der Angeklagten, Ernist 
Walter, ward in dem Artikel erzählt, hätte bekannt, falsche 
Papiere (Taufzeugnis usw.) von einem Münchener Jesuiten 
Friedrich Schmidt, Am Dom Nr. 5, erhalten zu haben, 
um ihm zur Flucht zu verhelfen. Tatsachen: 

1. Der Angeklagte hieß Walter R a u p p, nicht Ernst Walter. 

2. Weder in ganz Deutschland, noch in ganz Österreich gab 
es einen Jesuitenpater namens Friedrich Schmidt. 

3. Es gibt keine Jesuitenniederlassung in München „Am 
Dom"; ja, es gibt überhaupt nicht einmal eine Straße 
dieses Namens.' 

4. Das Gericht schenkte darum mit Recht diesen Behaup- 
tungen keinen Glauben, aber die Zeitungen gaben sie 
wieder als wahr. 

b) Gegen Ende 1937 erschien eine „Schmutz- und Schundschrift" 
von Schwabe, Hauptschriftleiter des „Westdeutscher Beobachter". 
Darin wurden Feststellungen berichtet, die von einem katho- 
lischen Priester Fr. Otto Schwab von Bamberg stamme* 

139 



sollten. ' Weder in der Diözese Bamberg noch in einer anderen 
deutschen Diözese gab es einen Priester dieses Namens. 

c) Verfehlungen imKlostervonBiberach entbehrten ebenso 
offensichtlich jeglichen Fundamentes, , da ja in Biberach über- 
haupt kein Kloster besteht. 

4. Übertreibungen. 

Der Nationalsozialismus war ein Freund großer Worte, großer 
Zahlen, großer Massen, großer Bauten. So verwundert es nicht, 
wenn auch die Sittlichkeitsverbrechen katholischer Geistlicher und 
Ordensleute im Munde der nationalsozialistischen Redner und in 
den Zeilen nationalsozialistischer Zeitungen und Zeitschriften sehr 
rasch ins Riesenhafte wuchsen, wenn z. B. Reichsinnenminister 
Fr ick in einer Rede zu Koblenz im Jahre 1936 sich zu der Be- 
hauptung verstieg: „Ordenshäuser, welche Stätten der Betrachtung, 
des Gebetes und Gotteslobes sein sollten, haben sich als wahre 
Brutstätten des Lasters erwiesen." 

Noch weniger verwundert es, wenn der „Meister der Lüge", 
Dr. Goebbels, in seiner demagogischen Rundfunkansprache vom 
28. Mai 1937 Sätze sprach wie: 

„Eine große Zahl katholischer Geistlicher ist wegen Sexual- 
verbrec|hien verhandelt worden. Das ist nicht mehr eine Angelegenheit 
bedauernswerter Einzelverfehlungen, sondern eine solche allgemein 
sittlicher Korruption, wie sie die Geschichte der Zivilisation 
kaum jemals gekannt hat. Keine andere Gesellschaftsschicht 
hat je solche Verderbtheit zu verbergen gehabt. Es ist kein Zweifel, daß 
die Tausende von Fällen, die ans Licht gekommen sind, nur ein 
kleiner Bruchteil des ganzen moralischen Sumpfes sind! !" 

Eine echt nationalsozialistische Heuchelei und Irreführung aber be- 
deutete es, wenn der Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten, 
K e r r 1, in einer Rede in Fulda am 24. November 1937 von 7000 Straf- 
fällen katholischer Geistlicher seit 1933 sprach, in einer Rede zu Hagen- 
Westfalen, am 30. November 1937, Zahlen über die „Sittlichkeits- 
prozesse" gab, die den Eindruck von Genauigkeit machen und doch 
falsch waren. Er. nannte da als 

„verurteilt": 45 Priester, 

176 Brüder und Nonnen, 
21 Angestellte 

insgesamt 242 

als „noch in Verhandlung": 93 Priester 

744 Brüder und Nonnen, 
118 Angestellte 



insgesamt 955 



' Niemand konnte natürlich nachkontrollieren, wie die Zahl 7000 zu- 
stande kam. Auf jeden Fall waren darin alle Vergehen irgendwelcher 
Art, welche dorn katholischen Klerus zur Last gelegt wurden, beispiels- 
weise auch alle Verfehlungen gegen den „Kanzelparagraphen", gegen 
das „Heimtückegesetz", gegen die Befläggungsvorschriften, gegen das 
Sammlungsgesetz u. ä., zusammengeworfen mit den „Sittlichkeitsver- 
brechen"'. 

140 



Die „Verlässigkeit" der in Hagen erwähnten Einzelangaben 
geht aus folgender Feststellung der deutschen Bischöfe im Juni 1937 
hervor: 

Von 21 6 41 Weltpriestern Deutschlands sind 4 9 in diese Pro- 
zesse verwickelt. Davon sind 21 verurteilt, 28 warten noch auf die 
Verhahdlung. Von 4 17 4 Ordenspriestern sind 9 angeklagt. Einer 
davon ist bereits abgeurteilt; bei den übrigen 8 steht die Entschei- 
dung noch aus. Insgesamt ergeben sich also für 25 634Priester 
5 8 Fälle, also rund eineraufSOOPriester! 

Bei den Ordensleuten kamen große Zahlen teilweise auch da- 
her, daß, wie schon erwähnt, auch alle, die jemals mit einem 
Ordenshaus irgendwie in Verbindung standen (Kandidaten, Diener 
usw.) einbezogen wurden; ebenso solche, die eigentlich bloß zur 
Ausschaltung von ,, Verdunklungsgefahr" eingesperrt waren, ohne 
selbst angeklagt zu sein. 

So kündigten Zeitungen zu Anfang 1937 an: „2 76 Ordensleute 
vor Gerich t." Der Artikel selbst sprach dann nur von 10 6 verhafte- 
ten Brüdern. Unter diesen 106 Waren aber 5 6 nur als Zeugen „sicher- 
gestellt", ohne daß gegen sie selbst eine Anklage erhoben war. Von den 
restlichen 5 gehörte ein Großteil längst nicht mehr zu irgend- 
welchen Orden. 

J.Verallgemeinerungen. 

Wo solche Ü b e r t r e i b u n g e n beliebt werden, ist der Weg 
nicht weit zu Verallgemeinerungen. So glaubte „Das 
Schwarze Korps" vom 18. Juni 1936 gegenüber Einwänden, • daß 
es sich bei den Sittlichkeitsvergehen von Orden?leuten doch um 
geistige Verirrungen einzelner handle, behaupten zu können: 

„Im Gegenteil: Beinahe ein ganzer Orden hat sich verant- 
wortlich erwiesen für unnatürliche Verbrechen an Minderjährigen, nicht 
etwa im einen oder andern Haus, sondern in 20 seiner Häuser, die zu- 
sammen 500 Mitglieder umfassen, wovon 267 bereits legal überführt 
sind." 

Der bayerische Unterrichtsminister erklärte am 28. Dezember 
1936 die Maristen-Schulbrüder, die Brüder von der Christlichen 
Schule, die Augustiner-Eremiten als nicht geeignet zur Aufsicht 
von Erziehungsinstituten und entzog ihnen alle diesbezüglichen 
Rechte. 

Zur Würdigung dieser harten Maßnahme gegen alle Angehörigen 
eines Ordens sei der Fall der Maristen näher beleuchtet: Im Schüler-, 
heim zu Traunstein war ein einziger Fall passiert. Der schuldige 
Bruder war sofort aus dem Hause entfernt und aus dem Orden aus- 
gestoßen worden. Drei Fälle, die in der Mittelschule und im Studien- 
heim zu Mindelheim geschehen waren, standen in keiner -Ver- 
bindung mit Ordensmitgliedern, waren Verfehlungen von 
Angestellten. Im Schülerheim der Realschule zu Reichenhall war es 
wohl ein Bruder, der sich an einem Knaben vergangen hatte, war aber 
am selben Tage aus dem Orden ausgeschlossen wordon. Und für diese 
gewiß bedauernswerten Fehler einzelner v/urde der ganze Orden haft- 
bar gemacht und seiner acht Anstalten in Bayern beraubt. 

141 



6. Einseitigkeit. 

Einseitig war, daß die Presse soviel wie nichts aus den 
Verteidigungsreden für die Geistliciien und Ordensleute, 
die irgendwelclier Sittlichkeitsvergehen angeklagt waren, bringen 
durfte. 

Einseitig war es; daß sie nicht einmal allgemeine 
Erklärungsgründe für die traurigen Vorkommnisse geben 
durfte. Als spe25iell die Koblenzer Volkszeitung (früher eine katho- 
lische Zeitung) auf die unbestreitbare Tatsache hinwies, daß nicht 
AVenige Mitglieder der Franziskanerbrüder von Waldbreitbach in 
den Orden eingetreten seien während der Zeit der Arbeitslosigkeit, 
getrieben von Hunger, ohne inneren Beruf, bekamen sie vom Kreis- 
amt des Propagandaministeriums einen scharfen Verweis und eine 
Auflagenachricht, „daß viele der Angeklagten bereits um 1900 in 
den Orden kamen und erst später Jugendverführer und Jugend- 
verderber wurden." 

Einseitig war es, daß- mehrere Schriftleiter Westdeutsch- ■ 
lands mit der Ausstoßung aus der „Schriftleiterliste" bedroht wur- 
den wegen ihres „passiven Widerstandes", (d. h., weil sie die ihnen 
übermittelten Prozeßberichte nicht uneingeschränkt und nicht un- 
gekürzt bringen wollten), daß sie aber über sittliche Verfehlungen 
von Parteigenossen, Hitlerjungen, Hitlerjugendführern, SA- 
und SS-Männern usw. nichts berichten durften. 

Einseitig war es, daß am 1. Dezember 1936 durch besondere 
Verordnung allen Amtswaltern der Partei verböten 
wurde, ohne besondere Erlaubnis Auskünfte zu geben über An- 
gelegenheiten, die unter ihr Amtsgeheimnis fielen, daß aber 
eine besondere Anweisung des Reichsinnenministers es als unstatt- 
haft bezeichnete, daß kirchlicheOberbehörden den Geist- 
lichen Schweigepflicht über amtliche Sachen auferlegen. 

Einseitig war . es, daß viele Vergehen, besonders sittliche 
Vergehen von Parteimitgliedern, vielfach nur vor geheime 
Parteigericht e kamen oder, wenn sie der allgemeinen Ge- 
richtsbarkeit unterstellt wurden, nur unter Ausschluß der 
Öffentlichkeit verhandelt wurden, während zu den Sittlich- 
keitsschauprozessen von Geistlichen und Ordensleuten Zuschauer 
und Zuhörer kostenlos aus allen Teilen Deutsch- 
lands nach Koblenz herbeigeholt wurden, z. B. laut 
•„Völkischer Beobachter" vom 9. Juli 1937: nicht weniger als 150 
hervorragende Bürger, Bürgermeister und Ortsgruppenleiter Ober- 
bayerns, laut „Völkischer Beobachter" vom 10. September 1937: 
volle 114 andere Personen. 

Einseitig war es, wenn über Sittlichkeitsvergehen von Par- 
teileuten zwar von der zuständigen Lokalpresse kurz berichtet 
werden durfte, weil ja dem Leserkreis derselben der Skandal ohne- 
hin längst bekannt war und der Eindruck vermieden werden sollte, 

142 



als ob Sünden im eigenen Kreis verschwiegen würden, dagegen der 
gesamten übrigenPressejede Zeile hierüber untersagt war. 

Ein Beispiel dafür: In St&rnberg und Umgebung waren schwere 
Sittlichkeitsverfehlungen von leitenden , Parteiangehörigen (darunter 
einem geborenen Engländer, der aber jetsJt nationalsozialistischer Amts- 
walter war) geschehen. Die Starnberger Presse durfte darüber 
einiges Wenige bringen, die Münchener.Presse nicht ein Wort. 

Im Archiv des Erzbischöflichen Ordinariats liegt eine Menge 
Material dieser Art: Lauter Sittlichkeitsverbrechen von Nazis und 
Nazifunktionären, aber von Partei und Gericht ängstlich vor der 
Öffentlichkeit behütet und verdeckt! Den katholischen Bischöfen 
machte man Vorwürfe, daß sie die Sittlichkeitsvergehen von Geist- 
lichen und Ordensleuten nicht immer In aller Öffentlichkeit und 
mit . aller Schärfe verurteilt oder ihrerseits nicht schnell genug 
geahndet hätten, und in den eigenen Reihen deckte man die gleichen 
Vergehen mit dem Mantel der Verschwiegenheit und schritt durch- 
aus nicht immer zur sofortigen Bestrafung, zum Ausschluß aus der 
Partei, zur Absetzung von HJ-Pührung usw. (vgl. Röhml) 

So muß noch ein 1. Charakteristikum dieser NS-Justiz und 
ihrer Berichterstattung genannt werden; sie heißt: 

7. H e ü c h e 1 e i. 

In der Pressekonferenz vom 9. April 1937 wurde die Presse 
noch ergänzend angewiesen, sachlich zu berichten, sich jeder 
Angrilfe auf die Kirchen als solche zu enthalten und aus den Be- 
richten alle Einzelheiten der Straftaten wegzulassen, die das „Sitt- 
lichkeitsempfinden verletzen könnten." 

Und die Wirklichkeit? Eine förmliche Pornographie im. 
Dienste der Politik und des nationalsozialistischen Kirchenhasses! 
Eine Ausführlichkeit- der Berichterstattung bis in schändlichste 
Einzelheiten, eine Ausstellung dieser Berichte an Zeitungstafeln 
und in Schaukästen für jedermann, auch für Kinder! 

„Keine Angriffe auf die Kirchen!" hieß die „wohlwollende" 
Anweisung von Goebbels. Und die Wirklichkeit? 

Angriffe gegen die katholische Kirche, wie sie 
z. B.'der „Völkische Beobachter" am 30. Mai 1937 brachte, mit dem 
Thema: „Die katholische Kirche ist korrupt durch und durch und 
muß verschwinden!" 

A n g r i f f e a u f d i e B i s c h ö f e, als ob sie nicht ihre Pflicht 
getan hätten, um solche Vergehen zu verhüten oder sofort ab- 
zustellen! 

Angriffe auf das katholische Ordenswesen, 
„dessen Forderungen wohl Heilige erfüllen könnten, bei gewöhn- 
lichen Menschen aber nur eine Scheinheiligkeit erzielten" (HJ: 
2. Juni 1936 mit den Worten des Staatsanwaltes Hathingen)! 

Angriffe aufdenZölibatals etwas Unnatürliches, mit 
Gewalt zu Verbrechen Treibendes, der zum Schutz des Volkes vor 

143 



weiteren Verbrechen, möglichst bald abgeschafft 'werden müßte 
(Flugblätter der Altkatholiken über „Unsittlichkeit in Klöstern")! 

Angriffe auf die gesamte katholische Jugend- 
erziehungsarbeit, die der Kirche je eher, desto besser ge- 
nommen werden müßte! 

Angriffe, so gemein, wie sie das schon erwähnte (S. 27) Bild 
des „Schwarzen Korps" vom 6. Mai 1937: „Der Oberhirte" brachte! 

Und was stand hinter all dieser mächtigen Entrüstung über 
die sittliche Verderbnis in Geistlichkeit und Orden der katholischen 
Kirche Deutschlands? Wahrer, innerer, sittlicher Ernst, eigene 
Makellosigkeit, entschiedener Wille zur Hebung der Moral des 
ganzen deutschen Voljses, irgendein sichtbarer Erfolg solcher allen- 
fallsiger Bemühungen? 

Im Konzentrationslager Sachsenhausen habe ich des öfteren 
beobachten können, wie SS-Leute vor vielen anderen mit sicht- 
lichem Behagen von Sittlichkeitsverbrechern sich alle Einzelheiten 
ihrer Vetfehlungen erzählen und geradezu ausmalen ließen, dann 
aber auf einmal Entrüstung und Abscheu heuchelten und mit 
Faustschlägen und Fußtritten die Verbrecher traktierten. 

So ungefähr war Gesinnung und Gebaren der Herren des 
Dritten Reiches: 

Zuerst wühlten sie voll Behagen mit beiden Hätiden in jeg- 
lichem wirklichen oder vermeintlichen Sumpf und warfen ihn Mil- 
lionen vor die Augen, dann aber spielten sie auf einmal die sittlich 
Entrüsteten, die von Ekel Gepackten, die Sittlichkeitsrichter, die 
Sittiichkeits Wächter und Sittlichkeitspächter. 

ynd die Wirklichkeit? 

Stieg wirklich das Barometer der Sittlichkeit 
unter dem Hakenkreuz? 

Im Gegenteil! Die Statistik zeigt ein tiefes Absinken. 

Das statistische Jahrbuch des Deutschen Reiches zeigt folgende 
Entwicklung bis zur Mitte des Jahres 1938: 

Verurteilung von Jugendlichen wegen 'Unsittlichkeit: 

1932: 619 1933: 612 1934: 779 

1935: 1058 1936: 1465 1937: 2374 

Für Verfehlungen a n Jugendlichen werden folgende Zahlen 
angegeben: 

1934: 478 1937: 1065 

Die Zahlen „widernatürlicher Laster" sind: 

1934: 121 1937: 973 

Ob aber in diesen Zahlen auch die Vergehen sind, die nur ■ 
hinter den Kulissen des Parteigerichts behandelt wurden, 
die Sittiichkeits verbrechen der Parteileute selbst? 

144 



IV. Die wirtschaftliche Erdrosselung der Orden. 

Vereinzelten Orden war schon durch ungeheure Geld- 
strafen und Ersatzauflagen für Devisenvergehen beinahe das Exi- 
stenzminimum genommen worden. 

Allgemein aber suchte der Nationalsozialismus den Orden 
den Atem durch andere Maßnahmen zu nehmen, zunächst durch 

härteste Besteuerung. 

Dabei griff man vielfach auf Jahre zurück. Sodann leistete sich 
die Finanzbehörde die Ungeheuerlichkeit, den katholischen Orden, 
selbst Krankenpfiegeorden, die „Gemeinnützigkeit und 
Wohltätigkeit" abzusprechen, weil sie zumeist in ihren Sat- 
zungen als einen Zweck des Ordenslebens auch die „Selbst- 
heiligun g", das Streben nach Tugend und Religiosität, genannt 
hatten. Damit sei „ein egoistischer Zweck" zugegeben, 
also keine „volle Gemeinnützigkeit" mehr vorhanden. 
Nach dieser Steuergesetzauslegung und -praxis war also eine Barm- 
herzige Schwester, die ihr ganzes Leben dem Dienst armer, lungen- 
kranker, krebskranker Menschen widmete, nicht „wohltätig" und 
„gemeinnützig", sondern „selbstsüchtig". Die „Braune Schwe- 
ster", die sich für jeden Dienst gut zahlen ließ, zahlreiche Zu- 
schüsse vom Winterhilfswerk und von der NSV erhielt, schöne 
Urlaubsreisen machen konnte usw., sie war „geineinnützig"! 

Sodann versuchte man, die Schwestern 

arbeitslos, brotlos, wohnungslos 

zu machen und auf jede Weise zu zwingen, das Ordenskleid ab- 
zulegen und in die Welt zurückzukehren. Wie man die Lehr- 
schwestern trotz katastrophalen Lehrermangels aus den Schulen, 
sogar aus den eigenen, wies, so nahm man nach und nach Schwe- 
stern Hauskrankenpflege, Kinderhorte, Krankenhausdienste u. ä. 

Gauamtsleiter Dr. Heßler z. B. verordnete in seinem Rundschreiben 
im Jahre 1937 für die Gemeindestationen der „nationalsozialistischen 
Volkswohlfahrt" (NSV): „Die Zuziehung einer caritativen 
Schwester darf nur erfolgen, wenn eine NSV-Schwe- 
sternicht zur Verfügung steh t." 

Die Stadtverwaltung Aachen setzte im März 1941 vertragswidrig 
auf einmal die Zahl der in den städtischen Krankenanstalten Aachens 
angestellten Elisabethinnen von 90 auf 60 herab, um Platz für „Braune 
Schwestern" zu haben. Sodann kündigte sie den seit 1934 gültigen Ver- 
trag mit dem Mutterhaus und lud jede einzelne Schwester zu einem 
Vertrag selbständiger Anstellung mit günstigen Bedingungen 
ein, um nur möglichst viele Schwestern zürn Austritt aus der Genossen- 
schaft anzueifern. 

Ein ganz besonders bezeichnender Fall von Unwahrhaftig- 
keit, Ungerechtigkeit und Rücksichtslosigkeit 
ist die Schließung des Vinzenzkrankenhauses in Duis- 
burg, eines der größten und modernst eingerichteten Kranken- 
häuser der Stadt. Am 11. Mai 1937 gab der Polizeipräsident durch 
das deutsche Nachrichtenbüro bekannt, daß er nach einer sorg« 

145 



fältigen Prüfung det- GeschäftsfüKrung des St.-Vin:^en2-Kranken- 
hauses sich gezwungen sehe, dieses zu schließen. Das Krankenhaus 
sei nicht in der Lage, in allen Krankeitsfällen die erfor- 
derliche ärztliche Behandlung zu garantieren. Nach ÄTZtllchem Ur- 
teil sei es in einem Fall Hauptursache am Tode einer Frau von 
Duisburg gewesenll Im Interesse des öffentlichen Wohles könne 
daruhi in dem St.-Vinzenz-Krankenhaus keine weitere Kranken- 
behandlung mehr stattfinden. Schon am nächsten Tag begann der 
polizeilich befohlene Abtransport der nahezu 400 Patienten in 
andere Häuser. Vergeblich bat Bischof Galen telegraphisch den 
Regierungspräsidenten von Duisburg, wenigstens für eine ordent- 
liche Abwicklung Sorge zu tragen» Eine Kanzelverkündigung in 
allen Kirchen Duisburgs brachte dann folgende Aufklärung (12. Mai 
1937):<.„Das St.-Vinzenz-Krankenhaus ist geschlossen worden, weil 
wir In einem acht Monat ezurückllegenden Fall eine 
gewisse Operation an einer Frau nicht erlauben wollten, eine Art 
von Operation, die wir unter unserem Dache nicht zulassen können, 
da sie eine Verletzung des göttlichen Gesetzes ist. 
Die Frau wurde daraufhin auf den Rat des zuständigen Arztes in 
ein anderes Krankenhaus gebracht und starb dort.» Das ist der 
Grund für die Schließung des Krankenhauses. Alle anderen Gründe, 
die damit verbunden wurden, sind unwahr." Nach ein paar Mo- 
naten wurde das Krankenhaus auf Veranlassung des Reichsinnen- 
ministers wieder geöffnet, aber ein paar Stunden darauf auf Befehl 
des Bürgermeisters von Duisburg in seiner Eigenschaft als Direktor 
des Gesundheitsamtes aufs neue geschlossen!! 

So war deutsches Hecht im Dritten Reich, wenn es sich um 
Klosterfrauen handelte. 

V. KlosteirentviUkerUiig« 

Um auch schon die Mutterhäuser der Orden zu leeren, den 
Ordensnachwuchs zu unterbinden, erschwerte man schließlich auf 
alle mögliche Weise den Eintritt ins Kloster, selbst bei Kranken- 
pflegevereinigungen, obwohl verschiedene Reichsministerien sich 
für ihre Erhaltung, wenigstens während des Krieges, einsetzten. 
Hitler selbst entschied, daß kein 'Ordensnachwuchs mehr auf- 
genommen werden dürfe. Drei Reichsminister gaben daraufhin 
gleichsam die Ausführungsbestimmungen zu diesem „Gesetz", das 
des Führers Wille allein gegeben. Sie verordneten im September 
1940 als 

Reichsv er Ordnung zur Verhinderung des Kloster- 
nach wuchs es. 

Der Reichsarbeitsminister, der Reichskirchenminister und der Stell- 
vertreter des Führers sind übereingekommen, zur Sicherung der not- 
wendigen nationalen Arbeitskräfte folgende^ für das gesamte Reichs- 
gebiet verbindliche Regelung zu treffen i 

1. Es ist unerwünscht, daß arbeitsfähige Menschen in Orden und Klö- 
ster eintreten und so dem Arbeitsprozeß entzogen werden. 

146 



t. Wer bereits In einem Arbeltsdlenstvefhältnls steht und dieses zu 
lösen wünscht, um in einen Orden einzutreten, ist vom Arbeitsamt 
zu verständigen, daß die Lösung des Dienstverhältnisses für diesen 
Zweclc nicht mehr möglich ist. 

S. Wenn Jemand im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber das Dienst- 
verhältnis aus dem gleichen Grund zu lösen wünscht, ist darauf zu 
dringen, daß es beim Dienstverhältnis bleibt. Kommt es dennoch zu 
einer Lösung, hat das Arbeitsamt dem früheren Arbeitnehmer sofort 
eine neue Arbeitsstelle anzuweisen. 

4. Dieser Erlaß ist auch anzuwenden auf Söhne und Töchter yon Arbeit- 
gebern, falls erstere in einem Dienstverhältnis zu letzteren stehen.' 

5. Alle Parteistellen sind angewiesen, Fälle, in denen junge Menschen, 
die noch in Iceinem Dienstverhältnis stehen, in einen Orden ein- 
treten wollen, sofort dem zuständigen Arbeitsamt anzuzeigen, damit 
dieses dem Ordensanwärter eine Arbeitsstelle zuweist.. 

Noch nähere Ausführungsbestimmungen gab der Reichsarbeitsmini- 
ster mit einem neuen Erlaß: 

Der Reichsarbeitsminister Berlin SW 11, 29. 9. 40. 

Va 5550/218. Saarlandstr. 98 

An die Herren Präsidenten 
der Landesarbeitsämter. 

Betreff: Beschränkung des Nachwuchses für Orden und Klöster. 

Der Bedarf an Arbeitskräften für Aufgaben der Reichsverteidigung 
macht es notwendig, jede Gewinnung von Arbeltskräften auszunutzen. 
Zudem ist der Berufsnachwuchs verknappt, weil geburtenschwache 
Jahrgänge in das Erwerbsleben eintreten. Diese Umstände gebieten vom 
Standpunkt des Arbeltseinsatzes, den Eintritt von arbeitsfähigen Deut- 
schen in Orden und Klöster zu unterbinden. / 

Ich bestimme deshalb im Einverständnis mit dem Herrn feeichs- 
minister für die kirchlichen Angelegenheiten und dem Stellvertreter des 
Führers folgendes: 

1. Gefolgschaftsmitgliedern, die ihr Arbeitsverhältnis (Lehrverhält- 
nis) kündigen wollen oder kündigen, um in einen Orden einzutreten 
(Kloster), und mithelfenden Familienangehörigen, die in der gleichen 
Absicht ihre Beschäftigung aufgeben wollen oder aufgeben, haben die 
Arbeitsämter die Zustimmung nach dem § 1, 5 der Verordnung über die 
Beschränkung des Arbeitsplatzwechsels vom 1. 9. 39 (Reg.Blätt I S. 1685) 
mit der Begründung zu versagen, daß der Lösung des Arbeitsverhält- 
nisses (Lehrverhältnisses) oder der Aufgabe der mithelfenden Berufs- 
tätigkeit aus arbeitseinsatzmäßigen Gründen nicht zugestimmt werden 
kann. 

2. Lösen Gefolgschaftsmitglieder oder mithelfende Familienangehö- 
rige ihr Beschäftigungsverhältnis im Einverständnis mit dem Unter- 
nehmer, um in einen Orden (Kloster) einzutreten, so haben die Arbeits- 
ämter, solche Arbeitskräfte, insbesondere anläßlich einer Meldung, nach 
§ 3 der Arbeitsplatzwechselverordnung, wieder einer Berufstätigkeit zu- 
zuführen, äußerstenfalls im Wege der Dienstverpflichtung. 

3. Erlangen die Arbeitsämter Kenntnis, daß Jugendliche, die noch in 
keinem Beschäftigungsverhältnis stehen, in einen Orden (Kloster) ein- 
zutreten beabsichtigen, so haben sie diese einer Berufstätigkeit zuzufüh- 
ren, äußerstenfalls im Wege der Dienstverpflichtung. Jedoch sind bei 
der Einweisung in Ausbildungsstellen Zwangsmaßnahmen unzulässig, 
da die Dienstverpflichtung in ein Ausbildungsverhältnis außer im Falle 
des § 3 der Kräftebedarfsverordnung vom 13. 2. 39 (Reg. Blatt I S. 206) 
mit , dem Grundgedanken dieser Verordnung nicht zu vereinbaren ist. 

147 



Muß der Jugendliche im Wege der Dienstverpflichtung einer Berufs- 
tätigkeit zugeführt werden, so ist die Dienstverpflichtung dann aufzu- 
geben, wenn der Jugendliche bereit ist, in ein Ausbildungaverhältnis zu 
treten. 

Der Stellvertreter des Führers wird die Ortsgruppen der NSDAP 
anweisen, in jedem Falle, in dem sie von einem beabsichtigten Eintritt 
eines Volksgenossen in einen Orden (Kloster) Kenntnis erhalten, dies 
unverzüglich dem zuständigen Arbeitsamt mitzuteilen. 

gez. Dr. Syrup. 

Auch zum Arbeitsdienst und in Rüstungsbetriebe 

gez w ungen ! 

Selbst junge Männer und junge Mädchen, welche schon in der 
Vorbereitung aufs Ordensleben standen, sei es in der Kandidatur 
oder selbst im Noviziat, sollten noch weggezogen werden. Das war 
der Hauptzweck, warum man sie, wenn sie noch nicht über das 
rentsprechende Alter hinaus waren, trotz aller Gegengründe und 
Gegenvorstellungen zu Arbeitsdienstund Pflichtjahr 
heranzog und während dieses Dienstes von der Erfüllung ihrer reli- 
giösen Pflichten (Sonntagsgottesdienst, Sakramtenempfang usw.) 
möglichst abzuhalten und mancherorts in jeder Weise gegen den 
Ordensgedanken zu beeinflussen suchte. 

Während des Krieges mußten dann nicht bloß die männlichen 
Ordensleute (Priester wie Brüder) zum Militär, sondern auch die 
SchwesternwurdeninRüstungsbetriebegezwun- 
g e n : „Arme Schulschwestern" z. B. durften nicht in Schulen, wo 
sie so sehr benötigt gewesen wären, sondern mußten in Fabriken 
oder im eigenen Haus Rüstungsarbeiten leisten. 

Eine andere Schikane richtete sich 

gegen ditOrdenshoehKehulen. 

Die in Ordenshochschulen studierenden Theologen wurden, 
nicht aufgenommen in die Vergünstigung de« § 25 Ziffer 10 der 
Verordnung vom 17, April 1937 über die Musterung und Aus- 
hebung, die besagte: „Ein Dienstpflichtiger römisch-katholischen 
Bekenntnisses, der sich dem Studium der Theologit widmet, kann 
füi die Dauer des Studiums zurückgestellt werden." So mußten 
militärpflichtige Ordenstheologen entweder auch schon in Friedens- 
zeiten Militärdienst leisten oder sie mußten sich neben der Ordens- 
hochschule auch noch an einer staatlichen Hochschule einschreiben 
und dafür Gebühren beä;ahlen, eine ©rdensfeindlieh« Maßnahme, 
gegen welche die bayerischen Bisehöfe am 14. Mai 1937 schärfste 
Verwahrung beim Reichskriegsministerium einlegten, aber ver- 
gebens! 

VI. Klosterraub. 

Ein weiterer Schritt war dieWegnahmeklösterlicher 
Räume für Umsiedler, nationalsozialistische Schulen, national- 
sozialistische landwirtschaftliche Musterbetriebe u. ä. 

148 



Gauleiter Hofer von Innsbruck „veranlaßte" die Prämonstra- 
tenser von Wüten in Innsbruck, das Kloster an das Land Tirol zu 
„verkaufe n". 

Später ersparte man sich den Schein eines Kaufes und schritt 
zur brutalen Konfiskation: 

So z. B. wurde die Seh wachsinnigen- Anstalt E c k s b e r g bei 
Mühldorf im Werte von rund einer Million einfach dem Bezirks- 
verband Oberbayern geschenkt, wie schon ein paar Jahre vor- 
her das Waisenhaus in Mühldorf dem „Katholischen Frauenbund" 
entschädigungslos genommen und kostenlos der Stadt übereignet 
worden war. — Allein in der Erzdiözese Breslau waren 1941 
mehr als 6 Klöster und kirchliche Institute beschlagnahmt. 

Wer kann wohl ermessen, wieviel Leid und Not braver Män- 
ner und Frauen sich hinter • nachfolgender Liste von Kloster- 
aufhebungen und Ausweisungen von Ordensleuten verbirgt, die von 
Mitte Dezember 1940 bis Anfang Mai 1941, also in weniger als 
einem halben Jahr, geschahen, eine „nationalsozialistische Helden- 
leistung" hinter der Frontl 

1. Franziskanerkloster Frauenberg in Fulda 
am 14, Dezember 1940 

Begründung: Lebensmittel Verfehlung 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 

Strafe: 1 Pater in Arbeitsanstalt, Beschlagnahme des Hauses, Gau- 
verweisung der Insassen. . 

2. Jesuiten-Niederlassung in Luxemburg; 
im Januar 1941 

Begründung: staatsfeindliche Haltung, Aufnahme von Emigranten 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme des Hauses (nachträglich auch der öffent- 
lichen Kapelle), Ausweisung nach Trier. 

,8. RedemptoristenklosterLuxemburg 
im Januar 1941 
Begründung: keine 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 
Strafe: Beschlagnahme des Hauses; Ausweisung der Insassen. 

4. Redemptoristenkloster Di ekirch, Luxemburg 
im Januar 1941 

Begründung: keine . 
gerichth'ches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 

Strafe: Haus war nicht Eigentum der Redemptoristen. Ausweisung 
der Patres. 

5. Missionshaus der Weißen Väter in Mariental, 
Luxemburg 

im Jahre 1941 
Begründung: keine 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme des Hauses. Insassen in zwei Stunden aus- 
gewiesen. 

149 



6. Herz- Jesu-Kloster Fünf brunnen, Luxemburg 

im Januar 1941 
Begründung: keine 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme des Hauses. Sieben Brüder dienstverpflichtet 
gegen Lohn. 

7. Herz-Jesu-Priester, M.artental belKaisersesch, 

am ? 

Begründung: keine i 

gerichtliches Verfahren: nein 

Verhaftung: keine 

Strafe; Beschlagnahme. Insassen aus dem Regierungsbezirk Koblenz 
ausgewiesen. Wallfahrtskirche einige Tage später frei- 
gegeben. ' 

8. Oblatenkloster St. Karl in Valkenburg, Holland 

am ? 

Begründung: keine 

gerichtliches Verfahren: nein 

Verhaftung: keine - 

Strafe: Beschlagnahme. Brüder dienstverf lichtet. 

9. Oblatenkloster in Hünfeld bei Fulda 

am 26. Februar 1941 
Begründung: Lebensmittel Verfehlung 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: 1 Pater 

Strafe: Beschlagnahme, Gauverweisung der Insassen. 6 Bi^üder 
dienstverpflichtet. 

10. Benediktinerprior at Meschede i. W, 

am 19. März 1941 

Begründung: Staatsfeindlichkeit 

gerichtliches Verfahren: nein 

Verhaftung: 3 Patres 

Strafe: Ausweisung der übrigen Insassen. 

11. Benediktinerabtei Schweiklberg bei Passau 

am 1. April 1941 

Begründung: Staatsfeindlichkeit 

gerichtliches Verfahren; nein 

Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme, Ausweisung, Kirche geschlossen.. 

12. Benediktinerinnenabtei Kellenried, Diözese Rot- 
tenburg 

Einzelheiten unbekannt. 

13. Missionshaus St. Wendel, Saar, Diözese Trier 

am 10. Januar 1941 

Begründung: Staatsfeindlichkeit 

gerichtliches Verfahren: nein 

Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme und Gauverxyeisung der Insassen 

14. Benediktinerabtei St. Ottilien, Bayern 
am 17. April 1941 

150 



Begründung: „Das Kloster hat große Suramen dem Nationalvermö- 
gen entzogen und für eigene Zwecke verwendet, was 
bei der Konzentration aller Kräfte der Nation heute 
nicht mehr geduldet werden kann." (Missions verein: 
Liebeswerk vom hl. Benedikt, der 50 Jahre als E.V. 
bestanden hat.) 

Verhaftung: keine 

gerichtliches Verfahren: nein 

Strafe: Ausweisung von ca. 50 Patres und Brüdern- 7 Patres und 
etwa 75 Brüder müssen den Betrieb weiterführen. Kirche 
geschlossen. 

15. K a n i s i u s h a u s („Stin^nen der Zeit") d er Jesu itenlnMün- 
c h e n 

am 18. April 1941 

Begründung: Vaterlands verrat 

gerichtliches Verfahren: nein 

Verhaftung: keine / 

Strafe: Bechlagnahme des Hauses. Alle Insassen persönlich für 
schuldlos erklärt. 

16. K a n i s i u s h a u s (Provlnzlalat d6r Jesuiten) 1 n K ö 1 n • 

am 15. April 1941 

Begründung: Staatsfeindlichkeit, Kanzelverstöße einzelner, teils 

früherer Bewohner aus vergangenen Jahren 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme des Hauses. 

17. Noviziat der Jesuiten in Mittelsteine, Glatz; 
am 15. April 1941 

Begründung: Staatsfeindlichkeit 

gerichtliches Verfahren: 1 durchgeführt (4 Monate Gefängnis für 

1 Bruder), 2 niedergeschlagen.' Kanzel- 
verstöße; alle drei aus früheren Jahren. 

Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme des Hauses; 3 Brüder dienstverpflichtet. 

18. Kloster der Redemptoristen in Bonn 
am 10. April 1941 

Begründung: 6 verschiedene Gründe, die jedoch keine Verstöße be- 
deuten 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 
Strafe: Beschlagnahme. 

19. OttlllenkolleginMünchen 
am 28. Apriri941 

Begründung: weil zu St. Ottilien gehörig (s. Nr, 14) 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme. Kirche geschlossen. 

20. Kolleg der Ottilianer in Dillingen a.d, Donau 
am 28. April 1941 

Begründung: weil zu St. Ottilien gehörig (s. Nr. 14) 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme. Kolleg wird unter staatlicher Aufsicht wei- 
tergeführt. 

ISl 



21. KlosterderBenediktinerinneninBonn-Endenicb 
Ende April 1941 

Begründüng ? 

gerichtliches Verfahren ? 

Verhaftung ? 

Strafe: Insassen abtransportiert. Haus beschlagnahmt. 

22. Maristen-Missionshaus in Meppen, Hannover 
Mitte Mai 1941 

Begründung: Staatsfeindlichkeit 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme. Ausweisung aller Insassen aus 100-km-Zone. 
Öffentliche Kirche geschlossen. 

23. Benediktinerabtei Münsterschwarzach, Bayern 
am 9. Mai 1941 

Begründung: keine (siehe Nr. 14) 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: 2 Patres; Abt in häuslichem ^Arrest 
Strafe: Beschlagnahme. Insassen ins Franziskanerkloster Kreuzberg 
in der Rhön abtransportiert. Kirche geschlossen. 

24. Missionsbenediktinerinnen in Tutzing 

am 9. Mai 1941 

Begründung: keine 

gerichtliches Verfahren: nein ■ 

Verhaftung: keine 

Strafe; Beschlagnahme. 31 Schwestern dienstverpflichtet. 

25. Benediktinerabtei Siegburg 

am 6. Mai 1941 
Begründung: keine 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 
Strafe: Beschlagnahme. 

26. Abtei und Pfarrei St, Matthias der Benediktiner 
i n T r i e r 

am 6. Mai 1941 

Begründung: Staatsfeindlichkeit 

gerichtliches Verfahren: nein 

Verhaftung: 1 Pater 

Strafe: Beschlagnahme. Ausweisung aller Insassen, außer 1 Pater. 

27. Missionshaus der Miss. v. Hl. Geist, Knechtsteden 
am 16. Mai 1941 

Begründung: Schlachtverfehlung 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: 1 Pater 

Strafe: Beschlagnahme. Ausweisung der Insassen aus dem Rhein- 
lande. 

28. Erzbischöfliches Priesterseminar Bensberg, Köln 
Mitte Mai 

Begründung: keine 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme. Ausweisung aller zum Seminarbetrieb ge- 
hörigen Insassen. Militärlazarettbetrieb geht weiter. 

152 



29. Exerzitienhaus der Jesuiten, in H, oh eneichen- 
Dresden 

am 24. Mai 1941 
Begründung: Staatsfeindlichkeit 
gerichtliches Verfahren; nein 

Verhaftung: Der Obere wurde nachträglich verhaftet 
Strafe: Beschlagnahme. Räumung. Kapellenraum und Kirchenmobi- 
liar nicht freigegeben. 

30. Redemptoristenkloster Aachen 
am 24. Mai 1941 

Begründung: „Wir brauchen ein Altersheim" 

gerichtliches Verfahren: nein 

Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme und Räumung. 

31. Maris tenkloster Ahmsen, Kr. Meppen 

Mitte Mai 1941 
Begründung: keine 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine . , 

Strafe: Beschlagnahme. Ausweisung aus der 100-km-Zone. öffent- 
liche Kapelle geschlossen. Seelsorgerstellen unbesetzt. 

32. Dominikanerinnenkloster St. Peter in Bludenz, 
Vorarlberg 

am ? ^ . 

Begründung: keine 

gerichtliches Verfahren: nein 

Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme. Räumung. 

33. Kapuzinerkloster in Bludenz 

. am ? 

Begründung: „Haus steht im Wege" 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 
Strafe: Beschlagnahme. Räumung. 

34. Stift Kloster Neuburg, Österreich 

am 3. Mai 1941 

Begründung: Staatsfeindlichkeit 

gerichtliches Verfahren: nein 

Verhaftung: keine 

Strafe: Beschlagnahme. 

35. Steyler Missionshaus St. Gabriel, M ö dling b. Wien* 
am 6. Mai 1941 

Begründung: Staatsfeindlichkeit 
gerichtliches Verfahren: nein 
Verhaftung: keine 
Strafe: Beschlagnahme. Räumung. 

Als Ergänzung hiezu noch das' 

Verzeichnis 

der im Reichsgau Niederdonau für die Unterbringung Volks- 
deutscher Rückwanderer beschlagnahmten Klosterniederlassungen. 

1. Benediktinerabtei Seitenstetten 

2. Benediktinerabtei Altenburg. (Landkreis Hörn) 

3. Benedilctinerabtei Göctweig (Landkreis Krems a. d. D.) 

153 



4. Zisterzienserabtei Heiligenkreuz (Landkreis Baden bei Wien) 

5. Zisterzienserabtei Lilienfeld 

6. Prämonstratenserabtei Geras (Landkreis Hörn) 

7. Servitenkonvent Gutenstein (Landkreis Wiener-Neustadt) 

8. Servitenkonvent L o r e 1 1 o (Landkreis EisenStadt) 

9. Dominikanerkonvent Retz (Landkreis HoUabrunn) 

10. Kapuzinerkonvent Scheibbs (Landkreis Hörn) 

11. Minoritenkonvent Asparn a. d. Zaya (Landkreis Mistelbach) 

12. Redemptoristenkonvent Eggenburg (Landkreis Hörn) 

13. Salvatorianerkolleg Mistelbach 

14. KalasantinerkoUeg Blum au (Landkreis Baden bei Wien) 

15. Erzbischöfliches Schloß Kranichberg (Landkreis Neunkirchen) 

16. Karmelitinnenkloster Mayerling (Landkreis Baden bei Wien) 

17. Redempto'ristinnenkloster Gars am Kamp (Landkreis Hörn) 

18. Institiut der Englischen Fräulein Schiltern (Landkreis St. Polten) 

19. Institut der Barmherzigen Schwestern (Wien-Gumpendorf) Baden 
bei Wien, Weilburgstraße 27—29 

20. Institut der Barmherzigen Schwestern Allandim Gebirge 
(Landkreis Baden bei Wien) 

21. Institut der Barmherzigen Schwestern Bernhardsthal (Land- 
kreis Mistelbach) 

22. Kongregation der Schulschwestern Vöslau, Bahngasse 6 (Land- 
kreis Baden bei Wien) 

23. Kongregation der Guten Hirtinnen Obersiebenbrunn (Land- 
kreis Gänserndorf) 

24. Kongregation der Hartmannschwestern Baden bei Wien, Lees-? 
dorfer Hauptstraße 69 

25. Kongregation der Töchter des göttlichen Heilandes G a b 1 i t z (Land- 
kreis St. Polten) ■ 

26. Kongregation der Töchter des göttlichen Heilandes Göllersdorf 
(Landkreis HoUabrunn) 

27 Kongregation der Töchter des göttlichen Heilandes Mitterbach 

28. Dominikanerinnenkonvent Göpfritz 

29. Kongregation der Töchter der ehr. Liebe v. Hl. Vinzehz v. Paul 
Sitzendorf (Landkreis HoUabrunn) 

30. Kongregation der Töchter der ehr, Liebe v. Hl. Vinzenz Unter- 
tiJllnerbach (Landkreis St. Polten) 

31- Kongregation der Dienerinnen des hl. Herzen Jesu Gainfarn 
(Landkreis Baden) 

32. "Kongregation der Dienerinnen des hl. Herzen Jesu Vöslau (Land- 

kreis Baden) 

33. Kongregation der Dienerinnen des hl. Herzen Jesu Niederholla- 
brunn (Landkreis Korneuburg) 

34. Kongregation der Dienerinnen des hl. Herzen Jesu St. Reginald 
(Landkreis Krems) 

35. Kongregation der Steyler Missionsschwestern Stockerau (Pro- 
vinzhaus) 

36. Kongregation der Steyler Missionsschwestern Wöllersdorf 
(Landkreis Wiener-Neustadt) 

37. Genossenschaft der Missionsschwestern Königin der Apostel Gau- 
bitsch (Landkreis Mistelbach) 

154 



38. Genossenschaft der Schwestern vom armen Kinde Jesus R o h r - 
bach a. d.G Olsen 

39. Schwestern der Kongregation der Töchter Maria Unterwalters- 
dorf (Landkreis Baden bei Wien) 

Als Beispiel, wie roh man bei diesen Beschlagnahmen vorging, sei der 

Bericht 

über die Beschlagnahme des Dominikanerkonventes 
in Retz, Kreis Ho Ilabrunn, Niederdonau (in Liste unter 
Nr. 9 aufgezählt) wiedergegeben: 

Donherstag, den 12. September 1940, nachmittags, erschien unter 
Anführung des Herrn Kreisleiters Schuster aus HoUabrunn eine Kom- 
mission aus fünf Personen (darunter der Bürgermeister der Stadt Retz, 
Fenk, und der Ortsgruppenführer der NSDAP, Diwisch) und verlangte 
die Besichtigung der freien Räumlichkeiten des Klostergebäudes. 
Nach eingehender Besichtigung des ganzen Klosters verabschiedeten 
sich die Herren, ohne einen Grund dieser Besichtigung angegeben zu 
haben. 

Freitag vormittag zwischen 10 und halb 11 Uhr kam Herr Gendar- 
merie-^ Inspektor Thalhammer ins Kloster mit dem Bescheid, es sei vom 
Landrat HoUabrunn der Befehl gekommen, das ganze Kloster müsse 
bis abends 6 Uhr des gleichen Tages geräumt sein; um diese Zeit 
würden die Schlüssel übernommen; die Insassen mögen schauen, wo sie 
unterkommen könnten; die Privatsachen könnten sie mitnehmen. Durch 
diesen Befehl wurden 10 Personen, darunter ein 82 jähriger und ein 
Schwerkranker mit galoppierender Schwindsucht einfach auf die Straße 
gesetzt. Zwei Ordensbrüder befinden sich im Wehrmachtsdienstj auch 
ihre Zimmer mußten geräumt werden. 

Wir taten das möglichste, um den Befehl auszuführen. Mittlerweile 
war von Wien H. H. Provinzial P. Marianus Vetter in Begleitung des 
H. H. Exprovinziales P. Angelikus TöfEler angekommen und Wünschte 
mit dem Kreisleiter über den rechtswidrigen Vorgang zu sprechen. Sein 
Besuch war für abends 6 Uhr angesagt. Der Herr Kreisleiter erschien 
jedoch diesen Abend nicht mehr, weswegen sich Provinzial und Proku- 
rator P. Albert Häller Samstag vormittag nach HoUabrunn zur Kreis- 
leitung begaben, um das Ersuchen vorzubringen, wenigstens für den 
Rector Ecclesiae und den Wirtschaftsführer je ein Zimmer zur Ver- 
fügung zu stellen. Dies hätte sehr leicht geschehfen können, ohne die 
Einheit und Abgeschlossenheit des Lagers zu stören. Dieses Ansuchen 
wurde jedoch strikte abgelehnt. Während am Freitag befohlen wurde, 
daß sämtliche Möbel in den Räumen zu belassen wären, wurde dann 
Samstag angeordnet, daß die Zimmer vollständig zu räumen wären, 
weswegen die Räumung auch Samstag nachmittag und zum Teil Sonn- 
tag fortgesetzt werden mußte. Die Möbel wurden in einem langen, brei- 
ten Gang zusammengestellt und dieser gegen das Lager zu abgemauert. 
Infolge der ganz ungesetzlich kurzen Räumungsfrist war nicht zu ver- 
hindern, daß manche, zum Teil unter Denkmalsschutz stehende Stücke 
Schaden erlitten. Zu bemerken ist weiter, daß bei der Adaptierung von 
Seiten der maßgebenden Faktoren so verfahren wurde, als ob kein Haus- 
eigentümer mehr vorhanden wäre. Ohne jedes Befragen des Hauseigen- 
tümers wurden auf Anordnung der Kreisleitung Uniänderungen in den 
Räumlichkeiten vorgenommen, z. B. Herausreißen von Wänden, um einen 
größeren Raum zu schaffen. 

P, Pius Schreiner O. P, 

155 



f)RaubvonMeßstipendien, Kelchen 

Bei der Beschlagnahme der Missionsklöster Sankt Ottilien, 
Schweiklberg, Münsterschwarzach wurde auch das ganze Vermögen 
ihres Missionsvereins „Liebeswerk des hl. Benedikt" weggenommen. 

Bei der Wegnahme des Franziskanerklosters Hall in Tirol und 
des Kapuzinerklosters in Innsbruck wurden sogar die M e ß - 
Stipendiengelder mitgenommen. 

Am 2. Januar 1941 wurde das Benediktinerstift St. Gallus bei 
Bregenz beschlagnahmt. Das Benediktinerstift ist Schweizer Besitz. 
Gegen 10 Uhr des 2. Januar 1941 erschien die Staatspolizei und 
eröffnete dem Abt, daß die Insassen das Haus bis abends 5 Uhr 
geräumt haben müßten und daß der gesamte Besitz beschlagnahmt 
sei. Der Abt sagte hierauf, daß er nur der Gewalt weichen könne. 
Die Staatspolizei erklärte, daß die Gewalt gegeben sei und sie sich 
davor hüten sollten, gegen diese Gewalt widersetzlich zu sein. Das 
Kloster wurde dann bis 5 Uhr abends geräumt und auch der ge- 
samte geistliche Besitz, das ist Kirchengerät, Paramente 
und geweihte Gefäße, Kelcheund Monstranzen in 
die Beschlagnahme einbezogen. Das Ziborium, das konse- 
krierteHostien enthielt, mußte zur nächsten Kirche über- 
tragen, dort entleert und daraufhin wieder zurückgebracht 
werden, so daß also auch dieses mitbeschlagnahmt wurde. Soweit 
die Patres Schweizer Staatsbürger waren, mußten sie am selben 
Tage das Land verlassen. Die übrigen Patres sind in ihre Heimat 
zurückgegangen. ■ , ■ 

Ein Grund für die Beschlagnahmung wurde von den Beamten 
der Staatspolizei nicht angegeben. 

g) Klosterra üb in Luxemburg und Lothringen. 

Was man den eigenen Volksgenossen mitten im deut- 
schen Vaterland und unter den Augen der katholischen Bevölke- 
rung an Gewalt und Unrecht tat, das getraute man sich natürlich 
in noch viel roherer Weise im Ausland zu tun. 

Um zu schweigen von der fast völligen Schließung und Be- 
raubung der männlichen und weiblichen Klöster in Polen, ebenso 
von der fast restlosen Vertreibung und Verschleppung ihrer In- 
sassen in Gefängnisse und Konzentrationslager, ging man auch im 
Westen auf großen Klosterraub aus, zunächst in Luxemburg, 
dann in Lothringen. 

Bischof Bornewasser von Trier schrieb hierüber am 20. Mai 1941 
ans Reichsinnenministerium: 

„In Luxemburg wurden sämtliche Priesterorden aufgehoben und des 
Landes verwiesen. Es wurde aufgehoben die dem Hl. Stuhl unmittelbar 
unterstellte Benediktinerabtei Clerf; es ,,wurden aufgehoben und des 
Landes verwiesen: die Jesuiten aus ihrer Niederlassung in Luxemburg, 
die Redemptoristen aus ihren Niederlassungen in Luxemburg und Ech- 
ternach; die Franziskaner aus Esch; es wurden aufgehoben die Herz- 
Jesu-Priester in Fünfbrunnen und Howald. 

156 



Von den weiblichen Ordensgenossenschaften wurden alle Klöster, 
die das beschauliche Leben pflegen, aufgehoben. 

Bei der Auflösung der Klöster bzw. dem Abtransport aus Luxem- 
burg wurden die Ordensleute zunächst in die Häuser ihrer Genossen- 
schaft in meiner Diözese gebracht, so daß meine Diözesanen es wohl 
bemerkten und mit Staunen feststellten, daß in Luxemburg e i n 
wahrer Klostersturm begonnen habe. Die Dominikanerinnen 
von Limpertsberg z. B. kamen mit 59 an der Zahl in dem armen und 
kleinen Dominikanerinnenkloster in Klausen im Bezirk' Trier an, und 
zwar nachmittags unangemeldet. Die Bevölkerung Klausens nahm sich 
der Schwestern in vorbildlicher Weise an und beherbergte sie zum Teil, 
und allgemein fragte man sich: „Was geht nun in Luxemburg vor sich?" 

Die Benediktinerinnen von Peppingen wurden zu 45 Schwestern in 
Kraftwagen zum Benediktinerinnenkloster Trier-Kürenz abtransportiert. 
Die Ankunft der Schwestern erregte in ganz Trier größtes Aufsehen. 
Allgemein fragte man sich: ,Was geht in Luxemburg vor?' Die Frage 
lag nahe: Wie lange wird es dauern, ehe auch unsere Schwestern das 
gleiche Schicksal ereilt? 

Den Mutterhäusern der großen caritativen Genossenschaften in 
Luxemburg wurde eröffnet, daß nur einige von ihnen in Luxemburg 
bleiben dürften und daß alle anderen Genossenschaften sich diesen an- 
schließen oder das Land verlassen müßten. Darauf verließen die Bor- 
romäerinnen von Trier und die Schwestern vom Hl. Geist in Koblenz 
das Land Luxemburg. 

Auch diese Maßnahme mußte selbstverständlich in meiner Diözese 
bekannt werden und größtes Befremden erregen. 

Dazu ist auch in meiner Diözese bekannt geworden, daß in Lothrin- 
gen durch Erlaß des Ghefs der Zivilverwaltung sämtliche Kranken- 
häuser, die bisher den Schwesterngenossenschaften gehörten, durch eine 
einfache Verfügung in das Eigentum der Gebietskörperschaften über-r 
führt wurden, was den Tod einer selbständigen katholischen Caritas 
bedeutet." 

h) Klosterraub im Elsaß. 

Zwei Jahre später rüstete man zu einem neuen Beutezug gegen 
katholische Klöster: 

23KlösterimElsaß 

sollten mit einem Schlag ausgehoben und weggenommen werden. 
Nachfolgendes Schreiben spricht für sich selbst (die Sperrungen 
und sonstigen Hervorhebungen stammen vom Verfasser): 

Der Stillhaltekommissar Straßburg, den 2, Juli 1943 

für das 
Organisationswesen im Elsaß 

An den 

Reichsschatzmeister der NSDAP 
Herrn Reichsleiter Schwarz 
Abt. Revision München 33 

Betreff: Aktion des Stillhaltekommissars 

gegen Klöster und Kongregationen 
in Elsaß; 

hier: Mitarbeit der Gaurevisionen 

Ich habe Ihnen bereits zur Kenntnis gebracht, daß nunmehr Gau- 
leiter Fg. Wagner, auf Betreiben von Reichsleiter B o r m a n n, den 

157 



Stillhaltekommissar beauftragt hat, die Auflösung der Klöster 
und Ordensgemeinschaften nunmehr vorerst in Elsaß 
beschleunigt durchzuführen. 

Die Durchführung dieser Aktion ist jetzt im Elsaß keineswegs mehr 
so einfach. Zunächst sollen, wie bei der seinerzeit vor ca. 2 Jahren 
erfolgten Aktion in Lothringen und Luxemburg, lediglich die be- 
schaulichen Orden und Kongregationen — das sind also 
solche, die nur beten und nichts arbeiten — erfaßt werden und in 
etwa zwei Monaten die anderen Ordensgemeinschaf- 
ten und Kongregationen folgen. 

Die Mitglieder der beschaulichen Orden werden, soweit sie nicht in 
die Welt zurückzukehren beabsichtigen, nach Württemberg und 
Bayern, in entsprechende Klöster — bis zu deren beabsich- 
tigten späteren Auflösung — verbracht. 

Das Programm der Durchführung dieser Aktion ist wie folgt vor- 
gesehen: 

Sonntag, den 11. Juli, werden 23 Klöster im Elsaß, (beschauliche 
Orden) vom SD besetzt. Der SD sorgt dafür, daß die Insassen der 
Klöster die Bevölkerung nicht aufwiegeln können und daß am Mon- 
tag gleich nach Sonnenaufgang per Omnibus die in Frage kommenden 
Ordensleute an weit entfernte Bahnhöfe mit Schnellzugsver- 
bindungen verbracht werden. 

Die 23 Klöster müssen nun gleichzeitig von Revisoren des Still- 
haltekommissars hinsichtlich Aufnahme von Bargeld-, Wertpapier- 
und Viehbeständen erfaßt werden, da bei den Aktionen in Loth- 
ringen und Luxemburg Klöster (bei denen noch landwirtschaftliche Be- 
triebe angegliedert waren) an besonders bevorzugte Ortseinwohner Vieh, 
landwirtschaftliche Maschinen und Vorräte aller Art — auch Kloster- 
schätze etc. — verschenkt haben. Mit diesen Verschenkungen sollten 
andererseits diese und jene katholischen Männer dafür gewonnen wer- 
den, um mit der Ortseinwohnerschaft demonstrierend vor das Kloster 
zu ziehen bzw. die behördlichen Maßnahmen zu stören. 

Um 23 Klöster auch nur raschest aufzusuchen und die Bargeld- und 
Wertpapierbestände aufzunehmen und unter behördlichen Verschluß zu 
bringen, sind die beim Stillhaltekommissar in Straßburg noch verbliebe- 
nen drei Gaurevisoren (Pgg. Borcers, Groß und Rabe) nicht ausreichend. 

Die Revisoren sollen auch die für die Betreuung der, Landwirtschaft 
bereits vorgesehenen Verwalter in ihre Tätigkeit sofort einsetzen. 
Da auch weitere verwaltungstechnische Maßnahmen und vermögens- 
rechtliche Feststellungen vorzunehmen sind, muß je ein Revisor hin- 
sichtlich Betreuung bis zu drei Klöster übernehmen. 

Der Befehl z,ur Auflösung der Orden sgemeinscha fi- 
ten ist von Reichsleiter Bormann zur vordringlichen 
Durchführung gegeben worden. 

Der Stillhaltekommissar ist nicht in der Lage, mit dem hier vor- 
handenen Personal auch nur eine Teilaktiön der 23 Klöster durchzu- 
führen. Ich , habe heute nach Rückkehr von einer Reise eingehend mit 
Pg. Schmidt gesprochen und bin von dem Genannten gebeten worden, 
Herrn Reiehsschatzmeister herzlichst zu bitten, doch auf die Dauer von 
5, längstens 7 Tagen die in Klosteraktionen bewanderten, 
inzwischen wieder zu ihren Gauen zurückgekehrten Gaurevisoren Pg. 
Josef Blauärmel-Moselland, Emil Lorenz-Baden, Josef Kurz-Bäden, Karl 
Petzold-Sachsen, zur Verfügung zu stellen. Ich bin der festen Über- 
zeugung, daß diese vier Parteigenossen und die mir noch verbliebenen 
drei Gaurevisoren in der Lage sind, innerhalb einer Woche die erfor- 
derlichen, vermögensrechtlichen Unterlagen fertigzustellen. 

, Vertraulich berichte ich Ihnen, daß ohne die Mitarbeit der 
Revisoren die Aktion des Stillhaltekommissars gegen die Klöster eine 

158 



blamable Angelegenheit werden muß, zunial nur noch zwei politische 
Referenten bei der Dienststelle Straßburg des Stillhaltekommissars vor- 
handen sind und diese für Vermögensaufnahmen ungeeignet erscheinen. 

Zufolge plötzlicher Umstellung des Einsatzes SU, ukrainischer und 
sonstiger ausländischer Arbeitskräfte bei der ARBED in Luxemburg, hat 
Pg. Schmidt heute sofort wieder abreisen müssen, weshalb ich ersucht 
worden bin, Herrn Reichsschatzmeister diese Bitte zu unterbreiten. 

Ich weiß, daß Revisorenmangel besteht und durch die nunmehr er- 
folgte Übernahme des Revisionsapparates der DAF, die Revisionsver- 
hältnisse bei den Beauftragten noch ungünstiger werden; trotzdem 
bringe ich im Auftrage des Pg. Schmidt diesen Auftrag zur Vorlage, 
weil es keinem Zweifel unterliegt, daß ohne Beistand des Herrn Reichs- 
schatzmeisters bei der von höchster Stelle befohlenen 
Kloster-Aktion im Elsaß es ein furchtbares Durcheinander 
geben wird. 

gez. Baum Adolf 
Reichsstellenleiter. 

AbersofeinauchdiesmaldasNetzgesponnenwar, 

e s z e r r i ß. 

Eben dies vorerwähnte Schreiben des Stillhaltekommissars kam 
durch die mutige Tat einer ins Vertrauen gezogenen Person rasche- 
stens in die Hand und zur Kenntnis kirchlicher Stellen. Diese han- 
delten entschlossen und schlagfertig, soweit sie auch voneinander 
entfernt waren, Hand in Hand. Schon nach ein paar Tagen gingen 
Telegramme des Erzbischofs von Freiburg an etwa ein Dutzend 
höchste Stellen des Reiches, der Partei und der Gestapo und zeig- 
ten, daß man von dem „streng geheimen" Plan genaue und sichere 
Kenntnis habe, warnte ernstlichst vor dieser Provokation des katho- 
lischen Elsaß' und der neuen Bloßstellung Deutschlands vor der 
ganzen Welt. Und so blieben SD und Revisoren zu Hause, zer- 
brachen sich die Köpfe über die Frage, wie denn die „verdammten 
Schwarzen" Wind von der Sache bekommen hätten und hetzten ein 
paar Wochen Spürhunde durch Elsaß und Baden usw., um nur 
herauszubekommen, wo der Verrat des schönen Planfes geschehen 
sei. (Näheres über die Gegenaktion im zweiten Teil.) 

Hier sei zur Beleuchtung der niederträchtigen Methoden dieses 
systematischen Kampfes gegen die katholischen Ordensleute nur 
noch eine Detailschilderung über die Verfolgung des „meistgefürch- 
teten und bestgehaßten Ordens", der Jesuiten, wiedergegeben. Doch 
sei bemerkt, daß es sich dabei im wesentlichen nur um die Jesuiten 
der oberdeutschen Provinz (Süddeutschland) handelt, also 
bloß um einen Teil der Gesellschaft Jesu. 

DerKampfgegendenHauptfeindunterdenOrden: 

die Jesuiten. 

Im großen Programm der SS wurden von Anfang an öffentlich als 
die Hauptfeinde bezeichnet (Reichsfeinde): 

1, Kommunisten, 2. Juden, 3. Freimaurer, 4. Jesuiten. 

Tatsächlich begann kurz nach der Machtergreifung der Kampf 
gegen die SJ. — Zuerst durch die ständigen „Devisenkontrolle n", 

159 



sehr viele und oft tagelange Verhöre des P. Rektor von St. Blasien, 
H u g g e r , besonders aber des Provinz-Prokurators L e i c h e r , der erst 
im September 1935 das Amt antrat, des Provinzials P. Rösch, am 
meisten aber des P. Nell-Breuning. — Gesucht, aber nicht er- 
reicht wurden, weil in der Schweiz befindlich: P. Hayler (früher Pro- 
vinzial), P. Stier, P. Schönenberger, P. Villiger, später 
wieder P. Hugger, der 6 Wochen eingesperrt gewesen war, dann frei 
wurde ohne Verurteilung und neuerdings gesucht ward. 

Im August 1936 sollte der Prozeß Nell-Breuning in Berlin statt- 
finden, wurde dann „auf Eis" gelegt, weil er für die Nazi verloren zu 
seiri schien. Tatsächlich erfolgte im Jahre 1943 eine objektive Frei- 
sprechung des P. V. Neil und der SJ., aber die Verurteilung fand statt 
wegen subjektiver Gründe, nämlich „wegen , mangelnder nationalsozia- 
listischer Gesinnung." 

Im Jahre 1 9 3 7 begannen im großen Maßstab die Haussuchun- 
gen und gleichzeitig fing man in der Presse (Zeitungen, Zeitschriften, 
Monatsheften usw.) einen Verleumdungsfeldzug gegen die Jesuiten an. 
In den Tageszeitungen erschienen Artikel über eine „Paßfälscherzentrale 
der Jesuiten". — In Parteiorganen, in Schulungskursen wurde außer- 
ordentlich schwer gegen die Gesellschaft Jesu gehetzt. Auch Bücher 
wurden gegen sie veröffentlicht. 

Im Jahre 1937 wurde dem PJiilosophischen Kolleg in Pullach 
die anderen Theologen gewährte Berechtigung entzogen, die Scholasti- 
ker bis zur Subdiakonatsweihe vom Militärdienst zurückzustellen. 
Persönliche Besprechungen im Kirchenministerium und große Eingaben 
hatten zunächst Aussicht auf Wiederverleihung des alten Rechtes; aber 

19 3 8 wurde dies „aus grundsätzlichen Erwägungen" endgültig ab- 
gelehnt. (Später genau umgekehrt; Entlassung aus dem Militär wegen 
„Wehrunwürdigkeit".) 

19 3 7: Beginn der Prozesse gegen Patres wegen Predigten usw. 

19 3 8: Eroberung Österreichs. — Auflösung der Stella Matutina. 

19 3 9: Beginn der Beschlagnahme von Häusern im deutschen Pro- 
vinzgebiet (Rottmannshöhe). — Auflösung von St. Blasien. — Anfang 
des Kampfes um Pullach. 

19 40 (gegen Ende): Eine neue Art der Verfolgung: Zunächst ge- 
heime neue karteimäßige Erfassung aller SJ — zur „judenmäßigen Er- 
fassung". — Ein Abteilungsleiter in der Gestapo München machte durch 
eine Mittelsperson die vertrauliche Mitteilung, daß „im Jahre 1942 keine 
Jesuiten mehr im Lande sein werden". 

1941: Im Februar sollten alle Adressen der bei der 
Wehrmacht befindlichen Mitglieder bei der Gestapo (!) 
abgegeben werden. Dies wurde . verweigert mit der Begründung, man 
möchte wissen, warum nur die SJ das tun sollten. Es sei gegen das 
Konkordat; es gäbe keine Sonderbestimmung für politische Meldungen. 

Angeblicher Grund war die Freistellung für die Seel- 
sorge. Auf die Entgegnung, das könne doch wohl nicht der Fall sein, 
daß ausgerechnet die Jesuiten und nur sie so bevorzugt sein sollten; 
auf die Frage, wieso auch die L a i e n b r ü d e r für die Seelsorge in 
Betracht kämen, wurde geschwiegen. Es komme alles vom Reichs- 
sicherheitshauptamt Berlin. : — Es wurde dem Provinzial mit dem Kz- 
Lager Dachau gedroht, wenn er nicht nachgeben würde. Die Listen 
wurden nicht abgegeben und die Verhaftung erfolgte auch noch nicht. 

Frühjahr 1941 begannen die zwangsweisen Auflösungen und 
Vertreibungen aus den Häusern innerhalb 1 — 2 Stunden. 

Im Juni 1941 kam dann der ausdrückliche Führerbefehl, daß 
alle in der Wehrmacht befindlichen Jesuiten zu entlassen, wehrunwür- 
dig zu erklären und als nzv. (nicht zu verwenden) der Ersatzresetve zu 

160 



überstellen sind. Nun war es. klar, warum man vorher die Adressen 
haben wollte. Absicht: Zuerst Diffamierung wie die Juden 
und dann Behandlung wie diese. 

Mai 1941: Gauleiter Wagner erklärte, in wenigen Wochen werde 
er die Jesuiten aus Bayern hinaushaben. 

Juli 1941: Vertrauliche, aber ganz sichere Mitteilungen, die am 
10. und il. Juli einliefen, sagten, daß am 12. Juli alle in und um Mün- 
chen sich befindlichen Häuser aufgelöst und die Jesuiten vertrieben 
W'erden sollen. Daraufhin wurde, offen mit SD-Führer in München 
gesprochen durch Pater v. Waldbürg-Zeil, der ihn persönlich kannte; 
dieser bestätigte die Mitteilung und versprach, er wolle sich nochmals 
nach Berlin wenden; man solle in einigen Stunden wieder vorsprechen. 
Endergebnis: Bis Ende August unterblieb ^ in , München auf die Vor- 
stellungen hin die befohlene Aktion; denn sie mache doch viel Auf- 
sehen; aber Ende August seien die Russen besiegt Und die Gesellschaft 
Jesu werde ohnehin aufgelöst. So komme es auf die wenigen Wochen 
auch nicht mehr an. Der Herrgott hatte wieder geholfen und , es 
unterblieben diese Aufhebungen, während in der Niederdeutschen Pro- 
vinz und bei anderen Orden geradl*^m 12. Juli Häuserauflösungen er- 
folgten. 

In den darauffolgenden Zeiten wurde der Rest der ehemaligen Kol- 
legien verboten. — Viele Patres wurden wegen ihrer priesterlichen 
Tätigkeit, vor allem als Obere oder als Prediger, verhört. — Siehe Liste. 

Herbst 19 43: Beginn des Devisenprozesses. Am 23. Dezember 
objektiver Freispruch, subjektiv wegen mangelnder nationalsozialisti- 
scher Gesinnung verurteilt: p. de Neil zu 3 Jahren Zuchthaus, die beiden 
Provinzen zu rund einer Million Reichsmark, „sofort zu zahlen, sonst 
Wegnahme von Pullach und anderen Häusern". Die oberdeutsche Pro- 
vinz hatte 653 157 Mk, ohne Advokatenkosten zu entrichten, den Rest 
die niederdeutsche Provinz. 

Das Schicksal der Häuser der oberdeutschen Provinz: 
Kolleg „S tella Matutina": aufgelöst; wegen der Verhältnisse zwangs- 
verkauft zum größeren Teil. 

Exerzitien- und Noviziatshaus Tisis: aufgelöst; beschlagnahmt. 
Rottmannshöhe: aufgelöst, beschlagnahmt. 

„Stimmen der Zeit": Haus und Zeitschrift: aufgelöst; alles be- 
schlagnahmt; weggenommen. 

Kolleg und Internat St. Blasien: aufgelöst. Zum größten Teil wurde 
es Lazarett; vermietet. 

Ein sehr schwerer Kampf war alle die Jahre zu führen um das 
Berchmannskolleg in Pullach, das die Partei immer wieder 
an sich zu ziehen suchte. Zuerst war 6s als Lazarett für das Militär 
vorgesehen, wobei aber der Kommunität der SJ genügend Raum bleiben 
sollte. Dann wußte es die Stadt München für ein Hilfskrankenhaus zu 
beschlagnahmen unter den gleichen Bedingungen, die aber dann nicht 
eingehalten wurden. Die Stadt wollte erzwingen, daß das Objekt als 
Ganzes an sie verkauft würde. Dann sollte alles konfisziert werden. 
Zudem wollte die Stadt keine Entschädigung zahlen; jahrelang unter- 
blieb jede Vergütung. Nach dem großen Brand durch Fliegerangriff 
verließ das Krankenhaus überschnell das Kolleg; das Haus war endlich 
frei von dem so lästigen, undankbaren und gefährlichen Partner. Die 
freien Räume wurden vom Generalkommando gemietet. 

Ähnlich wollte der Reichspostminister die Gesellschaft zwingen, das 
ganze Besitztum Rottmannshöhe innerhalb weniger Stunden an 
die Post zu verkaufen. Verweigert. Zugute kam, daß ja alles bereits 
von der Volksdeutschen Mittelstelle (einer SS-Organisation) beschlag- 
nahmt war, die auch nichts an Entschädigung zahlte und sicher damit 

Kreuz und Hakenkreuz 11 jgj 



rechnete bei der Liquidierung der Provinz diesen Besitz für sich zu 
behalten. Die Jesuiten sollten die Steuern bezahlen und sogar die Aus- 
gaben für Wasser und Licht, das die Behörde im Hause brauchte. Sie 
lehnten dies ab, ebenso die Steuerzahlung. Daraufhin sollte gepfändet 
werden. Der Provinzial erklärte der zuständigen Gauleitung, er ließe 
es auf die Pfändung ankommen. Es sei ja eigenartig, daß der G 1 ä u b i - 
g e r vom Schuldner für Nichtbezahlung der Miete gepfändet werde; 
aber die Verantwortung für die schlechte Stimmung, die dadurch zumal 
bei den Bauern in der Nachbarschaft entstehe, müsse er natürlich ab- 
lehnen. Da unterblieb die Pfändung, und die Barausgaben wurden ver- 
gütet. 



Liste (noch nicht vollständig) 

der Jesuiten der oberdeutschen Provinz, die im Laufe der Herrschaft 
des Nationalsozialismus nur aus Berufsgründen verhört, zur 
Flucht gezwungen, ausgewiesen, polizeilich verhört (Gestapo- Verhöre), 
in Schutzhaft genommen, in Konzentrationslager gebracht, gerichtlich 
verhandelt, verurteilt, eingesperrt, hingerichtet wurden. 

(Bei den Verhören sind jene Mitbrüder nicht bezeichnet, die an- 
läßlich ganzer Hausdurchsuchungen oder Vertreibungen verhört wurden.) 
NB. Gegen kein einziges Mitglied SJ der oberdeutschen Provinz gab 
es ein kriminelles Verfahren.) 

Verhöre: PP. Baumann Josef, Bayer, Bleienstein, Borter, Büeb, Dir- 
rigl, Dold, Gensert, v. Gumppenberg, de Hahn, Haups, Hubbuch, 
Hugger, Inderbitzi, Jung, Koerbling, Knünz, Kraus, Kling, König, 
Kreitmaier (Superior), Küble, Lang, Leicher, Manuwald, Mayer 
Rupert, Müller Frz. X. (Prov.), Müller Frz. Jos. (Superior), Perzl, 
Prinz, Rauch, Rösch (früh. Prov.), Sammer, Spitzauer, Strassenber- 
ger, Stricker (Sup.), Waldmann (Sup.), Wiedemann Joh. 

Tägelange Verhöre hatten P. Hugger (Rektor), P. Leicher, P. Rupert 
Mayer, P. Rösch. 

Von den Laienbrüdern wurden verhört: Jehle Otto, Karl Georg, 
Moser Paul. 

Ausgewiesen aus Deutschland: PP. Borter, Hubbuch (Schwei- 
zer), Mariov. Galli (Österreicher). 

Verhaftet: 1. Polizeiliche Haft: P. Hugger 

2. Schutzhaft:' PP. Baumann Josef, Bueb, Delp, Fritz (Rektor der 
Stella Matutina), Grimm, Haups, Huber Hermann, Jung, Kling, 
Manuwald, Mayer Rupert, Müller Frz. Jos. (Super.) Perzl, Prinz, 
Rösch, Wiedemann Joh. — Brüder Jehle Otto, Karl Gg., Moser P. 

Gerichtlich wurden verhandelt bzw. verurteilt: 

PP. Baumann Jos. (Gefängnis), Delp (zum Tod verurteilt), Prinz 
(vom Sondergericht freigesprochen, dafür ins Kz-Lager), Lang (Ge- 
fängnis), Mayer Rupert (Gefängnis, später Kz-Lager, Einzelzelle, 
anschließend Klosterhaft Ettal), P. Grimm (zum Tod verurteilt — 
hingerichtet). 

Steckbrieflich gesucht: P. König (hielt sich auf Befehl des 
P. Prov. Rösch verborgen, weil von Gestapo gesucht und schwer 
krank), ferner P. Rösch. — 

P. Rösch wurde nach der Verhaftung in Dachau eingeliefert, von 
da nach Berlin, Reichssicherheitshauptamt, „Lehrter Zellengefäng- 
nif" Moabit, wochenlang gefesselt bei Tag und Nacht; nach Angabe 
von Dr, Reisert, Rechtsanwalt, geführt in den Listen der bereits 
Hingerichteten; war unter den letzten 46, die am 25. April 1945, 
18 Uhr, wenige Stunden vor der Eroberung des Gefängnisses durch 

162 



die Russen, noch frei wurQen. Der Befehl zur „Umlegung" (=.-. Er- 
mordung) aller politischen Gefangenen war von Himmler gegeben. 
In den letzten Nächten waren von 84 politischen Gefangenen 38 er- 
mordet worden. 

Näheres zu den gerichlichen Verurteilungen: 

P. Baumann Josef, wegen einer Predigt zu 5 Wochen Gefängnis. Die 
Verhandlung fand in Bamberg statt; es ist möglich, daß der Richter 
sich zu dieser Strafe entschloß, um den Pater vor dem Kz-Lager 
zu bewahren — Strafe abgebüßt in Bamberg. 

P. Huber Hermann, angezeigt von aufgehetzten Kindern wegen Bemer- 
kungen, die er im Religionsunterricht machte und die den Natio- 
nalsozialisten mißliebig waren. P. Huber hatte großen Einfluß in 
der Stadt, — Verurteilt durch Sondergericht in Ravensburg zu 
10 Monaten Gefängnis, abgebüßt in Ravensburg und Ulm. 

P. Jung Alois, wegen Predigten, Verbreitung von Bischofspredigten und 
Hirtenbriefen. — Verhandlung fand statt unter dem Vorsitz des 
berüchtigten „Mordrichters" Rothauge in Nürnberg; verurteilt zu 
4 Jahren Gefängnis, abgebüßt in Nürnberg. (Der Pater hat aus 
religiösen Motiven gut' gemeinte Unklugheiten gemacht.) 

• P. Lang Berthold (bereits über 60 Jahre), wegen Predigten. Er war 
schon öfters von der Gestapo verhört und verwarnt worden; die 
Verhandlung fand in München statt; P. Lang wurde zu 6 Monaten 
Gefängnis verurteilt, die er in Ulm abbüßte. Ein Teil der Strafe 
wurde erlassen. 

P. Koerbling Anton, wegen Predigten, verurteilt in München zu 6 Mo- 
naten Gefängnis. Kam zum Militär und wurde amnestiert. 

P. Rupert Mayer (Kriegsinvalide), bereits über 60 Jahre alt, wegen Pre- 
digten und seines großen Einflusses zuerst Schutzhaft, dann verur- 
teilt zu 6 Monaten; 5 davon abgebüßt in Landsberg, dann kam eine 
allgemeine Amnestie. — Später wurde er ins Konzentrationslager 
Oranienburg bei Berlin gebracht, Einzelbunker, „weil von einem P. 
Rupert Mayer nicht zu erwarten war, daß er das Beichtgeheimnis 
verrate." Von Oranienburg in die Klosterhaft nach Ettal (Obb.) ge- 
bracht, wo er nicht einmal die Klosterkirche besuchen durfte. Von 
dort nach dem Einmarsch der Amerikaner befreit und nach Mün- 
chen gebracht. 

P. Grimm Alois, von der Gestapo geholt wegen Predigten und seiner 
Tätigkeit für Konvertiten; 2 Gestapoleute täuschten Konversions- 
willen vor, suchten -ihn mit Gesprächen zu fangen, zeigten ihn an; 
er wurde nach Berlin gebracht, vor dem Volksgericht geheim, 
d. h. unter Ausschluß jeder Öffentlichkeit verhandelt und zum Tode 
verurteilt und in Plötzensee, Berlin, enthauptet (11. September 1944). 

P. Delp Alfred, überwacht und bespitzelt wegen Predigten, Vorträgen 
religiöser Art, Jugendarbeit. Am 28. Juli 1944 verhaftet, weil sein 
Name im Notizbuch von Graf v. York (auch hingerichtet) gefunden 
wurde. Aber dies stellte sich als harmlos heraus und wurde nicht 
weiter vor Gericht behandelt. Von Beteiligung und direktem Hoch- 
verrat freigesprochen, aber zum Tode verurteilt und am 2. Februar 
1945 gehängt. Grund: Er habe als Priester, Jesuit, katholischer 
Soziologe an Besprechungen für Wiederaufbaumöglichkeiten teil- 
genommen. Tatsächlich weil er Jesuit war und nicht aus dem 
Orden austrat; denn Jesuit = fe,eichsfeind. 

Ein Gedächtnisblatt für einen „Märtyrer": 

P. Grimm war früher Professor in der „Stella Matutina" Feldkirc5 ■ 
(Vorarlberg), nach der Auflösung dieser Schule Professor in St. Blasieij 

163 



Nach der Schließung dieses Kollegs durch den Nationalsorialismus kam 
er wieder nach Feldkirch als Prediger und Schriftsteller (Spezialgebiet 
Ambrosiasterforschung). Er nahm sich auch nach Kräften der Jugend 
an. Deswegen wurde er von den Nationalsozialisten sehr angefeindet. 
Eines Tages erschien ein Soldat und bat um Unterricht, er möchte kon- 
vertieren. Später brachte er einen anderen Kameraden mit, der den 
gleichen Wunsch habe. Einer ließ ein Kind taufen. Beide stellten im 
Unterricht auch Fragen über den Kommunismus, drückten ihre Sorge 
aus, wie er überwunden werden könne, daß er auch schon im Lande sei 
und ähnliches. 

Eines Tages wurde der Pater nach der hl. Messe verhaftet; er solle 
mit nach Innsbruck kommen; dann brauche man nicht so viel schreiben 
und er könne wieder schneller heim. In der Gestapo Innsbruck sah er 
die beiden „Konvertiten" wieder, die ihn „begrüßten" — unabhängig 
voneinander — mit den Worten „Da ist er, der Sauhund!" „So muß man 
es bei Euch . . . kerle machen, sonst kriegt man Euch ja nicht!" An- 
klage gegen den Pater: „Wehrkraftzersetzung". — Das ganze Verfahren 
wurde als „Geheime ReicKssache" behandelt und zur Verhandlung durfte 
außer dem Advokaten niemand erscheinen. Dieser durfte keine Aus- 
kunft über Inhalt und Verlauf des Prozesses geben. Darum ist auch 
nicht bis jetzt im einzelnen bekannt, was' nun eigentlich zum Vorwurf 
gemacht worden ist. Höchstwahrscheinlich „staatsfeindliche Bemerkun- 
gen über die herrschenden Zustände", Der Pater schreibt im letzten 
Brief: „Glaubt nicht, daß ich ein Verbrecher sei . . ." 

Abschiedsbrie.fvonP. Alois Grimm SJ. 

B r i e f a n P. G a 1 1 i. Brandenburg, den 11, Sept. 1944 

Lieber Mitbruder! 

Die Stunde ist gekommen, daß ich mich rüste zur Heimkehr in die 
Ewigkeit. In einigen Stunden stehe ich vor meinem Richter, meinem 
Erlöser und Vater, Es ist so Gottes Wille, er geschehe in allem! Seien 
Sie, bitte, der Dolmetsch meiner letzten Grüße an alle meine Mitbrüder 
und Bekannte! Ich gehe in den Tod als Kind der katholischen Kirche, 
als Glied der Gesellschaft Jesu. Ich bitte um Verzeihung aller meiner 
Fehler und Ärgernisse, die ich gegeben habe, und danke der Gesell- 
schaft und allen Mitbrüdern für alles, was ich Gutes empfangen habe. 
Wieviel es ist, fühle ich jetzt in diesem Augenblick, wo ich Abschied 
nehme. Trauert nicht über mich, ich gehe heim, Ihr müßt noch aus- 
harren. Ich gebe mein Leben für das Reich Gottes, das kein Ende 
kennt, und für die Gesellschaft Jesu, für die Jugend, für die Religion 
unserer Heimat. Ich bemühe mich, durch mein Sterben den Tod des 
Heilandes zu verherrlichen und ihm ähnlich zu werden. Glaubt nicht, 
daß ich ein Verbrecher sei, wohl aber bin ich ei* Bettler und Sünder 
vor Gott, ein Nichts, das nur auf Gottes Erbarmen sich stützt. Wollen 
Sie meinen letzten Dank an meine Obern und Mitbrüder richten. 



Letzte Grüße auch an alle Mitbrüder und Bekannte . . . ! Auf Wieder- 
sehen im Jenseits! Gelobt sei Jesus Christus! 

Alofe. Grimm SJ. 

Das Blut dieses und vieler anderer Märtyrer aus dem Ordens- 
stande werde auch hier der Samen für neues Wachstum! 

164 



6. Fesseln für die katholisclieii Vereine. 

„In Hunderten nationalsozialistischer Presseerzeugnisse, in 
Tausenden von Versammlungen ist seit Jahr und Tag ein konzen- 
trischer Feldzug gegen die katholischen Organisatio- 
nen geführt worden, der an Schärfe, an Bedenkenlosigkeit, an 
geringer Achtung der Gesetze der Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit 
und Liebe seinesgleichen suchte. Den von solcher Propaganda er- 
faßten Massen ist in dem verzerrenden Hohlspiegel dieser Meinungs- 
mache ein Bild von den Zuständen und der Geistesrichtung in den 
katholischen Verbänden vorgesetzt worden, das sie naturgemäß für 
bekämpfens- und ausrottungswert halten müssen." 

Das ist eine Feststellung des Hl. Stuhles in einer amtlichen 
Note an die Reichsregierung am 15. April 1934. 

Es war ein zäher Kampf, der vom Nationalsozialismus gegen 
die katholischen Vereine geführt wurde. 

Der erste und schwerste Ansturm galt jeglichem Zusammen- 
schluß „Katholischer Jugend" (KJ). 

A: Kampf der HJ gegen KJ 

In Regensburg war schon 1933 angeschlagen: „Gift für 
die Deutsche Jugend sind die Schwarzen Ver- 
bände. Deshalb heraus aus ihnen und hinein in die HJ!" 

Die HJ von München-Trudering versuchte es mit einer Be- 
schwerde beim Innenministerium und brachte dabei 
ebenso lächerliche wie lügenhafte Anklagen vor, um die Staats- 
regierung gegen katholische Jugendvereine und ihre geistlichen 
Leiter scharf zu machen. Die Eingabe bringt 14 Vorwürfe, die 
zeigen, wie schwer den Geistlichen durch die HJ von Anfang an 
die Arbeit in Schule, Kirche und Vereinen gemacht wurde, ohne 
„Achtung der Gesetze der Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Liebe". 



Anklage: 

1. Der Katechet benotet Angehörige 
kath. Jugendvereine bei gleicher 
Leistung besser. 

2. Die Angehörigen der HJ werden 
auch in der allgemeinen Behand- 
lung gegenüber den Angehörigen 
der katholischen Jugend benach- 
teiligt. 

3. Der Katechet wendet den deut- 
schen Gruß in der Schule nur in 
stummer Weise an. 

4. Der kath. Jugendverein hält die 
an sich verbotenen Heimabende 
und Führerbesprechungen nun- 
mehr in der Kirche ab. 



Erwiderung des Katecheten: 

Der Vorwurf ist unberechtigt und 
eine grobe Beleidigung und wird 
angezeigt. 

Dieser Vorwurf entbehrt genau so 
jeder Grundlage wie der erste. 



Jawohl, der deutsche Gruß wird 
von uns entsprechend der Anwei- 
sung des Amtsblattes in stummer 
Weise geübt. 

In den letzten Wochen wurde für 
die Angehörigen der kath. Jugend- 
vereine wiederholt in der Kirche 
ein religiöser Abendvortrag gehal- 
ten. Von Besprechungen war da- 
bei selbstverständlich keine Rede. 



165 



5. Die Mitglieder der KJ beachten 
nicht das Verbot des Uniformtra- 
gens, desgleichen tragen sie katho- 
lische Abzeichen in der Schule. 



Es kam vereinzelt vor, daß ein 
Bub gelegentlich das Blaue Hemd 
trug. Der Betreffende wurde dann 
vom Präses beauftragt, dies in Zu- 
kunft zu unterlassen. Gegen das 
Tragen katholischer Abzeichen in 
der Schule ist uns ein Verbot nicht 
bekannt. 



6. Die Präsides haben im Unter- 
richt zu verbotenen Betätigungen 
der kath. Jugendvereine einge- 
laden, z. B. zu Ausflügen, Gelände- 
spielen. 

7. Die Leitung der kath. Jugend 
hat mit großen Schulden ein Ju- 
gendheim erbaut und bettelt nun 
für dieses Jugendheim in verbo- 
tener Weise. 



Der Vorwurf ist falschl 



8. Für den letzten Sonntag, 22. Ok- 
tober 1933, war vom männlichen 
Jugendverein ein Ausflug nach 
Wasserburg vorbereitet und durch- 
geführt. 



Der Bau des Jugendheimes ist be- 
kannt, über dessen etwaige Ver- 
schuldung sind wir dem Führer 
der HJ keine Eechenschaft schul- 
dig. Das verbotene Betteln be- 
stand darin, daß am letzten Sonn- 
tag an der Kirchentüre Bausteine 
für das Jugendheim verkauft wur- 
den. 

Es ist für letzten Sonntag ein Aus- 
flug weder vorbereitet noch durch- 
geführt worden. 



9, Die Seelsorger machen den Mit- 
gliedern der nationalsozialistischen 
Jugendverbände schikanöse Vor- 
schriften betreffs Verhaltens in der 
Kirche (Kniebeuge, Kreuzzeichen). 



10.^ Der Scharführer der HJ be- 
schwert sich darüber, von den 
katholischen Geistlichen nicht ge- 
grüßt zu werden. 

11. Die BDM wurden in der Kirche 
angesprochen, weil die Mädchen 
um 2 Minuten zu spät kamen. 



12. Der kath. Jungmädchenverein 
beteiligte sich am Michaelifest in 
Berg am Laim. 

166 



Es ist von uns in privater Weise 
wiederholt versucht worden, zu er- 
reichen, daß Mitglieder der ge- 
nannten Jugendverbände (Schul- 
kinder) vor dem Aller heiligsten das 
Knie beugen und bei der hl. Wand- 
lung das Kreuzzeichen machen. 
Vergebens! 

Wir erwidern grundsätz- 
lich jeden Gruß, ganz gleich, von 
wem er kpmmt. 



Der BDM zog 3 Wochen nach- 
einander geschlossen in den 
10-Uhr-Schulgottesdienst ein,' zu 
einer Zeit, in der der zelebrie- 
rende Priester beim Evangelium 
war, beim dritten Male erst bei 
Beginn der Predigt. Hier wies 
dann der Kaplan in ruhiger, sach- 
licher Form darauf hin, daß die hl, 
Messe um 10 Uhr angeht. 

Der Fall ist anderwärts bereits 
klargelegt. 



13. Das Kath. Pfarramt setzte asn 
Christ-Königsfest um 149 Uhr eine 
Generalkommunion der katholi- 
schen Pf arr Jugend an, obwohl zu 
gleicher Zeit ein Fest der HJ statt- 
fand. 

14. Herr Kaplan Lederer hat die 
Führer der HJ gelegentlich eines 
Zwischenfalles in der männlichen 
Volksfortbildungsschule bele ' digt. 



Die Generalkommunion der Pfarr- 
jugend ist seit Jahren an diesem 
hierfür besonders passenden Tage, 
dem Hauptfest der katholischen 
Jugendvereine, was auch der HJ- 
Leitung hätte bekannt sein sollen. 

Eine böswillige Verdrehung einer 
Bemerkung gegen das flegelhafte 
Benehmen eines Fortbildungsschü- 
lers, die dahin lautete, daß ein 
solches Benehmen sich nicht für 
einen HJ^Buben gezieme und vom 
Führer sicher nicht gebilligt werde. 



Forderung der Unterbannführer 

Einen bedeutenden Schritt weiter im Kampf der Katholischen 
Jugendvereine ging schon ein Beschluß der Unterbannführer des 
Bannes HJ Oberland auf einer Tagung am 17. Januar 1934. 

Es wird aufgefordert zum „passiven Widerstand", der aber in 
Wirklichkeit sehr „aktiv", geradezu gewalttätig sein sollte. 

, „Am Mittwoch, 17. Januar 1934 ist eine Tagung der Unterbann- 
führer des Bannes HJ Oberland 2. 

Dabei werde aufgefordert zum .passiven Widerstand' gegen die, 
katholische Jugend, besonders gegen die DJK und Pfadfinder. 

Es soll dies aber nicht offiziell von der Partei aus befohlen wer- 
den, sondern Anweisung unter der Hand gehen. 

Des näheren wird aufgefordert: 

1. Abzeichen an den Kleidungen sind auf irgendeine Weise zu ent- 
fernen, evtl. auchmit Gewalt. 

2. Jedes geschlossene Auftreten katholischer Jugend ist zu ver- 
hindern, bzw. soll zerstört werden. 

3. Über größere Unternehmungen der katholischen Jugend i s t a n 
das Innenministerium zu berichten, das versprochen 
hat, die Bannführer in jeder Weise zu decken. 

4. Es ist jedem Führer verboten, seine HJ geschlossen in die Kirche 
zu führen. Er kann höchstens sagen: ,Wenn jemand in die Kirche gehen 
will, so kann er es tun'." 

Die HJ ließ sich natürlich eine solche Aufforderung zum 

„Losschlagen und Dreinschlagen" 

auf die „Schwarze Jugend" nicht zweimal sagen. „Schlagfertig" 
begannen überall die Überfalle. 

Das Erzbischöfliche Ordinariat München mußte am 26. April 1934 
für die Zeit vom 2. bis 25. April dem Bayerischen Staatsministerium 
des Innern nachfolgende Angriffe auf katholische Jugend melden: 

Regensburg, Schliersee, Bad Reichenhall, Freilassing, Töging, 
München: St. Johann Baptist (zweimal), Neuhausen, St. Bonifaz 
(zweimal), St. Franziskus, St. Paul, Solln, St. Stefan, St. Rupert, 
Jugendheim an der Berlepschstraße. 

Selbst Wallfahrten, auch wena sie polizeilich genehmigt 
waren, wie' jene des Kath. Jungmännerverbandes der Erzdiözese 



167 



am 6. Mai 1934 nach Birkenstein und jene der katholischen 
Jugend von Oberaudorf und Kiefersfelden nach 
Kirchwald am 10. Mai 1934, wurden gestört. 

Letztere verlief besonders abstoßend: 

Am Ortseingang von Oberaudorf warteten SS-Leute und Hitler- 
jungen im Straßengraben und überfielen zuerst die Jungen des Kath. 
Jugendvereins, die mit dem Rad kamen. In roher und gewalttätiger 
Weise rissen sie den Jungen die Blauhemden und Christuszeichen her- 
unter. Der eingerollte Wimpel wurde vom Rad weggenommen und im 
Straßenschmutz herumgezogen. 

Als dann das Lastauto kam mit 33 Kindern von 8 bis 14 Jahren, 
brachten es die' SS-Leute zum Stehen, nahmen den Buben die Blau- 
hemden ab, während die BDM-Mädchen den kathohschen Mädchen das 
Abzeichen der „Weißen Rose" abforderten. Die SS „eroberte" dann 
noch den zweiten Wimpel. Abends war dann gemeinsame Sie- 
gesfeier von SS, HJ und BDM mit Verbrennung der blauen 
Hemden und Wimpel. """ 

Ähnlich ging es dem katholischen Jugendverein Wolf- 
ratshausen bei einem Ausflug mit Gemeinschaftsmesse: 30 HJ über- 
fielen die . „J u g e n d h u n d e" und „P f a r r e r - L e h r b u b e n" und 
schlugen mit ihren Schulterriemen auf sie ein. 

. In Dorf en bei München drohte man nicht nur immer wieder mit 
dem Zaunpfahl, sondern zerstörte auch nächtlicherweile (!) mit einem 
Sprengkörper den Pfarrhofzaun (2. Mai 1934).. Auf die Beschwerde des 
Pfarrers meint eder Bürgermeister hilflos: „Das Kreuz ist 
halt, daß Sie die katholische Jugend nicht in die HJ überführen." 

'In größerem Maß s t ab g es ch ah e n G e w alt t a t en 
gegen die katholische Jugend von Berlin: 

Bischof Preysing schrieb hierüber an die Regierung: 

' Am Sonntag, den 25. März 1934 hatte der KJ-Führer von Groß-Ber- 
lin die Jungen von 10 bis 14 Jahren zu einem Treffen nach Henningsdorf 
gerufen. Etwa 1800 Jungen waren dem Rufe gefolgt. Auf das schmerz- 
lichste berührt es mich, daß diese treudeutschen katholischen Jungen 
in unerhörter Weise von der Hitler- Jugend angegriffen wurden, daß 
sowohl die staatlichen Hoheitszeichen als auch etwa 150 kirchlich 
geweihte Banner und Wimpel der Jugend gewaltsam entrissen wor- 
den sind. 

Neben diesem ,,E i n b 1 ä u e n" mit Schulteirriemen und Faust- 
schlägen versuchte die HJ ein andermal wieder mit gütigen Worten 
die katholische Jugend zur „Vernunft zu bringen" und zum Aus- 
tritt zu bewegen. 

Der „Völkische Beobachter" brachte am 16. März 1934 im „Amt- 
lichen Pressedienst des Jugendführers des Deutschen Reiches" nach- 
folgenden langatmigen, lockenden und drohenden, lobenden und 
tadelnden 

App eil an die k atholisc he Jugend 

Berlin, 15. März 1934. 

„Der amtliche Pressedienst des Jugendführers des Deutschen Rei- 
ches veröffentlicht folgenden flammenden Aufruf an die katholische 
Jugend Deutschlands: ' 

Laut und vernehmlich, klar und eindeutig haben wir im deutschen 
Volke immer und immer wieder das Ziel unseres Kampfes verkündet: 

Einheit der Jugend — Einheit des Reiches! 
168 



In Tausenden und aber Tausenden von Versammlungen, Kundgebungen 
und Aufrufen haben wir uns vor dem deutschen Volk zu diesem Kampf- 
ziel bekannt. In nimmermüder Arbeit haben wir das junge, einige Deutsch- 
land gebaut. Jeder Schritt, den wir in unserem Handeln unternahmen, 
sollte uns unserem Ziele näherbringen, jede unserer Taten war be- 
stimmt vom Willen zur Nation. Das deutsche Volk weiß heute, 
wartfnti wir die deutsche Einheit schaffen und erhalten wollen. Das 
deutsche Volk weiß, warum wir so verbissen und rück- 
sichtslos unseren Kampf um die Einheit der Jugend und die 
Einheit des kommenden Reiches führen, das deutsche Volk weiß es, daß 
wir (^afür auch die schwersten Opfer zu bringen gewillt sind. 

das deutsche Volk weiß aber noch immer nicht, 
warum es trotzdem de utsche Jugend geben kann, die vor 
der geschichtlichen Größe dieser Zeit der Volkswerdung 
dieAugen verschließt, sich dagegen. auflehnt und um 
jeden Preis ihren kleinlichen Standpunkt aufrechterhalten will. 

Das deutsche Volk weiß noch immer nicht, warum ein großer 
Teil >d er deutschen Jugend am großen Werk der Eini- 
gung nicht teilhaben will. Das deutsche Volk weiß noch immer 
nicht, wofür es Deine ablehnende Haltung halten soll. 

Katholische Jugend, Du läufst Gefahr, in den Augen des deutschen 
Volkes einmal als S a b o teur der deutschen Einheit zu 
gelten, indem Deine ablehnende Haltung als Eigenbrödelei und 
trotzigerEigensinn ausgelegt werden könnte". Noch ist Zeit, 
noch steht die Frage offen, die Frage nach dem „Warum" und harrt 
ihrer Beantwortung. 

Noch sind die Würfel nicht gefallen. 

Katholische Jugend! Gib Antwort auf diese Fragen! Denn nur Du 
bist dem Volke die Antwort schuldig geblieben. Unsere Gründe sind 
den Millionen unserer deutschen Volksgenossen bekannt. Deine 
Gründe, Katholische Jugend, kennt das deutsche Volk nicht. 

Um der Zukunft derNation willen fordern wir Dich aus dem 
Dunkel heraus, in dem Du Dich aufhältst und Deine eigenen Süppchen 
braust!! • . 

Um der Ehre der deutschen Jugend willen — denn auch 
Du gehörst zu ihr — fordern wir Deine Antwort! 

Die deutsche Jugend hat ihre Ehre darangesetzt, vor dem Urteil 
der Geschichte bestehen zu können als die Schöpferin der Einheit des 
Dritten Reiches und als seine Trägerin. Willst Du, katholische Jugend, 
auf Deinem Sonderstandpunkt hartnäckig verharren, willst Du i m 
Urteil der Geschichte als die verderbliche Kraft ge- 
brandmarkt werden, die an der Einheit des Reiches und an der 
Gestaltung seiner Zukunft Sabotage getrieben hat? 

Noch glauben wir jungen Millionen, noch glaubt unser Deutsches 
Volk an Dein deutsches Bekenntnis, das Dir hoch und wertvoll sein 
muß, wenn es um die Belange der Nation geht. 

Katholische Jugend! Noch glaubt Dein Volk an den Augenblick, da ' 
Du Dein deutsches Bekenntnis, das Du bisher nur mit den Lippen be- 
kannt hast, zur lebendigen Tat werden läßt, da Du Dich zum ewigen 
Deutschland bekennst, indem Du Dich in die Reihen der jungen Nation 
stellst und jegliche Sonderstandpunkte überwindest. 

Katholische Jugend! Das Deutsche Volk wartet auf Deinen 
geschichtlichen Schritt, es wartet auf Deine Tat. Die Millio- 
nen unseres Volkes wollen aus Deinem Munde hören, warum Du 
Dich noch immer nicht zur deutschen Einheit durchringen 
kannst. 

Kreuz und Hakenkreuz 12 269 



Gib Antwort äüfdiöstumme Fragenach d6m Warum, 
die in dem wartenden Blick des Deutschen Volkes liegt. Unsere 
Fronten sind klar. Unser Ziel und unsere Wege zu diesem Ziel 
sind ebenso hell und klar. Aus Deinem Munde, und nur aus Dei- 
nem Munde, katholische Jugend, nicht aus dem Munde 
Deiner Führer und Sekretäre, die Dich in Deine Sonder- 
stellung gedrängt und durch ihre Haltung und Handlungen bewiesen 
haben, daß sie für Deutschland und für die Einheit des Reiches kein 
Verständnis haben, will unser Volk hören, ob Du noch länger und aus 
welchen Gründen Du Dich unserer großen Gemeinschaft fernhalten 
willst. Das gesamte Volk soll über Dich sein Urteil 
sprechen. Dieses Urteil soll der Geschichte über- 
geben werden! Katholische Jugend, heraus mit der 
Sprache I 

Auch dieser „Flammende Aufruf" erreichte seinen Zweck nicht. 
Darum versuchte man es jetzt mit der Polizeigewalt, mit dem 

Uniform- und Ab zeichen verbot 

Die Münchener Polizeidirektion ging voran, indem sie am 23. April 
1934 Verfügte: 

„Die Polizeidirektion München teilt mit: 

Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicher- 
heit erläßt die Polizeidirektion folgende ortspolizeiliche Vorschrift: 

§ 1. 
Das Tragen von einheitlicher Kleidung von uniformähnlichen Be- 
kleidungsstücken sowie von Abzeichen, durch welche die Zugehörigkeit- 
zu einer katholischen Jugend- oder Jungmänner-Organisation zum Aus- 
druck gebracht wird, ist verboten. 

§ 2. 

Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften werden mit Haft bis 
zu sechs Wochen oder mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft. 

. § 3. 

Die vorstehenden Vorschriften treten mit der Verkündigung in Kraft." 

Ein Jjesonders verhaßtes Abzeichen der katholischen Jugend 
war das Christusmonogramm mit den zwei ersten grie- 
chischen Buchstaben des Christusnamens: 

Wo immer Polizei oder HJ dieses altchristliche Symbol sahen, 
auf Eannermasten von katholischen Jugendheimen, auf Fahnen- 
stangen, an Weihwasserkesseln usw., wurde es beanstandet, weg- 
genommen oder zerstört. Ein großes Prozessionskreuz dieser Form, 
dsLS bei der Münchener Fronleichnamsprozession 1934 mitgetragen 
wurde, ward vom SA-Streifendienst beschlagnahmt. 

Ähnlich machte es der „Streifendienst" der HJ, der besonders 
an Pfingsten 1934 und 1935 seine Hauptaufgabe darin sah, alle 
jugendlichen Ausflügler anzuhalten und auf Abzeichen katholischer 
Jugend zu untersuchen und jedes gruppenweise Wandern derselben 
zu verhindern oder zur Anzeige zu bringen. 

Die Gauleltung Unterfranken überbot dann gar bald 
die Polizeidirektion München. Sie versuchte es mit der vollen Auf- 

170 



lösung der katholischen Jugendverbände, wie nachfolgende Anord- 
nung zeigt: 

„Kreisbefehl für Schweinfurt-Land: 

an alle Bürgermeister, Ortsgruppenleiter und 

Stützpunktleiter des Dienstbereiches. 

Betreff: Auflösung der katholischen Jugendverbände und Jungmänner- 
vereine. 

I.Laut Gautaefehl vom 25. April 1934 sind aus Gründen der 
öffentlichen Sicherheit und Ordnung und zum Schutze von Volk und 
Staat sämtliche katholischen Jugendverbände und Jungmännervereine 
mit sofortiger Wirkung zu verbieten. 

2. Durch den vorstehenden Gaubefehl ist die den genannten Ver- 
bänden durch das Reichskonkordat vom 2 0. Juli 1933 
unter Vorbehalt erteilte Schutzbestimmung (Art. 31 des Kon- 
kordates zwischen dem Hl. Stuhl und dem Deutschen Reiche) auf- 
gehoben. 

3. Durch das Verbot werden sämtliche katholischen eingetragenen 
sowie nicht eingetragenen Vereine und Verbände, ferner alle 
vereinsähnlichen Gebilde getroffen, die Jugendpflege be- 
treiben. Auch Vereine, welche ihrer Satzung nach rein religiöse 
Jugenderziehung betreiben, fallen unter den Rahmen dieser 
Bestimmungen. 

4. Die politischen Leiter sind beauftragt, den in Frage kommenden 
Vereins vor ständen die sofortige Auflösung ihrer Vereine zu befehlen, 

a) Die Vereinsvorstände haben ihren sämtlichen Vereinsmit- 
gliedern die Auflösung des Vereins mitzuteilen. Die 
Löschung eingetragener Vereine im Vereinsregister ist zu be- 
antragen. 

Zusammenkünfte und Veranstaltungen jeder Art, ob sie 
in Vereinshäusern oder in Privathäusern stattfinden, sind ver- 
boten. 

c) Jede fernere Verbindung zwischen den Vereinsmitgliedern, auch 
die rein gesellschaftliche Verbindung, ist ver- 
boten. Darunter fallen auch der gemeinsame Bezug und die Be- 
sprechung von Zeitungen, Zeitschriften und Rundschreiben. 

d) Das Tragen von U n i f o r m e n und Abzeichen ist ver- 
boten. Als Abzeichen sind alle äußerlich sichtbaren Kennzeichen 
zu- betrachten. 

e) Alles unbewegliche und bewegliche Vermögen der Vereine 
ist, soweit es nicht nachweislich im Eigentum einer Kirchen- 
gemeinde oder Kirchenstiftung steht, in den Besitz des poli- 
tischen Leiters zu überführen. Die Eigentumsfrage wird von der 
Kreisleitung geregelt. Die Auflassung von Immobilien im Grund- 
buch sowie die Eintragung des Neueigentümers geschieht aus- 
nahmslos nach Rückfrage des politischen Leiters bei der Kreis- 
leitung. 

5. Die politischen Leiter haben die im Punkt 4 umschriebene Auf- 
lösung bei den Vereinsvorständen zu veranlassen, sie mit diesen zu- 
sammen durchzuführen und der Kreisleitung über die Durchführung 
laufend genauestens Bericht zu erstatten. 

6. Sollten sich bei der Durchführung irgendwelche Reibungen er- 
geben, insbesondere Widerstände von selten der Geistlichen oder der 
Vereinsvorstände bemerkbar werden, so wäre auf dem schnellsten Weg 
an die Kreisleitung zu berichten. 

' 171 



b) 



7. Widerständen von selten der Vereinsvorstände oder der Vereins- 
mitglieder oder dritter Personen anläßlich der Durchführung der Ver- 
einsaul'lösungen wird von der Kreisleitvmg in . Einvernahme mit der 
Politischen Polizei imverzüglich und schärfstens entgegengetreten wer- 
den. Eigenmächtiges Vorgehen der politischen Leiter oder irgend- 
w^elcher Gliederungen ist jedoch verboten. 

8. Die Bürgermeister sämtlicher Gemeinden sind beauftragt, den 
politischen Leitern bei der Durchführung der Veceinaaivllösungen zur 
Seite zu stehen. 

9. Alle katholischen Geistlichen und alle Vereinsvorstände der katho- 
lischen Jugendverbände und Jungmännervereine innerhalb des Dienst- 
bereiches der Kreisleitung Schweinfurt-Land werd(!n ersucht, den vor- 
stehenden Kreisbefehl zur Kenntnis zu nehmen und seine reibungslose 
Durchführung in Einvernahme mit dem politischen Leiter des Ortes zu 
veranlassen. 

Für irgendwelche Schwierigkeiten werden die verantwortlichen Per- 
sönlichkeiten unweigerlich zur Verantwortung gezogen." 

Amtlicher Druck a uf k a th.ol isch e In,t-er n at e ! 

Der Bayerische Kul t u's minister Hans Seh e m m lud 
um dieselbe Zeit (25. April . 1934) die. Leiter katholischer 
Ins t i' t Ute Niederbayerns, darunter auch den Direktor des Bi- 
schöflichen Knabenseminars Passäu, je einen Pater aus Kloster 
Me^en und Schweiklberg, drei Englische, Fräulein zu einer beson- 
deren Sitzung in sein Ministerium nach München und machte ihnen 
ernste Vorwürfe, weil von verschiedenen katholischen Direktoren 
und Präsides nicht genügend Arbeit für den- nationalsozialistischen 
Staat geleistet würde. Die Direktoren sollten dafür sorgen, daß die 
Jugendlichen in die Organisationen der Partei hineinkämen. Von 
dieser Aufforderung ging dann Minister Schemm zur festen Dro- 
hung über: 

„Wenn gegen uns gearbeitet wird in der Form, wie Sie das gehört 
haben, sehe ich mich letzten Endes genötigt, Mittel dagegen zu ergreifen 
und ins Feld zu führen, die nicht so aufzufassen sind, als ob wir gegen 
die katholische Religion auch hur einen Schritt unternehmen würden — 
die Tatsache, daß katholische Kreise dem nationalen Staat negativ 
gegenübertreten, die Tatsache, daß allgemein gegen Nationalsozialismus 
und Drittes Reich Stellung genommen wird, wird bewirken, daß wir 
nun vor das Volk hintreten- in der breitesten Öffent- 
lichkeit als Propagandisten der Bewegung und erklären 
müssen, daß bestimmte Kreise der katholischen Konfession ihre Glau- 
bensangehörigen von Volk und Vaterland wieder entfernen wollen. Und 
es kommt die Parole: Um Volk und Vaterland und die Sauberkeit der 
katholischen Konfession . des Christentums zu retten, erklären wir, daß 
dies Landesverrat und Verrat an der Religion ist. Wenn 
wir etwas zurückhaltend waren, wir können auch wieder, wenn es sein 
muß, sehr aktiv werden . . . Jene, die sich hemmend in den Weg stellen, 
werden vom Nationalsozialismus ütaerrannt werden. Ich bitte Sie 
mitzumarschieren, nicht kritisch und nörgelnd und abwehrend, 
sondern „Ja" zu sagen .... . 

Ich hoffe nicht, daß der Nationalsozialismus gezwungen ist, große 
propagandistische Aktionen vorzunehmen, die wir in 
jede Familie hineinleiten. — Daß es dann zu noch mehr Zu- 
sammenstößen kommt, ist außer Zweifel • . . Handeln Sie nach dem 
Schema: Deutschland und Christentum, nicht bloß dogmatisch und kon- 

172 



fessionell. Sollten die nächsten Tage und Wochen nicht zeigen, daß diese 
Besprechung Erfolg gehabt hat, dann zwingen Sie die Bewegung, alctiv 
zu werden ..." 

,,Aktiv werden" nannte es Sehe mm, was nichts als 
brutale Gewalt war. Hohe und niedere HJ-Führer hatten eine 
andere wohlklingende Bezeichnung hiefür: 

„Die ,D y n a m i k' d e r H J" 

Was davon zu halten war, und wie diese hochgepriesene „Dy- 
namik" unter der auffälligen ,,harmonia p r ae s t ab ilit a" 
zwischen Staatsjugendaktionen und Polizeimaßnahmen (Päpstliche 
Note vom 14. Mai 1934) sich auswirkte, deckte der Vatikan der 
Reichsregierung in der Note vom 14. 5. 1934 offen auf (in Punkt IX): 

„Der Hl. Stuhl müßte ein ganzes Buch füllen, um den Pas- 
sionsweg der katholischen Organisationen in den vergangenen Mona- 
ten eingehend zu schildern. Es kann vorbehalten bleiben. Wer aber 
auch nur einen oberflächlichen Überblick über die traurige Gewalt- 
chronik dieser Monate hat, wer weiß, wie die Offensive, das mitleid- 
lose Ausspielen der Faust gegen das Recht auf der Seite 
der Staatsjugend -und die ..bloße Defensive auf selten der konfessionellen 
Verbände war, der kann nur mit einigem Erstaunen von denjenigen 
Partien des Promemoina Kenntnis ' nehmen, die in dem behaupteten 
nachkonkordatären Anwachsen katholischer • Neugründungen ein auf- 
reizendes Moment sehen wollen.- Die Reizbarkeit der sich der Deckung 
von oben bewußten Staatsjugend ist augenscheinlich ins Anormale 
gewachsen, wenn die bloße Tatsache des Nichtsterbenwollens der 
katholischen Verbände und ein gelegentliches lokales Wachstum ihr als 
Provokation genügt. Die betreffenden Hinweise des staatlichen Prome- 
moria widerlegen sich doch wohl selber durch das von RegierupgssteÜen 
bei ihrer Fühlungnahme mit dem Hl. Stuhl angewandte Argument, daß 
die katholischen Jugendverbände keine Zul^unft mehr hätten, daß der 
Druck und die ,Dynamik' der Staats jugend, von der noch in 
den letzten Tagen der Reichsjugendführer öffentlich gesprochen hat, so 
stark würden, daß die Lebensfähigkeit der katholischen Jugendorgani- 
sationen erledigt und nur noch ein unnütz in' die Länge gezogener 
Todeskampf sei. Nachdem diese sogenannte .Dynamik' 
sich in Mißhandlungen, Überfällen, Versammlung s - 
Sprengungen, Ve rh inderung Marianischer- Prozes- 
sionen, Verhöhnungen des Christuszeichens und Zer- 
reißen der Ghristusbanner in bekannt ,positiv- 
ch ristlichem Sinne' ausgewirkt hat, ebenso wie in 
Angriffen gegen Klerus, Episkopat und Kirche, sollte 
man wenigstens darauf verzichten, den Lebenswillen katholischer 
Jugendlicher, die auch heute noch der Christusfahne ihrer Verbände die 
Treue halten, , aufreizend' zu finden." 

Ein paar Beispiele dieser „Dynamik" der HJ. 

Dii£ päpstliche Note vom 31. Januar 1934 erwähnt, als Beispiele 
unberechtigten Vorgehens staatlich geschützter und bevorzugter 
Organisationen gegen katholische Vereine folgende zwei bezeich- 
nende Vorfälle: 

1) eine Kundgebung der Hitlerjugend in Düsseldorf vom 11. Ja- 
nuar 1934, wo der Länderbeauftragte des Reichs Jugendführers und Ober- 
gebietsführer eine Rede hielt, die mit den konkordatlich festgelegten 

173 



Vereinbarungen unverträglich ist. In ihr wird auch die welt- 
anschauliche Erziehung der Jugend in vollem Umfang als 
Staats m onopol reklamiert und der Kirche ihr Recht hierzu be- 
stritten. Mit klaren Worten wird der Vernichtungskampf angesagt gegen 
alles, was außer der Hitlerjugend bestehe: „Genau wie wir mit 
den Parteien fertig geworden sind, werden wir auch 
mit den konfessionellen Bün de n, die heute noch nicht 
bereit sind, ihr eigenes Dasein aufzugeben, fertig 
werden." Vgl. „Köln. Volkszeitung", 11. Januar 1934. 

2) Wie man es nicht nur bei der Propaganda beläßt, sondern auch 
zu offener Gewalt schreitet, dafür, möge ein Fall hier Erwähnung finden, 
der der jüngsten Vergangenheit angehört und typisch ist für den Un- 
geist, mit dem teilweise vorangegangen wird: Am Mittwoch, den 17. Ja- 
nuar 1934, hielt die Marianische Studentenkongregation 
von Würzburg, also eine konlcordatlich geschützte Vereinigung einwand- 
freiester Art, in einem gemieteten Saal einen Vereinsabend ab. Sie hätte 
dazu die polizeiliche Genehmigung erhalten. Es war eine große Zahl 
geladener Gäste anwesend, darunter der Hochwürdigste Herr Bischof 
von Würzburg, der General des Augustinerordens, welch lezterem die 
geistliche Leitung der Kongregation obliegt, zwei spanische Patres, ein 
holländischer Ordensmann, viele Geistliche und die Eltern der Schüler. 
Der Abend begann in aller Harmonie. Inzwischen schlichen sich zahl- 
reiche Mitgieder der Hitlerjugend ein und nahmen auf der Galerie 
Platz. In den Pausen begannen sie Knallerbsen und Stink- 
bomben zu werfen; doch konnte eine in Gang befindliche religiöse 
Aufführung weitergespielt werden. In der Pause vor derri 5. Akt er- 
schien plötzlich der Führer der Hitlerjugend in Uniform vor 
dem Podium, um eine Werberede zu halten. Der Leiter des Abends 
befragte das Publikum, ob es in einer geschlossen en religösen 
Feier eine solche Rede entgegenehmen wolle, was einstimmig ab- 
gelehnt wurde. Darauf begann die Hitlerjugend zu lärmen und ver- 
suchte die Christusfahne den Kongreganisten zu entreißen. Wegen des 
Tumultes mußte der Abend abgebrochen werden. Welch beschämenden 
Eindruck die anwesenden ausländischen Gäste mitnahmen, liegt auf ^ef 
Hand. Solche Vorgänge, Überfälle und Terrorakte, die in großer Zahl 
nachweisbar sind, wären nicht möglich, wenn die Verantwort- 
lichen nicht von vornherein ihrer Straflosigkeit, ja 
der Unterstützung sicher wären. 

Nebst dem Recht der Faust glaubten aber auch schon kleinste 
Fähnleinführer der HJ das Recht der „Gesetzgebung" 
zu haben. Zum Beispiel machte ein Fähnleinführer von Traunstein 
am 5. Juni 1934 folgenden Anschlag am HJ-Brett: 

„ . . . Mit Wirkung vom 1. Juni (1934) ist es jedem Jungen des Jung- 
volks verboten, mit Mitgliedern aller katholischen Jugendorganisationen 
in Uniform zu sprechen und im kameradschaftlichen Sinn mit ihnen zu 
verkehren. (Das letzte gilt auch für den, Privatverkehr.) 

Es ist jedem Jungen des Jungvolks verboten, in Uniform eine Kirche 
zu besuchen. Weiterhin wird kein Geistlicher auf Grund unserer Wert- 
einschätzung mit dem Deutschen Gruß begrüßt. 

Jeder Junge, der gegen diese Verordnung verstößt, wird zur Be- 
strafung herangezogen . . ." 

Der Fähnleinführer. 

Wie die Faust, so die Sprache 

Einem Münchener Kaplan, der am 27. September 1934 eine 
Jungmännersitzung hielt, welche die HJ vergeblich zu stören ver- 

174 



suchte, steckte man einen Zettel mit folgender Notiz in den Brief- 
kasten: 

„Du jüdischer Sturmscharhäuptling. 
Wenn Du schäbbiges Aas uns mal zwischen die Hände 
kömmst, drehen wir Dir das Gesicht nach hinten. 
218 Knochen hast Du in Deinem schäbbigen Faste- 
lovensgeckebalg. Wenn Du sie alle wieder finden 
willst, so laß sie Dir von der HJ erst numerieren. 

Treu Heil ihr Fastelovensgecke 

Die Mordkommission der HJ 
Tötenkopf. PX.. 

Es verrecken 
, die morschen 

Fastelovensgestelle. 

Zur gefl. Kenntnis übersandt an 

Kaplan N. N. 

M r d a m L e i t e r d e r p J K 

Zum wirklichen Mord an katholischer Jugend kam es dann 
gelegentlich des „Röhm-Putsches", Anfang Juli 1934. Da wurde der 
tüchtige Leiter der ganzen Sportpflege der katholischen Jugend der 
„Deutschen Jugendkraft" (DJK), namens Probst, von Heydrich 
auf die Liste der „zu Liquidierenden" gesetzt, mit Auto abgeholt 
und dann „auf der Flucht erschossen". Was brauchte auch nach 
Ansicht der Nazi die katholische Jugend noch eine besondere Lei- 
tung für Sport? Sportpflege und gemeinsames Wandern war ihr 
überhaupt verboten: Das war nur Sache der HJ. 

Ein paar Monate darauf, am 5. November 1934, sprach dann der 
Reichsjugendführer Baidur von Schirach im Preußenhaus zu Berlin 
das ebenso bezeichnende wie abschreckende Wort; „Der Weg 
Rosenbergs ist auch der Weg der deutschen Ju- 
gend!" Und da sollte katholische Jugend mitgehen! Da sollten 
katholische Bischöfe zustimmen! Unmöglich! 

Von vornherein aussichtslos war darum auch der 

Sturmangriff und das Trommelfeuer 

der HJ gegen die katholische Jugend im März-April 1935 im Gebiet 
Ruhr-Niederrhein. 

Einer 34 Seiten langen Denkschrift des katholischen Jungmänner- 
verbandes entnehmen wir einige Abschnitte: 

I.Vorbemerkungen: 

„Die Hitlerjugend, Gebiet Ruhr-Niederrhein, führte in der Zeit vom 
24. März bis 7. April 1935 eine Frühjahrsoffensive durch mit 
dem Ziel, ,aufch den letzten anständig denkenden deutschen Jungen da- 
von zu überzeugen, daß er in die HJ gehört.' Diese Offensive richtete 
sich nach der Sachlage fast ausschließlich gegen die katholischen 
Jugendbünde. 

175 



• Zu dem vorliegenden Bericht veranlaßt uns nicht die Tatsache der 
Offensive als solche, sondern jene andere Tatsache, daß die Art die- 
ser Offensive, die Methoden der Werbung die Gesetze 
der Wahrhaftigkeit, der Gerechtigkeit und der Ritter- 
lichkeit verletzt haben, daß die Ehre der Jugend der 
Kirche in aller Öffentlichkeit durch Pressemeldungen, Rundfunk- 
nachrichten und Reden aufs schwerste verletzt wurde. 

Es sind uns leider heute die Möglichkeiten genommen, der Wahr- 
heit und der Gerechtigkeit öffentlich zu ihrem Recht zu verhelfen, und 
die unritterliche und verwerfliche Kampfesweise gegen die katholische 
Jugend zu brandmarken. Deshalb soll wenigstens durch diesen zusam- 
menfassenden Bericht und durch die kurze wahrheitstreue Darstellung 
einiger Vorgänge während der Offensive der Wahrheit eine Gasse ge- 
bahnt werden." 

II. Allgemeines: 

Die Offensive brachte die ganze und geballte Kraft der NS-Bewe- 
gung in all ihren Gliederungen und mit dem ihr eigenen Propaganda- 
apparat zum vollen Einsatz: 

Hervorragende Führer der Bewegung (Baidur von Schirach, 
Minister Rust, Oberpräsident Terboven -u. a.) traten als Redner auf. 

Presse. und Rundfunk standen . täglich zu Diensten, in der 
Schule setzte die Lehrerschaft weisungsgemäß ihre ganze Autorität als 
Erzieher für die HJ und gegen die katholischen Bünde ein; . 

in den Betrieben der Wirtschaft wurde unter Androhung 
wirtschaftlicher Schädigung ( Arbeitsstellenverlüst) seitens der Funktio- 
näre der Bewegung und der Belegschaften auf die katholischen Jungen 
ein beispielloser Druck ausgeübt mit dem Ziel, den Übertritt in die HJ 
zu erreichen; viele Arbeitsämter berücksichtigten, in dieser Zeit 
der Schulentlassung grundsätzlich nur Mitglieder der HJ bei der Lehr- 
stellen- und Arbeitsstellenvermittlung; 

die H J selbst veranstaltete in den Schulen und Betrieben 
eigene Werbeveranstaltungen, zu denen alle Schüler . bzw. 
Jungarbeiter zu erscheinen hatten; 

Werbekolonnen mit Transparenten zu Fuß und auf 
Lastwagen durchzogen die Straßen, die Mitglieder katholischer Bünde 
und ihre Eltern wurden einzeln aufgesucht und bearbeitet; 

Flugzettel, Maueranstriche und Transparente sag- 
. ten den katholischen Jugendbünden offen den Kampf an; 

Beamte wurden da und dort unter Hinweis auf ihren dem Führer 
geleisteten Diensteid unter moralischen Druck gesetzt, um 
den Übertritt ihrer Kinder in die Staatsjugend zu vollziehen. 

Die Angriffe auf die Ehre der katholischen Jugend und ihrer Führer 
waren so ungeheuerlich und maßlos, daß sich Generalpräses Wolker, im 
Namen der gesamten organisierten katholischen Jugend zu Protesttele- 
grammen an den Reichsminister und die Geheime Staatspolizei in Ber- 
lin gezwungen sah: 

„Wir protestieren gegen fortgesetzte ehrverletzende und volks- 
verhetzende Beschimpfung katholischer Jugend in Pressearti- 
keln, Plakaten und Mauerbeschmierungen, in Werbeaktionen der 
Hitlerjugend und bitten um sofortige durchgreifende polizei- 
liche Maßnahmen. 

Für die katholische Jugend: Generalpräses Wolker." 

Eine Wirkung dieses Protestes war nicht wahrnehmbar. 
176 



Zu bemerken ist noch, daß die Offensive nicht auf das Gebiet Ruhr- 
Niederrhein beschränkt blieb. Ihr Wellenschlag -war auch in anderen 
Teilen des Reiches spürbar, da von überall her Ausschreitungen, Tät- 
lichkeiten, Jugendheimeinbrüche, Sachschäden üsw. gemeldet wurden 
und noch gemeldet werden. 

III. 

Auszüge aus den Reden maßgebender Führer, z. B. von 
Minister Rust und Baidur v. Schirach: 

Minister Rust auf einer kulturpolitischen Tagung in Köln, 5. April 1935: 
„Ich muß nun heute sagen, daß es nicht mehr angeht, . in diesem 
Funkt zweierlei Marschrichtung zuzulassen. Die Forderung, die sie 
stellen, ist die, daß ihnen in ihrem religiösen Empfinden und in ihrer 
religiösen Zielsetzung von uns keine Schwierigkeiten entgegengestellt 
werden. Ich erkenne diese Forderung an. Ich stelle die Gegenforderung: 
Für die Jugend unseres Volkes, die einst in eiserner Geschlossenheit, 
wenn sie Männer geworden sind, beieinanderstehen soll, muß es heißen: 
Eine Jugend steht unter einer Flagge und die sitzt da (wobei der 
Minister auf die Hitlerjugend hinwies.) Ich werde in der näch- 
sten Zeit 'mit verschiedenen Maßnahmen dieser Ju- 
gend auch von mir aus noch stärker unter die Arme 
greifen..." 

Reichs] ugendführ er Baidur von Schirach in Essen am 31. März 1935: 

„Ich frage Euch, meine Kameraden, was hat denn der Sport mit 
der Konfession zu tun? Habt Ihr schon einmal einen katholischen oder 
evangelischen Sport gesehen, wißt Ihr denn, was, eine katholische Bauch- 
welle ist oder ein evangelischer Klimmzug? Das sind die Ausreden und 
Ausflüchte derjenigen, die immer gegen Deutschland sind. Es geht ihnen 
nicht um die Religion, es geht ihnen um ihren Posten. Sie behaupten,, 
sie dienen der religiösen Erziehung, aber sie dienen keinem anderen 
Gott als ihrem Bauch . . ." 

IV. 

Presse und Rundfunk- 
standen täglich im Dienste der Offensive. In oft spaltenlangen Artikeln 
wurde zu beweisen versucht, daß es bei der Offensive „um die Einheit 
der Jugend" und „um eine wahre Volksgemeinschaft" gehe, daß des- 
halb derjenige ein Feind des Staates und ein Verbrecher am 
Volk sei. der die organisatorische Einheit der Jugend unmöglich mache. 
In Schlagzeilen wurde verkündet; 

„Gegner der HJ sind Gegner des Staates" 
Presse und Rundfunk verbreiteten Meldungen, wonach in ver- 
schiedenen Städten „ganze Gruppen katholischer Jugend 
geschlossen mit ihren Führern" in die HJ übergetre- 
ten sein sollten, so in Essen, Duisburg, Mülheim, Opladen und Kref eld- 
Ürdingen. In all den genannten Fällen wurden eingehende Erhebungen 
gemacht. In keinem der Fälle konnten die Meldungen 
eine Bestätigung finden. 

V. 

Angriffe der Presse 
Aus elf Zeitungen werden Beispiele übelster Hetze, zahlloser Ver- 
leumdungen, Verweigerung jedes Nachweises und jeder Richtigstellung 
geboten. 

VI. 

Methode: „Haltet den Dieb"! 
In einem Artikel in der „National-Zeitung" Essen vom 31. März 1935 
ist unter der Überschrift „Gegner der HJ — Gegner des Staates" zu 
lesen: „In Mülheim-Styrum hatten jSturmschärler' an einen Zaun in 

177 



großen Farben den Satz geschmiert: ,Wir brauchen keinen Hitler mehr!' 
Und die Standortführung Essen der HJ bel^am ein Flugblatt zurück- 
gesandt, auf dem der Satz geschrieben war: ,Wir bleiben unseren 
Pastoren, unseren Eltern und dem Zentrum treu! Wir 
von der Sturmschar!'" 

„. . . Kann denn überhaupt noch krasser gezeigt werden, in welcher 
Richtung die katholischen Sturmscharen gesteuert werden? . . ." 

(Merkwürdig und sonderbar ist, daß der Satz: „Wir brauchen keinen 
Hitler mehr!" in der „National-Zeitung" nicht besonders herausgestellt 
oder in Fettdruck kam...!!) 

Vielleicht ist es aber nicht mehr merkwürdig uhd sonderbar, wenn 
man folgendes hinzunimmt; 

Der Katholische Jungmännerverein Mülheim-Styrum, Sturmschar, 
hat unterm 2. April 1935 an die „National-Zeitung" unter Hinweis auf 
obige Verdächtigung einen Brief geschrieben und darin u. a. folgendes 
bemerkt: 

„Wir bedauern sehr, daß Sie die Sturmschar einer solchen 
Bubentat fähig halten. Gegebenenfalls möchten wir Sie aber bitten, 
so liebenswürdig zu sein und zu zeigen, wo das Geschriebene stehen 
soll (wir haben es bislang nicht entdecken können), und, uns wissen 
zu lassen, wer — falls überhaupt von dem Geschriebenen etwas 
vorhanden ist — bezeugen kann, daß dies die Sturmschärler aus- 
geführt haben sollen. 

Im Interesse einer Klarstellung wäre dies sicherlich notwendig." 

VII. 
Druck seitens der Lehrerschaft in den Schulen: 

Aus vielen Städten liegen Klagen und Beschwerden von Eltern und 
Jungen über Druckmittel und Zwangsmethoden seitens der Lehrerschaft 
vor. Die Lehrerschaft hat von übergeordneten Instanzen entsprechende 
Anweisung erhalten. 

Von übergeordneter Dienststelle wurden die Lehrpersonen aufge- 
fordert, in der Zeit der Frühjahrsoffensive t ä g 1 i c h mindestens 
10 Minuten lang über die Bedeutung der Staatsj ugend 
in den Schulen zu sprechen. In welcher Form das mancher- 
orts geschah, zeigen nachstehende Berichte: 

Rektor H. erklärt: „Keiner würde eine Stelle erhalten, wenn er 
nicht in die HJ ginge — er nennt die Mitglieder katholischer Vereine 
Kommunisten oder Funktionäre der KPD — er holt die Kinder 
einzeln auf sein Dienstzimmer und setzt ihnen furchtbar zu — schickt 
die Kinder mehrmals am Tag nach Hause, um die Zustimmung der 
Eltern zu holen — ist bereit, das Eintt-ittsgeld für Aufnahme in HJ 
zu bezahlen!" 

Lehrerin W. erklärt: ,iWer nicht im BDM ist, wird von mir nicht 
mehr beachtet. — Ich verderbe Euch die Zeugnisse und 
werde Euch keine Stellen besorgen." — Sie bestellt die Mütter der 
Kinder zu sich und. terrorisiert sie, 

RektorDr. H. zu einemJungschärler: „Wenn Du kein Inter- 
esse am JV hast, ist das genau soviel wie kein Interesse am Staat. 
Du wirst SDäter einmal so einer wie Matz Braun! Solche Jungen sehe 
ich nicht mehr als Deutsche an." 

E. R.: „In der Schule wurde ein außerordentlich starker Druck aus- 
geübt. Die Jungschärler wurden in die letzten Bänke gesetzt. 
Es wurde ihnen mitgeteilt, daß sie keine Quäkerspeisung und 
keine Lehrmittel mehr erhielten." < 

178 



R. E.: „Der Unterbann ftihrer Seh. hält in der Schule (!) 
eine Werbung, wer jetzt nicht käme, würde nicht mehr als 
Kamerad betrachtet, sei ein V o 1 k s v e r r ä t e r. Die Rede war so 
scharf, daß viele Kinder ganz verschüchtert und weinend nach Hause 
kamen. Viele Eltern haben sich beschwerti" 
Die Lehrer hatten übrigens noch einen besonderen Grund zur 
Werbung: 

Der für die HJ freigegebene Samstag: 

Die Kinder, welche nicht der HJ angehören, haben 6 Stunden Schule 
(morgens 4, nachmittags 2 Stunden). Die anderen Stunden, die sonst 
Samstags gegeben wurden, sind auf die anderen Wochentage verteilt 
worden. 

Die Lehrkräfte, deren sämtliche Kinder der HJ und 
dem BDM, angehören, haben nun an- den Samstagen vollständig 
frei, die anderen haben 6 Stunden mehr zu leisten und ist der ganze 
Samstag dafür in Anspruch genommen. Die Folge davon Ist, daß 
manche Lehrkräfte immer wieder fragen: „Bist du jetzt noch nicht bei 
der HJ oder im BDM? Jetzt ist es aber höchste Zeit, dazu den Schritt 
zu machen. Du wirst schon sehen, was das für Folgen hat, es kann 
nur Dummheit oder Trotz sein." So wird wohl weiter gemacht, bis das 
letzte Kind in einer dieser Organisationen ist. Es werden nur ganz 
positiv gläubig gesinnte und praktizierende Lehrkräfte dieses Kreuz auf 
sich nehmen und am Samstag ihre Pflicht ohne lyTurren erfüllen. 

vm. 

Wirtschaftliche Zurücksetzung und Bedrückung 

Aus der großen Zahl der eingelaufenen Berichte geben wir hier nur 
einen kleinen Teil wieder. Die überall erfolgte wirtschaftliche Benach- 
teiligung und Androhung wirtschaftlich-beruflicher Schädigungen gegen- 
über unseren Mitgliedern sind eindrucksvolle Beweise dafür, wie jener 
von maßgebenden Führern der Staatsjugend theoretisch formulierte 
Grundsatz der Freiwilligkeit der Mitgliedschaft in 
der HJ durch die praktische Wirklichkeit des Lebens Lügen gestraft 
wird und wie durch Gewährung materieller Vorteile für die Staats- 
jugend deutsche katholische Jugend zur Untreue gegenüber ihren kirch- 
lichen Bünden veranlaßt werden soll. 

IX. 

Besondere Vorfälle wie Körperverletzung, Überfall, 

schwere Beleidigung, Sachbeschädigung, 

Brandstiftung usw. 

Aus der Fülle der eingelaufenen Meldungen werden 25 Fälle wie- 
dergegeben. 2 Anlagen schildern erschütternde Fälle ausführlicher. 

X. 

Die Haltung der Polizei während der Offensive ■ 

Während der Offensive trug die Hauptfront des Polizeipräsidiums 
in Essen ein großes Plakat, geschmückt mit dem Hoheitszeichen der 
Polizei und der HJ, mit der Aufschrift: 

„Die Polizei steht zur Hitlerjugend!" 

Diese Inschrift illustriert treffend die Haltung der Polizei während 
der Offensive. Bis heute ist in keinem der vielen gemeldeten Überfälle, 
in keinem - Fall von Ausschreitungen, Schlägereien, Brandstiftungen, 
Beleidigungen, Sachbeschädigungen, Hausfriedensbrüchen, Raub und 
Diebstahl bekannt geworden, daß die Täter der verdienten 
Strafe zugeführt wurden, soweit diese Täter einwandfrei feststehen 

179 



oder daß es den Bemühungen der Polizei gelungen ist, unbekannte 
T ä t e r z u e r m i 1 1 e 1 n. 

In den meisten Fällen wurde seitens der Geschädigten Strafanzeige 
erstattet. In vielen Fällen sind die Verfahren „wegen Geringfügigkeit 
oder deshalb eingestellt worden, weil die Mitglieder der HJ im Diszi- 
plinarweg , bestraft' worden sein sollen." 

Die Staatsanwaltschaft hat u. W. in keinem der aufgezählten Fälle 
von sich aus Strafantrag gestellt. 

Dagegen ist es verschiedentlich vorgekommen, daß Mitglieder 
katholischer Verbände in Schutzhaft kamen nur des- 
halb, weil sie sich zur Wehr gesetzt hatten! 

So standen die Polizei und die Justiz eindeutig auf selten der 
Hitlerjugend! Recht und Gesetz wurden bewußt mit Füßen getreten, 
und jene Hitlerjungen, die. beim Überfall in Essen- Altendorf bei Alar- 
mierung des Überfallkommandos ausriefen: „Polizei hält doch mit der 
HJ!", sprachen nur das aus, was traurige Wirklichkeit war. 

XI. 
Störungen des Gottesdienstes! 

Eine größere Zahl unif ormierteir auswärtiger HJ stört die Predig 
durch Lachen und halblaute Bemerkungen. Die Stelle des Liedes: 

„Christus, Herr der neuen Zeit.. .", 

wird von der HJ in der Kirche gesungen: 

„Hitler, Herr der neuen Zeit..." 

XII. 
Gesungene Liedtexte (während der „Frühjahrsoffensive") 
„. . . Wir fürchten Sturmschar und den Präses nicht . . ." 
„...Die schwarze Front, schlägt sie zu Brei!..." 
„. . . Sturmschar, gib acht, daß man dich nicht zum Staatskrüppel 

mächt! ..." 
„Sturmschar ade, scheiden tut weh, adieu Herr Kaplan! 
Nun muß ich fort in die HJ, adieu Herr Kaplan! 
Daß ich nun scheiden muß, das macht mir kein Verdruß, 
Weil du gelogen hast, adieu Herr Kaplan . . ." 
„Wir schlagen die Pfaffen alle tot, trumm, trumm . . . !" 

XIII. 

Texte aufTransparenten — Maueranschläge — 

Farbanstriche 

Paßt auf, ihr schwarzen Schatten, 
Auch eure Maske fällt, 
Ihr seid die ewig Satten, 
Doch uns gehört die Welt. 
Wir brauchen keine Sturmschar mehr — auch dieHJ geht in die Kirche 
HJ marschiert — PX krepiert 
Jeder PX^Bonze ist ein Verräter. 
An der Saale hellem Strande — steht PXdie Krüppelbande. 
Hütet euch, ihr schwarzen Hunde, 
Zwiespalt der Jugend — Verrat am Blut. 
Christuszeichen am Galgen, dabei diie Worte: „Lebt hoch am Galgen." 
„N i e d e r" (etwa 1 Meter große Buchstaben an der Kirche) 

Wir können nur meckern (bei einer Karikatur eines Priesters und 

einer Ziege!) 

180 



Die Kirche hat nur zu dienen, nicht zu politisieren! 
Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht. 
Die Memmen aufs Schafott — die Kerle in die HJ! 
Deutsche Jugend erwache — hinein in die HJ! 
Das Christuszeichen erscheint wiederholt am Galgen (Farben- 
anstrich). 

XIV. 
Text für Sprechchöre. 

Wir haben die Kirche nicht nötig. 

Wer fürchtet sich vor dem schwarzen Mann? (Gegenüber einem 
geistlichen Herrn!) 
Und nun? 

Die Wahrheitüber den Erlolg der „Frühjahrs- 

offensive": 

" Die sogenannte „Frühjahrsoflensive" der HJ, die nach Presse und 
Rundfunk einen Zuwachs von, Tausenden Mitgliedern aus den katho- 
lischen Jugendverbänden in die Reihen der HJ gehabt haben soll, hatte 
ihre stärkste .Werbeaktion in Essen eingesetzt. 

Wir geben darum hiermit das wirkliche Ergebnis der „Frühjahrs- 
offensive" in 'Essen nach genauesten und zuverlässigsten Erhebungen 
bekannt: 

Gesamtergebnis aus 53 Pfarreien Essens: 

unter 14 über 14 J. 

Aus katholischen Vereinen ausgetreten ■. ■, » 160 22 

davon traten zu HJ bzw. JV über . . . ■ . . . . 124r 17 

In katholische Vereine neu eingetreten . . . 407 637 

davon kamen aus der HJ ...,......,.' . 29 29 

Geschlossene Gruppen, Gruppen mit Führern und einzelne Führer sind 
in ganz Essen keine übergetreten! 

Es ergibt sich nach obigem ein Mit gliedergewinn für die 
katholischen Jugendverbände in Essen während der 
Oflensive: 862 unter und über 14 Jahre. 

Dabei ist zu berücksichtigen, daß in 31 von 53 Vereinen während der 
Offensive eine Neviauf nähme von Schulentlassenen nicht erfolgte. 

Die Rache für den Mißerfolg 

Der offensichtliche Fehlschlag der ganzen Frühjahrsoffsive trieb 
Partei, HJ und Gestapo zu neuer Hetze und Gewalttätigkeit. 

Eine Pilgerfahrt katholischer Jugendlicher nach Rom, die den 
Teilnehmern ebensoviel Herzens- wie Wissensbereicherung und 
seelische Stärkung brachte, die Katholiken. Roms erbaute und den 
■Hl. Vater erfreute (siehe zweiter Teil unter Nr. 10), wurde von der 
nationalsozialistischen Presse in gemeinster Weise mißdeutet und 
verspottet. Ein Beispiel hiefür ist nachfolgender Artikel des „Völ- 
kischen Beobachters" vom 26. April 1935: 

Eine Zentrumsdemo nstrationmif deutscher Jugend 

in Rom 

Rom, 25. April. 

Ungefähr 2000 deutsche Jungen, die katholischen Jugendverbänden 
angehören, weilten während der Ostertage in Rom. Es fiel allgemein 
auf, daß in dieser Zeit die katholischen Organisationen in Deutschland 

181 



es unternehmen, derartige Jugendmassenaufgebote nach Rom zu schik- 
ken, wo sie nicht nur das Straßenbild mit ihren Gruppen beherrschten, 
sondern schon mit ihren 52 Autobussen und ihrer Tracht als organisierte 
Scharen ein Bild boten, das anscheinend den Eindruck erwecken sollte, 
als ob diese deutsche Jugend dem Papst mehr zu dienen gewillt sei als 
dem eigenen Vaterland. 

Dies könnte schon daraus hervorgehen, daß der deutsche Leiter die- 
ser Jungen beim Empfang' durch den Papst in seiner Ansprache er- 
klärte, daß diese 2000 Vertreter von 300 000 Köpfen organisierter katho- 
lischer Jugend Treue und Liebe zur Kirche und zum Vaterlande (Vater- 
land an zweiter Stelle) versprochen hätten. Als die Jungen nach einer 
Messe aus der Kirche traten und bei Passanten das Hakenkreuz sahen, 
grüßten zwar einige mit erhobenen Armen, aber die große Mehrzahl 
blickte vgrwirrt beiseite. 

Selbst katholische Geistliche sprachen sich dahin aus, daß derartige 
Besuche besser unterblieben, da sie nur geeignet seien, den religiösen 
Zwiespalt im Deutschen Volke zu verschärfen, da hier in Rom selbst- 
verständlich nichts unterbleibe, um diese Jugend für dauernd zu beein- 
flussen. • 

Sehr bezeichnend in diesem Sinne war die Feier am Ostersonntag 
anläßlich des Segens nach der Papstmesse, der vom Balkon der Peters- 
kirche vom Papst der draußen harrenden Menge erteilt wird. In vor- 
derster Reihe wären sehr demonstrativ diese 2000 deutschen Jungen in 
12 Reihen aufgestellt. Beim Erscheinen des Papstes bliesen sie auf ihren 
Trpnipieten. 

Die katholische Presse schreibt, daß die deutschen und österreichi- 
schen Jungen zusammen, eine Ehrenwache um den Beicht- 
altar in der Peterskir.che gebildet hätten. Sie hätten mit ihren Gebeten, 
Gesängen und Rufen der ganzen Versammlung den Ton gegeben, obwohl 
auch Jugend anderer Nationen vorhanden gewesen wäre. In den Län- 
dern dieser Jugend stoße die christliche Zivilisation mit einem satani- 
schen, gottesschänderischen Atheismus zusammen. 

Kein Wunder, wenn nach solcher Pressehetzung der Empfang 
der jugendlichen Pilger an der deutschen Grenze sehr unfreundlich 
war. SS und andere Polizisten des Dritten Eeiches nahmen ihnen 
Kleidungsstücke, Musikinstrumente, Wimpel und Papstandenken 
weg. 

Druck auf die Beamten 



Es dürfte wohl nicht bloß eine Einzelaktion gewesen sein, 
was der Kreisamtsleiter des „Reichsbundes deutscher Beamten" 
(RDB) von Viersen-Kempen einen Monat hernach zugunsten der 
HJ tun zu müssen und tun zu dürfen glaubte, indem er allen Mit- 
gliedern nachstehendes Schreiben übermitteln ließ: 

Kaldenkirchen, den 10. 5. 1935 

An den Bfk. Herrn (folgt namentliche Anschrift) 

in . 

durch den Ortswalter und Amtsleiter des RDB 

Die erste und zugleich grundlegende und umfassende Aufgabe des 
deutschen Beamten im Dritten Reich ist im Verhältnis des Beamten 
zum Führer begründet. Es erhält für jeden Beamten seinen Inhalt und 
seine Form durch den gesetzlichen Diensteid der Treue und des Gehor- 
sams des Beamten auf den Führer und somit auf Deutschland, das die 
Ehrenhaftigkeit und die Gewissensverpflichtung gegen die Volksgemein- 
schaft und gegen sich selbst an die erste Stelle gestellt hat. Der Eid ist 

182 



ein erhabener und feierlicher Akt des Bekenntnisses, das den Schwörenden 
unlösbar bindet. Derjenige Beamte würde danach nicht wahrhaft seinem 
Eide genügen, der in ihm nur die Erfüllung gewissenhafter 
Diensterfüllung erblickt. Der Eid der Treue und des Gehorsams 
auf Führer und Volk fordert mehr. Er schließ't ein die unbe- 
dingte Hingabe der ganzen Person des Eidesleisten- 
den. Aus dieser Gefolgschaft und Mannestreue folgt, daß besonders 
der Beamte und seine Familienangehörigen sich mit 
ganzer Person für die Verwirklichung der vom Führer gestellten Auf- 
gaben einzusetzen haben. 

Zu einer dieser Aufgaben gehört die Einigung der 
gesamten deutschen Jugend ih der HJ. Das Ziel der staat- 
lichen Jugenderziehung ist die systematische Heranbildung des un- 
bewußten jungen deutschen Menschen zum bewußten Staatsbürger und 
Träger der Staatsidee, d. h, des Nationalsozialismus. Das wich- 
tigste Erziehungsmittel zu diesem Ziele ist die Hitlerjugend als die welt- 
anschauliche Erziehungsgemeinschaft des jungen Deutschlands über- 
haupt. Derjenige deutsche Beamte, dessen Kinder bewußt außer- 
halb der Hitlerjugend (DJ, HJ, BDM) stehen, würde sich in 
Gegensatz zu dem Totalitätsanspruch des Nationalsozialis- 
mus stellen. Eine Stellungnahme, die sich mit der beschworenen Gefolg- 
schaftstreue nicht vereinen ließe. 

Was die konfessionellen (Verbände betrifft, so erklärte 
der HeichsjugendfÜhrer kürzlich auf einem Empfangsabend des außen- 
politiischen Amtes der NSDAP, daß der konfessionelle. Jugendverband 
in seiner heutigen Gestalt ein außerhalb der Jugend des Staates stehen- 
der Zusammenschluß derer sei, die d i e Idee des Staa- 
tesverneinen. Er bedeute in dieser Gestalt einen Ausläufer aus 
der Zeit, des Klassenstaates. Die sozialistische Idee des Dritten Reiches 
verlange im Gegensatz zu dem früheren Staat von jedem einzelnen 
bedingungslose Unterordnung seines individuellen 
Seins unter das sozialistische Sein seines Volkes. 
Jeder Jugendverband außerhalb der HJ verstoße gegen den Geist der 
Gemeinschaft, der der Geist des Staates sei. Dennoch ,s=ebe es einen 
Bezirk, innerhalb dessen der konfessionelle Bund eine Daseinsberechti- 
gung besitze, der von der HJ anerkannt und geachtet werde. Es sei 
der Bezirk der allein religiösen und seelsorgerischen 
Tätigkeit. 

Ich hoffe, daß Ihnen diese Ausführungen eindeutig gezeigt haben, 
daß jeder deutsche Beamte mit seinem Eid nicht nur die heilige 
Verpflichtung übernommen hat, sich selbst zum Nationalsozialisten zu 
erziehen, sondern auch seine Kinder Inder HJ zu National- 
sozialisten erziehen zu lassen. Ich bitte, mir bis zum 
2 0. Mai mitzuteilen, ob Ihre Kinder jetzt sämtlich Angehörige der 
HJ (DJ, HJ, BDM, JM) von 10 bis 21 Jahren sind. 

Ich bemerke noch, daß die NSDAP eine Körperschaft des öffent- 
lichen Rechtes ist und Sie, zumal Sie sich freiwillig in den der NSDAP 
angegliederten RDB eingegliedert haben, zur Auskunfterteilung ver- 
pflichtet sind. 

Heil Hitler! 

gez. Müllner (oder Wüllner) 

Kreisamtsleiter. 

Stempel der NSDAP, Amt für Beamte, Kreis Viersen-Kempen. 

Preußischesund bayerisches Verbot für KJ 

Am 23. Juli 1935 brachte eine preußische Polizei- 
verordnung ein vollies Betätigungsverbot für die konfessionellen 
Jugendverbände mit folgendem Wortlaut: 

183 



„Auf Grund des § 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum 
Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 (RGBl. I S. 83) in 
Verbindung mit § 14 des Polizeiverwaltungsgesetzes vom 1. Juni 1931 
(Gesetzsammlung S. 77) wird für Preußen folgende Verordnung er- 
lassen: 

§ 1. Allen konfessionellen Jugendverbänden, auch den für den 
Einzelfall gebildeten, ist jede Betätigung, die nicht rein kirchlich-religiö- 
ser Art ist, insbesondere eine solche politischer, sportlicher und volks- 
sportlicher Art untersagt. 

§ 2, Für die konfessionellen Jugendverbände und ihre männlichen 
und weiblichen Angehörigen, einschließlich der sogenannten Pfarr- 
jugend, gelten folgende Bestimmungen, 

Es ist verboten: 

1. Das Tragen von Uniformen Oundestracht, Kluft usw.), uniformähn- 
licher Kleidung und Uniformstücken, die auf die Zugehörigkeit zu 
einem konfessionellen Jugendverbande schließen lassen. Hierunter 
fällt auch das Tragen von Uniformen oder zur Uniform gehöriger 
Teilstücke unter Verdeckung durch Zivilkleidungsstücke (z.B. Män- 
tel), sowie jede sonstige einheitliche Kleidung, die als Ersatz für die 
bisherige Uniform anzusehen ist; 

2. das Tragen von Abzeichen, welche die Zugehörigkeit zu einem kon- 
fessionellen Jugendverbande kenntlich machen. (PX, DJK, Abzeichen.) 

3. das geschlossene Aufmarschieren, Wandern und Zelten in der Öffent- 
lichkeit, ferner die Unterhaltung eigener Musik- und Spielmanns- 
züge; 

4. das öffentliche Mitführen oder Zeigen von Bannern, Fahnen und 
Wimpeln, ausgenommen bei Teilnahme an althergebrachten Prozes- 
sionen, Wallfahrten, Primiz- und anderen Kirchenfeiern sowie Be- 
gräbnissen; 

5. jegliche Ausübung und Anleitung zu Sport und Wehrsport aller Art." 

Das Bayerische Staatsministerium des Innern 
erließ am 30. Juli 1935 eine eigene Verfügung, die besagte: 

§ 1. Das Tragen von einheitlicher Kleidung, von uniformähnlichen Klei- 
dungsstücken sowie von Abzeichen, durch welche die Zugehörigkeit 
zu einem konfessionellen Jugend- oder Jungmännerverband zum 
Ausdruck gebracht wird, ist verboten. 

§ 2. Den konfessionellen Jugendorganisationen wird jede sportliche, ins- 
besondere gelände- und volkssportliche Betätigung verboten. 

§3. Zuwiderhandlungen werden nach § 4 der *Verordnung des Reichs- 
präsidenten vom 28. Februar 1939 (RGBl. I, S. 83) bestraft. 

§4. Die Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft. 
Gleichzeitig tritt die oberpolizeiliche Vorschrift der Kreisregierung 
über das Uniform-, Abzeichen- und Sportverbot außer Kraft. 

Beachte: Diese bayerische Verordnung enthält nicht die in 
§ 2 Abs. 4 der Preußischen Polizeiverordnung vorgesehenen Aus- 
nahmen des öffentlichen Mitführens von Bannern, Fahnen und 
Wimpeln bei Teilnahme an althergebrachten Prozessionen, 
Wallfahrten, Primiz- und anderen Kirchenfeiern sowie Begräbnissen. 

Es regnet neue Verbote. 

Am 29. Juli 1935 würde den K i n d ern der Beamten die 
Zugehörigkeit zu konfessionellen Vereinen überhaupt verboten. 

184 



Dem Verbot des Organs des katholischen Jungmännerverbandes: 
„Die junge Front", das schon im März 1935 erlassen worden 
war, folgte im Januar 1936 auch die „Liquidierung" der Ersatz- 
zeitung „M i c h a e 1". ")iese hatte eine Auflage von mehr als 
300 000 Exemplaren gehabt, ein Zeichen, daß viele Hunderttausende 
von jungen Deutschen noch immer treu zur Stange hielten. 

Dann wurde auch noch sonstiges Schrifttum des Jungmänner- 
verbandes, ^Kalender, „Das Grundgesetz der katholischen Jugend", 
selbst das „Liederbüchlein" verboten und beschlagnahmt. 

Am 15. August 1935 wurde den Religionslehrern an 
höheren Schulen di^ seelsorgliche Betätigung in konfessionellen 
Jugendverbänden untersagt, erneut am 25. Juni 1936. Am 8. März 1937 
entschied dann das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung 
und Volksbildung: 

„Zu den konfessionellen Jugendverbänd^n im Sinne der Erlasse 
vom. 15. August 1935 und 25. Juni 1936 gehören nicht die konfessionellen 
Verbände, die sich auf rein religiöse Betätigung beschränken." 

Die letzten Stationen des Passionsweges der KJ 

Am 6. Februar 1936 wurde dann der Leiter des katholischen 
Jugendverbandes, Msgr. Ludwig Wolker, samt seinem Gene- 
ralsekretär Clemens und andere Mitarbeiter verhaftet, 
monatelang im Gefängnis festgehalten, ohne daß trotz aller pein- 
lichen Verhöre eine wirkliche Unterlage für einen Prozeß gefunden 
werden konnte. 

Am 1. Dezember 1936 geschah dann die Verstaatlichung 
der gesamten deutschen Jugend. Die braune Zwangs- 
jacke sollte, der gesamten deutschen Jugend angelegt werden. 

Der 25. Januar 1938 brachte dann auf Grund eines Befehls der 
Gestapo vom 20. Januar 1938 den großen Schlag: 

Die Auflösung der katholischen Jugendvereine 

Am 26. Januar 1938 veröffentlichte der „Völkische Beobachter" 
in München: 

Katholische Jugendorganisationen in Bayern 
verboten. Staatsfeindliche Betätigung erwiesen. 

Auf Grund § 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum 
Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 wurden in sämt- 
lichen bayerischen Diözesen, einschließlich der Diözese Speyer, die 
katholischen Jungmännervereine, Juhgfrauenkongregationen und 
der Neudeutsche Bund aufgelöst und verboten. Die entsprechende 
Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung hatte folgenden 
Wortlaut: 

Auflösung katholischer Jugendvereinigungen. 
Bek. d. Staatsmin. d. I. — Referat 19 Nr. 52301/37 II B — vom 31. Ja- 
nuar 1938 über die Auflösung katholischer Vereine. 

185 



Auf Grund § 1 der VO des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk 
und Staat vom 28. Februar 1933 (RGBl. S. 83) werden mit sofortiger 
Wirksamkeit folgende katholische Vereine aufgelöst und verboten: 

1. Die Marianischen Jungfrauenkongregationen der 
bayerischen Diözesen einschließlich der Pfalz mit ihren Unter- und 
Nebengliederungen sowie die ihr angeschlossenen Jungfrauenvereine. 

2. Die katholischen Jungmännervereine der bayerischen 
Diözesen einschließlich der Diözese Speyer mit ihren Unter- und 
Nebengliederungen, insbesondere der St.-Georgs-Pfadflnder und 
Sturmscharen. 

3. Der Bund Neudeutschland — Jüngerenbund (Vereini- 
gung von Schülern höherer Lehranstalten) für das Land Bayern, 
einschließlich der Pfalz. 

Den angeführten Vereinen wird jede Tätigkeit, insbesondere die Er- 
richtung von Nachfolge- und Deckorganisationen verboten, Verboten 
wird ferner der korporative Eintritt der Mitglieder in eine andere katho- 
lische Organisation. Zuwiderhandlungen werden nach § 4 der VO vom 
28. Februar 1933 bestraft. 

I. V. Frhr. v. Eberstein. 

Wie die Bischöfe Bayerns in einem Hirtenwort vom 6. Februar 
1938 feststellten, lag das besonders Verletzende dieser Verordnung 
darin, daß sie sich auf das Gesetz vom 28. Februar 1933 stützte, das 
doch den Untertitel führt: „...zur Abwehr kommunisti- 
scher, staatsgefährdender Gewaltakt e"; Darum 
schrieben sie: „W ir erheben Einspruch dagegen, daß 
man unter Berufung auf diese Verordnung kirch- 
liche Vereine auflöst und verbietet, die nicht 
kommunistisch, sondern christlich sind, dienicht 
staaatsgefährdend, sondern staatsbejahend sind, 
die nicht Gewaltakte planen, sondern bestehende 
Obrigkeiten anerkennen." 

Neben den im Erlaß namentlich genannten /männlichen und 
weiblichen Jugendvereinen wurden vielerorts aber auch 
andere Vereine aufgelöst, z. B. in der Erzdiözese München 
fünf katholische Arbeitervereine, heun katholische Burschenvereine, 
fünf katholische Gesellenvereine, vereinzelte Dienstmädchenvereine, 
selbst rein religiöse Vereine, wie Müttervereine, Bruderschaften usw. 

Das Vermögen all dieser Vereine (Häuser, Heime, Sportplätze, 
Sportgeräte, Zelte, Büchereien, Musikinstrumente, Fahnen, Bühnen, 
selbst Schott: Meßbuch der katholischen Kirche, „Kirchengebet", 
Sparkonten, Bargeld usw.) wurde restlos weggenommen. Auch 
Gelder von sogenannten „Pfarrjugendwerke n", die doch 
gar keine Vereine waren, sondern nur Mittel für die allgemeine 
Jugendpflege der Pfarrei sammelten, wurden mancher- 
orts beschlagnahmt (z. B. in St. Ludwig München mehrere Tausend 
Mark). 

Am 24. August 1938 wurde in ganz Deutschland auch die 
Deutsche Jugendkraft (D.J.K.), die innerhalb der katho- 
lischen Jugendvereine den Sport gepflegt hatte, polizeilich aufgelöst 
und ihr Vermögen beschlagnahmt. 

186 



Doch die katholisch eJugend blieb trotzflieser 
langsamen Hinrichtung am Leben. Die Seelsorgsarbeit 
an ihr wurde erst recht verstärkt, mochte sie sich auch ganz ins 
Kircheninnere zurückziehen müssen. 

Eigene bischöfliche Jugendseelsorgsämter 
suchten in allen Diözesen die Arbeit an allen katholischen Pfarr- 
jugendlichen zu steigern. Am 31. Januar 1938 verfügte beispiels- 
weise das Erzbischöfliche Ordinariat München: 

„Bis zur Klärung der Angelegenheit und einer evtl. weiteren Nach- 
richt unserseits ruht selbstverständlich jede Arbeit in den aufgelösten 
Vereinigungen ... Dagegen geht die kirchliche Jugend- 
seelsorgsarbeit nach den bischöflichen Richtlinien weiter, wen- 
det sich aber immer an die gesamte katholische Jugend des 
Seelsorgsbezirks; z. B. ergeht die Einladung zu einer kirchlichen Jugend- 
andacht jeweils an alle katholischen Jugendlichen; die Andacht selbst 
führt eine entsprechende allgemeine Öezeichnung (z. B. ,Katho- 
lische Jugendandacht', ,Marianische Weihestunde katholischer Jung- 
mädchen'.) Auch der Inhalt der Andacht verzichtet auf alles Kongre- 
gations- oder Vereinsmäßige. Die Arbeit in den nichtaufgelösten katho- 
lischen Vereinen geht natürlich weiter^ hält sich aber, wie bisher, pein- 
lich an die bestehenden staatlichen oder polizeilichen Verordnungen." 

In Tirol ging man auch noch gegen diese lose und bloße 
Jugendseelsorge vor. Die Staatspolizei Innsbruck verordnete zu 
Ende des Jahre 1940: 

„Jede Tätigkeit von Pfarrjugend und Jügendkongregatiohen ist ver- 
boten. Unter die Pfarrjugendtätigkeit fällt jede religiöse Be- 
treuung von Jugendlichen unter 18 Jahren beiderlei Ge- 
schlechts mit Ausnahme: 1. des zugelassenen Religionsunterrichtes in 
den Schulen, 2. des Pirmunterrichtes, für die Firmlinge, 3. der Teil- 
nahme an den normalen Gottesdiensten der Erwachsenen. Es fallen 
unter das Verbot insbesondere: alle Glaubefns-, Gebets-, Sing- 
und Andachtsstunden, Einkehr Übungen, Exerzitien 
Usw. 

Die Tätigkeit der Ministranten fällt nicht unter das ' Verbot. In-^ 
dessen sind die in den letzten beiden Jahren zum Teil außerordentlich 
stark angewachsenen Ministrantengruppen auf. den Stand vom Fe- 
bruar 1938 zurückzuführen. 

Das Pfarrjugend- und Jugendkongregationsver- 
bot darf vom Klerus in keiner Weise öffentlich ver- 
kündet oder behandelt werden, insbesondere nicht von der 
Kanzel. Es ist vielmehr den in Frage kommenden Jugendlichen münd- 
lich in sachlicher Form zu eröffnen. 

Der Stichtag für das Verbot ist der 5. Dezember und für die Mini- 
stranten der 1. Jänner 1941. Eine Umgehung durch die Geistlichkeit 
oder die Laienhelfer wird bestraft." 

Die zuständigen Bischöfe dieses Gebietes, d. i. der Fürsterzbischof 
von Salzburg und der Apostolische Administrator von Innsbruck, er- 
hoben natürlich feierlichsten Einspruch gegen diese Verordnung. Die 
Staatspolizei erklärte jedoch auf das bestimmteste, daß ab S.Dezember 
d. J. die Übertretung dieses Verbotes mit Zwangsmitteln geahndet werde. 
Das Verbot erstreckte sich auch auf die gesamte Kinderseel- 
sorge und stellte somit ein Seelsorgeverbot an der gesamten 
jungen Generation dar. 

187 



So sabotierte man im Dritten Reich nicht mehr bloß Artikel 31 
des Konkordates (katholische Organisationen und Verbände be- 
treifend), sondern auch den grundlegenden Artikel 1 desselben, der 
die Freiheit der Kirche gewährleistete! 

B. Der Kampf gegen alle katholischen Vereine 

Moloch Nationalsozialismus war von Anfang an mit den 
jugendlichen Opfern allein nicht zufrieden. Er streckte 
seine gierigen Arme auch nach allen übrigen katholischen Organi- 
sationen aus. Es durfte ja im Dritten Reich überall nur noch Einer- 
lei geben. Alle myßten in Einheitszwangsstiefeln marschieren. 
„Die Reihen fest geschlossen"! 

Dies verlangte zunächst einmal die 

Gleichschaltung aller Vereine. 

Parteimerkblatt Nr. 2 bestimmte unter anderem: 

„Gemäß den von der Reichsregierung und der obersten Partei- 
leitung der NSDAP herausgegebenen Richtlinien ist die Gleichschaltung 
der Vereine derart durchzuführen, daß die Mehrzahl der Vor- 
standsmitglie^er der NSDAP angehören oder mindestens 
schon seit längerer Zeit der nationalsozialistischen Bewegung nahe- 
stehen. Im einzelnen ist hiebei folgendes zu beachten: 

Der ersteVorsitzende soll nach Möglichkeit jenen Mitgliedern 
entnommen werden, welche schon seit längerer Zeit der NSDAP an- 
gehören. 

Soweit nicht besondere Verhältnisse vorliegen, ist dem Führer- 
prinzip Rechnung zu tragen. 

Die neue Vorstandschaft hat in kürzester Zeit Vorschläge für die 
Umgestaltung der Vereinsstatuten im nationalsozialistischen Sinn 
auszuarbeiten und beschließen zu lassen. 

Nach Durchprüfung der Gleichschaltung der einzelnen Vereine 
sind an Hand der bestehenden Bestimmungen sowie der oben angeführ- 
ten Richtlinien die Vorstände der übergeordneten Ver- 
bandsleitungen umzugestalten. 

Vereinsmitglieder, die sich der Ausrichtung der Vereine 
und Verbände auf das neue Deutschland widersetzen, sind auf Grund 
ihres Verhaltens vom Verein auszuschließen. 

Anhang zu den Statuten: Die Mitarbeit des Vereins an den Zielen 
der nationalen Regierung, zu der sich der Verein durch geistige Aus- 
richtung auf das Dritte Reich bereit erklärt, bekundet er durch den 
korporativen Anschluß an den Kampfbund für Deutsche Kultur. — Er 
verpflichtet sich, für die Bestrebungen des letzteren einen monatlichen ^ 
Beitrag von mindestens 5 Pfg. pro Mitglied abzuführen. 

Meldungsbogenfür die Gleichschaltung, 

Name des Vereins 

Verkehrslokal . 

Anschrift 

Der Verein wurde am ...... gemäß den veröffentlichten Richtlinien 

gleichgeschaltet. Die Satzungen wurden geändert und am ... . 

Vereinsregister gemeldet (nur für e.V.). 

188 



Das Führerprinzip wurde ...... .durchgeführt. Im Verein befinden 

sich noch , Mitglieder jüdischer Abstammung, die Ausscheidung 

der Nichtarier erfolgte auf Grundlage des Beamtengesetzes. 

Gemäß den derzeitigen Satzungen ist die Aufnahme von Nichtariern 

grundsätzlich ^^^ ^^^^ möglich. 

Der Verein hat sich am dem Kampf bund für Deutsche Kultur 

als Förderer angeschlossen mit einem monatlichen Beitrag von RM 

Name der neuen Vorstandschaft auf der Rückseite! 

Ort ....... den 

Unterschrift. 

Dazu noch eigens eine: 

Bestätigung 
Die Unterfertigten bestätigen, daß Herr nationalsoziali- 
stischer Gesinnung ist und Gewähr dafür bietet, daß er den von ihm 

vertretenen Verein . im Sinne der nationalen Regierung 

leiten wird. 

Ort ., den ^ 

Unterschrift Unterschrift 

Mitgl. der NSDAP Nr. Mitgl. der NSDAP Nr " 

Es ist klar, daß die katholischen Vereine eine solche 
Gleichschaltung nicht mitmachen konnten. Dies scheiterte ja fast 
durchwegs schon an der einen Tatsache, daß Vorstand oder 
Präses der katholischen Vereine zumeist ein katholischer 
Geistlicher war; und von ihnen ließ sich unter tausend kaum 
einer „gleichschalten". 

Auch die Satzungen waren nicht leicht zu ändern; denn 
dies hätte in der Regel nur mit Zustimmung der Oberhirtlichen 
Stelle geschehen können. Und die war für nationalsozialistische 
Abänderungsvorschläge absolut nicht zu haben. 

Dann war man eine kurze Zeitlang gehemmt durch Artikel 31 
des am 20. Juli 1933 abgeschlossenen „Konkordates zwischen dem 
Hl. Stuhl und dem Deutschen Reich", das bestimmte: 

„Diejenigen katholischen Organisationen und Verbände, die aus- 
schließlich religiösen, rein kulturellen und karitativen Zwecken dienen 
und als solche der kirchlichen Behörde unterstellt sind, werden in ihren 
Einrichtungen und in ihrer Tätigkeit geschützt. 

Diejenigen katholischen Organisationen, die außer religiösen, kultu- 
rellen oder karitativen Zwecken auch anderen, darunter auch sozialen 
oder berufsständischen Aufgaben dienen, sollen unbeschadet einer etwai- 
gen Einordnung in staatliche Verbände den Schutz des Art. 31 Abs. 1 
genießen, sofern sie Gewähr dafür bieten, ihre Tätigkeit außerhalb jeder 
politischen Partei zu entfalten." 

Doch was waren Verträge für Nationalsozia- 
listen! Sie galten nur, solange und wie man sie brauchte, 
Artikel 31 war ihnen unbequem. Also sorgte man dafür, daß er 
praktisch nicht zur Geltung kam. Ein Jahr lang ließ man Papst 
und deutsche Bischöfe darüber verhandeln, welche katholischen 
Vereine den Schutz von Absatz 1 oder 2 genießen sollten, verzettelte 

189 



die Vereinbarungen in einer Reihe von Einzelabsprachen mit ver- 
schiedenen Kontrahenten. 

Noch während dieser Verhandlungen schuf man rücksichtslos 
„vollendete Tatsachen", z. B. die 

Auflösung der katholischen Studenten- 
verbindungen 

Die Totalität des Nationalsozialismus duldete eben nicht, daß 
neben dem nationalsozialistischen „Deutschen Studentenbund" 
(NSDSTB) noch besondere Studentenkorporationen irgendwelcher' 
Art bestanden, am allerwenigsten solche konfessioneller Besonder- 
heit. Sie mußten darum „spontan" dem Einheitsideal zum Opfer 
fallen. Der Hl. Stuhl äußerte sich auch zu dieser Vergewaltigung 
sehr offen in der Note vom 14. Mai 1934: 

„Das Wechselspiel der in dem dortigen Promemoria angewandten 
Argumentation hat gegen Ende der Ziffer IV Platz für eine Beweisfüh- 
rung ganz eigener Art, im Zusammenhang mit der kurz gestreiften 
Frage der Organisationen für die katholische akademische Jugend, Als 
Beweis für die .ungestüme For m', in der ,der Wille zur volk- 
lichen Zusammenfassung' in diesen Kreisen sich durchgesetzt 
habe, weist die Denkschrift der Reichsregierung auf das ,spontane 
Aufgeben des Konfessionsprinzips gerade seitens 
der katholischen Studentenverbände' hin, Selbstverständ- 
lich ist der Gedanke volklicher Zusammenfassung in den Kreisen der 
katholischen Studentenschaft gerade so positiver Bejahung sicher wie 
in anderen Kreisen. Was dieser Gedanke jedoch mit dem Konfessions- 
prinzip der bisherigen katholischen Studentenvereinigungen zu tun 
haben soll, ist unklar. Wer in der Bejahung des Konfession s- 
prinzipsdie Verneinungdes Volksprinzips sieht, mit 
dem ist jede Auseinandersetzung aussichtslos. Nichts 
ist ungerechter /und beleidigender als die Behauptung ihrer Unverein- 
barkeit. Davon aber abgesehen, ist die Genesis der einschlägigen Be- 
schlüsse nachgerade so bekannt, daß der Hl. Stuhl hätte erwarten kön- 
nen, wenigstens von der Behauptung der ,Spontaneität* dieser 
Beschlüsse amtlich verschont zu bleiben. Hätte die Reichsregierung 
im vorliegenden Fall nicht den Weg der Ersetzung des Mehrheitswillens 
durch das sogenannte ,Führerprinzipi' beschritten und das, was eine Ge- 
wissensfrage der vielen war und ist, zu einer Frage der charakterlichen 
Widerstandsfähigkeit eines von ihr ausgesuchten, rein äußerlichen Re- 
präsentanten gemacht, so wäre das umgekehrte Ergebnis nicht einen 
Augenblick zweifelhaft gewesen. Wie gering in diesem Falle die innere 
Übereinstimmung war,' hat einer dieser von oben verordneten Führer 
mit seinem durch die enttäuschte Gefolgschaft herbeigeführten Rück- 
tritt noch jüngst bewiesen. Der Hl. Stuhl weiß, in welchem 
Maße heute in Deutschland die Freiheit der Ent- 
schließungen eingeschränkt ist durch den Druck, der 
vom Wirtschaftlichen und von der Sorge um die nackte Existenz her 
auf Beamten, Angestellten, Arbeitern, Gelehrten, ja 
selbstin früher freie nBerufen, auf fast allen Staats- 
bürgern lastet. Ungezählte derjenigen, mit deren ,frei williger' Zu- 
stimmung zur Entkonfessionalisierung die Reichsregierung in einem 
diplomatischen Promemoria argumentiert, können ohne Gefährdung 
ihrer Existenz nicht öffentlich gegen diese Ausdeutung der Vorgänge 
protestieren; sonst wäre der Massenprotest sicher. Der Heilige Stuhl 
möchte daher wenigstens vor der Geschichte die Feststellungen nicht 
unterlassen, die zur Steuer der Wahrheit notwendig sind." 

190 



Echt nationalsozialistische Vertragsdeutung 

Ende Juni 1934 erklärte der Unterhändler der Deutschen 
Reichsregierung, Ministerialdirektor Butt mann, „Artikel 31 
des Konk or d at es sei überhaupt noch nicht in 
Kraft gesetz t." Im August des Vorjahres aber hatte derselbe 
Buttmann die beschleunigte Ratifikation des Konkordates beim 
Episkopat und Hl. Stuhl gerade mit dem Argument betrieben, daß 
das Reich durch sie erst die Aktivlegitimation erhalte, gegen die 
Einzelstaaten, welche der Durchführung des Artikels 31 wider- 
strebten, vorzugehen. 

Jetzt war das Konkordat längst ratifiziert (10. September 1933), 
aber sein Artike] 31 war nach Auffassung der Reichsregierung 
„noch nicht geltendes Recht". 

Außerdem sollte auf einmal auch die Partei zu etwaigen 
Abmachungen zwischen Kirche und Staat über Artikel 31 wie auch 
zum Konkordat im ganzen gehört werden, war also die selb- 
ständige Ve rhandlungs- und Abschlußfähigkeit 
der Staatsbehörde ausgeschaltet. Für den Heiligen 
Stuhl aber konnten als Konkordatspartner und folgerichtigerweise 
auch als Abschlußpartner für ergänzende und ausführende Ab- 
kommen lediglich der Staat und seine bevollmächtigten Unter- 
händler existieren. Erklärungen eines Parteivertreters, er wolle 
sich dafür einsetzen, daß die Parteiorganisationen die Abmachungen 
halten. würden, konnten dem Hl. Stuhl um so weniger genügen, als 
von dem gleichen Parteimann sofort einschränkend erklärt wurde: 
„V oraussetzung sei, daß überhaupt ein fried- 
liches Verhältnis zwischen katholischer Kirche 
und Partei besteh e." Das war ja nun eine Bindung" auf Ruf 
und Widerruf: Man brauchte ja bloß die Kirche als parteifeindlich 
zu erklären — und man war aller Verpflichtungen, ledig. Und die 
Kirche war doch „parteifeindlich", wenn sie sich nicht alle Ver- 
stöße der Partei oder von Parteimitgliedern gegen religiöse und 
kirchliche Grundsätze ruhig gefallen ließ. 

Im übrigen verhinderte man alle Klarstellung und Festlegung 
durch eine unerhörte und "unanständige Verschleppungs- 
taktik. 

In einer Note vom 29. Januar 1935 mußte der Hl. Stuhl Klage 
führen, daß zehn bzw. neun Noten und Anregungen des Heiligen 
Stuhles, angefangen vom 28. Oktober 1933 bis zum 18. Juli 1934, 
noch der Erledigung bzw. Beantwortung harrten. 

So waren bald weder Einrichtungen noch Tätigkeit der „katho- 
lichen Vereine oder Organisationen und Verbände mit ausschließ- 
lich religiösen, rein kulturellen und caritativen Zwecken" noch 
„Organisationen, die darüber hinaus auch noch sozialen oder berufs- 
ftändischen Aufgaben dienten", geschützt. 

191 



„Neue Fesseln'!" 

Eine Hand- und Fußfessel nach der anderen wurde ihnen an- 
gelegt: 

Man forderte die Namen der Vorsteher, Angaben über 
Zahl der Mitglieder, Satzungen ein. 

Sodann beschränkte man Tätigkeitsfeld und Tätig- 
keit s m a ß der katholischen Vereine: Zuerst verlangte man, daß 
jede Versammlung frühzeitig gemeldet werden mußte. Später 
war überhaupt erst um die förmliche Genehmigung der Ver- 
sammlungen einzukommen. Wieder etwas später wurde eine solche 
Genehmigung nur monatlich einmal, nach kurzer Zeit nur 
noch alle zwei Monate> gegeben. 

Dann ging die Einengung der Versammlungen auch auf den 
Baum über: Es wurden nur noch Versammlungen in kirchen- 
eigenem Raum gestattet. Wo ein solcher nicht zur Verfügung 
stand, war eben eine Versammlung nicht möglich. Und wenn etwa 
vorhandene kircheneigene Räume recht klein waren, um so besser. 
So konnte das „katholische Unkraut" sich nicht mehr so breit 
machen. 

Natürlich wurden katholische Vereinsversammlungen durch- 
wegs polizeilich bewacht oder wenigstens insgeheim be- 
spitzelt. 

Was Versammlung war, bestimmte die Gestapo . allein. Sie 
ei klärte des öfteren auch rein seelsorgliches . Beisammensein meh- 
rerer als Versammlung. 

So z. B. eine Unterweisung, welche H. Kurat Beer von Pfarrei 
„Königin des Friedens" in München am' 3. und 4. Oktober 1939 in sei- 
nem Pfarrheim einigen Pfarrangehörigen bezüglich Verteilung von 
Meldemappen zur kartothekmäßigen Erfassung der Pfarrangehörigen 
gegeben hatte. Domkapitular N e u h ä u s 1 e r wurde im Dezember 1933 
zur Polizei abgeführt und dort eine Nacht festgehalten, weil er als erz- 
bischöflicher Presse-Referent Geistliche der Stadt ins Erzbischöfliche 
Ordinariat berufen hatte, um sie über die Umwandlung der „Münchener 
Katholischen Kirchenzeitung" in ein Diözesänblatt zu unterrichten und 
entsprechende Weisungen zur Mitarbeit zu geben. Selbst Vorträge in 
Kirchen, wie sie z. B. in der Alten Haidhauser Kirche von P. W a 1 d - 
mann S. J. für abgefallene und abgestandene Katholiken gehalten wur- 
den (28. — 30. November 1939), wurden beanstandet. 

Sogar bloße Pr ob en v on Ki r ch en ch ö r en wurden da 
und dort als Vereinsversammlung betrachtet und als genehmigungs- 
pflichtig erklärt und auf kircheneigenen Räum verwiesen. 

Bibelabende rein religiöser Art, die außerhalb der Kirche 
stattfanden, wie es im Winter notwendig war, mußten schon vier 
Wochen vorher polizeilich gemeldet werden bzw. später je- 
weils zum 25. des laufenden Monats für den ganzen folgenden 
Monat, 

Nach diesen Einschnürungen katholischen Versammlungslebens 
kam dann das Verbot besonderer Lehrkürse innerhalb katho- 

192 



lischer Organisationen, wie sie z. B. die katholischen, Gesellen- 
vereine („Kolpingswerk") seit Jahrzehnten zum Segen des deut- 
schen Handwerks betrieb für Stenographie, Kalkulation, Vortrags- 
kunst, für Schlosser, Schneider, Schreiner, Friseure, Buchbinder 
usw. 

Selbst karitative Arbeit von katholischen Vereinsmit- 
gliedern wurde beanstandet: z, B. brachte die Anfertigung von Meß- 
taschen für Feldseelsorger dem Katholischen Frauenbund wieder- 
holt Vorladungen vor die Gestapo. Beim Zweigverein Burghausen 
wurde sogar Material hiefür (Kreuze, Meßbücher usw.) beschlag- 
nahmt. 

Dann probierte man es mit der 

Anforderung von Mitgliederlisten. 

So wollte man diejenigen, welche man noch nicht als An- 
gehörige katholischer Vereine kannte, herausbringen; jene aber, 
welche man schon als solche kannte, in Schrecken setzen, auf daß 
sie doch schleunigst ihren Austritt erklären sollten. Doch die ober- 
hirtlichen Stellen gaben den katholischen Vereinen strenge Weisung, 
diesem Verlangen nicht nachzugeben und protestierten bei Regie- 
rung und Parteiorganisationen entschieden gegen diese Ausnahme- 
behandlung der katholischen Vereine. 

. . Kardinal Bertram-Breslau begründete diese Ablehnung noch aus- 
drücklich mit einem Schreiben vom 27. Mai 1935 

„Zu der Frage: 

Ob Mitgliederbestand der katholischen Jugendvereine mit Namen 
und Anschrift aller Mitglieder der Polizei zu melden Pflicht ist. 

Ähnlich wie früher bezüglich der Teilnehmer an Exerzitien ist jetzt 
diese Anmeldung am 20. d. M. an verschiedenen Orten auf Anordnung 
der Staatspolizei in Berlin gestellt, in einem Falle mit Ankündigung der 
sonst folgenden Verhaftung des Kaplans als Präses. Hiesige Vertreter 
der Staatspolizei erbaten zustimmende Äußerung des Generalvikariats. 
Diese zu geben ist abgelehnt, weil 

1. Die Absicht, dieses Adressen-Material zu besitzen, in Zusammen- 
hang stehen wird mit dem an zahlreichen Orten mit größtem Nachdruck 
eingetretenen Bestreben, Eltern von Jugendlichen, insbesondere Lehrer, 
Beamte, abhängige Arbeiter zu nötigen, ihre Kinder aus dem katholi- 
schen Verein herauszunehmen; 

2. weil solche und ähnliche Bestrebungen von behördlichen Organen 
unvereinbar sind sowohl mit Artikel 31 des Reichskonkordates, wie mit 
der wiederholt gegebenen Zusicherung, daß Freiheit der Mitgliedschaft 
zu katholischen Vereinen wie zur Hitlerjugend herrschen soll; 

3. weil die gesetzliche Unterlage für diese Polizeibefugnis fehlt." 

Verbot der „Doppelmitgliedschaft" 

Das Adressenmaterial, das man mit Einforderung der Mit- 
gliederlisten erlangen wollte, sollte besonders der NS-Arbeits- 
front dienen. Dann hätten diese es ja leicht gehabt, ihr Verbot 
der Doppelmitgliedschaft strengstens und bis zum letzten 
durchzuführen, das heißt, jeden, der sich da noch als Mitglied eines 

Kreuz und Hakenkreuz 13 293 



katholischen Vereines entpuppte, aus der Arbeitsfront auszuschlie- 
ßen, ihn so nicht bloß all der Vergünstigungen der Arbeitsfront und 
des Wertes all seiner bisherigen Leistungen zu berauben, sondern 
auch noch stellungslos und brotlos zu machen; denn Betriebsleiter 
und Arbeiter drangen ja vielfach darauf, daß ihr Betrieb zu hundert 
Prozent in der Arbeitsfront war, auch in dieser Hinsicht ein 
„Musterbetrieb" war. Entgegen allen Protesten der 
Bischöfe unter Hinweis auf Artikel 31 des Reichskonkordates 
wurde darum das Verbot der Doppelmitgliedschaft aufrechterhalten, 
immer wieder bekanntgegeben und verschärft. Es sollte die Mit- 
glieder katholischer Vereine stärkstens schrecken und unbedingt 
zum Austritt zwingen. 

Terror überall und von allen Seiten! 

Neben diesem allgemeinen Druck auf katholische Vereine 
wurde aber auch auf die einzelnen Mitglieder drohend 
und zwingend eingewirkt. 

Reichsminister Frick gab auf dem Parteitag Westfalen den 
Auftakt hiezu (13. Juli 1935). 

„Es ist fürs ganze Reich die Zeit nicht mehr für katholische Vereine, 
weil diese Organisationen immer wieder auf- Gebiete übergreifen, die 
sich der NS vorbehalten muß. 

Mit Rücksicht darauf muß ich verlangen, daß die Beamten, An- 
gestellten, Arbeiter ihre Mitgliedschaft in konfessionellen Vereinen auf- 
geben und daß sie ihre Kinder veranlassen, aus solchen Vereinen aus- 
zutreten. 

Ich beabsichtige keinen Gewissenszwang . . . wer glaubt, nicht ent- 
sprechen zu können, muß auf weitere Mitarbeit am Aufbau des Staates 
verzichten." 

Der Landeshauptmann Dr. Geßner von der Provinz Han- 
nover verlangte dementsprechend schon ein paar Wochen später 
(Volk. Beob. 7. August 1935) mit einer gewissen zeitlichen Verschärfung 
(sofort) von Beamten, Angestellten und Arbeitern, 

daß sie sofort ihre Mitgliedschaft in konfessionellen Organisatio- 
nen aufgeben und ihre Kinder veranlassen, aus den konfessio- 
nellen Jugendverbänden auszutreten. Diese Anordnung sei kein Ge- 
wissenszwang; aber wer glaube, nicht entsprechen zu können, müsse auf 
die weitere Mitarbeit am Aufbau des Staates verzichten. 

Einen Monat später (11, September 1935) gaben die Bayerischen 
Staatsministerien bekannt: 

„Bis 1, Oktober hat jeder Beamte mit Bezug auf seinen Diensteid 
eine Erklärung abzugebenj welchen Beamtenvereinigungen, gleichgültig 
ob diese auf berufsethischer, beamtenpolitischer, beamtenwirtschaft- 
licher oder konfessioneller . . Grundlage beruhen, er in der Nachkriegs- 
zeit angehört hat oder noch angehört. 

Die Erklärung wird zu den Personalakten genommen. Folgerungen 
. . . werden vorläufig nicht gezogen." 

Der Bürgermeister von München sah keinen Anlaß, da- 
gegen einzuschreiten, daß seine Angestellten aus der „Deutschen Ar- 
beitsfront" ausgeschlossen wurden, bloß weil sie einer rein religiö- 
sen Vereinigung, der Marianischen Männerkongregation, 
angehörten. Er antwortete auf eine diesbezügliche Beschwerde unterm 
18. September 1935 an das Erzbischöfliche Ordinariat: 

19^ 



„über den Ausschluß städtischer Angestellter aus der DAF wegen 
Mitgliedschaft bei der Männerkongregation gestatte ich mir mitzuteilen, 
daß der Spruchausschuß der DAF diese Ausschlüsse genehmigt hat. 
Der Stadtverwaltung stehen Entscheidungen nach der Richtung nicht 
zu," 

Unerbittlich wollte die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Ar- 
beiter-Partei) der Stadt Dinkelsbühl (Bayern) den Willen von 
Dr. Ley durchführen. Sie veröffentlichte am 19. August 1935: 

„Auf Grund einer Verfügung des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley 
bezüglich der Mitgliedschaft von DAF und Mitgliedern der konfessionel- 
len Arbeitervereine werden Sie hiemit aufgefordert, Ihren Austritt aus 
dem katholischen Gesellenverein zu erklären. 

Sollten Sie nicht gewillt sein, der Anordnung des R. Dr. Ley Folge 
zu leisten, so haben Sie die Konsequenzen daraus zu ziehen. Es gibt 
nur eines: in den NS- Gliederungen organisiert sein oder in einem kon- 
fessionellen Verband ein Gegner des Staates zu sein." 

Rothenburg ob der Tauber sperrte den Mitgliedern katho- 
lischer Jugendvereine die Berufsausbildung: 

„Im Kreis Rothenburg wurde zwischen Stellen der Partei und Wirt- 
schaft vereinbart, daß in Zukunft nur noch Lehrlinge aus der HJ 
eingestellt werden." (3. November 1935.) 

Die Stadt Laufen (Oberbayern) dehnte das Verbot der Mit- 
gliedschaft bei katholischen Vereinen auch auf die Angehörigen 
der bei der Stadt Beschäftigten aus und drohte mit wirtschaftlichen 
Maßnahmen: 

„Die Beschäftigten der Stadt (Arbeiter, Angestellte, Beamte) und 
deren Familienangehörige dürfen nicht Mitglieder eines konfessionellen 
Verbandes sein. 

Die Stadt Laufen vergibt ihre Arbeiten und Lieferungen in Zukunft 
nicht mehr an Geschäftsleute und Handwerker, die nicht Mitglieder 
einer NS-Organisation, die (oder deren Angehörige und Arbeiter) Mit- 
glieder eines konfessionellen Vereins oder Verbandes sind." 

Der Regierungspräsident von Regensburg wollte alle 
Beamtenkinder aus den konfessionellen Jugendverbänden herausziehen 
und in die HJ drängen: 

5. Dezember 1935 erklärte er den Amtsvorständen gegenüber: „Die 
Präsidialentschließung, wonach Beamtenkinder keinen konfessionellen 
Jugendverbänden angehören dürften, gilt sinngemäß auch für Beam- 
tenfrauen. Es wird erwartet, daß mit dieser Anordnung die ent- 
sprechenden Konsequenzen gezogen werden. Desgleichen wird erwartet, 
daß die Beamtenkinder einer Jugendorganisation der NSDAF an- 
gehören." 

Die Justiz bekam es auch zu spüren, daß in Deutschland Freiheit 
und Recht begraben waren; 

Oberamtsrichter Bettinger in Griesbach (Niederbayern) wurde vom 
Kreisleiter vorgeladen und in Kenntnis gesetzt, daß seine Frau aus dem 
Frauenbund austreten müsse. Sie war Vorsitzende des Zweigvereins 
Griesbach. Der Kreisleiter habe von einem „ungeschriebenen Gesetz" 
gesprochen. (Ähnlich in Miesbach am 7. JuU 1936.) 

Die Kreisleitung Laufen Obb. verlangte, daß' sämtliche Ge- 
meinderäte ihre Angehörigen aus allen katholischen Vereinen, auch 
rein religiösen, wie es der „Christliche Mütterverein" ist, heraus- 
nehmen. 

In der Gemeinde Ten gl in g wurden zwei Männer aus dem 
Gemeinderat ausgeschlossen, weil sie sich weigerten, ihre Frauen aus 
dem Christlichen Mütterverein herauszunehmen. 

195 



Sag er Michael, Arbeiter im ReiChabahnausbesse- 
rungswerk Freimann, würde zuerst versetzt, dann am 31. Juli 
1936 fristlos entlassen „wegen politischer Unzuverlässigkeit", die darin 
bestand, daß er zu spät aus dem Katholischen Arbeiterverein aus- 
getreten sei. Er war seit 1927 bei der Bahn gewesen. 

Maschinenfabrik Hurth, München, verwarnte eine An- 
gestellte, daß sie als Angestellte einer Aufrüstungsfirma nicht einer 
Kongregation oder einem konfessionellen Verband angehören dürfe. 
(23. Februar 1937.) 

Ein Straßenbahner wurde gefragt: „Sind Sie noch beim Dom- 
chor?" Als er dies bejahte, wurde er von der Beförderung aus- 
geschlossen. 

Der Pfarrer von Peterskirchen hatte die Fortbildungs- 
schülerinnen zum Eintritt in die Marianische Kongregation 
eingeladen. Ein paar Tage darauf tobte der Hauptlehrer und Stütz- 
punktleiter des Ortes während der Schulstunden fast eine Stunde lang 
gegen die Kongregation. Dann mußten die Mädchen einen Aufsatz 
schreiben: „Warum gehe ich nicht zum Bund Deutscher Mädchen?" 
Jedes Bedenken, das sie äußern wollten, sollte „niedergebügelt", werden. 

„So zwang man B auernburschen zur SS! 

Ein sehr abstoßendes Zwangsmittel wurde da und dort auf dem 
Lande versucht: Gerade die Mitglieder katholischer Jungmänner- 
o'der Burschenvereine wurden in die sogenannte SS-Land- 
scharen-Auslese gepreßt. 

Eine solche Auslese für die SS geschah z. B. vom 16. bis 18, Dezem- 
ber 1937 in Pf aflenhofen an der lim: 

Unter dem 10. Dezember 1937 erhielten die jungen, ledigen Leute 
der verschiedenen Dörfer, vereinzelt auch Verheiratete, nachfolgenden 
^.Gestellungsbefehl": 

Der Landesbauernführer München, 10. 12. 37 

. Herrn . . . , 

Betreit: Landscharen-Auslese. 

Zur Auslese für die SS-Landscharen haben Sie sich am ..... . 

vormittags ...... in der Knabenschule in Pfaffenhofen einzu- 
finden. 

Sie werden gebeten, in körperlich sauberem Zustande zu er- 
scheinen. Bei etwaiger Behinderung haben Sie Ihren Kreis- 
bauernführer sofort unter Angabe des Behinderungsgrundes zu 
benachrichtigen. 

Sollten Sie Angehöriger der SA, des NSKK oder der Werk- 
scharen sein, so ist dieser Einberufung nicht Folge zu leisten, 
der Kreisbauernführer jedoch zu verständigen. 

F. d. R. Heil Hitler! 

Schepperle Der Landesbauernführer: 

SS-Untersturmführer. gez. Deininger. 



>• 



Bei dieser Auslese fanden die Angehörigen der „schwarzen 
Gemeinde Scheyern, in der viele Burschen beim Katholischen 
Burschenverein waren, eine besondere Behandlung: 

Während die Burschen der übrigen Gemeinden ohne weitere Um- 
stände das Lokal betreten durften, mußten sich die Scheyrer schon 

196 



außen in Reih und Glied aufstellen und im gleichen Schritt einmarschie- 
ren und wurden hiebei gefilmt. 14, welche aus 30 ausgewählt worden 
waren, mußten sich dann vor allen anderen vollständig auskleiden, 
wurden genau gemessen, mußten auf- und abmarschieren, Wendungen 
und allerlei gymnastische Bewegungen machen; wiederum wurde alles 
unter Verwendung von Scheinwerfern gefilmt, 

Von ein paar Burschen wurde dann ein Personalakt aufgenommen, 
der am Schluß im Kleindruck eine „Verpflichtu ng" ent- 
hielt. Zeit zum Lesen wurde den Burschen nicht gegeben. Sie mußten 
einfach unterschreiben. Der Eintritt in die SS wurde in den schönsten 
Farben geschildert: Sie . hätten es doch dort viel schöner als bei den 
Bauern, brauchten nicht zum Arbeitsdienst und zum Militär, kämen 
rascher vorwärts im Leben und würden auch viel mehr verdienen. 

Und dennochtreu zur katholischen Fahne! 

Trotz all dieser Nötigungen hielten Zehntausende und Zehn- 
tausende von katholischen Vereinsmitgliedern während der zwölf 
Jahre des nationalsozialistischen Zwangsregimes stand, insbesonders 
die schwer bekämpften Mitglieder der Katholischen Arbeiter- und 
Arbeiterinnenvereine und des Kolpingswerkes (Katholische Ge- 
sellenvereine). 

Auch da sahen die NS schließlich keinen anderen Ausweg als 
die Gewalt, zunächst durch den Druck auf die Vereins- 
b 1 ä 1 1 e r : Sie bekamen eine Menge Auf lagenachrichten, sie muß- 
ten ihre Titel ändern (z. B. das Organ des Süddeutschen Verbandes 
-katholischer Arbeitervereine „Der Arbeiter" mußte den Tiiel 
„Kettelerfeuer" nehmen). Und als dies alles nichts half, schritt 
man eben zum radikalen Verbot der ganzen Vereine und zur Be- 
schlagnahme ihres Vermögens. Die steinreiche „Deutsche Arbeits- 
front" schämte sich nicht, auch noch das aus den Pfennigen der 
katholischen Arbeiter gesammelte -Vermögen einzustecken, bekam 
dabei freilich seitens der kirchlichen Behörde soviel Schwierig- 
keiten, daß sie bis zum Kriegsende ihres Raubes nicht froh werden 
konnte, ihn überhaupt nur auf dem Papier besaß, niemals wirklich 
in die Hände bekam. 

Noch w^enigei- gelang der Raubzug gegen das „Kolpings- 
w e r k": In der Mehrzahl konnten sich die Katholis che n G e - 
sellenvereine und Gesellenhäuser durch die braune Flut 
hindurchretten, ähnlich auch der Katholische Frauenbund 
(einzelne Zweigvereine desselben wurden freilich aufgelöst) und 
insbesonders die 

katholischeCaritas. 

Wohl wurde die kirchliche Liebestätigkeit seit, dem Jahre 1933 
zielbewußt und mit allen Mitteln aus dem öffentlichen Leben zu- 
rückgedrängt, Schritt für Schritt: 

1. Die katholische Caritas wurde von der Mitarbeit in der 
öffentlichen Wohlfahrtspflege fast völlig ausgeschlossen. 
Die staatlichen Wohlfahrtsämter bedienten sich nur noch der 

197 



„Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt" (NSV), ' des Winterhilfs- 
werkes (WHW), der nationalsozialistischen Frauenschaft (NSF) u. ä. 

2. In der Fürsorge wurde der katholischen Caritas nur die 
Betreuung der körperlich und geistig nicht vollwertigen 
Menschen überlassen. 

3. Auf dem Gebiet der FürsorgefürMutterundKind 
wurde die katholische Caritas ganz verdrängt. 

4. Ebenso wurde sie vielfach ausgeschlossen von der Tätigkeit 
im Pflegekinderwesen, in Kleinkinderanstalten, 
in Kindertagesstätten. 

5. Die kirchlichen Schwestern-Kongregationen 
wurden immer mehr aus Pflegeanstalten aller Art (Kindergärten, 
Kinderhorten, Altersheimen, Krankenhäusern, selbst von der Haus- 
krankenpflege usw.) verdrängt. 

6. Durch neue Steuern drückendster Art sollte kirchlich- 
karitativen Anstalten der Atem genommen werden. 

7. Die WerbungneuerMitglieder wurde dem Caritas- 
Verband sehr erschwert, erst recht die Sammlung von Mitteln. Die 
in den ersten Jahren noch zugestandene öffentliche Straßensamm- 
lung des „Katholischen Caritas- Verbandes" und der „Inneren Mis- 
sion" wurde von Anfang an terrorisiert und gestört. Dann wurde 
das „Sammlüngsgesetz" gerade gegen die kirchlich-caritativen 
Unternehmungen und Vereine strengstens angewandt, jede Art von 
„Bettelei", von Bitten um Weihnachtsspenden usw. unterbunden 
bzw. bestraft. 

Und was das Winterhilfswerk aus seinen Millionen und Mil- 
lionen an die katholische Caritas abgab, war wirklich weniger als 
„Brosamen", zuletzt 0,00 Reichspfennig! 

7. Fesseln für das kirchliche Schrifttum. 

In der „streng vertraulichen" Anweisung der „Bayerischen 
Politischen Polizei" vom 23v April 1935 an alle Polizeiämter hieß 
es u. a.: „Der katholischen Literatur muß spezielle 
Aufmerksamkeit gewidmet werde n." 

Worin diese Aufmerksamkeit polizeilicherseits bestand, war im 
Reiche des Nationalsozialismus im vorhinein ausgemacht: in der 
Bekämpfung und' Ausrottung. Die deutschen Katholiken hatten sich 
ja seit dem Kulturkampf eine beachtliche Presse geschaffen: viele 
katholische Tageszeitungen, viele erstklassige Zeitschriften fürs 
Volk wie für einzelne Stände, katholische Verlage und Buch- 
handlungen. 

Dem allen galt die staatliche, parteiamtliche, berufsamtliche, 
polizeiliche „Aufmerksamkeit" und unerbittlicher Kampf. . 

A. Die Fesseln werden geschmiedet. 

Dezember 1933 erschien das Schriftleitergesetz, das die gesamte 
Presse (mit Ausnahme der bischöflichen Amtsblätter) in die Hände 

198 



des Staates auslieferte. Jeder Herausgeber, auch der des kleinsten 
Lokalblättchens, war gezwungen, Mitglied der „Reichsschrifttums- 
kammer" zu werden und ihren Weisungen zu folgen, § 14 z. B. bot 
eine reiche Handhabe, jede mißliebige katholische Presseerscheinung 
zu beseitigen: Er schloß ja jede Veröffentlichung aus, „d i e g e e i g - 
net war, den Willen zur Einheit des deutschen 
Volkes und der deutschen Kultur zu schwäche n." 

Erste Opfer dieses neuen Schwertes waren 

die katholischen Tageszeitungen. 

Am 24. April 1935 veröffentlichte die Reichspressekammer, daß 
Zeitungen nicht einer Gruppe von bekenntnismäßig ge- 
bundenen Personen angepaßt werden dürfen. 

Das Innenministerium Oldenburg war diesen Verordnungen 
schon einen: Schritt vorausgegangen, duldete auch nicht einmal 
irgendeine religiöse Beilage zu Tageszeitungen. Die „Germania" 
vom 14. Juni 1934 veröffentlicht hierüber: 

Keine religösen Beilagen in Zeitungen 
Eine neue Verordnung in Oldenburg 

Berlin, 13. Juni 

Der Innenminister von Oldenburg, der in letzter Zeit einige bemer- 
kenswerte Erlasse über die Beziehungen zwischen Kirche und Staat er- 
lassen hat, gibt eine neue Verfügung heraus, die besagt: 

„Die nationalsozialistische Bewegung und der nationalsozialistische 
Staat sind und waren immer gewillt, der Kirche zu geben, was der 
Kirche ist. Politik und Religion dürfen aber nicht verquickt werden. 
Aus diesem Grunde hat Reichsminister Dr. Goebbels in Auslegung des 
Schriftleitergesetzes wiederholt erklärt, daß es konfessionelle 
Tageszeitungen nicht mehr geben dürfe. Denn jede 
Tageszeitung ist eine politische Zeitung. Hieraus folgt 
ohne weiteres, daß 

Tageszeitungen als politische Schriften keine 
religiösen Beilagen bringen dürfen. 

Im Landesteil Oldenburg gibt es mehrere Tageszeitungen aus der 
Zentrumszeit, die dem noch nicht Rechnung getragen haben. Diese 
Verquickung von Politik, Religion und Geschäft hat 
zu großen Unzuträglichkeiten geführt. Sie kann unter den gegebenen 
Verhältnissen im Interesse unseres deutschen Volkes nicht weiter ge- 
duldet werden. Religiöse Angelegenheiten müssen in religiösen Zeit- 
schriften behandelt werden. 

Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von 
Volk und Staat vom 28. Februar 1933 wird für den Landesteil Olden- 
burg angeordnet: 

§ 1. Tageszeitungen, die im Landesteil Oldenburg gedruckt und 
verlegt werden, dürfen keine religiösen Beilagen haben. 

§ 2. Zuwiderhandlungen von Druckern oder Verlegern gegen § 1 
unterliegen den im § 4 der Verordnung zum Schutze von Volk und 
Staat angedrohten Strafen. 

199 



Es durften also von da an in Zeitungen keine konfessionellen 
Gesichtspunkte mehr in Erscheinung treten, z. B. nicht mehr aus- 
führliche Berichte über Wallfahrten, katholische Feste und Gottes- 
dienste, kirchliche Jubiläen und Persönlichkeiten gebracht werden. 

Darum wurde das „Neue Münchener Tagblatt" vom 13./i4. 
April 1935 verboten, weil es für Palmsonntag und die Karwoche religiöse 
Gedanken dargeboten hatte. 

Das „Fränkische Volksblatt" in Würzburg wurde vom 
20. bis 27. November 1934 verboten, weil es in einem Korrespondenzartikel 
„Knien oder Nichtknien" von „Deutschen Neuheiden" gespro- 
chen hatte. Ein Hinweis, daß doch Deutsche selbst sich stolz so be- 
zeichnet hatten, half nichts. Der verantwortliche Schriftleiter mußte 
verschwinden. Vor dem Verlagsgebäude mußten Hunderte „Empörung" 
spielen. 

Wie spontan die Einschüchterungs- und Gewaltdemonstration war, 
geht daraus hervor, daß die Arbeiter einer Würzburger Konkurrenz- 
zeitung statt um 12 Uhr bereits um halb 11 Uhr frei bekamen, um die 
„Volksdemonstration" zu unterstützen. 

Die „entkonfessiqnalisierte" Tag es presse muß 
aber politisch, d. i. nationalsozialistisch, sein! 

Noch gefährlicher, war aber die positive Seite dieser „Uni- 
formierung" und „Entkonfessionalisierung" der Tagespresse; darum 
mußte auch die bisher katholische Presse „zur Stärkung des Wil- 
lens der Einheit des deutschen Volkes und der deutschen Kultur" 
ihren Raum der staatlichen und parteiamtlichen Propaganda leihen, 
z. B. in der breiten Darstellung der „Devisen- und Sittlichkeits- 
prozesse", in der Werbung für „Winterhilfswerk", NSV u. ä. 

Geheimanweisung gegen konfessionelle, Tages- 
zeitungen. 

Wie genau die ehemals konfessionelle Tagespresse nach dem 
kleinsten Anzeichen konfessionellen Inhalts oder Tones beobachtet 
werden sollte, zeigt nachfolgende Geheimanweisung des 
„Reichsverbandes der deutschen Zeitungsverleger": 

Berhn, den 25. April 1935. 
L.V. Nr. 8 
An die 

Leiter und Geschäftsführer 

der Landesverbände des RddZV. 

Sehr geehrte Herren! 

Streng vertraulich! 

Im Anschluß an das L.V..-Rundschreiben Nr. 7 übersenden wir ein 
Schema, aus dem sich in kürzester Zusammenfassung die einzelnen Tat- 
bestandsmerkmale ergeben, die zu den gegenwärtig vorliegenden Er- 
scheinungsformen der konfessionellen Presse führen. 
Um das Verständnis dieses Schemas zu erleichtern, sind, wo es zweck- 
mäßig erschien, stichwortartig Beispiele erwähnt. Der nachstehende 
Aufriß kann selbstverständlich die eigene Arbeit nicht ersetzen; er kann 
jedoch eine Hilfe bieten, in einer Zeitung ihren Charakter als konfessio- 
nell eingestellte Presse zu erkennen. 

200 



Die einzelnen Tatbestandsmerkmale, die zu den gegenwärtig vor- 
liegenden Erscheinungsformen der konfessionellen Presse führen, er- 
geben sieh 

A. aus dem Inhalt 

I. AllgemeineHinweise. 
Beschränkung des konfessionellen Inhalts auf 

1. beigefügte konfessionelle Beilagen 

2. Schilderungen und Berichte über konfessionelle Ereignisse in 
einer Form, die über das Interesse eines konfessionell nicht be- 
stimmten oder unbestimmbaren Leserkreises hinausgeht, 

a) im politischen Hauptteil 

' b) im politischen Landesteil 

c) im Lokalteil 

d) im Unterhaltungsteil und Feuilleton 

e) besondere katholische Rubrik (Kirchennachrichten) 

f) Anzeigenteil: 

a— ) Anzeigen, die ausschließlich katholische Literatur, Rosen- 
kränze, Opferkästen, Heiligenbilder etc. anpreisen; 

b— ) Anzeigen, die sich ausdrücklich an die Katholiken des 
Verbreitungsgebietes wenden. 

g) Gottesdienstordnungen. 

II. Besondere Hinweise. 

Es ergeben sich meist dieselben Tatbestandsmerkmale wie unter I 
aber: 

1. in der Form, daß sich die Zeitung durch die Wiedergabe einer 
übermäßiger^ Fülle konfessionellen Geschehens ausschließlich an 
einen konfessionell bestimmten Leserkreis richten kann; 

2. man gebraucht die Taktik, den Leser vom lokal-politi- 
schen Geschehen sowie von den politischen Ereignissen des 
Landes bzw. des Gaues entfremden, 

a) entweder durch Fortlassung eines politischen Landesteils über- 
haupt oder 

b) durch Überfüllung des Lokalteils mit Schilderungen über kon- 
fessionelle Ereignisse auf Kosten von Berichten aus Partei und Bewe- 
gung. 

3. Man geht mit einer gewissen Verschweigungstaktik vor. 
Es wird nur über solche Maßnahmen und Ereignisse berichtet, deren 
Zielrichtung der katholischen Kirche genehm ist (Förderung der sozia- 
len und volkswohlfahrtlichen Ideen des Nationalsozialismus), während 
andere bedeutende und allgemein interessierende Maßnahmen des 
Staates konsequent unterschlagen werden (vergl. Verschweigung von 
Ereignissen der HJ, NS-Kulturgemeinde, Rassenfrage usw.) 

Bei Berichten über nationalsozialistische Maßnahmen, deren Ziel- 
richtung der katholischen Kirche genehm ist, beschränkt man sich auf 
eine Würdigung aus kirchlichen Gesichtspunkten. 

, 4. Das Vorliegen einer Verfälschungstaktik ergibt sich ins- 
besondere daraus, daß ^ 

a) soziale Bestrebungen des Staates ausschließlich unter Zuhilfe- 
nahme kirchlicher Gesichtspunkte (z.B. WHW, NSV usw.) behandelt 
werden. Man verlangt die Unterstützung solcher Bestrebungen durch 
Handlungen der einzelnen Leser; die durch die Kirche unter Berufung 
auf die christliche Nächstenliebe, nicht aber unter nationalsozialistischen 
Gesichtspunkten gefordert werden; 

Kreuz und Hakenkreuz 14 oni 



b) man z. B. Gesetzentwurf über das Recht des unehelichen Kindes 
mit einer angeblich amtlichen, in Wahrheit aber mit einer zu der amt- 
lichen Begründung durchaus in Widerspruch stehenden kirchlichen 
Gesichtspunkten Rechnung tragenden Kommentierung veröffentlicht; 

c) man Reden von führenden Persönlichkeiten des Staates und der 
Bewegung in einzelnen von der katholischen Leserschaft positiv zu be- 
urteilenden Punkten besonders hervorhebt, während man andere der 
Kirche weniger genehme Teile fortläßt und dadurch solche Reden^ z. B. 
sinnentstellt der Leserschaft übermittelt; 

d) man rein kirchliche und konfessionelle Bräuche als völkisches 
Brauchtum, dessen Pflege sich der Nationalsozialismus besonders an- 
gelegen sein läßt, behandelt. Dies wird oft noch durch Überschriften 
unterstrichen, die auf das Volkstum Bezug nehmen, während der Inhalt 
des Artikels rein konfessionell ist. 

5. Man verfolgt totale Isolierungstaktik, 

(besonders hervortretend bei Buchbesprechungen, unter allgemein inter- 
essierenden Überschriften werden ausschliei31ich konfessionelle Werke 
behandelt) derart, daß 

a) man das Interesse der Leserschaft durch sensationelle Auf- 
machung auf außenpolitische und zentrale Reichsgeschehnisse, die zum 
Nationalsozialismus in keiner wesensverbundenen Beziehv^ng stehen, 
lenkt, um das politische Bedürfnis zu befriedigen. 

Gleichzeitig werden nationalsozialistische politische Geschehnisse 
des Gaues, also diejenigen Ereignisse, zu denen der Leser unmittelbar 
in Beziehung steht, fortgelassen; 

b) man unter Fortlassung bestimmter unter 3) erwähnter Pro- 
grammpunkte des. Staates das Interesse der Leserschaft auf kirchliche 
Veranstaltungen und Zielsetzungen lenkt, die durch ihre positive Her- 
vorhebung geeignet sind, den Leser nationalsozialistischen Einflüssen zu 
entziehen (z. B.\ Kolpingsfamilie, aber nicht SA oder DAF, katholische 
Jugendorganisationen, aber nicht HJ). 

6. Die Zeitung betreibt offene Opposition, 

a) durch eigene Stellungnahme, 

b) indem sich die Zeitung selbst hinter einer oppositionellen Rede 
eines Bischofs oder eines Pfarrers etc., in deren Rahmen zu beanstan- 
dende Äußerungen gebracht werden, versteckt, 

7. Die konfessionell eingestellte Presse versucht verschleierte 
Opposition derart zu treiben, daß 

a) man den politischen Teil in geeignet erscheinender Weise mit 
konfessionellen Gesichtspunkten und den religiösen Teil mit politischen 
Gesichtspunkten tendenziös durchsetzt. Besonders charakteristisch: 
Kampf kath. Kirche — Mythos, der im politischen Teil unter konf. und 
irn konf. Teil unter ausgesprochen politischen Gesichtspunkten der- 
gestalt behandelt wird, daß man die katholische Kirche mit der heimat- 
lichen und Volks verbundenen Kultur (nationalsozialistischer Begriff), 
Rosenberg aber mit Partei und Staat identifiziert; 

b) man dem nationalsozialistischen Staat abträgliche Ereignisse, die 
außerhalb der konfessionellen Einstellung der Zeitung liegen (z. B. große 
Aufmachung des evangelischen Kirchenstreites) in der katholisch ein- 
gestellten Presse besonders hervorhebt und unter zweckbestimmten 
spaltenden Gesichtspunkten schildert; 

c) taan Schilderungen von außerdeutschen Kulturkämpfen (Mexiko, 
Spanien, Rußland) veröffentlicht, für deren Entstehung man ausgespro- 
chen oder unausgesprochen dieselben Voraussetzungen verantwortlich 
machen will, die zu dem angeblichen Kulturkampf Rosenberg gegen 
katholische Kirche geführt haben; 

202 



d) man den Gedanken propagiert, daß das dogmatische Gebot den 
Vorrang vor dem staatlichen Befehl haben soll. (Typischer Satz: „Den 
Gedanken der Blutsgemeinschaft darf und muß der Katholik um seiner 
Seligkeit willen durchbrechen"); 

e) man katholische Organisationen (insbesondere katholische Jugend- 
ftreinigungen) zur erhöhten Aktivität auffordert. 

B. aus der Werbung 

Anzeigen- und Bezieherwerbung , werden neben der in der kon- 
fessionellen Presse vorhandenen Eigenwerbung durch die Geistlichkeit, 
kirchliche Vereine und Organisationen unter Hinweis auf die katholische 
Einstellung der Zeitung vorgenommen. Ebenso finden sich in kirch- 
lichen Zeitschriften Anzeigen, in denen die betreifende Tageszeitung 
als katholisch bezeichnet wird, 

C. aus der Anerkennung als deutscher katholischer Tagespresse 
derart, daß 

1. bestimmte Zeitungen in Aussprüchen des Papstes und der Bi- 
schöfe als katholisch oder der katholischen Sache dienstbar bezeichnet 
werden. (Beispiel: „Der Heilige Vater segnete besonders die vollzahlen- 
den Bezieher der deutschen katholisch eingestellten Presse und damit 
auch die- Leser der NN.Zeitung); 

2. die katholisch eingestellten Zeitungen sich bei Übernahme von 
Berichten gegenseitig als für die katholische Kirche bedeutsame Blätter 
erwähnen; 

3. bei besonderen Ereignissen, wie z. B. bei der Weltausstellung der 
katholischen Presse 1936 auch die deutsche katholische Tagespresse be- 
sonders lobend erwähnt und auf ihre Bedeutung hingewiesen wird. 

D. Aus der Verbindung mit den gleichen katholischen Maternzen- 
tralbüros und katholisch eingestellten Korrespondenzen. 

Hierbei ist auf folgendes zu achten: 

1. Austausch des Maternmaterials bei Zeitungen, die in getrennten 
Verlagen (auch kapitalsmäßig getrennt) erscheinen, 

2. Beilagen werden von den gleichen Stellen fertig bezogen, 

a) alle interessierenden illustrierten Beilagen usw., 

b) konfessionelle Beilagen. 

3. Der Roman wird gleichmäßig von verschiedenen katholisch ein- 
gestellten Zeitungen durch die gleichen Korrespondenzen bezogen. 

E. Aus konfessionellen Zeichen im Zeitungskopf, aus der Erwähnung 
von Beilagen im Zeitungskopf z. B. St. Quirinusblatt. 

F. Aus den Persönlichkeiten der Verleger (früher Angehörige der 
Zentrumspartei?). 

H. Aus der Verlegereigenschaft der Kirche, deren Organisation und 
Funktionsträgern, 

insbesondere aus der Verlegergemeinschaft natürlicher oder juri- 
stischer Personen, die zwar kirchlich nicht beamtet sind, die jedoch 
entweder 

a) mit kirchlichen oder aus kirchlichen Organisationen herrührenden 
Mitteln unterstützt und subventioniert werden; 

b) oder bei denen die Handhabung (satzungsmäßig) besteht, daß 
Überschüsse aus der Zeitung kirchlichen oder caritativen Zwecken zu- 
gute kommen. (Auflösungsbestimmung bei juristischen Personen; oft 
fällt das Vermögen der Zeitung im Auflösungsfalle an den Klerus.) 

203 



K. Aus der Einweisung von Freistücken oder verbilligten Zeitungs- 
exemplaren durcli Geistliche oder kirchliche Organisationen und einen 
teils konfessionell bestimmten, teils willkürlicli ausgewählten Leserkreis. 

Heil Hitler! 

Reichsverband der deutschen Zeitungsverleger 

(Herausgeber der deutschen Zeitungen) E.V. 

der Stellvertreter des Leiters: 

gez. Rienhardt. 

Das große Sterben der- katholischen Tagespresse 

Natürlich war diese Einschnürung und Belastung alsbald der 
Tod der katholischen Presse auf wirtschaftlichem Gebiet. Ihr 
Lebensnerv war ja gerade das „Katholische" gewesen. Fiel dieses 
weg, so waren sie nicht mehr konkurrenzfähig gegenüber der von 
Seite des Staates und der Partei in jeder Weise propagandistisch 
und finanziell geförderten NS-Presse (Inserat, Amtsnachrichten 
usw.). 

So verschwanden in Baden allein binnen kurzem 20 katholische 
Tageszeitungen. So starben u. a. noch vor dem Kriege an katholischen 
Tageszeitungen bekannten Namens: 

„Fremonia" in Dortmund 

„Münsterscher Anzeiger" 

„Führer der Gegenwart" in Aachen 

„Germania" in Berlin (1. Januar 1939) 

das Schwester blatt „Märkische Volkszeitung" etwas später 

„Deutsches Volksblatt" in Stuttgart 

„Badischer Beobachter" 

„Limburger Kurier" 

„Trierischer Volksfreund" 

„Reichspost" von Wien (1939) 

„Linzer Volksblatt" 

„Salzburger Zeitung" 

„Salzburger Chronik" 

Wer kann ermessen, wie viel Leid von Personen, von Ver- 
legern und Schriftleitern, von Mitarbeitern, Druckereibesitzern und 
-arbeitern, wie viel Gefängnis- und Konzentrationslagerhaft hinter 
all diesem Zeitungssterben lag! 

Zur Erwürgung der ehemals konfessionellen Tagespresse trug 
dann noch eine erpresserisch eWerbu n g für die offiziellen 
Naziblätter bei, besonders für den ,, Völkischen Beobachter". Nicht 
nur jedem Geschäftsmann. Beamten und Lehrer drängte man ihn 
auf mit dem Hinweis, daß man im Falle der Zurückweisung nicht 
als „national und zuverlässig" gelten könne, sondern selbst bei den 
Geistlichen versuchte man es aufdringlichst, holte sich dabei frei- 
lich eine gründliche Abfuhr, wie nachstehende Anweisung des Erz- 
bischöflichen Ordinariates München zeigt: 

G V 8048 München, 23. Juli 1935 

An die 
Hochwürdigen katholischen Seelsorgestellen der Erzdiözese 

Der Zentralverlag der NSDAP, München-Berlin, schickt zur Zeit an 
die katholischen Pfarrämter eine rote Karte, mit welcher er unter Be- 

204 



rufung auf den Erlaß des Reichsministeriums des Innern vom 30. Okto- 
ber 1933 Bericht über den Bezug des „Völkischen Beoboachters" bzw. 
sofortige, Bestellung fordert. 

Demgegenüber stellen wir fest: 

„Was von geistlichen Ämtern als Pflichtorgan zu halten ist, bestimmt 
nicht eine Reichsstelle, sondern die oberhirtliche Stelle. Das Reichs- 
ministerium des Innern hat gegenüber keiner kirchlichen Oberbehörde 
die Forderung erhoben, die katholischen Pfarrämter zum Bezug des 
.Völkischen Beobachters' zu verpflichten. Das Erzbischöfliche Ordina- 
riat empfiehlt darum, auf . die diesbezügliche Zuschrift des ,Zentral- 
verlags der NSDAP' keine Antwort zu geben." 

Buchwieser 
Generalvikar 

Der Feldzug gegen die katholischen Wochen- 
blätter 

Nach der „Entkonfessionalisierung" und Vernichtung der katho- 
lischen Tageszeitungen kamen die katholischen Wochenblätter auf 
das Schafott des Nationalsozialismus: Am 17. Februar 1936 wurde 
das Henkerbeil auch für sie geschmiedet. Der Präsident der Reichs- 
pressekammer verordnete da (in den Hauptpunkten): 

Für Diözesanblätter, von einer Diözese herausgegeben und 
nur in dieser Diözese vertrieben, gilt das folgende: 

Sie dienen ausschließlich der Veröffentlichung der kirchen- 
amtlichen Bekanntmachungen, der Nachrichten aus dem kirchlichen 
Leben, religiöser Erinnerungsartikel aus der, Geschichte der Kirche und 
der Diözese, der Behandlung dogmatischer Fragen und Fragen der 
kirchlichen Ethik, Betrachtungen und Darstellungen aus dem Leben der 
Kirche und dem Leben der Heiligen, religiösen Betrachtungen, sonstigen 
Betrachtungen, Legenden, der Pflege der Kirchenmusik und Kirchen- 
kunst. 

Die Aufnahme von Anzeigen, die das religiöse Leben und 
das kirchliche Brauchtum betreifen oder nach ihrem Gegenstand sich 
zulässigei'weise an die Leser als Angehörige der katholischen Konfessio- 
nen wenden, ist gestattet. 

Für Pfarreiblätter, die vom zuständigen Pfarrer herausgege- 
ben werden, gilt das folgende: 

Sie dienen ausschließlich der Veröffentlichung des Gottesdienst- 
anzeigers, der sonstigen p f a r r a mrt liehen Bekanntmachun- 
gen, des Nachrichtendienstes über das ortskirchliche Leben (Ehever- 
sprechen, Taufen, Todesfälle, Beerdigungen), kirchlicher Nachrichten 
und Berichten aus der Icirchlichen Ortsgeschichte, kurzer Betrachtungen 
über Ewigkeit, Psalmen und Evangelien, Heiligen- und Legenden- 
geschichten. 

Für Druclc Schriften, die von konfessionellen Organisa- 
tionen oder Verbänden herausgegeben werden, gilt das folgende: 

Sie • dienen ausschließlich der Erörterung^ der Angelegenheiten und 
Aufgaben ihrer Organisationen. Die 'Aufnahme von Anzeigen, 
die das religiöse Leben und das kirchliche Brauchtum betreffen oder 
mit den Angelegenheiten und Angehörigen der Organisationen in un- 
mittelbarer Verbindung stehen, ist gestattet. 

Für Sonntagsblätter und Druckschriften gleicher Art gilt 
das folgende: 

Sie dienen ausschließlich der Pflege allgemein-verständlichen reli- 
giösen Denkens und Fühlens durch Behandlung religiöser und sittlicher 

205 



Fragen dergestalt;, daß jeder einzelne Teil des Inhalts seinen Ausgangs- 
punkt vom Religiösen nimmt. 

Zulässig ist die Veröffentlichung des Gottesdienstanzeigers sowie 
von Nachrichten über das Icirchliche Leben, 

Für die Aufnahme von Anzeigen gelten die gleichen Bestimmungen 
wie für die Diözesanblätter. 

Das schaute auf den ersten Blick noch gar nicht so gefährlich 
aus, erwies sich aber doch als mannigfache Fessel, Schädigung und 
Falle. Deutlicher wurde dies schon durch die „Erläuterung", welche 
am 25. März 1936 mit Rundschreiben 8/1936 gegeben wurde. Sie 
gab schon mehr „Nichterlaubtes" als „Erlaubtes" kund. 

Textlicher Inhalt: 

. a) Kurze Erzählungen religiösen Inhalts sind gestattet, Ro- 
manenicht. 

b) Buchbesprechungen sind zugelassen, wenn sie sich ent- 
weder mit religiösen Werken befassen oder die Würdigung von 
religiösen Gesichtspunkten aus unternehmen. 

c) Filmbesprechungen sind durchweg nicht zugelassen, 
doch können in Einzelfällen Filme vom grundsätzlichen religiösen und 
kirchlichen Standpunkt aus besprochen werden, 

d) Rätsel- und Scherzecken müssen wegfallen. 

e) Die Bebilderung darf nicht aktuell politischer Natur sein, 
also nicht das den Tageszeitungen vorbehaltene Gebiet abfassen, da- 
gegen bestehen auch gegen nichtreligiöse Bilder und Zeichnungen, die 
erläuternd oder sinnbildlich zum Inhalt und Zv^^eck der Zeitschriften in 
Verbindung gebracht werden, keine Bedenken. 

Schon drei Monate später kamen mit Rundschreiben Nr. 16 vom 
27. Juni 1936 neue Einschränkungen, insbesondere die Bestimmungen: 

Bei der Bebilderung muß jedes einzelne Bild dem reli- 
giösen Charakter der Zeitung entsprechen und irgendwie für 
sich allein oder in Verbindung mit dem Beitrag, den es erläutert oder 
versinnbildlicht, der religiösen Aufklärung oder Erläuterung dienen. 

Bilder aus dem Leserkreis können allgemein nicht zugelassen 
werden. 

Stellenanzeigen dürfen nur insoweit aufgenommen werden, als sie 
sich zulässigerweise an die Leser als Angehörige der katholischen Kon- 
fession wenden. 

Farailienanzeigen sind nicht gestattet. 

Keine Verwischung der einzelnen Pressetypen! 

Am 17. März 1937 ward daran erinnert, daß „eine Verwischung 
der Grenzen zwischen den einzelnen hier genannten Pressetypen" 
(Bistumsblätter, Pfarre;blätter, Dekanatsblätter, Verbandblätter, 
sonstige Blätter und Druckschriften allgemein katholischen Charak- 
ters) als unzulässig angesehen wird. Jede Zeitschrift hiabe sich in 
dem ihr durch' die Einteilung zugewiesenen inhaltlichen Rahmen 
zu halten. Als Beispiel solcher unzulässiger Inhaltsgestaltung wird 
unter anderem aufgeführt, „daß es sich bei vielen Sonntagsblättern 
und anderen eingebürgert hat, bei Auseinandersetzungen in Sachen 
des Glaubens neben den Bistumsblättern mit eigen. er Stel- 

206 



lungnahme oder mit Zitaten in Erscheinung zu treten. Da ea 
sich hier um die Behandlung dogmatischer Fragen handelt, 
ist das Bistumsblatt allein zuständig. Sonntagsblätter sollen — 
wie schon der Name sagt — dem friedlichen Charakter 
des Sonntags Rechnung tragen. Sie sollen ihn nicht mit Aus- 
einandersetzungen anfüllen, sondern der Entspannung des Lesers 
durch Pflege allgemein verständigen religiösen Denkens und Führ 
lens dienen." 

Dann wird in diesem Erlaß drohend an Weisungen vom 
17. Februar 1936 erinnert, die da u. a. besagten: 

„Der Staat wird immer von der gesamten, in seinem Gebiet er- 
scheinemden Presse fordern müssen, daß sie die zu seiner EntwickUmg 
notwendigen Maßnahmen in jeder ihr nur möglichen Weise unterstützt. 
Er wird die entsprechenden Folgerungen ziehen, v/enn 
er bei der Durchführung der als richtig erkannten Planungen auf offe- 
nen oder versteckten Widerstand stößt." 

„Zu meinem Bedauern muß Ich immer wieder feststellen, daß in 
einzelnen Zeitschriften Beiträge enthalten sind, die in Inhalt, Form und 
Aufmachung diesem Gesichtspunkt nicht entspreclien. Alan l.eijchränkt 
sich nicht darauf, vereinzelte, vom Standpunkt des Dogmas als nötig 
erachtete Vorbehalte in zurückhaltender Form zu machen, stellt sie % iel- 
mehr heftig und über Gebühr heraus und kehrt dabei bewußtermaßen 
das Gegensätzliche hervor. Die religiöse Würdigung derjenigen 
staatlichen Maßnahmen und Ausfassungen, gegen die solche Vorbehalte 
nicht erhoben werden, werden unterlassen. Die Herausstellung 
des Gegensätzlichen wird dadurch nur verschärft, da bei Aus- 
einandersetzungen mit religiösen Strömungen der Eindruck erweckt 
wird, als wenn diese vom Staat und der Partei vertreten oder gefördert 
würden. Durch die Auswahl der Themen, den systematischen Gebrauch 
von Vergleichen, sei es lediglich im Ausdruck oder in der inhaltlichen 
Gestaltung selbst, durch Offenlassen der verschiedenen Auslegungsmög- 
lichkeiten erfolgt eine stimmungsmäßige Beeinflussung gegen Partei 
und Staat." 

„Beim Abdruck von Hirtenbriefen in Bistumsblättern 
habe ich wiederholt den Eindruck gehabt, als ob der sie ver- 
öfl'entlichende Schriftwalter oder Schriftleiter sich nicht immer 
der völligen Tragweite seiner Handlungen bewußt ist. Der 
Schriftwalter und Schriftleiter ist für den gesamten 
Text der von ihm geleiteten Druckschrift verantwortlich, 
gleichgültig wer hinter' der VeröflPpntlichung steht oder aus welchem 
Grunde sie erfolgt." 

Im Rundschreiben 9 vom 13. April 1937 ist bestimmt: 
„Nach dem Erlaß vom 17.- Februar 1936 ist den katholisch- 
kirchlichen Zeitschriften eine Beschäftigung mit politischen 
Dingen nicht gestattet. Bei der gegenwärtigen Sachlage mviß die 
Veröffentlichung von Gebeten, Artikeln usw. zur 
Erhaltung d e f- konfessionellen Schule als Be- 
fassung mit Gegenständen von politischer Be- 
deutung angesehen werden. Dies gilt insbesondere auch 
bei der Veröffentlichung von Mitteilungen, in denen kirchliche 

207 



stellen über die Ergebnisse der Listeneinzeichnung für die Kon- 
fessionsschule berichten." 

Fesseln für die Kunstkritik 
Im Rundschreiben 1 vom 4. Januar 1938 heißt es: 

„In Durchführung der Anordnung über das Verbot der Kunst- 
kritik und der dazu vom Herrn Reichsminister für Volksauf klä- 
rung und Propaganda erlassenen Bestimmungen wird hiemit darauf 
aufmerksam gemacht, daß die Kunstkritik auch in der katholisch- 
kirchlichen Presse uneingeschränkt untersagt ist. Ledig- 
lich bei kirchenmusikalischen Veranstaltungen kann eine 
Ausnahme gemacht werden." 

Am. 7. Mai 1938 wird neuerdings klargestellt, daß „das Verbot 
der Kunstkritik vom 26. November 1936 grundsätzlich auf jede 
ausgesprochen kirchliche Kunst ausgedehnt wird, deren Be- 
trachtung also nur den in die Liste der Kunstschriftleiter ein- 
getragenen Schriftleitern an katholisch-kirchlichen Zeitschriften 
gestattet ist." 

Rundschreiben 17 vom 30. Juli 1936 ordnete an, daß der Ab- 
druck von Entscheidungen der Erbgesundheitsberichte 
und des Erbgesundheitsobergerichtes in Blättern, die der Fach- 
schaft der katholisch-kirchlichen Presse angehören, untersagt ist. 

F essein für d ie Buch b esp rech ung 

Für die Bekanntgabe neu erschienenerguterkatho- 
lischer Bücher und für ihr Eindringen in die breite Masse 
des katholischen Volkes ist die Bestimmung des Rundschreibens 3 
vom 18. März 1938 eine harte Fessel: 

„Die Besprechung von Schriften und Büchern, die nicht ausschließ- 
lich katholisch-kirchliche bzw. religiöse Gegenstände, Personen und 
Themen behandeln, widerspricht dem Erlaß des Herrn Präsidenten der 
Reichspressekammer vom 17. Februar' 1936. Dies gilt natürlich auch 
für Bücher allgemeinen Inhalts, die von sogenannten katho- 
lischen Verlagen herausgebracht werden. Solche Druckwerke — in 
der letzten Zeit fanden sich in der katholischen Zeitschriftenpresse oft 
Besprechungen z. B. von Bilderbüchern, Reiseführern, Nachschlage- 
werken u. a. — dürfen nicht mehr zur Besprechung angenommen wer- 
den. Desgleichen sind Hinweise auf weltliche Zeitschriften in der katho- 
lisch-kirchlichen Presse unzulässig." 

Keine „W underberichte" 

Der 22. August 1938 brachte der „Münchener katholischen 
Kirchenzeitung" eine neue Schranke, eine Anweisung des Reichs- 
propagandaamtes München-Oberbayern, die natürlich auch für die 
übrige kirchliche Presse galt: 

„Immer wieder erscheinen Berichte über wunderbare Heilun- 
gen bei kirchlichen Ereignissen und dergleichen. Soweit die Meldungen 
auf Tatsachen beruhen, handelt es sich stets um natürliche Vor- 
gänge (wie unfehlbar das Reichspropagandaamt dies zu entscheiden 

208 



weiß!) und bei ihrer Ausdeutung meist um einen Mißbrauch religiöser 
Gefühle. Solche Vorgänge dürfen daher nur berichtet werden, wenn 
ihre natürliche Entstehung gewürdigt und zum Ausdruck ge- 
bracht wird, daß sie nicht notwendig an religiöse Handlungen geknüpft 
sind. I. A. Dr. Werner." 

Keine „Gottesurteilberichte" 

Noch schärfer zog man die Fesseln gegen die Berichterstattung 
über sogenannte „G ottesurteil e", insonderheit über auf- 
fallende Unglücksfälle von Gotteslästerern, Januar 1938 wurde dem 
Kommissariat der Fuldaer Bischofskonferenz, Bischof H. Wienken, 
von dem Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin erklärt, „daß in 
allenFällen, wosolcheM itteilungenüber-,G ottes- 
urteil e' gebracht werden, sofort mit Beschlag- 
nahme vorgegangen wir d." Ein gleiches teilte das Kirchen- 
ministerium mit. Tatsächlich wurde gleichzeitig die Münchener 
„Kleine katholische Kirchenzeitung", eine monatliche Neuausgabe 
der „Münchener katholischen Kirchenzeitung", von der Gestapo 
beschlagnahmt, weil sie folgende Notiz gebracht hatte: 

„In der Fabrik des Herrn W, in J. (Bayern) handelte es. sich darum, 
ob man am Josefstag, der dort kirchlicher Feiertag ist, arbeiten solle. 
Einer der Arbeiter sagte bei der Aussprache darüber: ,Wer heute noch 
in die Kirche geht, dem sollten Hände und Füße abfaulen!' 

Am gleichen Tage kam sein 17 jähriger Sohn, der gleichfalls in der 
Fabrik beschäftigt war, in die Presse und der linke Arm (Vorderarm) 
wurde in wenigen Augenblicken zu einem vollständigen Brei auf 3 Mil- 
limeter ausgequetscht. 

Der Arm mußte im Krankenhaus D. amputiert werden. Wiederholt 
besuchte der Vater seinen Sohn im Krankenhaus, und noch am Oster- 
montag machte er den weiten Weg von J. nach D. zu Fuß. Plötzlich 
stellten sich, beim Vater heftige Fußschmerzen ein. Beide Füße wurden 
blau und schwarz. Der arme Mann mußte ebenfalls ins gleiche Kran- 
kenhaus. Der rechte Fuß faulte ab und mußte amputiert werden. Jetzt 
zählt der Heimgesuchte zu den fleißigsten Kirchenbesuchern." 

Die Zwangsjacke des ,,Schriftleitergesetzes" 
auch der kirchlichen Presse angelegt! 

Eine neue schwere Fesselung der kirchlichen Presse bedeutete 
es, daß die Bestimmungen für die katholisch-kirchliche Presse, 
welche im Dezember 1933 zwischen dem Reichsminister für Volks- 
aufklärung und Propaganda und dem Vorsitzenden der Fuldaer 
Bischofskonferenz bezüglich der Nichtanwendung des Schriftleiter- 
gesetzes vom 4. Oktober 1933 vereinbart worden waren, in der 
zweiten Hälfte des Jahres 1937 praktisch außer Kraft gesetzt 
wurden. Dieses Gesetz galt zwar dem Wortlaute nach nur für 
Zeitungen und politische Zeitschriften. § 3, 3, besagte: 
„Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda kann 
bestimmen, welche Zeitschriften als politisch im Sinn dieses 
Gesetzes anzusehen sind." Nunmehr legte er auch der kirchlichen 
Presse immer mehr die Maßstäbe dieses Gesetzes an. Auch die 

209 



Bistumsblätter konnten nur noch von Personen redi- 
giert werden, welche der Zulassung zum Schrift- 
leiterberuf für „würdig" befunden worden waren. 
Damit mußten nicht wenige Priester die Feder aus der Hand legen 
oder konnten nur noch in untergeordneter Stellung mitarbeiten, 
nur noch einem Laienschriftleiter Material sammeln, beratend zur 
Seite stehen und in die Hand arbeiten — und liefen selbst da noch 
Gefahr, für diese Mitarbeit zur Verantwortung gezogen zu werden 
und ein Verbot der betreffenden Zeitschrift herbeizuführen, wie 
dies beispielsweise für die „Münchener katholische Kirchenzeitung" 
und ihren ehemaligen Schriftleiter Dr. Michael Hock der Fall war. 

Ein Prozeß, der deswegen geführt werden mußte, endete zwar mit 
vollem Freispruch von Dr. Hock, kam aber infolge Berufung des Staats- 
anwaltes und Anforderung der Akten durch die Reichspressekammer 
nie zum Abschluß. Aber das Verbot der „Münchener katholischen Kir- 
chenzeitung" blieb bis zum endgültigen Prozeßentscheid, also bis zum 
Ende der Naziherrschaft, aufrechterhalten und — Dr, Hock kam ins 
Konzentrationslager. Deutsche Justiz und Pressefreiheit war nach Goeb- 
bels' oftmaligen Äußerungen größer als irgendeine andere in der ganzen 
Welt! 

Der Präsident der Reichspressekammer, Amann, war ehrlicher, 
wenn er in der „Deutschen Presse" Nr. 21 vom 23, Mai 1936 gerade 
in bezug auf die kirchliche Presse von einer „sterilisierten Presse*' 
sprach. Sie war durch all die Operationen der Reichspressekammer 
Wirklichkeit geworden. 

Hand in Hand mit dieser inhaltlichen und wirtschaftlichen 
Drosselung ging auch jene des U m f a n g s : Mit Beginn des Jahres 
1937 kamen die Verordnungen über Papiereinsparungen, die an- 
fangs rund 10 Prozent des Ümfangs,^ später 33 Vs Prozent und immer 
mehr betragen mußten, bis der Krieg der kirchlichen Presse als 
erster die volle Einstellung brachte. 

Fesseln für K alen der 

Zu dem Schrifttum, das alljährlich in größten Mengen in die 
breite Masse des Volkes drang, gehörten die Kalender. Grund ge- 
nug . für den Nationalsozialismus, auch hier seinen Totalitäts- 
anspruch geltend zu machen und Vorschriften positiver und nega- 
tiver Art für die Herausgabe und den Inhalt von Kalendern zu 
erlassen. 

So schrieb Wilhelm Peters in „Adresse und Anzeige", Jahrgang 3, 
Heft 1 vom 15. Februar 1938 unter dem Titel; „Kalender unserer Zeit" 
als „Amtliche Richtlinien" für die Inhaltsgestaltung von Kalendern: 

„Hiermit ist ein Punkt berührt, der gemeinhin bei der Gestaltung 
des Gesamtinhaltes viel zu wenig berücksichtigt wird. Es kommt dar- 
auf an," den Kalender in allen seinen Teilen nach heute 
geltenden Prinzipien und Gesichtspunkten auszu- 
richten. Das heißt nun nicht, daß er nur einem Thema dienen soll — ^ 
seine .Buntheit ist uns von jeher eine seiner wertvollsten Eigenarten ge- 
•v^resen — , es heißt aber Sichtung und Wertung der aufzunehmenden Ar- 

210 



beiten nach Maßstäben, die in der nationalsozialistischen 
Weltanschauung begründet sind. Nichts liegt uns ferner als die 
Kalender gesamtinhaltlich zu politisieren. Wir wollen aber, daß 
auch der nichtpolitische Teil so ausgerichtet ist, daß er nicht nur natio- 
nalsozialistischer Wertung standhält, sondern darüber hinaus auch als 
vorbildlich angesprochen werden Icann." 

Noch deutlicher und schärfer wurde in der gleichen Zeitschrift 
Heinz Haß, indem er schrieb: 

„Die Forderung zeitnahen Kalenderschaffens ist 
allerdings dort mißverstanden, wo man sie in der formellen Hinzu- 
nahme einer Jahresschau oder eines Beitrages über die NSV erfüllt 
sieht. Zu ariderem ist sie ebensowenig allein durch eine Vielzahl zeit- 
politischer Themen gegeben. Von einem zeitnahen Volkskalender kann 
man erst dann sprechen, wenn die Kalenderanlage im gan- 
zen vom Geiste der nationalsozialistischen Welt- 
anschauung und Gegenwart durchdrungen ist. Bisher 
belegen erst wenige Kalender eine so gesehene und aufgefaßte Text- 
gestaltung. Nicht selten werden in den politischen Beiträgen über- 
zeugend vori^etragene Auffassungen durch den weltanschaulichen Ge- 
halt der Erzählungen wieder aufgehoben. So etwa, wenn in einer ^uf 
eine Würdigung des Arbeitsdienstes unmittelbar folgenden Erzählung das 
Schicksal eines Gefangenen geschildert wird und diese Erzählung im 
Grunde nichts anderes ist als eine Interpretation liberalistischer Rechts- 
auffassung. Sehr auffällig wird schließlich dieser Mangel an der Sprache 
der Beiträge. Nichts ist lästiger und peinlicher, als Beiträge über poli- 
tische Gegenwartsfragen zu lesen, die in der Auffassung dieser Gegen- 
wart und ihrem Ausdruck nicht über abgestandene patriotische Wen- 
dungen hinauskommen. Solche Beiträge verlangen Verfas- 
ser, die wahrhaftin unserer Zeit stehen und sie aus 
innerem Erlebnis heraus darstellen können. Auf diese 
Voraussetzungen hin sollten vor allem die Arbeiten überprüft werden, 
die aus dem Leben der Gliederungen der Partei berichten. 

Die Ausgestaltung der Kalender mit zeitpolitischen Beiträgen 
wird nach den bisherigen Erfahrungen fast durchweg thematisch zu 
eng gefaßt. Es ist daher eine Ausweitung der politischen Themen zum 
eigenen Nutzen der Kalender dringend geboten. Als Themen soll- 
ten neben den aktuellen Problemen des Aufbauwer- 
kes des Führers die Grundfragen der nationalsozia- 
listischen Weltanschauung stehen, Rassen- und 
Völkskunde, Vor- und Frühgeschichte, die Wandlun- 
gen des Re'chtsdenkens usw. 

Die bisher gestreiften Maßstäbe und Forderungen zeitnaher Kalen- 
dergestaltung lassen sich vorbehaltlos an jedem Kalender verwirlclichen, 
am allgemeinen Unterhaltungs- wie am Heimatkalender. Auch für 
,den religiösen Kalender gelten sie, dessen besonderes An- 
liegen innerhalb der auf das Volk gerichteten Zielsetzung verbleibt." 

Diese Knebelung der Kalender veranlaßte Bischof Konrad 
Preysing von Berlin zu folgender Entschließung vom 
13. April 1938: „Die Richtlinien für den pfiichtmäßigen Inhalt der 
Kalender, die von den zuständigen Stellen in „Adresse und Anzeige" 
Jahrgang 3, Heft 1/1938, veröffentlicht worden sind, veranlassen 
mich, da sie für die Inhaltsgestaltung auch der bisher religiösen 
Kalender Geltung beanspruchen, von derweiteren Heraus- 
gabe des St. -Petrus-Kalenders für das Bistum 
Berlin abzusehe n." 

211 



Umgekehrt glaubte der Reichsminister für Ernährung und 
Landwirtschaft, Darre, im „Deutschen Bauernkalender 1935", 
herausgegeben von der Reichsbauernschaft, 

das Muster eines total nationalsozialistischen 

Kalenders 

bieten zu müssen. Da war alles Christliche und erst recht alles 
Katholische vollständig ausgemerzt. Selbst die höchsten Feste des 
Herrn, wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten, waren darin ver- 
schwunden. Der 6. Januar, der Tag der Hl. 3 Könige, ist zum 
Tag der 3 A s e n geworden. Der 29. Februar als Tag von P e t r i 
S t u h 1 f e i e r ist im Bauernkalender das Fest von Thors 
Stuhl, Der Aschermittwoch ist der Tag von Wodans 
Asche. Der Gründonnerstag, als der Gedenktag der Ein- 
setzung des heiligsten Altarsakramentes, soll für den deutschen 
Bauern nur mehr der Tag der „W eihe des Nachtlichtöles" 
sein. Karfreitag, der Trauertag der ganzen Christenheit über 
den Tod des „Menschensohnes" und göttlichen Erlösers, ist im NS- 
Bauernkalendel" der Erinnerung an die 4500 Sachsen gewidmet, 
die von Karl dem Großen („dem Schlächter") hingemordet wurden, 
und „den 9 Millionen anderen Verfechtern des Rechts, Heroen 
des Glaubens, Häretikern und Hexen, die gemordet, zu Tode ge- 
quält und am Pfahl verbrannt wurden." Ostern, das Fest der 
Auferstehung des Herrn, ist von Darre der heidnisch-germanischen 
Frühlingsgöttin Ostara geweiht. Der Himmelfahrts- 
tag ist der Tag der Rettung von Thors Hammer. Der H e i - 
ligeAbendist der Tag der Geburt des LichtgottesBaldur. 

Von allen Seiten ob dieser unerhörten Beleidigungen alles 
christlichen und katholischen Fühlens angegriffen, suchte Darre in 
einer Veröffentlichung vom 26. Februar 1935 alle Schuld auf die 
„Herausgeber" abzuwälzen, die trotz der Titelbemerkung: „Heraus- 
gegeben von der Reichsbauernschaft" und trotz Ein- 
leitungsartikels aus der Hand Darres selbst und trotz seiner 
eigenen Namenszeichnung doch nur „P r i v a t a r b e i t" ge- 
leistet hatten! 

Fesseln für Flugblätter und Kleinschriften 

Schon am 29, Juni 1934 hatte der badische Innenminister die 
Verbreitung von Flugblättern politischen und religiösen In- 
halts verboten, 

Anfang 1936 erließen dann Gestapostellen verschiedener Länder 
Verbote gegen Gratisverteilung von Hirtenbriefen, apologetischen 
Broschüren und religiösen Flugblättern in Kirchenvorräumen und 
an Kirchentüren. 

Am 22. April 1936 antwortete das Reichskirchenministerium 
auf diesbezügliche Beschwerde des Erzbischöflicheri Ordinariats 
München: „Nach diesem Erlaß kann, die Verbreitung von Flug- 

212 



blättern und Flugschriften mit Ausnahme der von staatlicher oder 
parteianitlicher Seite herausgegebenen Flugschriften künftig nicht 
mehr geduldet werden, wobei es nicht darauf ankommt, ob der 
Inhalt polizeilich zu beanstanden ist oder nicht." 

Wollte darum ein Pfarrer seinen eigenen Pfarrangehörigen 
irgendeine seelsorgliche Mitteilung machen oder z, B. in jedes Haus 
oder in jede katholische Familie eine Einladung zu einer Volks- 
mission oder religiösen Woche oder Erstkommunionfeier senden, so 
durfte er dies nicht mehr in Form eines Flugzettels tun, sondern 
mußte jedes einzelne Schriftstück persönlich unterzeichnen, in ein 
genau adressiertes Kuvert stecken und sorgfältig darauf achten, 
daß das Seelsorgsschreiben „nicht einer Person oder Familie zu- 
geleitet wurde, die entweder überhaupt nicht oder nicht mehr 
katholisch war." 

Fesseln für das ganze Schrifttum 

Die gesamte Buchproduktion stand „im freien Deutschland" 
unter strenger Kontrolle, insbesondere unter dem Gesichtspunkt 
der „politischen und weltanschaulichen Richtung". Für die Heraus- 
gabe neuer Werke waren zwei Prüfungsstellen zu passieren: „Die 
ReichsstellezurFörderungdesdeutschenSchrift- 
t u m s" und „die parteiamtliche Prüfungskommis- 
sion zum Schutze desNS-Schrifttum s." Kam ein neu- 
geplantes katholisches Buch glücklich durch die erste Sperre, konnte 
es immer noch an der zweiten aufgehalten werden. Die zwei 
Prüfungsstellen hatten praktisch nur drei Entscheide: „Positiv", 
„Mit Einschränkung", „Negativ". 

„Mit Einschränkung" wurden beispielsweise einzelne „Papst- 
rundschreiben", dann die Werke des hl. Thomas, des hl. Augustin 
zensiert. 

„Negativ" wurde verbeschieden: Alois Dempf : „Meister Ecke- 
hardt", Hermann Muckermann: „Grundriß der Rassenkunde", 
Alfons Erb: „Thomas Morus und Johann Fischer", Jakob Kneip: 
„Das Reich Christi". 

„Positiv" wurden dagegen gewertet Werke wie: Jam: „Die katho- 
lische Kirche, eine Gefahr für den Staat" (1936); Rose: „Rom mordet, 
mordet Seelen, Menschen, Völker" (zuerst als „gefährlich und nicht 
wünschenswert" beurteilt, dann freigegeben ohne Einschränkung); 
Gottschling: „Zwei Jahre hinter Klostermauern" erhielt 1935 sogar den 
Preis der Universität Jena für Kunst und Literatur. 

Von der „Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums" 
aber erhielt dies Buch günstigste Beurteilung und Empfehlung, die so- 
fort der Propaganda zur Verfügung stand, wie nachfolgendes Reklame- 
blatt des Verlages A. F. Koehler-Leipzig zeigt: 

Neuerscheinung Februar 1935: 

Dr. Erich Gottschling 

Zwei Jahre hinter Klostermauern 

Aufzeichnungen eines Dominikaners 

Über diese hiermit erstmalig angelcündigte Neuerscheinung hat d i e 
Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrift- 
tums, Berlin, am 2 0. November 1934 folgendes Gut- 
achten abgegeben: 

213 



„Der Mönch hat eine eigentümliche Psyche. Das konnte ich in den 
zwei Jahren meines Klosterlebens reichlich erfahren. Um es lange Zeit 
oder gar lebenslang unter so gearteten Menschen aushalten zu Icönnen, 
muß jemand entweder schon eine ebensolche von der Norm abweichende 
psychische Struictur besitzen, oder er muß eine solche im Kloster durch 
die .Umformung' erwerben. Ein so Umgeformter ist dann aber für das 
normale bürgerliche Leben unbrauchbar geworden." 

Hier gibt einer, der zwei Jahre lang Mönch gewesen ist, eine durch 
ihre Sachlichlceit erschütternde Darstellung vom Aufbau und Er- 
ziehungssystem des Dominilcanerordens; der Dominikanerorden ist, wie 
eine Reihe von anderen Orden, exemt, d. h. er untersteht keinem Bischof, 
sondern unmittelbar dem Papst selbst. 

Gottschling begnügt sich als Quelle nicht mit der allgemein gehalte- 
nen offiziellen Literatur über das Ordenswesen, sondern er stützt sich 
fast ausschließlich auf eigene im geheimen unmittelbar gemachte Auf- 
zeichnungen und auf die Einblicke, die er verschiedentlich in die Ge- 
heimsatzungen des Ordens tun konnte. Die Sprache ist frei von jeder 
Sensationshascherei; sie überzeugt durch ihre Verbindung von beschei- 
dener Vornehmheit und schonungsloser Wahrhaftigkeit. 

Das Werk ist eine unersetzliche, aus unendlich vielen Einzelheiten 
und dem Außenstehenden niemals erkennbaren Kleinigkeiten aufgebaute 
Dokumentensammlung für die Tatsache, daß durch die' Ordens- 
erziehung systematisch das Selbstbewußtsein und 
das Ehrgefühl des Menschen zerbrochen wird, um ihn 
zum willenlosen Werkzeug in der Hand der Ordens- 
gebieterzumachen. 

Es ist fast unnötig, festzustellen, daß dieser Frevel am Menschen- 
tum nichts mit dem katholischen Glauben zu tun hat, der in diesem 
Buche in keiner Weise angetastet wird. Im Gegenteil, jeder aufrechte 
deutsche Katholik wird diese reinliche Scheidung des katholi- 
schen Gedankengutes von solchen Verirrungen ge- 
rade im Hinblick auf ein gesundes Verhältnis von 
Nationalsozialismus und Katholizismus dankbarst 
begrüßen." 

Unterschrift des Referenten der Reichsstelle 

Kirchliche Fragen stehen augenblicklich im Mittelpunkt der Er- 
örterung. Für den Buchkäufer ist es schwer, auf den ersten Blick wert- 
volles, neues Material zu erkennen. Wir freuen uns daher, schon bei der 
ersten Ankündig ungdes Buches das Urteil, das die maß- 
gebende Jleichsstelle abgegeben hat, veröffentlichen zu können. 

Groß Oktav, 196 Seiten. In Ganzleinen 4.50 RM. 
K. F. Koehler / Verlag / Leipzig. 

„Steckbrief" gegen katholische Literatur 

In der „streng vertraulichen" Anweisung der bayerischen 
politischen Polizei vom 23. April 1935 an alle Polizeiämter, Staats- 
polizeistellen usw. hieß es: 

„Der katholischen Literatur muß spezielle Aufmerksamkeit 
gewidmet werden. Die Bücherstände an den Pilgerorten, an den 
Kirchenportaien, auf Eisenbahnstationen wie überhaupt katholische 
Buchhandlungen und Verlage sind ständig und gründlich 
zu überwachen. Dabei ist besonderes Augenmerk auf neue Ver- 
öffentlichungen katholischer Volks- und Flugschriften zu legen. 
Dies bezieht sich besonders auf folgende Büchereien: 

2H 



.Katholische Flug'blätter über Tagesfragen*, herausgegeben von 
der Saarbrückener Druckerei- und Verlags-AG., Saarbrücken; 
,Klare Begriffe', herausgegeben von Dr. Heinrich Krone, Berlin, 
Wilhelmshaven; ,Die Kirche in unserer Zeit', herausgegeben von 
J. P. B a c h e m G. m. b. H., Köln; ,Zur Verteidigung des Glaubens', 
herausgegeben von A. H u b e r, München. Alle staatsfeindlichen 
Veröffentlichungen sind zu beschlagnahmen." 

Kolportageverbot für konfessionelle Druck- 
schriften 

Auch die Haus- und Wohnungstüre sollte dem konfessionellen 
Buch versperrt werden. 

Zunächst bezeichnete ein Runderlaß des Reichskirchenmini- 
steriums den Vertrieb christlichen Schrifttums durch Reisende und 
ambulante Händler als u n e r w ü n s c h t. Am 18. September 1935 
aber verfügte ein Erlaß der Gestapo, daß der gewerbsmäßige Ver- 
trieb unbeanstandeter (!) konfessioneller Druckschriften aller Art, 
wie von Legendenbüchern, Kalendern usw., sowie das Aufsuchen 
von Bestellungen hiefür von Haus zu Haus restlas und mit 
allen Mitteln zu unterbinden sei. Die Beschwerden von 
kirchlicher und buchhändlerischer Seite gegen diese Fesselung der 
konfessionellen Presse hatten nur den einen Erfolg, daß die 
„Hl. S c h r i f t" kolportiert werden durfte. 

Im nachfolgenden einige Dokumente für diese Ausnahme- 
behandlung des religiösen Schrifttums: 

Erlaß der bayerischen Politischen Polizei vom 8. September 1935 

Der gewerbsmäßige Vertrieb unbeanstandeter konfessio- 
neller Druckschriften aller Art wie von Legendenbüchern, Kalen- 
dern sowie das Aufsuchen von Bestellungen hiefür von Haus zu Haus 
ist restlos und mit allen Mitteln zu unterbinden. 

München, 29. Februar 1936. 

An den Bernreuther-Verlag und Kunsthandlung in München, Goethe- 
straße 64. 

Auf Grund § 1 der VV des Reichspräsidenten zum Schutze von 
Volk und Staat vom 28. Februar 1933 (RGBl. 1933 I, S. 83) ist der Ver- 
trieb religiöser Druckschriften, Bilder und Bildwerke (z. B, Figuren, 
Kreuze usw.) von Haus zu Haus oder durch Aufsuchen von Bestellun- 
gen mit sofortiger Wirksamkeit verboten. Zuwiderhandlungen werden 
nach § 4 a. a. O. mit Gefängnis nicht unter einem Monat und mit Geld- 
strafen von RM. 150.— bis zu RM. 15 000 bestraft. 

I.A. Mayr. 

Betreff: Vertrieb religiöser Druckschriften, Bilder und Bildwerke. 
Dienststelle 512 

Der Präsident der Reichsschrifttumskammer 

III/2 9304 Berlin W 8, 23. April 1936 

An den Verlag der Ars Sacra, München 
Betreif: Ihr Schreiben vom 9. April 1936. 

Die ^Maßnahmen der Polizeidirektion München gehen auf einen 
Runderlaß des Herrn Reichsministers für (!) die kirchlichen Angelegen- 

215 



heiten zurück, in dem der Vertrieb cliristlichen Schrifttums durch Rei- 
sende und ambulante Händler als unerwünscht bezeichnet wird. Ich 
kann Ihnen deshalb lediglich empfehlen, Ihre Verbindungen mit den 
Buchhandelsfirmen zum Absatz Ihrer Werke energisch auszubauen. 

Der Vertrieb durch Einzelhandelsfirmen, die in die „Stammrolle ge- 
nehmigter Buchverkaufsstellen" eingetragen sind, ist durch den Rund- 
erlaß nicht eingeschränkt. 

Polizeipräsidium München, Dienststelle 519 2. Februar 19'37 

Nebenstelle 541 

An Verlag Peiffer, München 

Vertrieb von religiösen Schriften. 

Das Gesuch vom 4. Januar 1937 um Genehmigung zum Reisevertrieb- 
von religiösen Druckschriften wurde abgelehnt. Ausgenommen ist nur 
die Werbung von Beziehern für bestehende Zeitungen und Zeitschriften, 
soweit die Bezieherwerber den vorgeschriebenen Werbeausweis der 
Reichspressekammer besitzen. 

I.A. gez. Mayr. 

„Sterilisation" der kirchlichen: Volks- 
bibliotheken 

Auch den Büchern der vom bayerischen katholischen Presse- 
verein (St.-Michaels-Bund zur Pflege des katholischen Schrifttums 
in Bayern e. V.) und vom Borromäusverein gegründeten und sehr 
geschätzten Volksbibliotheken sollte das Eindringen in die breiten 
Volksmassen unterbunden werden. Sie durften sich überhaupt nicht 
mehr „K a t h. V o 1 k s b i b 1 i o t h e k" oder „Volksbücherei" 
heißen, sondern nur noch Pf a r r b ib li o th e k; sie sollten* so 
schon als etwas „Einstiges", „Konfessionelles", „Frommes" ab- 
gestempelt werden. Für das „Volk" durfte ja nur noch der 
Nationalsozialismus etwas haben und tun. Und was die neuen 
Herren an Büchern nicht hatten, das nahmen sie eben den andern. 
Weil die Pfarrbibliotheken doch nur noch Erbauliches, Religiöses 
haben sollten, mußten sie alle Bücher- erzählenden Inhalts und all- 
gemein belletristischer Art, etwa die Hälfte ihrer Bücherbestände, 
an die neu zu gründende gemeindliche „Volksbibliothek", auch an 
. Kz.-Büchereien u. ä., abtreten. 

B. Die Fesseln werden angelegt. 

Mit all diesen Verordnungen und Erklärungen waren genug 
Fesseln bereitgestellt und überall ein engmaschiges Netz gezogen. 
Da war es nicht mehr schwer, „staatsfeindliche Verbrecher" schrift- 
stellerischen Charakters zu fangen und festzuhalten. 

Nur einige Beispiele: 

Eine Nummer der „Münchener katholischen Kirchenzeitung" wurde 
beschlagnahmt, weil sie einen Artikel über den ersten Bischof von 
Münster mit den Worten (aus dem Gedächtnis zitiert) eingeleitet hatte: 
„Auch der erste Bischof von Münster war schon ein mutiger Kämpfer." 
Das war schon ein unzulässiger Hinweis auf den gegenwärtigen mutigen 
Inhaber des Bischofsstuhles von Münster, H, A. Galen, der den Dikta- 
toren des Dritten Reiches manch entschiedenes Wort sagte. 

216 



Die „Kleine Münchener Kirchenzeitung" vom März 1937 mußte 
einen Artikel tilgen, in welchem berichtet war, wie General von Ziethen 
einstmals eine Verspottung des christlichen Glaubens durch den' „Alten 
Fritz" entrüstet zurückwies. 

Am 24. August 1938 erhielt die Schriftleitung nachfolgendes Schrei- 
ben des „Reichsministers für Volksauf klärung und Propaganda": „In 
Nr. 27' Ihrer Kirchenzeitung geben mehrere Notizen Anlaß zu scharfer 
Beanstandung. 

Auf Seite 420 heißt es in dem Artikel „Zeit und Ewigkeit" folgen- 
dermaßen: 

„Alle Rassen finden sich hier zusammen. Ging da nicht gerade ein 
gelber Bischof vorüber? Ein • schwarzer Priester kommt gerade aus dem 
Petersdom und ein deutscher Kardinal unterhält sich mit einem fran- 
zösischen Prälaten." 

Der Roman „Priester der Verbannten" enthält auf Seite 423 folgende 
Sätze: 

„ . . . der Berufene darf nicht zurückschauen,, nicht nach der Scholle, 
auf der er geboren war, nicht nach den Menschen, mit denen er ver- 
bunden ist durch den Strom des Blutes; denn wer die Hand an den~ 
Pflug legt und zurückschaut, ist nicht tauglich für das Gottesreich. 
Aber irgendwo, vielleicht auf einer fernen Insel, sind Menschen, die 
ihre wunden Hände nach der Liebe ausstrecken, die mit zerrissenen 
Lippen nach Hilfe rufen, die mit den toten Augen des Elends nach 
einem Heiland ausschauen, der sich niederbeugt zu ihrer Not und ihre 
Last auf die eigenen Schultern wirft." 

In der Buchbesprechung auf Seite. 425 heißt es u. a.r 

„. . . denn sie wußten, daß der Soldat in dem Maße seine nationale 
Pflicht erfüllt, als er Christ ist." 

Die angeführten Sätze sind geeignet, das Rasse- und Nationalgefühl 
des deutschen Volkes zu untergraben, während sie andererseits dem 
nichtchristlichen, gottgläubigen Soldaten die Fähigkeit der Pflichterfül- 
lung absprechen. 

Ich erteile Ihnen daher einen scharfen Verweis und weise Sie mit 
Nachdruck auf die Folgen weiterer Beanstandungen hin. 

Im Auftrag 
gez. Dürr." 

Treibjagdim,, Anzeigenfeld" 

Wie kleinlich die Vorschriften über die Anzeigen bei 
Kirchenzeitungen angewendet werden, zeigt nachfolgendes Schrei- 
ben des „Präsidenten der Reichspressekammer, Berlin" vom 
16. Juni 1937 an den Verlag der „Münchener katholischen Kirchen- 
zeitung": 

Betrifft: Anzeigen-Beanstandung. 

Im Rundschreiben 7/1937 der Fachschaft der katholisch-kirchlichen 
Presse wurde in Punkt 2 in meinem Auftrag darauf hingewiesen, daß 
bei allen Verstößen gegen meinen Erlaß vom 17. Februar 1936 ohne 
vorherige Verwarnung gegen den schuldigen Verlag eine Ordnungsstrafe 
von mir verhängt wird. 

Ich habe den Anzeigenteil Ihrer Zeitschrift „Münchener Katho- 
lische Kirchenzeitung" von Nr. 18 ab (2. Mai 1937) geprüft und dabei 
folgendes festgestellt: ' 

In Nr. 18 sind unzulässig die Kleinanzeigen Nr. 1492, 1502, 1500, 
1493, Scheifel, 1506, Arcisstraße 5, 1499, 1497, 1482. (Diese Wohnungs- 

217 



gesuche und -angebote haben einen rein wirtschaftlichen Hinter- 
grund, sie entbehren ihrer Natur nach des konfessionellen Charalcters, 
auch wenn dieser durch Zusätze in sie hineingelegt wird), Stellen- 
gesuche: Telefon 22 995, Nr. 1505, Anzeige: Betzl (moderne Damen- 
schirme usw.). 

In, Nr. 19 beanstande ich die Kleinanzeigen Hiltenspergerstraße 17/1 
Nr. 1513, 1509, 1512, Hieber, Fentsch, 1507, 1511, Koller. 

Nr. 20 bringt folgende unstatthafte Anzeigen: Nr. 1528, 1516, 1509, 
1534, 1523, 1524, 1531, Herrnstraße 22/2 r., Hochhäusl, Waldtrudering, 
Florastraße, 1529, 1525, Breisacher Straße 3/2 r., Nr. 1533, Klenzestr. 
Nr. 95/2 1., Emma Schweiger, Volkartstraße 71/4, Daxenberger, Drei- 
mühlenstraße 18, Stellenanzeigen: Nr. 1515, Kugler, Foto-Geschäft, An- 
zeige: Joh. Betzl Ww. 

In Nr. 21 sind unzulässig die Anzeigen Keßler, Herzog-Rudolf- 
Straße 51, Nr. 1525, M. K. postlagernd Altötting, teilweise F. Reitsamer 
& Sohn, Drahtgeflechte und Einfriedungen. 

In Nr. 22 sind zu beanstanden die Kleinanzeigen Nr. 1547, 1551, 
Andrä, 1546, 1558, Stellengesuche: 1548, 1561, 1554, Joh. Betzl Ww. 

Folgende Anzeigen der Nr. 23 sind unstatthaft: Kleinanzeigen Nr. 
1589, 1574, 1565 sowie die Anzeigen U, B. Fridrich, München, Sendlinger 
Straße 14, Alban Scharner, München, Dienerstraße 11, Jakob Janich, 
Reichenbachstraße 12, teilweise Rid & Sohn (im Sonderrundschreiben 
der Fachschaft an die Verlage vom 26, Mai 1937 heißt es, daß Firmungs- 
anzeigen, in denen Güter des allgemeinen Lebensbereiches entweder 
allein oder zusammen mit religiösen Gegenständen angeboten werden, 
unstatthaft sind). 

Mit Rücksicht auf die große Zahl der beanstandeten Anzeigen setze 
ich hiermit gegen den Verlag eine 

Ordnungsstrafevon 5 0. — R M 
bez. P.Sch. 21. Juni 1937 

fest. Der Betrag ist binnen acht Tagen auf das Postscheckkonto der 
Reichspressekammer Berlin Nr. 5861 unter dem Aktenzeichen A 4b zu 
überweisen. 

Ich ersuche, künftig genauestens darauf zu achten, daß in Ihrer 
Zeitschrift keine unzulässigen Anzeigen veröffentlicht werden. 

Im Auftrage: 
gez. Unterschrift" 

Ähnlich kleinlich wurde bezüglich des U m f a n g s der „Mün- 
chener katholischen Kirchenzeitung" verfahren. Die Beilage eines 
längst gedruckten, mit vielen Abkürzungen arbeitenden „Kirchea- 
anzeigers" brachte am 22. August 1938 eine besondere Rüge. 

Erst recht leicht und oft fand natürlich der Inhalt Beanstan- 
dung, wenn er die geringste Kritik an nationalsozialistischen 
„Größen" oder eine Abwehr ihrer Angriffe brachte. 

Der Verlag „Katholisches Kirchenblatt des Bistums Berlin" erhielt 
von der Staatspolizeistelle Berlin am 7. April 1935 nachfolgendes 
Schreiben: 

„Die Nr. 14 vom 7. April 1935 des Katholischen Kirchenblattes für 
das Bistum Berlin wird wegen des auf Seite 13 erschienenen Artikels 
„Der Reichs] ugendführer über die katholischen Jugendverbände" gemäß 
§ 7 der Verordnung vom 4. Februar 1933 beschlagnahmt." 

Wie das Bischöfliche Ordinariat Berlin in einem Rundschreiben an 
den Reichsinnenminister unter dem 11. April 1935 darlegte, gab der an- 

218 



gezogene Artikel zunächst einen Teil der über alle deutschen 
Sender gegangenen Rede des Reichs Jugendführers Baidur von 
Schirach wieder. Wörtliche Zitate wiesen dann auf einschlägige Be- 
stimmungen des Konkordates hin, aus denen die selbstverständliche 
Folgerung für die Rechte und Pflichten der hohen Vertragspartner ge- 
zogen wird. In schneidendster! Form wurde dann das Urteil über die , 
ungeheuerlichen Anwürfe des Reichsjugendführers dem Leser anheim- 
gestellt und zum Schluß die Tatsache einer Beschwerde des Bischofs an 
den Führer und Reichskanzler bekanntgegeben. „Der in seiner Gesamt- 
haltung und in jedem einzelnen Satz durch stärkste Zurück- 
haltung und strengste Sachlichkeit sich auszeichnende Ar- 
tikel hatte den Zweck, in erzwungener Abwehr zu der Rede des 
Reichsführers im Sinne des Bischöflichen Ordinariates grundsätzlich 
Stellung zu nehmen und dadurch aufklärend und beruhigend auf das in 
seinem religiösen Empfinden und in seiner Ehre aufs tiefste verletzte 
und erregte treukatholische Volk einzuwirken." 

Wir betonen dies, um das für den kirchentreuen K&tholiken gerade- 
zu Unfaßbare der Beschlagnahme des Katholischen Kirchenblattes 
wegen der gesetzlich unantastbaren, nach Inhalt und Form auf das 
Mindestmaß beschränkten Notwehr zu kennzeichnen, die weit hinter 
der an sich berechtigten und vom Volk erwarteten Abwehr zurück- 
bleibt. Wenn die Beschlagnahme aufrechterhalten und der Grund der- 
selben dem katholischen Volk bekannt wird, ist eine zur Verbitterung 
sich steigernde Entrüstung zu erwarten aus dem allzu berechtigten 
Empfinden, daß katholische Kirche und katholisches 
Volk bezüglich des Schutzes seiner heiligsten Güter 
unter Ausnahmerech tstehe n." 

Beschlagnahmen und Verbote: 

All die Beschlagnahmen katholischer Bistums- 
blätter, Pfarrblätter und Zeitschriften aufzuzählen 
würde zu weit führen. 

Auch hierfür bloß ein paar Beispiele: 

4. Mai 1934: Das Pfarrblatt von Aibling (Oberbayern) 

Ende Juli 1934: Das Bonifatiusblatt Nr. 4 

Ende des Jahres 1934: Das St. Konradblatt von Freiburg 

20. Januar 1935: Das St. Konradblatt von Freiburg 
8. März 1935: Das Pfarrblatt von Essen Nr. 10 

21. März 1935: Das Pfarrbiatt von Essen Nr. 12 

21. April 1935: Das Paulinusblatt von Trier Nr. 17 

4. Mai 1935: Die Münchener Katholische Kirchenzeitung 

10. Mai 1935: Die Münchener kleine Kirchenzeitung 

28. Mai 1935: Leo Nr. 9 

21. Januar 1935: Der Johannesbote von Schneidemühl Nr. 26 

24. Januar 1935: Der Dortmunder Kirchenanzeiger 

14. Juli 1935: Die Münchener Katholische Kirchenzeitung Nr. 28 , 

21. Juli 1935: Die katholische Kirchenzeitung von Ermland (bereits 

das sechstemal!) 
1. März 1936: Die kleine katholische Kirchenzeitung Münchens 
20. März 1936: Die Kölner katholische Kirchenzeitung 

Auch die Vatikanische Zeitung „L'Osservatore Romano" 
blieb nicht verschont von den NS-Gewalttaten. In steigendem Mai3e 
wurden Nummern, die irgendwie etwas für Deutschland Unan- 

219 



genehmes enthielten, beschlagnahmt bzw. im Auftrag der Gestapo 
von der Post zurückbehalten und vernichtet. 

Die „Ketteier Wacht" (die frühere „Westdeutsche Zei- 
tung"), das Organ der katholischen Arbeitervereine Westdeutsch- 
lands, mit ca. 150 000 Auflage, wurde im Frühjahr 1936 verboten. 

Wie schon erwähnt, wurde auch die vom Katholischen Jung- 
männerverband herausgegebene „Junge Front" mit mehreren 
hunderttausenden Auflage verboten, noch vor Ablauf eines Jahres 
auch ihr Nachfolger: „M i c h a e 1". 

Die „W eltmission derkatholischen Kirch e", Aus- 
gabe Aachen, mit rund 300 000 Exemplaren, herausgegeben vom 
„Päpstlichen Werk der Glaubensverbreitung", wurde im • August 
1937 verboten, „weil sie mit ihrer Verherrlichung fremder Rassen 
eine Gefahr für die Rassentheorie, die Basis des national- 
sozialistischen Staates, sei." 

Das „K 1 e r u s b 1 a 1 1" der katholischen Priestervereine Bayerns 
durfte für lange Zeit nicht mehr erscheinen, weil seine Darstellung 
kirchlicher Verhältnisse in Rußland im Gegensatz zu dem stünde, 
was von d,er deutschen Presse über Rußland ver- 
öffentlicht werde und eine kommunistische Propaganda sei. In 
Wirklichkeit hatte aber der Artikel das Wiederaufleben des reli- 
giösen Lebens in Rußland und seine Triumphe über die Verbote 
und Widerstände des Staates und der Parteiorganisationen be- 
schrieben. 

Die „Stimmen der Zei t", ebenso alt wie wissenschaft- 
lich gediegen und in der ganzen Welt geschätzt, wurden verboten, 
weil einer ihrer früheren Mitarbeiter, der gottbegnadete Schrift- 
steller P. L i p p e r t, sechs Jahre vor seinem Tode in einem Briefe 
eine abträgliche Äußerung über den Nationalsozialismus gemacht 
hätte. • 

Über die Erwürgung der Zeitschrift hinaus wurde auch noch das 
ganze Haus der Schriftleitung in München mitsamt der wertvollen 
Bibliothek innerhalb zwei Stunden weggenommen. Die Patres 
durften nur ihre persönlichen Sachen mitnehmen. 

Mit der Auflösung der katholischen Jugendvereine wurden alle 
ihre Zeitschriften verboten, so die „ J u n g w a c h t", „D e r 
Kran z", „Die Knosp e", „M y r t e". 

Ebenso verfielen der polizeilichen Einstellung „M o n i k a", die 
Zeitschrift der katholischen Müttervereine, die bereits 71 Jahrgänge 
hatte; freilich forderte sie ein ganz anderes Ehe- und Mutterideal 
als der Nationalsozialismus. 

Auch der in ganz Bayern so beliebte „A 1 1 ö 1 1 i n g e r L i e b - 
frauenbote" mußte die nationalsozialistische Rache über sich 
ergehen lassen: Sein langjähriger, schreibgewandter, edler Schrift- 
leiter, Msgr. Karl Vogl, der ebenso volkstümlich wie entschieden 

220 



die Irrtümer des NS oft dargelegt hfttte, wurde abgesetzt, später 
sogar eine Zeitlang des Landes verwiesen. 

Beispiele von Verboten katholischer Kalender sind: Katho- 
lischer Elternkalender (herausgegeben von der katholischen Eltern- 
vereinigung), Katholischer Familienkalender (herausgegeben vom 
Verband süddeutscher katholischer Arbeiter- und Arbeiterinnen- 
vereine), Franziskuskalender, Marienkalender. 

Selbst Kirchenführer beschlagnahmt! 

Eine ebenso große Härte wie Unbegreiflichkeit war die Be- 
schlagnahme fast der Hälfte aller Kirchenführer, wie sie der 
Münchener „Dreifaltigkeitsverlag" von Dr. Schnell und 
Dr. Steiner für zahlreiche, künstlerisch besonders wertvolle Kirchen 
herausgegeben hatte. Als Vorwand für das Verbot wurde genommen, 
daß einzelne Hefte auf der Titelseite einfach den Namen oder das 
Bild des Ortes trugen und damit den Anschein erweckten, als ob 
sie eine Geschichte und Beschreibung des ganzen Ortes brächten, 
während sie tatsächlich doch nur dessen Kirchen erläuterten. 
Der Titel müßte also heißen „Die Kirche von . . ." 

Um die fadenscheinige Begründung und den ganzen Umfang 
des Verbotes erkennen zu lassen, sei der Beschlagnahmebeschluß 
wiedergegeben. 

Geheime Staatspolizei 

Staatspolizeileitstelle München München, 15. November 1937 

B.Nr. 66768/37 II P Be. 

I. Beschluß 

Auf Grund § 7 der VO des Reichspräsidenten zum Schutze des 
Deutschen Volkes vom 4. Februar 1933 in Verbindung mit Artikel 102 
des Ausführungsgesetzes zur Strafprozeßordnung vom 18. 8. 79 werden 
die im Dreifaltigkeitsverlag in München, Von-der-Pfordten-Straße, in 
Broschürenform erschienenen „Kirchenführer", sofern diese nach deut- 
schen Städten bzw. Orten benannt sind, beschlagnahmt und eingezogen. 
Der Beschlagnahme unterliegen insbesondere die nachfolgenden bis 
heute erschienenen Schriften mit Aufdruck: 

Altenstadt, Aschaifenburg, Bad Charlottenbrunn, Bad Tölz, Bad Wiessee, 
Bayrischzell, Bergrheinfeld, Blaubeuren, Buchau am Federsee, Burg- 
hausen a. d. S., Cham in der Oberpfalz, Deggendorf, Dischingen a. d. 
Egau, Egern am Tegernsee, Freilassing, Freudenstadt, Fürstenfeldbruck, 
Füssen im AUgäu, Ebersberg, Fischbachau, Gauting vor München, Ge- 
rolzhofen, Gmünd am Tegernsee, Gößweinstein, Schloß Hohenaschau, 
Hohenfurch, Inchenhofen, Indersdorf, Ising am Chiemsee, Kirchweidach, 
Köln-Hohenlind, Königshofen, Konnersreuth, Lenggries/Isarwinkel, Lig- 
gersdorf/Hohenzollern, Margarethenberg, Marquartstein, Memmingen, 
Meßkirch/Baden, Niederaschau, Nußdorf am Inn, Obergünzburg, Ober- 
marchtal, Ottobeuren, Pfaffenhofen an der Um, Puch bei Fürstenfeld- 
bruck, Reichenau-Mittelzell, Rosenheim, Rot an der Rot, Säckingen 
am Rhein, Sandizell, Schussenried, Sigmaringen, Der Staflelberg, Stein- 
gaden, Steinhausen, Starnberg am See, Stockach, Tegernsee, Teisendorf 
vor dem Untersberg, Tiefenbronn, Tuntenhausen, Vilsbiburg, Volkach 
am Main, Waldsassen, Weissenau/Württemberg, Ziemetshausen. 

221 



Gründe: 

Die Benennung der „Kirchenführer" nach deutschen Städten und 
Orten und der " Aufdruck der Städte- und Landschaftsbilder auf der 
Titelseite läßt den Charakter der Schrift in keiner Weise erkennen und 
gibt zu Irreführungen Anlaß. Insbesondere wurde durch diese Tarnung 
das Publikum zum Kauf der Schriften angereizt, die es bei Kenntnis des 
Inhalts zweifellos nicht erworben hätte. Da die „Kirchenführer" in 
dieser Form insbesondere mit den Werbeschriften des Fremdenverkehrs 
verwechselt wurden und das unlautere Angebot den berechtigten Un- 
willen der Bewerber erregte, war die Beschlagnahme anzuordnen. 

II. An den Dreifaltigkeitsverläg Dr. Steiner (Einschreiben) 

München, Von-der-Pfordten-Straße 15 
I.V. 
gez. Beck 

Bemerkung: Es hat wohl seinen besonderen Grund, warum die 
Strafmaßnahme speziell Dr. Steiner zugestellt wurde. Als ehemaliger 
Geschäftsführer der von Dr. Gerlich herausgegebenen Wochenzeitung 
„Der gerade Weg" sollte er eben am meisten getroffen werden. 

Als Beispiel des „Massenmordes" am katholischen Klein- 
schrifttum und seiner fadenscheinigen Begründung eine kleine 
Zusammenstellung: 

Beschlagnahme von Schriften und ihre Begründung 
I.Aus der Sammlung: „Dem Glauben zur Wehr!" 

Nr. 7 „Braucht die Kirche einen Papst?" Das Heft darf 
nur dann verkauft werden, wenn auf S. 13 die Bemerkung 
„um das Jahr 300" (betr. Zölibat) geändert wird in „Jahr 970". 

Nr. 8 „War Petrus in Rom?" — Ausführungen S. 9 (Schlechte 
Päpste) und S. 13 und 14 (Trennung von Staat und Kirche, 
Konkordat) sind teils imwahr, teils irreführend. 

Nr. 11 „Kirche und Ehe" — Ausführungen auf S. 11 über Zivil- 
ehe und letzte S. (24) über Ehe nach dem bürgerlichen Gesetz 
sind irreführend. Bezeichnung „Mischehe" (S. 14 ff) ist heute 
nur mehr im rassischen Sinne zulässig (Ehe mit Juden), nicht 
aber in diesem kirchlichen Sinn. 

Nr. 12 „Kirchliches Bücherverbot" — Die Ausführungen 
S. 11/13 über „Duell und Ehre" sind heute überholt und irre- 
führend, , da Duell heute ein staatlich anerkanntes 
Erziehungsmittel ist (!). 

Nr. 18 „W arum die vielen Sekten?" — Ein Heft über Sekten 
ist heute überholt und deshalb unerwünscht, da in Deutsch- 
land alle Sekten verboten sind. 

2. Schriften von A. Worlitscheck : 

Das Kritisieren — Ausführungen S. 3 und 5 nicht mehr an- 
gebracht. 

Spannung — Ausführungen S. 3 nicht mehr angebracht. 

Familien brüche — S. 4, Ausführungen über Sozialismus über- 
holt. 

Mehr Rücksicht — S. 4 (Unwesen der Rücksichtslosigkeit). 

Christus und heutige Jugend — überholt. 

Wagnis der Ehe — Definition unmöglich, Erbgesundheit und 
Rasse fehlen. 

222 



Weckruf an die Mütter — S. 12 betr. Konfessionsschule. 

F ü h r e r i d e a 1 — • S. 11, 16, 28. 

Bekenntnisschule — Idealschule — überholt. 

Wertbeständiges Christentum — überholt. 

Geweckte Mädchen — überholt. 

Rettung der Jugendseele — S. 5, veraltete Anschauungen. 

Heiligkeit und Nationalität — enthält Hiebe auf das heute 
hoch im Kurs stehende deutsche Christentum. 

Die Straße — überholte Ausführungen. 

In die Kirche gehen? — - schafft auf S. 1 und 2 Verwirrungen. 

3. Geusert: LiebeDeineKirche! ^ 

4. Schleger Fr. Leo: „Das Kleinod der christlichen Mäd- 
chen" und „P a r a d i e s a u f Erden" (freilich 2 Büchlein, welche 
die „Jungfräulichkeit" anders bewerteten als die Freunde von 
„Lebensborn", Rudolf Heß und Heinrich Himmler (in ihren Kund- 
gebungen zugunsten unehelicher Mystik). 

5. Pribilla F. S.J.: „Fürchtet euch nicht". 

Diese und ähnliche „K 1 e i n s c h r i f t e n" dünkten der Gestapo 
eine so große Gefahr, daß auch- die letzten Exemplare noch aus 
den Bücherständen der Münchener Kirchen geholt wurden, z. B. 
im Mai 1936 aus St. Vinzenz in München. 

Heft 1: Das Alte Testament nicht ein nationales, sondern ein Mensch- 
heitsbuch. 

Rasse und Religion. 

Germanentum und Christentum. 

Jesus kein Arier. 

Ist Paulus der Stifter des Christentums? 

Klare Begriffe! Gegen den Mißbrauch religiöser Begriffe in 
der neuheidnischen Bewegung. 

Germanisches Frauentum und Christentum. 

Im Kampf um den Gottesgedanken. 

Was heißt positives Christentum? 

Was beweisen die Sünden der Päpste? 

Gemeinschafts- oder Bekenntnisschule? 

Zum Streit um Karl den Großen. 

Kirche und Ketzer- Verfolgungen. 

Seltsame Beschlagnahmebegründung 

J. Pfeiffers Verlag hatte im Herbst 1939 begonnen, 
packende Bub engeschic h t e n von Kaplan Weiser, Schwaz 
(Tirol), herauszugeben, um ein Gegengewicht gegen die damals in 
jeder Richtung anders eingestellte Jugendliteratur zu bieten. Sie 
hießen kurz „Pfeiffer Bildhefte". Alles riß sich darum. In kurzer Zeit 
mußten Neuauflagen gemacht werden. Ein Verbrechen in den Augen 
von Gestapo und HJ! So etwas Zügiges zu schaffen, ohne braunes 
Kleid und ohne Basse-, Blut- und Volksverhimmelung. Das mußte 
doch genau unter die Lupe genommen und mit oder ohne Grund 
aus der Welt geschafft werden! 

223 



Heft 


2 


Heft 


3 


Heft 


4 


Heft 


5 


Heft 


6 


Heft 


10 


Heft 


11 


Heft 


13: 


Heft 


16 


Heft 


17 


Heft 


20 


Heft 21 



Im Frühjahr 1940 das erste Gewitterwölkchen: Die Gestapo 
verlangt je ein Exemplar der bis dahin erschienenen Hefte. Im 
Juli verfinsterte sich der Himmel noch mehr: es wurden von jedem 
Hefte mehrere Exemplare einverlangt. Am 15. August brach das 
Gewitter los. 

Lassen wir das weitere dem Verlagsinhaber, J. Hafner, selbst 
erzählen: 

Zur Mittagszeit des 15. August 1940 erschien ein Beamter der Geh. 
Staatspolizei und eröffnete mir, daß er den gesamten Bestand der Pf eifler 
Bildhefte zu beschlagnahmen hätte. Einen Gruhd hiefür konnte er mir nicht 
angeben. Auf meine» Bitte hin, mir doch die Griinde bekanntzugeben, die 
zur Beschlagnahme veranlaßten, erklärte er sich bereit, für mich um 
diese nachzusuchen. Auch schriftlich habe ich eafum gebeten. Außei* 
der Bestätigung über 46 750 Exemplare, die teils bei mir, teils in 
der Druclterei mit Lastwagen abgeholt wurden, wurden noch zwei 
weitere vorbereitete und gedruckte Auflagen beschlagnahmt. Warum 
dieselben nicht aufgefiihrt sind, ob ein Fehler vorliegt oder ob sie vom 
Drucker nicht genannt wurden, kann ich, nicht sagen. Der Gesamtver- 
kauf swert belief sich auf etwa 20 M a r k. N a c h W o c h e n er- 
hielt ich von der Gestapo einen Anruf, in dem mir die- Begründung mit- 
geteilt wurde. Der Beamte las mir einen etwa 8 — 10 maschinenzeilen- 
langen, in verklausuliertem Juristendeutsch ' abgefaßten Satz vor, den 
ich zunächst nicht verstand. Auf meine Bitte hin, mir doch das Ganze 
noch einmal langsam vorziilesen, um mir einige Notizen machen zu 
können, antwortete die Gegenseite wörtlich: „Legen Sie den Bleistift 
weg, Sie dürfen sich keinerlei Notizen mache n." Ich 
habe mir trotzdem einige Stichpunkte notiert und das Wesentliche 
lautete etwa: „Umfang der Auflage sowie der Inhalt der 
Schriften gingen über den Rahmen der erlaubten Be- 
tätigung auf dem Gebiete des konfessionellen Schrift- 
tums hinau s."- — Ich glaube auch, daß die Art des Vertriebes 
beanstandet wurde. Es war kein einziger Satz des Inhaltes 
beanstandet; die Höhe der Auflage aber war durch die zu- 
ständige Reichsschrifttumskammerstelle genehmigt. Der Vertrieb 
erfolgte auf normalem buchhändlerischem Wege. Auf eine Anfrage, wie 
ich mich gegenüber zwei Angeboten, betreifend der Übersetzungen ins 
Holländische und Ungarische verhalten sollte, ließ mapi mich ohne 
Antwort. 

BeschlagnahmeundVerbotekatholischerBücher 

Der Kampf gegen das katholische Buch forderte als 
eines der eisten Vorkämpfer die Adventspredigten von Kardinal 
Faulhaber: „Judentuhi — Christentum — Ger- 
man entum". 

Der deutsche Sturmtrupp Berlin vom 1. April 1934 gab den 
Sieg über diesen „Feind" mit folgenden Worten bekannt: 

„Das Buch des Kardinals Faulhaber verschwindet! 

Die Aktion gegen das Buch des Kardinals Faul- 
h a b e r ist nunmehr auch in Mannheim mit. vollem Erfolg durch- 
geführt. Das Buch ist aus s ämtliche nBuchhändlungen ver- 
schwunden, und die Buchhändler haben sich durch Unter- 
schrift verpflichtet, das Buch auch auszugsweise nicht mehr in den 
Handel zu bringen." 

224 



Die tapfere HJ tat auch mit und meldete 
triumphierend: 

„Das Faulhaber-Buch" aus dem Oberbann 
Mittelbaden restlos verschwunden! 

„Im Oberbann Mittelbaden ist das Buch des Kardinals 
Faulhaber „Judentum — Christentum — Germanentum" vollständig aus 
dem Buchhandel zurückgezogen. Der Buchhändlerverband hat auf Ver- 
anlassung der Oberbannführung sämtliche Buchhandlungen angewiesen, 
die Bücher zurückzuziehen. Selbst ausgesprochen katholische Buch- 
handlungen . sind dieser Aufforderung restlos nachgekommen. Die ge- 
samte Hitler-Jugend betrachtet das Buch als eine Be- 
schimpfung unserer Vorfahren; sie verwahrt sich energisch 
dagegen, daß in unserem Staat Bücher dieses Inhalts in der Öffentlich- 
keit verbreitet werden." 

Auch spätere Predigten von Kardinal Faulhaber, wahre Perlen 
von Theologie und Redekunst, fanden nicht Gnade und Gefallen 
der „Parteiamtlichen Prüfungskommission" und der Polizei, wie 
nachfolgende Erlasse zeigen: 

Parteiamtliche Prüfungskommission Berlin W 35, Mathäikirchpl. 7 

zuni Schutz des NS-Schrifttums den 26. April 1937 

9p/Sch. 

Aus gegebener Veranlassung ersuchen wir Sie, uns die bei Ihnen 
erschienene Schrift M. v. Faulhaber 

„Münchener Kardinalspredigten" Folge 1: 
„Unser Papst, unser Bischof, unsere Priester" 

unter dem Zeichen P.X. in einem Exemplar vorzulegen. Sie wollen den 
Ladenpreis des Buches angeben. 

Heil Hitler! 

L. S. gez. M. Pabst. 

An den Verlag J. Pfeiffer, München 2 M, ^ 

Herzogspitalstraße 5 

Polizeipräsidium München, Ettstraße. 

An das Erzbischöfliche Ordinariat, 

München, Pfandhausstraße 1 

Geschäftszeichen und Tag meines Schreibens 
DSt. 512 30. April 1937 

Betrifft: Polizeiliche Beschlagnahme und Einziehung von Druckschriften. 

Beschluß : 

Gemäß § 6 der VO. des Reichspräsidenten zum Schutze des Deut- 
schen Volks vom 4. Februar 1933 (Reichsgesetzblatt I, S. 35) wird 

die Broschüre „Münchener Kardinalspredigten" 

2. Folge 

polizeilich beschlagnahmt und eingezogen. 

I. A.: gez. Kriger. 

Dem Todesurteil der Gestapo und ihrer Helfershelfer im Pro- 
pagandaministerium verfielen auch: 

Kreuz und Hakenkreuz _ 35 ppc 



Sämtlich eBücher von P. Lippert, die doch zu den 
höchststehenden literarischen Werken der letzten Jahrzehnte ge- 
hören. 

Algermissen: „Germanentum und Christentum", ein Buch, 
so gediegen und ansprechend, daß es vom November 1934 bis Juli 
1935 sechs Auflagen mit je 12 000 Exemplaren erlebt hatte. 

Paffrath: Gottes Licht im Alten Testament. 
Generalvikariat Köln: „Zu Rosenbergs Mythus des 
XX Jahrhunderts." 

D a h 1 : Zum Mythus des XX. Jahrhunderts. 

Koch Anton: „Der neue Mythus und der alte Glaube." 

Auch der Krieg brachte kein Nachlassen des Kampfes gegen 
das katholische Buch. Von Kriegsbeginn bis zum 1. Oktober 1940, 
also in 13 Kriegsmonaten, wurden folgende katholische Bücher ver- 
boten: 

1. Kirchliche Bestimmungen für militärpflichtige 
Ordenspersonen, Wien 1940. Druck und Verlag Julius Lichter, 

. Wien, Strozziggasse 41. 

2. Gesegnete Brautzeit, von Burgmaier. Werkstudentenverlag. 

3. Rückständiges Christentum, von Pius Fischer. Verl.,Huber. 

4. Eugenik, von H. Muckermann. Dümmler- Verlag, Berlin. 

5. Eugenik und Katholizismus, von H. Muckermann. Dümm- 
■ ler-Verlag, Berlin. 

6. Dein Kind im Gotteskleid, von Brecher, Ebbecke- Verlag, 
Leipzig. 

7. Altar und Leben, von Abt Heun, S.O.-Cis.-Verlag Schöningh, 
Paderborn. 

8. Christliche Ehe, Von Erwin v. Kienitz, Hessen- Verlag, Frank- 
furt am Main. 

9. Katholisch^, oder deutsche Kirche, von Reuß, Verlag 
Laumann, Dülmen. 1935. 

10. Junge, ich gehe mit Dir, von Andre, Steffenverlag, Lim- 
burg. 1927. 

11. Blinkfeuer, von Berghoff, Pustet- Verlag, Regensburg. 1930. 

12. Christof er, von Msgr. Wolker, Dr, Tillmann, Vestischer Verlag, 
Recklinghausen. 

13. Schwäbische Bräuche, von Baumann, Keppler- Verlag, 
Stuttgart. ' 

14. Wertphilosophie, von Johannes Hessen. 

15. Botschaft vom Leben, von Wilhelm Hünermann, Missions- 
druckerei Steyl. 

16. Der Geheimbef ehl, Pallottiner- Verlag, Limburg, 1940, 

17. Tage der Entscheidung, von Allroggen, Mosella- Verlag. 

18. Vita nova, Zürich (alles verboten). 

19. Jahrbuch der Matthias-Pfarrei, von Coppenrath, Ger- 
mania-Verlag. 

20. Heiliges Wissen, von Lux, Ars Sacra- Verlag, München. 

21. Umbruch der Zeit, von Johannes Engel, Aderholz- Verlag, 
München. 

226 ■ 



22. Familienseelsorge, Kolping- Verlag, Köln. 

23. Im Streite zur Seite, Hermann-Joseph Schmitt,' Vestischer 
Verlag, Recklinghausen. 

24. Die Kirche Christi, von Otto Iserland, Benziger- Verlag. 

25. Katholischer Chris t. Waseristundwasernichtist^ 
von Matthias Laros, Schöningh-Verlag. 

26. Maria. Gedanken für die Seelsorge, Verlag „Fahne 
Mariens", Berlin. 

27. Held im Werktag, von Dr. Menninger, Pallotiner- Verlag, 
Limburg. 

28. Friedrich Muckermann, sämtliche Werke verboten. 

29. Omnibus omnia, von Heinr. Schulte, Pallottiner-Verl., Limburg. 

Auf eine Anfrage des Erzbischöflichen Ordinariates München 
am 16. Februar 1937 bei den außerbayerischen Ordinariaten über 
Schriftenbeschlagnahme gingen unter anderem folgende Antworten 
ein: 

' DiözeseAachen: 

Beim Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer (Diözese Münster) wurden, 
wie man uns mitteilte, 150.000 Stück „Zeitfragen" der von den Jesuiten 
herausgegebenen Sammlung und 36.000 Stück der von Pfarrer Dr. Ernst 
Breit herausgegebenen JHeftchen für Reichsarbeitsdienst, Landjahr, 
Landhilfe beschlagnahmt. 

Erzdiözese Freiburg i. Br.: 

Nach unseren Feststellungen sind aus dem Verlag Herder hier bis- 
her verboten worden: 

Stimmen der Zeit: Novemberheft 1934 

Dezemberheft 1936; die drei ersten Hefte des Jahrgangs 1936 sind 
nicht erschienen. 

Helmut Meisner: „Pfadfinder zum Volk" (Jugenderzählung, 1934) 

Anton Koch S.J.: „Der neue Mythus und der alte Glaube" (1936) 

Frz. Schweyer: „Politische Geheimverbände" (1925) 

Max Pribilla S.J.: „Fürchtet euch nicht!" (1935) 

Paul Simon: „Das MenschUche in der Kirche Christi" (1936) 

Von dem 1936 erschienenen Buch von Dr. M. Laros „Neue Zeit und 
alter Glaube" ist auf einen persönlichen Wink einer maßgebenden 
Stelle eine Neuauflage nicht veranstaltet worden. 

Emmy Gruhner: „Feuerseele" (Roman mit dem Thema der religiösen 
Mischehe) (1935) 

In der Monatsschrift „Bücherkunde" der Reichsstelle zur Förderung 
des deutschen Schrifttums sind aus demselben Verlag nachstehende 
Schriften negativ beurteilt worden: 

J.B.Schuster S.J.: „Die Soziallehre nach Leo XIII. und PiusXI." (1935) 
Dr. Anton Stonner: „Die religiös-sittliche Führung Jugendlicher durch 
den Priester" (1934) 

Hilda Torthof er: „Der fahrende Schüler" (Roman, 1935) 
Arthur Kern: „Der neue Weg im Rechtschreiben" (1935) 
Fritz Grüninger: „Der Ehrfürchtige." „Anton Brückners Leben, dem 
Volk erzählt" (1935) 

Johannes Mumbauer: „Die deutsche Dichtung der neuesten Zeit", Bandl 

(1931) 
Dr. Konrad Gröber: „Einer ist Euer Lehrer, Christus" (1935) 

227 



Franz Schneller: „Blaubuch eines Herzens" (Roman, 19S5) 

Ansgar Vonier: „Christianus" (1935) , 

Icilio Felici: „Unter Wölfen. Pater Linus von Parma, ein Apostel der 
Liebe aus neuester Zeit" (1935) 

Henriette Fernholz: „Klassenkameraden" (1935) 

Dr. Konrad Gröber: „Kirche, Vaterland und Vaterlandsliebe" (1935) 

Johannes Lindworsky: „Psychologie der Aszese" (1935) 

Dr. Josef Prestel: „Deutsche Literaturkunde" (1935) 

Wilhelm Schüssen: „Die Geschichte des Apothekers Johannes" (1935) 

Hermann Muckermann: „Kind und Volk" (1934) 

Diözese Limburg : 
Aus Verlagen in unserm Bistum sind verboten: 

1. Fiedler, „Der neue Mensch", Matthias-Grünewald-Verlag, Wiesbaden 

2. Weinrich, „Das Xantener Domspiel", St.- Georgs- Verlag in Frankfurt. 

Die Begründung ad 1 ist uns nicht bekannt geworden. 
Die Begründung ad 2 lautet: „Da ihr Inhalt sich mit den im heutigen 
Staate herrschenden Anschauungen und Grundsätzen nicht verein- 
baren läßt." 

Erzdiözese Paderborn: 

Bei der Bonifatiusdruckerei ist für folgende Druckwerke ein Ver- 
triebsverbot, ergangen: 

F. Walter- „Die Kirche, die Mönche und die Bauern" ' 

O. Schilling: „Das soziale Evangelium" 

Pinsk; ;,Die Kirche Christi als Kirche der Völker" 

Die erste Auflage von Schilling darf unter streng einzuhaltenden 

Bedingungen ausverkauft werden. 

Verbot und Beschlagnahme von Hirtenbriefen 

Überraschend schnell, noch ehe zwei Jahre seit dem Abschluß 
des Reichskonkordates verflossen waren, begannen die Verbote und 
Beschlagnahmen von offiziellen bischöflichen Amtsblät- 
tern, insbesondere von solchen, welche Hirtenbriefe ent- 
hielten, sei es des gesamten deutschen Episkopates oder einzelner 
Bischöfe. 

Artikel 4 des Reichskonkordates bestimmt zwar: 

„Der Hl. Stuhl genießt in seinem Verkehr und seiner Korrespon- 
denz mit den Bischöfen, dem Klerus und den übrigen Angehörigen der 
katholischen Kirche in Deutschland volle Freiheit. Dasselbe gilt 
für die Bischöfe und "sonstigen Diözesanbehörden für ihren 
Verkehr mit den Gläubigen in allen Angelegenheiten ihres Hirtenamtes. 

Anweisungen, Verordnungen, Hirtenbriefe, amtliche Diözesanblätter 
und sonstige die geistliche Leitung der Gläubigen betreffende Ver- 
fügungen, die von den Kirchenbehörden im Rahmen ihrer Zuständig- 
keit (Art. 1 Abs. 2) erlassen werden, können ungehindert ver- 
öffentlicht und in den bisher üblichen Formen zur Kenntnis der 
Gläubigen gebracht werden." 

Aber solch eine Verpflichtung band ja nur oder, besser gesagt, 
sollte nur solange den Schein einer Rechtsbindung vortäuschen, 
solange dies nützlich war; denn „gut ist, was nützlich ist." Aber 
nachdem die Zeiten sich geändert hatten, nachdem man mehr den 

228 



Machtstandpunkt als den Rechtsstandpunkt hervorkehren konnte, 
war Artikel 4 des Reichskonkordates ebensowenig eine Fessel wie 
die übrigen 33 dieser feierlichen Übereinkunft. Da konnte beispiels- 
weise die „Bayerische Politische Polizei" nachfolgende gründliche 
und scharfe Anweisung für die allseitige Durchführung des Ver- 
botes eines' Hirtenbriefes geben: 



Bayrische Politische Polizei 
B. Nr. 30 765 I 2 



„München, den 4. September 1935 



An alle Bezirksämter 

Betreff: Hirtenbrief der in Fulda versammelten deutschen Bischöfe 
vom 20, August 1935. 

Der Hirtenbrief der Fuldaer Bischofskonferenz darf in keiner 
Form in der Tagespresse veröffentlicht werden. Ein 
Erscheinen in gek Qr zt er F orm ist ebenfalls nicht angängig. Die 
Veröffentlichung in Wochen- oder Monatsschriften, in sogen. . Sonntags- 
blättern, Sonderdrucken usw. ist gleichfalls unstatthaft. 

Die Verbreitung des Hirtenbriefes in jeglicher 
Form ist unter allen Umständen zu unterbinden. Unter 
die Verbreitung in jeglicher Form fällt sowohl der unentgeltliche als 
auch der entgeltliche Vertrieb, jede flugblattmäßige Verbreitung — 
auch wenn es sich um kirchliche Amtsblätter handelt -^ die Verteilung 
auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen, von Haus zu Haus, die 
Versendung- durch die Post, die Verbreitung bei Versammlungen und 
in Kirchen, sowie jeglicher Verkauf in Buchhandlungen, Zeitungsstän- 
den usw. Besonderes Augenmerk ist hierbei den Klöstern, Bücher- 
ständen in Kirchen und den Verkaufsstellen an Wallfahrtsorten zuzu- 
wenden. Erfaßte Exemplare des Hirtenbriefes sind polizeilich zu 
beschlagnahmen und zu vernichten. Von einer Beschlagnahme des 
Hirtenbriefes ist lediglich dann abzusehen, wenn es sich um einzelne 
von Geistlichen abonnierte bzw. kirchenamtlich an diese gelieferte, 
ebenfalls einzelne Amtsblätter handelt. 

Bei der Wegnahme von Druckerzeugnissen mit dem Hirtenbrief, 
die zur öffentlichen Verbreitung in Kirchen gelangen sollen, ist folgen- 
dermaßen zu verfahren: der zuständige Pfarrer oder dessen Vertreter 
ist von der Beschlagnahmeverfügung mündlich in Kenntnis zu setzen 
und zur Herausgabe der Hirtenbriefe aufzufordern. Bei bereits begon- 
nener oder beabsichtigter Verbreitung in der Kirche ist der Verteiler 
oder bei Aufliegen der Hirtenbriefe zu persönlicher Entnahme gege- 
benenfalls der Kirchendiener vor der Kirche zu bitten. Hier ist der 
Verteiler, bzw. der Kirchendiener, auf die Beschlagnahmeverfügung 
hinzuweisen und zur Herausgabe der Druckschriften aufzufordern. In 
der Kirche verteilte, aufgelegte Blätter sind vom Kirchendiener ge- 
gebenenfalls unter Aufsicht eines Beamten einzusammeln und 
abliefernzulassen. 

In Kirchen selbst darf jedoch nur im äußersten Notfalle und nur 
durch Beamte in Zivil vorgegangen werden. Gottesdienstliche Hand- 
lungen dürfen in keiner Weise gestört werden. Das Einschreiten in 
Kirchen selbst würde sich demnach nur auf die Zeit vor oder nach 
gottesdienstlichen Handlungen beschränken. 

gez. I.V. Stepp." 

Abdruck in /Tagespresse und Kirchenzeitungen, Verteilung von 
Sonderdrucken u. ä. waren aber „die bisher üblichen 
Formen" gewesen, in denen Hirtenbriefe „zur Kenntnis der 
Gläubigen gebracht wurden." Trotzdem das Verbot! 

229 



'Von 1937 ab konnte überhaupt fast kein Hirte n- 
briefmehrgedruckt oder in größerer Auflage dem Volk in 
die Hand gegeben werden. Die Gefahr der Beschlagnahme und von 
Repressalien selbst gegen die Druckerei, welche die Hirtenbriefe 
herstellte, war so groß, daß das Personal derselben in Angst geriet, 
sobald in einer bischöflichen Kundgebung eine klare Zurück- 
weisung oder Verurteilung nationalsozialistischer Anschauungen 
oder staatlicher oder polizeilicher Willkürmaßnahmen enthalten 
war. Hirtenbriefe konnten darum zumeist nur noch von den 
bischöflichen Behörden inhektographierter Form dem 
Klerus bekanntgegeben werden. 

Als der deutsche Episkopat im Jahre 1935 eine kirchliche 
„Informationsstelle der bischöflichen Behörden 
Deutschlands" gründete, damit an einer Stelle (in Berlin) 
die kirchlichen Nachrichten aus den Diözesen ganz Deutschlands 
gesammelt und von dort wiederum an die einzelnen Ordinariate 
weitergeleitet würden, wurde diese Zentrale alsbald von der 
Gestapo aus- und aufgehoben, ihr Leiter, Domkapitular B a n a s c h 
von Berlin, für mehrere Monate verhaftet, der Generalvikar von 
Würzburg auf einige Tage, jener von Passau ebenfalls kurz. 

Gipfelpunkt der Rücksichtslosigkeit, 
Gewalttätigkeit und Vertragsuntreue 

Das Dritte Reich fühlte sich auch durch den ersten Satz 
des Artikels 4 des Reichskonkordates nicht gebunden. Die darin 
„zugesicherte volle Freiheit" für den Hl. Stuhl 
war keiner Beachtung wert, wenn der Hl. Stuhl den „Bischöfen, 
dem Klerus und den übrigen Angehörigen der katholischen Kirche 
in Deutschland" Unangenehmes, wenn auch noch so Wahres über 
den Nationalsozialismus zu sagen hatte, wie es in der Enzyklika: 
„Mit brennender Sorge" am 13. März 1937 geschah. . 

Da erhob die Gestapo ihren mächtigen Arm, um alle zu ver- 
nichten, die es wagten, dieses Papstwort zu drucken und zu ver- 
breiten und streckte überall ihre langen Finger aus, um noch 
an sich zu reißen, was davon schon irgendwie ins Volk gedrungen 
war. 

So verfügte beispielsweise die Gestapo in München: 

Geheime Staatspolizei München, 27. März 1937 

Staatspolizeileitstelle München 

Betreff: Päpstliches Eundschreiben über die Lage der Katholischen 
Kirche im Deutschen Eeich. 

Papst Pius XI. hat an die Erzbischöfe Deutschlands ein Rund- 
schreiben über die Lage der katholischen Kirche im Deutschen Reiche 
erlassen, das bereits am 21. März 1937 von den Kanzeln der Kirche 
verlesen wurde und in der Zwischenzeit auch im Druck erschienen ist. 

Da das Rundschreiben hochverräterische Angriffe gegen 
den nationalsozialistischen Staat enthält, wird folgendes angeordnet: 

1. Sämtliche außerhalb der Kirchen und. Pfarrhöfe 
greifbaren Exemplare des Kimdschreibens sind zu beschlag- 

230 



nahmen. Auch die im Besitze von Privatpersonen vorgefundenen 
Einzelstücke sind einzuziehen. 

Druckschriften, die sich in Händen von Geistlichen befinden, wer- 
den von dieser Maßnahme nicht berührt. 

2. Sämtliche Personen, die sich mit der Verteilung 
der Schriften außerhalb der Kirchen und Pfarrhäuser 
befassen, sind, soweit es sich nicht um Geistliche handelt, sofort 
festzunehmen und umgehend dem Gericht zur strafrechtlichen Ab- 
urteilung zu übersteilen. Ihre Entfernung aus der Partei, ihren Gliede- 
rungen und angeschlossenen Verbänden, wie DAF, ferner Handwerks- 
kammer, und dergleichen ist sofort zu veranlaßsen. 

3. Kirchenblätter und kirchliche Amtsblätter, die 
das Rundschreiben abgedruckt haben, sind zu beschlagnahmen 
undauf die Dauer von drei Monaten zu verbieten. 

4. Druckereien und Verlage, in denen das Rundschreiben 
hergestellt bzw. verlegt wurde, sind sofort zu schließen. Die ver- 
antwortlichen Personen (Verleger, Drucker, Schriftleiter) sind unverzüg- 
lich hieher zu melden, damit von hier aus weitere Maßnahmen gegen 
sie ergriffen werden können. 

I.V. gez. Dr. Stepp" 

Absatz 1 der obigen Gestapoverordnung war schon am Vor- 
abend der Verlesung des Päpstlichen Rundschreibens voraus- 
genommen worden: über 10 000 Exemplare, die für das Erzbischöf- 
liche Ordinariat München nach Lieferung von etwa 35 000 Exem- 
plaren noch in der Druckerei waren, wurden beschlagnahmt. 

Ganz besonders hart aber wurde Absatz 4 der Polizeiverfügung 
durchgeführt. Vergebens versuchte Kardinal Faulhaber den Bann- 
strahl der Gestapo von der Firma Höfling (Inh. Dr. V. Mayer), die 
in seinem Auftrag die Enzyklika gedruckt hatte, abzuwehren, in- 
dem er großmütig alle Verantwortung auf sich selbst nahm mit 
dem Schreiben: 

„Der 

Erzbischof von München und Freising 
an . 

Herrn Dr. Valentin Mayer 

Druckerei Höfling-München 

Geehrter Herr Doktor! 

Für die strafrechtlichen Verhandlungen über das päpstliche Rund- 
schreiben vom 14. März 1937 (Lage der katholischen Kirche im Deut- 
schen Reich) erkläre ich, daß der Auftrag zur Drucklegung tmd zur 
Verlesung des Rundschreibens in den Kirchen meiner Erzdiözese von 
mir gegeben wurde, und das Begleitschreiben an die Seelsorgstellen, 
das über die Verlesung nähere Anweisungen erteilte, mit meinem vollen 
Namen gezeichnet ist. Damit habe ich diemoralische Ver- 
antwortung übernommen, wenn das Rundschreiben wirklich 
strafrechtliche Nachspiele haben sollte. In dem Maße, in dem ich diese 
Verantwortung übernehme, will ich den Drucker entlasten, 
der in gutem Glauben einen Druckauftrag ausführen konnte, weil er 
keine polizeiliche Zensurstelle bildet, und der von der Minute ab, in 
der ihm das Verbot der Geheimen Staatspolizei bekannt wurde, kein 
einziges Stück mehr druckte. Ebenso will ich die braven Ar- 

231 



beiter entlasten, die sich in keiner Weise bewußt waren, etwas 
Unrechtes zu tun und deshalb nach gesundem Rechtsempllnden nicht 
gestraft werden können. Ich ermächtige Sie, geehrter Herr Doktor, von 
dieser Erklärung jeden Ihnen gut scheinenden Gebrauch zu machen. 

München, 3. April 1937 

gez. Kardinal Faulhaber 
Erzbischof von München" 

Die Gestapo ließ sich durch diese Entlastung in ihrem Zorne 
auf die Druckerei Höfling nicht beeinflussen, sondern verfügte am 
14. Juni 1937: 

„B.Nr. 65995/37 — II 1 K — Br. 

Betrifft: Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens; hier 
Buchdruckerei und Verlag Valentin Höfling in München, 
Lämmerstraße 1 (Inhaber; Dr. Valentin Mayer). 

Beschluß 

Auf Grund des § 1 Abs. 1 des Gesetzes über die Einziehung kom- 
munistischen Vermögens vom 26. Mai 1933 (RGBl. X, S. 293) 
in Verbindung mit dem Gesetz vom 14. Juli 1933 (RGBl. I, S. 479) über 
die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens 
und der Min. Bekm. vom 19. Sept. 1933 Nr. 3862 a 133 (St. Anzeiger 
Nr. 218), wird hiermit das gesamte Vermögen der Firma 

Buchdruckerei und Verlag Valentin Höfling 

In München, Lämmerstraße 1, — Inhaber Dr. Valentin M a y e r in Mün- 
chen, Potsdamer Straße 5 — unter Bestätigung der Beschlagnahmung 
am 11. Juni 1937 auf Grund § 1 der VO des Herrn Reichspräsidenten 
zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 (RGBl. I, S. 83) 
zugunsten: des Landes Bayern eingezogen. 

' gez. Christmann" 

Am 6. Juli 1937 veröffentlichte der „Reichsanzeiger" diese Ent- 
eignung mit dem Zusatz: 

„Gegen diesen Beschluß ist ein Rechtsmittel 
nicht gegeben." 

Besonders zu beachten ist hiebei, daß auch das gesamte Ver- 
mögen des Verlags Höfling eingezogen wurde, obwohl dieser 
mit der Enzyklika nicht das geringste zu tun hatte, sich auf die 
Herausgabe kleiner Druckschriften, besonders kleiner Theater- 
stücke für die katholische Vereinsbühne u. ä., beschränkte. 

Eine neue Ungeheuerlichkeit bedeutete es, als nach ein paar Wochen 
(27. Juli 1937) von der Gestapo entschieden wurde, daß die Schuld 
der Firma Buchdruckerei und Verlag Val. Höfling von 25 000 RM. auf 
dem Bankkreditkonto bei der Bayerischen Staatsbank in München von 
dem Lande Bayern (der Nutznießerin der Vermögensenteignung) nicht 
übernommen würde. Also alles, was an Bankgeldern, Postscheckgut- 
haben, Büroeinrichtung, Schreibmaschinen, Setzmaschinen, Druck- 
maschinen, Schriftmaterial, Verlagswerken etc. vorhanden war, dies 
alles wurde restlos und entschändigungslos weggenommen. Belassen 
wurden dem bisherigen Inhaber nur die Verpflichtungen, ' 
außer der genannten Bankkreditforderung auch eine alte Schuld gegen- 
über seinem eigenen Vater und seinen eigenen Kindern. 

232 



Der Gestapo stellte sich dann auch noch die Vereinigung 
der Bühnenverleger e, V., Fachverband der Reichstheater- 
kammer, rächend an die Seite, indem sie am 11. August 1937 an 
Dr. Valentin Mayer schrieb: 

„Betrifft: Zulassungsurkunde. 

Durch den kommissarischen Treuhänder für die Firma Val. Höfling 
bin ich von Ihrem • Ausscheiden aus dem Verlag benachrichtigt worden. 
Da hierdurch die vom Herrn Präsidenten der Reichstheaterkammer 
ausgefertigte Zulassungsurkunde vom 7. Februar 1936 ungültig gewor- 
den ist, ersuche ich um umgehende Rückgabe dieser Urkunde. 

Gleichzeitig ersuche ich Sie um Rückgabe des in Ihren Händen 
befindlichen Mitgliedsausweises Nr. 1049 des Fachverbandes, da mit 
Erlöschen der Zulassungsurkunde auch die Mitgliedschaft im Fachver- 
band endet und der Mitgliedsausweis Eigentum des Fachverbandes ist. 

Heil Hitler! 

Vereinigung der Bühnenverleger e, V^ 
Fachverband der Reichstheaterkammer 
gez. Stadeler." 



Die „Reichspressekammer' 
stehendem Erlaß: 



tat ein gleiches mit nach- 



Der Präsident der 
Reichspressekammer 



Geschäftzeichen : 
Dr. Mö./Hn./XII 

Herrn 



A 2 5092 



Berlin W 35, am 27. Aug. 

Viktoriastraße 11. 
Fernsprecher: 22 Ol 88 



1937, 



Einschreiben! 
mit Rückschein! 



Dr. Valentin Mayer 

München 
Potsdamer Str. 5. 

Betr. : Verlag Valentin Höfling, München, Lämmerstraße 1. 

Unter Bezugnahme auf den Erlaß des Herrn Reichsministers des 
Innern vom 25. Mai 1937 schließe ich Sie hiermit auf Grund des § 10-, 
der I. Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes 
vom 1. November 19^3 (RGBl. 1/1933 S. 7971f.) wegen mangelnder 
Zuverlässigkeit und Eignung mit sofortiger Wirkung aus der 
Reichspressekammer aus und untersage Ihnen jede weitere presse- 
mäßige Betätigung. 



Siegel 



Im Auftrage: 



gez. Dr. Richter. 



Als Dritter glaubte auch noch der Präsident der Reichsschrift- 
tumskammer dem Verleger Dr. Val. Mayer einen besonders kräf- 
tigen Fußtritt geben zu müssen, indem er ihn nicht bloß aus der 
Berufsvertretung ausschloß, sondern ihm auch jegliche buchhänd- 
lerische Betätigung untersagte. 

Kreuz und Hakenkreuz 16 233 



Der Präsident dar Berlin W 8, de» 4. September 37 

Reichsschrifttumskammer Friedrichstraße 194/19D 

Fernruf: 113043 u. 113044 
n B 1.2328.BO. 

Einschreiben. 

Herrn 

Dr. Valentin Mayer 

München 
Potsdamer Straße 5 

Der Herr Reichsminister des Innern hat mit dem Erlaß vom 25. Mal 
1937 gemäß dem Gesetz über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen 
Vermögens vom 14. Juli 1933 festgestellt, daß die Druckerei Valentin 
Höfling, München, volks- und staatsfeindliche Bestrebungen verfolgt 
hat. Da dies unter Ihrer Inhaberschaft und Leitung geschehen ist, 
kann ich in Ihrer Person die nach § 10 der Ersten Verordnung zur 
Durchführung des Reichskulturkammergesetzes vom 1. 11. 1933 (EQBl. 
1933 I S. 797) für die Betätigung als Buchhändler erforderliche Zuver- 
lässigkeit nicht mehr als gegeben era%hten. Ich muß Sie deshalb hier- 
durch mit sofortiger Wirkung aus meiner Kammer ausschließen. Da- 
mit verlieren Sie die Befugnis, sich Irgendwie im Zuständigkeitsbereiche 
der Kelchsschrifttumskammer zu betätigen. Im Falle von Zuwiderhand- 
lungen würden Sie Sich der Gefahr von Ordnungsstrafen und polizei- 
lichen Zwangsmaßnahmen auf Grund von § 28 der genannten Verord- 
nung aussetzen. 

Sie wollen unverzüglich der Reichsschrifttumskammer — Gruppe 
Buchhandel — in Leipzig C 1, Gerichtsweg 26 — bestätigenj daß Sie 
jede buchhändlerische Betätigung eingestellt haben. 

In Vertretung: 
Siegel \ gez. Baur. 

Ähnlich wurden zwölf Druckereien und Verlage 
Deutschlands wegen Druck des päpstlichen Rundschreibens 
cntschUdigungslos weggeinommen, so z. B.: 

St.-Otto- Verlag G. m. b. H. in Bamberg, 
Druckerei Metz in Aachen, 
Regensbergsche Buchdruckerei. In Münster, 
Druckerei Emmerich Herzig in Trier, 
Hof rat Jägersche Druckerei in Speyer. 

Die Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Hildesheim 
teilte sehon am 22. Mär2 1037 dem Bischöflichen Öeneralvikariat 
Hiidesheüm mit: 

„Auf Grund der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 
4. Februar 1933, §§ 7 und 9 — in Verbindung mit § 14 P.V.Bl. vom 
1. Juni 1931 (Ges. S. S. 77) ordne ich hiermit die vorläuftge Beschlag- 
nahme und Slcherstellung des von Ihnen herausgegebenen und bei dem 
Verlage Landespost in Hildesheim gedruckten „Kirchlichen Anzeigers 
der Diözese Hildesheim" Nr. 5 vom 17. März 1937 sowie jeder Nach- 
folge- oder Ersatzschrift desselbeh, die däS Rundschreiben des Papstes 
Plus XI. über die Lage der katholischen Kirche im Deutschen Heieh 
bringt, in der gesamten Auflagenhöhe an. 

Die Anordnung erfolgt, weil dieses Rundschreiben mit seinen 
von mangelndem Verständnis für den.natlonalgoala- 

234 



listischen Staat zeugenden Äußerungen Angriffe auf 
die deutsche Staatsführung enthält und geeignet ist, die 
vom Staate bislang gewährleistete Euhe und Ordnung im Deutschen 
Reiche zu stören. 

Gleichzeitig verbiete ich den Druck und die Herausgabe des 
kirchlichen Anzeigers der Diözese Hildeshelm auf die Dauer von 
3 M o n a t e n. 

Ein Verstoß gegen diese Anordnung zieht die gesetzlichen Folgert 
nach sich. 

(Siegel) In Vertretung: 

gez. Söchting." 

Von besonderem Interesse dürfte in dieser polizeilichen Ver- 
fügung die „Inanspruchnahme dör Verordnung des Herrn Reichs- 
präsidenten vom 4. Februar 1933" sein, die mit den Worten beginnt: 

„Auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 der Reidhaverfassung wird zur 
Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Ge- 
waltakte folgendes verordnet." Also der Hl. Vater, der wenig« 
Tage Vorher ein Weltrundsehreltaen gegen den Kommu- 
ni am u» erkäsen hatte, wird von der deutschen Gestapo „kommu- 
nistisch staatsgefährdender Gewaltakte" geziehen. 

Ein zweites Ist in der Polizeimaßnahme besonders auffallend: 
Druck und Herausgabe eines kirchlichen Amtsblattes, das 
dem Diözesanklerus die offiziellen kirchlichen Verordnungen und 
Mitteilungen übermitteln soll, wird auf V4 Jahr verboten I! 

Das war „ungehinderte Veröffentlichung" bi- 
schöflicher Anweisungen, Verordnungen, Hirtenbriefe, 
amtlicher Diözesanblätter, wie sie die Reichsregierung in Artikel 4 
des Reichskonkordates feierlichst zugesagt hatte. 

Das Wort „Fessel n" ist hlefür eigentlich zu schwach, man 
muß es schon Ketten nennen. 

Der Oegensatsi. 

Der Weizen wurde ausgerissen und zertreten oder ins Feuer 
geworfen, das Unkraut aber durfte wild wachsen und sich aus- 
breiten. Wir schauen gleichsam eine Parade der anti- 
christlichen Zeitungs- und Z ei t s c hr if tenf r on t 
des Dritten Reiches in nachfolgendem Verzeichnis der 
Zeitungen und Zeitschriften, di^ damals in München bei Straßen- 
händlern und Zeitungskiosken verkauft wurden (Tageszeitun- 
gen sind dabei nicht aufgeführt). 

I. Politische Schriften: 

1. Braune Post. 

2. Der SA-Mann. 

3. Das Schwarze Körps. 

4. Deutsche Zukunft. 

5. Deutsche Wochenschau. 

6. Berliner Herold. 

1. Neudeutsehe Zeltung. 
8. Sonntag-Morgen-Post. 

235 



IL Antisemitische Schriften: 

1. Der Stürmer. 

2. Der Judenkenner 

3. Der Hammer. 

III. Antichristliche (Neu heidnische) Schriften: 

1. Der Reichswart. 

2. Der völkische Herold. 

3. Der Bhtz. 

4. Die Drehscheibe. (Verlag Fi'iedr. Oberschilg, Bredenbeck üb. Hann.) 

5. Der Durchbruch. (Neue Folge der „Vollendung", früher JVerwolf. 
Verlag Karl Gutbrod, Stuttgart-O, Moserstraße 22.) 

6. Am hl. Quell. 1 

7. Der Brunnen. \ Ludendorlf. 

8. Das Wikingerschiff. ) 

9. Der romfreie Katholik (gegen die katholische Kirche) von Pfarrer 
Rüthwohl, Essen, Bernestraße 1. 

10. Bunte Wochenschau. 

11. Deutsche Volksschöpfung. 

12; Die Flammenzeichen. (Schriftl.: Alfred Miller, völk. Blätter, f. nor- 
disch-germ. Art in Religion und Kultur, Staat und Wirtschaft, gegen 
allen Freradgeist und gegen jede Art Verfälschung. Erscheinen wö- 
chentlich. Verlag: Schwertschmiede, LeonbergrStuttgairt.) 

13. Nordische Zeitung. 

14. Deutsche Freiheit. (Begründet von Dr. Otto Dikas, Augsburg, 
Richtung Ludendorff, Verl, Leonberg-Stuttgart.) 

15. Deutsche Revolution. (Ludendorff- Richtung.) ■ 

16. Deutsches Werden. (Leipzig, Zeitschrift für nordische Kultur.) 

IV. Militärische Schriften: 

1. Der Stahlhelm. 

2. Der Frontsoldat. 

3. Der Frontkrieger. 

4. Der Freiheitskämpfer. 

5. Friderikus. 

V. Astrologische. Schriften: 

1. Weltpolitische Rundschau. 

2. Neues Deutschland. 

3. Der Seher. 

VI, Verschiedene Schriften: 

1. Runenforscher. 

2. Blick in die Zeit. 

3. Kurze Pause. 

4. Der Menschenkenner. 

Zeitschriften, die in Geschäften auf Bestellung 

zu haben sind: 

1. Die Deutsche Volkskirche. 

(Das Geistchristentum, Monatsschrift zur Vollendung der Reforma- 
tion durch Wiederherstellung der reinen Heilandslehre. Herausgeber: 
Dr. phil. nat. Arthur D i n t e r. Verlag: Deutsche Volkskirche, Leipzig 
O 1, Querstraße 5.) ' 

2. D i e R a s s e. 

(Monatsschrift der nordischen Bewegung. Verlag: B. B. Teubner, 
Leipzig C 1, Postschi. 380.) 

236 



8. Der Norden. 

(Monatsschrift der nordischen Gesellschaft. Verlag: Wilhelm Lim- 
pert, Dresden A 1, Marienstraße 16.) 

4. D i e S o n n e. (Nordische Monatshefte). 
Diese Hochflut von christentumsfeindlichen Tages- und Wochen- 
blättern genügte aber der Partei noch nicht. Sie gab auch noch 
eine eigene „Parteiamtliche Wandzeitung" der NSDAP 
heraus und stellte in besonderen Schaukästen zugkräftige und 
pikante Artikel und Bilder aus, besonders solche des „Stürmers". 

Selbst dieMauerngeweihterFriedhöfe 

waren ihr dafür nicht zu heilig; wie nachfolgendes erweist: 

Kath, Pfarramt Vachendorf. Vachendorf, am 29. Juni 1936 

An das 

Hoch würdigste Erzb. Ordinariat in München. 

j,Stürmer"-Kasten • 

Seit kurzem hat die hiesige Parteileitung einen Schriftenkasten 
an der Friedhof mau er am Dorfplatz angebracht, und es sind 
schon beim ersten Male verschiedene Spottbilder darin enthalten. , 
Die Friedhofmauer ist Eigentum der Kirche, und ich 
habe bei der Ortspolizei Einspruch gegen dieses Vorgehen erhoben 
und habe die sofortige Entfernung des Kastens gefordert. Was ist 
weiter zu tun, • wenn die Forderung, wie zu erwarten steht, nicht 
erfüllt wird? Ich bitte ehrfurchtsvollst um entsprechende Weisung. 
Denn ich halte es für alle Fälle richtig, daß dieser Mißbrauch kirch- 
lichen Eigentums nicht geduldet werden kann. 

Ehrfurchtsvollst! 

Joh. Freibergen 

Das Erzb. Ordinariat antwortete: 3. Juli 1936. 

An das 

katholische Pfarramt 

Vachendorf 
P. Bergen, Obb. 2. 
Betreff: „Stürme r". 

Wenn die Friedhofmauer sicher Eigentum der Kirche ist, wie 
es bei kirchlichen Friedhöfen naturgemäß ist, so ist die Rechtslage 
bezüglich der Anbringung eines Zeitungskastens an der Friedhof- 
mauer ganz klar: nur der rector ecclesiae hat zu bestimmen, was 
an der Friedhofmauer angebracht werden darf. 

Darum sollte es unseres Erachtens nur einer bloßen Aufklärung 
über diese Rechtslage bedürfen, um die Parteileitung sofort zur 
Entfernung des Schaukastens zu bringen. 

Falls dies keinen Erfolg hat und auch die' bereits angegangene 
Ortspolizeibehörde nicht eingreift, so möchten wir empfehlen, noch- 
mals schriftlich von der Ortspolizeibehörde die Entfernung wegen 
Eigentumsverletzung unter Angabe einer bestimmten Frist zu for- 
dern und zu bemerken, daß nach Ablauf der Frist das Pfarramt 
selbst für die Wahrung des Eigentumsrechtes der Kirche Sorge 
tragen wird. Die Entfernung könnte dann am besten durch den 
Kirchenpfleger in Beisein eines Schutzmanns geschehen. 

Schließlich dürfte die Parteileitung auch darauf hingewiesen 
werden, daß nicht nur kirchliche Kreise und viele Ortsbewohner, 
sondern auch Fremde die Anbringung des „Stürmers" an der Fried- 

237 



hofmauer für geschmacklos und wenig ehrenvoll für die Partei 
halten. Wir möchten meinen, daß man es nicht für zu schwer 
halten sollte, den Bürgermeister und die Mehrheit der Bevölkerung 
für diesen Standpunkt zw gewinnen und so auf friedlichem Wege 
die Frage zu lösen. 

Streichers Pornographie hielt man für so wertvoll zur iKinder- 
erziehung, daß man jseinen „Stürmer" sogar am Schulhaua 
zur Schau stellte. Erweis hiefür: 

Kath. Pfarramt Weildorf, den 21. Februar 1937. 

Weildorf, Post Straß 
bei Teisendorf. 

An das Hochwürdigste Erzbischöfliche Ordinariat 

München-Freising. 

Betreff: Errichtung eines Stürmerkastens am Schulhaus, 

Die Gemeinde Weildorf hat im November 1936 einen neuen 
Bürgermeister erhalten, erst 35 Jahre alt, aber ganz national- 
sozialistisch eingestellt. Seine Hauptaufgabe besteht 
darin, das schwarze Welldorf braun zu färben. 

Zu diesem Zwecke fand vor acht Tagen durch den K r e i g « 
leiter Kämmerer von Laufen die feierliche „Ein- 
weihung" eines Stürmerkastens statt. Der Kasten 
befindet sich am Schulhaus, ganz nahe beim Ein- 
gang, so daß alle Schulkinder, auch die von der Portbildungs- 
schule, an demselben vorbeigehen müssen. Unsere guten Eltern 
sind darob in großer Sorge und bitten den Unterzeichneten, doch 
alles zu versuchen, daß der Stürmerkasten wenigstens vom Schul- 
haus entfernt wird. 

Der recht gut gesinnte Lehrer von Weildorf teilte dem Unter- 
zeichneten mit,- daß eine eigene Bestimmung das Anschlagen unge- 
eigneter Schriften und Bilder am Schulhaus verbietet. Aber eine 
Eingabe an den Bezirksschulrat Laufen wird nichts helfen, weil 
Herr Bezirksschulrat selbst bei der Feier in Weildorf anwesend war. 

Der Unterzeichnete bittet die oberhirtliche Stelle um gütige 
Angabe von Verhaltungsmaßregeln in dieser schwierigen Lage, ob 
eine Entfernung erreichbar ist und an welche Behörde sich die Eltern 
wenden sollen. 

Einem Hochwürdigsten Ordinariate gehorsamster 

Josef Schönberger, Pfarrer. 

Wahrlich, vi^er so mit „Stürmer" Sturm sät, kann nur Sturm ernten! 

8. Fesseln für die wirtschaftliche Entwicklung der Kirche. 

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt" hat der Gründer der 
katholischen Kirche in feierlichem Augenblick gesagt (Jo. 18,36). 
Aber Gottes Reich ist in dieser Welt. Darum braucht sie auch 
Luft und Boden in dieser Welt, um sich entwickeln zu können. Die 
Kirche Gottes ist nicht etwas rein Pneumatisches und Übernatür- 
liches, sondern etwas Sichtbares und Organisches. Wie ihr Gründer 
selbst nicht aller irdischen Mittel entbehren konnte (vgl, Joh. 12,6), 
so kann auch die Kirche nicht auf alle materiellen Grundlagen ver- 
zichten. 

238 



Umgekehrt wollte der Nationalsozialismus die Kirche gerade 
auch hierin empfindlich treffen, sie wirtschaftlich geradezu er- 
drosseln. Rosenberg sagte auf der Reichskulturtagung 1938 unter 
anderem: „Wir haben noch ein Druckmittel, und das ist die f i n a n - 
z i e 1,1 e Seite. Wir werden hier behutsam, aber desto syste- 
matischer vorgehen, um dem nicht zu gewinnenden Klerus die 
flnanzielle Ader zu durchschneiden," 

In den Geheimanweisungen des Reichssicherheitsdienstes vom 
15. Februar 1938 heißt es: „Da ein großer Teil der Kampfmöglich- 
keiten der Kirche einzig und allein auf ihren unbeschränkten 
finanziellen Mitteln beruht, sind gerade hier große 
Möglichkeiten zur Eindämmung des kirchlichen 
Kampfes gegebe n." 

Diese Möglichkeiten wurden von Anfang an reichlichst aus- 
genützt. 

Zunächst wurde der Großteil aller staatlichen Zu- 
schüsse für die Kirche gestrichen, obwohl diese letzten Endes 
nur einen geringen Ausgleich für den staatlichen 
Raub des umfangreichen Kircheneigentums durch die Säku- 
larisation zu Anfang des 19. Jahrhunderts darstellten. 

Dem Beispiel des Staates folgend, stellten alsbald auch viele 
Stadt- und Landgemeinden ihre althergebrachten Zu- 
wendungen an die Ortskirchen ein oder lösten sie eigenmächtig 
mit geringen Geldbeträgen ein für , allemal ab. In der Erzdiözese 
Freifeurg wurde dieser Ausfall kirchlichen Einkommens auf jähr- 
lich etwa 350 000 bis 400 000 Mark geschätzt. 

Nach ein paar Jahren stellte der Staat auch die Einziehung 
der Kirchensteuer durch die staatlichen Finanzämter und 
bald auch jene auf dem Wege des Lohnabzuges ein, obwohl Hitler 
und Goebbels in ihren Reden gar oft diese staatliche,, von der 
Kirche bezahlte Arbeitsbeihilfe geradezu als einen wesent- 
lichen Teil der staatlichen Finanzleistungen für die 
Kirche behandelten und so riesige Zahlen zusammenbrachten als 
Beweis für den Edelmut der nationalsozialistischen Regierung, die 
trotz aller feindlichen Einstellung von Kirche und Klerus soviel 
für sie- gäbe. Natürlich wurde auch in nationalsozialistischen Ver- 
sammlungen und Zeitungen entsprechend gegen die Kirchen- 
steuer gehetzt und damit, genau wie einst von den Kom- 
munisten, der Kirchenaustritt' zu fördern gesucht. Die 
„höchsten Herrschaften" ließen sich im übrigen von der rück- 
ständigen und laufenden Kirchensteuer befreien, indem sie sich 
gleich dem „Führer" selbst Steuerfreiheit zuerkennen ließen. 

Dann schränkte der Staat durch das 

Sammlungsgesetz 

vom 5. November 1934 die freiwilligen Gaben für Kirchen 
und kirchliche Wohltätigkeitszwecke sehr ein. Selbstverständlich 

239 



'war sein Wortlaut allgemein, richtete sich aber praktisch fn 
erster Linie gegen die von kirchlicher Seite außerhalb des 
gottesdienstlichen Raumes veranstalteten Kollekten. Es besagte: 
„Jede öffentliche Sammlung von Geld oder Sachspenden, jede 
öffentliche Werbung von Vereinsmitgliedern, jede öffentliche ge- 
meinnützige oder mildtätige Veranstaltung, jeder öffentliche Waren- 
versand für gemeinnützige Zwecke bedarf einer eigenen Genehmi- 
gung." 

„Als nicht öffentliche und darum nicht genehmigungspflichtige 
Summlungen wurden lediglich diejenigen anerkannt, die sich bloß 
an einen nach außen abgegrenzten, unter sich 
durch persönliche Beziehungen verbundenen 
kleinen Personenkreis wenden zum Versand von Bitt- 
briefen an einzelne persönliche Bekannte des Pfarrers oder an 
solche, die bisher schon in der Regel für gewisse Pfarrzwecke etwas 
gaben, z. B. Erstkommunikantenausstattung." 

Ein Nachtrag vom 5. April 1937 machte noch miehr Einschrän- 
kungen, ließ Sammlungen außerhalb der Kirche nur noch frei, 
„wenn sie nur innerhalb eines begrenzten, zahlenmäßig kleinen 
Personenkreises durchgeführt werden, dessen Mitglieder in 
e i n e m näheren, eigenbewußten, inneren Zu- 
sammenhang zueinander stehen und wenn auch 
der Veranstalter zu diesem Personenkreis ge- 
hört." 

Jedes neuhinzugefügte Wort bedeutete eine neue Fußangel für 
Pfarrer, die für diese und jene kirchliche oder karitative Zwecke 
Mittel sammeln wollten. Zum Beispiel wurde es schon als eine 
„Sammlung außerhalb der Kirche" betrachtet, wenn in 
einem Gottesdienst eine Missionspredigt gehalten und dabei zum 
Beitritt in das „Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung" auf- 
gefordert und Beitrittsformulare verteilt würden, die dann erst 
außerhalb der Kirche ausgefüllt und abgegeben werden 
sollten. Eine nichtgenehmigungspflichtige Sammlung galt in diesem 
Falle nur als gegeben, wenn die Anmeldezettel noch in der 
Kirche ausgefüllt und abgegeben wurden!! 

Wollte etwa der Pfarrer einer Großstadtpfarrei durch einen 
Brief oder durch die Pfarrschwester alle Angehörigen seiner Pfar- 
lei zu einer Spende für die Erstkommunikanten auffordern, so war 
dies eine verbotene Sammlung, weil der Personenkreis nicht klein, 
nicht in- einem eigenbewußten, inneren Zusammenhang stand, viel- 
leicht auch nicht jeder Pfarrangehörige dem Pfarrer persönlich 
bekannt war. 

Selbst Fesselung der eigentlichen Kirchen- 
kollekten! 

Am 9. Juni 1937 kam eine neue Einschränkung, die schon in 
den innerkirchlichen Raum eingriff. Ein gemeinsamer 

240 



Runderlaß des Reichsministeriums des Innern und des „Reichs- 
minisleriums für die kirchlichen Angelegenheiten" bestimmte: 

, „1. Aus gegebener Veranlassung weisen wir darauf hin, daß nur 
diejenigen Kirchenkollekten, die nach Maßgabe der von den ordent- 
lichen vorgeordneten Kirchenbehörden aufgestellten Kol- 
lektenplänen in den regelmäßigen Gottesdiensten ver- 
anstaltet werden» als genehmigungsfreie Sammlungen im Sinne 
des § 15 Ziifer 4 des Sammlungsgesetzes anzusehen sind. Ebenfalls 
fallen unter das Verbot des Sammlungsgesetzes alle Kollekten, die 
in Sonderg ottesdiensten veranstaltet werden. 

2. Künftighin werden nach Maßgabe der §§ 13 und 14 des 
Sammlungsgesetzes nicht rechtmäßige Kirchenkollekten strafrecht- 
lich verfolgt und die Kollektenerträge eingezogen . . ." 

Demgemäß waren nur noch jene kirchliche Kollekten staat- 
licherseits genehmigungsfrei, welche entweder von der oberhirt- 
lichen Stelle oder von den Kirchen- und Seelsorgvorständen amt- 
lich angeordnet und bei den ordentlichen Gottesdiensten in 
Kirchen und kirchlichen Versammlungsräumen für kirchliche 
Zwecke gehalten wurden. Wollte also beispielsweise ein kirchlicher 
Missionsverein bei einer außerordentlichen Missionsfeier in der 
Kirche eine Sammlung für die Missionen halten, so konnten schon 
Schwierigkeiten entstehen. 

Frauenhilf s werk für Priest er b erufe beraubt 

und verboten 

Irgendeine kleine Verfiehlung einer Ortsgruppe oder ihrer Kas- 
sierin gegen das „Sammlungsgesetz" genügte, um einem katho- 
lischen Verein, auch einem rein religiösen, das Todesurteil zu brin- 
gen. Ein Beispiel dafür ist das „Frauenhilfswerk für Priester- 
berufe", das mit Gebet und Opfer die Heranbildung neuer Priester 
fördern wollte, freilich auch des großen Verbrechens schuldig be- 
funden wurde, einen Namen zu haben; der dem nationalsozialisti- 
schen „Frauenwerk" ähnelte und darum Anlaß zu Verwechslungen 
geben konnte. Er mußte darum verschwinden. Und Himmler fand 
im „Sammlungsgesetz" das Henkerbeil und schlug los: 

„Geheime Staatspolizei München, den 11. September 1939 

Staatspolizeileitstelle München 

. B.Nr. 35676/39 II/B/pf. 

Beschluß. 
I. 

Auf Grund § 1 des Gesetzes vom 26. Mai 1933 (RGBl. I S. 293) in 

A Verbindung mit dem Gesetz über die Einziehung volks- und staats- 
feindlichen Vermögens vom 14. Juli 1933 (RGBl. I S. 479) und der Min. 
Bek. vom 8. November 1938 Nr. IV 2894 wird mit Erlaß des Reichs- 
führers SS and Chefs der Deutschen Polizei im Reichsministerium des 
Innern vom 14. August 1939 Nr. 1095/39 das „Frauenhilfswerk für Prie- 
sterberufe e. V.'" einschließlich aller Untergliederungen und Neben- 

241 



gliederungen aufgelöst und das beschlagnahmte Vermögen zu Gunsten 
des Landes Bayern eingezogen, 

II. 

Gründe; 

Der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei Im Reichs- 
ministerium des Innern hat mit Erlaß vpm 14. August 1939 —S— PP(IIB) 
1095/39 auf Grund des Gesetzes vom 14. Juli 1939 über die Einziehung 
Volks- und staatsfeindlichen Vermögens festgestellt, daß zahlreiche Orts- 
gruppen des „Frauenhilfswerkes für Priesterberufe" gegen die geltenden 
Bestimmungen des Sammlungsgesetzes verstoßen haben. Es war daher 
zu entscheiden wie geschehen. 

Gegen den Beschluß ist ein Rechtsmittel nicht zulSssig. 

I.A. gez. Schimmel 
Für die Richtigkeit: 
gez. Unterschrift. 
Po. Sektr." 

Da und dort sah die Gestapo sogar in dem ortsüliDlichen Zu- 
sammensteuern von unter sich bekannten Pfarrangehörigen oder 
einzelner Stände für die gemeinsame Bestellung eines Engel- 
amtes im Advent eine verbotene Sammlung und beschlagnahmte 
die gesammelten Gelder, die doch letzten Endes Meßstipendien 
waren. 

Natürlich vi^are» die üblichen Haussammlungen der 
Bettelorden vom Nationalsozialismus nicht mehr gestattet. 
Ebenso waren alle Sachsammlungen in Kirchen» wie sie 
gerade in der letzten Zeit besonders auf Bauerndörfern sehr beliebt 
geworden waren, beinahe überall unterbunden. Wie sehr das ge- 
samte kirchliche Sammlungswesen überwacht und gesiebt werden 
soljlte, zeigt nachfolgender Erlaß des Reichskirchenministeriums: 

„Betreff: Staatliche Nachforschung über Kirchen- 
sammlungen. 
Nach mir zugegangenen Berichten wurden in den Kirchen, ins- 
besonders in den katholischen Kirchen, seit einiger Zeit, namentlich 
seit Herbst des vergangenen Jahres, Sammlungen aus verschiedenen 
Anlässen in großem Ausmaße veranstaltet. 

Es ist deshalb zu prüfen, ob , die Sammlungen die öffentlichen 
Sammlungen im Interesse der Wohlfahrtspflege schädigen; auch sollen 
auf diese Weise Edelmetalle der deutschen Volkswirtschaft entzogen 
werden. • 

Solche Sammlungen sollen stattfinden einmal zur Befriedigung 
besonderer kirchlicher Bedürfnisse, wie Kirchenbau, Kapellenbau, 
Kirchturmbauten, Anschaffung von Glocken, von Paramenten der eigenen 
Kirchengemeinde oder auch fremder Gemeinden. 

Ferner sollen solche Sammlungen erfolgen aus besonderen 
Anlässen, wie zur Bekleidung von armen Kommunionkindern oder 
zur Bereitstellung von Festen wie Fronleichnamsprozessionen und dgl. 

Vielfach sollen die Sammlungen auch regelmäßig stattfinden, 
wie an jedem Sonntag und am ersten Freitag des Monats; auch soll ein 
Opfergang während der Messe eingeführt sein. 

Die Sammlungen sollen sich teilweise auf Geldspenden beschränken, 
darüber hinaus sollen sie sich vielfach aber auch auf Lebensmittel, ins- 
besondere Fleisch und Eier, und auf Kldider erstrecken. Zumeist sollen 

242 



cf 



Körbe in den Kirchen aufgestellt sein, worin die Gaben von den Spen- 
dern gelegt werden. Die Spenden sollen regelmäßig für bedürftige 
Mitglieder der Kirchengemeinde bestimmt sein, Es ist aber 
auch vorgeliommen, daß eine Eier-, Butter- und Specksammlung für ein 
kirchUches Krankenhaus stattgefunden hat. 

Darüber hinaus haben OeistliQhe in fremden Gemeinden für die 
Bedürfnisse ihrer Gemeinden gepredigt und gesammelt, 

Metallsammlungen aollen insbesonders zur Beschaffung von 
Kelchen veranstaltet worden sein. 

Auf solche Sammlungen ist vielfach durch Anhänge in der Kirche 
und durch Aufrufe im Kirehenblatt hingewiesen worden. 

Ich ersuche ergebenat um Bericht über den Umfang und den Erfolg 
der Sammlungen 'in Ihrem Bezirk, insbesonders auch darüber, inwie- 
weit diese Herkommen und Brauch überschreiten vind ob sie den öffent- 
lichen Sammlungen Abbruch tun.*' 

Die beliebteste Straßensammlung abgeschafft! 

Die behördlich -genehmigte und beim Volk außerordentlich 
beliebte Straßensammlung zugunsten der katholischen Caritas, von 
wirklich freiwilligen Caritashelfern durchgeführt, wurde 
wiederholt gewaltsam gestört; ihre opferwilligen Saniml^r und 
Sammlerinnen wurden sogar vielfach geschlagen. Ab 1937 wurde 
sie überhaupt untersagt, ein Ausfall von Millionen I Als Ausgleich 
wurde dem Caritasverband ganz Deutschlands vom Winterhilfs- 
werk ein Jahresbeitrag von 600 QOO Mark gegeben, im nächsten 
Jahr viel weniger, bald überhaupt nichts mehr! 

Selbst die Rechtsfähigkeit 

und danait, den Besitz von Grund und Häusern wollte man r e 1 i -^ 
g i ö s e n Vereinen nehmen. 

Durch eine Entscheidung des bayerischen Verwaltungsgerichts- 
hofes vom 5. Februar 1934 Nr. 2 I 34 (Reichsverwaltungsblatt 1935 
Nr. 4 Seite 81) wurde in Frage gestellt, ob religiöse Vereine 
auch weiterhin einen Rechtsanspruch auf Erwerb der Rechtsfähig- 
keit (als eingetragener Verein) hätten, wie dies Artikel 124 Abs. 2 
der Reichsverfassung unter Aufhebung der im § 61 des BGB. vor- 
gesehenen Bestimmung festlegte; denn „der hiernach begründete 
Rechtsanspi-uch eines religiöse Zwecke verfolgenden Vereins auf 
Erwerb der Rechtsfähigkeit ist durch die mit der nationalsozialisti- 
schen Revolution eingeleitete und gegenwärtig noch im Gange be- 
findliche Umgestaltung des Verfassungsrechtes hinfällig geworden. 

§ 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von 
Volk und Staat vom 28. Februar 1933, die auf Grund des Art. 48, 
Abs. 2, der RVerf. erlassen wurde, hat den Art. 124 RVerf. bis auf 
weiteres außer Kraft gesetzt und Beschränkungen des Vereins- 
rechtes auch außerhalb der sonst hierfür bestimmten gesetzlichen 
Grenzen für zulässig erklärt. Diese Verordnung hat die in der 
Reichsverfassüng und im Bürgerlichen Gesetzbuche aufgerichteten 
Schranken, die von der Verwaltungsbehörde bei der Handhabung 

243 



der Vereinspolizei zu beachten waren, beseitigt. Ein Rechts- 
anspruch auf die Erlangung der Rechtsfähigkeit 
steht einem Verein, der religiöse Zweckever- 
folgt, nach dem gegenwärtig geltenden Rechte 
n i c h t m e h r z u; ob seine Eintragung in das Vereinsregister durch 
Einspruch erhebung zu verhindern ist, hat die Verwaltungsbehörde 
nach ihrem freien pflichtmäßigen Ermessen zu beurteilen." 

Auch die Steuerfreiheit vieler kirchlicher 
Vereine, z. B. auch des „Päpstlichen Werkes der Glaubens- 
verbreitung" (Franziskus-Xaverius- Verein, Ludwig-Missions- Verein), 
wurde aufgehoben, indem man ihnen, wie den Orden, die Ge- 
meinnützigkeit und Wohltätigkeit absprach. So mußte 
der Xaverius-Verein 2 Millionen Mark Steuern nachzahlen, der 
Ludwig-Missions- Verein über 100 000 Mark. 

Um letztwilligeVerfügungen (Testamente) zugunsten 
der Kirche oder für katholische Orden und religiöse Wohltätig- 
keitsanstalten einzuschränken, evtl. für ungültig erklären zu können, 
wurde in das Erbschaftssteuergesetz Artikel 48 § 2 eingefügt mit 
dem Wortlaut: 

„Eine testamentarische Bestimmung ist nich- 
tig, wenn sie sich in irgendwelcher Weise in Gegen- 
satz setzt mit dem gesunden Volks empfinden und 
der Achtung, die ein Testator vor der Familien- 
und Volksgemeinschaft haben mu ß." 

Eine Gewaltmaßnahme war auch das Verbot, daß die so- 
genannte .„T 1 e Hand" — so nannte man mit einem alten 
billigen Schlagwort die Kirche, die doch für alle Hilfswerke eine 
offene Hand hat — noch Örund und Boden erwerbe, und sei 
es auch so viel, um für eine Neusiedelung eine neue Kirche zu 
bauen. Ja, es wurde sogar öfters der Baugrund, der für künftige 
Kirchen schon vorhanden war, wieder enteignet. Durch solche Aus- 
nahmegesetze sollte der Bau von Kirchen von vornherein unmög- 
lich gemacht werden. (Kardinal Faulhaber in Silvesterpredigt 1941.) 

Wie sorgfältig man im ganzen Deutschen Eeich jeden entgeltlichen 
oder unentgeltlichen Grunderwerb der Kirche verfolgen und verhindern 
wollte, zeigt nachfolgender Erlaß: 

Abschrift. 

Der Reichsminister des Innern Berlin, den 29. Februar 1940 

VI c 7066/40 NW 40, Königsplatz 6. 

Grundstücke. 

Sofort! 

Betrifft: Statistik des Rechtserwerbes juristischer Personen. 

Zur Vorbereitung einer reichsrechtlichen Rege- 
lung'der Beschränkungen des Rech t s er wer bes juri- 
stischer Person en (zu vgl. Art. 88 EG., zum RGB.) sollen zunächst 
statistische Erhebungen über diesen Rechtserwerb angestellt werdea 

244 



Die Statistik wird vom Statistischen Reichsamt in Berlin C 2, Neue 
Königstraße 27—37, durchgeführt. 

Anbei übersende ich ergebenst Vordrucke von Zählkarten, die für 
Jeden einzeihen ' Rechtser wer bungs Vorgang ausgefüllt 
dem Statistischen Reichsamt zu übersenden sind. Diese Benachrichti- 
gungen obliegen den Regierungspräsidenten, beim Fehlen dieser Behörde 
der obersten Landesbehörde, in der Ostmark den Reichsstatthaltern (bis 
zu deren Einsetzung den Landeshauptmännern). 

Der Vordruck 1 bezieht sich auf den entgeltlichen Er- 
werb von Grundstücken, der Vordruck 2 auf den Erwerb auf Grund 
einer Schenkung oder von Todes wegen, im letzteren Falle 
einerlei, ob es sich um bewegliche oder unbewegliche Sachen 
handelt. Während hinsichtlich der beweglichen Sachen (Geld usw.) nur 
die der Genehmigungserfordernis unterliegenden oder sonstwie' zur 
behördlichen Kenntnis gelangenden Rechtsvorgänge erfaßbar sind, ist 
bei den Grundstücken die vollständige Erfassung dadurch gegeben, daß 
auf Anordnung des Herrn Reichsministers der Justiz vom 13. Februar 
1940 —341— IV— b- 195 (Deutsche Justiz S. 211) — die Grundbuchämter 
(Grundbuchsgerichte) den für die Ausfüllung der Zählkarten 

an 

a) die Landesregierungen 

(für Preußen: die Regierungspräsidenten, 
den Polizeipräsidenten in Berlin), 

b) die Herren Landeshauptmänner in der Ostmark 

(für Wien: Reichskommissar — Staatl. Verwaltung des Reichs- 
gaues Wien — ), 

c) den Herrn Reichskommissar für das Saarland 
in Zweibrücken, 

d) den Herrn Reichsstatthalter im Sudetengau 
. in Reichenberg 

zuständigen Behörden über jeden nach dem 29. Februar d. J. grund- 
buchlich zu behandelnden Fall schriftlich Anzeige zu erstatten 
haben. 

Von der statistischen Erhebung ist ausgenommen der Rechtserwerb 
der öffentlichen Gebietskörperschaften. c 

Für die Erhebung gilt als Arifahgszeitpunkt der 1. März d. J. 

Die benötigten Zählkartenvordrucke 1 und 2 sind nach Bedarf beim 
Statistischen Reichsamt anzufordern. 

Im Auftrag 

Unterschrift: unleserlich. 

Vordruckl 
Statistik des Rechtserwerbs "juristischer Personen 

Zählkarte Nr 

Er wer b, von Grund stücken durch juristische Personen. 

a) durch die evang. Kirche oder eine evang.-kirchl. Vereinigung*) 

b) durch die katholische Kirche oder eine kath.-kirchl. Vereinigung 
(Orden usw.)*) 

c) durch eine sonstige juristische Person*). 

1. Land (Reichsgau): ; r ^ '. a , i . i s vi : : . i ^ . . 

2.' Regierungsbezirk- s i. , t i_ . i ;• l . « . » ■ 

245 



3. Des Erwerbers 

a) Name: . . . j 4 s 

b) Wohnsitz: ^ -. 



4. Des Veräußerers: 

a) Name: i t a t t . i .,...-. n . i 

b) Beruf: .....,...,..» 

c) Wohnsitz; . i . .«...« 

5. Bezeichnung des übereigneten Grundstückes:*) 

a) ungeteiltem Grundstück mit — ohne Gebäude, mit — ohne Inventar 

b) Teilstück mit •— ohne Gebäude, mit — ohne Inventar 

Acker — Wiese — Weide — Wald — Wasserflächen — Unland — 

• • * • . . » i N . i 

6. Lage des Grundstückes: 

Grundbuchamt (Grundbuchßerlcht): * . . Band . , . Blatt . * s 

7. Grundstückgröße ...... ha a qm ..... 

8. Einheitswert für 19 . . . (soweit bekannt) . . . RM. ,,,,.,, 

9. Erwerbspreis: . . . i • « « EM. • 4 b % « . < 

10. Genehmigung: erforderlich ja — nein*) 

erteilt am: .....««. versagt am: <«....... 

11. Beschränkung der Genehmigung (Auflage): s .....*.. .^ • 

. i 

, . . i k » . ' i> i 

12. Grund der Teilgenehmigung: . ^ i . . « « . « . ^ . . . . 1 

. ......... ..i«i<-«jit. •..<■.. 

13. Bemerkungen (z. B. Grundstückstauäch): < s •..«.«.. » 



•) Zutreffende! unteratrelehen« 

.....i.#>i Qen ..t..iti 

(Unterschrift) • 

Einzusenden an: Statistisches Reichsamt 
Abt. VI, Allg. Wirtschaftsstatistik 8530 
Berlin C 2 
Neue Könlgstr. 27^37 

Abschrift. Vordruck 2 

Stätistikdes Rechtserwerbs juristischer Personen 

Zählkarte Nr 

ZuwendungenanjuriitiBchePersonen. 

a) an die evang. iCirehe oder ein© evang.-kirehl, Vereinigung*) 

b) an die katholische Kirche oder eine kath.-kirchl. Vereinigung 
(Orden usw.)*) 

c) an eine jüdische iCultvirvereinlgUng oder eine jüdisch-religiöse Ge- 
meinschaft*) 

248 



d) an eine sonstige Juristische Person*). 

1. Land (Reichsgau): «««Bi« 

2. Regierungsbezirk: .,<'•«. ^ . u .. v ..».»•••• • 

3. Des Gebers 

a) Name: •« ti »• n t « t a »««.-«.;.••.•• • 

b) Beruf: 

c) Wohnsitz: « t; . t • . ^ . . . . 

4. Des Empfängers 

a) Name: ....... v ..-.:........... « 

b) Wohnsitz: 

5. Zuwendungen von Geld, sonatigen beweglichen Sachen (genaue An- 
gaben): 

6. Zuwendung von Grundstücken*): 

a) ungeteiltes Grundstück mit — ohne Gebäude, mit — ohne Inventar 

b) Teilstück mit — ■ ohne Gebäude, mit — ohne Inventar. 

Acker — Wiese — Weide — Wald — Wasserflächen — Unland — ^ 

c) Grundbuchamt (Grundbuchgericht): « . . Band .... Blatt .... 

d) Grundstückgröße: ha ...... a ..... . qm 

7. Wert der Zuwendungen: .!...-.... EM. . ;. 

8. Genehmigung: erforderlich ja — nein*) 

erteilt am: . s s s . . -. . . versagt am: j « ; b s . . . . 

d. Beschränkung der Genehmigung (Auflage): «»»,.$».... 

10. Grund der Teilgenehmigung: • . t. ,i . y e « i . » ^ . . . . 



*) Zutreffendes unterstreichen. 



. . . . . 8 . . ., den 

(Unterschrift) 
Einzusenden an: Statistischeg Reichsamt 
Abt. VI, AUg. Wirtgchaftsetatlstik 8B30 
Berlin C 2 
Neue KönigBtr. 27—37 

Das behutsame, aber desto systematischere Vorgehen, um 
„dem nicht zu gewinnenden Klerus die finanzielle 
Ader zu durchschneiden"» schritt schließlieh von der 
Drosselung der kirchlichen Einnahmen immer mehr zum bru- 
talen Raub kirchliche n Vermögens: 

Wie schon gezeigt, wurde den meisten kirchlichen Vereinen 
ihr bewegliches und unbewegliches Eigentum konfisziert. Viele 
katholische Klöster und caritative Anstalten wurden enteignet (ab- 
gesehen davon, daß beiden schon länger vorher immer mehr Be- 
schäftigung und Einkommen genommen wurde). 

Katholische Presseinstitutionen, Druckereien, Verlagsflrmen 
und Buchhandlungen Wurden durch die steigenden Verbote und 
Beschlagnahme katholischer Bücher oder Verhinderung fast aller 

247 



Neuerscheinungen auch rein finanziell schwerstens geschädigt, viel- 
fach auch ganz weggenommen. 

Bez. Klosterraub siehe vorausgehendes Kapitel! 

Kirchliche Grundstücke wurden im Bedarfsfall ohne viel Feder- 
lesens weggenommenj z. B. der Kirchenstiftung von Reichersbeuern 
und dem Kloster Reutberg zur Entschädigung der Bauern, die 
Grundstücke hatten abgeben müssen für den Bau der NS- Junker- 
schule in Bad Tölz; ebenso der Kirchenstiftung Germering für den 
Bau eines „Forschungsinstitutes", dem St.-Josefs-Haus in Percha 
(Oberbayern) zur Vergrößerung des städtischen, von Christian 
Weber gepachteten Gutes Buchhof. 

„Ein Mann fiel unter die Räuber; die plün- 
derten ihn aus." (Lk. 10,30.) 

C. Antichrist ohne Fesseln. 

Heinrich Heine schrieb in der zweiten Vorrede seiner Schrift 
über „Religion und Philosophie in Deutschland" im Jahre 1852 
„von der Schlange, der kleinen Privatdozentin, die schon 6000 Jahre 
vor Hegels Geburt die ganze Hegeische Philosophie vortrug" mit 
den Worten: „Wenn ihr vom Baum der Erkenntnis genossen, werdet 
Ihr wie Gott sei n," 

Und am Schluß dieser Schrift sagt er: „Das Christentum — und 
das ist sein schönstes Verdienst — hat jene brutale germanische 
Kampflust einigermaßen besänftigt, konnte sie jedoch nicht 
zerstören. Und wenn einst der zähmende Talisman, das Kreuz, 
zerbricht, dann rasselt wieder empor die Wildheit der alten 
Kämpfer, die unsinnige Berserkerwut, wovon die nor- 
dischen Dichter so viel singen und sagen. Die alten steinernen 
Götter erheben sich dann aus dem verschollenen Schutt und 
reiben sich den tausendjährigen Staub aus den Augen, und Thor 
mit dem Riesenhammer springt endlich empor und zerschlägt die 
gotischen Dome." 

Mit der Herrschaft und dem Geist des Nationalsozialismus 
wurde dieses Heinewort traurige Wahrheit. Menschen dünkten und 
gebärdeten sich wie Götter oder verehrten andere wie Götter 
und gehorchten ihnen wie Göttern. 

Und „die Wildheit der alten Kämpfer" rasselte empor 
„mit dämonischen Kräften" und verübte Grausamkeiten und Ver- 
brechen, für die die Worte „Berserkerwut" und „barbarisch" noch 
viel zu gering sind. 

Thor, der altgermanische Kriegsgott, sprang empor mit seinem 
heidnischen Göttergefolge und schlug um sich mit seinem Riesen- 
hammer, bedrohte die ganze Welt, erschlug ungezählte Menschen, 
zerschlug unersetzliche Kulturgüter und schwang in wildem Gottes- 
haß den Riesenhammer auch gegen das Kreuz. 

„Viele Antichristen traten auf" (1. Jo. 2,18). 

24P 



1. Antichrists Wüten gegen das Christentum. 

„Das Schwarze Korps" vom 8. April 1937 brachte ein großes 
Bild mit dem Titel: 

„Gott schuf den Menschen nach seinem Gleichnis." 
Teufel und Priester reichen sich die Hände mit den Worten: 
„Wir sind gut e Freunde. Wir braucheneinan der." 
Da ist es zu wenig, zu sagen: „Sie spottetenihrerselbst 
und wissen nicht, wie!" Da paßt eher das Wort: „Sie bezich- 
tigten sich selbst und wissen nicht, wi e." 

Nicht Teufel und Priester, sondern Satanund National- 
sozialismus standen im Bunde miteinander: 

Satanisch war des Nationalsozialismus' Haß gegen das 
Christentum ur^d alles Heilige. 

Satanisch ; waren des Nationalsozialismus' Verlogenheit 
undÜberhebung! 

Satanisch waren des Nationalsozialismus' Kampf- und 
Werb e w.eis e ! 

Satanisch waren des Nationalsozialismus' Gewalttätig- 
keit und Grausamkeit! 

Satanisch waren schließlich auch des Nationalsozialismus* 
Sturz und Ende! 

A. Abschied dem alten Gott! 
Es lebe der Heidengott, der deutsche Gott! 

Die ganze Glut des nationalsozialistischen Hasses gegen 
Gott, Gottes Wort, Gottes Sohn, Christentum, 
Kreuz, Kirch eundPriestertum sprüht uns entgegen aus 
dem nachfolgenden Gedicht von G. Sebecker in „Freiheitsflammen, 
Verse und Sprüche für deutsche Heiden": 

Wem das Hakenkreuz ins Herz gebrannt. 
Der haßt all' andern Kreuze! 
Wer« sich in seinem Volk erkannt, 
Der lachet der Erlöserkäuze! 

Sonntag ist's 

Ich sehe viele Deutsche hin zum Kreuze kriechen 
Und die dumpfen Hallen der Kirchen füllen. 
Wir freien Deutschen hassen diese Seelenkerker! 
Mehr noch hassen wir die Priesterhünde, 
die das Bibelgift ins Herz des Volkes gießen. 
Schlagt sie tot! Die schwarzen Hunde, 

die die Seele unseres Volkes schänden 

Schlagt sie tot! Die Seelenmörder, 

die das Erbbild unseres Volkes töten. — 

Hütet euch vor dem, der da spricht: 
„Wer mir will nachfolgen, der verleugne sich selbst!" 
Denn was der Nazarener will, ist unser Untergang, 
Unser Verderben ... 

249 



Priesterhunde heulen durch Österreichs Straßen. 

Sie zerren, was Deutsch ist, in ihre schmutzigen Gassen, 

Sie jagen, was Deutsch ist, hinein in die Arme des völkischen Todes, 

Sie töten, was Deutsch ist, zur Ehre des jüdischen Gottes. 

Fluch über Rom! 

Weh dir, du schwarzer Orden, Weh dir, Weh! 

Deine Liebe ist das Morden, Weh dir, Weh! 

Dein listiger, feiger Mordbrand 

verwüstete das Nordland! 

Weh dir, du schwarzer Orden, Weh dir, Weh! 

Die Rache kommt aus Norden! Weh dir, Weh! 

Die „Baseler Nationalzeitung" bemerkt nach „Reichspost" vom 
18. März 1937 zu diesem Haßerzeugnis: 

„Im Volke eines Goethe und Schiller kann derlei Schund als Ge- 
dicht gedruckt werden! Welche Geistesverfassung gewährt solchen in- 
ferioren Produkten Daseinsberechtigung? Dieser haßtriefende „Gedicht- 
band" wurde, wie das Schweizer Blatt mitteilt, in einem Heim der 
Hitlerjugend aufgefunden. 

Leider muß man sagen, daß das Buch nicht etwa nur eine zufällige 
Erscheinung, das Erzeugnis eines närrischen Kopfes ist. Es ver- 
dolmetscht, so plump und ungefügig seine Sprache ist, 
die Lehren, die in den Führer- und Rednerschulen der 
Deutschen Glaubensbewegung' unter Mitverantwor- 
tung na tionalsozialistischer Parteistellen ins Vc^lk 
getragen werden. 

Die Freiheit und aktive Unterstützung, deren sich 
parteimäßig diese Propaganda erfreut — und wie man 
erst in den letzten Tagen erfahren hat, auch von maßgeblichen 
Stellen — , steht in krassem Widerspruch zu der Un- 
freiheit, der die christliche Volksaufklärung unter- 
worfen ist." 

Sprachlich ruhiger, aber sachlich ebenso ablehnend gegen alles 
Biblische, Christliche und Kirchliche ist nachfolgendes Gedicht aus 
den „Flammenzeichen": 

Gott. 

Wir sehen keinen Gott mit langem Barte 
Und einem Stocke in der Hand. 
Wir sehen nur das Werk des Schöpfers 
In unserm deutschen Vaterland. 

Wir sehen keinen Gott der Juden, 
Der jenes Volk sich auserwählt. 
Wir glauben nicht an Gottverträge, 
Wovon die alte Schrift erzählt. 

Wir sehen Gott nicht in Verbrechen, 
Die sein Volk jederzeit verübt, 
Wir sehen Gott in seinem Wirken, 
D"as Deutschen Brot und Arbeit gibt. 

Wir glauben nicht an Gottes Worte, 
Wir glauben nicht an Gottes Schrift, 
Wir glauben, daß in seinen Werken 
Man Gott am nächsten trifft. 

250 



„Der neue Gott** 

aber, an den deutsche Jugend glauben soll, offenbart sich in nach- 
folgenden „Anrufen", die den Kindern in K ö 1 n, Ortsgruppe 
R e i n a u, für die Speisung in der NSV beigebracht wurden: 

VordemEssen: 

„Führer, mein Führer, von Gott mir gegeben, 
beschütz' und erhalte noch lange mein LebeH! 
Hast Deutschland gerettet aus tiefster Not, 
Dir danke ich heute mein täglich Brot. 
Bleib lang noch bei mir, verlaß mich nicht, 
Führer, mein Führer, mein Glaube, mein Licht! 

Heil, mein Führer!" 

Nach dem Essen : 

„Dank sei Dir für diese Speise, 

Beschützer der Jugend, Beschützer der Greise! 

Hast Sorgen, ich weiß es, doch kümmert's Dich nicht, 

ich bin bei Dir bei Nacht und bei Licht. 

Leg ruhig Dein Haupt in meinen Schoß, 

bist sicher, mein Führer, denn Du bist groß. 

Heil, mein Führer!" 

Von solchem Gebet zu Hitler war es nicht mehr weit zum 
Altar für Hitler, zum „H a u s a 1 1 a r", den ihm manch hysterische 
Frau errichtete, aber auch nicht mehr weit zum förmlichen Kult 
für ihn Und seine Helfershelfer. So brannten beispielsweise in dem 
Versammlungslokal einer HJ-Gruppe in Baden zwei Kerzen vor 
dem Bild von Hitlers „Leibtheologen" Rosenberg, war über- 
haupt alles aufgebaut wie ein Altar. „Ihr werdet sein wie Gott.** 

'Auf der gleichen Linie lag es schließlich, wenn der schöne 
süddeutsche Gruß „Grüß Gott!" mit Gewalt verdrängt wurde 
von „H e i 1 H i 1 1 e r", einer Grußart, diewohlin derganzen 
übrigen Welt nicht ihresgleichen hatte. Millionen- 
mal im Tag mußte es im Feldwebelton geschrien, millionenmal im 
Tag am Schluß von Briefen geschrieben werden. 

Die Kreisleitung Berchtesgaden der NSDAP und der Fremdenver- 
kehrsverein des Berchtesgadener Landes gaben im Olympiajahr 1936 
sogar einen Sonderabdruck eines ellenlangen Zeitungsartikels heraus 
und versandten ihn massenweise, um nur das verhaßte reaktionäre 
„Grüß Gott!" verstummen und das einzig nationale „Heil Hitler" überall 
und bei allen Gelegenheiten vim so lauter ertönen zu lassen. Das groß- 
sprecherische „Kulturdökument" lautet: 

Berchtesgaden, im Olympiajahr 1936 
Liebe Volksgenossin! 

Lieber Volksgenosse! 

Wir wissen, daß Sie jetzt zur Hochsaison vollauf beschäftigt sind 
und Ihnen deshalb nicht zugemutet werden kann, täglich die Zeitung zu 
lesen, so daß Ihnen wahrscheinlich der im „Berchtesgadener Anzeiger" 
erschienene Artikel entgangen ist. 

251 



^ir übersenden Ihnen daher auf diesem Brief diesen auch für Sie 
interessanten Artil^el und ersuchen, Ihrerseits auf die übrigen in Ihrem 
Betrieb tätigen Volksgenossen in diesem Sinne einzuwirken. 

Heil Hitler! 

Es gibt tausend kleine Beweise im Alltag des Lebens, ob wir er- 
kannt haben, daß wir gemeinsam nur als Volk vor der Welt bestehen. 
Der Kleingeist, der sich einbildet, daß das altvertraute, liebgewordene, 
von den Vätern übernommene „Grüß Gott" doch sicher recht freundlich 
sei, besonders für Frauen und Mädchen, ist doch ein rechter Tölpel. Wir 
wählen gerade dieses Beispiel, weil es weit wichtiger ist, als sich man- 
cher rechtschaffene, brave und biedere Bürgersmann das vorstellt. 

Es ist nicht wahr, daß es doch gleichgültig sei, ob wir nun „Grüß 
Gott" sagen oder unser „Heil Hitler", unter dem wir wieder aufgewacht 
sind, vernünftig und anständig geworden sind. Mit dem „freundlichen" 
Grüß Gott oder Guten Tag sind wir in die Hölle gefahren, nicht in das 
Leben marschiert. „Grüß Gott" kann freundlich vertraut klingen — wer 
aber will es abstreiten, daß es zu nichts verpflichtet und daß es, in der 
Stadt gesprochen, eine unverbindliche und nichtssagende Grußformel 
bedeuten kann und auch für die meisten bedeutet. 

Nicht dieses freundliche „Grüß Gott" hat uns gerettet, so freundlich 
und vertraut es klingen mag. Der Gruß „Heil Hitler" hat uns zusammen- 
geführt, hat uns die Kraft und den entschlossenen Willen gegeben, uns 
unser Recht von der Welt zu ertrotzen, die nun ihre Jugend zu uns 
schickt. Nicht das „Grüß Gott" hat die Parteien weggefegt, dem Bol- 
schewisten den Dolch und den Schießprügel aus der Faust geschlagen, 
(die Schieber und Wucherer unschädlich gemacht, dem Arbeiter das Brot, 
dem Bauern den Acker zurückgegeben, dem Geschäftsmann Büro und 
Laden, dem Industriellen und Handwerker die Werkstatt mit neuem 
Leben erfüllt, dem Fremdenverkehr neuen Auftrieb gegeben. 

„Heil Hitler" — das war der Gruß der ersten Kämpfer, der ihre 
Seele beflügelte und erfüllte, war der letzte Gruß vieler hundert sterben- 
der SA-Männer, war der Schreckensruf für alle Verbrecher und Halun- 
ken, für alle Schlafmützen und Spießer, der Schreckensruf für diejeni- 
gen Völker, die uns für alle Ewigkeit rechtlos zu lassen gedachten. 
Dieses „Heil Hitler" des ersten kleinen SA-Mannes hat eine ganze Welt 
in Bewegung gebracht. Aber nur ein einfältiger Tölpel kann sich ein- 
bilden, daß wir es jetzt gerade deshalb während der Olympischen Spiele 
aussphalten müssen, weil „doch jetzt gerade die vielen Ausländer 
kommen"! 

Als wir kürzlich mit einem Ausländer durch die Straßen gingen, 
begegnete uns ein „Grüß-Gottler". Sicher kein „Staatsfeind", auch kein 
„Nazifresser", aber halt ein „lieber, herzlicher, netter Grüß-Gottler", 
dessen freundlicher Gruß auch gewiß nicht anders gemeint war, als ein 
freundlicher Gruß, der so hingesprochen wird. Als er wieder seines 
Weges ging, fragte unser Ausländer sehr erstaunt, ob dieser Mann ein 
Gegner des Führers sei! ^ 

Das ist es, worauf wir heute noch einmal hinweisen wollen." Wer 
sich in seiner, Gedankenlosigkeit und Undankbarkeit gegen Führer und 
Partei schon gefällt, daß er ohne „Heil Hitler" auskommt, der soll wissen, 
daß er heute vor dem Fremden, ' der uns aufmerksam betrachtet, als 
Gegner des Führers steht und damit als Gegner des Volkes. Wir wün- 
schen nicht durch Ausland und Fremde darauf aufmerksam gemacht 
zu werden, daß es heute noch Deutsche gibt, die sich nicht zu benehmen 
wissen. Diese Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit muß aufhören, 
insbesondere hier im Berchtesgadener Land — der Wahlheimat des 
Führers — , das auch in den nächsten Wochen von zahlreichen Olympia- 
' gasten besucht wird. 

252 



Es ist auch durchaus unangebracht, wenn umgekehrt ein Gast nait 
dem lieben, netten „Grüß Gott" grüßt und man glaubt dann, verpflichtet 
zu sein, ebenfalls mit „Grüß Gott" zu grüßen. Im Gegenteil! Der Aus- 
gangspunkt für die Gedankenlosigkeit liegt meist bei denen, die den 
größten Nutzen von der deutschen Wiedergeburt haben, einem Teil der 
Geschäftswelt, der glaubt, einen Hering oder ein Glas Bier mehr ver- 
kaufen zu können, wenn er sich devot mit einem „freundlichen" Grüß 
Gott vor der „gnädigen" Frau verbeugt. 

Schluß jetzt damit und Schluß mit der Weisheit lächerlicher Tölpel, 
die glauben, der Ausländer müsse bei einem „Heil Hitler" einen Nerven- 
schock bekommen. Das Gegenteil ist der Fall. Die meisten von ihnen 
haben sich' das für sie nicht leicht auszusprechende „Heil Hitler" für 
ihre Deutschland- und Olympia-Reise einstudiert und erwidern strahlend 
und lachend unseren Deutschen Gruß. Wie beschämend muß es für uns 
sein, wenn dann so ein eitler, unterwürfiger und spinnender Tölpel seine 
Dummheit unter einem „freundlich lieblichen Grüß Gott" an den Mann 
des Auslandes bringt. 

Das Ausland will im Olympia-Deutschland keine Grüß-Gottler 
sehen, sondern das Volk, die Leute und die Männer, die eine Revolution 
zum Segen Deutschlands und der Welt durchführten. Die alten Tanten, 
die in Mannskleidung mit „Grüß Gott" durch die Welt dösen, werden 
höflichst gebeten, sich in ihre Schlafgemächer und unter den Schutz 
ihrer Zipfelmützen zu begeben, ehe wir noch deutlicher werden müssen! 

Wir fühlen uns zu dieser deutlichen Attfforderung zum letzten Male 
verpflichtet, nachdem uns ein Ausländer, der kein Nationalsozialist und 
kein Faschist ist, darüber sein Erstaunen zum Ausdruck gebracht hat, 
daß es überhaupt in Deutschland noch einen Menschen gibt, der den 
Gruß „Heil Hitler" schuldig bleibt. 

„Wir würden diesen Mann sofort zur Ordnung rufen", sagte uns 
dieser Ausländer, und dieser Ausländer ist ein Franzose! Das ist be- 
schämend, und deshalb wünschen wir, daß wir verstanden werden, auch 
von denen, die ihre Seele um eine Mark Tageskasse mehr verschleudern! 

Es ist gewiß Privatsache, wieweit einer käuflich ist, aber wir wün- 
schen nicht, von Privatangelegenheiten belästigt zu werden, wünschen 
vielmehr, daß sich jeder der Ehre bewußt ist, das nationalsozialistische 
Deutschland vor den fremden Gästen aus aller Welt repräsentieren zu 
dürfen. 

Ein Führer — eine Fahne — und deshalb auch ein Gruß! 

Heil Hitler! 

Max Kammerer, Kreisleiter.^ Dr. Max Berkmann, Kurdirektor. 

Nicht Kreuz und Heiligenbilder, Hitlers Bild in jedes Gastzimmer! 

In der gleichen Richtung, wie diese Hilter-Gruß-Großaktionen, 
lag, was drei Jahre später im gleichen Kreis geschah: 

Die Wirtschaftsgruppe „Gaststätten- und Beherber- 
gungsgewerbe" von Berchtesgaden-Lauf en forderte in einem 
Zirkular vom Januar 1939 ihre Mitglieder auf, in den Gastzimmern 
statt der „Heiligenbilder und ähnliche m" (hinter 
diesem „ähnlichen" verbirgt sich wohl verschämt die Anregung, 
auch das Kre.uz zu entfernen) das Bild des Führers oder irgend- 
eines der führenden Männer Deutschlands aufzuhängen, wie es sich 

253 



für die „Wahlheimat des Führers * gezieme. Hitler auch hier statt 
und vor Gott und seine vorbildlichen Diener! 

Wie sehr übrigens die katholische Heiligenverehrung den 
Nationalsozialisten überhaupt ein Dorn im Auge war, zeigte ein Artikel 
von SA am 26. Februar 1938. Darnach ist die katholische Heiligen- 
verehrung „dem Führerideal abträglic h". Gegen diese Idee 
sei es auch, wenn die „Katholische Aktion" sich mühe, „neue Hei- 
lige auf den Markt zu werfen", wie Kolping, den Gesellen- 
vater. „Katholische Feste seien überhaupt nichts als eine Gegenpropa- 
ganda zu nationalen Festen. So wie der 1. Mai mit allem Pomp der 
,Maienkönigin* geweiht werde, so werde der Sonnwendtag als Fest des 
Martyriums des Heiligen Johannes des Täufers gefeiert." 

In die gleiche Kategorie des Hasses gegen alles Heilige gehörte es 
auch, wenn der Fastenhirtenbrief von Kardinal Faulhaber vom Januar 
1940 über die „WafEenrüstung Gottes" (nach Eph. 6,10— 18) von der Ge- 
stapo-Berlin beanstandet wurde, weil er als Datumsangabe enthielt: 
„Am Tag des Heiligen Sebastian, des Soldatenpatrons, 1940." 

Thors Mannen schämen sich dieses bleichen 

Gekreuzigten ! 

Eine „religiöse Betrachtung" des „Schwarzen Korps" vom 
8. Juni 1 1939 geht schon mehr aufs Ganze und ereifert sich in einem 
Artikel: „Die Natur Gottes" folgendermaßen: 

„Wir haben lange über die Frage nachgedacht: Welche christlichen 
Lehren stehen in Widerspruch mit den sittlichen Forderungen der ger- 
manischen Rasse und müssen darum nach klarem Wortlaut von Art. 24 
des Parteiprogramms der NSDAP als unvereinbar mit den Rassebegrif- 
fen betrachtet werden? Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß eine 
Menge christlicher Anschauungen wirklich unvereinbar ist mit den 
unseren. 

Diejenigen von uns, die durch deutsche Landschaften reisen und 
mitten im Blick auf schneebedeckte Berggipfel oder auf westfälisches 
Moorland die Figur des Gekreuzigten antreffen, müssen, wenn sie 
sich wirklich ihres Blutes bewußt sind, in der Tiefe des Herzens 
sich wahrhaft schämen. Die Götter unserer Vorfahren wa,ren 
nicht so. Sie waren wahre Männer, Männer mit dem Schwert in der 
Hand. Wie verschieden davon ist dieser bleiche Gekreuzigte! 
Seine passive Haltung, der tiefeingegrabene Kummer seiner Gesichts- 
züge, Demut und volle Selbstaufgabe ausdrückend: das alles sind 
Eigenschaften, die den heldischen, fundamentalen 
Eigenschaften unseres Blutbewußtseins widerspre- 
che n." 

„N e u e E r 1 ö s e r" 

„Christus, von dem wir nie wußten, ob die uns dargebotene 
Religion seine wahre Lehre war, ist in dem Dunkel der Ge- 
schichte versunken. Erst jetzt erkennen wir, daß sein 
stellvertretender Bruder, um den sich eine Welt zer- 
fleischte, uns nichts zu sagen hat, daß vielmehr der Tod 
jener herrischen Streiter für ein Reich der Deut- 
schen jene Handlung darstellt, die ein weitzurückliegen- 
des Erlösungsmysterium überflüssig machte. 

Die Kriegerdenkmäler in deutschen Landen sind Altäre 
eines kommenden Volkes. Der ungenannte Soldat des Krie- 

254 



vges ist gestaltender Wegbereiter des kommenden Reiches, der den 
Jesus von Nazareth ablösen soll." („Nordland" 27. Januar 1935.) 

„Gott Deutschlan d." 

Baidur von Schirach gab der deutschen Jugend einen neuen 
Herrgott an Stelle des Christengottes. Er sagte bei der Einweihung 
eines deutschen Jugendheimes im April 1939: 

„Jedermann muß klar erkennen und zu Herzen nehmen, daß der 
Dienst an Deutschland, der auch ein Gottesdienst ist, über 
dem Dienst irgendeines Bekenntnisses steht, und unter unserer Jugend 
darf niemand sein, der nicht bedingungslos Deutschland 
gehör t." 

Ähnlich bekundete er vor 45 000 HJ im Juli 1939 vor dem 
Dom zu Magdeburg: 

„Wenn Leute sagen: ,Die Hitlerjugend sei eine Jugend ohne Reli- 
gion und ohne Gott', dann antwortet die HJ.: ,Dieser unser Dienst 
an Deutschland ist auch ein Gottes diens t."' 

Ein anderes oft zitiertes Wort des Reichsjugendführers Baidur 
von Schirach: 

„Ich bin weder Protestant noch Katholik, ich glaube nur an 
Deutschlan d." 

„Unser ist das Reich und die Kraft und die Herr- 
lichkeit" 

SS-Obergruppenführer Schulz, Pommern, sagt 
zwar, daß er keine „Gotteslästerung" begehen wolle, begeht sie 
aber tatsächlich, wenn er sagt: 

„Ich will mich keiner Gotteslästerung schuldig machen, aber ich 
frage: „Wer war größer, Christus oder Hitler? Christus 
hatte bei seinem Tode 1 2 Jünger, die ihm aber nicht einmal treu blieben. 
Hitler aber hat heute ein Volk von 70 Millionen hinter sich. Wir 
können es nicht dulden, daß neben uns eine andere Organisation ent- 
steht, die einen anderen Geist hat als wir. Wir müssen sie zerschlagen. 
Der Nationalsozialismus erhebt allen Ernstes den 
Anspruch: Ichbin der Herr, dein Gott. Dusollstkeine 
anderen Götter neben mir habe n." 

Schulz vergleicht dann weiter die Einstellung zum Heldentod fürs 
Vaterland in Japan und Deutschland. Er fährt wörtlich fort: 

„In Japan heißt es über den Heldentod: Ihr werdet sein wie Götter! 
Ja, es werden auch Göttertempel errichtet werden, in denen Ihr ver- 
ehrt werdet." Aber bei uns rufen die Pfaffen: „Wehe, wehe! Denn es 
wird sein Heulen und Zähneklappern." 

Er schließt dann seine Rede mit deutlicher Anspielung auf den 
evangelischen „Vaterunser"-Schluß nach Mt. 6, 13, das „Dein" blas- 
phemisch mit „unser" ersetzend: 

„Denn unser ist das Reich und die Kraft, denn wir haben 
eine starke Wehrmacht, und die Herrlichkeit, denn wir 
sind wieder ein angesehenes Volk, und, so Gott will, ,in Ewigkeit'. 
Heil Hitler!" 

255 



Das deutsche Heidenlied. 

(Ein im Jahre 1940 von Nürnberg aus mit Postkarten massenhaft 
verbreitetes, stolzes Bekenntnis zum deutschen Heidentum von 

Otto Peitsch) 

Ereifert ihr euch, ihr Gesalbten des Herrn, 
Im christlichen Haß? Wir gönnen's euch gern! 
Wir haben die Tat unserer Rettung vollbracht 
Und haben uns frei von den Pfaffen gemacht, 
Wir deutsehe Heiden! 

Der Kampf mit dem Leben ist hart allezeit. 
Doch ihr wollt uns machen zum Himmel bereit, 
Auf ewige SeUgkeit rechnen wir nicht, 
Dem Leben, der Wahrheit schau 'n wir frei ins Gesicht. 
Wir deutsche Heiden! 

Frei auf uns der Blick und empor das Haupt, 
Und weder an Engel und Teufel geglaubt. 
Die Demut, ihr Herren, überlassen wir euch, 
Und lassen euch gern das himmlische Reich. 
Wir deutsche Heiden! 

Wir halten nichts mehr von Gebet und Litaneien, 
Das Heidentum stärkt, macht uns männlich und frei; 
Wir glauben an u n s und unsere Kraft, 
An Deutschland und das, was ihm Größe verschafft. 
Wir deutsche Heiden. . 

Nationalsozialismus und Christentum 
sindAntipoden. 

Wie gegensätzlich Nationalsozialismus und Christentum emp- 
funden wurden, zeigt folgende Gegenüberstellung, welche in der 
Wochenschrift „Blitz" vom 10. Januar 1937 stand. Mag sie den 
Standpunkt des Christentums vielfach falsch darstellen, es bleibt 
die Tatsache, daß der Nationalsozialismus das Christentum so auf- 
faßte und darum so wütend bekämpfte. 

„Was der National- Was das Christentum 

Sozialismus lehrt": lehrt: 

Lebensbejahung ...... Lebensverneinung 

Selbstbewußtsein Schuldbewußtsein 

Stolz Demut 

Körperpflege Kasteiung 

Ringen um neue Erkenntnisse . Beharren in den Anschauungen 

aus den Kindertagen der 
Menschheit 

Sehendes Wissen Blinden Glauben 

Bekenntnis zu Rasse und Volk . Verehrung des Menschheits- 
begriffes 

Irdische Bewährung Absoluten Vorrang des Religiösen 

256 



Hingabe an die Volksgemeinschaft Hingabe an das Jenseits 

Kraftvolle Erfüllung der Berufs- Völlige Unterwerfung unter die 
pflichten kirchlichen Dogmen 

Selbstverantwortlichkeit . . . Abhängigkeit von der Gnade 

Kampfbereitschaft Friedfertigkeit um jeden Preis 

Energische Abwehr des Bösen . Unbedingte Duldsamkeit 

Verehrung von Blut und Boden Verleugnung von Blut und Boden 

Vollen Einsatz für Volk, Sippe Überordnung des kirchlichen* 

und Familie Interesses über alle Ideale 

Volkseinheit ........ Glaubenszwiespalt 

Rassenpflege . Rassenvermanschung 

Ausscheidung der Erbkranken . Gleichberechtigung der Erb- 
kranken 

Geburtenvermehrung der Wert- Kampf gegen die Geburten- 
vollen Vermehrung der Wertvollen 

durch den Zölibat 

Verwerfung des volksfeindlichen Anerkennung des Judentums als 
Judentums des auserwählten Gottesvolkes 

Ablehnung des jüdischen Natio- Anbetung Jahwes als des höch- 
nalgötzen Jahwe sten Gottes ' 

Glaubensfreiheit Glaubenszwang 

Wirklichkeitssinn ..... Religiöse Spekulationen 

Lebensfreude Lebensflucht 

Vertrauen in die Meisterung des Mißtrauen des Menschen gegen 
Lebens durch eigene Kraft . . sich selbst wegen der angeb- 
lichen Erbsündebelastung. 

B. Der Theologe der „deutschen Heiden". 

„Beauftragter des Führers für die Überwachung der gesamten 
geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der 
NSDAP" war Alfred Rosenberg. 

Sein Hauptwerk: „Der Mythus des 20. Jahrhunderts" wurde 
geradezu die „Bibel des Nationalsozialismus". 

Rosenberg selbst hatte zwar in der Einleitung seines Werkes 
ausdrücklich bemerkt: 

„Die in dieser Schrift vorgetragenen Gedanken und Schlußf olger un- 
gern sind durchaus persönliche Bekenntnisse, nicht Pro- 
grammpunkte der politischen Beiwegung, welcher ich an- 
gehöre. Diese hat ihre großen Sonderaufgaben und muß sich als 
Organisation fernhalten von Auseinandersetzungen 
religiöser, kirchenpplitischer Art..." 

Auch Regierungs- und Parteimänner wurden nicht müde, 
immer wieder zu erklären, daß Rosenbergs „Mythus" ein rein 
privates Werk sei. 

Kreuz und Hakenkreuz 17 257 



Aber die W i r k 1 i c h k 6 i t war anders: 

1. Rosenberg schrieb nicht bloß als irgendeine Privatperson, 
sondern als der vom Führer bestellte Leiter der 
weltanschaulichen Schulung der nationalsozialisti- 
schen Partei. 

2. Rosenberg durfte und sollte die in seinem Buch nieder- 
gelegten Gedanken als „Nation alsoizialistische Welt- 

, a n s c h a u u n g" in zahllosen Reden auf offiziellen Partei- 
schulungskursen darlegen. 

3. Auf dem Parteikongreß in Nürnberg im Jahre 1937 zeichnete 
Hitler Rosenberg speziell als seinen Beauftragten für die 
geistige Schulung der Partei als allerersten mit dem neuen 
„Staatspreis für Kunst und Wissenschaft" aus 
und rühmte ihn in dem offiziellen Begleit- 
schreiben als den Mann, „der in wissenschaft- 
licher u,nd tiefgründiger Weise die festen 
Voraussetzungen für ein Verständnis der 
geistigenGrundlageridesNationalsozialis m u s 
geschaffen hab e". 

4. Rosenbergs Bücher wurden durch eine intensive und extensive 
Parteipropaganda unterstützt. 

5. Die ganze Nazipresse suchte den „Mythus" und die anderen 
, Werke Rosenbergs als die für den Nationalsozialismus wich- 
tigsten Lehrbücher zu verbreiten („SA-Mann" vom 15. 1. 1938). 
Umgekehrt wurde Msgr. Leffers, Pfarrer von Rostock, gerade 
wegen abträglicher. Äußerungen über Rosenbergs „Mythus" und 
die darin vertretenen Ideen zu eineinhalb Jahren Gefängnis 
verurteilt. 

6. Der „Mythus" stand in der offiziellen Liste der für 
.Lehrer und Büchereien empfohlenen Bücher. 

7. In ungezählten Schulungskursen und „L a g e r" - V o r - 
trägen wurde der „Mythus" als Gr-undlage des ganzen 
Unterrichts benützt. Kursteilnehmer wurden vielfach schon 
vorher aufgefordert, den „Mythus" als „ein grundlegendes Werk 
über den Nationalsozialismus" mitzubringen (z. B. Lehrer des 
Rheinlandes). 

8. Der Reichsjustizminister verordnete^ daß Referendare, die sich 
auf die Assesso rprüfung vorbereiten, den „Mythus" stu- 
dieren und mit seinen grundsätzlichen Lehren vertraut sein 
müßten. Rosenbergs Nachschrift zum „Mythus": „An die Dunkel- 
männer unserer Zeit" (1935) wurde den Beamten mit aller 
Gewaltaufgedrängt. 

9. Der Sächsische Erziehungsminister empfahl das 
Buch für den offiziellen Schulgebrauch (Ministerial- 
blatt vom 15. Oktober 1935). 

258 



10. Alle volkstümlichen Entgegnungen auf den „My- 
thus" wurden beschlagnahmt und verboten. 

Die Polizei stand zu Rosenberg. 

Das Kath. Pfarramt Schliersee, Erzdiözese München, schreibt am 
8. März 1935 an das Erzbischöfliche Ordinariat: 
Betreff: Mythus des 20. Jahrhunderts. 

Soeben wurde mir folgender Auftrag der Politischen Polizei durch 
die hiesige Gendarmeriestation zur Kenntnis gebracht: 

„Die Geistlichen sind zu verständigen, daß jede Behandlung des 
Werkes .Mythus des 20. Jahrhunderts' in geschlossenen oder öffent- 
lichen Versammlungen außerhalb der Kirche zu unterbleiben hat. 
Gegen Zuwiderhandlungen ist mit Auflösung vorzugehen. 

8. März 1935. gez. Obermayr." 

11. Auf einem Kongreß der Leiter von 47 Gauschulungszentren, der 
im Januar 1939 zu Erwitte bei. Lippstadt gehalten wurde, ward 
als Programm aufgestellt, „noch im laufenden Jahre 60 000 
Parteiamtsmänner nach den vertraulichen Richtlinien 
von Rosenberg und Ley über philosophische und reli- 
giöse Probleme zu schulen". 

12. In einem 14tägigen Schulungskurs Mitteldeutschlands im Sep- 
tember 1935 erklärte der Leiter unter anderem: „Der National- 
sozialismus ist eine Weltanschauung. Und diese Welt- 
anschauung ist zu finden in Rosenbergs 
»Mythus des 2 0. Jahrhunderts'." 

In mehreren dieser Schulungskurse erklärte der damalige 

Reichsführer des NS-Studentenbundes, Derichsweiler: 

„Die Zeit wird kommen, daß viele Parteimitglieder, die glaubten, für 
eine politischeBewegung gekämpft zu haben, enttäuscht merken 
werden, daß sie für eine neue Weltanschauung gekämpft 
hatten. Solche Leute müßten jetzt schon ihre Entscheidung treffen." 

Kein Wunder, wenn bei solcher amtlicher und parteiamtlicher 
Propaganda für Rosenbergs Ideen auf einem Schulungskurs für 
Bürgermeister in Oberbayern im Jahre 1936 tagelang auf der 
Schultafel des Vortragssaales zu lesen war und mehrmals auch 
als „Tischgebet" gesprochen wurde: 

„Lieber mit Rosenberg in die Hölle, 
als mit Faulhaber in den Himme 1." 

Kein Wunder, daß bei der Sonnwendfeier des Personals des 
Finanzamtes München-Nord am 22. Juni 1938 auf dem Frgimanner 
Sportplatz der Steuerinspektor M. H. vor dem Sprung über das 
Feuer eben diesen blasphemischen Spruch tat, dann freilich beim 
Sprung sich den Fuß brach und mit Auto vom Sportplatz weg- 
geschafft werden mußte. 

UndRosenbergs letztes Ziel? 

Er selbst offenbarte es auf der Reichskulturtagung 1938 mit den 
Worten: „Daß die katholische Kirche und mitihr die 

259 



e V a n g e 1 i s c h e B e k e n n t n.i s k i r. c he in der htutigen Form- 
gestaltung verschwinden müssen, darüber bin ich mir — 
und ich glaube das auch im Sinne unseres Führers 
sagen zu können — vollkommen klar." „Wir sind in der 
Durchsetzung der nationalsozialistischen Weltanschauung bereits 
bei der deutschen Jugend ein großes Stück weitergekommen. 
Die HJ ist ein Saugschwamm, dem niemand widerstehen kann. 

Weiterhin ist der Aufbau des Lehrplanes in 
allen Kategorien unserer Schule bereits derartig 
in antichristlichem, antijüdischem Sinn erfolgt, 
daß die aufwachsende Generation vor dem schweren Schwindel 
bewahrt bleibt. 

Wir haben aber noch ein Druckmittel, und das ist das finan- 
zielle. Wir werden hier behutsam, aber desto syste- 
matischer vorgehen, um dem nicht zu gewinnenden Klerus die 
finanzielle Ader zu durchschneiden." 

Rosenbergs Nachbeter. 

Rosenberg sprach durch, den Mund vieler. Man könnte wirk- 
lich Bände füllen mit Unterweisungen von Schulungsleitern und 
Propagandisten, die ganz auf Rosenbergs Ideen aufgebaut waren. 
Hier können nur einige Proben aus Schulungskursen verschiedener 
Art wiedergegeben werden: 

„Rosenberg" an den NSDStB. 

Bei einer weltanschaulichen Schulung des nationalsozialistischen 
deutschen Studenteribundes (NSDStB) im Jahre 1935 sprach in 
einem Vortrag über:. „Unser Blut — Unsere Welt- 
anschauung" Gau-Schulungsreferent S c h i n k e : 

„Der Führer hat auf dem Parteitag 1933 erklärt: Der Nationalsozia- 
lismus ist eine Weltanschauung. Diese Weltanschauung ist im Mythus 
des 20. Jahrhunderts von Rosenberg dargelegt. In den Lagern des 
NSDStB soll ein Stoßtrupp für Rosenberg zusammengeschweißt 
werden für den kommenden, voraussichtlich im Winter einsetzenden 
Kampf um die deutsche Seele, und zwar im Reiste und mit Willen des 
Führers: . 

Es gibt heute drei Weltanschauungen in Deutschland: die christ- 
liche, die marxistische imd die nationalsozialistische. Eine schließt die 
andere kompromißlos aus. Die germanische Frömmigkeit ist weiter 
nichts als eine Ehrfurchtsgeltung gegenüber den Gesetzen der Ger- 
manier und des Schönen." Die Menschen, die unseren Glauben nicht 
haben oder haben können wegen ihrer rassischen Minderwertigkeit, 
müssen ausgeschieden werden, was zum Teil bereits geschieht durch die 
Sterilisation, die man ruhig als Mord bezeichnen könne. Die national- 
sozialistische Weltanschauung ist nur für die germanische Rasse be- 
stimmt, nicht wie das Christentum für alle Rassen. 

Der Artikel 24 im Parteiprogramm besagt nur: „Positive Religio- 
sität". Da das Christentum die landesübliche Religiosität gewesen ist, 
ist der Verständlichkeit halber der Ausdruck Christentum gebraucht 
worden." 

260 



„Wir lehnen nicht nur die hundert verschiedenen Christentümer, 
sondern das Christentumansich ab. 

Für uns Nationalsozialisten gibt es nur eine Befehlsstelle, auch 
gegen Rom und Wittenberg." 

Das Wesentliche dieser Ausführung bestand aber darin, daß der 
Referent immer wieder betonte, daß das nicht seine Privatmeinung sei, 
sondern die offizielle Einstellung der Partei und des Führers. 

„Rosenberg" an Landjahrführer. 

Ein Teilnehmer an einem Schulungskurs für Landjahrführer 
berichtete darüber alsbald nach Ende desselben vertraulich: 

Sofort nach dem Eintreffen im Lager war eine Erklärung zu 
unterschreiben: 

1. Nichts aus dem Lager in die Öffentlichkeit zu bringen, 

2. Unbedingt und vorbehaltlos sich auf die Rosen- 
bergschen Richtlinien festzulegen — auf etwas Un- . 
bekanntes, dessen Inhalt und Bedeutung sich erst im Laufe der 
Schulung, und zwar ganz zuletzt vor der Fackel- und Flaggen- 
parade, ergab. 

3. Unbedingten Gehorsam dem Lagermeister, d6n Leitern und 
Helfern zu leisten. 

> . 

Aus dem Inhalt der rund 80, jeweils 15 Minuten dauernden 
Referate der Teilnehmer: 

' Nationalsozialismus ist eine Religion, geboren aus Blut und 
Rasse, nicht eine politische Weltanschauung. Sie ist die neue, allein 
wahreReligion, geboren aus nordischem Geiste und arischer Seele; 
die noch bestehenden Religionen müssen schnellstens ver- 
schwinden, bzw., wenn sie sich nicht selbst auflösen, voii Staats 
wegen beseitigt werden. § 24 ist nur ein eingefügter Köder für die 
Schwarzen aller Schattierungen, Nur ein vollständiger Idiot 
verläßt sich auf das Programm und das Konkordat mit 
Rom. Jedem Einsichtigen ist es klar, daß Nationalsozialismus und 
Kirche Todfeinde sind. Die Kirchen sind politische Institutionen und 
als solche, weil staatsfeindlich, auszurotten. 

Es gibt weder Gewissensfreiheit noch Lehr- noch D e n k - 
freiheit. Der Staat in seiner Totalität übernimmt die volle allei- 
nige Verantwortung für Lehre und Leben. Anderes Denken ist 
staatsfeindlich. Kritik in jeder Form ist vollständig verboten; 
weder an dem Führer noch an den Führern bis zum Blockwart her- 
unter, noch an deren Meinungs- und Willensäußerungen darf Kritik 
geübt werden. 

Alleinige Quellen sind: 

I.Für die religiöse Seite des Nationalsozialismus: Rosenbergs. 
Mythus. 

2. Für die politische: das nur bedingt gültige Parteiprogramm. 

3. Kulturelle und allgemeine Grundlage: einzig und 
allein Rosenbergs Nationalsozialismus; dieser ist die neue 
allein berechtigte Religion. Nicht Religionsdiener mit Hemmungen und 
Vorbehalten. 

Die Erziehung obliegt dem Staat allein. Kirchen- und andere An- 
sprüche sind ausgeschlossen. WA der Geburt wird cl«r Mensch Natior 

261 



nalsozialist, und mit der Geburt beginnen des Staates Rechte. Die Eltern 
sind nur Stellvertreter des Staates und nur bedingt zugelassen, solange 
sie die Gewähr für nationalsozialistische Erziehung bieten. Wegnahme 
der Kinder ist Recht des Staates. Jugend ist Träger der nationalsozia- 
listischen Geistesrevolution. Der Zusammenhang mit dem Herkommen 
muß restlos zerstört werden. Neue, ganz unerhörte, nie gekannte For- 
men! Kein Individual-, nur Gemeinschaftsrecht! 

Immer wieder: Wir sind einzig und allein Sozialisten mit unserer 
eigenen, aus Blut und Boden geborenen Weltanschauung. Die Arbeit 
allein entscheidet und nicht der Geist. Auf den legen wir keinen Wert. 

Es kann nur der Führer sein, der sich hemmungslos dem National- 
sozialismus hingibt und , als solcher arbeitet. Wer kritisch prüft, 
ist schon erledigt. Wer nicht alles Vorgetragene restlos zu lehren 
und zu leben bereit ist, muß gehen und schließt sich von selbst von allen 
staatsbürgerlichen Rechten für alle Zeiten aus. 

Der rechte Nationalsozialist muß mindestens SA-Mann sein. Nicht 
früh genug kann mit dieser Ausbildung begonnen werden. Wer aus 
körperlichen oder geistigen Gründen nicht mitmachen kann, muß sofort 
das Lager verlassen. Der Nationalsozialismus hat das Recht auf den 
ganzen Menschen. 

DerBesuch von Gottesdiensten artfremder, rassen- 
feindlicher, an orientalische Religion gebundener Konfessionen — katho- 
lisch oder protestantisch — ist deshalb verboten. 

Die orientalisch- jüdischen Lehren sind schuld: 1. am Untergang der 
nordischen Rasse, 2. an der Vernichtung Deutschlands, 3. am Aufstieg 
des Bolschewismus. 

Der Nationalsozialismus hat die Welt vor dem Untergang gerettet, 
nicht nur Deutschland. 

Wer der^ Totalität des Staates entgegenarbeitet, hat sein Aufent- 
haltsrecht verwirkt. Kein Konkordat kann ihn schützen; denn das Kon- 
kordat setzt die Allmacht des Staates voraus. Um nicht die Schwarzen 
und Rom gegen sich zu haben, bleibt § 24 des Programms vorläufig 
bestehen. Nationalsozialismus und Christentum sind Todfeinde. 

„Rosenberg" an Land Jahrerzieher 

Einen noch deutlicheren Einblick in den ganzen antichrist- 
lichen, rosenbergianischen Geist der „Führerkurse" gibt nach- 
folgender Bericht über den Führerkurs für Land- 
jahrerzieher inD., bei dem seinerzeit aus begreiflichen Grün- 
den die näheren Angaben über Ort und Öatum weggelassen werden 
mußten, der aber sonst alle Zeichen der Wahrheit in sich trägt. 

Chronologische Aufzeichnung über meine dort verbrachte Zeit 
vom . . . bis . . . 

Sonntag, den ... 

18 Uhr mußte alles im Lager sein. Einkleidung, Einteilung in Kame- 
° rädschaften und Zuweisung der Betten. Ich schlafe auf Stube . . . Die 
anderen Stuben haben interessante Namen: Wittekind, Alf red Rosenberg, 
Walter Darre, Frunsberg, Florian Geyer. Ich lese den Spruch: Schmeißt 
ihn raus, reines Haus muß ein Landsknecht haben. Aber die Sprache 
und der Ton waren bald anders als rein. 19 Uhr sind wir im Rittersaal 
versammelt. Vor dem Abendessen singen wir ein Lied, reichen uns die 
Hand mit dem Gruß: Heil! Nach dem Essen genau "dasselbe. Es spricht 
dann der Vertreter der Partei zu uns. Die Losung der vier Wochen wird 
bekanntgegeben: „Gelobt sei, was da hart macht." 80 Leute legen sich 

262 



um 9.15 zu Bett. Die schlechten Witze sind das Abend- 
gebet vieler, die meine Kameraden werden sollen. 11 Uhr nachts 
Alarm! Wir springen über Zäune, klettern über Mauern und liegen um 
12 Uhr endgültig in der Falle. 

Montag, den . . . • 

6 Uhr Aufstehen, Frühsport. Wir machen die erste Bekanntschaft 
mit Wasser, Morast. Harte Körperschule. Wir lernen das Bettebauen. 
Bis Mittag haben wir Arbeitsdienst, bestehend aus Roden und Dränage- 
arbeiten. Nachmittags Schulung. Thema: Das Landjahr, sein Erzieher 
und dessen Aufgaben. Die Jugend muß revolutionär erzogen werden, 
daß sie jedem, der anders will, in die Fresse schlägt. Der Erzieher muß 
Nationalsozialist sein und nicht irgendwelchen internationalen und pazi- 
fistischen Ideen anhängen oder nachjagen. Wir erziehen den Jungen 
zum wehrhaften deutschen Mann, der rassebewußt im Blut und Boden 
verwurzelt seinem Vaterland dient. In der Abendrunde werden Lebens- 
schicksale erzählt. Wir lernen das erste nationalsozialistische 
Abendgebet:' „Ein altes Weib gewesen, krank gewor- 
den, gestorben, in die Hö^e gekommen, wieder 'raus 
gekommen, warum?, wegen der Hit z." Das beteten Ka- 
meraden mit gefalteten Händen. Wir singen jedesmal vor 
und nach dem Essen ein Lied und begrüßen uns immer mit dem Gruß: 
„Heil!" Andere Gebete kennen wir nicht. Nur eines ist ims heilig, die 
Fahne. Jeder muß genügend Flaggensprüche kennen, um sie bei Hissung 
oder Herabnahme zu . deklamieren. .Erwünscht sind solche des Inhalts: 

„W irbeten nichtzudem, zu dem diePfaffenbeten, 
wir glauben, nur anuns selbst, anunsere Fahne, 
unsere Idee, unser Schwert. Wir glauben nur an 
D e u t s c h 1 a n d , a n s o n s t n i c h t s." 

Dienstag, den. .. 

Man darf im Lager alles, nur sich nicht i kriegen lassen. Das habe 
ich gleich am ersten Tage lernen müssen, als ich keine Bettbezüge hatte 
und mir der Lagerleiter sagte, ich solle sie mir nehmen, egal 
woher. Alles ist erlaubt. Wir kennen nur eine Sünde: 
die Feigheit! Nachmittags haben wir die ersten Ordnungsübungen. 
Wir lernen Lieder: Es pfeift von allen Dächern, das Niedersachsenlied! 
Schimpfkanonade auf Karl, den Sachsenschlächter. Wir verspotten 
diePfaffen. Wirmüssen unseren Jungen beibringen, 
alles, was schwarz ist, zu hassen. — Rom ist unser 
größter Feind. Wer mit Rom in Verbindung steht, muß 
auf der Flucht erschossen werden. Klausner wird er- 
schossen', weil er als Leiter derKatholischenAktion 
die LinieKöln — München — Rom aufstellte. Ich fange an 
zu begreifen, was hier gespielt wird, und mein Grundsatz ist von heute 
an, klug sein wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben. — Die 
Abendrunde- bringt weitere Lebensschicksale meiner Kameraden an den 
Tag. Wir kennen uns schon besser. Die meisten Kameraden sind HJ- 
Führer, SA- und SS-Führer. Ein Teil von ihnen ist alte Kampfgarde. 
Sie sind Schlosser, Maurer, Dreher, Chemiestudenten, Studienreferendare, 
Junglehrer, Bauern, Kauf leute, kurz, sie kommen aus allen Ständen. Dem- 
nach ist auch ihr Wissen, ihr Reden, ihr Wesen. Einige Kameraden be- 
kennen offen, daß sie einem katholischen Jugendpflegeverein angehörten. 
— Heute haben uns weitere 10 Kameraden verlassen. 

Mittwoch, den ... 

Schlechtes Wetter. Aber wir tun vollen Dienst. Mittags um 3 Uhr 
trifft der Landjahrführer N. N. ein. In seiner Begleitung Sturmführer N. 
Wir werden auf unsere Rassenzugehörigkeit untersucht. Wir gehen 10 
zu 10 Mann auf das Führerzimmer, natürlich nackt, denn es heißt ja 

263 



Nacktparade. Man beschaut jeden einzelnen. Ich muß einige Kehrt- 
wendungen machen und kann abtreten. Meine Rasse ist festgestellt. Ob 
ich wohl zur nordischen Rasse gezählt worden bin? — Nachmiitags ist 
Vortrag über Nationalsozialismus und Rasse. Der Redner ist zu Ende. 
Bravo, Trampeln mit den Füßen. Ich habe den Eindruck, der Mann ist 
ein Laie und hat Rosenberg gelesen und versteht es gut, Phrasen zu 
klopfen. Ich melde mich zu Wort. Wir dürfen als Nationalsozialisten 
kritisieren. Widerspruch hin und her. Ich werfe dem Redner Unkennt- 
nis der Sache vor. Man ersetzt jetzt das Nichtwissen durch Schimpfen 
über meinen Glauben. Unsere Bischöfe sind Schweine- 
hunde, Idioten, Volksverräter, Bas'tarde. Rom ist die 
einzige Schmach auf der Welt. Wie wohl tut der Schlaf nach 
des Tages Last! Aber ich schlafe nicht. Kann ich verantworten, daß ich 
noch länger hier bleibe? Darf ich noch länger schweigen zu diesem 
Treiben? Ich beiße die Zähne aufeinander und warte ab. Heute sind 
wir noch' 40 Kameraden. Morgen? Unser Lager ist das schönste 
Bienenhaus. 

Donnerstag, den ... 

Die körperliche Schulung bleibt wieder eisenhart. Das Liebste, was 
ich tue, bis an die Knöchel im Wasser stehen und Wassergräben ziehen. 
Nur nichts hören von nationalsozialistischer Schule. — Wie; froh war ich, 
als wir nachmittags wieder Lieder lernen, aber schnell ist die Herrlich- 
keit zu Ende. Wir sprechen über die katholische Jugend, 
die wir gewinnen müssen. Aber diese Schwarzen, die 
inüssen wir in die Fresse hauen, denn nur sie sind 
unsere Feinde. Hätte man doch diesen Affen mit dem 
Zylinder auf dem Kopf eine Handgranate anden Kopf 
geschleudert, daß sie alle krepiert wären! 

Freitag, den ... 

. Wer keine Achtung hat vor den Mitmenschen, kann auch keine für 
sich in Anspruch nehmen. Steillungsautorität kanini auch nicht allein 
zum Ziele führen, sie muß Persönlichkeitsautorität sein. Ich bin ein 
Intellektualferkel, das hier nicht gebraucht werden kann. Wir wer- 
den vor die Wahl gestellt, katholisch zu bleiben und 
zu gehen, oder Nationalsozialisten zu werden und zu 
bleiben. Frist bis Sonntag. Wir sprechen über die Jüdenfrage. 
Sehen ihren zahlenmäßigen Anteil an der Bevölkerung Deutschlands 
und den im krassen Gegensatz dazu stehenden Anteil an den Berufen. 
AUjuda beherrscht die Hochfinanz und das öffentliche Leben. Gegen 
das Judentum können wir uns schon offen wehren — 
gegen das Christentum nicht. — Wir sprechen über die 
Auswahl der Ju'ngens für das Landjahr. Sie werden vom 
Landjahrführer ausgewählt. Wir nehmen nur Jungens aus der 
Sturmschar, nur einen kleinen Teil aus der HJ. Die 
besten Kräfte stehen noch in der Sturmschar. Denn 
wenn wir so weitermachen in der HJ, dann sind wir in 4 Jahren kaputt. 
Deshalb müssen wir diese Jungens unbedingt haben. Die Abendstunde 
bringt uns heitere Heimatspiele und lustige Lieder. 

Samstag, den ... 

Wir haben in der vergangenen Nacht praktisch geübt, wie wir es 
mit unsteren Jungens zu machen haben. Nachts um 11 Uhr war Alarm. 
Nachtübung. Es wird uns gesagt, wir wollen nicht nur von Fronterleb- 
nissen reden, sondern es einmal praktisch im kleinen machen. Wir waten 
durch Morast, bis an die Knie, wir liegen platt im Wasser. Wir springen 
über Stacheldrahtzäune, Wassergräben, klettern über umgehauene Sträu- 
cher, Bäume. Unsere Führer machen alles mit. Wir sollen zu dem 
Heiligen beten, der dafür sorgt, daß wir keine nassen Füße be- 

264 



kommen, dann marschieren wir bis an die Knie im Wasser. Man fragt 
uns, ob wir keinen Heiligen wüßten, der uns die Füße wieder trocken 
werden lasse. — Wir sind müde um 3 Uhr im Schloßhof angekommen 
und springen, unsere Führer voran, ,in ,den 4 Meter tiefen Brunnen. 
Das Wasser stank entsetzlich, es wurde gesungen: Ich armes welsches 
Teufli. Wie Blei so schwer waren meine Glieder, als ich um 7 Uhr auf- 
stand. Eine Stunde zu Fuß liegt die Kirche vom Schloß entfernt. Um 
10 Uhr ist dort Messe. 9.30 antreten. Zwei Leute mel- 
den sich. Ich auch. Wir werden verhöhnt und verlacht. 
Die Kameraden singen Lieder des Inhalts: Man soll 
den Kirchen und Klöstern den roten Hahn aufs Dach 
setzen. Ich verteidige mich. Wenig Erfolg. — Nachmittags ist ver- 
schärfte Bettrühe. Ich mache Küchendienst. 

Montag, den ... 

Ich muß das Lager verlassen. Warum? Ich eigne 
michnichtalsLanderzieher. 

Man weiß: Ich bin katholisch. 

Beurteilung : 

Der Führerkurs, an dem ich teilnahm, war zugleich auch ein Aus- 
lesekursus. Die Auslese wird in zweifacher Hinsicht getrieben: 1. nach 
der körperlichen Seite hin, 2. nach der weltanschaulichen Seite hin. 
Ich mußte gehen, weil ich kein Nationalsozialist bin. Ob ich mein 
Vaterland liebe, weiß ich selbst am besten. Ich habe den Leuten der 
Abendrunde erzählt von den vielen Ordensschwestern, die im Kriege 
gefallen sind, die das EK I. und EK II. Kl. erhalten haben, daß die 
Studenten, die bei Langemarck fielen, zu 80 Prozent katholisch gewesen 
sind, daß mein Vater von 1914 bis 1918 im Felde war. — Aber als Katho- 
lik steht man hier auf verlorenem Posten. Der Führerkursus hat den 
Zweck, junge revolutionäre Erzieher auszubilden und sie mit den Metho- 
den bekanntzumachen, mit denen man eine Jugend heranzüchtet, die 
nur an ihr ewiges Deutschland glaubt, die sonst an nichts glaubt. Die 
Gegner gehen hierbei — ohne einen offenen Kulturkampf vom Zaune 
zu brechen — einen ganz bestimmten Weg. 

Der Landjahrführer N.N. sagte uns, er habe im ver- 
gangenen Jahr 60 Saarkinder in Erziehung gehabt. 
Diese seien nach drei Monaten noch katholisch ge- 
wesen, dann nicht mehr. Die Kinder werden nach ihrer Ent- 
lassung in die HJ eingegliedert, die besten werden in das nächste Land- 
jahr als Kameradschaftsführer einberufen. Das bleiben sie drei Jahre, 
kommen dann ein Jahr in RAD und ein Jahr in die Reichswehr. Dann' 
werden sie Landjahrerzieher; das bleiben sie vier oder fünf Jahre. Dann 
werden sie Versorgungsanwärter, d. h. sie werden als Lehrer bevorzugt 
eingesetzt in Volks- und Berufsschule. Zweck: Schon im frühesten 
Stadium der Erziehung den Grund für eine gute weltanschauliche 
Schulung zu schaffen. 

Preußen hat im vorigen Jahr 13 Millionen für das Landjahr aus- 
geworfen. Es hat einen großen Erfolg gehabt und ist darum auf das 
ganze Reich ausgedehnt worden. Man wartet also ruhig ab 
und ist nicht interessiert an der Lösung einer deut- 
schen Jugendfrage, das geht ja so viel einfacher. „So 
brechen wir das Konkorda t", sagte man uns. 

„Bosenberg" an des NS-Lehrer])und. 

Dr. Schott, München, 

hielt bei einem Schulungsabend des NS-Lehrerbundes am 15. Ok- 
tober 1934 einen Lichtbildervortrag über: 

Kreuz und Hakenkreuz 18 265 



„Der Gott des Alten und Neuen Testamente s." 

„Der Scheinheilige und der echte Heilige." 

„Kötergeschlecht und Göttergeschlecht." 

„Die Schule, wie wir sie wünschen und wie wir sie nicht 
wünschen," 

„Dämon und Lichtgestalt." 

„Despot und Landesvater." 

„Scheinpriester und echter Priester." 

„Der Jude und der Deutsche." 

Daß bei all diesen Gegenüberstellungen das Dunkle immer durch 
das Katholische, das Helle aber durch das Nationalsozialistische 
dargestellt wird, verwundert bei der weltanschaulichen Einstellung 
des Redners und bei, dem Zweck seines ganzen Vortrages nicht 
weiter. 

Auch Bauern und Jungbauern mußten in die Schule von Rosen- 
berg gehen; so z. B, sagten ihnen in Wasserburg a. I. im Jahre 1935 
Pg. König und Pg. Barbisch vor: „Der Nationalsozialist muß 
tief religiös sein, aber Rom lehnt er ab; denn durch Rom ist 
die germanische Rasse versklavt worden." „Wir knien uns nicht 
nieder vor dem Altar, wo das Erlöserblut geflossen ist, um da 
Verzeihung der Sünden zu erbeten, sondern wir stehen 
um unsem Altar, wo unser Erlöserblut, das Blut von 2 Millionen 
Kriegern und 400 Gefallenen der Partei, geflossen ist, stolz und 
stark, nicht wie die Devisenschieber und Dunkelmänner." 

„Rosenberg" an deutsche Frauen. 

a) Schulungskurs im Sommer 1936: 

„Eine andere Macht, die eine 2000jährige Tradition hat, faßt die Kin- 
der schon mit 8 Jahren, indem sie dieselben zum Tisch des Herrn schickt, 
das ist nicht recht! Die Kinder verstehen das in ihrem tiefsten Herzen 
nicht. Die Frauenschaft soll sorgen und wird sorgen, daß das in 
Zukunft nicht mehr geschehen darf. Der Nationalsozialismus ist dadurch 
klug geworden und erfaßt die Kinder schon mit 6 Jahren. — Wir haben 
2 Feinde: Den Bolschewismus und die politisierende Kirche, hinter all 
dem steht der Jude. — Dem Katholizismus ist es gleich, wer mitgeht, um 
seihe Macht zu erhalten, ob Jude, ob Kommunist. Rom kann niemals 
lieben und duldet auch nicht die nordische Rasse. Es will nicht, daß 
dieise Sieger wird. 

Die Kirche lehrt, das Kind kommt ohne Seele zur Welt und muß 
durch die Taufe erst die Seele bekommen (!). Wer die wahre Lehre 
der Kirche über diesen Punkt nicht kennt, kann zu dem Entschluß 
kommen, seine Kinder überhaupt nicht taufen zu lassen. Diesen Ent- 
schluß vertraute mir eine Kursgenossin, die bereits ein Kind erwartet, an. 

Der 3. Vortrag behandelte die Einstellung des NS zur Einführung 
des Christentums bei den alten Germanen. 

Die Machtbestrebungen Clodwigs und Karls des Großen waren nichts 
anderes, als die Kirche zur Macht zu bringen. Die Einführung des 
Christentums ist unserem deutschen Volk derartig fremd gewesen, und 
diese Fremde hat einen großen Teil abgestoßen, war aber auch unge- 

266 



heuerlich anziehend. Der schon damals von Rom eingeführte Prunk, das 
bloße Vorlesen der Evangelien (Lesen war den Germanen etwas Frem- 
des, noch dazu das Lesen in lateinischer Sprache), die Aufmachung mit 
Kerzen und Litaneien. Das alles war den Germanen ganz wesensfremd 
und gerade deswegen auch anziehend. Aber was sie nie begreifen woll- 
ten, das war der Gedanke an Gnade und Erlösung. Der Germane hat 
etwas Schlechtes nicht gelassen, weil es Sünde war, sondern weil es 
seinem Stamm gegenüber schlecht war. Also mußte zuerst der Begriff 
Sünde gebracht werden, daraus Erlösung und Gnade. Wenn wir unsere 
jungen Mädel wieder soweit bringen, daß sie aus einer inneren Verant^ 
w Ortung heraus ihren Weg gehen, dann sind wir wieder zurückgekehrt 
zur Auffassung der damaligen Zeit. — Viele sagen, daß die Frau erst 
durch das Christentum das wurde, was sie sein soll, vergessen aber, daß 
ein Marienkult eingeführt werden mußte, um die Stellung der Frau 
überhaupt zu heben. Die Stellung der Frau hat in der vorhergehenden 
Zeit so gelitten, daß dieser Marienkult nötig war. Das soll nicht heißen, 
daß es den Marienkült vorher nicht gegeben hat, aber all das, was drum 
rum gemacht wurde, daß die Maria Jungfrau war, das ist sehr spät 
eingeführt worden. 

Die Einführung des Christentums hat verschiedenes gebracht, was 
uns heute noch bis in die Seele bewegt, daß so etwas möglich war, die 
Hexen Verbrennung. 

Thomas von Aquin hat sich mit einigen Jesuiten, die sich 
schon damals bildeten, zusammengeschlossen. Es waren entweder Aske- 
ten, die jedes natürliche Gefühl der Frau gegenüber verloren hatten, 
oder es waren Schweinehunde, die den ,Hexenhammer' geschrieben 
haben. Es^ steht fest, daß Zweidrittel der gesamten- Verbrennungen an 
Frauen vorgenommen worden sind zwischen 25 und 35 Jahren. Da 
wird uns eines klar, daß damals schon eine Methode eingeführt worden 
ist, und zwar die Methode, ein Volk im Grunde auszurotten und zu ver- 
nichten. Und was am meisten wundert, ist, wie die Männer dazu stan- 
den. Nur so begreifen wir, daß die Kreuzzüge waren und dadurch 
die besten Männer fortzogen. Nun waren die Frauen mit den Kindern 
allein, und sie hatten freie Hand. Wenn wir nach Mainz kommen in die 
Wohnung des Bischofs, da ist eine kleine Luke und anschließend dip 
Folterkammer der Hexenverbrennung. 

Die Kreuzzüge sollten ursprünglich dazu dienen, das Heilige Grab 
von den Türken freizuhalten, und wir haben auch dazu eine bestimmte 
Auffassung. Die Männer in dieser Zeit glaubten etwas Großes und Heili- 
ges zu leisten, denn sonst wären diese deutschen Männer überhaupt 
nicht dazu zu bewegen gewesen, Haus und Hof im Stich zu lassen. Wenn 
wir es heute objektiv ansehen, unci wenn Christus dieser große Mann 
ist, dann müssen wir uns in einer tieferen Gläubigkeit sagen, daß es 
diesem Mann gar nichts gemacht hätte, wenn sein Grab in die Hände 
der Türken gefallen wäre. Es waren darin nur noch einige Knochen (!!!), 
die mit der Person Christi überhaupt keine Beziehung mehr hatten. — 
Und wie viele sind da wieder umgekommen vom guten deutschen Volk, 
dem Rom methodisch den Garaus machen wollte! Der größte Wahnsinn 
aber begann mit den Kinder-Kreuzzügen. Der dann die Kinder-Kreuz- 
züge verhüten wollte, ist vom Papst hingerichtet worden. 

Der Vatikan als politische Macht: 

Die Papstidee fußt auf der Auffassung, daß der Papst der einzige 
Herrscher und die Kirche die einzige Macht sei. Mit dem Dogma der 
Unfehlbarkeit war die Diktatur des Papsttums gesichert. Das Unfehl- 
barkeitsdogma ist die Grundlage der modernen vatikanischen Politik. 
Wer es ableugnet, ist ein Ketzer. Alle Staaten sind aus dem Wellkrieg 
schwer erschüttert hervorgegangen, nur der Vatikan erlebte einen Auf- 
schwung. Es waren nun zwei Ziele erreicht: Die romabträgliche Mon- 

267 



archie jn. Deutschland beseitigt und der russische Cäsaropapismus, die 
Stütze der orthodoxen Kirche, durch die bolschewistische Revolution 
vernichtet. 

Wenn es um seine Machtseele geht, kennt der Vatikan keine Hem-^ 
mungen. Der Vatikan schmiedet die letzten großen Klammern um 
Deutschland. Der politische Einfluß des Vatikans geschieht meist auf 
religiöser Grundlage. Die Beichte ist für den Staat ein völlig Un- 
kontrollierbares Einflußmittel der Kirche. Auch Kranken häuser usw. 
sind Einflußmittel auf das Volk. — Die Armee des Vatikans besteht in 
der römischen Priesterherrschaft. Zahlen darüber erzählen mehr über 
den Angriffsplan. 

Christ k ö nigsherrscha f t, hinter dieser mystischen Bezeich- 
nung verbirgt sich die Weltherrschaft des Vatikans." 

b) Schulungst agung des deutschen Frauenwerkes 
Gau Pommern in Stettin vom 28. November 1936. 

Teilnehmerinnen: Kreis-Fräuenschaftsleiterinnen, Mütterschulungs- 
leiterinnen, Organisationsleiterinnen usw. 

Notizen über den Vortrag sind nicht erwünscht; das wurde beson- 
ders hervorgehoben. 

Alle Rednerinnen zeichnen sich durch außerordentliche geistige und 
rednerische Gewandtheit aus. Die Hauptsache der Schulung>.war: Welt- 
anschauliche Durchbildung: Nachfolgender Vortrag war pro- 
grammäßig nicht vorgesehen und auch nicht angekündigt. 

1. Rednerin : 600 000 Brävite und Mütter sind durch die Mütter- 
schulung gegangen. Mütter Schulung ist das Instrument 
zur Verbreitung der neuen Weltans'chauung; denn 
über die Frau geht der Weg zur Familie und vonder 
Familie ins Volk. Der Frau gegenüber muß die Weltanschauung 
verstärkt getrieben werden. An jede Frau, ohne Unterschied der sozialen 
Schichtung, muß herangetreterP werden. Kochen lernen und Koch- 
rezepte verteilen müssen wir als T r ickanwenden, um 
d i e M e n s c h e n h e r a n z u z i e h e n. 

2. Rednerin: Gaufrauenschaftsf. Traber-Stettin: 

In allen Orten muß von jetzt ab alle 6 — 8 Wochen eine Versammlung 
des Frauenwerkes stattfinden. Und diese Versammlung dient der welt- 
anschaulichen Schulung.^. Frauen, die noch außen stehen, müs- 
sen noch besonders eingeladen werden, Sie betonte dann: Die beiden 
Dinge miteinander vertragen sich nicht: Bindung an die Kirche 
und unsere Arbeit. Wer in unserer Arbeit, steht, muß sich ent- 
scheiden. Es ist uns gesagt worden: Die „Heidin" Fabes ist aus der 
Kirche ausgetreten. Ich bemerke dazu: Ich trete noch nicht aus der 
Kirche aus, obwohl ich innerlich weiß, wie ich stehe. Ich trete'erst 
aus, wenn alle Frauen wissen und mich verstehen, 
warum ich austrete. — Die Hauptsache ist bei uns nicht die 
Leistung, sondern die Gesinnung. Menschen, denen wir gesinnungsmäßig 
nicht trauen können, können wir auch nicht brauchen. In die Führung 
gehören nur solche Frauen, die eine zuverlässige Gesinnung haben, für 
die es kein Wenn und Aber gibt. Mit Frauen, dienoch dauernd 
in die Kirche rennen und Bedenken haben, mußauf- 
g e r ä um t werden. „Lügner" können wir nicht brauchen! Die Red- 
nerin f-ührte aus, sie habe sehr viel Geduld und Nachsicht mit solchen, 
die sich Mühe geben. Aber einmal müssen auch diese zur Entscheidung 
kommen. Und wenn eine Mitarbeiterin die neue Welt- 
anschauung nicht begreifen kann, dann mußsie ab- 
treten. Freilich, viele fühlen sich vor den Kopf gestoßen und sagen, 
daß doch früher davon nie die Rede war. Früher kämpfte man 

268 



um die Macht' und jetzt um die Seele. Die AmtsWalterinneri 
müssen bei den Frauen durch beständige Schulung vorbereiten, damit 
die alte Weltanschauung von selbst abstirbt. Es darf keine auf- 
gefordert werden, aus der Kirche auszutreten. Die Rednerin betonte 
dann, daß vom Gau (im Einverständnis von Frau Scholz-Klink) Unter- 
lagen gielief ert werden zu Adventfeiern, d. h. Vorweihnachtsfeiern. 
Wenn einzelne sieh wundern sollten, daß nicht mehr von Jesus 
die Rede ist, müssen sie aufgeklärt werden: Dieser und ähnliche 
Namen werden bei unseren Festen nicht mehr gewünscht. 

Dem Vortrag folgte ein langanhaltender Beifall, 

Auf die Anfrage, ob von diesen Mitteilungen den Mitgliedern gegen- 
über Gebrauch gemacht werden dürfe, wurde erklärt: Unter keinen 
Umständen dürfe diese Weisung weitergegeben wer- 
den. Nur sie selbst sollen daraus lernen und klug vorangehen. 

Auch das ländliche Jahr, das Hauptwirtschaftsjahr und die Haus- 
wirtschaftslehre wurden behandelt. Bei Auswahl der Hauswirtschafts- 
stellen sei man darauf bedacht, daß die Mädels nur an solche Familien 
kommen, in denen sie auch weltanschaulich von dem Alten 
weggebracht werden. Das deutsche Frauenwerk und die NS- 
Frauenschaft muß sich um diese Mädels kümmern und sie . an sich 
ziehen. Der Totalitätsanspruch, der aus dem Glauben durch die Kirche 
gestellt wird, ist uns hinderlich. An seine Stelle tritt der To t ali t ä t s- 
a n s p r u c h d e s S t a a t e s. 

Zum Schluß betonte die Rednerin noch einmal, daß sie nicht so 
offen gesprochen hätte, wenn es nicht Frau Scholz-Klink gewünscht 
hätte. Der Gedanke, daß die Ki n d e r d e n Eltern gehören, 
ist falsch. Die Kinder gehören ebenso den Kindern und damit der 
Hitlerjugend. Die Eltern sollen mit Fragen der Neuzeit nicht an die 
Kinder herantreten, sondern bei den Kindern eigene Ansicht wachsen 
lassen ...» . 

Wir stehen in weltanschaulicher Verteidigung und nicht mehr in 
politischer und wirtschaftlicher. ' 

Bei den Sondertagungen der nächsten Tage erzählte eine Frau, tfaß 
in einem Sehulungslager die anwesenden Katholikinnen jeden Morgen 
um 7 Uhr in die Kirche gingen. Darauf wurde der Beginn der Vorträge 
auf 7 Uhr festgesetzt. Dann gingen sie schon um 5 Uhr. Daraufhin 
w^ußte der Schulungsleiter sich nicht mehr zu helfen. Er überläßt es der 
Zeit, auch diese Menschen zu bilden. 

„Rosenberg" an die HJ 

a) K r e i s 1 e i t e r F r i t s c h, F r e i b u r g i. B r., 

trug der HJ Christentums- und kirchenfeindliche Rosenbergideen 
vor mit Worten wie: 

„Die katholischen Menschen können ohne den Segen , des Priesters 
nicht leben . . . Überall hat eben der Priester seine Hand im Spiele, und 
die dummen Menschen glauben dies alles. Aber auch alles, was der 
Priester auf der Kanzel sagt, glauben sie, und wenn es der größte 
Mist ist." . . 

„Die Christen sehen in dem Priester etwas Heiliges, weil sie geweiht 
sind. Wir Nationalsozialisten brauchen keine Weihe. Unsere Weihe ist 
die Persönlichkeit, der Charakler des Menschen." 

„Ebenso blödsinnig wie dieses sind die Dogmen. Wir brauchen 
keine Dogmen." 

„Als der Führer jetzt nach Rom kam, glaubte der Papst, daß ihn 
Adolf Hitler besuchen würde. Aber er wartete vergebens, und zwei 

269 



Tränen rollten ihm deshalb über die ' Wangen. Wenn der gute Herr 
heute noch glaubt, daß Adolf Hitler ihn besuchen würde, dann ist der 
Papst 100 Jahre zu spät auf der Welt." 

„Die Kirche wird ganz bestimmt untergehen, und wenn es auch nicht 
in den nächsten 50 Jahren ist; aber eines Tages wird die Stunde kom- 
men, wo nicht mehr das christliche Glaubensbekenntnis gepredigt wird, 
sondern wo man erkannt hat, daß wir in Adolf Hitler die Vorsehung 
des allmächtigen Gottes sehen." 

„Wenn ihr von all dem etwas mitnehmt, dann soll es sein, daß ihr 
euch die Frage vorlegt, ob ihr wirkliche Soldaten des Führers sein oder 
der Kirche treu bleiben wollt. Bedenkt, daß heute tagtäglich Kirchen- 
austritte zu verzeichnen sind. Es sind wirkliche Männer mit Kraft und 
Mut, die ohne innere Schwierigkeiten der Kirche den Rücken kehren 
und sich als Soldaten des Führers zeigen." 

b) Am 13. April 1934 leistete sich ein SS-Sturmführer, der in 
Regensburg in der Jugendführung eine besondere Rolle spielen 
wollte, bei Jugendlichen folgende Ausführungen: 

Den „wirklichen Soldaten des Führers" zeichnet der Schau- 
kastendienst der HJ, Gebiet Oberland, Nr. 1 vjom November 1933, 
mit den Worten: 

„Junge Deutsche haben im Jahre 1914 die Bibel mitsamt der Gram- 
matik in den Winkel geworfen und das Gewehr gepackt, haben in Flan- 
dern nicht mit der Bibel, sondern mit dem Bajonett das Vaterland ver- 
teidigt." 

e) Ein SS-Sturm führer aus Thüringen 

glaubte am 13. April 1934 in Regensburg versichern zu können:* 

„In zehn Jahren gibt es keinen Katholizismus und keinen Protestan- 
tismus mehr. 

Rosenberg hat recht, wenn er sagt, der Christusgedanke sei nach 
2000 Jahren überlebt. Die weltanschauliche Schulung der HJ wird so 
durchgeführt, daß in zehn Jahren die neue Religion fertig ist. In der 
Zwischenzeit wird die HJ die Klostermauern stürmen; sie sind ja nicht 
hoch, und die SA und die SS stehen dahinter. Wehe, wenn ihnen von 
den Schwarzen ein Haar gekrümmt wird! . . . Die Jugend gehört und 
bleibt uns. Hitler will nur eine Einheitsreligion, und die kommt!" 

d) Der Leiter eines HJ-Führerkurses 

in Andelsbuch bei Bregenz im Dezember 1940 stieg in Ausdruck 
und Inhalt noch tiefer. Zu 42 Jugendlichen von 11 bis 19 Jahren 
sprach er zunächst stundenlang über weltanschauliche 
Fragen: Der Papst sei ein Erzgauner, die Bischöfe Gauner. Genau 
so heute, wie einst im Mittelalter! Nach dem Kriege wird mit 
diesen Gaunern aufgeräumt. 

Dann gab er ausführliche Aufklärung über sexuelle Fragen. 
Insbesonders zeigte er in einem Film die Entwicklung des Kindes 
im Mutterschoß, dann äußerte er sich über die Selbstbefleckung in 
einer Weise, daß man auch jetzt noch geradezu erschaudert an- 
gesichts der Gefahr, in welcher unsere deutsche Jugend in den 
Händen solcher Jugendführer war: „Ein Mann kann ohne Selbst- 
befleckung nicht leben. Infolgedessen verlange ich auch von euch 

270 



nicht, daß ihr euch der Selbstbefleckung enthaltet. Im Gegenteil: 
Ihr sollt sie sogar üben Nur nicht dreimal am Tag, weil das ein 
Übermaß wäre." Gewarnt wurde vor gleichgeschlechtlichen Ver- 
gehen unter Androhung strenger Strafen. 

In dem Bericht eines Teilnehmers dieses Kurses wird gesagt, 
daß die Jugendlichen nach diesen Ausführungen ihres Führers sich 
dahin geeinigt hätten, die Selbstbefleckung zweimal im Tage zu 
üben. 

Wer ist schuld an den „Rosenbergiaden" all dieser national- 
sozialistischen Lehrkurse? 

Nach Darstellung sicher erwiesener christentumsfeindlicher 
Ausführungen auf verschiedenen nationalsozialistischen Lehrkursen 
in einer Note vom 14. Mai 1934 fragt der Hl. Stuhl unter Punkf V: 

„Wenn in den erzieherischen Institutionen, für die der Staat 
auf einen Beitrittszwang hinarbeitet, ein solcher Geist gepflegt 
wird, wenn die hier beispielsweise mitgeteilten Dokumente und 
Berichte zeigen, wie manche Führer in solchen Staatsinstitutionen 
in Wirklichkeit vorgehen, dann ist der Hl. Stuhl wohl berechtigt, 
folgende Fragen auf zu werfen: 

Gibt es zentrale Anweisungen für die Gestaltung dieser Kurse? 

Sind in diesen Anweisungen Winke oder Anleitungen enthalten, 
wie die in das Grenzgebiet von Kirche und Staat fallenden Fragen 
bzw. die religiösen Fragen selbst zu behandeln sind?, 

Wenn ja, wie lauten diese Anweisungen? 

Wenn, was vorausgesetzt sein mag, diese zentralen Anweisungen 
einwandfrei sind, wie erklärt sich dann, daß in so offener und be- 
denkenloser Form darüber hinweggegangen wird? 

Wie kommen die Leiter solcher Kurse zu der Überzeugung, mit 
der, von ihnen gewählten Gestaltung eines staatlich verordneten 
Kurses den Intentionen einer Regierung zu entsprechen, die nach 
Ausweis des Konkordatstextes von dem Wunsche geleitet ist, „die 
zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich bestehenden 
freundschaftlichen Beziehungen zu festigen und zu fördern"? 

Wie gedenkt die Reichsregierung die wiederholten mündlichen 
und schriftlichen Versicherungen, daß das Rosenbergsche 
Buch eine Privatarbeit sei, für die sie jede Verantwortung 
ablehne, mit der Tatsache in Einklang zu bringen, daß allseits, 
unter Ausnutzung parteiamtlichen und staatlichen Druckes, dieses 
Buch an die Jugend herangebracht und ihr als Leitfaden national- 
sozialistischer Weltanschauung eingeprägt wird? 

Was beabsichtigt die Reichsregierung zu tun, um diesem Miß- 
brauch staatlicher Autorität und diesem organisierten Gewissens- 
druck ein Ende zu machen?" 

271 



Bosenbergs Nachschreiber. 

Rosenberg sprach nicht bloß durch vieler Mund, er 
schrieb auch mit vieler Hand. Als Beispiel ein Auszug aus 
dem Buch: „Reich und Religion" von Dr. Hompf . Verlag für 
nationalsozialistischesSchrifttum, Stuttgart. 

„Zurück zu den germanischen Vätern, zurück zu den deut- 
schen Müttern und ihrer naturhaft wahren Religion. Was 
kümmern wir uns um das frivole Spötteln der Römlinge, daß ,wir wie- 
der zum Wotans- und Baidurkult zurückkehrten.' Als ob diese Wirklich- 
keitsanerkennung eines Odin, Baldur, Donar nicht sinnigere und wür- 
digere Religionsformen waren, als wenn heute den geistig entmannten 
Deutschen in Trier ein alter Judenrock oder in Aachen die angeb- 
lichen Windeln Jesu oder der Unterrock Marions zur Ver- 
ehrung angeboten wird! 

•Wollen wir Deutsche im Dritten Reich wie unvernünftige Schafe 
einem welschen Hirten folgen, der uns mit orientalischen 
Märchen abspeist, der uns jüdische Vorbilder aufrichtet und das Len- 
dentuch des gekreuzigten Juden-Messias zur Verehrung vorsetzen läßt! 
Germania, verhülle in Scham dein Haupt vor solchem Götzendienst! Das 
erdumspannende Ungeheuer, die Midgardschlange Katholizis- 
mus hat so manchen deutschen Helden mit ihrem Gifthauche getötet, 
aber unter des deutschen Thonars Hammerschlägen ist sie selbst er- 
schlagen hinabgesunken. 

Moses, der die Sagen Afrikas und Asiens aus Priestermunde 
kannte, stellte zum Sammelpunkt seiner dienstmüden Judenschaft einen 
eigenen Nationalgott auf, einen Gott, den er als Rettergott am 
Berge Sinai vorfand, schrieb ihm die ganze Welt und Menschen- 
schöpfung zu und erklärte ihn zum Vater, Führer, Förderer und Ver- 
flucher seines Volkes Israel. 

Wenn wir aber nun mit unserem Dritten Reich den vollkommensten 
Staat anstreben, so ist dieser doch wohl am sichersten und dauerhafte- 
sten begründet durch vollgültige einheits-religiöse Volksgenossen. In 
einem 20-Jahres-Pian sind alle Geistlichen Lehrer des Volkes geworden. 
Eine strenge Staatskontrolle wird jeden Versuch, unser Volk durch eine 
internationale Kirchenlehre zu beunruhigen und unsere Volksgenossen 
zu entwurzeln, im Keime vernichten. 

Wandelnde Leichname sind alle jene Mönche und Nonnen, 
die Rom den Kadavergehorsam geschworen. Sie sind bis in die 
Seele entdeutscht, entwurzelt, religiös vernichtet. 
Wir dürfen die kirchlich-klösterlichen Zwangsbur- 
Sen nicht mehr im Vaterlande dulden, dürfen nicht lässig 
zusehen, wie man Zehntausende unserer Jünglinge und Jungfrauen see- 
lisch verführt, ihnen die deutsche Seele stiehlt und ihnen die naturhaft 
heilige Gemeinschaftsreligion raubt. Alle Sekten und Kirchen sind im 
DBFE aufgehoben. Es gibt nur mehr ein Reich, eine Religion und 
einen Bund mit der reichsministeriellen Spitze. 

Unser unbeugsamer Wille zur Volkswerdung lautet: Durch 
deutsche Einheitsreligion zum Deutschen Einheits- 
staat, zum großen Dritten Deutschen Reich, zum freien Volke auf 
freiem Grunde! 

Sucht man, genötigt durch die christlichen Kulturbeschwörer, bei 
Jesus nach seinen kulturellen Eigenschaften und 
Le i s t u n g e n, so lassen sich solche beim besten Willen nicht ent- 
decken, eher stößt man auf das Gegenteil. Hat er denn die Wissen- 
schaft gepflegt, die Kunst, die Philosophie? Konnte er sich etwa 
mit einem Plato oder Aristoteles messen? Hat er sich 

272 



um Landbau oder vtm sonstige Tätigkeit gekümmert? Nichts von alle- 
dem. Also mit der christlichen Kultur in der Person des jüdischen 
Wanderpredigers ist's nichts. Auch bei seinen Schülern und 
Aposteln suchen wir sie vergebens. Waren sie doch gerade wegen ihrer 
Kulturgeringschätzung bei den Kulturträgern ihrer Zeit selbst gering 
geschätzt." 

Die deutsche Turne rschaft marschiert auch 
hinter Rosenb er g 

Als Beispiel dafür, wie der Kampf gegen Christentum und 
Kirche auch auf Gebieten, wo man es normalerweise nicht er- 
warten möchte, geführt wurde, seien ein paar Auszüge aus der 
„Deutschkunde" des Dietwarts der deutsch e n Turner- 
schaft, Kurt Münch (Wilhelm-Limpert- Verlag, Berlin 1934), 
wiedergegeben: 

Deutschkunde 

herausgegeben 
vom Dietwart der deutschen Turnerschaft: Kurt Münch, 1934. 

Wilhelm-Limpert- Verlag, Berlin SW68. 

Seite 116: „Glaube und Wesen der Germanen." 

Seite 120: „Romkirche erstrebt geistige Unterjochung." 

Seite 126/131: „Die überstaatlichen und übervölkischen, volkstum- 
feindlichen Mächte im Völkerleben." 

Seite 160: „Rompolitische Einflüsse in Österreich." 

Seite 175: „Römische, stammesfremde Hierarchie ist abträglich." 

Seite 190: „Durch die überstaatliche, erst kaiserliche, dann kirch- 
liche Rommacht wurde uns mit List und Trug, Schwert und Scheiter- 
haufen, Fremdes aufgezwungen." 

Seite 196: „Das römische Kirchentum knechtete den freien Geist, als 
es die Leibesübungen als Erfindungen des Teufels verbot." 

Seite 198: „Jahn selbst ist uns Beispiel, wie (innerlich aufgefaßt) 
Turnen zur Geistesfreiheit erzieht, und daß es unturnerisch ist, das 
Jahnsche Turnen mit religiösen Satzungen irgendeines Kirchentums zu 
verquicken." — „Geistesfreiheit verträgt sich auch nicht mit der Starr- 
gläubigkeit (Orthodoxie)." 

Seite 199; „Die Geistesfreiheit wird von den zivilvölkischen Mächten 
bedroht, so von jenem Teil der Kirche, der die politische Prie- 
sterschaft, von dem Judentum, das die wirtschaftliche 
Weltherrschaft, und von der Sozialdemokratie, die die Herr- 
schaft des Prolet.ariats anstrebt. Das politische Kirchentum arbeitet 
unter dem Schutze der Religion mit dem Glaubens- und Gewissens- 
zwang, früher auch mit körperlicher Verfolgung (Inquisition, Hexen- 
prozesse usw.), das Judentum mit der Zersetzung des Geisteslebens und 
dem geldlichen Einfluß, die Sozialdemokratie mit den Mitteln der 
Gewalt." 

Seite 102/2: „Die ersten Christen, nicht ihrer religiösen An- 
schauungen wegen verfolgt." 

Seite 203/10: Ketzerverfolgungen. — Kirchengeschichte nach Rosen- 
berg. 

Seite 215: Christentum und Judentum. 

Seite 221/23: Der Kampf Deutschlands gegen Rom. Los-von-Rom- 
Bewegung. 

Seite 226: „Es kann kein für alle Menschen gleiches Sitten- 
gut sein, so wenig als diese (alle Menschen) sich gleich sind." 

273 



Seite 263: Judentum: „Diese Engherzigkeit und Selbstüberschätzung 
zeigt sich in allen Äußerungen des jüdischen Lebens. Von ihrem eng-^ 
herzigen Gottestaegrifl, wohl der traurigste, der je aufgestellt wurde, bis 
zur vernagelten Unduldsamkeit und Überhebüng gegen alles Nicht- 
jüdische." 

Seite 278/80: Karl der Franke. 

Seite 281/88: Deutsche Geschichte unter der Devise: Rom ist der 
Feind. 

Wie die Widmung des beiliegenden Buches zeigt, wurde dasselbe 
auch Jugendlichen gegeben. 

Ob alt oder neu, ob Schund oder Schmutz, 
willkommen, v^renn's hilft im Kampf gegen Kirche, 

Priesterund Orden! 

Als geistesverwandt mit Rosenberg und wertvoll im Kampf 
gegen Christentum, Kirche und Priester durften in Deutschland 
unter den schützenden Flügeln der Prüfungsstelle der Reichsschrift- 
tumskammer alte und neue Bücher zweifelhafter Verfasser und 
sehr minderer Qualität flutartig anschwellen, wie die Auflagen- 
ziffern einiger derselben im Jahre 1938/39 zeigen. 

Otto von Corvin: Pfaffenspiegel (November 1938): 2000000 

Otto von Corvin: Die Geißler: 500 000 

Das „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" empfahl den 
„Pfaffenspiegel" in marktschreierischer Reklame unter Hinweis darauf, 
daß seine weiteste Verbreitung im Interesse der politischen und geisti- 
gen Ziele des Nationalsozialismus und für sein rechtes Verständnis der 
deutschnationalen Bewegung wünschenswert sei. 

B. Emil K o e n i g : Hexenproz^sse: 230 000 

K. Revetzlow: Der Priester und die Frau im Beicht- 
stuhl (7. Auflage): 20 000 

A ß m u s Burghardt: Jesuitenspiegel: Interessante Beiträge 
zur Naturgeschichte der Jesuiten: 60 000 

Aßmus B.: Das Schicksal von Nonnen. Interessante Ent- 
hüllungen aus Kloster akten: 

Aßmus B.: Klosterleben. Enthüllungen über die Sitten- 
verderbnis in den Klöstern: 

E. u. M. Ludendorff: Geheime Ziele und Macht 
der Jesuiten: 

E. u. M. Ludendorff: Die Bibel nicht Gottes Wort: 

E. u. M. Ludendorff: Erlösung von Jesus Christus: 

G r i e s e Frz.: Ein Priester ruft: Los von Rom und Christus: 

G r i e s e Frz.: Der große Irrtum des Christentums, nach- 
gewiesen durch einen Priester: 

L o e h d e : Der Papst amüsiert sich: 

Gottschling: 2 Jahre hinter Klosterrhauern (Mit dem 
Preis der Universität Jena „für Kunst und Literatur" 
ausgezeichnet): 

R u g e 1 : Ein Trappist bricht das Schweigen: 

274 



80 000 


115 000 


50 000 


290 000 


52 000 


32 000 


21 000 


17 000 


42 000 


60 000 



All diese und viele andere gleich christentumsfeindliche, lite- 
rarisch und geschichtlich und theologisch minderwertige Bücher 
und Pamphlete fanden das „Plazet" der Prüfungsstelle der Reichs- 
schrifttumskammer und die kräftigste Unterstützung der National- 
sozialistischen Partei, ihrer Gliederungen und ihrer Presse. 

Rosenbergs Wochenkanzel bei der SS 

Hitlers Leibgarde mußte natürlicherweise „weltanschaulich** 
am meisten gefestigt werden. Ihr, wurden Rosenbergs Ideen all- 
wöchentlich in Himmlers Leibblatt: „Das Schwarze Korps" aus- 
giebig gepredigt. 

Es tobte darin ein ununterbrochener, zäher Kampf gegen das 
Christentum. Zur Veranschaulichung bloß die Titel antichristlicher 
und antikirchlicher Artikel einer einzigen Nummer des „Schwar- 
zen Korps" (vom ^. Dezember 1936, aus dem Englischen rücküber- 
setzt): 

1. Klerikaler Kampf gegen die nationale Einheit (gegen ein Schrift- 
chen von P. Kassiepe über „religiöse Mischehen"). 

2. Parasiten der Nachkriegszeit (gegen katholische Orden). 

3. Schwärzeste Hintertreppenmoral (gegen katholische Staats- und 
Steuer lehre). 

4. Katholische Eisenbahner (Spott auf kirchliche Persönlichkeiten). 

5. Gedicht: St. Leonhardskapelle. 

6. Das Versagen des Christentums und der Sieg der Deutschen Natur- 
verehrung. 

7. „Was eine Frau vor 220 Jahren schrieb" (gegen die Jungfräulichkeit 
der- Nonnen). 

8. Wie Schwester Lioba Millionen hinausschmuggelte. 

9. „Oh Du mein Österreich! (Bild: Ein Geistlicher segnet den Galgen. 
Darunter das Wort: „Der Zweck heiligt die schwärzesten Mittel". 

10. Volksfeinde: Eine Bilderreihe von Priestern, Nonnen und Bischöfen. 

11. Segnung eines italienischen Tanks durch einen Priester. 

12. „Seelenbad" (Spott auf ein frommes Flugblatt, angeblich gefunden 
in einem Eisenbahnkabinett). 

Rosenberg als „Rattenfänger von Hameln" 

HJ läuft und pfeift ihm nach. 

Die HJ wollte im Kampf gegen das Christentum hinter der 
SS nicht zurückbleiben. -Beispielsweise enthält das Winterschulungs- 
programm einer HJ-Gaugruppe im Jahre 1936/37 folgende Skizzen 
für Unterricht über Rom: 

„Die Kirche verantwortlich für die Zerstörung Deutschlands im Dreißig- 
jährigen Krieg. 

Katholische Aktion als Fortsetzung politischer Parteien. 

Die Mittel, mit denen Völker durch Rom in Unterwürfigkeit gehalten 

werden: Beicht, Lehre vom Himmel, vom Lohn im Leben nach dem 

Tode, Lehre von der Hölle. 

Die brutalen Methoden, mit denen das Christentum nach Deutschland 
gebracht wurde. 

275 



Die Orden der katholischen Kirche naturwidrig. 

Der Generalstab von Rom: Die Jesuiten, 

Rom tmd Bolschewismus. 

Schlußfolgerung: Immer, wann Deutschland einig und stark ist, taucht 
Rom auf, es zu zerstören. 

Unsere Lebensanschauung im Gegensatz zu jener von Rom: 

Ehre, Wahrhaftigkeit, Tapferkeit, entgegengesetzt der Unterdrückung, 
, Feigheit, winselnden Furcht, Stolz und Verantwortungsbewußtsein 
im Gegensatz zur Versklavung der Seelen." 

Die Radiosendungen der HJ zeigten gar oft mehr 
heidnischen als christlichen Charakter, z. B. am 7. Juni 
1935 vom Sender Breslau über die „Dunkelmänner". Dabei wurde 
gesagt: 

„Lange haben wir zu ringen mit der Tatsache, daß priesterliche 
Heuchelei unser ganzes Leben infizieren kann. Nur Macht allein ist es, 
was sie wollen, nicht Gott, sondern sich selbst." 

Ähnlich das Oratorium (!): „Der neue Glaube", das im Winter 
1935 in Osterrode im Harz aufgeführt wurde. 

In einer Rundfunksendung der HJ aus Königsberg, übertragen von 
Köln, Wien, Hamburg, Stuttgart, Leipzig und Saarbrücken, Ende Februar 
1938, versuchte der Redner den christlichen Glauben an Unsterb- 
lichkeit zu zerstören. Mit leidenschaftlichen Worten wandte er sich 
gegen die, welche auf Erden Anspruch erheben auf ein besseres Leben 
hernach, und stellte dem Glauben an die Unsterblichkeit der einzel- 
nen Seele den nationalsozialistischen Glauben an die Unsterblichkeit 
des Blutes gegenüber mit den Worten: „Wir glauben an ein fort- 
dauerndes Sein nach dem Tode, nämlich an das fortdauernde 
Leben in unserem Volk, in.unseren Söhnen und Enkeln." 

„Rosenberg" auf der Bühne. 

Auch die Bretter, welche die Welt darstellen, wurden in den 
Dienst der antikirchlichen Propaganda des NS genommen, z. B. 
durch das Drama von Kolbenheyer: „Heinrich IV.", dann Ende 1936 
durch das im '„Theater des Staates" zu München öfters aufgeführte 
Schauspiel: 

DerKönigreitet 

von Frau Anders. 

Die Verfasserin war früher Kommunistin, zuletzt in leitender 
Stellung der „Deutschen Glaubensbewegung". 

Das Schauspiel ist eine Allegorie, hat darum zwei Gesichter: 
Das eine zeigt den König Lothar von Sachsen und seine Umwelt, 
das andere trägt das Gesicht der Gegenwart, zeigt den Weg zur 
Macht des Dritten Reiches. 

Dem erwählten König Lothar hat „eine in die Überwelt 
ragende, aus innerer Sendung handelnde Führerpersönlichkeit", 
Konrad von Büren, den Kampf bis zum Ende angesagt, weil dieser 
sich in die Hand des Priesters, des Erzbischofs von Mainz, als des 
Trägers römischen Machtstrebens begeben hat. 

276 



Die Parallele ist klar: Lothar = der von starrem Pflicht- 
bewußtsein geleitete Reichspräsident Hindenburg; Konrad von 
Büren = Führer; Ludwig, Herzog von Bayern == das Bayern vor 
dem Umsturz; der Erzbischof von Mainz = leitende Stellen der 
Kirche der Gegenwart in Bayern und anderswo. So soll nach 
Willen und Meinung der Verfasserin der mehr als 1000 Jahre alte 
konflikt zwischen römischem und deutschem Geist aufgezeigt 
werden. 

Der Erzbischof als Person und Repräsentant der Kirche, speziell 
auch des Papstes in Rom, ist mit allen Lastern des Vaterlandsverräters 
ausgestattet. Mit allen Mitteln verwerflichster Diplomatie will er die 
von Konrad von Büren heiß erstrebte Einigung des deutschen Volkes 
hintertreiben und bearbeitet in diesem Sinne vor allem den letzten 
Widersacher dieser Einigung, den bayerischen Herzog. Zu diesem geht 
er bei Tag und schleicht sich durch Vorhangspalten bei Nacht. Er 
Spioniert ihm über die Schulter seinen Brief aus. Er geht in seiner 
Vaterlandsverräterei so weit, dem Papst in Rom vorzuschlagen, einen 
andern König zu krönen und will dabei die Situation gegen Deutsch- 
land ausnützen, welche im deutschen Volk durch den Einfall der Litauer, 
die zur Elbe vordringen wollen, große Besorgnis hervorruft. Ludwig von 
Bayern wird das Opfer der Zerrissenheit unter den Intriguen des Erz- 
bischofs; er wird vom Freunde Konrad ermordet. Auch in Maske (Pur- 
pur, Kukulle, Kapuze) und Gesamthaltung ist der Erzbischof die inkar- 
nierte Verschlagenheit. 

Aus dem Ganzen seien einzelne Äußerungen herausgestellt, 
die aber in keiner Weise einen vollständigen Begriff zu machen ver- 
mögen von dem niederschmetternden Gesamteindruck, der sich aus dem 
unmittelbar zusammenhängenden Anhören der zweieinhalbstün- 
digen Schmähung von Kirche und Priestertum ergibt: 

Es wird allgemein geredet von „den Priestern", „vom Priester", von 
„jenem Priester in Mainz", vom „Erzbischof", vom „Hohenpriester". Aus 
dem Zusammenhang erhält hier das Wort „Priester" allein schon die 
Bedeutung von etwas Ehrlosem und Gemeinem. „Priester" wirkt hier 
immer als Beleidigung. 

Einzelne Äußerungen (ohne genauen Wortlaut, aber sinngemäß): 
„Er (Erzbischof) hat die Todsünde erfunden, um dann verzeihen zu 
können." 

„ , . . steht niemand auf, die Macht des Hohenpriesters von Mainz 
übers Gebirge zurückzutreiben . . .?" 

„Wir sind in die Welt gesandt, um dem Unhold von Mainz .'.., dem 
unheiligen Erzbischof und seinen Priestern . . . das Ende zu bereiten," 

„ . . . der Priester ist immer da, ein fluchbeladener Gas t". 

„Wir müssen ihn bekämpfen, das ist unser ganzes Gesetz, . . . nicht 
mit Heeresmacht. Wir müssen ein Reich bauen, so hoch und weit, daß 
es die ganze Nation erfaßt." 

„Lothar, die Puppe jenes Herrn aus Rom". „ . . . ein Mann muß auf- 
stehen in unserem Reich, der ihm (Lothar) das Totenkleid der Kirchen- 
demut abnimmt". 

In einem Dialog zwischen dem Erzbischof und Heinrich dem Wei- 
fen wird eine Reihe von Sätzen des Erzbischofs hohnlachend immer be- 
antwortet mit der Wendung: „Auch das kann eine Lüge sein". 

„ . . . steht das in eurem säubern Brevier?" 

Der Erzbischof sagt: „Ein Wort (im Sinne der Zusage) kann leicht 
wie ein Spinngewebe sein." 

„Kein Schwur, den der Priester nicht lösen kann." 

„Schweig, du Verräter!" sagt Büren zum Erzbischof. 

277 



„Der Priester hat kein Vaterland . . . das ist sein Fluch, darum muß 
er sterben," 

Die Verwerflichkeit und der Fluch, der von dem Erzbischof ausgeht, 
wird dadurch besonders unterstrichen, daß sogar König Lothar, der von 
Anfang an auf die Worte des Erzbischofs schwur, vom Erzbischof am 
Ende sich abwendet. 

Konrad von Büren nimmt Bezug auf den Landesverrat des Erz- 
bischofs, der den Einfall der Litauer gegen das Deutsche Reich ini 
Dienste Roms ausnützen will. Er sagt u. a. „Wenn der Osten frei ist, 
wenn die Gefahr im Osten gebannt ist, dann wehe dem Priester, der 
den Verrat zur Sitte aufgerufen hat!" 

Kein Wunder, daß die „Deutsche Glaubensbewegung" in ihren 
Schulungsabenden dieses Theaterstück eindringlichst empfahl, da 
es „ihre Ideen verkörpere", ausgedrückt in den zwei Sätzen: „In 
unseremLande istUnfriede. Friede kann nur her- 
gestellt werden, wenndie Fremdlinge, die Röm- 
linge, beseitigt sin d." 

Kein Wunder auch, wenn dies Sti;ck in das offizielle Programm 
von „Kraft durch Freude" aufgenommen wurde. 



Kardinal Faulhaber bezeichnete darum das Stück in 
dem Protestschreiben an den Reichsstatthalter 
von Bayern: . . . „von Anfang bis zum Ende in seiner ganzen 
Tendenz und in einzelnen Szenen als eine Beschimpfung von Kirche 
und Papst und Priestertum. Meuchelmord wird darin durch Über- 
tragung einer hohen Stelle belohnt. ' Die Gestalt des Bischofs von 
Mainz ist ein Ausbund von Schlechtigkeit und Gemeinheit. Rom 
und die Priester sind an allem Unglück schuld und ebenso wie die 
Bolschewisten zu vernichten. Das Ganze spielt im Rahmen des 
furchtbaren Kulturkampfes, den die Deutsche Glaubensbewegung 
von Stuttgart zur Zeit gegen alles Katholische führt." 



Rosenberg stellt aus. 

Wie das Wort auf der Bühne, so sollte auch das Bild der Aus- 
stellungen der nationalsozialistischen Propaganda dienen. 

Ein Beispiel, dafür ist die Ausstellung, die vom 15. Dezember 
1939 bis zum 21. Januar 1940 in den Räumen des Kaiser-Friedrich- 
Museums in Berlin veranstaltet wurde unter dem Titel: 

„Frau und Mutter — Lebens quell des Volkes" • 

Die Dienststelle des „Beauftragtendes Führers für. 
die Überwachung der gesamten geistigen und 
weltanschaulichen Schulung und Erziehung der 
NSDAP" unternahm in Zusammenarbeit mit der Reichs-Frauen- 
führung, der Deutschen Arbeitsfront und dem rassepolitischen Amt 
der NSDAP diese Ausstellung. Der Stellvertreter des Führers, 
Reichsminister Rudolf Hßß, übernahm die Schirmherrschaft. 

278 , 



Die kirchenfeindliche Tendenz der Ausstellung kennzeichnet 
Bischof Preysing von Berlin in seinem Schreiben vom 13. Februar 
1940 an den „Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten" mit 
den Worten: 

„. , . Die Ausstellung versucht dabei auch, durch bildliche Darstel- 
lungen und Texte dem Beschauer einen Eindruck von dem Einfluß 
der Kirche und ihrer Lehre auf das von der Ausstel- 
lung dargestellte Gebiet „Frau und Mutter — Lebens- 
quell des Volkes" zu vermitteln. Hierbei ist das Bestreben 
leitend, bei den Besuchern der Ausstellung für die Rosenbergschen 
antichristlichen und antikirchlichen Ideen, wie sie 
beispielsweise im „Mythus des 20. Jahrhunderts", im „Schwarzen Korps", 
in „Schulungsbriefen" ihren publizistischen Niederschlag finden, Propa- 
ganda zu machen. So erklärt es sich beispielsweise, daß die Anthro- 
pologie der kirchlichen Lehre, die Ordensgeschichte der Kirche, das Wir- 
ken der Kirche in den weltlichen Gebieten durch die Ausstellung eine 
Darlegung und Auslegung erfahren, wie sie nur ein grundsätzlich 
gegen alles Kirchliche und Christliche gerichteter, 
'eidenschafUicher Haß, der für objektive Wertung der Tat- 
sächlichkeit und der Bedeutung geschichtlicher Fakta keinen Zugang 
findet, eingeben kann. 

Ich möchte nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß Jugendliche 
schullc lassenweise in die Ausstellung geführt wurden, daß Er- 
klärungen von Führerinnen in noch kirchenfeind- 
licherem Sinn gehalten waren, als die Ausstellung an und für 
sich war. 

Die Ausstellung, in deren Ausgestaltung sich immer wieder die anti- 
christliche und antikirchliche Propaganda geltend macht, stellt eine neue 
Form des offenen Vernichtungskampfes gegen Kirche und Christentum 
in Deutschland dar. 

Kurze Zeit nach Beendigung der Absstellung in Berlin hat mich die 
Staatspolizei wissen lassen, daß nunmehr mit scharfen Maßnahmen 
gegen kirchliche Kundgebungen vorgegangen werden würde, die geeignet 
seien, die Einheit der inneren Front zu gefährden. 

Angriffe gegen Christentum und Kirche erfolgen 
— ohne Rücksicht auf die Einheit der inner en Front. 
Abwehr solcher Arigriffe wird der Kirche unmöglich 
gemacht — mit Rücksicht auf die Einheit derinneren 
Front!" " 

Im folgenden sollen Proben dieser neuen antichristlichen und 
antikirchlichen Propagandamethode gegeben werden: 

I. 

Die Ausstellung versuchte im Besucher den Eindruck zu erwecken, 
daß die Kirche eine Feindin der Frau und der Mutter- 
schaftsei. 

Diesem Zwecke dienen: 

a) die falsche, plump kirchenfeindliche Interpretation 
kirchlicherBildwerke: 

Raum 5: Abbildung der bekannten Statue der „Frau Welt" am Dom 
zu Worms. (Dieses Bildwerk stellt bekanntlich eine stattliche Frauen- 
gestalt dar, deren Rücken von Kröten und Gewürm entstellt ist: ein 
Symbol für den schnöden „Undank der Welt" anihre 
Diener. 

In der Ausstellung aber war das Bild gedeutet: „Verhöhnung 
d e r F r a u d u r c h d i e K i r c h e." 

279 



Durchgangsraum vor Raum 8: Größe Photographien einer Statue des 
hl. Evicharius, der seinen Fuß auf eine unbelcleidete gebärende Frau setzt 
(Gesamtaufnahme und Detailaufnahme). Daneben, in großen Buchstaben: 
„M ißachtung der Frau durch die Kirch e." „St. Eucharius 
setzt seinen Fuß auf eine nackte Frau, die ein Kind gebärt — was die 
Kirche verachtet, tritt sie mit Füßen. Diese sonderbare Gruppe steht 
in Trier." 

(In Wirklichkeit handelt es sich um eine künstlerisch unbe- 
deutende, etwa 1,10 m hohe Sandsteinstatue aus dem Jahre 1716 in einer 
Giebelnische auf dem alten Gerichtsgebäude in St. .Matthias in Trier. 
Die Frauengestalt ist eine allegorische Darstellung des rö- 
mischen Heidentums, als dessen Überwinder Eucharius, der erste 
Bischof von Trier, fast immer dargestellt wird.) 

b) Die wiederholten Ausführungen in dem amtlichen Handweiser 
durch die Ausstellung über die „allgemeine Weibesverach- 
tung" der Kirche: 

Seite 83: „Entscheidend ist ferner die Tatsache, . . . daß diese 
Frauenverehrung (des deutschen Rittertums) etwas durch- 
aus Un kirchliches war: eine edle menschlich- weltliche Haltung, 
die der allgemeinen Weibesverachtung und naturfeindlichen Sündenauf- 
fassung der römischen Kirche im Grunde entgegenstand." 

Seite 99: „Entsprechend ihrem asketischen Lebensideal sah die mittel- 
alterliche Kirche in dem Weibe das Gefäß der Sünde. Welch unersetz- 
licher Verlust edlen Blutes ist durch den Zölibat dem deutschen 
Volke im Laufe der Jahrhunderte zugefügt worden!" 

c) Die offene Verunglimpfung des kirchlichen Zö-» 
1 i b a t e s. 

Die große Texttafel übefr den Zölibat fand sich neben den oben er- 
wähnten Mißdeutungen kirchlicher Bildwerke. Hierdurch wird dem Be- 
sucher der Ausstellung suggeriert, daß auch für den „Zwangszölibat" das 
Motiv die Verachtung des Weibes durch die Kirche war. 

Wandtafel (groß) : „Angehörige der katholischen Kirche 
gegen denZwangszölibat: Herrschsucht, Heuchelei, Hochmut 
und Eigensinn der kirchlichen Obern, Feigheit des ,niederen Klerus' — 
das sind die wahren Gründe. Die Religion wird bloß vorgeschützt! Dar- 
um fehlt dem Zwangszölibat aber auch jeder Segen von oben, wie die 
Zustände zu allen Zeiten zum Erschrecken beweisen. 

Was sagt nun ihr dazu, katholische Eltern? Sagt energisch: Keines 
meiner Kinder darf Geistlicher werden! Wenn ihr aber schon einen 
geistlichen Sohn oder Verwandten habt, dann bitte ich euch: Habet 
tiefes Mitleid mit ihm; denn gewöhnlich macht er Entsetzliches durch. 
Habet Mitleid; denn nicht selten ist der Hochwürdige Herr der größte 
Sünder in seiner Gemeinde. Beklaget ihn als Opfer eines unmensch- 
lichen Systems!" 

IL 

Die Art und Weise, in der die Hexenverfolgung auf breitem 
Raum und mit buntem Bildmaterial dargestellt wurde, mußte im 
urteilslosen Besucher der Ausstellung geradezu Empörung hervor- 
rufen über die Grausamkeit, deren die Kirche fähig war. Papst 
und Jesuiten erscheinen im Gegensatz zur historischen 
Wahrheitalsdie eigentlichen Hexenverfolger. Hexen- 
verfolgungen durch die staatliche Gewalt und durch 
Andersgläubige werden im Ausstellungsmaterial 
übergangen. 

Raum 5: Ein buntes Bild, das eine Hexen Verbrennung darstellt. 
Daneben folgender Text: Überschrift: „Hexen und Jesuiten". Darunter: 
„Durch den Hexenwahn • werden in Deutschland zwei Millionen Mäd- 

280 



chen und Frauen gemordet. Haß und Niedertracht rauben dem Volke 
für alle Zeit viele seiner Mütter". (NB. In dem Handweiser steht der- 
selbe Satz (S. 102). Hier ist aber nur von „einer halben Million" die 
Rede: ein Schlaglicht auf die Genauigkeit in der Wiedergabe von „Tat- 
sachen"). 

Ein anderes Bild: Vor einer kraftlos hingesunkenen Hexe steht ein 
Ordensmann in schwarzer Kutte mit Kapuze und Strick. Mit recht 
sadistischer Gebärde legt er die Hände auf das Haupt der Frau. 

Daneben folgender Text: Überschrift: „Die Tr ä n en p r o be". 
Darunter: „Allgemein war der Aberglaube verbreitet, daß Hexen nicht 
weinen könnten. Ein Jesuit (!) legt die Hand auf den Kopf der An- 
geklagten und spricht die Beschwörungsformel: „Im Falle du unschul- 
dig bist, Tränen vergießest; wenn schuldig, nicht!" Weinte die An- 
geklagte wider Erwarten, so war es nach Ansicht der unfehlbaren 
Kirche teuflisches Blendwerk und sie wurde trotzdem verbrannt." 

Bedeutend kirchenfeindlicher als diese Texte waren mündliche Er- 
klärungen amtlicher Führerinnen. Eine gab folgende Er- 
klärungen, die sinngemäß lauteten: 

Die alte Kirche war durch die Reformation in ihrer Machtstellung 
geschwächt worden. Auf einer anderen Seite mußte dieser Machtver- 
lust wieder wettgemacht werden. Das tat die Kirche durch den Hexen- 
wahn. Dadurch wurde das Volk von der Kirche kleingehalten. Weil 
die Macht des Volkes (auf Kosten der Macht der Kirche) geschwächt 
werden sollte, mußten gerade die Frauen daran glauben, von denen ja 
die Zukunft des Volkes und seiner Macht abhing. 

Die Jesuiten nahmen Hexenproben vor, aber rein äußerlich, damit 
man sagen konnte: „Wir verfahren gerecht." 

Man könnte solche Grausamkeit von Geistlichen kaum für möglich 
halten, wenn man nicht wüßte, was 1939 in Polen geschah, und daß so- 
gar auch da die Kirche dahinterstand. Es wurde eine regelrechte Kopf- 
steuer aufgestellt: „Wer . . . (die von der Führerin genannte Zahl war 
nicht klar zu hören) Deutsche umbringt, dem werden alle Sünden ver- 
geben uc'Z sr kommt in den Himmel." 

III. 

In den Texten der Ausstellung werden Orden und Klöster als 
Schädlinge für das Volk hingestellt. 

IV. 

Katholische Heilige und Stigmatisierte wurden als sehr fragwürdige 
Gestalten hingestellt. Auch Sittlichkeitsverbrecher und Hysteriker wer- 
den angeblich von der Kirche als Heilige verehrt. 

V. 

Die Ausstellung versäumt es schließlich nicht, der Kirche Haß 
gegen alles Volkstum vorzuwerfen. 

Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß neben, diesen An- 
griffen gegen die Kirche alle wertvollen Leistungen, die die Kirche 
und kirchliche Personen als solche zu dem Thema „Frau und 
Mutter — Lebensquell des Volkes" als Beitrag darboten, schweigend 
übergangen bzw. umgedeutet wurden. 

Der Eindruck, den die obenerwähnten Diffamierungen der, 
Kirche auf die Besucher der Ausstellung machten, zeigte sich in 
offenen Ausrufen der Empörung über die Kirche. 
Auch begleitete öfter ein überlegenes, ironisches Lächeln die. an-ti- 

281 



kirchlichen Erklärungen der amtlichen Führerinnen (vor allem die 
über die Hexenverfoigung). Sichtlichen Eindruck auf nicht wenige 
der Besucher machte auch die oben geschilderte Darstellung des 
hl, Eucharius, sowie die große Texttafel gegen den Zölibat. 

„Rosenberg" gründet NS-Spezialschulen. 

Der gefährlichste Vorstoß gegen das Christentum war wohl in 
den NS-Spezialschulen gegeben. Da waren zunächst die 
Adolf-Hitler-Schulen, in denen 12 — 18jährige Hitler jungen 
von guter Begabung und rassischer Gesundheit zu Führern heran- 
gebildet werden sollten: Natürlich ohne jeden Religionsunterricht, 
ohne jede Teilnahme an Gottesdienst, nur mit Unterweisung in 
Religionsgeschichte. Nach Arbeits- und Militärdienst und eventuell 
Berufsstudium an Universität oder Technischer Hochschule sollten 
sie dann auf vier Jahre in eine Ordensburg kommen (Kroningen 
in Pommern, Vogelsang in der Eifel, Sonthofen im Allgäu, Marien- 
burg in Ostpreußen). 

Darüber hinaus sollte eine Auslese noch die „Hohe Schule" von 
Chiemsee in Obej^bayern unter der Aufsicht Rosenbergs selbst be- 
suchen. Hier sollte sein: 

\ ■ 

1. Die nationalsozialistischfe Akademie. 

2. Das Forschungsinstitut mit einer Zentralbibliothek. 

3. Das Zentrum für eine alljährliche gründliche geistige 
Überholung der Lehrer aller Adolf-Hitler-Schulen und 
Ordensburgen für die Dauer von je vier Wochen. 

4. Das Muster einer Hitlerschule („Völkischer Beobachter" 
vom 24. November 1937). 

Aus diesen Schulen sollte der vollendete nationalsozialistische 
Mensch kommen, Soldat und Prediger zugleich, eine Wieder- 
h.olung mohammedanischen Fanatikers mit Wort und Schwert. Da 
sollte ein neuer Orden entstehen, dessen Hauptaufgabe ist, eine 
neue Religion zu verbreiten (Dr. Ley). 

Die hier aufsteigende Gefahr war zweifellos viel größer als 
jene, welche von den direkten Angriffen auf Kirche und Christen- 
tum und von den äußeren Verfolgungen kamen. Das sollte der 
innere, intensive Kulturkampf sein! Durch ihn hoffte 
man in drei Jahren mit dem Restchen Katholizismus, wie er 
noch in seinen Organisationen und Vereinigungen lebte, fertig zu 
v^erden. 

So war die Einlösung des Wortes gedacht, das Hitler am 
27. Juni 1934 in einer Audienz mehreren deutschen Bischöfen ge- 
geben hat, nämlich, „daß er ausdrücklich Anordnung an die Partei 
und an die ,nationalen' Organisationen geben wolle, für die Zukunft 
die neuheidnische Propaganda zu unterdrücken." 

282 



Niemals wurde eine solche Anordnung hinausgegeben. Begreif- 
lich! Hitlers eigener Wille stemmte sich ja immer mehr gegen 
Christentum und Kirche und steuerte immer gerade auf das Ziel 
zu, das der Kirchenhasser Voltaire in die Worte gekleidet hat: 

„Ecrasez Vinfäme!" 

„Rottet die Infame aus!" 

Das Wort mag aus Hitlers Mund nie öffentlich gefallen sein, 
aber um so öfter und lauter kam es so oder anders aus dem Munde 
seiner Trabanten, so z. B. des Redners, eines Kreisleiters, bei einem 
Schulungstag in München-Ramersdorf im Jahre 1939. 

„Nur zwei Hauptpunkte kommen für Deutschland in Frage, 
alles andere ist nicht wichtig und ergibt sich von selbst. 

1. Die Ausbreitung des Deutschen Reiches auf 18mal die Größe, 
die es nach 1918 hatte. 

2. Die restlose Vernichtung der Kirch e." 
Zu letzterem Punkte erklärte er: 

„W i r, die wir jetzt leben, müssen noch restlos die 
Kirche vernichten, Adolf Hitler und seine alten 
Kämpfer. Man sage nicht, es genüge, daß die Jugend Deutsch- 
lands ohne Christentum aufwächst. Hitlers Nachfolger könnte mil- 
der sein, könnte Mitleid haben, dann würde die Eiterbeule wieder 
aufplatzen. Der Nationalsozialismus verhält sich zu den christlichen 
Konfessionen wie Feuer zu Wasser. Es ist ganz unmöglich, ein 
guter Nationalsozialist und zugleich ein guter Katholik zu sein." 
' Auf die Frage eines Zuhörers, warum man denn dann noch zu- 
gebe, daß Kirchen gebaut würden, antwortete er: „Laßt sie doch 
. ruhig Kirchen bauen; sie wissen ja gar nicht, wozu wir dann 
später diese Kirchen benützen. Die Tschechen haben auch Flug- 
plätze angelegt, ohne zu ahnen, daß "sivir diese einmal in Ge- 
brauch nehmen werden; sonst hätten sie dieselben wohl kaum an- 
gelegt." 

Auf die Frage eines anderen Zuhörers, warum denn noch so 
viele Studenten Theologie studierten, und warum man dies zulasse, 
erwiderte der Redner: „Laßt sie doch ruhig Theologie studieren! 
Alle diese jungen Leute werden niemals Pfarrer und Priester 
werden. Das werden die nicht mehr erleben. 

Was ist positives Christentum? Was wir machen! 

Was die anderen 2000 Jahre hindurch gepredigt haben, 
das tun wir. jetzt, wir Nationalsozialisten! 

Wir würden die Kirche nur unter folgenden zwei Voraus- 
setzungen noch weiter dulden: 

1. Wenn sie allen Besitz hergibt, Grund und Boden, 
Gebäude, Geld, usw. Der Besitz der Kirchen ist so groß wie das 
Land Thüringen. 

2. Wenn die Pfarrer keinen Gehalt annehmen 
vom Staate, sondern sich vom Volke durch freiwillige Gaben 

283 



erhalten lassen; dann können fa die Prediger in Sackleinwand durcK 
die Dörfer ziehen und predigen." 

Zum Schlüsse wurde aufgefordert, diese Grundsätze des Natio- 
nalsozialismus im Volke zu verbreiten. 

„Der Führer will die Vernichtung!" 

gab Gauschulungsleiter Ruder am 10. November 1940 in einer NS- 
Versammlung zu Limburg-Lahn offen kund. Er sprach an 
der Hand einer genauen Vorlage über die kirchenpolitische Frage. 
Dabei führte er ungefähr folgendes aus: „Die Stellung, die das 
Christentum jetzt im Deutschen Reich einnimmt, kann nicht so 
bleiben. Die christlichen Kirchen — evangelische 
und katholische — haben im neugeordneten 
Deutschland keinen Platz mehr. Auch die Klöster 
müssen verschwinden. Man sollnicht sagen, das 
Beseitigen der Kirchen entspreche nichtdem 
Willen des Führers und soll erst recht jetzt in 
derKriegszeit nicht vorgenommen werden. Das 
ist falsch. Zum Beweis dafür, daß der F ü h rer es haben 
will, daß dieKirche n v erschwinde n, brauchen wir nur 
auf die Neuordnung im Warthegau zu sehen. Dorthin können ja 
Bevölkerungsteile, die angesiedelt werden, einen Geistlichen mit- 
bringen. Der wird natürlich nicht mehr besoldet, sondern muß 
selbst arbeiten, und zwar nicht in gehobener Stellung. Er muß 
niedrige Arbeit verrichten. Die Kindertaufe 
fällt weg. Was sich noch religiösbetätigenwill, 
muß sich mit dem 2 1. Lebensjahr bei einem Verein 
melden u n d sich e i n t r a g e n 1 a s s e n. Vorsitzender dieses 
Vereins kann der Pfarrer sein. Daß der Führer das will, 
beweist, daß er den Gauleiter des Warthegaues beauftragt hat, so 
zu verfahren. Wir müssen rechnen, daß es auch bei 
uns so kommt. Wenn das heute gesagt wird, so soll es der 
Information dienen. Die Ortsgrupp e n leiterusw! müssen 
das Volk darauf vorbereiten; daß es nicht ver- 
blüfft ist, wenn der Führer es befiehlt." 

„Heraus aus der Kirche!" 

Wo so viel Haß gegen Christentum, Kirche und Seelsorge groß- 
geworden und großgezogen worden war, konnte er auch nicht halt- 
machen vor dem letzten, vor der Förderung des vollen 
Glaubensabfalles und förmlichem Kirchenaus- 
trittes. 

Natürlich wahrte man auch hier von Staats und Partei wegen 
das Gesicht, den Schein der Unparteilichkeit, erließ darum keine 
offiziellen Verordnungen, ließ aber um so mehr die unteren 
Stellen, die Parteigliederungen und Parteiorgane arbeiten und 
schenkte ihnen jegliche Unterstützung und Deckung. 

284 



H a up t f ö. r d e r u n g s m i -fc t e 1 für den Kircheriaustritt waren 
neben der ständigen mündlichen und schriftlichen 
Hetze gegen die Kirche, ihre Glaubenssätze, Moral, Gesetze, Ver- 
treter, Steuern u. a.: 

1. In Betrieben und Gliederungen wurde von 

Mann zu Mann für den Kirchenaustritt geworben. 

So gingen am 7. Juni 1935 im Reichsbahnausbesserungswerk Frei- 
mann zwei Partei- und Arbeitsfront-Funktionäre mit einer Liste in einer 
Betriebsabteilimg herum, forderten zum Austritt aus der Kirche auf und 
erklärten dabei: „Wer nicht austritt, ist kein richtiger Nationalsozialist." 
Die 20 Mann, die sich dann eintrugen, wurden mit dem Betriebsauto 
unentgeltlich zum Standesamt zwecks Anmeldung ihres Kirchenaustrittes 
gefahren. 

Noch nachdrücklicher war natürlich das Werben und Drängen 

zum Kirchenaustritt in SS-Gliederungen und SS-Kasernen. Ein 

Dokument hiefür: 

„SS-Reserve-Sturm 2/25 Homberg, den 3. Mai 1936. 

Betriff t : Kirchen austritt. 

An 

scss»ia*2s 

Sie haben bis Dienstvormittag 11 Uhr telephonisch zu melden, ob 
und wann der Zugführer und die mit der Führung von Trupps beauf- 
tragten Unterführer aus der Kirche ausgetreten sind, evtl, bis wann mit 
dem Austritt zu rechnen ist. Gegebenenfalls ist die Konfession anzu- 
geben. 

Die Meldung hat zu d«m genannten Termin an den SS-Rotten- 
Stabsscharführer Hartmann in Moers Arbeitsamt (Telephon-Nummer 900 
Amt Moers) zu erfolgen. 

' Der Führer de's SS-Reserve-Sturmes 2/25 
m. d. F. b. 

gez. Unterschrift 
SS-Hauptscharführer." 

Z. Der Kirchenaustritt wurde erleichtert, die Formalitäten 
hiefür wurden wenigej:. 

3. Der Kirchenaustritt wurde nahegelegt: ^ 

a) durch entsprechende Fragen in staatlichen und parteiamt- 
lichen Fragebogen; 

b) durch Versprechungen und Drohungen; 

c) durch öffentlich bekanntgegebene Beispiele der 
„Höheren" in Staat und Partei. 

4. Die öffentliche Meinung wurde zugunsten des 
Kirchenaustrittes beeinflußt: 

a) Man fand ein schützendes „Feigenblatt" für die Blöße des Glau- 
bensabfalles, einen wohlklingenden Namen: „Gottgläubi g". 
Das klang doch ganz anders als „ungläubig" oder „heidnisch" 
oder „freireligiös", es klang sogar positiv, wenn es auch in erster 
Linie negativ gedacht war, nämlich als „nicht Christus gläubig", 
„nicht k i r c h e n gläubig". Ein bißchen Positives konnte sich 

285 



jeder selbst in das „Gottgläubig" hineindenken: „Natur" oder 
„das All" oder seinen „Geist" oder „Deutschland" öder „Blut" 
oder „Rasse" usw. Darum konnte z. B. Major a. D. Lemke in 
der „Kriegsgräberfürsorge" vom 12. Dezember 1939 schreiben: 
„Ob sie draußen blieben oder ob sie heimgekommen sind, , sie 
sind alle verbunden durch ein unsichtbares Band des- 
selben Glaubens: ,Sie glauben alle an Deutschland 
alsGottV 

Gott sei Dank, daß unsere Krieger nicht bloß in solchem Sinne 
„gottgläubig" waren, wie der Nazismus es meinte. Traurig aber, daß 
nun der, welcher wirklich an einen lebendigen, persönlichen 
Gott, an den von Christus geofifenbarten dreieinigen Gott 
glaubte, sich nun nicht mehr als „gottgläubig" bezeichnen durfte, 
wenn er nicht durch die Statistik in seiner ]^eligionszugehörigkeit ganz 
falsch gewertet werden wollte. Eine der Grotesken und Irre- 
führungen im Dritten Reich! 

b) Man verbot den Geistlichen strengstens, noch weiter- 
hin die Personen öffentlich bekanntzugeben, 
welche aus der Kirche austraten. Ja, man betrach- 
tete und behandelte es schließlich schon als ein strafwürdiges 
Vergehen, wenn ein Geistlicher auch nur privat den An- 
gehörigen des Abgefallenen Nachricht über den Kirchen- 
austritt gab mit der vermutlichen Absicht, so die Angehörigen 
zu veranlassen, Schritte für die Rückkehr des Betreffenden zu 
tun. 

Der Gegensatz: ' 

Je mehr Hemmungen der katholischen Kirche (ebenso der 
evangelischen Bekenntniskirche) bereitet wurden, ' desto mehr Frei- 
heit und Förderung wurden jenen Kirchen zuteil, die sich möglichst 
„deutsch" gebärdeten, so der altkatholischen Kirche, die sich 
im Jahre 1870 von der katholischen Kirche getrennt hatte und nun 
sich vielfach betont „Diekatholisch- deutschnationale 
Kirche" nannte und eine Schriftenreihe „Katholisch- 
nationale Ki.rchenbewegung" E. V. herausgab. 

Welche Kreise hinter der sogenannten „Nationalen 
Reichskirche in Deutschland" standen, läßt sich nicht 
mii Sicherheit sagen. Von Interesse dürften aber doch die Pro- 
grammpunkte dieser „Nationalkirche in Deutschland" sein, weil sie 
wirklich charakteristisch sind für die letzten „kirchlichen" Ziele 
des Nationalsozialismus, bar jeglichen Christentums. 

Die Programm punkte der nationalen Kirche 

in Deutschland. 

1. Die Nationale Reichskirche (NR) Deutschlands beansprucht mit 
aller Deutlichkeit dasalleinigeRecht und die alleinige 
Macht über alle innerhalb der deutschen Reichskirche befindlichen 
Kirchen. Sie erklärt sie zu nationalen Kirchen Deutschlands. 

2. Das deutsche Volk hat nicht vor, der nationalen Reichskirche zu 
dienen, sondern die NR dient ausschließlich und allein der Doktri. l 
„Volk und Rasse". 

286 



3. Das Arbeits- und Tätigkeitsgebiet' wird abgesteckt durch die ter- 
ritorialen Reichs- und Kolonialgrenzen Deutschlands, 

4. Die NR zwingt keinen deutschen Menschen sich ihr anzuschließen; 
sie ist aber bereit, alles in ihren Kräften Stehende zu tun, um auch die 
letzte deutsche Seele zu erfassen. Andere Kirchen oder kirchenähnliche 
Einrichtungen und Verbände, zumal solche, die international gebunden 
oder dirigiert werden, kann und wird sie in Deutschland nicht dulden. 

5. Die NR ist entschlossen, unabänderlich und mit allen Mit- 
teln, die notwendig sind, den in> Unglücks jähr 800 nach Deutschland 
importierten und dem deutschen Volk aufgezwungenen, art- und wesens- 
fremden christlichen Glauben auszurotten. 

6. An den bestehenden Kirchen darf keine grundlegende Bauver- 
änderung vorgenommen werden; denn sie stellen deutsches Volksgut 
dar, deutsche Kultur und einen Teil des historischen Werdeganges unse- 
res Volkes. Sie sind als deutsches Volksgut nicht nur zu werten, son- 
dern auch zu erhalten. 

7. In der nationalen Reichskirche gibt es keine Schriftgelehrten, 
Pastoren, Käpläne und Geistliche, sondern in ihr haben nationale 
Reichsredner zu sprechen. 

8. Die nationalen Feiern finden immer nur abends und nicht des 
Morgens statt, und zwar Sonnabends bei festlicher Beleuchtung. 

9. In der nationalen RK sollen deutsche Männer und Frauen, 
deutsche Jungen und Mädel sich zu Gott und seinen unvergänglichen 
Werten einmütig bekennen. 

10. Die NR erstrebt unverrückbar ihre unausbleibliche Ver- 
schmelzung mit dem Staate. . Sie hat sich diesem als dienendes 
Glied zu unterstellen. 

11. Auf Grund dessen fordert die NR die sofortige Abgabe 
sämtlichen Territorialbesitzes aller Kirchen und 
Konfessionen an den Staat. Sie verbietet auch, daß künftig die 
Kirchen sich die kleinste Fläche deutscher Erde aneignen oder daß ihr 
solcher wieder abgetreten wird, denn nicht die Kirchen erobern, ver- 
teidigen und bebauen deutschen Grund und Boden, sondern ausschließ- 
lich das deutsche Volk, der deutsche Staat. 

12. Die NR-Redner amtieren als deutsche Staatsbeamte 
nach dem Staatsbeamtengesetz. 

13. NR-Redner dürfen niemals diejenigen werden, die heute mit 
List und Tücke in Wort und Schrift die unbedingte Notwendigkeit und 
Aufrechterhaltung der christlichen Lehre in Deutschland betonen; denn 
sie belügen nicht nur sich selbst, sondern auch das deutsche Volk, und 
zwar in ihrer Stellung um ihres süßen Brotes willen. 

14. Die NR fordert die sofortige Einstellung des weiteren 
Druckes und Verlegens der Bibel innerhalb Deutschlands, 

* sowie weiteren Erscheinens von Sonntagsblättern, Schriften, Lektüren 
kirchenschriftlichen Inhalts. 

15. Die NR hat mit aller Strenge darüber zu wachen und schärfste 
Gegenmaßnahmen zu treffen, daß eine Importierung derBibel 
und christlicher Religionsschriften nach Deutsch- 
landunmöglichist. 

16. Die NR erklärt als ihr und somit unseres Volkes größtes 
Dokument das Buch unseres Führers „M ein Kamp f*. Sie ist sich 
dabei bewußt dessen, daß in diesem Buch nicht nur die größte, sondern 
vielmehr die reinste und wahrste Ethik für das gegenwärtige 
Leben unseres Volkes verkörpert ist. 

17. Die NR hat sich unbeirrbar die Aufgabe gestellt, ihre ganze 
Kraft daranzusetzen, daß „Mein Kampf" so volkstümlich wird und 
bleibt, daß jeder Deutsche mit und nach diesem Buch seinen Lebens- 
lauf vollendet. 

287 



18. Die NR fordert, daß Seitenzahl und Inhalt dieses Buches, in wel- 
cher Größe es auch erscheinen mag, auch in Zukunft mit der bisher 
erschienenen Volksausgabe übereinstimmt,, 

19. DieNR räumt von ihren Altären das Kruzifix, 
die Bibel und sämtliche Heiligenbilder. 

20. Auf den Altären der NR ist dem deutschen Volk und somit 
Gott unser allerheiligstes Buch „M ein Kampf" und die- 
sem zur Linken das Schwert zu weihen. Die NR-Redner 
haben nach bestem Wissen und Können während der Feier dieses Buch 
zu erläutern. 

21. In der NR gibt es keine Vergebung der Sünden. Sie vertritt 
dabei den Standpunkt und wird diesen immer wieder betonen, daß ein- 
mal im Leben begangene Sünden unerbittlich gerächt werden, gerächt 
durch die ehernen und unumstößlichen Gesetze der Natur, und zwar 
auf dieser Welt. 

22. Die NR verwirft die Taufe eines deutschen Kin- 
des, zumal die mit dem Wasser und dem Heiligen Geist. 

23. Die Eltern eines deutschen Kindes (heugeborenen) haben vor 
dem Altar das Deut#chgelöbnis abzulegen. Es hat folgenden 
Wortlaut: Der Mann: „Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich 
.......... Vater dieses Kindes und nachweislich arischer 

Abstammung bin. Als Vater dieses Kindes gelobe ich, es in deutschem 
Geist hin zum deutschen Volk zu erziehen." 

Die Mutter: „Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich 

■ . . . nieinem Mann ein Kind geboren habe und daß 

mein Mann Vater dieses Kindes ist und daß ich die Mutter, nachweis- 
lich arischer Abstammung bin. Als Mutter gelobe ich, dieses Kind in 
deutschem Geist hin zum deutschen Volk zu erziehen." 

24. Nur auf Grund dieses Deutschgelöbnisses darf und muß für den 
neuen Staatsbürger das Deutschen-Ursprungsdiplom ausgestellt werden. 

25. Die NR hebt die Konfirmation und den Konfir- 
mationsunterricht sowie die Kommunion mit dem 
Kommunionunterricht auf. Die Erziehungsstätten sind und 
bleiben die Familie, die Schule, das deutsche Jungvolk, die Jungmädel- 
schaft, die HJ und BDM. Um dem Schulabschluß der deutschen Jugend 
einen besonderen feierlichen Charakter zu geben, sind der NR als 
Staatsjugendfeiertag, welcher auf den Freitag vor Ostern zu legen ist, 
dem Jungvolk, der Jungmädelschaft, der HJ vind dem BDM die Kirchen 
zur Verfügung zu stellen bzw. die geeigneten Räume, An diesem Tage 
haben ausschließlich und allein nur die Führer dieser Organisationen 
zu sprechen. 

26. Die Trauung deutscher Männer und Frauen erfolgt nach 
Ablegung des Treuschwures bei gleichzeitigem Berühren des 
Schwertes mit der Rechten. In der NR darf keine Handlung in un- 
würdigem Knien vollzogen werden. 

27. Den 10. Tag vor Pfingsten bestimmt die NR zum Feiertag der 
deutschen Frau. 

28. Die NR lehnt den Landes-Buß- und Bettag ab. Sie 
beansprucht ihn aber zur Umwandlung und Verlegung auf den Feiertag 
der Grundlegung der nationalen Reichskirche in Deutschland. 

29. Die NR duldet keinesfalls die Schaffung eines neuen Zeichens 
kirchlich -religiöser Art. 

30. Mit dem Tag der Gründung der NR ist in allen Kirchen und 
Domen des deutschen Reiches und der Kolonialgrenzen das Chri- 
stenkreuz zu entfernen und das einzige, unversiegbare Symbol 
Deutschlands, das Hakenkreuz, zu setzen. 

288 



2. Antichrists Wüten gegen Heiliges. 

Die dauernde Hetze gegen Christentum und Kirche erzeugte 
vielerorts nicht bloß Glaubensunlust und Glaubenszweifel, religiöse 
Gleichgültigkeit und Lauheit, sondern auch glühenden Haß und 
Verhöhnung, rücksichtslose. Störung und wütende Zerstörung alles 
Heiligen. 

Als. Beispiel zynischen Spottes über etwas, was jedem Christen 
ehrfurchtgebietend ist, über den Glauben an Himmel, Feg-, 
feuer und Hölle, sei wiedergegeben, was die HJ-Zeitung in 
der Nummer vom 10. August 1935 schrieb und in ungezählte 
deutsche christliche Familien und Kinderherzen hineintru;*: 



"o- 



„Für einen kleinen Geldbetrag — sagen wir einmal 50.000, — Mk. — 
wird die Temperatur des Fegfeuers herabgesetzt. Auf Verlangen 
können die Kandidaten der ewigen Seligkeit einige Schauer-Badgüsse 
im Laufe des Röstungsprozesses erhalten. Ist aber auch eine gute Aus- 
sicht auf die Freuden des Himmels von den billigeren Sitzen aus? 
Ist der Himmel auch in telephonischer Verbindung mit der Hölle, wo 
aller Wahrscheinlichkeit nach die meisten meiner Kameraden gebraten 
werden sollen?" 

Das Dollfuß-Gebet 

Zu dem EhrAvürdigsten, was die Christenheit der ganzen Welt 
als Erbe der Christen der ersten Jahrhunderte besitzt, gehört das 
Credo, das Apostolische Glaubensbekenntnis. Es war 
eine unerhörte Verletzung der christlichen Gefühle, ein gottesläster- 
licher Mißbrauch eines christlichen Gebetes, wenn die National- 
sozialisten es zu politischer Satyre umgestalteten. (Man schämt und 
fürchtet sich geradezu Sünde, diese Gotteslästerung wiederzugeben; 
aber anderseits ist es doch noch notwendig, um das abgrundlos 
tiefe Niveau nationalsozialistischer Denk- und Redeweise zu kenn- 
zeichnen.) 

„Ich glaube an den allmächtigen Vater, Schöpfer der Notverordnun- 
gen, an Englbrecht D o 1 1 f u ß, den Kleingeboreneh Sohn unseres Herrn, 
der entgangen ist dem Heiligen Geist, erkoren zum Hasse gegen Deutsch- 
land, gerne gelitten von den Bonzen, im Rathaus Hahnenschwanz be- 
neidet, von den Juden gefeiert, abgeschrieben das Hitlerprogramm, am 
dritten Tag wieder gut mit den Roten, er frißt aus den Händen des all- 
mächtigen Völkerbundes, von dannen er kommen wird zu richten die 
Nazi und Sozi. 

Ich glaube an den Lausanner Geist, Gemeinschaft der Juden und 
Tschechen und anderer Österreicher, Auferstehung des Habsburger 
Reiches und ein schuftiges Leben." 

Auf der gleichen Ebene grenzenlosen Zynismus liegt folgendes: 

Bei einem Silvester-Gemeinschaftsabend im Lager Dachau hat sich 
der Obertruppführer Müller, Inhaber des Blutordens, vom Jungsturm 
' „Hitler" als Nonne verkleidet, heilige Lieder und eine Litanei gesun- 
gen, wozu die Anwesenden jeweils mit „ora pro nobis" antworteten. 

Ein Gleiches ward vom Nürnberger Parteitag berichtet. 
Kreuz und Hakenkreuz 19 289 



Bei einem anderen Kameradschaftsabend verkleidete Müller sich 
als Bischof. Als Mitra benützte er einen Kübel! 

Flüche als Mörtel und Nägel 

Bei der Hebefeier der HJ-Häuser in der Strub bei Berchtes- 
gaden im Winter 1937/38 sagte Kreisleiter Kammerer von Berchtes- 
gaden, auf die angetretenen Arbeiter und ihre Arbeitsleistungen 
deutend: 

„Und da stehen sie alle, — hier die Hilfsarbeiter, da die Maurer, die 
Zimmerleut mit ihren Polieren, die Baumeister und Architekten. Es ist 
ja bekannt, daß nirgends so viel geflucht wird als auf einem Bau, 
und das ist recht so! Der Maurer soll mit seinem Möttel die 
Flüche hineinstreichen, daß sie zwischen den Ziegelreihen heraus- 
schauen. Der Zimmermann soll mit jedem Nagel, den er in den Balken 
schlägt, seine Flüche hineinhämmern. So ist's recht. So wollen wir's. 
Je mehr geflucht wird, desto lieber ist es uns!" 

Spott über die Heiligen 

Die Zeitschrift „Nordland" vom 27. Januar 1935 veröffentlichte 
folgendes Gedicht: „Unsere Heiligen" von L. M. Karow: 

Unsere Heiligen schlugen sich nicht 
Blutig mit Geißel und Strick. 
Zerkratzten sich weder Brust noch Gesicht, 
Hoffend auf himmlisches Glück. 

Unsere Heiligen saßen auch nicht 
Demütig auf einer Säule. 
Glaubten nicht näher der Gnade Licht 
Sich mit Wälzen in Disteln und Fäule. 

Unsere Heiligen sind Legion 
Und sterben für Heimat und Ehre. 
Wir bauen ihnen als schönsten Lohn 
In unseren Herzen Altäre! 

Auf dem Anger zu Verden, im Stedinger Bruch, 
Da fielen durch Kreuzstab und Kutte 
Mit bitterem Lachen und lautem Fluch 
Unsere Heiligen aus nordischem Blute. 

Die „Religion" nationalsozialistischer Kämpfer 

„Diese Kämpfer sind keine frommen Kirchengänger und 
hingebungsvolle Psalmensänger, weil sie der Meinung sind, daß es 
nicht um die Erhaltung sterbender Kirchen und toter 
Dogmen geht, sondern um das im deutschen Wesen lebendige 
religiöse Fühlen. Sie finden den Gott im Menschen 
s e Ivb s t und treten somit für eine Diesseitsreligion ein, in 
der ein konstituierter Dualismus (Diesseits-Jenseits) keinen Platz 
mehr besitzt, weil der germanische Mensch nur an die 
Göttlichkeit des Diesseits glauben kann. 

290 



Das 20. Jahrhundert bedeutet den Tqd all jener Anschauungen, 
welche die christliche Welt mit sich brachte. Das Mysterium 
des Blutes ist es, welches die christlichen Sakra- 
mente überwindet und einen neuen Glauben schöpferisch 
gestaltet. Der Glaube an das Blut und an die Rasse; das Wissen, 
im eigenen Blut die Zeichen der natürlichen Offenbarung zu finden." 
(Aug. Hot)pe im „Nordland" vom 27. Januar 1935.) 

Entweihung religiöser Namen 

Die Nazis legten ihrerseits ein Monopol auf manche Worte, wie 
„Führer", „Bewegung", „Volk". Niemand durfte diese Worte für 
andere Personen oder Sachen in Anspruch nehmen, als die Partei 
es festgelegt hatte. Sie scheuten sich aber nicht, den christlichen 
Kirch^j jahrhundertealte Namen, zu stehlen und in einem ganz 
neuen Sinn für eigene Zwecke zu gebrauchen. 
Beispiele hiefür: 

.Nürnberg 

Nürnberg ist für die Nazis „der Wallfahrtsort des neuen 
Deutschlands" und die „Tempelstadt der Bewegung". 

In Nürnberg findet der Deutsche „wahre E r b a u u n g". 

Die Teilnahme am Nürnberger Parteitag wird die alljährliche 
Wallfahrt der Parteigenossen (Kreisleiter Fritsch-Freiburg 
am 28. August 1938). ' 

„Das einzige religiöse Erleben durch den Anblick des 
Führers" (ebenfalls Fritsch). 

„Gottessohn und Gotteskinder" 

„Wir brauchen einen, der so vor uns steht, daß wir wieder unserer 
eigenen Gotteskindschaft uns bewußt werden, einen Gottes- 
sohn, der seinen Brüdern dieses große Bewußtsein durch Taten offen- 
bar werden läßt ... 

Denn es hat niemand ein Recht darauf, jene endlich zu einem 
Glauben gekommenen Menschen unseres Volkes zu schmähen, die erst 
in unseren Tagen ihren Gottessohn und den Vater im Ewi- 
gen wieder gefunden haben." (NSKK, Januar 1937.) 

„Apostel" 

„Das Führerkorps der SA muß im Dienst und außer Dienst so sein, 
daß jeder einzelne, ob in Uniform oder Zivil, ein Apostel des Führers 
ist („Westdeutscher Beobachter" vom 28. September 1936). 

Glauben 

„Hier 'in Deutschland darf es nur eine Weltanschauung und einen 
Glauben geben: An den Nationalsozialismus und seinen Führer Adolf 
Hitler!" (Stabschef Lutze, „Westdeutscher Beobachter" am 28. Sept. 1936.) 

„Gottgläubig": Das hieß aber nicht glauben an den persönlichen 
Gott, den Herrn Himmels und der Erde, sondern nur an etwas Unbe- 
kanntes, dem man den Namen „Gott" gab, „Gottgläubig" sollte nur den 
Gegensatz zu „christgläubig" und konfessionell (kirchgläubig) aus- 
drücken. 

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Bei der Eröffnung des 4. Reichsberufswettkampfes sprach Ley am 
12. Februar 1937: „Der NS ist der alleinseligmachende Glaube 
unseres Volkes". 

! „Wir alle können uns nicht rühmen, Deutschland gerettet zu haben. 
Das ist das unsterbliche Verdienst des Führers! Sein Glaube hat 
,Berge versetzt', hat ein ganzes Volk verwandelt," 

„Es lebe Adolf Hitler! Wir glauben an dich, Adolf Hitler, unseren 
Führer." 

„Feier der ewigen Auferstehung in München". .* 

„Unser Erlöser" ist Adolf Hitler. 

„Unser Gottesdienst" ist der Appell. 

„Unsere Priester" sind die Sturmbannführer. (Dr. Ley: 29. 9. 36) 

„Die Lehrer sind die Priester in unseren Schulen" (Streicher, 
Nürnberg). 

„Von Deutschland aus muß die Erlösung der Menschheit kommen." 
(Julius Streicher, 4. August 1936). ^ • 

„Die Kraft an allem Txin müssen sie (NS-Schwestern) schöpfen aus 
dem Glauben an die NS- Weltanschauung und dem Führer" 20. Febr. 1937. 

„...Die NS-'Schwester müsse in erster Linie an ihre ,Berufung* 
glauben..." 20. Februar 1Ö37. 

Der voreheliche Geschlechtsverkehr ist die „biologische Ehe" 
(Informationsdienst der Reichsjugendführung vom 28. Oktober 1935). 

„Die Schulung .der Masse soll wenigstens ein über das andere Mal 
in kultisch-religiöser Form vor sich gehen . . . Ein bestimmter Ritus der 
Heimabend eröffnung und -Schließung mit Gedenken der Toten 
(„der Märtyrer") der Bewegung ist notwendig . . ." Eine regelmäßige 
Lesung aus „Mein Kämpf" als der Bibel der Bewegung und aus dem 
Programm als unserem Neuen Testament oder unsere 
10 Gebote. ..♦,4.».. unter Absingen unserer neuen getragenen 
Lieder. 

Ein Muster nationalsozialistischen Kultus 

Auszug aus den amtlichen „Vorschlägen der Reichspropaganda- 
leitung zur Nationalsozialistischen Feiergestaltung" (Amtl, Vermerk auf 
der Rückseite: „Im Auftrage der Reichspropagandaleitung als internes 
Rundschreiben der NSDAP herausgegeben vom Zentralverlag Fr. Eher, 
München. Bezug nur durch die Gaupropagandaleitung der NSDAP und 
nur für Dienststellen der Partei). 

Vorgesehen wird ein ganz bestimmter Ritus, nach dem sich in' 
Zukunft jede Weihestunde im Rahmen eines öffentlichen Staats- 
kultus gestalten soll. Nur auf dem Wege der Einhaltung einer 
bestimmten Gestaltungsgrundiage werden wir erreichen, daß sich 
im Laufe der Entwicklung allmählich Feierformen von litur- 
gischem Charakter entwickeln, deren Gültigkeitswert sich 
dann in die Jahrhunderte erstreckt. Zu der stehenden Form der 
NS-Wei bestunden gehört u. a. die im Mittelpunkt stehende 
„Verkündigung" („ Feier worte", zehn bis zwanzig Minuten 
dauernde, feierliche Ansprache, dichterisch gebundenes Wort), dar- 
auf folgt das im Chor gesprochene „Bekenntnis". Anschließend 
das „Lied der Verpflichtung" (begleitetes, möglichst von 
allen Formationen gesungenes Lied, einstimmig). Ferner der „A n - 

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ruf des Führers" (Siegheilruf mit je einem Vers des Deutsch- 
landliedes und des Horst- Wessel-Liedes). 

Aus der Verkündigung zum 9. November sind besonders 
folgende Sätze bemerkenswert: 

\,An diesen Stufen der Feldherrnhalle, 

zu denen heute hohe Wallfahrt führt, 

erstand einmal das Sakrament des Kampfes. 

Und die nur haben Raum in seinem eina'gen Dom, 

der heute Deutschland heißt, 

die tief in ihre Taten eingehämmert, 

was sie bewegt. 

Wallfahrer seid ihr, 

wenn ihr den Ruhm des Volkes höher traget 

als aller Religionen Offenbarung. 

Ihr äpüTt die Heiligkeit der Feldherrnhalle, 

Was gelten Bittgesänge, Meßgebete, 

des Weihrauchs auf geschwankte, blanke Schalen 

gegen den dumpfen Rhythmus unserer Trommeln, 

wenn unser Führer zu den Stufen tritt. 

Der Atem derer, die Ihn seh'n, erlischt; 

die Erde, die vom Anmarsch bebet, schweigt; 

der Lärm hockt grau am Ende aller Welt. 

Der Führer steht. 

Der Führer hebt die Hand zum ew'gen Gruß. 

Es schlägt sein Herz im Herzschlag seines Volkes. 

Des Führers Schreiten heute ist Gebet. 



Er steigt und steht, vom Wunder ganz tunhüllt: 
erbrennt vom Glauben seiner Kameraden, 
Und keine priesterliche Weihe steigt 
gewaltiger empor als dieses stumme 
und steingewordene Gebet des Mannes, 
in dessen Herzen sich ein Volk bewegt. 
Der Feldherrnhalle Schwur ist unser Allgebet 
zu unserm Schöpfer! 

Und Feuer, Qualm und Tod um jauchzen uns, 
wenn nur die Fahne — unsere Fahne steht! 
Stieg sie hinauf die Stufen bei der Feldherrnhalle, 
dann ragt sie auf, der deutsche Hochaltar, 
und die Standarten jubeln es ihr zu: 
Was ist der Tod, wenn Du da Leben von uns forderst: 

Deutschland! 

„Die Fahne hoch!" 



» 



Das Kreuz muß fallen! 



f« 



Der Haß gegen den „bleichen Gekreuzigten" duldete sein 
Zeichen nicht mehr in staatlichen oder gemeindlichen Räumen und 
auf öffentlichen Plätzen. 

Aus fast allen öffentlichen Gebäuden (Rathäusern, Gerichts- 
gebäuden u. a.) wurden die Kruzifixe entfernt, oft in sehr pietät- 

293 



loser Weise, z. B. in Blaibach (Erzdiözese Freiburg), wo die vier- 
zehnjährige BdM-Führerin das Kreuz des Rathauses zunächst ein- 
fach in den Papierkorb warf, dann unter Dachsparren versteckte. 

In ganz Deutschland geschahen dann in steigendem Maße 
Kreüzfrevel aller Art. Man wollte nicht bloß sagen und 
schreiben: „Das Kreuzmuß fallen, wenn Deutschland 
leben soll"; man handelte auch darnach. 

Allein in der Erzdiözese München wurden innerhalb von 
ein paar Jahren Kreuzfrevel verübt: 

1937 in Glonn bei Grafing, Hohenkammer, Lustheim, Teisendorf, 

Dietramszell, 

1938 in Eching bei Landshut, Esting, Palling, Übersee, Kirchdorf 

am Inn, Buch am Erlbach, Tölz, 

1939 in Malching, Dachau, Johanneskirchen, Vagen, St. Emmeram 

(München), Lochham. 

In Erding und Maria-Eich-Planegg wurde eine Reihe von Sta- 
tionen eines Kreuzwegs "^schwer beschädigt. 

Ähnlich mußte der Bischof von Speyer im Jahre 1939 bittere 
Klage führen über eine zweimalige greuliche Verwüstung der herr- 
lichen Marienkirche in Landau und von Kreuzen in Rheinzabern, 
von sieben Statuen in Bergzabern, von einem Kruzifix in Linten, 
von einer Kreuzigungsgruppe in Kleinsteinfeld. 

Die Erzdiözese Freiburgim Breisgau beklagt in einer 
Zusammenstellung für die Zeit vom August 1935 bis Ende 1937 
nicht weniger als 17 Kreuzfrevel. 

Der Bischof von Eichstätt macht in seinen entrüsteten Pro- 
testen über zahlreiche Kreuzesschändungen noch auf eine Besonder- 
heit aufmerksam: Es wurde mehrfach an Kreuzen die Inschrift: 
JNRJ: „Jesus von Nazareth, König der Juden," herabgerissen. 
(Die Nazis nahmen also gleich den jüdischen Hohenpriestern (Jo. 
19,21) Ärgernis an dieser Aufschrift). 

Schließung und Schändung von Gotteshäusern. 

Bischof Bornewasser von Trier mußte am 30. November 1941 
seiner Klage über den nazistischen Klostersturm in der 
Kölner Kirchenprovinz folgende Anklage gegen deutsche Missetat 
in Polen anschließen: 

„In der Stadt Posen waren 1939 beim Einmarsch der deutschen 
Truppen 3 öffentliche Kirchen. Seit 1. Oktober 1939 sind es nur 3, in 
denen noch Gottesdienste abgehalten werden. Die anderen sind in 
Möbellager, Reitschulen verwandelt worden oder für andere Zwecke ein- 
gerichtet. 13 sind verschlossen." 

In der ganzen Diözese Posen waren beim Einmarsch 431 öffent- 
liche Kirchen, heute noch 4 5. In fast 400 Kirchen ist keine 
Messe, kein Altarssakrament, keine Kommunion 
mehr! Haben wir nicht allen Grund zu beten: „Herr, bewahre uns 

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vor dem Unglück, daß uns das Brot der Seele, das Altarssakrament, 
genommen wird?" 

Die Anfänge dieses Hasses gegen die Gotteshäuser mußten wir 
auch schon in Deutschland selbst schauen:. 

Geschändet wurden z. B. allein in der Erzdiözese München: 

Die Altöttinger Kapelle in München, 

eine Kapelle in Eberspoint, 

die Klosterkirche in Fürstenfeldbruck, 

die Heilig-Kreuz-Kirche in München- Giesing, 

die St.-Vinzenz-Kirche in München, 

die Pfarrkirche in Weyarn. 

Die Kirche im Schloß Nymphenburg-Müncher mit den Gräbern vie- 
ler Ordensfrauen wurde trotz aller bischöflichen und selbst päpstlichen 
Proteste in einen Bibliotheksaal für das neue Jagdmuseum verwandelt. 

Selbst zu politischen Zwecken mißbrauchte man die 
Kirche, in der Hauptsache wohl, um die Kirchenbesucher zu 
ärgern: 

so in T e g e r n s e e, wo man für die Reichstagswahl 1936 v^rährend 
dreier Nächte (26. bis 28. März) immer wieder Wahlplakate 
an der Außenwand der Kirche und zuletzt auch noch i m I n n e rn 
der Kirche (natürlich auch am Pfarrhaus und Pfarrgartenzaun) 
anbrachte, den Pfarrer, seine Schwester und den Mesner sogar für 
kurze Zeit verhaftete, weil er am ersten Tag diese unberech- 
tigten politischen Anschläge entfernte!! 

In Wolfratshausen (Obb.) hatte man sich wenigstens noch damit 
begnügt, solche Wahlplakate an das Haus des Benefiziaten b i s 
zuml. Stock hinauf anzubringen. Freilich auch da wurden nicht 
die Übeltäter gesucht und gestraft, sondern wiederum der 
katholische geistliche Hausbewohner samt seiner Schwester, weil sie 
diese unberechtigter und unpassender Weise angepappten Plakate ab- 
rissen. 

Das Erzbischöfliche Ordinariat München rief vergebens das 
Reichs] ustizministerium gegen solche Mißachtung und Schädigung 
fremden Eigentums und kirchlicher Gebäulichkeiten an, .erstmals 
schon ihi August 1935. 

Das Reichsjustizministerium erwiderte zwar am 5. Nov. 1935, 
„daß das Ankleben von Plakaten an Grundbesitz ohne Zustimmung 
des Eigentümers im allgemeinen untersagt ist." Aber es fügte noch 
bei: „Für besondere Ausnahmefälle sind nähere Vorschriften über 
die anordnende Stelle und die Art der Durchführung der Anklebung 
in Aussicht genommen. Hierüber behalte ich mir weitere Mit- 
teilung vor." 

Aber „diese näheren Vorschriften" und „die weitere Mitteilung" 
hierüber blieben trotz wiederholten neuen Ersuchens der oberhirt- 
lichen Stelle und trotz immer neuer Zwischenfälle dieser Art aus. 

Am 9. April 1936 schrieb das Ordinariat München an das 
Reichsministerium zusammenfassend: . „Beiliegender Bericht des 
katholischen Pfarramtes Tegernsee, der für sich selber spricht, ver- 

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anlaßt uns, unseren Antrag vom 14. August 1935, wiederholt am 
26. August 1935, am 21. Oktober 1935, am 13. November 1935 und 
am 31. Januar 1936, mit der dringendsten Bitte um recht baldige 
und endgültige Erledigung zu erneuern." 

Demnach konnte auch ein sechsmaliges Ersuchen 
keine Entscheidung herbeiführen, weil eben die heilige Justiz des 
Dritten Reiches nicht bloß die Augen, sondern auch die Hände 
gebunden hatte von Gestapo und Partei! 

So ließ man lieber Polizei und Gerichte im Ungewissen, Ver- 
brechen ungesühnt und Unschuldige bestraft! 

Wie Gotteshäuser, so wurden auch Gottesäcker ge- 
schändet: so z. B. 1938 der Friedhof von München-Berg am Laim 
(15 Grabkreuze abgeschlagen); 1939 der Friedhof der Alten Haid- 
hauser Kirche zu München (mehrfach Kreuze der Grabdenkmäler 
abgeschlagen, Weihwasserkessel umgeworfen oder zerstört). 

^ Attentatsversuche gegen zwei Kirchen. 

Die ganze teuflische Bosheit und Falschheit, 
welcher der Nationalsozialismus fähig war, zeigt der Versuch des 
Gauleiters H o f e r, Tirol, zwei herrliche Kirchen der Stadt Inns- 
bruck in die Luft zu sprengen (nachdem er schon mehrere Kirchen 
geschlossen hatte). Die Sauerstoff-Sprenggesellschaft 
m. b. H., Berlin-München, teilte unter dem 2. Juli 1945 dem Erz- 
bischöflichen Ordinariat München mit: 

„Unsere Gesellschaft war für die Beseitigung von Flieger- 
schäden in Bayern und Tirol eingesetzt . . . Dabei stellte der 
GauleiteranunsdasAnsinnen, auchzweiKirchen 
mutwillig anzusprengen, damit deren völlige Be- 
seitigung dann durchgeführt werden könnte. Es 
handelt sich um folgende Fälle: 

1. Bei Fliegerangriffen vom Dezember 1943 auf Innsbruck 
wurde auch das Servitenkloster an der Maria-Theresia-Straße in 
Innsbruck beschädigt. Um das Kloster weiterhin benützen zu kön- 
nen, mußten einige Gebäudeteile des Klosters, die an die Kloster- 
kirche angrenzten, beseitigt werden. Es wurde uns nun völlig un- 
erwartet von Baurat Hauser der Auftrag übermittelt, die Ser- 
vitenklosterkirche, die völlig unbeschädigt war, 
aus Versehen anzusprengen, damit dann diese Kirche 
völlig beseitigt werden könnte. Gauleiter Hof er wollte bekanntlich 
vom Gauhaus aus einen Aufmarschplatz schaffen, 
dem die Servitenklosterkirche im Wege stand. Es wurde uns nahe- 
gelegt, die Kirche unbemerkt, ambeste n,inderDunkel- 
h e i t, anzubohren und beim Sprengen des völlig zerstörten Neben- 
gebäudes auch diese Bohrlöcher zu besetzen und die Kirche so an- 
zusprengen, daß ihre Standfestigkeit erschüttert werde. Natürlich 
sollte dies für die kirchliche Gemeinde unbemerkt erfolgen. Unser 
technischer AußenstellenleiteE, Herr Bauingenieur Hildl, dem 

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dieser Gauleiterauftrag übermittelt wurde, lehnte die Durchführung 
ab und erklärte, daß nach der ihm erteilten Dienstanweisung die 
Verantwortung dafür der unterzeichnete Betriebsführer selbst trage, 
dem er diesen Auftrag vorlegen müsse . . . 

2, Bei einem weiteren Angriff aus Innsbruck, bei dem besonders 
der Ortsteil Wilten betroffen wurde, erhielt unser Sprengmeister 
den Auftrag, die alte Stiftskirche in Wilten anzubohren 
und zu sprengen. Derselbe führte die Bohrungen, die an und für 
sich völlig unbedenklich für die Kirche sind, durch, und verstän- 
digte unseren technischen Außenstellenleiter, Herrn Bauingenieur 
Kildl, der wiederum die persönliche Verantwortung für die Spren- 
gung ablehnte und verlangte, daß die Genehmigung beim Betriebs- 
führer eingeholt werden würde. Die Stadt Innsbruck 
sandte auch ein Telegramm an die Zentrale nach 
Berlin und verlangte die Sprengung der Kirche; darauf wurde 
telegraphisch zurückgeantwortet, daß die Sprengung nur dann 
durchgeführt werden könne, wenn ein schriftlicher Auftrag der 
Stadt Innsbruck bzw. des Gauleiters vorliege. Wie erwartet, wurde 
dieser schriftliche Auftrag nicht erteilt, so daß die Sprengung der 
Kirche unterblieb. Uns war bekannt geworden, daß der Gauleiter 
aktenkundig nicht mit der Sprengung befaßt werden sollte. 
Die Sprengung sollte auch hier wiederum aus Versehen er- 
folgen, wobei uns zugesagt war, daß der Gauleiter uns gegen An- 
griffe decken würde." 

Der Kapellenplatz in Altötting verhöhnt! 

Der allen bayerischen Katholiken teure, altehrwürdige Kapellen- 
platz des Altöttinger Marienheiligtums wurde verspottet und ent- 
weiht durch eine sogenannte DeutscheHochzeit unmittel- 
bar vor der Gnadenkapelle, noch dazu ausgerechnet an einem Sonn- 
tag, um die anwesenden Wallfahrer möglichst zu ärgern. 

Das „Mitteilungsblatt des Kreises München der NSDAP" Nr. 32 
vom Jahre 1935 schrieb hierüber: 

„In rasselnder Fahrt kletterten fünf dicht mit SA-Männern besetzte 
Lastkraftwagen die steile Straße hinauf und hielten in dem weiten Rund 
des Marktplatzes. Mächtige Schriftbänder leuchteten links und rechts 
an den Wagen: 

„Der politische Katholizismus ist der Staatsfeind I. Klasse" 
„Es lebe Deutschland" — „Nieder mit den konfessionellen Hetzern!" 

kündeten die mächtigen Buchstaben." Ein großes Transparent zeigte die 
vergebliche Mühe devisenschiebender Mönche und wühlender Hebräer, 
den mächtigen Stamm der deutschen Eiche abzusägen. Die Schar der 
SS-Männer, die, Kampflieder singend, tapfer im strömenden Regen auf 
den offenen Wagen ausgehalten hatte, bestand aus kernigen Arbeitern 
der Faust aus Freimann, die einem ihrer Kameraden, einem Oberschar- 
führer und seiner Braut, das Geleite gaben, um in Altötting, einem 
Zentrum des hetzenden politischen Katholizisrius, deutsche Hochzeit zu 
feiern. Auch dort standen im weiten Viereck die SA-Männer, auch dort 

Kreuz und Hakenkreuz 20 997 



schwuren vor der Fahne der Bewegung sich ein deutscher Mann und 
eine deutsche Frau treues Zusammenhalten im Lebenskampf. 

Pg. Nittweger vom Gauschulungsamt nahm die Trauung vor und 
sprach von der Notwendigkeit der Befreiung von Volks- und artfremden 
Zeremonien bei der Begehung wichtiger Lebensabschnitte. Die Kame- 
radschaft sei die Seele der Bewegung und das Unterpfand des End- 
sieges unserer Weltanschauung über alle artfrernde Lehre, und darum 
ist für Nationalsozialisten die schönste Hochzeitsfeier im Kreise der 
Kampfgenossen und angesichts des heiligen Symbols unserer Bewegung, 
des sieghaften Sonnenzeichens auf dem roten Banner der Großen Deut- 
schen Revolution." 

Die garize Ungeheuerlichkeit der Verhöh'ung läßt uns nach- 
stehendes Schreiben des Erzbischöflichen Ordinariats München er- 
kennen: •> 

München, 8. August 1935. 
An die Reichsbahndirektion 

München.. 

Sehr geehrter Herr Präsident! 

Betreff: Antireligiöse Demonstration. 

Wir mußten Herrn Präsidenten bereits unter dem 12. Juni und 
3. Juli dieses Jahres über eine starke Kirchenaustrittsbewegung inner- 
halb des Reichsbahnausbesserungswerkes München-Freimann berichten. 

Leider müssen wir heute einen neuen Fall antireligiöser Hetze mit- 
teilen, der vom genannten Werk ausging. 

Am Sonntag, den 4. August d. J., nachmittags 5 Uhr, kam ein 
Sturm SA (Nr. 26?) auf 5 Lastautos nach Altötting. Die Autos trugen 
Leinwandtransparente mit nachfolgenden Inschriften: 

„Kampf gegen den Juden, den Freimaurer, den Jesuiten!" 

„Wer den Juden kennt, kennt den Teufel, nieder mit den staats- 
feindlichen Nonnen!" 

„Es lebe die deutsche Frau und Mutter!" 

„Nichts für den devisenschieberiden Katholiken," 

„Alles für Deutschland!" 

„Der politische Katholizismus ist Staatsfeind erster Klasse." 

„Unser Glaube ist Deutschland!" 

„Heil und Sieg dem Hakenkreuz, Heil unserm Führer Adolf Hitler!" 

„Devisenschieber sind Landesverräter!" 

„Nieder mit dem politischen Katholizismus!" 

Die Rückwand zeigte: 

Eirie Eiche: Links von ihr ein katholischer Geistlicher. Rechts ein 
Jude. Darunter der Spruch: Und sind sie noch so fest erpicht, die 
deutsche Eiche fällen sie nicht. 

Die Autos fuhren in Altötting zunächst auf den Kapellenplatz. Dort 
stiegen die zirka 150 SA aus, formierten sich unter Vorantritt von 
Trommlern und Bläsern zu einem Zug' über den Kapellenplatz und in 
die Adolf-Hitler-Straße, kehrten dann zum Kapellenplätz zurück und 
nahmen Aufstellung zwischen Heiliger Kapelle und Marienbrunnen, wo 
bei den großen Lichterprozessionen der Wallfahrer regelmäßig der Altar 
steht und der Schlußsegen gegeben wird. In der Mitte wurde ein freier 
Platz gelassen und die Hakenkreuzfahne aufgestellt, vor die dann ein 
Brautpaar zu einer deutschen Trauung hintrat. Ein junger SA-Mann 
hielt zunächst eine etwa sieben Minuten lange Rede, sprach dabei davon, 
daß man hier auf historischem Boden stehe, daß hier schon die alten 

298 



Germanen gewohnt hätten, dann aber das Christentum seit zwei Jahr- 
tausenden sich ins Volk eingeschlichen habe, daß man aber jetzt wieder 
zurüclckehre zum alten Glauben der Väter. Dieser Glaube sei der 
deutsche Mensch, das deutsche Blut, der Glaube an Deutschland. „Wir 
kümmern uns nicht darum, ob wir zu den Engelein^ in den Himmel oder 
zu den Teufeln in die Hölle kommen. Unser Glaube ist Deutschland." 
Zum Schluß las er einen Satz aus Hitlers „Mein Kampf" vor, der davon 
handelte, daß sie (wohl das Brautpaar gemeint) wachsen und die 
deutsche Gemeinschaft vermehren sollten. Dann forderte der Redner 
das Brautpaar auf, durch Handschlag vor der Fahne den Treuschwur 
zu leisten. Während dann die Fahne über das Brautpaar geschwenkt 
wurde, spielte die Musik. Hernach zog alles ab in ein Gasthaus. Um 
etwa 8 Uhr abends wurde die Rückfahrt angetreten. Dabei begegnete 
ein Wagen einigen Klosterfrauen, die sofort angepöbelt wurden: „Da 
sind sie, diese Nonnen! Diese Devisenschieber u. ä." 

Hierzu stellen wir fest: 

1. Sämtliche 5 Lastwagen waren von der Reichsbahn; sie trugen alle 
die Aufschrift: „Deutsche Reichsbahn", und hatten auch die Abzeichen 
der Reichsbahn. Damit wurde während der ganzen Fahrt von München 
bis Altötting und in Altötting selbst bei allen Zuschauern der Eindruck 
erweckt, daß die Protestfahrt mit allen ihren Begleiterscheinungen von 
der Reichsbahn ausgehe. 

2. Sämtliche Transparentinschriften wurden, wie unzweifelhaft fest- 
steht und gegen jede eventuelle Ableugnung durch die Beteiligten auf- 
rechterhalten wird, im Reichsbahnausbesserungswerk zu Freimann von 
einem Angestellten während der Dienstzeit ange- 
f e r t i g-t. 

3. Die Fahrt hatte nicht etwa bloß einen Protestcharakter gegen den. 
„politischen Katholizismus" und die Devisenschieber, sondern auch gegen 
das Christentum und die katholische Kirche und ihre Einrichtungen. 

Darum wurde als Ziel gerade der besuchteste katholische Wall- 
fahrtsort Bayerns, Altötting, genommen. 

Darum wurde in Altötting selbst gerade der Ka pellenplatz zur 
Kundgebung benützt. ' Ausgesprochen antichristlichen Charakter zeigte 
schließlich die Ansprache und die Trauung. 

4. Die Bevölkerung von Altötting, die glücklicherweise ob des 
strömenden Regens nur sehr spärlich zugegen war, nachträglich freilich 
bald davon hörte, erst recht aber die anwesenden Wallfahrer, waren 
über die Inschriften und das Bild, über die Demonstration, Rede und 
Trauung sehr empört. Und was besonders beschämend für uns Deutsche 
ist, holländische und schweizerische Wallfahrer waren Zeugen all dessen 
und schrieben sich die Inschriften ab, photographierten verschiedene 
Szenen und erklärten, darüber in ihrer Heimat zu berichten. Ein hol- 
ländischer Geistlicher wurde noch dazu von einem SA-Mann angepöbelt. 

Wir werden gegen diese Verhöhnung einer katholischen Wallfahrts- 
stätte an anderer Stelle vorstellig werden. Herrn Präsidenten möchten 
wir aber bitten, alsbald eine Untersuchung darüber anstellen zu wollen, 
wie es möglich war, daß: 

1. Lastwagen der Deutschen Reichsbahn zu einer solchen Demon- 
stration benützt und mit derartigen Hetzinschriften versehen werden 
durften; 

2. i-nnerhalb des Reichsbahnausbesserungswerkes Freimann von einem 
Angestellten innerhalb der Dienstzeit derartige Hetzplakate und ein 
solches Spottbild gemacht werden durften. 

Wir erwarten, daß diesmal die Reichsbahndirektion energisch durch- 
greift, um endlich der antireligiösen Hetze innerhalb des Reichsbahn- 
ausbesserungswerkes ein Ende zu machen. 

299 



Wir hielten es auch für angezeigt, daß die Reichsbahn direktion 
öffentlich von dieser bedauerlichen Demonstration abrückt, mit der sie 
ohne jeden Zweifel nicht das Allergeringste zu tun hatte, mit der sie 
aber von der Bevölkerung und vom Ausland, das Zeuge des Vorkomm- 
nisses war, eben wegen der Benützung ihrer Kraftwagen nur zu leicht 
in Verbindung gebracht werden könnte. 

Genehmigen Herr Präsident den Ausdruck aufrichtiger Hoch- 
schätzung, in welcher ich ergebenst verbleibe 

Buchwieser, Generalvikar. 

In Abschrift: 

1. An den Herrn Reichs verkehrsminister Frhr. Eltz v. Rübenach, 

2. An das Auswärtige Amt, 

3. An das Reichsministerium des Innern, 

4. An den Herrn Präsidenten der Deutschen Reichsbahngesellschaft, 
Herrn Generaldirektor Dr. Dorpmüller, 

5. An Herrn Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp, 

6. An das Bayer. Staatsministerium des Innern, 

7. An die Kanzlei des Führers der NSDAP. 

Eine tausendjährige Kapelle durch NS-Hochzeit entweiht! 

Die Kapelle der ehemals kaiserlichen Residenz von AUstädt 
wurde entweiht, indem die Trauung des Jungbannführers Camilo 
Gärdtner durch den Gauleiter Günter Blum in Gegenwart einer 
großen Zahl von HJ-Führern und BdM-Leiterinnen stattfand unter 
feierlichem Orgelspiel und den Festklängen der nationalsozialisti- 
schen Hymne: „Erde gebiert aufs neue" („Türmer", „Allgemeine 
Zeitung" vom 11. September 1935). 

Eine NS-Eheweihe. 

Ein Muster bombastischer NS-Worte 
Die erste SS -Hochzeit in Pfaffenhofen a. Um, Obb. 

„Die Hochzeitsfeier des mit der Führung des SS-Sturmbannes 
11/92 Standarte beauftragten SS-Hauptsturmführers Kaspar 
Schwarzhuber mit Frl. Maria Margarete Fleißner war 
eine Weihestunde in tiefstem Sinne und für alle Teilnehmer bleibt 
sie ein unvergeßliches Erlebnis. Das sieghafte Banner des National- 
sozialismus und das ernste schwarze Fahnentuch der SS schmückten 
den Rathaussaal, in dessen Mitte die Büste des Führers stand. Die 
in Rot und Grün gehaltene Dekoration verlieh dem historischen 
Raum eine sehr vornehme Note. Der Bedeutung des Tages ent- 
sprach es, daß zahlreiche führende auswärtige Persönlichkeiten der 
SA und SS als Ehrengäste zugegen waren. HJ, BDM, Jungmädel 
und Jungvolk bildeten im Rathausinnern die Treppen entlang 
Spalier, Kreisleitung, Ortsgruppe, SS-Kameraden von auswärts, 
denen Hauptsturmführer Schwarzhuber den Weg zum National- 
sozialismus bereitete, SA, SS, die Führer der verschiedenen Unter- 
gliederungen, die Ratsherren, die Stadtverwaltung mit den sämt- 
lichen Arbeitern, Angestellten und Beamten waren zugegen. 

300 



Musikalische Darbietungen (bes. mit der aus einer Kirche ge- 
stohlenen Orgel! Der Verf.) umrahmten den feierlichen Akt. Trau- 
zeugen waren SS-Brigadeführer Diem und SS-Obersturmführer 
Friedrich Franz Bauer. 

Bürgermeister- Otto Bauer nahm die standesamtliche Trauung 
vor; seine von echt kameradschaftlichem Geiste getragenen, tief 
wurzelnden Worte lassen wir nachstehend folgen: 

Mein sehr verehrtes Brautpaar! 

Ihr beide erscheint heute vor mir, dem Bürgermeister und Standes- 
beamten der Stadt Pfaffenhofen, in der Absicht, den Bund der Ehe zu 
schließen. Die Ehe ist von der Volksgemeinschaft anerkannt. Die Liebe, 
Treue und Achtung zueinander sind die Grundpfeiler dieser Lebens- 
gemeinschaft. Nur das Gesetz oder der Tod kann diesen Bund trennen. 

Pg, Kaspar Schwarzhuber — Kampf genossin Maria Margarete 
Fleißner! — Wenn im Reiche Adolf Hitlers Mann und Frau die Ge- 
meinschaft für das Leben bauen, dann ist das wie Heimkehr zu den Ur- 
vätern- — und wie ein Vormarsch in. des Volkes Zukunft — wie ein 
Appell an der ewigen Wache — und wie ein Lagerbau des jungen 
Volkes. 

Nicht wie in vergangenen Zeiten wünschen wir uns Glück, sondern 
wir wünschen uns Kampf mit doppelten Waffen und Ehre mit doppelter 
Treue. 

Ich stelle Dir Kamerad und Dir Kameradin die Fahne des Führers, 
das Hakenkreuzbanner, hierher; legt im Geiste Eure reinen Hände ge- 
meinsam an ihren Schaft; diese Fahne der Freiheit ist die neue Zeit, für 
die Du Kamerad Schwarzhuber 14 Jahre kämpftest, für die Du gestritten 
und gelitten hast. Auch Deine Hand Kameradin Maria Margarete um- 
klammert die Fahne, für die Dein Mann gekämpft hat. Dies bedeutet 
für Dich höchste Verpflichtung im Kampfe um die Erhaltung unseres 
deutschen Volkes. Stehe in schweren und guten Zeiten treu und un- 
beirrbar hinter diesem Manne. Blutorden und Ehrenzeichen zeugen, daß 
der Mann, der mit Dir nun durch das Leben geht, in Treue und höch- 
ster Pflichterfüllung für sein Volk kämpfte. Als sein bester Kamerad 
weiß ich, daß er immer bereit war, a^es zu geben und zu opfern für 
unsere herrliche Freiheitsbewegung. — Allen, die da glauben, wir hätten 
keine Religion, weil wir uns selbst weihen, denen sage ich: „Wer für 
Adolf Hitler kämpft, kämpft für Deutschland, und wer für sein Vater- 
land kämpft, kämpft für Gott!" 

Unsere Fahne ist die neue Zeit und diese Fahne führt uns in die 
Ewigkeit. 

Und nun wollen wir heimkehren zu unseren Urvätern. — 

Sie sind euere ersten Trauzeugen. 

Ihr Blut, rein und unverfälscht seit Jahrtausenden, gesund und 
widerstandsfähig, meldet sich in dieser Stunde zu neuem Leben. — 
Und da werden sie wieder lebendig die Urahnen und die allernächsten, 
die noch hier stehen bei uns in stolzer Freude, die fernen, die wir nach 
Namen und Aussehen nicht mehr erkennen. — 

Alle aber sind deutschen Blutes — alle tragen in den Augen und 
auf der Stirn das stolze Leuchten ihrer Rasse — unseres Stammes. 

Alle stehen sie hier unter uns im Geiste und fragen uns: „Woher 
kommt Ihr? — Wo steht Ihr? — Wohin geht Ihr?" 

Und wir Nationalsozialisten antworten mit sieghaftem Glauben: 
„Wir kommen aus dem Volke — Wir stejien in unserem Volke — Und 
wir gehen heim zu unserem Volke." — 

Ob ihr, väterliche und mütterliche Trauzeugen, uns Geld und Gut 
oder Not und Soxge vererbt habt, das entscheidet nichts! 

301 



Aber daß ihr uns das Blut, diesen Quell von ganz eigener Kraft ge- 
geben habt, das ist unser Schicksal, unser Glück geworden, — Nicht Ver- 
mögen, nicht Kastengeist formt unser Leben, sondern Ihr, die Ahnen, 
gestaltet uns und unseres Volkes Dasein, unsere Seele und unseren 
Charakter. 

Und wenn unser heißgeliebter Führer Adolf Hitler zu uns spricht, 
so ist's, als ob ihr Ahnen wieder zu uns zu reden anfinget. Als ob ihr nach 
unserem Herzen und Gewissen greifen wolltet. — Alles auf Erden ist 
zu bessern. Jede Niederlage kann zur Mutter eines späteren Sieges 
werden. Jeder verlorene Krieg zur Ursache einer späteren Erhebung, 
jede Not zur Befruchtung menschlicher Energie — solange aber nur das 
Blut rein erhalten bleibt. 

Doch aber — verlorene Blutsreinheit allein zerstört das Glück auf 
immer — senkt den Menschen auf ewig nieder. — 

Väter, Mütter, Ihr seid Zeugen dafür, daß wir SS-Männer Euer Erbe 
als tapfere Blutswarte hüten und im Dienste der Volksgemeinschaft 
verwalten. 

Nicht umsonst tragen wir die Kampfparole der SS in der Tat durch 
Deutschland und schwören heute erneut auf sie: „Unsere Ehre heißt 
Treue!" — 

Treu zu den Urvätern — Treu unserem Blute — Treu unserem hei- 
ligen Boden, der in eurem Schweiß gepflügt und von eurem Blut ge- 
tränkt wurde. — 

Urväter — seid Zeugen des Schwures, den hier zwei deutsche Men- 
schen ablegen werden. 

Und nun kommen schon die 2. Trauzeugen zu uns. 

Die Toten — die Blutzeugen unserer heiligen Bewegung. 

Da steigen sie aus den eisernen Sarkophagen am Königlichen Platze, 
aus. den Gräbern nahen sie: 

Horst Wessel — Herbert Norkus — Allfahrt — Bauriedl — Theodor 
Casella — Anton Hechenberger — Karl Laforce — Kurt Neubauer — 
Klaus von Pape — Scheubner-Richter — Wilhelm Wolf — alle, alle 
kommen sie, um uns zu sagen: „Damit Ihr ein einig Volk werdet, star- 
ben wir. — Damit Ihr im großen und kleinen, in Volk, Ehe und Familie 
eine Gemeinschaft bauet, fielen wir. Damit Ihr glücklich werdet, blute- 
ten wir. Damit Deutschland aufersteht, gingen wir zu Grabe. Seht ihr 
sie, die Toten der Bewegung, wie sie in unserem frohen Kreis stehen, mit 
tiefgebetteten Augen, bleich, ernst und doch so stolz. Sie sind Zeugen 
eines neuen deutschen Lebensbundes. ■ — 

Ihre Seligkeit ist das immerwährende Auferstehen in einem jungen 
Volke, in Euch, meine beiden Kameraden — es ist, als ob sie auch zu 
Euerer Eheweihe versichern wollten: „Umsonst sind wir nicht tot — 
wir nicht und nicht unsere Kameraden aus dem großen Kriege, deren 
Ehre und Kampfpreis in dem sich erneuernden deutschen Volke erst 
lebendig wird." — Und wieder klingt's auf, das ewige Lied von der 
Treue, die allein unsere Ehre ist. 

Euch, Blutzeugen, wollen wir wieder das Leben geben, weil wir durch 
unseren schweren Kampf auf Eure Gräber geschrieben haben: „Auf- 
erstanden als Volk"; so wie es Walter Fl ex gesungen hat als Antwort 
der Toten der Bewegung auf unsere Frage: „Welches Ehrenmal wir 
ihnen bauen sollen" und sie sagten uns: 

Wir sanken hin für Deutschlands Glanz; 
Blüh, Deutschland, uns als Totenkranz! 
Die Mutter, die ihr Kindlein hegt. 
Ein Blümlein überm Grab uns pflegt. 
Blüh, Deutschland, überm Grabe mein, — 
Jung, stark und schon Heldenhain, — 

Das war der Wunsch der Toten, 
302 



Und wiederum sehen wir im Geiste die 3, Reilie, die Euch, mein 
liebes Brautpaar, Eideshelfer und Festzeugen sein sollen. Das . nächste 
Geschlecht, die Jugend des Dritten Reiches, Sie fordert viel und 
Schweres von uns. Sie fordert Treue und Opfer. 

Die Jungen müssen ja einmal die Festung halten, an der wir bauen. 
Sie müssen ja einmal unsere Erbschaft übernehmen. 

Wir hoffen und glauben, daß wir einmal einen besseren Staat in die 
reinen Hände der Jugend legen Icönnen, als er einmal in unsere Hände 
gegeben worden ist. Sie prüfen einmal unsere Treue zu Deutschland, 
sie schauen auf unsere Gemeinschaft im Volke und Elternhause. Sie 
wachen über unsere Eide und unsere Treue. Sie stehen mit den Vätern 
und IN^üttern, sie stehen mit den Gefallenen hier als leuchtende Stan- 
darten, bereit, im Geiste mitzumarschieren, und fordern, daß wir den 
, Atem nicht verlieren, daß wir treu bleiben, damit sie auf uns weiter 
bauen l^önnen. Junge Zeugen und Kampfgenossen, wir schaffen euch 
Raum, wir geben euch Leben und schmieden euch Waffen, wir l^ennen 
unsere Schuld an euch und sie heißt: Deutschland. 

Unsere liebe Vaterstadt Pfaffenhofen ist heute, und wann immer ein 
nationalsozialistischer Kämpfer einer deutschen Frau ^erz und Hand 
gibt, nicht so eng und schmal, daß sie nicht Raum bieten würde für das 
ganze Volk, das zur Treuzeugenschaft antritt. Keine Ehe kann im 
Reiche Adolf Hitlers geschlossen, keine Familie gebaut werden, ohne 
daß nicht das ganze Volle es verspürt und keine Ehe vermöchte wahr- 
haft glücklich zu sein, verspürte nicht Mann und Frau die Verbunden- 
heit und Verpflichtung zum ganzen Volke. 

Nicht mehr, wie in den Biedermeier-Zeiten oder in den düsteren 
Jahren bürgerlichen Eigendünkels sind hier unsere Familienhäuser ab- 
gekapselt vom großen Reiche, von der großen Familie des deutschen 
Blutes. Unser Führer, der Deutschland ist, grüßt jedes Haus, jedes 
schlichte Heim. Darum lege ich auch in Eure Hände das Kampfbuch 
des Führers. Möge Euch dieses Werk als unzerstörbares Bekenntnis zum 
Führer und damit zu Eurem deutschen Blute heilig sein. Das ganze Volle 
schaut heute auf Euch. Die Mauern des Rathauses weiten sich, Eure 
Vaterstadt wird zu ganz Deutschland, alle Standarten und Fahnen der 
Bewegung leuchten und wehen herein in diesen Festraum und ein fröh- 
liches Volk ruft Euch fordernd und dankend Heil zu. Ihr meine beiden 
Kampfkameraden, fühlt die Hände des Führers, der Eure beiden Hände 
ineinander schmiedet, Eure Herzen eint, der zu Euch und zu den vielen, 
die im kommenden, ewigen Deutschland an Eurem Stamm gedeihen 
werden, heute spricht: 

. Ihr seid viel tausend hinter mir 
Und Ihr- seid ich und ich bin Ihr, 
Ich habe keinen Gedanken gelebt. 
Der nicht in Eurem Herzen gebebt. 
'' Und forme ich Worte, 

So weiß ich keins, 
Das nicht mit Eurem Wollen eins. 
Denn ich bin Ihr 
Und Ihr seid ich 
Und wir alle glauben, Deutschland, an Dich. 

Meine Kampfgenossin Maria Margarete Fleißner, 

Mein Pg. Kaspar Schwarzhuber! 

Vor diesen beiden gesetzlichen Zeugen, vor den Vätern und Müttern 
unseres Blutes, vor den toten Helden unserer herrlichen Bewegung und 

303 



des großen Krieges, dem jungen Geschlechte und vor Führer und Volk 
frage ich Euch nun, nachdem ich Euch an die Wichtigkeit und Verant- 
wortlichkeit Eures vorhabenden Schrittes erinnere. 

Ich stelle an Dich, Pg. Kaspar Schwarzhuber, die Frage: Ist es Dein 
freier und ungezwungener Wille, mit diesem hier gegenwärtigen Fräu- 
lein Maria Margarete Fleißner die Ehe einzugehen? 

Ebenso frage ich Dich, Kampfgenossin Maria Margarete Fleißner: 
Ist es Dein freier und ungezwungener Wille, mit diesem hier gegen- 
wärtigen Pg. Kaspar Schwarzhuber die Ehe einzugehen? 

Nachdem Ihr nun meine an Euch gerichteten Fragen bejaht habt, 
erkläre ich Euch, meine lieben Kampfkameraden, kraft des bürgerlichen 
Gesetzbuches für rechtsmäßig verbundene Eheleute. 

Anschließend folgte dann durch SS-Sturmführer Schulungsleiter 
Dr. Gerhäuser, München, die SS-Trauung, die in ihrer Art einen 
feierlichen Akt darstellt, der die Herzen packt. Für beide Sippen 
bürgten: SS-U.-Sturmführer Bürgermeister Otto Bauer und SS- 
Obersturmführer F. F. Bauer, München. 

Es ist kein heidnischer Kult, wie manche zu sagen pflegen; es 
ist eine echt deutsche würdevolle Eheweihe von höchster Bedeu- 
tung. Das Leuchten vom deutschen Leben strahlt einem entgegen, 
das heilige SS-Bekenntnis zur Sippe, zur Familie und zum obersten 
Gesetz der Treue. Diese Treue muß für das Brautpaar in der Ehe 
ein Schild sein, an dem alle Angriffe zerschellen müssen. 

SS-Brigadeführer Diem überreichte dem Brautpaar einen 
Ehrendolch und beschloß den eindrucksvollen Akt mit einem 
dreifachen Sieg-Heil auf den Führer." („Pfaffenhofener Volksblatt" 
vom 14. Juli 1936.) 



Gottesdienststörungen. 

Wie von Gottes haus und Gottes a c k e r, so machte der natio- 
nalsozialistische Christentum- und Kirchenhaß auch vor dem Gottes- 
dienst nicht halt. Er schritt auch zu förmlichen Störungen von 
religiösen Feiern in Kirchen: So wurde in München einmal die 
Bahnhofsmesse im sogenannten Bürgersaal gestört, wobei die Misse- 
täter sogar eigens ihr Parteizeichen trugen und mit Brandstiftung 
und Bomben drohten. Ähnlich in der Pfarrkirche zu St. Ursula in 
München. HJ in München ärgerte sich über die kirchlichen Pfarr- 
jugendstunden und suchte sie wiederholt zu stören, z. B. im Jahre 
1935 in St. Gabriel, St. Pius, St. Ursula. 

Eine besonders drastische Gottesdienststörung geschah im D o m 
zu Freiburg i. Br. in Anwesenheit des H. H. Erzbischofs selbst. 
Darüber wird berichtet: 

„Kanonenschläger" 

bei der Treuekundgebung an den Bischof. 

Am Sonntag, den 11. Juni- 1941, fand abends im Münster zu Freiburg 
eine Treuekundgebung der katholischen Jugend statt. Das große Got- 
teshaus war voll von Gläubigen, etwa 5 0, meist Jugendlichen. Die 

304 



Andacht begann mit Gebeten, gesprochen von einzelnen und von allen. 
Dann folgte die Predigt, die ein junger Professor hielt. 

Der Herr Erzbischof Gröber befand sich mit Mitra 
und Stab am Altar und nahm an der Feier teil. Da auf einmal tat 
es einen fürchterlichen Krach, dem eine Rauchentwick- 
lung folgte. Die Folg^ davon war eine Panik unter den Anwesen- 
den; sie wurden unruhig und drängten sich nach den Ausgängen. Da 
forderte der Erzbischof laut rufend auf, die Ruhe zu bewahren und 
weiterzubeten. Daraufhin wurden die Leute wieder ruhig. Die Feier 
nahm nun ihren Fortgang und ging ruhig zu Ende. Dann ergriff der 
Erzbischof das Wort und nahm Stellung zu dem Vorkommnis. Zuerst 
bedankte er sich bei der Jugend für diese machtvolle Kundgebung und 
dann sagte er etwa folgendes: 

„Dieser herrliche Dom steht bereits seit mehreren 
hundert Jahren und heute abend fiel der erste Schuß 
darin. Ich kann diese sogenannten „deutschen Mensche n", 
die diese ruchlose Tat vollbrachten, nur als Verbrecher, Feig- 
linge und Verräter brandmarken. Es ist nicht genug, daß 
französische und englische Bomben in unseren deutschen Städten Pani- 
ken hervorrufen, nein, auch unser herrlicher Dom muß noch mit einem 
,Kanonenschläger' entweiht werden, und während wir für unsere tapfe- 
ren Soldaten beten, muß eine Panik die Leute verwirren, die leicht zu 
einem furchtbaren Unglück hätte ausarten können. Gott sei Dank, 
wurde das Schlimmste verhütet. Ich werde dafür sorgen, daß diese 
Untat in meiner Diözese bekannt wird und so etwas sich nicht wieder- 
holt. Dieser Schreckschuß heute abend ist für viele 
ein Weckschuß gewesen, für jetzt und für das Jahr 1941. Meine 
lieben Gläubigen! Gebet ihnen die gebührende Antwort am nächsten 
Sonntag bei der Fronleichnamsprozession!" 

Jedes Wort und jeder Satz des Oberhirten tat den Gläubigen 
wohl und wurde mit Bravorufen und Händeklatschen aufgenommen. 

Wer war der Täter? HJ-Führer, aufgestellt von unserem 
Kreis leiter! Im Beichtchor haben sie den Kanonenschläger 
(Feuerwerkskörper = mit Sprengpulver gefüllte Papphülse mit 
starkem kanonenähnlichen Knall) gelegt, die Zündschnur mit einer 
Zigarette angezündet. 

Der Erzbischof sagte noch: „Letztes Jahr platzte auch so ein 
„Kanonenschläger" vor der Eingangstür zu meinem Palais, 
aber der hat mich nicht so erschüttert wie dieser Schuß heute 
abend." 

Hatte der Erzbischof von Freiburg gemäß Obenstehendem seine 
Diözesanen aufgefordert, „am nächsten Sonntag bei der Fronleich- 
namsprozession den Attentätern die gebührende Antwort zu geben", 
so taten es die Münchener Katholiken Jahr für- Jahr von selbst: an 
die 20 000 bis 30 000 Katholiken, Männer, Frauen und in hervor- 
ragender Weise männliche und weibliche Jugend nahmen jedesmal 
in würdiger Weise teil, abgesehen von den Zehntausenden, die mit- 
betend und mitsingend den Prozessionsweg säumten. Um so mehr 
ärgerten sich hierüber die Nazis und sie glaubten ihrem Ärger Luft 
machen zu müssen durch Behinderung und Verspottung der Pro- 

305 



Zession. Dies geschah in ganz besonders abstoßender Weise an 
Fronleichnam 1937 in der SS-Kaserne. 

Zerrbild einer Fro.nleichnamsprozession 

In der SS-Standarte Deutschland, München, Ingolstädter Straße, 
zogen am Fronleichnamsfest (27. Mai 1937), nachmittags zwischen 
3 und 4 Uhr, 10 bis 15 Männer durch die Gänge dieser Kaserne der 
SS-Standarte Deutschland und verspotteten die Fronleichnams- 
prozession. > 

Vier SS-Männer trugen an vier Zeltbahnstöcken einen aus 
einem weißen Leintuch gefertigten Himmel. Unter dem Trag- 
himmel markierte ein Mann den Priester, der das AUerheiligste 
tiug. Er hatte eine Bischofsmütze aus Papier auf dem Kopf, trug 
ein langes, weißes Nachthemd und eine braune Decke um die 
Schultern, den Rauchmantel darstellend. In der Hand hatte er ein 
Kreuz, die Monstranz versinnbildend, einen Rosenkranz und ein 
Gi.'betbuch. Rechts und links von diesem markierten Priester ging 
je ein Mann. Diese hatten eine runde Kopfbedeckung aus Papier 
und eine braune Decke um die Schultern gehängt. Einer von diesen 
befden hatte einen Aluminiumtopf an Ketten oder Schnüren be- 
festigt, der das Rauchfaß darstellen sollte. Der andere hatte eine 
Fahrradglocke in der Hand. Vor dem Traghimmel ging ein Mann 
mit einer Ziehharmonika, der Fronleichnamslieder spielte. In jedem 
Gang wurde einige Male gehalten, was die Evangelien bedeuten 
sollte. Es wurde gesungen (Dominus vobiscum; Et cum spiritu .tuo 
etc.). Die Beteiligten knieten sich hierauf nieder, der SS-Mann, der 
den Priester machte, gab mit dem Kreuz den Segen; der eine Be- 
gleiter läutete mit der Fahrradglocke und der andere markierte mit 
dem Aluminiumtopf die Beräucherung. Dann wurde jeweils wieder 
weittrgezogen. Die Zimmerinsassen begaben sich bei dem Vorbei- 
zug auf die Gänge und lachten. 

Störung der Fronleichnamsprozession 
Bei der Münchener Fronleichnamsprozession 1939 schrie ein 
Mann vom Balkon eines Gasthauses herab dem Kardinal, der das 
AUerheiligste trug, und den Prozessionsteilnehmern mit lauter 
Stimme, hörbar für Hunderte von Leuten, entgegen: „Landes- 
verräte r". / 

Als dann der Schuldige sofort von einem energischen Katho- 
liken festgestellt und gestellt wurde, meldeten sich zwar sofort zwei 
Gestapoleute, taten aber nichts gegen den Übeltäter, unterhielten 
sich vielmehr später freundschaftlich mit ihm und seinem Begleiter! 
Man hatte offenbar den Teufel nur bei seiner Großmutter verklagt. 
Vergeblich wartete darum das Erzbischöfliche Ordinariat auf die 
Bestrafung dieser Gottesdienststörung und öffentlichen Beleidigung 
des Bischofs. Vergebens mahnte es nach ein paar Wochen mit nach- 
folgendem Schreiben zum polizeilichen bzw. gerichtlichen Ein- 
schreiten: 

306 



München, den 7. Juli 1939. 
Das Ordinariat des Erzbistums 
• München vmd Freising. 

An die 

Geheime Staatspolizei , 

Staatspolizeileitstelle 

München 
Brienner Str. 50. 

Betreff: Beleidigung der Katholiken Münchens anläßlich der Fronleich- 
namsprozession am 8. Juni 1939. 

Während der sonst ohne jegliche Störung verlaufenen Fronleich* 
namsprozession in München hat einer von zwei Männern, welche auf 
dem Balkon des Spatenbräurestaurants am Max-Josefs-Platz standen, 
mit weithin schallender Stimme der Prozessionsgruppe, welche vor, mit 
und hinter dem Allerheiligsten ging, zugerufen: „Landesverräter". 

Durch schnelles Zugreifen eines Laien konnten die zwei Männer 
sofort festgehalten und Beamten der Geheimen Staatspolizei übergeben 
werden. 

Wir ersuchen 

1. uns mitzuteilen, welches das Ergebnis der bisherigen Untersuchung 
ist, ob und wie staatlicherseits bereits gemäß der in Artikel 5 des 
Reichslconkordats eingegangenen Verpflichtung gegen diese Beleidi- 
gung von Geistlichen in Ausübung ihrer geistlichen Tätigkeit und 
gegen diesen groben Unfug vorgegangen wurde, 

2. Uns. baldigst den Namen des Übeltäters bekanntzugeben, damit Geist- 
liche und Laien, denen in aller Öffentlichkeit dieser unerhörte Vor- 
wurf gemacht wurde, fristgemäß Privatklage wegen Beleidigung 
stellen können. 

Eine Antwort auf dieses Schreiben wie auf wiederholte münd- 
liche Anfragen war nicht zu erreichen. 



3. Antichrists Wüten gegen des „unwerte Leben". 

In seinem Fastenhirtenbrief vom Jahre 19 3 4 schrieb H. H. 
Kardinal Faulhaber, Erzbischof von München, unter anderem: 

„Vor kurzer Zeit ist ein furchtbares Wort gefallen: Jede 
Sittenlehre gelte nur eine Zeitlang, und sittlich sei alles, was 
dem Wohle des Volkes dient". Die christliche Sittenlehre ist 
ein wesentliches Stück des Evangeliums, verpflichtet also alle Völker 
vmd alle Zeiten so gut wie die Glaubenslehre des Evangeliums. Sitt- 
lich ist, was dem Willen und den Geboten Gottes ent- 
spricht. Das wird auf die Dauer immer auch dem Wohle des Volkes 
dienen. Eine neue sittliche Ordnung aber, die mit den Geboten Gottes 
in Widerspruch stünde, würde Unordnung schaffen und dem Wohle des 
Volkes nicht dienen. Da könnte ein F a natiker auf den Wahn 
kommen, Enteignung des Kirchengutes, Meineid und 
Mord dienten dem Wohle des Volkes und seiendeshalb 
sittlich erlaubt. Es könnte ein Arzt auf den Gedanken 
kommen, die schmerzlose Tötung der sicher unheil- 
bar Kranken, auch der unheilbar Geisteskranken, die 
sogenannte Euthanasie, erspare dem Staat große Für- 
sorge lasten und diene deshalb dem Wohle des Volkes. 
Wirtschaftliche Rücksichten können ein Sitten- 
gesetz nicht außer Kraft setzen. Der Vater des Gedankens, 

307 



alte Leute einzuschläfern, ist der gleiche Nietzsche, der den Staat 
ein „Ungeheuer", die Nächstenliebe „das größte Laster" nannte, in des- 
sen Augen es die größte Torheit war, den Unterschied zwischen Herren- 
menschen und Sklavenmenschen abzuschaffen. Christus hat den ewig 
gültigen Grundsatz aufgestellt: „Alles, was ihr wollt, das euch die 
Menschen tun, das sollt ihr ihnen auch tun". In der Kehrseite heißt 
das: ,Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem an- 
dern zu!" (Mt. 7,12.) 

Eine warnende, aber nicht beachtete Prophetenstimme! 
Das , (furchtbare Wort", das einer vorgesprochen hatte: „Sittlich 
ist alles, v^as dem Wohl des Volkes dient" oder, kürzer formuliert: 
„Gut ist, was nützlich is t", wurde bald Moral und Parole 
der Partei. Ebenso auch die Kehrseite dieser Losung: „Was 
nichts mehr nützt, ist lebensunwert, soll be- 
seitigt werden, insbesonders, wenn es die Reinerhaltung der 
Rasse, das nationale Wohl und die Erhaltung der Volkskraft er- 
fordern!" 

Erste Auswirkung dieser Moral war die Unfruchtbarmachung 
zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, 

die sog. Sterilisation. 

Sie wurde durch tendenziöse Filme niedrigster Art vorbereitet und 
propagiert und dann an ungezählten Schwachsinnigen in- und 
außerhalb von Anstalten, selbst an Geistlichen, durchgeführt. Dar- 
legungen der Bischöfe, wie sie immer wieder geschahen, um zu 
zeigen, daß es dem katholischen Gewissen nicht erlaubt sei, solche 
Eingriffe für die eigene Person zu gestatten oder für andere zu 
beantragen (Kardinal Faulhaber, ebenfalls im Fastenhirtenbrief 
1934), wurden nicht beachtet. Spätere energische Proteste der Bi- 
schöfe gegen diese Maßnahmen führten zur Beschlagnahme von 
Hirtenbriefen. (Siehe Denkschrift der Bischöfe vom 20. August 1935.) 

Das Lügenwort und Verbrechen der 
„Euthanasie." 

Das war der wohlklingende Deckname für die skrupellose, ge- 
waltsame Tötung von Menschen, vielleicht von Hunderttausenden! 

Auf der Tagung der schlesischen Wohlfahrtspflege in 
Bad Salzbrunn vom 25. bis 27. Oktober 1939 sprach Gauleiterstell- 
vertreter Bracht das so wenig nach Wohlfahrtspflege klingende 
Wort: „Das deutsche Volk muß dazu kommen, immer weniger un- 
produktive Kräfte mitzuschleppen." 

In Wirklichkeit war dies aber längst nicht mehr ein Zukunfts- 
programm des deutschen Volkes oder vielmehr des deutschen 
Nationalsozialismus, sondern etwas, was schon seit mehreren Jahren 
geradezu ,,am laufenden Band" durchgeführt wurde. Rücksichtslos 
und massenhaft beseitigte man bereits landauf, landab „unproduk- 
tive Kräfte", so wie man unbrauchbare Werkzeuge wegwirft oder 
alte, schwache Tiere tötet. 

308 



Zunächst wurden von den „Landesfürsorgeämtern" (der Name 
„Fürsorge" ward hier wirklich zum Hohn) Meldebögen nachfolgen- 
der Art an die einzelnen Heil- und Pflegeanstalten verschickt. 

Meldebogenl Ist mit Schreibmaschine 

auszufüllen! 

Lfde. Nr 

Name der Anstalt: ......... 3 .... < 

in: « 

Vor- U.Zuname des Patienten: ...... geborene: 

Geburtsdatum: . . . -Ort: Kreis: 

Letzter Wohnort: Kreis: 

ledig, verh., verw. od. gesch.: . . . Konf.: . . . Rasse: . . , Staatsang.: . . . 
Anschrift der nächsten Angeh.: . . j 



Regelmäßig Besuch und von wem (Anschrift): 



Vormund oder Pfleger (Name, Anschrift): 

Kostenträger: . Seit wann in dortiger Anst.: 

In anderen Anstalten gewesen, wo und wie lange: 

Seit wann krank: .... Woher und wann eingeliefert: 

Zwilling: . ... » > Geisteskranke Blutsverwandte: 

Diagnose: . i , , t , . i ^ 

Hauptsymptome: . t . i . . . . 

Vorwiegend bettlägerig? . •. . . sehr unruhig? ... in festem Haus? . . . 

Körperl, unheilb. liCiden: * . s . i . . Kriegsbeschäd.: 

Bei Schizophrenie: Frischfall . . . Endzustand . . . gut remittierend: . . . 

Bei Schwachsinn: debil imbezill: Idiot: 

Bei Epilepsie: psych, veränd.: . . . durchschn. Häufigkeit, d. Anfälle: . . . . 

Bei senilen Erkrankungen^ stärker verwirrt unsauber 

Eingewiesen auf Grund §51, § 42bStrGB. usw durch: 

Delikt: .......... Frühere Straftaten: 

Art der Beschäftigung: Genaueste Bezeichnung der Arbeit und 
der Arbeitsleistung: 



Ist mit Entlassung demnächst zu rechnen? 
Bemerkungen: - 



Ort, Datum: 



(Unterschrift des ärztlichen Leiters 
oder seines Vertreters.) 



309 



Diese Fragebögen mußten nach der Ausfüllung wieder an den 
Landesfürsorgeverband zurückgeschickt werden, damit dieser für 
das weitere sorgen- könne. Als die katholischen Pflegeanstalten den 
heimtückischen Zweck dieser Meldebögen sicher erkannten, weiger- 
ten sie sich größtenteils, die Meldebogen überhaupt noch .ein- 
zuschicken. 

Dann kamen ärztlicheKommissionen in die einzelnen 
Heil- 'Und Pflegeanstalten und brachten hiebei die ausgefüllten 
Fragebogen mit oder ließen sich die zurückbehaltenen ausliefern. 
Nur vereinzelt nahmen sie sich Zeit, Patienten selbst zu prüfen. 

Der Leiter einer solchen ärztlichen Kommission, Dr. Schm., 
antwortete am 18. November 1937 gegenüber ernstesten Bedenken 
und dringendsten Bitten der Oberin einer solchen Anstalt in Ober- 
bayern: ,, Machen wir uns doch nichts vor und seien wir aufrichtig 
zueinander: Diese Eckensitzer müssen weg!" 

Bei der nachfolgenden Durchsicht der Meldebögen machte er 
dann bei Schwachsinnigen und Geisteskranken fast durchwegs ein 
Kreuzchen auf das freie Rechteck der linken unteren Seite des 
Meldebogens (andere machten es zu den Namen auf den mit- 
gebrachten Listen). Das Todesurteil für die Bezeichneten! 
Darunter fielen auch Pfleglinge, die noch beinahe voll arbeitsfähig 
waren, sei es in der Landwirtschaft oder in einem Handwerk, bei- 
spielsweise solche, die nur vielleicht ein- oder zweimal im Jahr 
einen epileptischen Anfall oder ähnliches hatten. 

Auf den Einwand der Frau Oberin obiger Anstalt, daß die 
Pfleglinge doch auch arbeiten könnten und durchaus nicht „un- 
produktiv" seien, antwortete der Arzt: „Was heißt denn bei euch 
arbeiten? Ihr habt ihnen nur einiges eingedrillt; das ist doch keine 
Arbeit. Da haben Sie eine falsche Auffassung über Arbeit." 

Selbst solche wurden dem Tode geweiht, bei denen es sich um 
Folgen von. Kriegsverletzungen handelte!! 

Die Todeskandidaten wurden dann aus den caritativen 
katholischen oder evangelischen Anstalten zunächst vorsorglich in 
staatliche Heil- und Pflegeanstalten verbracht, und zwar unter 
dem Vorwand einer „Neuorganisation der Heil- und 
Pflegeanstalten" und „zur Erhaltung der Wirt- 
schaftlichkeit der Heil- und Pflegeanstalten, in 
welchen im Zuge der , Neuorganisation' (wieder ein euphemistischer 
Deckname für die Tötung!) eine ganze Anzahl von Betten frei- 
geworden sei." Ausdrücklich und schärfstens wurde dabei betont: 
„Von einer vorhergehenden Verständigung der 
Angehörigen der Kranken ersuche ich unter allen 
Umständen im Interesse eines geregelten Abtransportes der Pfleg- 
linge abzusehen. Sie erfolgt durch den Landesfürsorgeverband 
Oberbayern/' 

Nur in diesem letzten Punkte wich eine diesbezügliche Anord- 
nung des Reichsstatthalters von Salzburg ab: 

310 



Der Reichsstatthalter Salzburg, am 17. August 1940. 

Br. I/I — RVR (III) 1/40 geh. 

Vertraulich. 

An die 

Versorgungsansta-lt Schernberg 

zu Händen der Oberin o. V. i. A. 

Schwarzach. 
Gegenstand: 
Verlegung von Kranken aus Heil- und Pflegeanstalten. 

Zur streng vertraulichen Behandlung wird mitgeteilt, daß laut 
einem Erlaß des Reichsverteidigungskommissars im Wehrkreis XVIII in 
Innsbruck die gegenwärtige Lage die Verlegung einer größeren Anzahl 
von in Heil- und Pflegeanstalten untergebrachten Kranken notwendig 
macht, um für andere/ Zwecke Betten jederzeit verfügbar zu haben. 

Die Kranken werden nebst ihren Krankenpersonalakten und Kran- 
kengeschichten in Sammeltransporten verlegt. Der Abgabeanstalt ent- 
stehen aus dem Transport keine Kosten; die Benachrichtigung 
der Angehörigen über die Verlegung hat durch die 
Abgabeanstalt zu erfolgen. Die Abgabeanstalt hat auch 'die 
Kostenträger davon in Kenntnis zu setzen, daß weitere Zahlungen über 
den Tag der Verlegung hinaus solange einzustellen sind, bis sie von der 
Aufnahmeanstalt angefordert werden. 

Die notwendig werdenden Verlegungen werden von Fall zu Fall 
angeordnet werden. 

LA. 

gez. Dr. Hausner. 
Beglaubigt: Hromadka. 

Der Landesfürsorgeverband Schwaben suchte bei dieser Um- 
legung der Kranken gleichsam noch ein Geschäft zu machen. 
Er beauftragte die caritativen Anstalten, aus denen Pfleglinge in 
die staatlichen Anstalten verbracht wurden, allen „Umzulegenden" 
(dieses Wort hatte hier eine fatale Doppelbedeutung!) noch 
dreifache Leibwäsche, einen Sonntags- und Werktagsanzug mit- 
zugeben, reichlich viel für die, welche zumeist schon nach wenigen 
Tagen sterben sollten. 

Aus den staatlichen Heil- und Pflegeanstalten wurden 
dann die „unproduktiven Kräfte" entweder in Eisenbahnwaggons, 
meist nachts und auf offener . Strecke, außerhalb eines Bahnhofs 
verladen oder in Omnibussen der „Gemeinnützigen Transportgesell- 
schaft G. m. b. H." (was doch der Nationalsozialismus für eine Auf- 
fassung von „gemeinnützig" hatte!), meist von SS-Leuten gesteuert, 
fortgebracht. 

Nach einigen Tagen erhielten die Angehörigen eine kurze Nach- 
richt über die Verlegung ihrer Patienten, nach ein paar weiteren 
Tagen die Todesbotschaft. Durch die mehrmalige Verlegung 
sollten die Spuren der Gewalttat verwischt werden. 

Als Todesursache wurde schematisch dies und jenes verzeichnet, 
darunter des öfteren eine unmögliche Krankheit, z. B. Blind- 
darmentzündung bei Personen, die längst keinen Blinddarm mehr 

311 



hatten, oder Tonsilitis bei Leuten, denen längst die Mandeln heraus- 
genommen waren. 

Ein paar Beispiele mit kurzen Auszügen aus der amtlichen Mit- 
teilung. 

1. KrautMagdalena. 

Vernichtungsanstalt: Landespflegeanstalt Grafeneck in Württemberg, 

„Verlegt 1940 auf ministerielle Anordnung und gemäß Weisung des 
Reichsverteidigungskommissars." 

„Tod ist als Erlösung aufzufassen." 

„Wegen Seuchengefahr sofortige Einäscherung des Leichnams." 

„Besuche hier gegenwärtig aus seuchenpolizeilichen Gründen ver- 
boten." 

2. Lindauer Bert a. 

.Vernichtungsanstalt G r a f e n e c k in Württemberg. 

„Verlegt am 9. Oktober 1940 auf ministerielle Anordnung gemäß Wei- 
sung des Reichsverteidigungskommissars." 

„Ihren Tod müssen Sie als eine Erlösung auffassen." 

„Tod 22. Oktober^ 1940. Plötzlich und unerwartet an akuter Milliartuber- 
kulose." 

„Wegen Seuchengefahr ordnete die Polizeibehörde sofortige Einäscherung 
des Leichnams an." 



£an5c^an(!a(f ßarf^efm 



Äor(Mm,ben 13. Juni 1940. 

Dlitr £ln3 (Oonou), pef)f(f)lle^a4 £fni 324 
Strnruf: aitoocn 9 



Maria L i e g 1 , 
MilÄöhen. 



RuppreohtB-traBse 15/III 
Betr.: Josef Liegl. 

Sehr geehrte Frau Liegl ! 

Ich beehre miöh Ihnen mitzuteiler., daß Ihr Bruder Herr 
Josef Liegl, der auf Grund ministerieller Anordnung gemäß 
Weisung des Reichaverteidigungskomraissars verlegt werden 
nöiöte, hier eingetroffen ist, 

, .>'■• ■■"•:.,\ Hell Hitler ! 



''oorn lO:^ 




Als Beispiel der amtlichen Heuchelei und Schwindelei, die hier ge- 
trieben wurde, zwei Briefe der Landesanstalt Hartheim in Photokopie. 

ai2 



atihron |hl# onsrten!) 



Fräulein 
Maria 1 1 e g 1 

München 



mpprechtstr. 15 



Sehr geehrtes Fräulein liegl 



Im Nachgang zu unserem Schreiben vom 13. ^uni 19.40 müssen 
wir Ihnen zu unserem größten Bedauern mitteilen, . daß Ihr Bru- 
der Josef liegl , der sich seit kurzen auf ministerielle Anord- 
nung gemäß Weieung des HeichsverteidigungskommiBsars in unse- 
rer Ansta5.t befand, unerwartet infolge lüngehahazee'sea ge- 
storben ist. Eine ärztliche Hilfe war leider nicht mehr möglich. 

Da jedoch bei der Art und der Schwere des Leidens Ihres Bruderß 
mit einer Besserung und damit auch mit einer Entlassun« aus 
der Anstalt nicht meiir zu rechnen war, kann man seinen, aer ihn 
von seinem- Leiden befreite und ihn vor einer lebenslänglichen 
Anstaltspflege bewahrte, nur als Erlösung für ihn ansehen; 
möge Ihnen diese Gewißheit zum Tröste gereichen. 

um einer möglichen Seuchengefahr, die jetzt während des Krie- 
ges besonders groß ist, vorzubeugen, mußte der Veratorbene 
auf polizeiliche Anordnung hin sofort eingeäschert werden. 

Falls Sie die üme mit den sterblichen üb rrosten Ihres Bruders 
auf einem bestimmten Friedhof beisetzen lassen wollen, - die 
Überführung der Urne findet kostenlos statt - bitten wir Sie, 
unter .Beifügung einer Einverständniserklärung der betreffenden 
Friedhbfverwaltung um Mitteilung. 

Sollten Sie uns innerhalb von 14 Tagen keine diesbezügliche ■ 
Nachricht zukommen lassen, werden wir die' Beisetzung der Urne 
'anderweitig veranlassen. 

Zwei Sterbenirkunden, die Sie für eine etwaige Vorlegung hei Be- 
hörden sorgfältig aufbewahren wollen, fügen wir 'bei,. 



Heil Hitler 



Man beachte die Ungenauigkeit: in einem Brief heißt die Schwester 
„Fräulein", im andern „Frau". In der Sterbeurkunde Nr. 537 des Stan- 
desamtes Hartheim heißt es: „Am 17. Juni 1940 um 8 Uhr 30 Minuten 
in seiner Wohnung verstorben. Todesursache; Lungenabszeß." 



313 



3. RiefHedwig. 
„Am 6. Februar 1940 in die Landespflegeanstalt Grafeneck gebracht." 
Von dort Nachricht am 13. Februar: „Fräulein Rief ist am 8. Februar 

1940 einem Herzschlag erlegen."« 
„Mußte auf polizeiliche Anordnung eingeäschert werden." 

„Ihr Tod bedeutet Erlösung." 

i 

Asche kam nach 4 Wochen an das Bürgermeisteramt in Weiler (Heimat). 

4. Obermeier Franz. 

Landespflegeanstalt Brandenburg a. H. 

„Vor kurzem auf ministerielle Anordnung ... in unsere Anstalt überführt. 

„Hier am 11. September 1940 an einer Grippe, die Lungenentzündung 
zur Folge hatte, verstorben." 

„Alle ärztlichen Bemühungen... blieben ohne Er- 
folg"(!!) 

„Einäscherung mußten wir auf polizeiliche Anordnung sofort veran- 
lassen." 

„Von einem schweren, unheilbaren Leiden erlöst und vor lebensläng- 
licher Anstaltspflege bewahrt." 

5. Frau Henriette Friedrich. 

Landespflegeanstalt Brandenburg a. H. 
„Verlegt nach Brandenburg" 

„Am 23. September 1940 an einer septischen Angina verstorben, trotz 
aller Bemühungen unserer Ärzte, die Patientin am 
Leben zu Erhalten." 

„Seuchengefahr verlangte sofortige Einäscherung." 

6. Auracher, München. 

Vernichtungsanstalt: Landes-Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein 
über Pirna. 

Neu ist in diesem Falle, daß wegen der „Seuchengefahr" auch die 
sämtlichen Kleidungs- und Gebrauchsgegenstände 
des Entschlafenen (wiederum ein Hohn: dieses Wort „Entschlafener" für 
einen Getöteten) vernichtet werden mußten, so daß wir Ihnen zu 
unserem Bedauern nichts zurückgeben können. (In Wirklichkeit wan- 
derten diese Kleider nicht in das Krematorium, sondern in Konzen- 
trationslager oder vielleicht gap in Privatwohnungen von davon Betei- 
ligten.) 

7. Von Interesse dürfte besonders auch folgender Fall sein: 

Schwester Angela Holtzmann ' 

aus einem bayerischen Salesianerinnenkloster wegen Geisteskrankheit in 
der Anstalt Rottenmünster untergebracht, entging durch besondere Vor- 
sichtsmaßnahmen der dortigen Schwestern der Verschleppung und 
Tötung, obwohl ihr leibeigener Bruder sich , geweigert hatte, 
irgend etwas zur Rettung seiner Schwester zu tun, da er selbst, wie er 
erklärte, in Eglflng-Haar bei der „Wegschaffung" der Kranken (meist 
nach Hartheim bei Linz) beteiligt war. 

8. Frau Klinkowström hatte einen kranken Sohn in der Heilanstalt 
in Mauer- ölling. Sie wollte ihn wegtun nach der katholischen Pflege- 

314 



anstalt Schernberg. Sie wandte sich anFrauGöringin Bad Gastein 
mit der Bitte, bei ihrem Mann Fürbitte einzulegen, daß ihr Sohn nicht 
einbezogen würde. Frau Göring erhielt von ihrem Mann telegraphisch 
die Antwort: „Da kann ich nichts machen; denn das geht von der höch- 
sten Stelle aus." 

Welch eine Angst und welch ein Terror in den staatlichen An- 
stalten herrschte, aus denen die Pfleglinge in die Vernichtungs- 
anstalten weggeholt wurden, zeigt der Brief einer Pflegeschwester 
vom Oktober 1940: 

„ . . . Ich habe nun die Angst in Formen kennengelernt, die mir bis 
jetzt neu waren." (Die Todeskandidaten wußten ja großenteils sehr 
wohl, wohin die Fahrt mit den Omnibussen der „Gemeinnützigen Trans- 
portgesellschaft" ging.) 

„Sollte es mir möglich sein, so weiß ich den Weg zu Euch. Im 
übrigen unterlassen wir alles persönliche und brief- 
liche Verkehren. Unnötig darf man sein Leben nicht der Gefahr 
aussetzen und die Sache ist todesernst... Ich bitte Euch sehr, sagt 
keinem Menschen von diesem Brief! Schweigen, schweigen! Es ist not- 
wendig." 

Die Mitwisser dieser „Euthanasie" fühlten sich eben durch ihre 
Kenntnis genau so in Lebensgefahr wie jene, die in den Konzen- 
trationslagern das Krematorium zu bedienen hatten, die wohl eines 
Tages den Entlassungsschein bekamen, aber nur, um dann auf den 
Schießplatz geführt und mutidtot gemacht zu werden. 

Der Gipfelpunkt der Heuchelei! 

Als Gegenstück zu all diesen Zehntausenden von Morden an 
Schwachsinnigen eine Zeitungsnotiz, wie sie Ende September 1940 
im ganzen deutschen Blätterwald zu sehen war. 

, „Zahl der Opfer des Verbrechens von Bethel weiter erhöht." 

Die Zahl der Todesopfer, die das ruchlose Verbrechen der Royal- 
Air-Force an den weltbekannten Bodelschwing'schen Heilanstalten in 
Bethel bei Bielefeld gefordert hat, hat sich auf 12 erhöht, da mehrere 
Schwerverletzte ihren furchtbaren Wunden erlegen sind. 11 hilflose, 
kranke Kinder und eine Krankenschwester, die ihr Leben der Pflege 
dieser unglücklichen Geschöpfe gewidmet hatte, sind dem von Churchill 
und der Londoner Mörderclique befohlenen Überfall zum Opfer gefallen. 
Das Blut dieser unschuldigen Opfer wird tausendfach gerächt werden." 
(Voigtländischer Anzeiger und Tageblatt vom 28. September 1940.) 

Gewiß, jeder Deutsche, jeder Christ, jeder Menschenfreund be- 
dauert alle diese 12 Opfer eines Luftangriffes. Aber ist jedes Be- 
dauern und jede Entrüstung über den Tod dieser Pfleglinge nicht 
eine Komödie und ein Hohn bei Menschen, die vorsätzlich, 
kaltblütig und unnötig, nur aus rein wirtschaft- 
lichen Gründen' Zehntausende, vielleicht Hun- 
derttausende solcher „unwerter Menschen" ge- 
tötethaben? 

Schreit das Opfer dieser unschuldigen Opfer des National- 
sozialismus nicht hunderttausendfältig zum Himmel um Rache? 

-. 315 



4. Antichrists Wüten gegen das Judentum. 

„Wo hätten wir jemals in irgendeiner amtlichen Verlautbarung, 
in unserer Betätigung die Offenbarung der Bibel, des Alten und 
des Neuen Testamentes abgelehnt? Wir warnen nur davor, daß man 
gerade die Geschichte • des alt jüdischen Volkes mit einer größeren Aus- 
führlichkeit unserer Jugend näherbringt als die Geschichte, die Sagen- 
und Märchenwelt unseres eigenen Volkes." 

„Wir haben wiederholt den Beweis dafür geliefert, daß die Rasse 
von uns nicht höher gestellt wird als die Religion; aber daß die 
Rasse etwas Gottgewolltes ist, wird von uns mit aller Deutlichkeit be- 
tont. (,Sehr richtig!' bei den NS; Zuruf von Bayer. Volkspartei: ,Alle 
Rassen?') Jawohl! Es muß wohl auch Juden geben, nicht wahr? 
Gott wird wissen, warum er auch Juden hat werden lassen." 

So wur(^e im Bayerischen Landtag am 29. April 1931 vom 
Sprecher der nationalsozialistischen Arbeiterpartei nachdrücklich 
verkündet und versichert. 

Zwei Jahre später aber, nach der Machtübernahme, gab es für 
diese Deutschen nur noch eine gottgewollte, ja geradezu 
vergötterte Rasse, die arische, noch näher die nor- 
dische, noch besser die germanische Rasse. 

Die jüdische Rasse dagegen? Von allen Dächern pfiiff man's, in 
allen Sälen brüllte man's, in allen Zeitungen schrieb man's, an alle 
Mauern schmierte man's, in den Schulen lehrte man's, auf allen 
Kursen verkündete man's als aller Weisheit Gipfelpunkt und als 
aller Politik Ausgangspunkt: 

„D'er Jude ist der Ausbund aller Schlechtigkeit!" 

„Der Jude ist der Auswurf der Menschheit!" 

„DerJudeistanallemschuld!" 

Die billige, geläufige Erklärung für alles Übel im deutschen 
Land und auf der ganzen Welt! 

Kein Wunder, daß Judenhaß überall aufloderte und sich in 
Wort und Tat Luft machte, z. B. in dem blutrünstigen Lied, das gar 
oft auf den Straßen zu hören war, selbst von Gebildeten (bei einem 
Geländeübungskurs des SA-Hochschulamtes von Hochschulstudenten 
in Memmingen Ende Mai 1934): 

1. Wetzt die langen . Messer 
Auf dem Bürgersteig! 
Laßt die Messer flutschen 
In den Judenleib! 

:/: Blut muß fließen knüppelhageldick, 
Wir scheißen auf die Freiheit der Judenrepublik. 
Kommt einst die Stunde der Vergeltung, 
Sind wir zu jedem Massenmord bereit, :/: 

2. Hoch die Hohenzollern 
Am Laternenpfahl! 
Laßt die Hunde baumeln, 
Bis sie runterfalln! 

:/: Blut muß usw :/: 

316 ^^- 



S. In der Synagoge 

Hängt ein schwarzes Schwein. 
In die Parlamente 
Schmeißt 'ne Handgranate rein! 
:/: Blut muß usw.... :/: 

4. Reißt die Konkubine 
Aus dem Fürstenbett, 
Schmiert die Guillotine 
Mit dem Judenfett! ' 

Ui Blut muß fließen.., j/: 

Der wilde Trompeter des Antisemitensturmes 

Julius Streichers: „Der Stürmer" verkündete in jeder Nummer 
und auf jeder Seite, mit Wort und Bild (und welchen!) der Juden 
Schlechtigkeit und Schuld. Und an alleti Straßenecken und Tram- 
bahnhalteplätzen, in Betrieben und Gastlokalen durfte er seine anti- 
semitische Hetze treiben. Ein junger Lehrer Münchens (K.) ließ 
im Januar 1937 eine Nummer des „Stürmers" mit besonders 
schweren Angriffen auf die Kirche tagelang sogar im Schulzimmer 
der achten Volksschulklasse ausstellen. 

Es bedurfte sogar da und dort energischer Proteste seitens der 
Geistlichen, daß die Anschlagtafel dieses Schandblattes nicht dicht 
neben die Anzeigetafel der Gottesdienste, an Friedhofmauem oder 
gerade gegenüber dem Kircheneingang angebracht wurde (siehe 
Kapitel 7). Für den „Stürmer" war nebst dem Juden selbst auch 
jeder deutsche Staatsbürger vogelfrei, wenn er nicht Judenhasser 
war oder gar einem Juden irgendetwas Gutes tat. Und ein deut- 
sches Gericht gestand ihm dieses „Recht" ausdrücklich zu. So 
verkündeten es Riesenplakate von Julius Streicher mit nach- 
folgendem Gerichtsentscheid: 

Entscheidung des Amtsgerichtes Berlin 
Abt. 802 BS. 728/37. 

In der Privatklagesache des Rechtsanwaltes Dr. Karl Kikath, Berlin W 50 

gegen den Stürmer, Nürnberg, 
wird die Privatklage auf Kosten des Privatklägers zurückgewiesen. 

Gründe : 

Der Stürmer hat die Aufgabe, das Verständnis für den Rassegedan- 
ken im Volke zu wecken und zu vertiefen, sowie die Bewegung im not- 
wendigen Kampf gegen das internationale Judentum zu unterstützen. 
Dieser Aufgabe wird der Stürmer auch dadurch gerecht, daß er in 
dem Verhalten einzelner Volksgenossen dem Juden- 
tum gegenüber Kritik übt. Dies geschieht dabei nicht, um den 
einzelnen zu verunglimpfen, sondern um der Gesamtheit der Deutschen 
vor Augen zu halten, wie jeder einzelne sich dem Judentum gegenüber 
zu verhalten hat. Der einzelne hat kein Recht, sich gegen 
die Kritik seines Verhaltens, soweit sie objektiv 
berechtigt ist, zu wehren, da er sonst die notwendige 
Aufgabe des Stürmers zum Nachteil der Gesamtheit über Gebühr 
stören, wenn nicht sogar gefährden würde. Wenn der Privatkläger trotz ' 
dieser Erwägungen wegen des Artikels in der Nummer 5 des Jahrganges 

317 



1937 des Stürmers die Bestrafung des Beschuldigten begehrte, statt seine 
eigenen Interessen der großen Aufgabe der Aufklärung des Volkes in 
der Judenfi'age unterzuordnen, muß er sich gefallen lassen, 
wenn sein Verhalten im Rahmen der Aufgabe des Stürmers einer er- 
neuten scharfen Kritik unterzogen würde. 

Berlin, den 18, Oktober 1937 

Amtsgericht Berlin, Abt. 802 
. gez. .Piening, Amtsgerichtsrat, 
L.S. 

Lest alle den Stürmer Nr. 48 

In Versammlungen, auf Kursen, im NS-Schrif ttum wurde immer 
lauter und allgemeiner und frivoler die Forderung erhoben, einen 
scharfen Strich zu ziehen zwischen Judentum 
und Christentum und. aus der christlichen Reli- 
gion. Verkündigung und Übung alles „Jüdisch- 
Orientalische" zu entfernen, wie dies bereits 1899 ge- 
fordert wurde. Auf dem Antisemitentag zu Hamburg, später dann 
in dem von den' Nationalsozialisten viel gepriesenen Buch von 
Chamberlain: „Die Grundlage des 19. Jahrhunderts", und wieder 
ein paar Jahrzehnte später in den Büchern: „Die Sünde wider das 
Blut", „Die große Täuschung", „Der falsche Gott". 

Die Verachtung des Judentums übertrug sich dann alsbald auf 

das Alte Testament. 

Wie ein Schwein im schönsten Garten schließlich nur auf den 
Komposthaufen losgeht und dort mit Wohlbehagen umeinander- 
wühlt, so hatten viele nationalsozialistische Redner auf Versamm- 
lungen und Kursen ihr größtes Vergnügen, einiges aufzutischen von 
den „Zutreibergeschichten und Viehhändlertricks der jüdischen 
Patriarchen" und den „Wuchergeschäften des ägyptischen Josef", 
wie der „Führer" selbst sich einmal so geschmacklos geäußert hatte. 
Von all den Lichtgestalten des Alten Testaments, von der 
Schönheit der Prophetenbücher, der Psalmen, der Weisheitsbücher, 
des Buches Job usw. sagten sie nichts, wußten sie wohl auch selber 
nichts. 

Lehrer scheuten sich nicht, ihre antisemitische und anti- 
biblische Einstellung auch den Kindern vorzutragen, weigerten sich, 
das Alte Testament überhaupt durchzunehmen, obwohl sie nach der 
Schulausweisung der Geistlichen offiziell den Religionsunterricht zu 
erteilen hatten und erteilten. Und wie schon im Kapitel von der 
Schule erwähnt wurde, mutete das badische Unterrichtsministerium 
den kirchlichen Behörden am 13, November 1937 sogar zu, das Alte 
Testament in den Schulen überhaupt nicht mehr zu behandeln. 

„Unerhörte Provokation." 

„Der biblische Moses als heidnisches Vorbild" 

Unter dieser Überschrift brachte die „Fränkische Tageszeitung" 
Nr, 87 vom 14. April in gi'oßer Aufmachung auf der ersten Seite 
in Groß- und Fettdruck folgenden Artikel: 

318 



Der Streit um das Alte Testament ist seit der Machtergreifung des 
Nationalsozialismus in schärfster Heftigkeit entbrannt. Über den Inhalt 
wollen wir nicht streiten, darüber ist sich jeder Deutsche im klaren. 
Um so eigenartiger wirkt es auf uns, wenn ein ka'tholischer Verlag ein 
Buch unter dem Titel „Das Alte Testament und seine Bedeutung für die 
Gegenwart" herausbringt, in dem in der Einleitung unter anderem fol- 
gendes steht: „Von echtem nationalen Geist erfüllt, ist dies geeignet, 
auch den Menschen unserer Tage vaterländisches Denken und Fühlen 
zu wecken und zu stärken. 

Es führt uns in Moses, in Josua und in den Propheten Führer- 
gestalten vor Augen, die sich -um die sittlich-kulturelle Erneuerung des 
Staats- und Gemeindewesens unsterbliche Verdienste erworben haben. 

Es fordert zu selbstlosem Dienst am Volke, zu bereitwilliger Hin- 
gabe an die Volksgemeinschaft, zu entschlossener Brüderlichkeit auf. 
Eine stattliche Galerie heroischer Männer und Frauen steht vor unseren 
Augen. Echtes Heldentum hat ihnen den Ehrenkranz um die Stirn ge- 
wunden ... 

Und wie innig fühlt sich das Gottesvolk mit dem heimatlichen 
Boden verbunden! So tritt uns im Alten Testament eine einzigartige 
Welt von religiösen und sittlichen Lebenswerten entgegen. Die wenigen 
Beispiele von »Unsittlichen', die in der Bibel nie als vorbildlich hin- 
gestellt werden, fallen dagegen nicht ins Gewicht." 

Dem Verlag ist scheinbar nicht bekannt, daß das Alte Testament 
nichts anderes als 

die außerordentlich bezeichnende Sittengeschichte des jüdischen 
Volkes ist, die von Perversitäten geradezu strotzt. 

Oft genug haben wir in früheren Zeiten die verderbliche Wirkung 
auf Jugendliche feststellen können. Wir wollen, daß unsere Jugend in 
Zukunft vor diesem „Heiligen Buch" des jüdischen Volkes bewahrt 
bleibt und verbitten uns solche Redensarten, wie sie in der Einleitung . 
zu finden sind! 

„Nur 2 Fragen" 

Kreisleiter Dr. Fritsch gab am 2^. August 1938 etwa 1000. poli- 
tischen Leitern des Kreises Freiburg im Breisgau folgende richtung- 
gebende Weisung: 

„Auf die Frage, ob ein Katholik Nationalsozialist sein könne, 
würde ich meinerseits zwei Fragen stellen: 

1. Wie der Katholik sich zum Alten Testament stellt, das jü- 
disches Geistesprodukt ist, und zwar das einzige. 

2. Ob er sich zur Rassenlehre bekennt; dann ist der Satz: 
,Gehet hin und lehret alle Völker' erledigt! 

Das hat auch der ,alte Herr in Rom' erkannt. 

Wir können nicht mit Zulukaffern und ähnlichem Gesindel die 
gleiche Weltanschauung haben." (Siehe Kap. A 3.) 

Auf Kursen und Tagungen wurde nachfolgendes „Tischgebet" 
vorgesprochen und bald höhnisch nachgesprochen: 

O Herr, gib uns den Moses wieder, 
auf daß er seine Glaubensbrüder 
hinführe ins gelobte Land. 

319 



• " Laß nböh" einmal' Häs Meer 'sich' 't«iI«Ä 

und laß die hohen Wassersäulen 
feststehn wie eine Felsenwand» 

Und wenn ih ^eser Meeresrinne 
das ganze Judenvolk istdrinne, 
dann mach, o Herr, die Klappe zu 
und alle Völker haben Ruh'. 

. Bis ins kleinste und -entlegenste Bauerndorf sollten die anti- 
semitischen Schriften getragen werden, ^ wie nachfolgendes Rund- 
schreiben zeigt: 

N.S.D.A.P. Nürnberg, den 3. April 1939 

Gauleitung Franken. 

■ An 

1) , Die Kreisbeauftragten des RPA (= Rassepolitischen Amtes, der Verf.) 
2) Die Kreishauptstellenleiter der Presse des RPA. 

Rundschreiben Nr. 12/13. Dr. W/BK. —Wo. 

Betreff: Schriftenvertrieb. 

Zu den Aufgaben der Kreishauptstellenleiter „Press«" des Rassen- 
politischen Amtes gehört auch der Vertrieb der Schriften des RPA, 
welche nur auf diesem Wege vertrieben werden sollen, d. h. also nicht 
durch den Buchhandel. Diese Schriften sollen in keinem 
deutschen Haushalt fehlen. Sie bilden ein wichtiges Instru- 
ment zur weltanschaulichen Aufklärung des deutschen Volkes und sollen 
dazu helfen, das deutsche Volk von der artwidrigen christlichen Weit- 
anschauung abzubringen. Nach dieser Richtung hin kann gar nicht 
genug getan werden, da mit der Thronbesteigung des neuen Papstes 
dieser letzte weltanschauliche Kampf demnächst beginnen wird. Es 
wird der größte Kampf aller Zeiten sein und von seinem Ausgang wird 
das Schicksal des deutschen Volkes abhängen. 

■ Durch Hineintragen unserer Schriften in jeden fränkischen Haushalt 
können wir sehr wesentlich, und zwar in positiv aufbauendem Sinn zu 
diesem Kampf beitragen, indem wir die Seele des deutschen Volkes all- 
mählich mit unserer artgemäßen Weltanschauung erfüllen. Ich bitte 
daher die Kreisbeauftragten selbst, vor allem aber die Hauptstellenleiter 
„Presse", die größtmöglichste Mühe auf den Vertrieb dieser Schriften 
zu verwenden. Der Vertrieb könnte vielleicht in folgender Weise erfolgen: 

1. Die Abschnittwarte des RDK organisieren den Vertrieb in jeder 
Ortsgruppe. Sie sorgen dafür: 

a) daß zunächst jedes Mitglied des RDK die Schriften abnimmt, 

b) daß durch die Mitglieder des RDK die Schriften von Haus zu 
Haus angeboten werden. 

Es muß darauf hingewiesen werden, daß jeder, der in unserer großen 
Zeit weltanschaulich mitkommen will, diese Schriften lesen muß. Selbst- 
verständlich darf unter keinen Umständen betont werden, daß diese 
Schriften eine Handhabe im Kampf gegen die Kirche 
bedeuten. 

2. Der Abschnittwart des RDK kann für seine Ortsgruppe auch 
einen geeigneten Mann einsetzen, der das Amt de's Schrif twarts über- 
nimmt und den ganzen Betrieb für den Bereich der Ortsgruppe allein 
besorgt. Geeignet hierzu ist besonders ein Mann oder eine Frau, die 
schon im Kolportagebuchhandel beschäftigt waren und sonst durch 

320 



ihren Beruf gewohnt sind, von Haus zu Haus zu gehen.. Die kleinen 
Gewinne, die aus dem Schriftenvertrieb erwachsen, sollen ausschließlich 
den Verkäufern selbst zufallen. Es ist jedoch unbedingt darauf zu achten, 
daß nur gegen Barzahlung verkauft wird und keinerlei Konten geführt 
werden. Ich bitte die Kreisbeauftragten und die Kreishauptstellenleiter 
„Presse", den Schriftenvertrieb auf dieser Basis nunmehr mit aller Kraft 
in Angrifif zu nehmen. Es können auch andere Wege eingeschlagen wer- 
den als die vorgeschlagenen. Die Hauptsache ist, daß der Absatz der 
Schriften tatsächlich in größtem Umfang erfolgt. Der Schriftenvertrieb 
bleibt nicht auf den Vertrieb der bereits erschienenen Schriften be- 
schränkt, sondern wird eine dauernde Einrichtung werden. Durch den 
richtigen Aufbau des Schriftenvertriebs schafft sich das RPA und der 
RDK eine regelmäßige Verbindung zu allen Volksgenossen, die auch für 
andere politische Aufgaben benützt werden kann. Von diesem Gesichts- 
punkte aus gesehen, gewinnt die Organisation des Schriftenvertriebes 
eine noch viel größere Bedeutung. Darüber wird später Näheres mit- 
geteilt werden. 

Mit gleicher Post erhalten Sie zunächst je 10 Schriften mit genauer 
Angabe des Verkaufspreises und der Gewinnspanne. Ich mache Sie ver- 
antwortlich, daß die Schriften unter allen Umständen zu dem fest- 
gestezten Preis, also weder teuerer noch billiger verkauft werden. Es 
darf nicht vorkommen, daß ein Verkäufer eine Schrift, etwa imter Ver- 
zicht auf seinen Gewinn, billiger hergibt, und erst recht nicht, daß er 
sie teuerer verkauft. Verschiedene Preise würden das Vertrauen in 
unseren Schriftenvertrieb sofort erschüttern und könnten auch peinliche 
Folgen für den Verkäufer haben. 

Nachbestellungen sind an das RPA, Hauptstelle Presse, Nürnberg, 
Marienstraße 12, zu richten. 

Heil Hitler! 

gez. Dr. Will, Gauamtsleiter. 

DerJude — einSatansbraten! 

Dr. Eugen Rüge, der berüchtigte Verfasser des Buches: „Ein 
Trappist bricht das Schweigen", eines Buches, das dank der un- 
geheuren nationalsozialistischen Propaganda von Weihnachten 1938 
bis Mai 1939 in 60 000 Exemplaren unter das Volk ging, glaubte für 
den größten Hörsaal der Universität München am 2. Mai 1939 ein 
besonders würdiges Wort zu sprechen, wenn er unter anderem 
sagte: „Einen Juden kann man taufen mit Weih- 
wasser oder mit Wagenschmiere — der Jude bleibt 
ein Satansbraten." 

DerJude — ein Mensch ohne Seele ! 

Gauredner S t i p p b e r g e r, gleich Rüge auch ein abgefallener 
Priester, tat auch fest mit bei der Judenhetze und verkündete als 
besondere „Entdeckung": „Der Herr hat Menschen ohne Seelen 
erschaffen, die J u d e n." Die haben dort, wo wir eine Seele haben, 
eine Rollkassette (Geldkassette). Wir konnten vor 1933 noch 
deutsche Mädchen mit Juden per Arm im Englischen Garten sehen. 
Da hat man es niemals für nötig gehalten, einen Hirtenbrief 
loszulassen. 

Kreuz und Hakenkreuz 21 g21 



Früher hat man gesagt: „Wir sind auf Erden, um Gott zu er- 
kennen . . ." Wir sagen: „Wir sind auf Erden, 

um die Art zu wahren." 

Und von diesem Stippberger sagte Oberlehrer R. von der F.- 
Schule in München: „Rosenberg und Stippberger sind 
diegeistigenFührerdernationalenBildung!" Wie 
bescheiden waren doch die Ansprüche, welche Nationalsozialisten 
an ihre geistigen Führer stellten! 

Gemeinschaftsarbeit vieler Personen und Ämter 
zur Hetzeausstellung: „Der Ewige Jude". 

Wochenlang vorher pries stellvertretender Gauleiter Otto Nip- 
pold die für 8. November 1937 im Bibliotheksbau des Deutschen 
Museums zu eröffnende Großaussteliung und führte dabei nach 
dem Bericht der „Münchener Zeitung" vom 19. Oktober 1937 aus: 

Nach den „Prophezeiungen" in der Auslandspresse sollten die 
Juden in Deutschland geköpft, gehängt oder ausgewiesen werden; 
in einigen Jahren sollte es überhaupt keine Juden mehr in Deutsch- 
land geben. In Wirklichkeit sind, so sagte Nippold, die Juden aus 
dem Leben des deutschen Volkes, zum mindesten aus dem poli- 
tischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben, ausgeschaltet. Sie 
können jedoch in einem eigenen jüdischen Kulturkreis 
tun und lassen, was sie wollen, vorausgesetzt, daß es nicht das. 
Leben der deutschen Nation berührt. Auf diese Weise hat das 
nationalsozialistische Deutschland die Judenfrage gelöst. 

Von Disraeli, dem bekannten englischen Staatsmann jüdischen 
Blutes und Glaubens, stammt der Ausspruch, daß die Judenfrage 
der Schlüssel zur Weltgeschichte sei. So will denn auch der Staat, 
der an die Lösung der Judenfrage herangegangen ist, Deutsch- 
land, die Maßnahmen, die er zum Schutz des deutschen Blutes 
und des deutschen Volkes gegen jüdischen Einfluß getroffen hat, 
dem Volk gegenüber begründen. Die Geschichte vom anständigen 
und unanständigen Juden, die noch in diesem oder jenem Kopf 
spuke, wird durch die Ausstellung „Der Ewige Jude" widerlegt 
werden. 

Was ist ein Jude? Auf diese Frage soll die erste Ab- 
teilung der Ausstellung Antwort geben. Damit wird kein reli- 
giöses Problem berührt. Alte Reliefs und Bilder sollen das Gesicht 
der jüdischen Rasse zeigen; wie es sich aus assyrisch-babylonisch- 
chaldäischem Blut geformt hat. Untrennbar verbunden mit dem 
Gesicht der jüdischen Rasse ist die jüdische Religion. Tal- 
mud und jüdische Religionsbücher selbst sollen Aufschluß geben 
über jüdischen Blutritus, Beschneidung, Schächtung und Ritual- 
mord. Es wird wohl zum erstenmal auf einer Ausstellung ein 
Original des Talmud gezeigt werden und ein Film, der 
die grausame Schächtung darstellt (aufgenommen in einem Land, 
in dem die Schächtung noch nicht verboten ist). 

322 



Das römische' und griechische Altertum hat ebenso wie das 
christliche Mittelalter und die Neuzeit einen Kampf gegen das Juden- 
tum geführt. Im päpstlichen Rom waren die Juden ebenso aus 
der Gemeinschaft des Lebens der Christen ausgeschaltet wie in den 
deutschen Städten, bis die Juden um die Wende des 19. Jahr- 
hunderts in Deutschland und in den meisten anderen Ländern 
Europas gleichberechtigte Staatsbürger wurden. Die Ausstellung 
„Der Ewige Jude" wird an geschichtlichen Zeugnissen 
das Wirken der Juden in England, Frankreich, Ungarn, Polen, 
Österreich und Amerika nachweisen. 

Es soll, wie der stellvertretende Gauleiter hervorhob, ein Merk- 
mal dieser Ausstellung werden, Juden selbst über Juden reden 
zu lassen. Die Juden haben von der internationalen 
Macht des Judentums gesprochen. Auch darüber wird die Aus- 
stellung Beispiele liefern, etwa von der Familie Rothschild, die in 
England, in Amerika, in Deutschland ihre Angehörigen hat. 

Judenherrschaft in Deutschland bis zur Macht- 
ergreifung des Nationalsozialismus bildet einen wesentlichen Teil 
der Ausstellung. Diese Abteilung soll den jüdischen Einfluß in der 
deutschen Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur zeigen (Theater, 
Revue, Plastik, Malerei, Film und Schallplatten). Der Einfluß des 
Juden in der deutschen Rechtspflege wird ebenfalls dargelegt. 
Auch die „großen" jüdischen Verbrecher werden gezeigt. Die Aus- 
stellung wird dem deutschen Volk auch die jüdische Haltung im 
Weltkrieg und in der Novemberrevolution vor Augen führen. 

In der Ausstellung „Der Ewige Jude" wird 

ein Original-Freimaurer-Tempel 

aufgebaut werden, so daß jedermann Gelegenheit hat, den Auf- 
enthaltsort einer Freimaurerloge kennenzulernen. 

Judentum und Bolschewismus bilden den Abschluß 
der Ausstellung. Originaldokumente und Bilder werden lebendiges 
Anschauungsmaterial über das Land liefern, in dem das Judentum 
zur Herrschaft gelangt ist, das bolschewikische Rußland. 

Als befreiende Gegenüberstellung zu diesem Wirken des Juden- 
tums wird dem Besucher gezeigt, wie man im nationalsozialistischen 
Deutschland das Judenproblem zu, lösen vermochte: Der Jude ist 
durch die Nürnberger Gesetze und die Maßnahmen der Partei in 
sein kulturelles Ghetto zurückgedrängt, das deutsche Volk 
aber auf allen Lebensgebieten von seinen Einflüssen frei geworden. 

* 

Führende Stellen der Partei und des Staates haben an der 
Gestaltung dieser Ausstellung, deren Leiter Gauamtsleiter Wüster 
ist, mitgearbeitet. Reichsminister Dr. Goebbels selbst hat mit seinem 
Ministerium die Ausstellung gefördert, Reichsleiter Amann hat die 
Mitwirkung des Zentralverlags der NSDAP veranlaßt, der Beauf- 
tragte für weltanschauliche Schulung in der NSDAP, Reichsleiter 
Alfred Rosenberg, hat die Gestaltung der Ausstellung ebenfalls 

323 



unterstützt. Im Einvernehmen mit dem Reichsschatzmeister 
sind an der Durchführung der Ausstellung beteiligt das Zentral- 
archiv der NSDAP unter Dr. Uetrecht, das Archiv für 
Zeitgeschichte (Sammlung Rehse), das von Julius Streicher 
gegründete Stürmer-Archiv in Nürnberg. Wissenschaft- 
liche Einrichtungen haben der Ausstellung ihre Unter- 
stützung geliehen, so das Institut zum Studium der Ju- 
denfrage (Berlin), die Forschungsabteilung Juden- 
frage (Berlin); das Reichsinstitut für Geschichte 
des neuen Deutschlands, die Antikomintern, das 
Institut zum Studium für Judenfrage undBol- 
schewismus in Berlin und zahlreiche staatliche und 
städtischeArchive. • 

Gleichzeitig mit und erst recht nach solch allseitiger, viel- 
gestaltiger demagogischer Stimmungsmache konnte man ruhig' •zu 
antisemitischen Maßnahmen schreiten. 

Politische Entrechtung der Juden. 

Punkt 4 des Parteiprogrammes bestimmte: 

„Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. 
Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rück- 
sichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volks- 
genosse sein." 

Punkt 5: „Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als Gast in 
Deutschland leben können und muß unter Fremdengesetz- 
gebung stehen." 

Punjst 6: „Das Recht, über Führung und Gesetze des Staates 
zu bestimmen, darf nur dem Staatsbürger zustehen. Daher fordern 
wir, daß jedes öffentliche Amt, gleichgültig welcher Art, gleich ob 
in Reich, Land oder Gemeinde, nur durch Staatsbürger bekleidet 
werden darf." 

Zum Schutz des arischen Blutes wurden strenge Bestimmungen 
gegen Rassenschande und Verehelichung mit Nichtariern erlassen. 
Nachfolgende „Tabelle zum Blutschutzgesetz" ver- 
anschaulicht die Einläßlichkeit der Vorschriften: 





Deutsch 


V* . 


V2 


'1* 


Jude 


Deutsch 


+ 


+ 


ü 


-1 


-1 


V* 


— 


— 


ü 


-1 


-! 


V2 


Ü 


g 


+ 


+ 


+ 


V4 


-1 


-! 


+ 


+ 


+ 


Jude 


r' 


«1 


+ 


+ 


+ 



+ erlaubt, — verboten, jedoch nicht strafbar, 
— I strafbar, g genehmigungspflichtig. 



324 



Um alle Nichtarier oder Halbarier zu entdecken, wurde zu- 
nächst der Stammbaumnachweis gefordert, insbesonders 
für jede Heirat. 

Die Nichtarier wurden dann ihrer Ämter und Stellungen ent- 
hoben und aus den Berufsorganisationen ausgestoßen. Ihre Geschäfte 
wurden geschlossen und schließlich weggenommen. Anfangs deckte 
man dies noch mit „spontanen Kundgebungen des 
Volksunwillen s", wofür aber in Wirklichkeit schön seit Tagen 
bestimmte Leute aus einzelnen Betrieben, zunächst aus Banken, 
bestimmt waren. Sie wurden auf Autos verladen und vor das in 
Aussicht genommene Geschäft geführt. Dort mußten sie dann 
„kochende Volkswut" spielen, die Fenster einwerfen usw. Die Juden 
mußten dann natürlich vor dieser Gefahr in „Schutzhaft" genommen 
werden. Ihre Geschäfte trugen am nächsten Tag die Aufschrift: 
„Judengeschäft! Geschlossen!" oder ähnliches. 

Die Nichtarier mußten auch ein bestimmtes Kennzeichen, den 
Judenstern, tragen und sich alttestamentliche Namen beilegen. 
Sie durften nur in bestimmten Geschäften einkaufen, bekamen 
kleinere Lebensmittelrationen, mußten manchen Tag ganz in ihren 
Häusern bleiben und wurden vielfach überhaupt aus den Wohnungen 
gewiesen. 

Am 9. November 1938 wurden unter der obersten Leitung von 
Dr. Goebbels an unzähligen jüdischen Geschäften ganz Deutsch- 
lands die Schaufenster zertrümmert, Wohnungen zerstört, Synagogen 
angezündet, viele Juden verhaftet, aus Deutschland ausgewiesen 
oder in Konzentrationslager verbracht, insbesonders nach Theresien- 
stadt (Sudetengau), Auschwitz und Litzmannstadt. Fürchterliche 
Mißhandlungen, Hunger, Kälte, unhygienische Unterkunft, Über- 
füllung, Überanstrengungen brachten Hunderttausende zum Tod. 
Und nur Gott weiß, wieviele Nichtarier in den Kz. mit voUei: Ab- 
sicht getötet wurden. Was die Prozesse in Nürnberg, Dachau usw. 
enthüllt haben, ist so schauderhaft, daß man es nur noch als un- 
menschlich, tierisch, teuflisch bezeichnen kann. 

Ablehnung ärztlicher Hilfe für Juden 

Die „Traunsteiner Zeitung" Nr. 275 veröffentlichte am 25. No- 
vember 1938 folgendes: 

„Der Jude Rosenberg hat eine Zuschrift an die ,New York Daily' in 
Amerika gerichtet, in der er vorschlägt, 10 oder 12 lebenslänglich ver- 
urteilte berufsmäßige Mörder freizulassen unter der Bedingung, daß sie 
Hitler und seine Gesellschaft erledigen. 

Diese unerhörte Provokation, die sich gegen das jedem Deut- 
schen heilige Leben unseres Führers richtet, hat den 
Leiter der ärztlichen Bezirksvereinigung Traunstein und Umgebung ver- 
anlaßt, an den bayerischen Landesärzteführer folgendes dringende 
Telegramm zu richten: 

,Als verantwortlicher Ärzteführer im Bereich Traunstein und Um- 
gebung der Reichsärztekammer, der die engere Wahlheimat des Füh- 
rers umschließt, bringe ich im Einverständnis mit meinen Beiräten dem 

325 



Landesäi-^teführer die Bitte vor, als Antwort auf die ungeheuere Provo- 
kation arnorilcanischer Juden zu gestatten, daß wir mit sofortiger Wirk- 
saiTQkoit jegliche ärztliche Behandlung von Juden, auch 
wenn es sich um Nothilfe handelt, ablehnen.' In den Warte- 
zimmern sämtlicher Ärzte wird von morgen ab ein Schild angebracht 
mit dem Text: ,Ich behandle keine Juden'." 

In derselben Nummer der „Traunsteiner Zeitung" stand nach- 
folgender Artikel: 

„He.lft dem Tier! 

München, Wie im Vorjahr war auch heuer wieder der 24. Novem- 
ber zum .Deutschen Tierschutztag' bestimmt worden zur Er- 
innerung an den Tag, an dem vor fünf Jahren das Reichstierschutzfest, 
jenegroßekulturelle T a t desnationalsozialistischen 
'Deutschland, der Öffentlichkeit übergeben worden ist. 

Aus Anlaß des Tierschutztages unternimmt der Tierschutz der 
Hauptstadt der Bewegung und Umgebung einen großen Werbefeld- 
zug für den Tierschutzgedanken. An die Bezirksämter, Ge- 
meinden, Polizeiwachen, Schulen usw. wurde in diesen Tagen bereits 
ein reiches Aufklärungsmaterial, bestehend aus Schriften, Plakaten und 
Faltblättern, verteilt. Schule und Rundfunk werden des Tierschutztages 
besonders gedenken und vor allem, darauf hinweisen, daß der Tierschutz 
wertvolle Vermögensobjekte der Gesamtheit pflegt 
und erhält und dadurch in hohem Maße beiträgt, die Volkswirtschaft zu 
sichern." 

Eines HJ schönster Appell! 

Der Haß gegen die Juden der Vergangenheit (einschließlich 
ihrer heiligen Bücher) und der Gegenwart wurde auch schon in die 
Jugend hineingetragen. Ja, die HJ nahm ihre Mitglieder direkt 
zui Judenhetze in Dienst. Bezeichnend ist hiefür nachfolgender 
Bericht der Mutter eines Hitlerjungen, der in den Bann 37 in 
München eingereiht war: 

„In der Nacht vom 11. auf 12. Mai mußte ich wegen Unpäßlich- 
keit aufstehen. Es war V2I2 Uhr, Als ich in die Küche kam, war 
mein 15j ähriger Bub gerade daran, sich anzukleiden. Auf meine 
Frag^ was er denn tue, sagte er mir, daß sie um 12 Uhr nachts 
Appefl hätten. Die Mutter vermutete einen Traum und wollte ihn 
wieder ins Bett schicken. Doch er weigerte sich entschieden und 
pochte a:uf seine Pflicht. Kurz darauf verließ er die Wohnung und 
wurde auf der Treppe von einem anderen 14jährigen Burschen er- 
wartet. Ich hörte, wie mein Bub gefragt wurde, ob er denn eine 
•ätzende Farbe bei sich habe. Als der Bub heimgekommen war 
(5 Uhr morgens!), fragte ich ihn sofort, was er denn mit einer 
ätzenden Farbe zu tun hätte. Nach längerem Zögern gestand er 
mir, daß sie die Schaufenster der Juden bekleben und 
beschmieren mußten. Es wurden von jedem Trupp, der so 
ungefähr 500 Mitglieder zählt, die 40 Besten zu dieser Aktion 
herausgesucht. Um 3 Uhr früh wurden wieder Zettel am Königs- 
platz frisch gefaßt, doch war man mit der Aktion schon so ziemlich 
fertig. Einige Burschen wurden von der Polizei verhaftet, mußten 
aber bald wieder freigelassen werden. Anscheinend wurde die 

326 



Polizei von der Aktion nicht verständigt. Zu meiner großen Über- 
raschung sagte mir mein Bub, daß sie strengen Auftrag hatten, den 
Eltern vom Appell und der Aktion nichts zu sagen. Mein Junge, 
in seinem kindlichen Unverstand, sagte mir noch freudigen Herzens, 
daß dies sein schönster Appell gewesen sei." 

Weh dem, der sich derJuden erbarmte! 

Unbarmherzig ging man gegen Christen, insbesonders auch 
gegen Geistliche und Klöster vor, welche in aufrichtigem Erbarmen 
dieser und jener Nichtarief sich annahmen, sie verteidigten, ihnen 
Unterstützung, Obdach oder gar Versteck gaben. Was dem Tiere 
recht war, durfte dem Juden nicht geschehen! 

Auch die getauften N ichtarier mit verfolgt! 

Da auch „Kübel von Taufwasser das nichtarische Blut nicht 
reinigen und wandeln", wie z. B. in der Kegelbahn der SS im Kz. 
Dachau dargestellt und angeschrieben war, machte die Judenverfol- 
gung auch vor nichtarischen oder halbarischen Christen 
nicht halt. 

Immer wieder wurde auch der Versuch gemacht, aus den amt- 
lichen Pfarrmatrikeln die Judentaufen zu erfahren, jedoch wurde 
die Einsichtnahm.e in dieselben auf Weisung des Ordinariates über- 
all versagt. 

Umgekehrt fälschte man sozusagen den Taufschein 
der Gegner, um sie herabzusetzen und zu verspotten. 

Auf einem Ausbildungskurs für Landschuljahrleiter in Grimmen 
entblödete ein Redner sich nicht, zu sagen: „DerheutigePapst 
ist ein Halbjude von der Loge. Sein ,Schreiber' auch; 
Heinrich der Heilige und Ludwig der Fromme sind Vernichter der 
germanischen Rasse. Diese Schweine!" (Vatik. Weißbuch H 32 vom 
Jahre 1934.) 

„M uckermannisteinHalbjude. Di eHälfte aller 
Theologen sind Jude n." 

Ebenfalls erfand man solch ein Märchen, um Kardinal F a u 1 - 
h a b e r in die Judenhetze miteinbeziehen zu dürfen, und im Jahre 
1938, zwei Tage nach dem Judenpogrom, auch einen Sturm auf das 
Erzbischöfliche Palais in München inszenieren zu können. 

Noch häßlicher und gemeiner trieb man es mit 

Kardinal Hlond von Posen 

Der „Sonntags-Bote" Nr. 45 vom 6. November 1938 schrieb darüber: 

„Lügt immer nur drauf los..." 

„Lügt immer nur drauf los, etwas bleibt schon hängen", dieses ge- 
meine Hilfsmittel haben die Feinde der Kirche schon seit Jahrhunderten 
angewandt. Im Zeitalter der gleichgeschalteten Presse von heute braucht 
es aber dann keine Erfindungsgabe mehr, da genügt das — Abschreiben. 

327 



Vor 2J^ Jahren brachte die Ludendorffsche Halbmonatsschrift „Am 
heiligen Quell deutscher Kraft" (Folge 24 vom 20. März 1936 — siehe 
„Sonntags-Boten" vom 11. Oktober 1938) ein Photo S. Eminenz des Kar- 
dinalprimas Hlond vom Eucharistischen Kongreß in Laibach 1935, Jedes 
Kind, das bloß einmal den Kardinal gesehen hat, kann sofort erkennen, 
daß sein Gesicht durch Retusche an Augenhöhlen, Nase, Mundwinkeln 
usw. verzerrt und zurechtgemacht worden ist. Und jeder Photoamateur 
stellt fest, daß diese plumpe Fälschung von einem ganz hilflosen Photo- 
lehrling gemacht worden ist. Das alles übersieht man natürlich, wenn 
man Beweise braucht „für das alte und immer neu bewiesene Bündnis 
Juda-Rom". Freudestrahlend stellte damals die Ludendorffsche Reli- 
gionszentrale fest: „Der Kardinal sieht wie ein lOOprozentiger Jude aus," 

Auf solche „Beweise" stürzt sich nun die Goebbelsche Propaganda- 
maschine, da sie einen neuen Peldzug gegen die Kirche aufzieht. In der 
Folge 44 der Wochenschrift „Der SA-Mann" vom 28. Oktober 1938 finden 
wir dasselbe Bild mit dem nötigen Begleittext wieder. Dazu wird ge- 
druckt: „Es handelt sich um den Kardinal August Hlond, der als Jude 
ein hohes kirchliches Amt bekleidet," Selbstverständlich genügt das 
noch nicht. Dem Kardinal wird auch noch folgende Rede in den Mund 
gelegt, die er in Laibach gehalten haben soll: 

„Ich stehe vor Ihnen als der Stellvertreter des Papstes, der Euch 
seine Grüße durch mich übermitteln läßt. Nachdem der Papst der 
Stellvertreter Gottes ist, stehe ich vor Ihnen ebenfalls als der Stell- 
vertreter Gottes. Demnach spricht zu Euch Gott selber!" 

' Schon im Jahre 1936 haben mehrere reichsdeutsche Kirchenblätter 
diese verlogene Entstellung der Rede des Kardinallegaten richtigge- 
stellt. Der Kardinal sagte nämlich wörtlich: „Papst Pius XI, ist in die- 
sem Augenblick mit Euch und in der Person seines Kardinallegaten 
unter Euch," Trotzdem druckt „Der SA-Mann" diesen Lügenbericht im 
Jahre 1938 von neuem. Allerdings schämt er sich für Bild und Text die 
■Quelle anzugeben, weil er weiß, daß niemand in Deutschland die 
„Mathilde" ernst nimmt. 

Na ja, wenn man solche „Quellen" und solche „Beweise" für den 
Kampf gegen, die Kirche braucht ... 

Das Pikanteste daran ist aber die Tatsache, daß derselbe Kardinal 
Hlond von derselben nationalsozialistischen Presse als Vorkämpfer gegen 
das Judentum hingestellt wird. Ganz wie man das braucht, — Wir raten 
dem „SA-Mann", einmal den „Stürmer" Nr. 20 vom Mai 1936 durch- 
zulesen. Das ist doch wohl das „Fachblatt" für den Judenkampf in 
Deutschland. (Siehe dazu den „Sonntags-Boten" vom 28. Juni 1936). 

Es wird schon allerhand Naivität von den Lesern des „SA-Mannes" 
vorausgesetzt . . ." 

Abschließend eine Übersicht, welche Der Schulungs- 
brief „Volk und Rass e", 4. Folge 1939, herausgegeben vom 
Reichsorganisationsleiter der NSDAP, brachte, über die Aus- 
schaltung der Juden aus dem deutschen Leben. 

7. April 1933: Die Gesetze zur Wiederherstellung des Berufsbeamten- 
tums und über die Zulassung zur Rechtswissenschaft beginnen mit der 
Bereinigung aller öffentlichen Ämter von Fremdrassigen. 

22. September 1933: Das Reichskulturkammergesetz setzt diese Be- 
reinigung fort. 

28. September 1933: Durch ein Gesetz werden die jüdischen Patent- 
anwälte ausgeschaltet. 

29. September 1933: Das Reichserbhof gesetz schaltet die Juden als 
Bauern aus. 

328 



12. März 1934: Der Reichswehrminister ordnet an, daß der Arier- 
grundsatz auch für die Angehörigen der Wehrmacht Anwendung findet. 

21. Mai 1935: Wehrgesetz und seine Ergänzung vom 26. Mai 1936, 
wonach jüdische Mischlinge nicht Vorgesetzte in der Wehrmacht 
werden können und Voll Juden erst gar nicht zum Wehrmachtsdienst zu- 
gelassen werden. . 

22. Februar 1936: Der Reichsärzteführer bestimmt, daß kein Jude 
oder Judenmischling als Arzt eingestellt werden darf. 

26. Januar 1937: Das deutsche Beamtengesetz, ein weiterer Beitrag 
zur T^ösung der Judenfrage. 

19. März 1937: Ein Gesetz zur Änderung des Arbeitsdienstgesetzes 
vom 26. Juni 1935 (siehe dazu auch die zweite Durchführungsverordnung 
vom 1. 10. 1935) bestimmt, daß Juden zum Reichsarbeitsdienst nicht zu- 
gelassen werden und jüdische Mischlinge nicht Vorgesetzte im Reichs- 
arbeitsdienst werden dürfen. 

1. Januar 1938: Bei den Ersatzkassen für die Krankenversicherung 
werden alle jüdischen Ärzte ausgeschlossen. Insgesamt sind das im 
Reich etwa 3000 jüdische Ärzte. 

20. Februar 1938: Die Hamburger Textilmesse wird zum ersten Male 
ohne Juden eröffnet. Es ist überhaupt die erste Textilmesse, auf der 
jüdische Aussteller und jüdische Makler nicht vertreten sind. Trotzdem 
waren alle Messestände vermietet. 

26. April 1938: Verordnung Hermann Görings als Beauftragten für 
den Vier jahresplan über die Anmeldepflicht des jüdischen Vermögens. 
(Letzte Anordnung dazu am 21. Febr. 1939 im Reichsgesetzblatt I S. 282.) 

7. Mai 1938: Im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers, 
dem Reichs- und preußischen Minister des Innern und dem Auswärtigen 
Amt hat der Reichserziehungsminister angeordnet, daß Juden deutscher 
Staatsangehörigkeit zur Doktorprüfung nicht mehr zugelassen sind. Auch 
die Erneuerung ihrer Doktordiplome hat zu unterbleiben. 

14. Juni 1938: Eine „Dritte Verordnung zum Reichsbürgergesetz" 
ergänzt die Begriffsbestimmungen „Jude" und „jüdischer Mischling", in- 
dem sie bis ins einzelne festgelegt, was ein „jüdischer Gewerbe- 
betrieb" ist. \ 

20. Juni 1938: Ein Erlaß des Reichswirtschaftsministers Funk ver- 
fügt, daß Juden nicht mehr zum Börsenbesuch zugelassen werden. 

6. Juli 1938: Die Reichsregierung ändert durch Gesetz die Gewerbe- 
ordnung dahingehend, daß die Juden von sechs Gewerbearten mit Wir- 
kung vom 31. Dezember 1938 ausgeschlossen sind. Und zwar: Be- 
wachungsgewerbe, gewerbsmäßige Auskunftserteilung über Vermögens- 
verhältnisse oder persönliche Angelegenheiten, Handel mit Grund- 
stücken, gewerbsmäßige Vermittlung für Immobiliarvei\träge und Dar- 
lehen und Gewerbe der Haus- und Grundstücksverwalter, gewerbs- 
mäßige Heiratsvermittler und Fremdenführergewerbe. 

25. Juli 1938: In einer „Vierten Verordnung zum Reichsbürgergesetz" 
werden die Bestallungen jüdischer Ärzte aufgehoben. 

30. November 1938: Mit diesem Tage tritt eine „Fünfte Verordnung 
des Reichsbürgergesetzes" in Kraft, die die Stellung jüdischer Rechts- 
anwälte im alten Reichsgebiet aufhebt. In der Ostmark wird die gleiche 
Maßnahme grundsätzlich zum 31. Dezember 1938 durchgeführt. Deutsche 
werden wieder vor deutschen Gerichten nur noch durch Deutsche ver- 
treten und von deutschen Rechtsanwälten beraten. Für jeden jüdischen 
Bevölkerungsteil bleibt, solange er noch vorhanden ist, eine gewisse An- 
zahl jüdischer Rechtsanwälte zur Verfügung. Diese Zahl wird für das 
gesamte Reich zur Zeit etwa 175 betragen. 

Kreuz und Hakenkreuz 22 onq 



12. November 1938: Nach dem hinterhältigen jüdischen Mord an dem 
deutschen Gesandtschaftsrat Ernst vom Rath in Paris (am 7. November 
1938, gestorben am 9. November 1938) werden weitere entscheidende 
Maßnahmen zur endgültigen Ausschaltung des Judentums aus dem 
deutschen Leben durchgeführt. (Juden ist u. a. vom 1. Januar 1939 ab 
der Betrieb von Einzelhandelsverkaufstellen, Versandgeschäften, Bestell- 
kontoren sowie der selbständige Betrieb des Handwerks untersagt. Juden 
können ab 1. Januar 1939 nicht mehr Betriebsführer sein, ab 31. Januar 
1939 nicht mehr Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker. Juden ist der 
Besuch deutscher Schulen nicht mehr gestattet, sie dürfen nur jüdische 
Schulen besuchen. Die Juden werden als Träger oder Besucher aller 
deutschen kulturellen Veranstaltungen ausgeschlossen. Eine Milliarde 
Reichsmark Buße — rund ein Achtel des Vermögens der Juden in 
Deutschland — ist an das Reich in bar zu entrichten. 

3. Dezember 1938: Eine Verordnung über den Einsatz des jüdischen 
Vermögens enthält die gesetzliche Grundlage für die Gesamten tjudung 
der deutschen Wirtsche^ft. Besonders wichtig auch für die Entjudung 
des Haus- und Grundbesitzes. 

5. Antichrists Wüten gegen katholische Priester. 

Auf dem Wege über das Judentum sollte dann auch das 
Christentum ausgerottet werden. Und das Christentum wollte 
man ins Herz treffen in den katholischen Priestern. 

Trivial wurde dieses engverbundene Doppelspiel des National- 
sozialismus ausgedrückt in dem Spruch, der in der Kantine des 
Reichsbahnausbesserungswerkes München-Freimann mit großen 
Buchstaben angeschrieben war: 

„Wann wird der Menschheit Heil geschaffen? 
Wann wird die Welt zum Licht geführt? 
Wenn mit dem Darm des letzten Pfaffen 
Der letzte Jud erdrosselt wird!" 

Etwas ausführlicher und deutlicher konnte die „Reichspost" 
vom 18. März 1937 diese Kampfesmethode kennzeichnen, indem sie 
berichtet: 

„Zuverlässige Zeugen berichten über folgendes Schema für 
Christentumshetze, die in den Führer- und Rednerschulen der deut- 
schen Glaubensbewegung unter Mitverantwortung nationalsozia- 
listischer Parteistellen ins Volk getragen werden: 

„Das Judentum ist der Urgrund alles Übels, 
Wir können es nicht ausrotten, weil sein Erzeugnis, 
das Christentum, mitten unter uns wuchert. Wir 
müssen das Christentum ausrotten, um das 
Judentum zu besiege n." 

„In den Dienst dieser Propaganda ist eine raffinierte Rabbulistik 
gestellt, die alle Mittel der Vortragstechnik und geschickter Ge- 
schichtsfälschung verwendet." 

330 



„Dichterische** Ergüsse des Juden-Christenhasses. 

„D e u t s c h e L i e d e r r* 

Der einheitliche Haß gegen Judentum und Christentum äußerte 
sich in manchen Hetzliedern, z. B, in nachfolgenden Gesängen, die 
trotz ihrer Roheit und Trivialität von der SA, selbst von jener des 
Hochschulamtes, gesungen wurden: 

Auf „Judenschande und schwarzes Lumpenpack"! 

1. Die alte Judenschande ist endlich ausgefegt, 

Die schwarze Lügenbande wühlt weiter unentwegt. 

Du, deutsches Volk, sag, muß das sein, 

Baß dich bespuckt das schwarze Schwein? 

Wenn nicht, so dresche doch darauf, 

Daß Funken fliegen hoch hinauf. 

Deutsche Männer, deutsche Frauen, 

Jetzt ist's genug mit der Faulhaberei. 

:/: Deutsche Männer, deutsche Frauen 
Haut das schwarze LumpenpackzuBrei! 
Und wenn sie Zeter und Mordio schrein, 
Haut dann noch einmal fester drein. :/: 

2. Wir achten jeden Glauben, ist's auch der unsre nicht. 
Doch soll uns keiner rauben, was uns das Höchste ist: 
Das deutsche Volk, der deutsche Gott 
Steht turmhoch über Pfaffenspott. 

Und jeder, der sich daran reibt. 

Den hauen wir, daß er liegenbleibt. 

;/; Deutsche Männer, . :/: 

3. Die Hand dem deutschen Bruder, der ehrlich zu uns kam! 
Die Faust in seine Fresse dem schwarzen Hetzkaplan. 
Bald wird es Licht, es dämmert schon, 

Dann kriegen die Schwarzen ihren Lohn. 
:/: Deutsche Männer, :/: 

4. An den Galgen, den er längst verdient! 
Die Raben warten schon auf ihn. 

Erst wenn er baumelt in der Luft, 
Sind wir erlöst vom schwarzen Schuft. 
:/: Deutsche Männer, :/: 

Eine Vollreife Frucht neuheidnischen Geistes und 

Hasses ; 

„Judenraus. Papsthinaus!" 
(Nach der Melodi^: „Vom Barette schwankt die Feder.") 
1. Trotzig haben wir gerungen 15 Jahre um die Macht, 

und der Sturm ist uns gelungen, wenn auch Rom und Juda lacht. 
:/: Juden raus, Papst hinaus, aus dem deutschen Vaterhaus! :/: 

2 Nein, wir haben nicht geblutet namenlos und ohne Ruhm, 

daß der Deutschen Art verjudet weiter durch das Chri- 

[s t e n t u m. 
:/: Juden raus :/: 

3. Ohne Priester ist begraben worden mancher tote Kamerad, 
denn die schwarzen Pfaffen gabeii ihre Gunst dem Weimarstaat. 

:/: Juden raus, ....:/: 

331 



4. Weimarslaat benahm sich christlich, beide Backen hielt er hin. 

Feindesliebe lenkt gewißlich Hitlers Kämpfern nicht den Sinn. 
:/: Juden raus, . :/: 

5. Warum hat. die Christenlehre deutsclie Werte nicht geweiht, 
Blut und Boden, Treue, Ehre, Arbeit und Wahrhaftigkeit? 
:/: Juden raus, :/: 

6. Fort mit eurer Judenbibel, eurer salbungsvollen Art, 
Knechtsinn, Demut sind von Übel. Wir sind aufrecht, stolz und hart. 
:/.• Juden raus :/; 

7. Mag der Christ auch Palästina Jahre weihen, Herz und Hand, 
wirsind frei vom BergeSina, deutsch ist unser heil'ges 

[Land. 
:/: Juden raus, :/: 

8. Stedinger und Werdens Mannen ziehn mit uns in Sieg und Tod. 
Fremde Lehren wpll'n wir bannen, enden unsre Seelennot. 

:/: Juden raus, :/: 

9. Papst und Rabbi sollen weichen, Heiden woUn wir wieder 

sein, 
Nicht mehr in die Kirche schleichen, Sonnenrad führt uns 

allein. 
;/: Juden raus, Papst hinaus, aus dem deutschen Vaterhaus!!! :/: 

Ein Gedicht gleichen Geistes, das im Oktober 1934 
in SA-Kreisen zu München verbreitet wurde. 



1. Wir sind noch nicht zu Ende, 
noch ist der Kampf nicht aus, 
zu Fäusten ballt die Hände, 
wir gehn noch nicht nach Haus. 
Die erste Schlacht gewonnen, 
dies war der Anfang nur, 
kämpft weiter, Sturmkolonnen, 
für Hitlers Diktatur. 

2. Solahge noch ein Jude 
von seinen Zinsen lebt, 
solange noch ein Bonze 
an seinem Sessel klebt, 
marschieren wir noch immer 
in Glauben stark und fest: 
vierhundert Tote, Brüder, 
die sind noch nicht gerächt. 



3. Gedenkt der toten Brüder, 
die man zu Grabe trug, 

für's Hakenkreuz stürmt weiter, 
für das man sie erschlug! 
Sie fielen unter Streichen, 
getreten und bespuckt, 
heut wird das heil'ge Zeichen 
auf jeden Schund gedruckt, 

4. Solange noch die Pfarrer 
von Beichtstuhl und Altar 
die deutschen Seelen raffen 
als Papstes Streiterschar, 
solang die Christenlehre 
des Nordens Art verrät, 
solang wird deutsche Ehre 
vom Judentum geschmäht. 



5. Die Reaktion wird munter, 

sie meckert frech und frei, 
. sie will es noch nicht glauben, 

daß ihre Zeit vorbei. 

Von anderer Leute Schaffen 

sie lebte stets allein: 

des deutschen Mannes Arbeit 

soll Volksgut immer sein. 

6. wie 1. 

Gemäß dem oben genannten Schema wandte man nach und 
nach alles, was gegen die Juden geschehen war, immer offener und 
brutaler auch gegen Christen, insbesonders gegisn die katholische 

332 ' 



Kirche und den katholischen Klerus an. Eine genaue Ermittlung 
darüber, was Welt- und Ordensgeistliche ganz Deutschlands an 
Maßregelungen seitens der nationalsozialistischen Regierung und 
Polizei erlitten haben, ist zur Zeit noch nicht erstellt, unter den 
gegenwärtigen Umständen überhaupt noch nicht möglich. Wir 
wollen darum gleichsam nur ein paar Durchblicke versuchen, 
die schließlich doch geeignet sind, eine Ahnung von dem gewaltigen 
Umfang und der bitteren Schwere der Verfolgung des katholischen 
Klerus im Dritten Reich zu geben. 



A. Ein Blick in die Erzdiözese München: 

Über den Klerus der Erzdiözese München und Freising liegen 
vorläufig folgende Zahlen vor, ohne daß sie jedoch schon als ab- 
schließend bezeichnet werden dürfen 



Verwarnungen . . 
Geldstrafen . . . 
Schulverbot . . . 
Ausweisungen . . 
Zwangsversetzungen 
Schutzhaft . . < 
Untersuchungshaft 
. Konzentrationslager 
Gerichtsverurteilungen 
Hinrichtungen . . 
Gewaltsame Tötung 



N 



24 
4 

85 
2 
4 

10 

22 
9 

12 
2 
1 



B, Ein Blick in die Diözese Würzburg: 

Das Bischöfliche Ordinariat Würzburg gibt unterm 5. November 
1945 nachfolgenden Überblick über die Drangsalierungen von Bischof 
und Klerus, durch die Nazis: 

1. Hafner Georg, Pfarrer von Oberschwarzach. Als der Förster von 
Oberschwarzach, der in ungültiger Ehe lebte, versehen wurde, ver- 
langte der Pfarrer die vorgeschriebene Erklärung. 

Bei der Beerdigung, an der auch viele Parteiinstanzen teilnahmen, 
wurde diese Erklärung vorgelesen. Seitdem wurde der Pfarrer ver- 
folgt. Er war zuerst 4 Monate im Gefängnis, dann 13 Monate in 
Dachau. Er wurde dort mehrmals blutig geschlagen. 

Am 20. August 1942 starb er aus Hunger und Herzeleid. Sein Vater 
und ein Domkapitular durften nach längen Bemühungen den Leich- 
nam sehen, ihr Antrag, den Leichnam zur Beerdigung mit nach Würz- 
burg zu nehmen, wurde dauernd abgelehnt mit der Begründung, daß 
er verbrannt werden müsse. 

Die Aschenüberreste wurden 5 Wochen später in Würzburg feierlich 
beigesetzt. Der Bischof von Würzburg mit dem Domkapitel und 
140 Priestern sowie viele Angehörige der Pfarrei Oberschwarzach 
nahmen an der Beerdigung teil. 

2. Dum ig Hermann, jetzt Benefiziat in Arnstein, hatte 1940 in einer 
Predigt die Unsittlichkeit mancher Soldaten getadelt. 

333 



Er kam einige Monate in Untersuchungshaft, wurde zu eineinhalb 
Monaten Gefängnis verurteilt und nach Abbüßung der Strafe vom 
Gefängnis nach Dachau gebracht, wo er 4 Jahre bis Kriegsschluß 
wellte. 

3. Elsenmann, Pfarrer in Aisleben bei Könlgshofen, hatte wegen 
der Aufhebung der Abtei Münsterschwarzach entsprechende Äuße- 
rungen bei der Predigt gemacht. 

Er war zuerst einige Monate in Haft und dann über 3 Jahre in 
Dachau. Als er nach Kriegsschluß in seine Pfarrei zurückkehrte, 
bereitete ihm die Pfarrgemeinde einen überaus festlichen Empfang 
mit Prozession. Das ganze Dorf war geschmückt. Alle benachbarten 
Gemeinden beteiligten sich, eine sogar mit Musik und Prozession. 

4. W G i g a n d Konrad, Pfarrer in Hendungen, hatte gegen die Ent- 
fernung der Schulkreuze scharf Stellung genommen und wurde des- 
halb nach Dachau gebracht. 

Nach 9 Monaten hatte seine Schwester mit ihren 6 im Felde weilen- 
den Söhnen ein persönliches Bittgesuch an den Führer gerichtet, 
worauf er begnadigt wurde. 

Es wurde ihm aber bei der Entlassung mitgeteilt, daß er sofort wie- 
der nach Dachau gebracht werde und dann nie mehr entlassen werde, 
wenn er irgend etwas Ungünstiges über das Lager Dachau aussage. 
Er versieht seitdem wieder seine Pfarrei. 

5. Heß P. Salesius OSB. hatte an die Wohltäter der Abtei Münster- 
schwarzach einige hundert vervielfältigte Briefe hinausgegeben, in 
welchen über die Aufhebung der Abtei und die Beschlagnahme der 
Häuser Mitteilung gemacht wurde. 

Die Gestapo verlangte nähere Angaben, und als dies verweigert 
wurde, brachten sie den Pa'ter nach Dachau, wo er bis Kriegsschluß 
weilte, also 3 Jahre. 

6. Deppisch Gregor, Pfarrer von Unterhohenried,' sollte im Sep- 
tember 1944 Aussagen machen gegen seinen wegen „Abhörens feind- 
licher Sender und staatsabträglicher Gespräche" angeklagten Lehrer. 
Er verweigerte die Aussage und wurde selbst in Haft genommen. 
Im April 1945 sollte er mit einem Gefangenentransport von Ebrach 
nach Dachau gebracht werden. Es gelang ihm aber, als die Ein- 
richtungen des Dritten Reiches zu wanken begannen, sich bei Strau- 
bing unter Lebensgefahr zu flüchten und in Sicherheit zu bringen. 
Er tut seit Mai 1945 wieder seinen Dienst als Pfarrer von Unter- 
hohenried, nachdem er 9 Monate in Haft war. 

Die Gemeinde begrüßte ihn herzlich und feierlich. 

In diesem Zusammenhang ist noch zu erwähnen, daß dem Bischof 
Dr. Matthias Ehrenfried dreimal sein Palais mit Gewalt ge- 
stürmt wurde, am 7. April 1934 von zirka 1500 Universitätstudenten, 
meist von der Universität Erlangen, am 28. April 1934 von etwa 500 
jungen Leuten, meist von Würzburg, beidemal hatte die Führung der 
spätere Regierungsdirektor Dr. Dengel. 

Es sollte die Versetzung des Pfarrers von Waldbüttelbrunn ertrotzt 
werden. Die Sache endete mit einem Mißerfolg der Demonstranten. 

Am 3. Mai 1938 war die dritte Demonstration, bei der etwa 200 De- 
monstranten unter Leitung des Lehrers von Holzkirchenhausen verhin- 
dern wollten, daß der Pfarrer von Holzkirchenhausen vom Bischof ab- 
gesetzt werde. Obwohl die Türe des Palais mit Gewalt erbrochen 
wurde, mißlang die Demonstration. 

Dem Bischof wurde verboten, bei den Firmungen mit dem Auto 
zu fahren. 

334 



In Würzburg wurde bekanntgegeben, daß alle, die den Bischof be- 
suchen, auf der Treppe des Palais photographiert würden, um dann 
bestraft zu werden. 

Vom Jahre 1935 an wurde die Fronleichnamsprozession, besonders 
der Teil mit den Beamten, an mehreren Stellen mit dem Filmapparat 
der Gestapo aufgenommen. 

. Als der Bischof die Hirtenbriefe in der Kanzlei des Ordinariates 
vervielfältigen ließ,, wurden 5 Schreibmaschinen und 1 Vervielfälti- 
gungsapparat von der Gestapo beschlagnahmt. 

Die Hirtenbriefe mußten von 1936 ab durch Geheimkuriere den 
Dechanten zugestellt werden, um sie vor der Beschlagnahme zu be- 
wahren. 

Vom Domkapitel waren der Generalvikar sowie ein Domkapitular 
in dem Kerker der Gestapo in Berlin sowie ein Domkapitular und zwei 
Domvikare einige Wochen im Gefängnis. 

Domkapitular Harth ist an den Folgen der Aufregung vorzeitig 
gestorben. 

Vom Diözesanklerus sind zwei Pfarrer im Gefängnis blutig geschla- 
gen worden, 141 Priester warenim Gefängnis, einer fast 
iy> Jahre lang, die anderen einige Wochen, 78 Priester hatten Schul- 
verbot. 

Die meisten Priester hatten gelegentlich Konflikte mit den Partei- 
instanzen. 

C. Blick in zwei Ordensstatistiken: 

Die „Gesellschaft vom Göttlichen Wort" (Steyl) 
meldet: 

In Konzentrationslagern starben: 25 Priester und Theologen und 
1 Bruder (einschließlich polnische Mitglieder). Davon wurde einer er- 
schossen, einer erhängt,, 2 vergast, 2 totgetreten. 

Die Pallottiner (Limburg a. d. Lahn) schreiben: 

Von 368 Priestern und 330 Laienbrüdern der deutschen Pallottiner- 
provinz wurden 

2 Priester enthauptet, 

2 Priester in Dachau ums Leben gebracht, . 

2 weitere Priester in Dachau gefangen, 

dazu weitere 50 — 60 verhaftet und bis zu 2 Jahren 
gefangen gehalten. 

Regierungsrat Roth, Leiter der kirchlichen Abteilung der Gestapo- 
Berlin, sagte zum Rechtsanwalt der Pallottiner: „Wir haben in ganz 
Deutschland die Erfahrung gemacht, daß die Menschen, die dem Geist 
der Pallottinerpatres erlegen sind, unfähig wurden für die national- 
sozialistische Weltanschauung." 

Ein besseres Zeugnis als dies aus Feindesmund hätte den Pallot- 
tinern nicht ausgestellt werden können. 

D. Blicke ins Konzentrationslager: 

1. Geistliche Häftlinge aus bayerischen Diözesen: 
Erzdiözese München-Freising: 

Aigrier Korbinian, Pfarrer 5 Jahre 

Hock Dr. Michael, Schriftleiter .... 4 Jahre 

Meisel Paul, Stadtpfarrer 4K Monate 

Muhler Dr. Emil, Stadtpfarrer ..... 8 Monate 

335 



INTeuhäusler Joh., Domkapitular • . . . 4 Jahre 

Mayer P. Rupert S.J. . . 8 Monate 

Müller P. Josef S.J 4 Monate' 

Pies P. Otto S.J. i i s 5 . . . . . 4J^ Jahre 

Spitzauer P. Josef S.J 4 Monate 

Wiedenmann P. Johann S. J 3 Monate. 

Erzdiözese Bamberg: 

Diözese Augsburg: 

Burkhard Joh., Pfanc.- 3 Jahre 

Heinzmann Bernhard, Pfarrvikar . . . IH Jahre 

Mayr Max, Pfarrer 4% Jahre 

Diözese Eichstätt: 

Diözese Regensburg: 

Hofmeister Korbinian, Abt von Metten . 1 Jahr 

Landgraf Johann, Pfarrer 3 Jahre 

Rohrmeier Martin, Pfarrer 3% Jahre 

Spießl Ludwig, Benefiziat 5% Jahre 

Diözese Speyer: 

Quack Hermann, Pfarrer ....... 3 Jahre 

Römer Heinrich. . 4% Jahre 

Seitz Friedrich, Pfarrer .5 Jahre 

Diözese Würzburg: 

Deppisch Gregor, Pfarrer 9 Monate 

Dümig Hermann, Benefiziat 4 Jahre 

Eisenmann, Pfarrer . 3 Jahre 

Hafner Georg, Pfarrer 13 Monate 

Weigand Konrad, Pfarrer 9 Monate 

Heß P. Salesius OSB ' . . 3 Jahre 

(Gefängnis ging bei fast allen voraus, sogar öfters, wie z. B. 
bei Stadtpfarrer Dr. Emil Muhler, P. Mayer usf.) 

2. Eine „Geistlichen-Parade" im Kz. Dachau 

nach der Liste eines geistlichen Konzentrations- 
lagerhäftlings 

Der Franziskanerpater Petrus Mangold, kommissarischer 
Provinzial vom Sudetengau im Kloster Mährisch-Trübau, hat kurze 
Zeit vor seinem Tode im Jahre 1943 nach zwei Jahren Lager- 
gefangenschaft ein Verzeichnis der Welt- und Ordensgeistlichen, 
das er zusammen mit Pf. Emil Thoma von Eppingen im Kz. Dachau 
gefertigt hatte, an Bekannte herausgeschickt. Es ist durchaus nicht 
vollständig, bemerkt vielmehr bei einzelnen Gruppen: „Viele in 
anderen Blocks" oder ähnliches. Und doch gibt es auch schon in 

336 



seiner Unvollständigkeit einen Einblick in das viele Leid, das der 
katholische Klerus von fast ganz Europa durch den National- 
sozialismus zu erdulden hatte (das Verzeichnis reicht bis 3. Mai 1942). 

1, Diözese Aachen (Rheinland). 

1. Gilz Suitbert, Kaplan in München-Gladbach: in Haft 5. 4. 37 bis 
8.1.39; 3.5.39—16.2.41; 11.4.41 gef. in Düsseldorf, seit 16.6.41 in 
Dachau. 

2. Brasse Theo, Kaplan in Stolberg; in Haft 7. 5. 41 in Berlin; 16. 8. 41 
in Dachau. 

3. Rindermann Hans, Kaplan und Rektor in Aachen-Forst: in Haft 
15.9.41; in Dachau seit 7.1.41. 

4. Keller Fritz, Pfarrer in Stolberg: in Haft 15. 11. 41; in Dachau seit 
5. 12. 41. 

5. Berger Hubert, Pfarrer in Otzenrath: in Haft 22.9.41 in Düssel- 
dorf; in Dachau 26. 2. 42, 

6. Jansen Nikolaus, Domkapitular in Aachen: in Haft Juli 1941 in 
Aachen; in Dachau 26. 12. 41. 

2. Diözese Augsburg (Bayern). 

1. S e 1 z 1 e Erich, Kaplan in Lechbruck: in Haft 28. 12. 37 in Friedrichs- 
hafen; Welzheim 1. 6. 39; Dachau 27. 9. 39; Mauthausen 5. 12. 40; 
Dachau 6.3.41. 

2. Mayr Max, Pfarrer in Schiltberg: in Haft 25.3.40 in München; 
12. 7. 40 in Dachau; 18. 8. 40 in Gusen bei Linz; 18. 12. 40 in Dachau. 

3 Heinzmann Bernhard, Pfarrer a. D. in lUerbeuren-Kronburg: in 
Haft 6. 1. 41 in Augsburg; 11. 41 in Dachau. 

4. P. Dr. theol. Wagner Albrecht (Friedrich), Benediktiner, Kloster 
St. Ottilien: in Haft 23. 12. 41. 

3. Diözese Berlin. 

1. Noleweika Adolf, Pfarrer in Demmin (Pommern): in Haft 20. 9. 40 
in Stettin; in Dachau 3. 1. 41. 

2. A d a m u s Paul, Pfarrer in Swinemünde (Pommern): in Haft 19. 3. 41 
in Stettin; in Dachau 13. 6. 41. 

3. Eudenbach Heinrich (Br. Hermann), Ordensbruder der Christ- 
königsgenossenschaft in Berlin: in Haft 5. 5. 41 in Berlin; in Dachau 
11.7.41. 

4. von Sty p-Reko wski Josef, Rektor in Berlin: in Haft 11.9.39; 
in Sachsenhausen 23.9.39; in Dachau 14, 12. 40. 

4. Erzbistum Breslau. 

1. Jorek Otto, Pfarrer in Sommerfeld: in Haft 4.11.38; in Berlin 
31.5.39; in Sachsenhausen 14.12.40; in Dachau 26.2.41. 

2. Kopera Amand, Pfarrer in Queissen: in Haft 12.9.40 in Liegnitz; 
in Dachau 18. 12. 40. 

3. Lehmann Georg, Kaplan im General vikariat Breslau: in Haft 
3.4.40 in Breslau; 3.2.41 in Liegnitz; in Dachau 11.4.41. 

4. Lachawietz Paul, Kaplan in Neusalz/Oder: in Haft 8. 4. 41 in 
Liegnitz; in Dachau 4. 6. 41. 

5. Scholz Reinhold, Erzpriester, Pfarrer in Ackerfelde: in Haft 
27. 4. 40 in Berin; in Dachau 20. 12. 40. 

337 



6. Bujakowski Georg, Pfarrer in Groß-Schmograd: in Haft 16. 8. 41 
in Breslau; in Dacliau 20. 12. 41. 

7. K a 1 i g a Johannes, Kaplan in Senftenberg: in Haft 10. 8. 36—12. 2. 41 
in Ratitaor; 26.3. in Oppeln; 27.4.41 in Auschwitz; 4.5.41 in Dachau. 

5, Diözese Brunn (Mähren). 

1. Haunstein Peter, Dechant, Pfarrer in Sitzgras: in Haft 21.7.39 
in Wien; 25.11.39 in Sachsenhausen; in Dachau 14.12.40. 

2. Wallouschek Josef, Administrator von Auspitz: in Haft 7.7.41 
in Wien; in Dachau 11.9.41. 

6. Diözese B u d w e i s (Böhmen). 

1. Thema Johann, Administrator in Schüttwa: in Haft 15.2.41 in 
Karlsbad; in Dachau 11. 7. 41. 

2. Klima Leopold, Monsignore, Archidiakon (Erzdechant) : in Haft 
19. 6. 41 in Karlsbad; in Dachau 29. 8. 41. 

3. Bio Chi Engelbert Franz, Zisterzienserkloster Hohenfurth, Pfarrer 
in Priethal: in Haft 17.8.40 in Lienz; 21.12.40 in Garsten; 17.8.41 
in Linz; in Dachau 3. 11, 41. 

7. Diözese . Burgenland (Nieder-Donau). 

1. Schmalzl Johann, Pfarrer in Kirchfidisch: in Haft"9. 12. 41 in 
Graz; in Dachau 31.1.42. 

3. P. Wolf Richard Peter, Zisterzienser des Stiftes Heiligenkreuz 
(Wien), Pfari-er in Mönchhof: in Haft 8.9.41 in Wien; in Dachau 
3. 11. 41. 

8. Diözese Eichstätt (Bayern). 

1. Breitenberger Franz, Kapuzinerbruderkandidat, Kloster Eich- 
stätt: in Haft 7. 2. 41 in Nürnberg; in Dachau 5. 6. 41. 

9. Diözese Feldkirch (Vorarlberg). 

1. Schelling Georg, Benefiziat in Bregenz: in Haft 21. 3. 38— 3L 5, 38 
in Dachau; 26. 9. 39 in Buchenwald; in Dachau 6. 12. 40. 

2. Knecht Alois, Pfarrer in Meiningen (Vorarlberg): in Haft 10.10.39 
in Bregenz; 27. 1. 40 in Sachsenhausen; in Dachau 14. 12. 40. 

10. Diözese E r m 1 a n d (Ostpreußen). 

1. Szudzinski 

2. Czechowski Hubert, Pfarrer in Schellen: in Haft 1.11.41 in 
Allenstein (Ostpr.); in Dachau 5.1.42. 

3. Olsche wski Leo, Propst in Tilsit: in Haft 25.8.41; in Dachau 
15,12.41. 

4. Pruskowski Robert, Kuratus in Wengoyen: in Haft 29. 7. 40 in 
Alienstein; 25.9.40 in Dachau; 11.12.40 in Buchenwald; in Dachau 
5. 9. 41. 

5. Dresbach, Kaplan in Allerstein (Priester der Erzdiözese Köln): 
in Haft in Dachau Juli 1941. 

11. Erzbistum Freiburg (Baden). 

1. Schneider Richard, Pfarrer in Beuggen: in Haft 7.9.40 in 
Waldshut; in Dachau 22. 11, 40. 

2. Bernhard Adolf, Pfarrer in Hondingen i. R.: in Haft 3.4.40 in 
Villingen; in Dachau 21. 3, 41. 

338 



3. Kiesel Emil, Kaplan in Pforzheim, St. Franziskus: In Haft in 
Dachau 14.12.40. 

4. T r ü b y Josef , Pf arrer a. D. in Rippoldsau. 

5. Maurath Ferdinand, Kaplan in Karlsruhe: in Haft 2.5.41 in 
Karlsruhe; in Dachau 28.4,41, 

6. Köhler Wilhelm, Pfarrer in Görwihl: in Haft in, Dachau Aug. 41. 

7. Thoma Emil, Pfarrer in Eppingen: in Haft 2.7.41 in Heidelberg; 
in Dachau 10.9.41. 

8. Hahn Hermann, Pfarrer in Riedböhringen: in Haft 2.9,41 in Kon-. 
stanz; in Dachau 3. 10. 41. 

9. Hemmer Friedrich, Pfarrer in Wiesenbach: in Haft 20,- 8. 41 In 
Heidelberg; in Dachau 10. 10, 41, 

10, Riesterer Albert, Pfarrer in Mühlhausen bei Konstanz: in Haft 
1.7,41 in Konstanz; in Dachau 14.4.41. 

11, Schwall Johann, Pfarrer in Raithaslach-Freiburg: in Haft 9.10.41 
in Konstanz; in Dachau 12.12.41. 

12, Lal?:omi, Herz- Jesu-Priester, Freiburg. 

12, Diözese Fulda (Hessen-Nassau), 

1. Vogt Gustav Albert, Pfarrer in Deuna, Kreis Gorbis (Sachsen): 
in Haft 4,10,40 in Erfurt; in Dachau 25,5,41. 

2. T r a g e r : in Haft Mitte Dezember 41 in Dachau; gestorben Mitte 
Januar 42. 

3. Huth Dr. jur. Heinrich, Kaplan in Weyhers (Rhön): in Haft 1940 
in Sachsenhausen; in Dachau 14. 12. 40. 

4. Albinger Josef, Kaplan' in Hanau a. Main: in Haft 8.11.41 in 
Frankfurt a. M.; in Dachau 6.2.42. 

5. AvereschP. Josef, Redemptorist in Heiligenstadt (Eichsfeld) : in 
Haft 6.2.41 in Erfurt; 19.7.41 in Buchenwald;, in Dachau 19.9.41. 

6. Schmitt P. Karl, Salesianer in Kassel-Bettenhausen: in Haft 
19. 10. 39 in Kassel; 7. 3. 40 in Sachsenhausen; in Dachau 14. 12. 40. 

7. B r u n k e P. Thaddäus (Wilhelm) Guardian, Franziskaner, Kloster 
Frauenberg: in Haft 14.12,40 in Fulda; 26.12.40 in Breitenau; in 
Dachiau 16,5,41. 

13. Diözese Gurk in Klagenfurt (Kärnten). 

1. Singer Stefan, Dechant, Ehrendomherr in Kappel a. d. Drau: in 
Sachsenhausen im Bunker; in Dachau im Bunker. 

2. Kutaj Anton, Pfarrer in St, Michael-Bleiberg: in Haft Juni 1940 
in Dachau; 16. 8, 40 in Mauthausen; 8. 12, 4Ö in Dachau; gestorben 
in Dachau Mitte Februar 1941. 

3. G e r a m b Dr, Stadtpfarrer in Ferlach, 

4. Pollak, Pfarrer in St, Kanzian, 

5. Hornböck Johann, Dechant in Mies: in Haft 11.4.41 in Prävali; 
16. 4. 41 in Klagenfurt; in Dachau 21, 7. 41, 

6. L'hoste Klaus, Pfarrer in Mörtschach: in Haft 26.3.39; in Lienz 
(Osttirol);' 6. 5. 39 in Klagenfurt; 9.9,39 in Dachau; 27,9.39 in Flos- 
senbürg (Opf.); 2.3.40 in Dachau; 16,8,40 in Mauthausen-Gusen; 
in Dachau 18, 12. 40. 

7. Leeb Marzellus, Pfarrer Zedlitzdorf: in Haft Mai 1940 in Dachau; 
16.8.40 in Mauthausen-Gusen; gestorben 1.12.40 in Gusen. 

8. Kasimir P, (Benediktiner), Olivetaner der Abtei St. Josef auf 
Tanzenberg bei Maria-Saal: in Haft in Dachau Sommer 1940; jetzt? 

339 



9. Zwacka, Kaplan in Obervellach: Gestorben 8.12.41 im Abort des 
Transportzuges von Gusen nach Dachau. 

10. Schuster Dr. Otto, Pfarrer in Vorderberg im Geibtal: in Haft 
seit 1939 Klagenfurt, Garsten; in Dachau 17, 4. 1942. 

14. Diözese Hildesheim (Hannover). 

1. Jäger Johannes, Kaplan in Goslar: in Haft 29. 4. 41 in Goslar, in 
Dachau 13. 6. 41. 

2. Hacke tal Christoph, Pfarrer in Bad Harzburg: in Haft 18. 4. 41 
in Hallendorf, in Dachau 8. 8. 41. 

3. K ö 1 1 e r Heinrich, Kaplan in Duderstadt-Laggenbeck: in Haft 
3. 10. 41 in Duderstadt; 31. 10. Libenau a. d. W.; in Dachau 5. 12. 41. 

15. Diözese Innsbruck (Tirol). 

1. Steinkelderer Jos. Dr., Katechet in Innsbruck: in Haft 1939 . . . 

2. Wiirl Siegfried, Pfarrer a. D.: in Haft 22. 9. 1939 in Innsbruck, 
7. 11. in Sachsenhausen-Oranienburg bei Berlin; in Dachau 15. 12. 40. 

3. Lampert Karl, Generalvikar in Innsbruck; in Haft Sept. 1940 in 
Innsbruck, in Dachau 12. 12. 40. 

4. S e i t z Josef, O.-Prämonstr. Chorherr Stift Wilten, Gries in Hall ein 
(Tirol): in Haft 5. 12. 41 im Auffanglager Reichenau, 8. 12. 42 in 
Dachau. 

5. Neuruhrer, Pfarrer in Göttbus b^i Innsbruck: in Haft 1938 in 
Dachau, gestorben 1940 in Buchenwalde. 

16. Diözese Kattowitz (Oberschlesien). 
Viele in anderen Blocks. 

17. Erzbistum Köln (Rheinland). 

1. Doppelfeld Franz, Pfarr-Rektor in Neuß-St. Elisabeth: in Haft 
12. 5. 41 in Düsseldorf, in Dachau 22. 8. 41. 

2. Theißen Alois, Rektor, Deutsch-Seelsorger in Haarlem (Holland): 
in Haft 20. 9. 40 in Amsterdam und Berlin, in Dachau 20. 6. 41. 

3. Kilinski. 

4. D r e s b a c h (s. Ermland ^r. 5). 

5. Rohling P. Engelbert, Oblaten-Priester in Essen-Borbeck: in Haft 

28. 10. 41 in Münster, in Dachau 26. 12, 41, 

6. Werhahn Hermann Josef,- Kaplan in Essen-Margarethenhöhe, 
Rektor z. hl. Familie: in Haft 6. 10. 39 in Essen, 9. 12. 39 in Sachsen- 
hausen, 14. 12. 40 in Dachau. 

18. Diözese Königgrätz (Böhmen). 

1. Bradler Wenzel, Pfarrer in Michelsdorf bei Landskron: in Haft 
21.5.41 in Troppau; in Dachau 25.8.41. 

2. Linhart Erich, Administrator in Bassek (Diöz. Leitmeritz) und 
Kaplan von Rochlitz: in Haft 23. 5. 41 in Hohenelbe, in Dachau 

29. 8. 41. 

3. Fischer P. Joseph, Pallottiner, Kloster Vallendar-Schönstatt 
(Trier), Pfarradministrator in Großstiebnitz: in Haft in Dachau 
18. 4. 41 und 6. 6, 41. 

19. Diözese Kulm (Westpreußen). 

1. Juchta Josef, Kaplan in Wielle: in Haft 27. 10. 39 in Stutthof, 
Sachsenhausen, Dachau. 

340 



20. Diözese Leitmeritz (Böhmen). 

1. Bochnia Hieronymus, Pfarrer in Podersaneka, R.B. Karlsbad: in 
Haft 25, 10. 40 in Karlsbad, in Dachau 27. 1. 41. 

2. Langhans Alois, Stadtkaplan in Kaaden: in Haft 19. 10. 40 in 
Karlsbad, 13. 12. 40 in Dachau, Überst. 9. 4. 42, wieder in Dachau 
24. 4. 42 

3. Schneider Frz., Pfarrer von Sebastiansberg (ehem. Salvatorianer). 

4. Schierling Hans, Administrator in Brunnersdorf bei Kaaden: 
in Haft 22.8.41 in Karlsbad; in Dachau 17.10.41. 

5. Ullrich Franz, Kaplan in Lobenau: in Haft 20. 12. 41 in Warns- 
dorf ; 28. 1. 40 in Reichenberg; in Dachau 13. 2. 42. 

6. Franzen Robert, Pfarrer in Rosendorf: in Haft 22. 4, 41 in Te- 
schen; 27. 8. 41 in Sachsenhausen; in Dachau 13. 2. 43. 

7. Bioly Peter, Pfarrer in Seltsch bei Saaz; seit 18.4.1940 verhaftet. 
(Leitmeritz — Waldheim Karlsbad — Dachau.) 3. 5. 42 auf Invaliden- 
transport geschickt, unbel^annt wohin. 

21, Diözese L e s 1 a u (Warthegau). 
Viele in anderen Blocks. Darunter Weihbischof K o z a 1. 

22. Diözese Limburg. (Hessen-Nassau). 

1. Hurm. 

2. Breithecke r. 

3. S p i X P. Walter, Superior und Vize-Provinzial im Kloster Arn- 
stein [Lahn]: in Haft 19,11,41 in Limburg; in Dachau 30.1.42, 

4. Michel P. Justus (Karl), Guardian, Franziskaner, Kloster Hada- 
mar: in Haft 1, 3. 39 in Freiendietz/Limburg; 4. 1. 40 in Sachsen- 
hausen; in Dachau 14. 12. 40. 

23. Linz (Ober-Donau). 

1. Mager Johann (Altmann), reg. Chorherr des Stiftes Schlägl, Prä- 
monstra tenser; in Haft 4. 1. 39 in Linz; in Dachau 28. 10. 40. 

2. Becker P, Gottfried, Trappist, Kloster Engelszell: in Haft 28.7,39 
in^ Linz; 10. 8. 39 in Ried; in Dachau 20, 11, 40, 

3. Ohnmacht Dr. Franz: in Haft 13, 3, 38 in Linz; 17, 6, 38 in 
Dachau; 26, 9. 39 in Buchenwalde; in Dachau 7. 2. 40, 

4. Just P, Konrad, Zisterzienser v. Stift Wilherring: in Haft Juli 38 
Buchenwalde; in Dachau Dezember 40, 

5. Moosbauer Josef, Pfarrer in Waldhausen: in Haft 21,4.39 in 
Wels und Linz; 22,6,40 in Dachau und Mauthausen. 

6. Steiner Heinrieh, Pfarrer in Steinerkirchen: in Haft 4. 10, 39 in 
Wels und Linz; in Dachau 9. 12. 40. 

7. Rohrmoser Josef, Geistl. Rat Pfarrer i. R. in St. Wolfgang: in 
Haft 20. 10. 39 in Linz; 17. 5. 39 in Garsten; 21. 10. 40 in Linz; in 
Dachau 13. 12, 40, 

8. Spitzig P. Dr, Gustav (Makarius) 0,S.B, in St, Ottilien: in Haft 
27,7,39 in Linz und Ried; in Dachau 3,2.41, 

9. Grabmayr Johann, Pfarrer in Prambachkirchen: in Haft 24.1.41 
in Linz; in Dachau 3. 3, 41. 

10, Mayr Franz, Pfarrer in Cutau: in Haft 8,5,40 in Linz, Garsten; 
in Dachau 3. 3. 41. 

11, Arthofer Leopold, Pfarrer in Kronsdorf: in Haft 11. 2. 41 in 
Linz; in Dachau 28. 4, 41. 

341 



12. Wöß Franz, Pfarrer 1. R. in St. Peter am Wimberg: in Haft 2.5.38 
in Linz; 3. 7. 38—19. 11. 38 in Dacliau; in Freilieit bis 29. 7. 41; in Haft 
in Linz; 23.9.41 in Dachau. 

13. FankhauserP. Bernhard, O.F.M.; in Dachau 16. 9. 41. 

14. H e i n z e 1 P. Josef S. J. in Linz: in Haft 30. 10. 41 in Linz; in Dachau 
14.12.41. 

15. Muris P. Leopold, Salesianer in Linz, Don-Bosco-Pfarrei: in Haft 

10. 2. 40 in Linz; 14. 6. 40 Garsten; 30. 9. 41 in Linz; in Dachau 
13.12.41. 

16. Unzeitig P. Engelmar (Hubert) C.M.M. (Mariannliiller) in Maria- 
Anna- Höhe in Riedegg b. Linz: in Haft 24. 4. 41 in Linz; in Dachau 
3. 6. 41. 

17. Kagerer Hermann: in Haft 16.11.40. 

18. Spanlang Matthias: gestorben 1940. 

19. S o m m e r : in Haft November 1940. 

20. K a g e r : gestorben 

21. Grub er Dr. Johannes: in Haft 16. 8. 40 in Linz; in Dachau 6. 4. 41. 

22. Steinboclc Johann, Kooperator in Steyr-Vorstadtpfarr.: in Haft"^ 
15. 9. 41 in Linz; in Dachau 26. 1. 42. 

24. Litzmannstadt ^Warthegau). 
Viele in anderen Bloclcs. 

25. Luxemburg. 
Einige auf anderen Blocks. 

26. Diözese Mainz (Rheinhessen). 

1. Ott Adam, Stadtpfarrer und Dekan in Mainz, St. Ignatiuskirdhe: 
in Haft 23. 8. 41 in Mainz; in Dachau 24. 10. 41. 

2. Brantzen Hans, Kaplan in Heusenstamm bei Offenbach; in Haft 
17. 9. 41 in Darmstadt; 7. 11. 41 in Dachau. 

3. U r b a n Paul, Kaplan in Gernsheim am Rhein: in Haft 11. 9. 40 in 
Darmstadt; 18. 9. 40 in Dachau; 17. 12. 40 in Buchenwalde; in Dachau 
15. 11. 41. 

4. Rodach Benedikt, Kaplan in Ruhlkirchen: in Haft 20. 1. 41 in 
Gießen; 18. 2. 41 in Darmstadt; 7. 5. 41 Mauthausen; in Dachau 

11. 8. 41. 

5. Montwe P. Hugo, Kapuziner, Kloster Dieburg: in Haft in Dachau 
18. 4. 41. 

6. Zöhren P. Dionys, Kapuziner, Kloster Gernsheim-Rhein: in Haft 
20. 3. 41 in Darmstadt; in Dachau 2. 6. 41. 

7. S a u e r P. Evarist, Kapuziner, Kloster Dieburg: in Haft 10, 3. 41 in 
Darmstadt; in Dachau 18. 4. 41. 

27. Diözese Marburg (Steiermark). 

1. Meßner Johann, Pfarrer und Dechant in Mahrenberg: in Haft 
15. 4. 41 in Mahrenberg; 22. 4. 4l' in Marburg, Reichenberg, Marburg, 
Ankenstein; in Dachau 16. 11. 41. , 

28. Diözese Meißen in Bautzen (Sachsen). 

1. Scholze Benno Dr., Pfarrer in Pirna: in Haft 15. 1.41 in Dresden; 
in Dachau 4. 4. 41. 

2. Ziesch Johannes, Pfarrer in Großpostwitz i, S.: in Haft 13.12.40 
in Dresden; in Dachau 4. 4. 41. 

342 



3. Scholze Aloys, Pfarrer in Leutersdorf /Sachs.: in Haft in Dachau 
5.6.41; 2.8.41. 

4. Pies Otto, S.J. 

5. Remy Fritz. 

6. Rothe Hans, Kaplan in Altenburg: in Haft 3.10.39 in Altenburg, 
Thür.; 9.12.39 in Altenburg, Weimar; 7.2.40 Sachsenhausen; 1940 
in Dachau. 

7. Scheipers Hermann, Kaplan in Hubertusburg- Wermsdorf: in 
Haft 4. 10. 40 in Leipzig; in Dachau 28. 3. 41. 

8. Duschak Alfons, Kaplan in Dresden- Hof propsteikir che: in Haft 
in Dachau 19. 5. 41. , 

9. W e n s c h Bernhard, Jugendseelsorger in Berlin: in Haft 12. 7. 41 in 
Sachsenhausen; in Dachau 7. 11. 41. 

10. Andritzki Aloys, Kaplan in Dresden-Propstei: in Haft 21.1.41; 
in Dachau 9.10.41. 

11. Zimmermann Johannes, Kaplan in Freital b. Dresden: in Haft 
27. 5. 41 in Dresden; 5. 7. 41 in Maltheuern b. Brüx; in Dachau 
18. 8. 41. 

29. Erzdiözese München 'und Freising. 

1. Aigner Korbinian, Pfarrer in Hohenbercha. 

2. Neuhäusler Johann, Domkapitular, München: in Haft 4.2.41; 
in Sachsenhausen 24.5.41; in Dachau seit 12.7.41. 

3. Hock Dr. Michael, Pf arrkurat, München: in Haft 23. 5. 41; in 
Dachau 12.7.41. 

30. Diözese Münster' (Westfalen). 

1. Hennen Heinrich, Kaplan, Münster Hl. Geist: in Haft 20. 11. 41 in 
Münster; in Dachau 30. 1. 42. 

2. Stammschröer Hermann, Pf arr-Rektor in Gelmer; in Haft 
31. 7. 41 in Münster; in Dachau 10.10.41. 

3. Reukes Josef, Pfarrer in Gronau, Westf.: in Haft 3.3.41 in Mün- 
ster; 9. 6. in Sachsenhausen; in Dachau 10. 10. 41. 

4. Schumann P. Emil, M.S.C., Herz- Jesu-Missionar in Hiltrup: in 
Haft 20. 9. 41 in Münster; in Dachau 5. 12. 41. 

5. Fresenborg Heinrich, Pfarrer in Neuschattel: in Haft 18.9.41 
W-hauen; in Dachau 28. 11. 41. 

6. Engels Gottfried, Pfarrer in Peheim: in Haft 1.9.39 in Peheim; 
in Dachau 13. 12, 40. 

7. Markötter Josef O.P.M., Franziskaner in Warendorf bei . Mün- 
ster: in Haft 4. 6. 40 in Münster; 15. 1. 41 in Sachsenhausen; in 
Dachau 26.9.41. 

8. Meyer Willy, Kaplan. 

9. Friedrichs Reinhold, Studienrat in Münster: in Haft in Dachau 
12. 9. 41. 

10. Barkholt Werner, S.J., Kaplan in Essen: in Haft 8. 8. 41 Bochum. 

11. Hessing P. Augustin, O.S.B. (Heinrich), Kloster- Abtei St. Josef 
Gerleve: in Haft 1. 8. 41 in Münster; in Dachau 10. 10. 41. 

12. Klumpe Johannes, Vikar in Stadtlohn: in Haft 28.10.41 in Mün- 
ster; in Dachau 26. 10. 41. 

13. P o e t h e r Bernhard, Kaplan in Bottrop: in Haft 22. 9. 39 in Bottrop; 
1.3.40 in Sachsenhausen; in Dachau 18.4.41. 

14. Leisner Karl, Diakon. 

15. Benninghaus August, S.J. 

343 



31. Erzdiözese Ol mutz (Mähren). 

1. S m o 1 i k Johann N., Konsist.-Rat und Pfarter in Neu-Lubitz 
(Sudetenland): in Haft 29. 4, 41 in Troppau; in Dachau 7. 7. 41. 

2. Müller Franz, Pfarrer in Wickstadt. 

3. Otzipka Aloys, Pfarrer in Schildberg: in Haft 2. 7. 41 in Troppau; 
in Dachau 25. 9. 41. 

4. Schammel Karl, Seminardirektor in Freudenthal: in Haft 7. 7. 41 
in Troppau; in Dachau 16. 11. 41. 

5. H i 1 1 e r P. Ludwig (Paul), Salvatorianer, Kloster Jägerndorf-Burg- 
berg: in Haft 22, 5. 41 in Troppau; in Dachau 25. 8. 41. 

6. Mangold P. Petrus (Karl), Franziskaner, kommiss. Prbvinzial im 
Sudetengau, Kloster Mährisch-Trübau: in Haft 29. 3. 41 in Troppau; 
in Dachau 6. 6. 41. 

32. Diözese Osnabrück. 

1. Wiemker Leopold, Viliar in Schwerin-Mecklenburg: in Haft 
19.2.39—28.9.40; 27. 12. 40 in Dachau. 

2. Gförsmann Gustav, Pfarrer i. R. in Köln, Rochstr. 65: in Haft 
27.6.41 in Osnabrück; in Daphau 3.10.41. 

3. Wüste Bernhard, Pastor in Hollenstede: in Haft 19,5.41 in Osna- 
brück; 12. 7. 41 in Sachsenhausen; in Dachau 30.1.42. 

33. Erzdiözese Paderborn (Westfalen). 

1. Oberhaus Wilhelm, Pfarrvikar in Bockwitz (Sachsen): in Haft 
26. 2. 41 in Halle an der Saale; in Dachau 10. 10. 41. 

2. Hoffmann Karl, Vikar in Stendal (Altmark): in Haft 11. 9. *0 in 
Stendal; 1. 11. 40 in Dachau'; 11. 12. 40 in Buchenwalde; in Dachau 
3. 10. 41. 

3. Bahrenberg Hans Dr., Vikar in Lichtenau: in Haft 29.10.40 in 
Bielefeld; 6. 7. 41 in Harsewinkel; 29. 10. 41 in Bielefeld; in Dachau 
9. 1. 42. 

4. Günnewich Otto, Pfarrvikar in Salvey: in Haft 12,7.41 in Dort- 
mund; 15.8.41 in Bochum; in Dachau 21,11.41, 

5. Schamoni Wilhelm, ohne Anstellung, Pfarrvikar in Oynhausen 
über Steinheim: in Haft 29, 12. 39 in Buchenwalde u. a.; in Dachau 
11. 10. 40. 

6. F.arwer Eduard, Pfarrer in Alsleben (Saale): in Haft 20.1.38 in 
Halle; 19. 1. 40 in Naumburg; in, Dachau 18. 4. 41, 

7. König Heinrich, Vikar in Geisenkirchen: in Haft 30. 9. 41 in Gei- 
senkirchen; in Dachau 5. 12. 41. 

8. Becker Heinrich, Pfarrer in Haaren: in Haft 9. 10. 39 an ver- 
schiedenen Orten; in Dachau 16. 1. 42. 

9. Riepe P. Franz, S;V.D., Missionshaus Bad Driburg: in Haft 20.2.41 
in Bielefeld; in Dachau 9. 5, 41. 

10. Ketzlick P. Bernhard M.S.C. (Herz- Jesu-Missionar), Kaplan in 
Hamm: in Haft 31. 7. 41 in Hamm; 1. 8. 41 in Dortmund; 15. 8. 41 in 
Bochum; in Dachau 30. 1. 41. 

34. Passau (Bayern). 

1. Mauerer Ottmar Dr. theol., Kooperator in Haus: in Haft 15. 5. 38 
in Deggendorf; in Dachau 5.4.41. 

2. H o p p e r Josef, Benefiziat in Wallersdorf: in Haft 25. 2. 41 in Karls- 
bad; in Dachau 19. 7. 41. 

344 



35. Erzdiözese Posen-Gnesen. 

1. Wierbinski Thaddäus, Propst in Gembitz: in Haft 10. 8. 41 in 
Posen ; in Dachau 30. 10. 41, 

2. Pietrowski Anton, Pfarrer in Treskan (Posen): in Haft 6. 10. 41 
in Posen; in Dachau 30.10.41, 

3. Koszewski Marian, Pfarrer in Chwalkow (Posen): in Haft 
6.10.41 in Posen; in Dachau 30,10.41. 

4 Racwski Casimir, Pfarrer in Hürschdorf: in Haft 7, 10, 41 in 
Posen; in Dachau 30.10.41. 

5. Kwia + I^owski Milanus, Vicarus substit, in Schmiegel und Lan- 
genbruck: in Haft 6. 10. 41 Posen; 30. 10. 41 in Dachau, 

6. Matysiak Gratian, Pfarrer in Neusiedeln (Posen): in Haft 
6.10.41; in Dachau 30.10.41. 

7. K u r e k Paul (Hubert) P. Franziskaneir- Guardian, Kloster Stor- 
chennest: in Haft 7.10.41 in Posen; in Dachau 30.10.41. 

8. Koranecki Adam, Propst in Skulsk, Dekan: in Haft 6.10.41; 
in Dachau 30 10,41. 

9. Ryglewicz Stephan, Pfarrer in Duninow (Diöz. Plock). 

36. Erzdiözese Prag (Böhmen). 

1. Womes Joh. v. Nep., Pfarrer in Böhm. Domaschlag: in Haft 
20.8.40 in Karlsbad; in Dachau 21,3.41. 

2 PI eil Franz, Pfarrer in Vittma-Schönthal: in Haft 10, 10, 41 in 
. Karlsbad; in Dachau 5.12.41, 

3 Lauber Dr. Robert, Pfarrer in Nürschan: in Haft 17, 6, 41 in 
Karlsbad; in Dachau 8. 8. 41, 

4. Bohr Josef (ehedem S. J,), Pfarrer in Neudorf: in Haft 7,5.41 in 
Karlsbad; in Dachau 27.6.41. 

5. Hirschfe). der Gerhard, Kaplan in Habeischwert: in Haft 1. 8. 41 
in Glatz; in Dachau 27. 12. 41, 

6. S c h m i d I Johann, Dr, theol,, Uni vers, -Lektor, Rel.-Prof. in Prag: 
in Haft 6. 1, 41 in Prag; 20. 10. 41 in Theresienstadt; in Dachau 
21.11.41. ^ . 

7. S r a m e k, Vorsitzender der tschech. kath, Volkspartei, 

8. Kovarik, O.S.B., Prag-S, Emaus. 

38, Diözese Regensbu r g. 

1. Rohrmaier Martin, Pfarrer in Kelheim: in Haft 10,10,41 in 
Regensburg; in Dachau 13. 12. 4l. 

2. Spieß. 1 Ludwig, Pfarrer. 

38, Diözese Rottertburg, 
1, Geiger Franz, Pfarrer in Kirchhausen. 

39. Erzdiözese Salzburg. 

1. Rieser Andreas, Kooperator in Stumm (Zillertal): in Haft 23.6.38 
in Salzburg; 3, 8. 38 in Dachau; 27. 9. 39 in Buchenwalde; 6. 12. 40 in 
Dachau. 

2. Berchtold Alfred, Kaplan in Salzburg-St. Blasius: In Haft 
« 13.5.38 in Graz; 2. 7.38 in Dachau; 27.9.39 in Buchenwalde; in 

Dachau 8.12.40, 

3. G r e d 1 e r Felix, Fürst-Erzb. Rat, Dechant und Pfarrer in Alten- 
markt: in Haft 27.9,40 in Salzburg und Innsbruck; in Dachau 
18, 8, 41, 

345 



4 Summereder Heinrich, Koop. in Mattsee: in Haft 28.10.38 in 
Salzburg; 27. 1. 40 in Sachsenhausen; in Dachau 14. 12. 40. 

5. Dirnberger Andreas, Kooperator in Goldegg: in Haft 3. 8. 39 in 
Linz; Lager Rodgau (Hessen); Linz; in Dachau 30.3.41. 

6. Sparber Walter, Kaplan in Goldegg: in Haft 7.9.39 in Salzburg; 
19. 2, 40 in Sachsenhausen; in Dachau 14. 12. 40. 

40. Diözese St. Polten (Nieder-Donau). 

1. Burger Anton, Kaplan in Steinakirchen a. Forst: in Haft 25.4.39 
in St. Polten und Göllersdorf ; in Dachau 8. 2. 4L 

2. S tan gl Josef, Pfarrer in Großau b. Raabs a. d. Thaya: in Haft 
21.9.40 in Znaim; 12.11.40 in Wien; in Dachau 30.11.40. 

41, Prälatur Schneidemühl (Pommern). 

1. Binder Leo, Pfarrer in Großdammer, Kreis Mesenitz: in Hiaft 
12.9.39 in Kottbus; 14.9.39 in Sachsenhausen; in Dachau 13.12.40. 

2. V. S t y p - R e k k s k i (siehe Diözese Berlin). 

3. G e i k e Richard, B'eneflziat in Kitzingen (Würzburg) (geb. in Mese- 
ritz): in Haft 3.11.37 in Würzburg; 13.9.39 in Nürnberg; 11.8.41 in 
Polizei-Feste; in Dachau 17.8.41. 

42. Diözese S e c k ä u - Graz (Steiermark). 

1. Allmer Johann, Pfarrer in Glashütten: in Haft etc. 1938 in Graz, 
Gusen-Mauthausen ; in Dachau 1940; t Aschermittwoch 1941. 

2. Lenz Johann, Mar. S. J. in Wien XXV, Missionskloster St. Gabriel: 
in Haft 5.12.38 in Wien; 9.8.40 in Dachau; 10.8.40 in Gusen; in 
Dachau 6. 12. 40. 

3. Seewald Alexander, Pfarrer in Mürzsteig: in Haft 16. 1. 40 in 
Graz; 22.4.40 in Dachau; 16.8.40 in Gusen; in Dachau 8.12.40. 

4. HornauerP. Josef, Herz- Jesu-Missionar in Graz: in Haft 8. 11. 39 
in Graz; 29,2.40 in Sachsenhausen; in Dachau 14.12.41. 

5. Sin dl er Alois, Pfarrer in'Ranten: in Haft 12. 12. 38 in Leoben, 
Graz; in Dachau 29.3.41. 

43. Diözese Speyer. 

1. Seitz Fritz, Pfarrer in Schallodenbach: in Haft 16. 3. 40 in Neu- 
stadt/Weinstraße; 16.8.40 in Gusen; in Dachau 8.12.40. 

2. Römer Heinz Robert, Kaplan in Ludwigshafen-St. Sebastian: in 
Haft 20.12.40 in Neustadt/ Weinstraße; in Dachau 21.2.41. 

3. C.aroli Wilhelm, Pfarrer a. D., Kottenheim: in Haft 14. 10!41 in 
Koblenz; in Dachau 18.2.42. 

44. Diözese Trier. 

1. Zilliken Josef, Pfarrer in Wasenach: in Haft 27.5.40; in Dachau 
13. 12. 40, 

2. Schulz Johannes, Pfarrer in Nickenich üb. Andernach: in Haft 
27. 5. 40 in Koblenz; 31. 7. 40 in Sachsenhausen; in Dachau 14. 12. 40. 

3. Schlick er Peter, Kaplan in Niedermending: in Haft 9.1.41 in 
Koblenz; in Dachau 7. 1. 42. 

4. Schmitt Johann, Pfarrer in Niedaltdorf/Saar: in Haft 16. 3.<»40 
in Berlin; 1. 8. 40 in Sachsenhausen; in Dachau 14. 12. 40. 

5. Bettendorf. 

6. Z i e g 1 e r Jakob, Pfarrer in Koöhem-Kondt: in Haft 8. 8. 41 in Kob- 
lenz; in Dachau 12. 12. 4L 

346 ' 



7. Neunzig Heinrich Josef, Pfarrer in Halver (Paderborn): in Haft 
23.7.41 in Dortmund;. in Dachau 17.10.41. 

8. Münch F. Maurus (Jakob), Benediktiner der Abtei St. Matthias 
Trier: in Haft 18.11.40 in Trier; in Dachau 10.10.41. 

9. E i s e F. Albert, Pallottiner in Schönstatt: in Haft 4. 8. 41 in Koblenz; 
in Dachau 14. 11. 41. 

10. Pfeil Hugo, Pfarrer in Humes/Saar: in Haft 20. 9. 39 in St. Wen- 
del/Saar; in Dachau 14.12.40. 

11. B e c h t e 1 Peter Josef, Pfarrer in Niedermedig: in Haft 9. 1. in Kob- 
lenz; in Dachau 7. 2. 41. 

12. K e n t e n i c h P., Pallottiner in Schönstatt. 

45. Tschenstochau (Teil im Warthegau). 
Viele in anderen Blocks. 

i 

, 46. Erzdiözese Wien. 

1. Allmer Franz (OSB., Kapitular des Stiftes Admont), Pfarrer in 
Paulfau: in Haft September 1938 in Graz, Oktober frei; August 1939 
in Wien; September Buchenwalde; in Dachau 1940. 

2. K a r a s Friedrich, Hausgeistlicher in Meyerling: in Haft 30. 6. 41 
in Wien; August 1941 in Dachau, entlassen 24. 1. 42, gestorben im 
Frühling 1942 auf Invalidentransport. 

3. Trompeter P. Ernst, SDS., Katechet von Margarethen a. M.: in 
Haft 8.9.41 in Wien; in Dachau 16.11.41. 

47. Diözese Würzburg. 

1. Weigend Konrad: Entlassen Januar 1942. 

2. Eisenmann August, Pfarrer in Aisleben: in Haft 4. 7. 41 in Würz- 
burg; in Dachau 29.8.41. 

3. Hafner Georg, Pfarrer in Oberschwarzach: in Haft 31. 10. 41 in 
Würzburg; in Dachau 12. 12. 41. 

4. D ü m i g. 

5. Heß P Johann (Salesius), Dr. phil., Benediktiner in Münster- 
schwarzach: in Haft 31,5.41 in Würzburg; in Dachau 12.9.41. 

48. Evangelische Geistliche. 

1. Frischke Edmund, Pfarrer in Radom, Gen.-Gouvernement: in 
Haft 21. 9. 39 in Radom; 21. 12. 39 in Sachsenhausen; in Dachau 
14. 12. 40. 

2. Wildfang Klaas, Pfarrer in Rysum bei Norden: in Haft 7.2.41 
in Dachau; überstellt nach Hannover April 41, von dort entlassen 
wegen Haftunfähigkeit infolge Schlaganfalls. 

3. Gabriel Walter, Pfarrer in Halle/S., St. Laurentius: in Haft 9. 1. 41 
in Halle/Saale; in Dachau 7. 2. 41. 

4. Thurmann' Horst, Hilfsprediger in Euskirchen/Eifel: in Haft 

11.3.40 in Bonn (Köln); in Dachau 2.6.41. 

5. Berendt Ernst» Pfarrer in Baden-Baden: in Haft 21. 12. 40; in 
Dachau 21.5.41. 

6. Kaiser Walter, Pfarrer in Dresden: in Haft 26.3.41 in Dresden; 
in Dachau 30.5.41. 

7. Schief elbein Erich, Pfarrer in Troisdorf bei Köln: in Haft 

15. 4. 41 in Aachen; in Dachau 30. 5. 41. 

8. Sylten Werner, Pfarrer, in Berlin-Köpenik: in Haft 27.2.41; in 
Dachau 30.5.41. 

347 



9. Zippel Friedrich, Pfarrer in Großgrebe bei Mühlhausen: in Haft 
April 1941; in Dachau Juni 1941. 

10. R e y e r Christian, Pfarrer in Stieglitz/Netz-Kreis: in Haft 28. 4. 41 
in Schneidemühl; in Dachau 1. 7. 41. 

11. Wagner Johannes, Pfarrer in Chemnitz: in Haft 12. 2. 41 in Chem- 
nitz; 15.3.41 in Sachsenhausen; in Dachau 12.9.41. 

12. Hoffmann Fritz,- Pfarrer in Wegensted: in Haft in Dachau 
12.9.41; entlassen 12.3.42. 

13. G r ü b e r Heinrich, Pfarrer in Berlin- Käulsdorf : in Haft 19. 12. 40 
in Sachsenhausen; in Dachau 21. 12. 40. 

14. G all in Ernst, Pfarrer in Falkenrehde: in- Haft 19.8.41 in Pots- 
dam; in Dachau 21. 11. 41. 

15. Theek Bruno, Pfarrer in Ludwigslust: in Haft 2.10.41; in Dachau 
2. 1. 42. 

16. Richter Paul, Pfarrer in WilsdrufE b. Dresden: in Haft 10 11.41; 
in Dachau 27.3.42. 

17. Husar, Pfarrer in — b. Chemnitz. 

18. Niemöller Martin, Berlin-Dahlem (über 7 Jahre!). 

Begleitschreiben von P. Petrus Mangold (t) zu vorstehender Liste: 
Reverendissimo Conventui O.F.M. Monacensi 
R, i. Ch. o Pater Guardian! 

Has quatuor thecas tibi tradendas curavi, simul petens, ut eas asser- 
ves, et SUD tempore tradas ei, qui contentum in thecis recte describit. 

Ceteroquin, Reverende Pater, humiliter peto Tuas orationes pro 
me meisque confratribus sacerdotio ddnatis et libertate privatis, ut 
digne id agamus quod Deus a nobis postulat et B. M. Virgine inter- 
cedente sanos nos conservet et libero servitio Christi reddat. 

Pro te quoque tuoque conventu orans salutat Te in Domino unus 
ex 225 sacerdotibue Germanicis Dachoviae captis. 

P.P. 

De ceteris Rev. mo Patri Michaeli Archiepiscopo et per eum Ap. 
Nuntio de prohibitione sacrificii missae, solatii nostri per organas in- 
feriores his in castris et de translatione circa 100 sacerdotum poloni- 
corum in locum incognitum ut „invalidorum" id est fame et labore 
defatigatorum fere carte moribundorum nece turpissima euthanasiae 
notitiam praestare petimus. Grate etiam pro nobis sine intermissione 
quia etiam duo ex nostro sie dicto „Block" idem perpessi sint et fames 
instat. 

In corde Jesu et Mariae salutat vos 

quidam. 

(Übersetzung des Vorstehenden.) 

An den Hochwürdigsten Franziskaner-Konvent in München. 

In Christo verehrtester Pater Guardian! 

Ich ließ Dir beiliegend 4 Kuverts übergeben mit der Bitte, sie auf- 
zubewahren und zu gegebener Zeit dem auszuhändigen, der den Inhalt 
dieses Kuverts richtig angibt. 

Im übrigen bitte ich Dich, Ehrwürdiger Vater, demütig um Dein 
Gebet für mich und meine priesterlichen Mitbrüder, die der Freiheit 
beraubt sind, damit Wir würdig den Willen Gottes erfüllen und er uns 
durch die Fürbitte der seligen Jungfrau Maria gesund erhalte und dem 
freien Dienste für Christus zurückgebe. 

348 



, Auch für Dich und Dekie Ordensgemeiftde betend, grüßt Dich im 
Hefrn einer und 225 deutsche Priester, die in Dachau gefangen sind. 

'P.P. Im übrigen bitten wir, dem Hochwürdigsten Herrn Erzbischof 
Michael und durch ihn dem Apostolischen Nuntius Nachricht zu geben 
über die Einstellung des heiligen Meßopfers, unseres Trostes, durch 
untergeordnete Organe dieses Lagers und über die Verlegung von zirka 
100 polnischen Priestern an einen unbekannten Ort: Es sind Invalide, 
d. h. durch Hunger und Mühsal Erschöpfte, die wohl sicher durch die 
schändliche Euthanasie werden sterben müssen. Betet auch ohne Unter- 
laß für uns, weil auch 2 aus unserm (deutschen) Block schon dasselbe 
erlitten haben und der Hunger vor der Türe steht. 



Im Herzen Jesu und Maria grüßt Euch 
3. Eine Gesamtschau: 



einer. 



Für 15, März 1945 werden an katholischen Priestern im Kz. Dachau 
insgesamt genannt: 

1493 



Davon waren aus 144 Diözesen und 25 Nationen: 



Deutsche . . . 
Polen rund . . 
Franzosen . . . 
Tschecho- 
slowaken . . 
Österreicher . 



261 Holländer . . . 

791 Belgier .... 

122 Italiener . . . 
Jugoslawen . . 
73 Volksdeutsche 
64 Luxemburger . t 



38 Ungarn . . . 

34 Schweizer 

29 Engländer . 

19 Amerikaner 

19 Russen . . . 

8 Verschiedene 



Kirchlicher Rang der geistlichen Häftlinge: 



Erzbischof .... 1 

Archimandriten 2 

Bischof 1 

Äbte 2 

Generalvikare * 2 



Prälaten 

Domherren . . . 
Universitäts- 

professdren . . 11 
Ordensprovinziale 3 
Pfarrer 482 



4 Kapläne .... 

11 Religionslehrer 

Militärpfarrer 

Ordensleute . 

ohne Angabe . 



4 
2 
1 
1 
1 
30 



342 
176 

30 
328 

98 



Der Zahl nach waren besonders stark folgende Diözesen vertreten: 

Münster 24 Freiburg i. Br. . 17 Mainz 13 

Linz 1 22 Breslau 17 Limburg 13 

Trier * 14 



Jesuiten . 
Pallottiner 



Ordensleute: 
26 Benediktiner . . 17 Karmeliter ... 10 
18 Franziskaner . » 11 aus versch. Orden 246 



4. Ein Blick des Heiligen Vaters 

„Je mehr sich tatsächlich die Schleier lüften, die bisher den schmerz- 
vollen Leidensweg der Kirche unter der nationalsozialistischen Herr- 
schaft verdeckten, um so mehr offenbart sich die oft bis zum Tode un- 
verbrüchliche Festigkeit ungezählter Katholiken und der ruhmvolle An- 
teil, den in diesem edlen Wettkampf der Klerus gehabt hat. Wiewohl 
Wir noch nicht im Besitz erschöpfender statistischer Angaben sind, kön- 
nen Wir doch nicht umhin, die eine oder andere Mitteilung zu machen; 
sie sind Uns reichlich zugegangen von Priestern und Laien, die als Inter- 
nierte im Lager Dachau gewürdigt wurden, um des Namens Jesu willen 
Schmach zu dulden (Apg. 5, 41). 

An erster Stelle stehen der Zahl und harten Behandlung nach die 
polnischen Priester. Von 1940 bis 1945 wurden in dem angegebenen Lager 
2800 Geistliche und Ordensleute jener Nationalität gefangengesetzt, unter 



349 



ihnen der Weihbischof von Wloclawek, der dort ah Typhus gestorben ist. 
Im vergangenen April waren davon nur noch 816 übrig, während alle 
anderen gestorben sind jnit Ausnahme von 2 oder 3 in andere Lager 
überführten. Für Sommer 1942 wurden als dort eingebrachte 480 Kult- 
diener deutscher Zunge ausgegeben, von denen 45 Protestanten und alle 
anderen 'katholische Priester waren. Trotz des ständigen Zugangs von 
neuen Internierten, besonders, aus einigen Diözesen Bayerns, des Rhein- 
lands und Westfalens, w;ar ihre Zahl infolge der starken Sterblichkeit zu 
Beginn dieses Jahres nicht über 350. Es können auch nicht mit Still- 
schweigen die Geistlichen übergangen werden, die den besetzten Ländern 
angehören: Holland, Belgien, Frankreich (unter den französischen Prie- 
stern der Bischof von Clermont), Luxemburg, Slowenien, Italien, Viele 
von diesen Priestern und Laien haben um ihres Glaubens willen unsäg- 
liche Leiden erduldet. In einem Fall ging der Haß der Gottlosen gegen 
Christus so weit, daß sie an einem internierten Priester mit Stacheldraht 
die Geißelung und Dornenkrönung unseres Herrn nachäfften. 

Die hochherzigen Menschen, die zwölf Jahre hindurch, von 1933 an, 
in Deutschland für Christus und seine Kirche das Opfer des persönlichen 
Besitzes, der persönlichen Freiheit und des eigenen Lebens gebracht 
haben, erheben zur Sühne ihre Hände zu Gott, Möge der gerechte 
Richter sie annehmen zur Wiedergutmachung so vieler Verbrechen, die 
gleicherweise gegen die Menschheit wie zum Schaden der Gegenwart 
und Zukunft des eigenen Volkes, besonders seiner unglücklichen Jugend 
begangen wurden, und möge auf sein Geheiß hin der Würgengel endlich 
den Arm sinken lassen." 

6. Antichrists Wüten 
gegen eine Hochburg katholischen Glaubens und Lebens. 

Um den Umfang dieser Darstellung nicht gar zu groß werden 
zu lassen, mußte davon Abstand genommen werden, in ausführlicher 
Weise auch kirchlich-religiösen Ausvrirkungen des Nationalsozialis- 
mus außerhalb des Altreiches nachzugehen. Es konnte 
nur hin und wieder ein flüchtiger Seitenblick über die Grenze 
geworfen werden. 

Nun aber seien zwei Dokumente wiedergegeben, die geeignet 
erscheinen, in aller Kürze, aber auch in voller Klarheit eine Gesamt- 
schau auf ein nahes, heiß umstrittenes Kampffeld zu gewinnen und 
tief zu beeindrucken. 

„Imheil'genLandTirol", 

Virie der Volksmund es so gern nennt (vgl. „Andreas-Hofer-Lied"), 
wütete Antichrist mit besonderer Gehässigkeit und Eile. Es ist, als 
ob man dort im Sturm nachholen wollte, was man im Altreich 
während der vorausgegangenen fünf Jahre Schritt für Schritt an 
Boden gewonnen hatte. 

Partei und Gestapo hatten nun schon eine gewisse Erfah- 
rung im Kirchenkampf. Und dann war man auch schon im vollen 
Besitz der Macht, brauchte nicht mehr Rücksicht auf weite Kreise 
des Volkes, auf Papst usw. zu nehmen, war auch nicht gebunden 
durch irgendwelche Konkordatsfesseln. Das öster- 
reichische Konkordat galt für die neuen Herren nicht, da es 

350 



von der „reaktionären Regierung abgeschlossen war; das Reichs- 
konkordat verpflichtete nicht gegenüber Österreich, weil es zu 
eineir Zeit zustandegekommen, da die „Ostmark" noch nicht zum 
Reich gehörte. Und schließlich war der Absperriegel um 
„Großdeutschland" so verstärkt worden, daß das Ausland wenig 
von dem erfahren konnte, was da zwischen den Bergen von Tirol 
geschah. 

Es ist ein Bild von erschütternder Tragik, aber auch von denk- 
würdiger Treue, was zwei offizielle kirchliche Denkschriften aufzeigen. 

Bischof Rusch, Innsbruck, berichtet; 

(Auszug) 
I. 

Übersicht. . 
I. Schließung von Kirchen und Kapellen 
Geschlossen sind: 

1. Konsekrierte Kirchen .*..... 5 

2. Kapellen 24 

Davon entfallen auf Innsbruck allein 

konsekrierte Kirchen 4 

Kapellen •..,-. s 10 

IL Maßnahmen gegen den Klerus 

l.'In Anhaltelagern sind Priester s . . . * -. 3 

2. Interniert wurden 

a) Seelsorgspriester ....,....•.- 40 

b) Ordensangehörige 15 

3. Ausdrückliches Schulverbot haben Seelsorgspriester ... 48 

4. Keine Erlaubnis zur Erteilung des Religionsunterrichtes 
haben zirka 100 Priester 

5. Die staatliche Beihilfe wurde entzogen 93 Priestern 

III. Maß>n ahmen auf dem Gebiet der Schule 

1. Schulen ohne Religionsunterricht sind 52 

2. Katholische Schulen: geschlossen wurden 

a) Theologische Fakultät 1 

b) Mittelschulen . 8 

c) Haupt-, Volks- und Ünterschulen 20 

d) Von Ordensschwestern betreute Kindergärten .... 35 

e) Von Ordensschwestern geleitete Nähschulen . . . . . • 12 

76 

3. Die Zahl der geschlossenen katholischen Konvikte und 
Erziehungsanstalten beträgt 18 

4. Die Zahl der katholischen Ordenspersonen, welche vom 
Schuldienst entlassen resp. pensioniert wurden, ist . . . 215 

IV. Orden und Klöster 

1. Durch verschiedene Maßnahmen wurden Klöster und 
Ordensniederlassungen aufgehoben 7 

2. Für nichtkirchliche Zwecke wurden verwendet, und zwar: 

a) für Militärzwecke 9 

b) für Hilfspolizei . 1 

c) für Militärlazarette 2 

d) für Schulzwecke 7 

V. Aufgelöste Stiftungen 5 

351 



VI. AufgelösteVereinc 

1. Gesellenvereine 8 

davon hatten Häuser 5 

2. Katholische Arbeitervereine 37 

davon hatten Häuser 5 

3. Katholischer Arbeiterinnenverein 1 

4. Beschlagnahmte und eingewiesene Kinder- u. Jugendheime 11 

5. Eingewiesene Ferienheime 5 

6. Aufgelöste Hochschulkorporationen 9 

VII. Maßnahmen auf dem Gebiete der katholischen 
Caritas 

1. Aufgelöster Caritasverband 1 

2. Aufgelöste Vinzenzvereine 16 

3. Aufgelöste Elisabethenvereine 2 

4. Aufgelöster Krankenfürsorgeverein .' . . 1 

VIII. Maßnahmen auf dem Gebiet des religiösen 
Schrifttums und der. Presse 

1. Aufgelöste katholische Pfarr- und Vereinsbüchereien . . 150 

2. Zahl der nicht mehr erscheinenden religiösen Zeitschriften 8 
Ihre Auflage beträgt über . 100 000 

3. Es erscheint nicht mehr das katholische Tägblatt . 
und das katholische Wochenblatt mit einer Auf- 
lage von zirka . . . ... . . •. . . . . . 20000 

4. Katholische Verlagsaristälten wurden umgebildet .... 2 

Ein paar Einzelangaben zu vorstehender Übersicht: 

Die geschlossenen konsekrierten Kirchen sind : In 
Innsbruck die Stiftskirche in Wilten, die Servitenkirche in der Maria- 
Theresien-Straße, die Hofkirche am Renn weg, die Kirche im theologi- 
schen Konvikt, jene im Canisianuitn und in Martinsbühel bei Zirl die 
dortige Kirche. 

Auf gehobene Orden und Klöster: 

Das Stift Stams durch Maßnahmen der Geh. Staatspolizei, das Ser- 
vitehkloster in Innsbruck durch Einweisung an das Land Tirol, das Stift 
Wilten durch einen Kaufvertrag mit dem Land Tirol, welcher der Lei- 
tung des Stiftes Wilten nahgelegt wurde, das Jesuitenkollegium in Inns- 
bruck mit dem dazugehörigen Zenzenhof durch Einweisung an das 
Iiand Tirol, die Benediktinerniederlassung in Volders durch Einweisung, 
die Benediktinerniederlassung in Innsbruck durch Verkauf an eine Ge- 
sellschaft, die Benediktinerniederlässung in Martinsbühel durch Ein- 
weisung an das Land Tirol. 

Auf gelöste Stiftungen : 

Auf Grund der Verfügungen des Stillhaltekommissars für Vereine, 
Organisationen und Verbände wurden alle nichtkirchlichen 
Stiftungen aufgelöst oder mit Abänderung der Stiftungssatzungen 
an Körperschaften des öffentlichen Rechtes oder Gliederungen der Par- 
tei eingewiesen. 

Aufgelöste Vereine: 

1. Von der Geheimen Staatspolizei wurden sämtliche katholische 
Ges'elleny er eine in Tirol aufgelöst. Im Bereich der Apostolischen 
Administratur gilt dies für die Gesellenvereine in Innsbruck, Hall, 
Schwaz, ötz, Landeck, Wattens, Reutte, Lienz. Die Vereine in Inns- 
bruck, Hall, Schwaz, ötz und Lienz hatten Immobilienbesitz im Werte 
von RM. 25a 000.— . 

352 



2. Die katholischen Arbeiter- und Arbeiterinnenver- 
e i n e wurden vom Stillhaliekommissar für Vereine, Organisationen und 
Verbände aufgelöst und die Vermögenswerte der Deutschen Arbeits- 
front eingewiesen. 

3. Die katholischen Jugendvereine hatten nicht selten in 
einem Verein, wie es z. B. der Verein „Jugendhilfe" ist, ihren wirt- 
schaftlichen und finanziellen Stützpunkt. Der Verein „Jugendhilfe" 
bestand in Innsbruck, dem das Jugendheim in Innsbruck-St. Nikolaus, 
das Ferienheim in Mutters und ein Grundbesitz im Ausmaß von 6000 m- 
gehörte, außerdem in Jenbach (Hausbesitz), in Ehrwald (Hausbesitz) und 
in Inzing (Hausbesitz). Die Vermögenswerte wurden vielfach der NSV 
oder anderen Gliederungen der Partei eingewiesen. Dazu kommen noch 
verschiedene Jugendheime, die zunächst beschlagnahmt und später ein- 
gewiesen wurden, und zwar: das Jugendheim in Innsbruck-Pradl mit 
Haus-, Grund- und Waldbesitz, das Burschenvereinshaus in Rum mit 
Heimbesitz, das Jugendheim zum „Riesen Haymon" in Innsbruck- 
Wilten, das Pfadflnderheim in Lienz (Heimbesitz). Ferner sind die Ver- 
mögenswerte des Bundes der. Jungtircier mit den Ferienheimen am 
Achensee, Haiming, Tarrenz und Absam eingewiesen worden, ebenso der 
große Besitz des Seraphischen Liebeswerkes in Fügen und des Vereines 
der katholischen Kinderfreunde in Martinsbühel und Volders. 

Aufgelöst ^'urden schließlich sämtliche katholische Hochschulkor- 
porationen, von denen die Austria und Leopoldina Hausbesitz hatten.^ 

Vn. Maßnahmen auf dem Gebiete der caritativen 

Einrichtungen 

.1. Der Tiroler'Caritasverband wurde auf Grund einer 
Verfügung des StillhalteKommissars vom 30. November 1939 aufgelöst 
und die Vermögenswfcrle in die NSV eingewiesen. Der Caritasverband 
besaß in Innsbruck ein Haus in der Erlerstraße im Werte von über 
RM 80 000. — ; ein Haus in St. Johann in Tirol im Werte von zirka 
20—30 000.— RM. und das Heim der Unheilbaren in Girlan in Südtirol, 
welcher Besitz mit einer Million Lire zu bewerten ist. 

2. Sämtliche Vihzenzvereine und Vinzenzkonfe- 
r e n z e n sowie die Elisabethenvereine wurden gleichfalls 
über behördliche Anordnung aufgelöst und deren Vermögenswerte Glie- 
derungen der Bewegung eingewiesen. 

II. 1940. 

I.Entwicklung des Verhältnisses zwischen Kirche 

und Staat 

Der neueste Erlaß der Geheimen Staatspolizei Innsbruck vom 2. De- 
zember d. J. (= 1940) hat folgenden Wortlaut: Jede Tätigkeit von 
Pfarrjugend und Jugendkongregationen ist verboten. Unter die Pfarr- 
jugendtätigkeit fällt jede religiöse Betreuungvon Jiigend- 
lichenunter 18 Jahren beiderlei Geschlechts mit Ausnahme: 
1. des zugelassenen Religionsunterrichtes in der Schule, 2. des Firm- 
unterrichtes für die Firmlinge, 3. der Teilnahme an den normalen Got- 
tesdiensten der Erwachsenen. Es fallen unter das Verbot insbesondere: 
alle Glaubensstunden, Gebets-, Sing- und Andachtsstun- 
den, .Einkehrübungen, Exerzitien usw. 

Die Tätigkeit der Ministranten fällt nicht unter das Verbot. In- 
dessen sind die in den letzten beiden Jahren zum Teil außerordentlich 
stark angewachsenen Ministrantentgruppen auf den Stand vom Februar 
1938 zurückzuführen. 

Das Pfarrjugend- und Jugendkongregationsverbot darf vom Klerus 
in keiner Weise öffentlich verkündet oder behandelt werden, insbe- 

Kreuz und Hakenkreuz 2'.5 oco 



sondere nicht von der Kanzel. Es ist vielmehr den in Frage kommen- 
den Jugendlichen mündlich in sachlicher Form zu eröffnen. 

Der Stichtag für das Verbot ist der 5. Dezember und für die Mini- 
' stranten der 1. Januar 1941. Eine Umgehung durch die Geistlichkeit 
oder die Laienhelfer wird bestraft. 

Die B edeutung dieser Verordnung 

liegt darin, daß nunmehr erstmals Seelsorge und innerkirchliches Leben 
gegen alle vorausgehenden Zusagen unter ein staatliches Verbot gestellt 
werden. Im besonderen ist darauf hinzuweisen, daß durch diese Ver- 
ordnung nicht nur, wie es scheinen möchte, die Jugendseelsorge 
betroffen wird, sondern auch die Kinderseelsorge: Wie in per- 
sönlicher Besprechung avvf der Staatspolizei Innsbruclc ausdrücklich 
gesagt wurde, sind auch die Kinderseelsorgestunden und der Erstkom- 
munionunterricht außerhalb der Schule verboten. Hierzu ist noch zu 
berücksichtigen, daß in zahlreichen Schulen überhaupt kein Reli- 
gionsunterricht stattfindet und dort, wo er noch stattfindet, doch 
nur ein reines Lernfach darstellt, vom Katecheten selbst aber die 
Verbindung zwischen Religionsunterricht und religiösem Leben des 
Kindes laut neuesten Anordnungen niclit mehr hergestellt werden darf. 
Das Verbot stellt somit einen erschütternden Schlußpunkt einer Ent- 
wicklung dar, die bereits früher eingeleitet wurde. 

D lese Entwicklung 

verlief in folgenden Abschnitten: Zunächst wurde das religiöse Leben 
auf den kirchlichen Raum beschränkt, zahlreiche Prozessionen wtirden 
verboten, geistliche Schulen und Lehranstalten wurden aufgehoben, 
viele Priester erhielten Schulverbot, die Stundenzahl des Religionsunter- 
richtes wurde in vielen Klassen auf eine Wochenstunde herabgesetzt, 
die oberen Klassen der höheren Lehranstalten sowie die Berufsschulen 
haben überhaupt keinen Religionsunterricht mehr, in zahlreichen 
Schulen wurden die Kreuze entfernt. Eine besondere Beachtung ver- 

^ ^ das Schicksal des Priesterseminars, 

das zunächst in Innsbruck war. Das Gebäude des Priesterseminars 
wurde nämliqh staatlich angefordert, das nach erfolgter Anforderung 
neu geschaffene Priesterseminar in Volders bei Innsbruck wurde ebenso 
von staatlichen Stellen besetzt, das 3. wiederum geschafiiene Priester- 
seminar in Matrei bei Innsbruck für den Arbeitsdienst angefordert, 
nach Abzug des Arbeitsdienstes jedoch beschlagnahmt. Hiezu wurde' 
unter der Hand bekanntgegeben, daß ein Priesterseminar im Gau Tirol- 
Vorarlberg nicht geduldet werde. 

Es folgte sodann ' 

eine große Verhaftungswelle, 

so daß die Gesamtzahl der seit März 1938 inhaftierten Priester nunmehr 
sich auf rund 110 beläuft. Gründe für die Verhaftung waren folgende: 
Übertreten des Kanzelparagraphen (z. B. ein Priester sagte in der Pre- 
digt: das Erwecken der vollkommenen Reue sei besonders für den 
Soldaten sehr wertvoll, der ja in plötzliche Todesgefahr kommen könne, 
so etwa bei der Torpedierung eines Schiffes. Wegen dieses auf der 
Kanzel gesagten Satzes wurde er in Haft genommen, weil das Beispiel 
eine Beunruliigung der Bevölkerung darstelle.) Übertreten des Sammel- 
verbots (z. B. wenn Gläubige dem Priester zum Zweck einer Kirchen- 
renovation Geld in das Pfarrhaus brachten). Nichteinhalten 
der Jugendschutzverordnung (z. B. wurde ein Priester verhaftet, der 
Jugendliche von einer Glaubensstunde bei Anbruch der Dämme- 
rung entließ). Abhalten von Gottesdiensten an abgeschafften Feier- 
tagen (z. B. wurde ein Priester in Haft genommen, der am Fronleich- 

354 



namstag nach 8 Uhr einen Gottesdienst abhielt). Weitere Verhaftungs- 
gründe waren, allgemein gesagt, das Nichteinhalten von staatlichen Vor- 
schriften, die aber im Grenzgebiet zwischen Kirche und Staat sehr rigo- 
ros ausgelegt wurden. So wurde ein Priester in Haft genommen, der 
ein katholisches Mädchen darauf hinwies, daß eine mit einem geschiede- 
nen Manne eingegangene Ehe nicht gültig sei. Diesen Priester ereilte 
die Strafsentenz auf Konzentrationslager, von wo er nicht mehr zurück- 
kehrte. Es erübi-igt sich zu sagen, daß manche Verhaftungsfälle ihren 
Grund in einem Vergehen des Priesters hatten, z. B. in einer im Unmut 
gemachten unfreundlichen Aussage gegen den Staat. 

Es erfolgte sodann 

die Auflösung von zahlreichen religiösen Vereini- 
gungen, 

so u. a. auch des Caritasverbandes, deren Vermögen jeweils beschlag- 
nahmt wurde. Und zugleich setzte die Beschlagnahmung von Klöstern 
und Stiften ein, welche Beschlagnahmung sich besonders in der Zeit ' 
des Krieges fortgesetzt und vermehrt hat. Eine ganz besondere Härte 
stellt dabei folgender Umstand dar: Von den im Kriege beschlagnahm- 
ten Klöstern waren jeweilen mehrere oder auch viele Mitglieder unter 
den Waffen und an der Front. So z. B. befanden sich von dem im Sep- 
tember 1940 aufgelösten Kapuzinerkioster in Innsbruck 22 Angehöi'ige 
'an der Front. Grund der Auflösung des letztgenannten Klosters war 
die Verhaftung eines Ordenspriesters, der jedoch 3 Tage nach Beschlag- 
nahme des Klosters vom Gericht wieder freigegeben v/urde mit der 
Begründung, daß ein besonderer Verhaftungsgrund nicht vorlie|5e. Im 
Zusammenhang mit dieser Aufhebung der Klöster steht auch die 
Schließung mehrerer Seelsorgskirchen. So wurden in Innsbruck allein 
6 öffentliche Kirchen, die vom Volk sehr zahlreich besucht waren, ge- 
schlossen. 

Als vorläufiger Abschluß im Gefolge all dieser Maßnahmen erfolgte 
nun das Verbot der Seelsorge selbst,- und zwar der Seelsorge an der 
jungen Generation. 

2. Wirkung auf die Bevölkerung 

Sogleich nach der Eingliederung Österreichs in Deutschland war 
die Stimmung in der Bevölkerung äußerst gut zu nennen. Der dama- 
lige Leiter der Geheimen Staatspolizei in Innsbruck bestätigte uns dies. 
Als jedoch das Prozessionsverbot erfolgte und die Entfernung der 
Kreuze in vielen Schulen, wandelte sich allmählich das Stimmungsbild. 
In mehreren Orten Tirols wurde ein Schulstreik inszeniert, d. h. 
die Eltern erklärten, daß die Kinder nicht in die Schule kämen, solange 
das- Kreuz entfernt bleibe. Auf diese Schulverweigerung hin erfolgten 
strenge staatspolizeiliche Maßnahmen. Die Bevölkerung selbst sah in 
Zukunft bei Schwierigkeiten von solchen Gehorsamsverweigerungen ab, , 
sie zeigte jedoch durch Abordnungen, die bei den verschiedenen 
Regierungsstellen vorsprachen, lebhaft ihren Unwillen über 
solche und ähnliche Anordnungen. Besonders lag der Bevölkerung die 
Abhaltung des Religionsunterrichtes durch den Priester sehr am Her- 
zen. Zahlreiche Bittschriften und Vorsprachen bei Regierungs- 
stellen geben hievon Zeugnis. Wie dann noch die Verhaftungswelle 
einsetzte, war die Stimmung bei der Bevölkerung so geworden, daß die 
Angelegenheit zu einer offenen Aussprache bei der Staatspolizei in 
Innsbruck führte. Wiederum gab der damalige Leiter der Staatspolizei 
den Vertretern der Bischöflichen Behörde darin recht, daß die anfäng- 
lich gute Stimmung der Bevölkerung durch die inzwischen vorgenom- 
menen Maßnahmen verschiedener Regierungsstellen, nicht aber durch 
die Schuld der Kirche, sich so verschlechtert habe. Einen ganz beson- 
deren Eindruck machte auf die Bevölkerung die Verfolgung dea 

355 



P r i e s t e r s e m i n a r s. Die Landbevölkerung hängt nämlich sehr 
stark an den zukünftigen Priestern, so daß sie sehr bitter davon getrof- 
fen ist, daß ein Priesterstudent nicht mehr im eigenen Land sich dem 
Studium widmen l^ann, sondern in einen anderen Gau gehen muß, um 
studieren zu können. 

Die weitgelaende Beschränkung religiöser Feiertage 

hatte eine weitere Verschlechterung des Zustandsbildes im Gefolge. 
Zahlreiche Kinder erschienen an solchen aufgehobenen Feiertagen nicht 
in der Schule. Als dann an diesen Tagen auch die Abhaltung des Fest- 
gottesdienstes um 8 Uhr oder später verboten wurde, erweckte das ein 
überaus großes Befremden. Die Landbevölkerung arbeitete an diesen 
Tagen nicht. 

In der gleichen Richtung wirkte 

dieAufhebungvonKlöstern. 

Verschiedene Orden sind besonders bei der Landbevölkerung sehr be- 
liebt. Ein Zeichen für diese Wirkung ist z. B. folgendes: Verschiedene 
Tiroler Schützen weigerten sich zu dem sonst in Tirol sehr beliebten 
Landesschießen zu gehen, nachdem die Aufhebung des Kapuziner- 
klosters bekannt wurde. 

Ungesucht und unverlangt erhalte ich als Bischof entweder brief- 
lich oder mündlich z.B. auf Firmungsreisen zahlreiche Nachrichten, die 
einen Einblick in diese Stimmung der Bevölkerung geben. Hiefür fol- 
gen nun einige Zeugnisse. Ein Bauer sagte: „In dieser Zeit, wo man 
uns Tirolern den Glauben nehmen v/ill, möchte ich am liebsten nicht 
mehr leben." Eine Mutter, die früher sehr für den Anschluß an Deutsch- 
land gearbeitet hatte, sagte: „Wenn ich diese Bekämpfung der Religion 
vorausgewußt hätte, wäre ich nie für den Anschluß gewesen." Ein 
Familienvater: „Wir haben kein Vertrauen mehr, weil die uns gegebe- 
nen Ver.sprechungen nicht eingehalten wurden." 

In Hötting bei Innsbruck wurde durch den Streifendienst der HJ 
ein Gottesdienst gestört und mußte abgebrochen werden, und zwar han- 
delte es sich um eine Totengedenkstunde. Die Bevölkerung war dar- 
über sehr empört und beschwerte sich auch bei der Staatspolizei Inns- 
bruck. Der Pfarrer, der den Gottesdienst notgedrungen hatte abbrechen 
müssen, wurde jedoch von der gleichen Staatspolizei zur Verantwor- 
tung gezogen und bestraft, weil er Aufsehen bei der Bevöl- 
kerung gemacht habe. Im Sommer 1939 wurden katholische 
Jugendliche beim Nachhausegehen von einer Feierstunde in der Kirche 
von der H.J tätlich angefallen und mit Faustschlägen und Fußtritten 
traktiert. Das war für die Bevölkerung das Zeichen, daß sie offen von 
einer Verfolgung der Kirche zu sprechen begann. Und wer nun die 
Wirkung des neuen staatspolizeilichen Verbotes, wonach die Jugend- 
stunden abgebrochen werden müssen, auf die Jugendlichen selbst sah 
und ihre todtraurigen Gesichter beim Nachhausegehen beobachten 
konnte, der weiß ganz genau, wie zerstörend dieser Erlaß bei den jun- 
gen Menschen gewirkt hat, die demnächst zum Heeresdienst einbei*ufen 
werden sollten. 

Damit komme ich auf die wehrpsychologische Wirkung 
dieser Maßnahmen zu sprechen: Ein junger Offizier schrieb von 
Norwegen; „Bewahren Sie uns in der Zeit, in der wir für Deutschland 
kämpfen, das Heiligste, was wir in der Heimat haben, nämlich den 
katholischen Glauben." Als er dann zum Urlaub zurückkam und die 
Zustände sehen mußte — es' war damals gerade der Generalvikar, der 
den Text der Todesanzeige für den im Konzentrationslager verstorbenen 
Priester mitverfaßt hatte, ins Konzentrationslager gebracht worden — , 
war er tief erschüttert. Er sagte, er könne nun nicht mehr mit der 
gleichen Kraft kämpfen -wie früher. Oft kommen briefliche Anfragen 

356 



von der Front zu mir, wie es zu Hause der Kirche ergehe. Daraus 
ersehe ich die Sorge der Frontkämpfer für das kirchenpolitische Ge- 
schehen in der Heimat. Wenn alle diese in Urlaub kommen, erfahren sie 
immer wieder von neuen Verboten, neuen Kirchenschließungen und Be- 
schiagnahmungen von Klöstern. Sie alle gehen freudlos wieder an die 
Front hinaus. 

Zwei im Soldatendienst stehende Mitglieder des Kapuzinerordens 
kamen wenige Tage nach Aufhebung des betreffenden Klosters in Ur- 
laub. Wie sie glaubten, sie seien nun zu Hause angekommen und an 
der Klosterpforte läuteten, mußten sie erfahren, daß sie kein Zuhause 
mehr hatten. Während sie an der Front ihr Leben für ihr Land ein- 
setzten, war ihnen ihre Heimat weggenommen worden. Und wenn nun- 
mehr an der Front stehende Familienväter von den Müttern zu Hause 
erfahren müssen, daß es ihren Kindern verboten worden sei, einer Seel- 
sorgestunde in der Kirche beizuwohnen, dann vermag ich die Wirkung 
dieser Nachricht wohl noch nicht abzuschätzen, aber positiv kann sie 
nicht sein. 

Gerade hierzu möchte ich folgendes bemerken: Einer unserer Prie- 
ster wurde zu Ostern dieses Jahres in Haft genommen, weil er in einem 
Brief an die Front mitgeteilt hatte, daß die in diesem Orte bisher 
übliche feierliche Fronleichnanasprozession verboten worden sei. Es wurde 
ihm vorgeworfen, daß diese Nachricht einen wehrzersetzen- 
den Einfluß habe. Ich habe mir daraufhin erlaubt, bei der Staats- 
polizei folgende Gegenvorstellung zu erheben: Von Ihnen gehen zahl- 
reiche Verbote aus, die die freie Religionsübung beschränken. Diese 
Verbote, deren Kundwerden also eine wehrzersetzende Stimmung im 
Gefolge haben, werden durch die Urlauber an der Front im Nachhinein 
doch immer bekannt. Wenn nun der Priester, der die Nachricht an die 
Front gegeben hat, Strafe verdient, wie ist dann die ganze Sache für Sie 
selbst zu bewerten, die Sie doch nicht nur eine Nachricht hinausgeben, 
sondern das Verbot selbst erlassen haben? Darauf erhielt ich keine 
Antwort. 

In dem neuesten Erlaß des Seelsorgeverbotes an Jugend und 
Kindern werden nunmehr sogar die Verfassungsgrund- 
gesetze des Deutschen Reiches, nach denen freie Religionsübung 
vorgesehen ist, in ihrem innersten Wesen getroffen. Im Dienste der 
Volksgemeinschaft selbst kann ich hierzu nicht schweigen. Denn 
die Volksgemeinschaft wird ebenso in ihrem Wesen getroffen, wenn 
ihre Grundgesetze keinen Bestand mehr haben. Und je mehr ich 
die Gefährdung der Stimmung unserer Frontkämpfer erkenne, 
• desto weniger kann ich hierzu schweigen im Dienst eben der 
gleichen Volksgemeinschaft in der Zeit des Krieges. In diesem 
Sinne bitte ich die vorausgehende Darlegung zu verstehen. 

D. Antichrists Geheimwaffeiischmieden. 

Nur wie durch ein Schlüsselloch können wir vorläufig in die 
Werkstätten schauen, in denen der Nationalsozialismus seine ge- 
heimen Waffen für den Kampf gegen das Christentum und die 
Kirchen schmiedete. Einiges zeigte sich davon schon im Voraus- 
gehenden. Ein paar Schlaglichter leuchten auf aus den zwei folgen- 
den Dokumenten: 

357 



1. Eine Geheimanweisung des Reichsleiters Bormann, 

des Nachfolgers von Rudolf H e ß in der Parteileitung, ein Rund- 
schreiben an Gauleiter und Reichsstatthalter im Herbst 1941: 

„BetrelT: Verhältnis von Nationalsozialismus und 
Christentum 

Nationalsozialistische und christliche Auf- 
fassungen sind unvereinbar. Die christlichen 
Kirchen bauen auf der Unwissenheit der Men- 
schen auf und sind bemüht, die Unwissenheit möglichst weiter 
Teile der Bevölkerung zu erhalten; denn nur so können die christ- 
lichen Kirchen ihre Macht loewahren. 

Demgegenüber beruht der Nationalsozialismus auf 
wissenschaftlichen Fundamenten. Das Christentum hat 
unveränderliche Grundsätze, .die vor fast 2000 Jahren gesetzt 
und immer mehr zu wirklichkeitsfremden Dogmen erstarrt sind. Der 
Nationalsozialismus dagegen muß, wenn er seine Aufgabe auch weiter- 
hin erfüllen soll, stets nach den neuesten Erkenntnissen der 
wissenschaftlichen Forschung ausgerichtet werden. 

Die christlichen Kirchen haben die Gefahren, die ihrem Bestand 
durch die exakten wissenschaftlichen Erkenntnisse drohen, seit jeher 
erkannt und sich daher bemüht, durch eine Scheinwissenschaft, wie es 
die Theologie ist, die wissenschaftliche Forschung durch ihr Dogma zu 
unterdrücken oder z^i verfälschen. Unser nationales Weltbild aber steht 
weit höher als die Auffassungen des Christentums, die in ihren wesent- 
lichen Punkten vom Judentum übernommen worden sind. Auch aus 
diesem Grunde bedürfen wir des Christentums nicht. 

Kein Mensch würde etwas vom Christentum wissen, wenn es ihm 
nicht in seiner Kindheit von den Pfarrern eingetrichtert worden wäre. 
Der sogenannte liebe Gott gibt das Wissen von seinem Dasein den jungen 
Menschen keineswegs von vornherein mit auf den Weg, sondern über- 
läßt dies trotz seiner Allmacht erstaunlicherweise den Bemühungen der 
Pfarrer. Wenn also unsere Jugend künftig einmal von diesem Chri- 
stentum, dessenLehren weit unter den unsern st eh e n , 
nichts mehr erfährt, wird das Christentum von selbst verschwinden. 

Verwunderlich ist auch, daß den Menschen vor Beginn der heutigen 
Zeitrechnung nichts von diesem Christengott bekannt war und daß auch 
seit diesem Zeitpunkt der bei weitem größere Teil der Erdenbewohner 
nie etwas von diesem Christengott erfahren hat und daher nach der recht 
anmaßenden, aber christlichen Auffassung von vornherein verdammt ist. 

Wenn wir Nationalsozialisten von einer Gottgläubigkeit 
sprechen, dann verstehen wir unter Gott nicht, wie die naiven 
Christen und ihre geistlichen Nutznießer, ein menschenähnliches 
Wesen, das irgendwo in den Sphären herumsitzt. Wir müssen viel- 
mehr den Menschen die Augen offnen, daß es neben unserer kleinen, 
im großen Weltall höchst unbedeutenden Erde noch eine unvorstell- 
bare große Zahl weiterer Körper im Weltall gibt, noch unzählige 
Körper, die wie die Sonne von Planeten und diese wieder von 
kleineren Körpern, den Monden, umgeben werden. 

Die naturgesetzliche Kraft, mit der sich alle 
diese unzähligen Planeten im Weltall bewegen, 
nennen wir Allmacht oder Gott. Die Behauptung, diese 

358 



Weltkraft könne sich um das Schicksal jedes einzelnen Wesens, um 
jeden kleinsten Erdenbazillus kümmern, könne durch sogenannte 
Gebete oder andere erstaunliche Dinge beeinflußt werden, beruht 
auf einer gehörigen Dosis Naivität oder aber auf einer geschäftigen 
Unverschämtheit. 

Demgegenüber stellen wir Nationalsozialisten uns die Forde- 
rung, möglichst natürlich, d. h. lebensgesetzlich, zu leben. Je ge- 
nauer wir die Gesetze der Natur und des Lebens erkennen und 
beachten, je mehr wir uns an sie halten, desto mehr entsprechen 
wir dem Willen der Allmacht. Je mehr wir den Willen der All- 
macht einsehen, desto größer werden unsere Erfolge sein. 

Aus der Unvereinbarkeit nationalsozialisti- 
scher undchristlicher Auffassungen folgt, daß 
eine Stärkung bestehender undjede Förderung 
neu entstehender christlicher Konfessionen von 
uns abzulehnen ist. Ein Unterschied zwischen den 
christlichen Konfessionen ist hierbei nicht zu 
machen. Aus diesem Grunde ist daher auch der Gedanke auf 
Errichtung einer evangelischen Reichskirche unter Zusammenschluß 
der verschiedenen evangelischen Kirchen endgültig aufgegeben 
worden, weil die evangelische Kirche uns genau so feindlich 
gegenübersteht wie die katholische Kirche. Jede 
Stärkung der evangelischen Kirche würde sich 
lediglichgegenunsauswirken. 

Es ist ein geschichtlicher Fehler der deutschen Kaiser im Mittel- 
alter gewesen, daß sie immer wieder im Vatikan in Rom Ordnung 
schufen. Es ist überhaupt ein Fehler, in den wir Deutsche leider allzu 
oft verfallen, daß wir bestrebt sind, Ordnung zu schaffen, wo wir ein 
Interesse an der Zersplitterung und Uneinigkeit haben müßten. Die 
"üohenstaufen hätten das größte Interesse an der Zersplitterung der 
i^-irchlichen Machtverhältnisse haben müssen. Vom Standpunkt des 
jfleiches aus wäre es das Günstigste gewesen, wenn nicht ein Papst, son- 
dern mindestens zwei, wenn möglich sogar noch mehr Päpste bestanden 
und sich gegenseitig bekämpft hätten. Statt dessen haben die deutschen 
Kaiser und insbesondere die Holienstaufen bei der Kirche immer wieder 
für Ordnung gesorgt, einem Papst zur Macht über alle übrigen Konkur- 
renten verhelfen mit dem Erfolg, daß die Kaiser, sobald der Papst wieder 
stark genug dazu war, von „ihrem" Papst die ersten Nackenschläge er- 
hielten. Die Kirche aber hat zur Stärkung ihrer eigenen Machtposition 
immer wieder den Partikularismtis der Fürsten und später der Parteien 
ausgenützt und nach Kräften geschürt. 

In früheren Generationen lag die Volksführung ausschließlich in den 
Händen der Kirche. Der Staat beschränkte sich darauf, Gesetze und Ver- 
ordnungen zu erlassen und vor allem zu verwalten. Die eigentliche Volks- 
führung aber lag nicht beim Staat, sondern bei der Kirche. Diese übte 
über die Pfarrer stärksten Einfluß auf das Leben des einzelnen Men- 
schen, der Familie und auf die Gesamtheit aus. Alles, was den Kirchen 
nicht paßte, wurde mit beispielloser Rücksichtslosigkeit unterdrückt. 

Jahrhundertelang lieh sich der Staat durch die verschiedensten Zu- 
wendungen die kirchliche Einflußmöglichkeit. Es hing von der Kirche 
ab, ob sie dem Staat helfen oder sich gegen ihn stellen wollte. Der Staat 
war auf die Hilfe der Kirche angewiesen, er war von ihr abhängig. Der 

359 



Kampf der deutschen Kaiser gegen den Papst mußte im Mittelalter und 
auch in der Neuzeit immer wieder scheitern, weil nicht der Kaiser, son- 
dern die Kirche die Volksführung in der Hand hatte. Diese weltanschau- 
Lche Abhängigiceit des Staates von der Kirche, die Uetaerlassvmg der 
Volksführung an die Kirche, waren zur Selbstverständlichkeit geworden, 
so daß niemand wagte, ernsthaft hiergegen anzugehen. Dies nicht als un- 
umstößliche Tatsache von vornherein in Rechnung zu ziehen, galt noch bis 
vmmittelbar vor der Machtübernahme als absurde politische Dummheit. 

Zum erstenmal in. der deutschen Geschichte 
hatderFührerdieVolksführungbewußtundvoll- 
ständig selbst in der Hand. Mit der Partei, ihren Gliede- 
rungen und angeschlossenen Verbänden hat der Führer, sich und da- 
mit der deutschen Reichsführ.ung ein Instrument geschaffen, das ihn 
von der Kirche unabhängig macht." Alle Einflüsse, welche die durch 
den Führer mit Hilfe der Nationalsozialistischen Partei ausgeübte 
"Volksführung beeinträchtigen oder gar schädigen könnten, müssen 
ausgeschaltet werden. I mmermehrmuß das Volk den K i r- 
chen und ihr e n Organen, den Pfarrern, entwunden 
werden. Selbstverständlich werden und müssen, von ihrem 
Standpunkt betrachtet, die Kirchen gegen diese Machteinbuße sich 
wehren. Niemals aber darf den Kirchen wieder ein 
S in.fluß auf. die Volk sführung eingeräumt werden. 
Dieser muß ^restlos'. und endgültig gebrochen werden.. Nur die 
Reichsführung "und" in ihrem Auftrag die Partei, ihre Gliederungen 
und "angeschlossenen Verbände, haben ein Recht zur Volksführung. 

Ebenso wie die schädlichen Einflüsse der 
A s t f ol'og eh, Wah fsäger und sonstigen Schwindler 
ausg es ch al t e t un d dur ch den Staat unterdrückt 
werden,, muß auch die Einflvißmöglichkeit der 
Kirche restlos beseitigt werden. Erst wenn dies ge- 
schehen ist, hat die Staatsführung den vollen Einfluß auf die ein- 
zelnen Volksgenossen. Erst dann sind Volk und Reich für alle Zu- 
'iunft in ihrem Bestand gesichert. 

"Wir würden die Fehler, die in den vergangenen Jahrhunderten 
dem Reich zum Verhängnis wurden, wiederholen, wenn wir nach 
dem Erkennen der weltanschaulichen Gegnerschaft der christlichen 
Konfessionen jetzt noch irgend zur Stärkung einer der verschiedenen 
Kirchen beitragen würden. Das Interesse des Reiches 
liegt nicht in der Überwindung, sondern in der 
Erhaltung und Verstärkung des kirchlichen 
P a r t i k u 1 a r i s m u s." 

2. Eine der vielen Geheimanweisungen der Gestapo: 

„SICHERHEITSDIENST des RFSS 
Oberabschnitt Süd- West. 

Geheime Reichssache! 

1. Dies ist ein Staatsgeheimnis im Sinne des § 88 RSTGBL. in der 
Fassung des Gesetzes vom 24. 4. 1934 (RGBL. I S. 341 ff.). 

360 



2. Nur von Hand zu Hand oder an persönliche Anschrift in dop- 
peltem. Umschlag gegen Empf angsbecheinigung. 

3. Beförderung möglichst durch Kurier oder Vertrauensperson, 
bei Postbeförderung als Wertbrief (Wert 1050 RM.). 

4. Vervielfältigung jeder Art sowie Herstellung von Auszügen ver- 
boten. 

5. Empfänger haftet für sichere Aufbewahrung. 

Verstoß hiergegen. zieht schwerste Strafen 
nachsich. 

SA: 69. 



Sicherheitsdienst RFSS S D — R F S S, 15. Febr. 1938 

Oberabschn. Süd-West Unterabschn. Wttbg.-Hohenz. 

II 113 /■ Lt / Hl / 105 / 38 Eingang Nr. Br. B. N. 19/38 11/113 

Geheime Kommandosache! 

An den 

Sicherheitsdienst RFSS Unterabschn. 

Württemb erg 

Baden / Pfalz / Saar. 

Betr.: Arbeitsanweisungen für II 113 / Vorg. ohne / Anlg. 1 

Zur Aktivierung der Arbeit 1938 werden die auf der Tagung 
der Ober- und Unterabschnittsreferenten vom 18. 7. 1937 gegebenen 
Arbeitsanweisungen schriftlich in Erinnerung gebracht. Es wird 
besonders auf die Zerschlagung des konfessionellen Vereinswesens, 
auf den Aufbau des V-Männer*)-Netzes und auf die Errichtung von 
KA-Außenstellen an den Sitzen der Bischöflichen Ordinariate hin- 
gewiesen. 

Die Arbeitsanweisungen sind von sämtlichen Unterabschnitts- 
referenten von II 113 genauestens durchzuarbeiten. 

Der SD Führer des SS-Oberabschnittes Süd- West 
i. A. der Leiter der Hauptabteilung II 

(folgt Unterschrift) 

SS-Hauptsturmführer. 



*) VM = Verbindungsmänner. Der Verf. 

Geheim- Kommandoiaehe! 
Arbeitsausschuß 1937/38 für II HS. 

1. Nächste Zielsetzung in der Bekämpfung der konfessionellen Gegner. 

2. Richtlinien für die Erörterung der höheren und niederen Geitfe 
lichkeit. 

3. Bekämpfung des katholischen Ordenswesens. 

Kreuz und Hakenkreuz 24 ggj 



4. Die Zerschlagung der konfessionellen Organisationen: 

a) Katholischie Vereine 

b) Evangelisclie Vereine. 

5. Katholizismus und Wissenschaft. 

6. Die Deutsche Evangelische Kirche. 

7. Weltprotestantismus, ÖIcumene und Oxford-Bewegung, 

8. Richtlinien zvir Bekämpfung des Sekten wesens. 

9. Die neueste Lage der völkisch- religiösen Gruppen. 

10. Illegalität der Kirche. 

11. Die finanzielle Macht der Kirchen. 



Nächste Zielsetzung in der Bekämpfung 
der konfessionellen Gegner 

Wenn auch die gegenwärtige Lage sowohl auf katholischem 
Gebiet als auch auf evangelischer Seite innerhalb kürzester Zeit in 
ein akutes Stadium treten kann und wir bei unserer Arbeit auf 
plötzliche schnellste Entscheidungen und einschneidende Maßnahmen 
gefaßt sein müssen, so ist doch für den Gesamtarbeitsplan die Ein- 
haltung eines langsameren Tempos notwendig, da alle Maßnahmen, 
die der weltanschaulichen Entwicklung des deutschen Volkes zu 
weit vorauseilen, zu einem plötzlichen, nur dem Gegner nützenden 
Kulturkampf führen müssen. , 

Im einzelnen ergeben sich zunächst folgende Arbeiten: 

a) Die sachlicheErfassung des Gegners muß auf Grund 
der von hier herausgegebenen Leithefte, z. B. kirchliches Hand- 
buch von Krose, evangelisches kirchliches Adreßbuch, Schema- 
tismen usw., zum Abschluß gebracht werden. 

Mit dieser sachlichen Erfassung muß Hand in Hand die Aus- 
wertung der alten Akten für die Sachkartei und die Aufstellung 
entsprechender kartographischer Übersichten für das Oberabschnitts- 
gebiet gehen. 

Nur wenn dieses Gerippe in allen Oberabschnitten vorliegt, ist 
die schnellste Beantwortung von Anfragen zentraler oder örtlicher 
Dienststellen möglich. Innerhalb eines halben Jahres muß diese 
Aufgabe durchgeführt sein. 

b) Innerhalb dieses Vierjahresplanes besteht die 
besondere Möglichkeit, den wirtschaftlichen 
Überfluß der Kirchen wieder allgemeinen 
Zwecken der deutschen Volkswirtschaft zu- 
zuführen. Da ein großer Teil der gegenwärtigen Kampf- 
möglichkeiten der Kirchen einzig und allein auf ihren un- 
beschränkten finanziellen Mitteln beruht, sind gerade hier große 
Möglichkeiten- zur Eindämmung des kirchlichen Kampfes ge- 
geben. Neben den dauernd laufenden Einzelanweisungen auf 
diesem Gebiet müssen die ausführlichen Sonderaufträge mit 

362 



höchstem Verantwortungsgefühl durchgeführt werden, da von 
diesen Sonderaufträgen einschneidendste Maßnahmen der Re- 
gierung mit abhängen. 

c) Ganz besonderer Wert ist in nächster Zeit auf dieErfassung 
der führenden Persönlichkeiten sämtlicher 
konfessioneller Gruppen zu legen. Zu dem Zweck 
ist erforderlich, daß die Ober- und Unterabschnittsreferenten 
genau das Arbeitsgebiet, die Einflußmöglich- 
keiten, die Fähigkeiten, die charakterliche Ver- 
anlagung, die Verbindungen und die persönlichen 
Schwächen und Leidenschaften der maßgeblichen 
Persönlichkeiten der konfessionellen Gegner ihres Gebietes 
kennen. Es ist klar, daß die zentrale Bearbeitung eines Bischofs 
oder sonstigen wichtigen Kirchenführers nicht dem Außenstellen- 
leiter der betreffenden Stadt überlassen bleiben darf, sondern 
durch den Ober- und Unterabschnittsreferenten selbst durch- 
geführt werden muß. 

d) Es gehört mit zu den wichtigsten Aufgaben unserer nächsten 
Arbeit, überhaupt zu den Voraussetzungen für jede künftige 
Arbeit, daß das V. - M. - N e t z mit größter Intensität ausgebaut- 
wird. In jeder maßgeblichen Organisation und Einrichtung 
sämtlicher konfessionellen Gegner sowie in der Umgebung ihrer 
maßgeblichen Führer muß ein VM eingebaut werden. 

e) Auf dem Gebiet des Vereins- und des Ordenswesens 
kommen zentrale Aktionen zur Zeit nicht in Frage. Für um- 
fassendere Maßnahmen auf dem Gebiet des 
Ordens Wesens muß der Boden erst propagan- 
distischnochmehrvorbereitetwerden. Im Kampf 
gegen das Vereinswesen wird der Angriff von unten her durch- 
geführt. Es muß danach getrachtet werden, den Block der katho- 
lischen und evangelischen Vereine möglichst durch schlagkräftige 
Aktionen zu zerreißen und so das ganze konfessionelle Vereins- 
wesen zu durchlöchern und restlos aufzurollen. Die diesem Ziele 
dienenden Aktionen sind im engsten Einvernehmen mit den zu- 
ständigen Staatspolizeistellen und nur unter Zustimmung des 
SD-Hauptamtes durchzuführen. Die Verantwortung für die 
Durchführung der Aktionen als staatspolizeiliche 
Exekutivmaßnahmen liegt bei den zuständigen Staats- 
polizeistellen. Die Auswertung liegt bei dem Sicherheitsdienst. 

f) Auf dem Gebiet des Protestantismus besteht zur Zeit 
ebenfalls keine Veranlassung, den Kampf irgendwie zu be- 
schleunigen. Eine hinhaltende Verteidigung ist hier 
zur Zeit die beste Methode. 

g) Eingehende Maßnahmen müssen dagegen im Kampf gegen das 
Sektenwesen vorbereitet werden, da Sekten heute nicht 
bloß mit bolschewistischen Methoden arbeiten, sondern gleich- 

363 



zeitig auch vielfach Sammelbecken ehemaliger Marxisten sind 
und durch die Sekten weiterhin ungeheure Zersplitterung in 
die Kreise unseres Volkes gebracht wird. Da ferner unter dem 
Einfluß der Sekten ein beträchtlicher Teil deutscher Menschen 
zu minderwertigen Werkzeugen orientalischen Geistes herab- 
gewürdigt werden und die Sekten schließlich noch im A-Fall 
eine direkte Volksgefahr darstellen, ist hier für die nächste Zeit 
ein planmäßig vorbereiteter Kampf unbedingt erforderlich. 
Harmlose Sekten ohne den voi'stehend geschilderten Einschlag 
können jedoch zunächst ohne Bedenken bestehen bleiben, da 
grundsätzlich selbstverständlich kein Interesse daran besteht, 
die auf kirchlich-religiösem Gebiet bestehende Zersplitterung 
irgendwie zu beseitigen. Auf dem Gebiet der völkisch-religiösen 
Gruppen muß sich stärkste Zurückhaltung mit genauester Be- 
obachtung verbinden. 

Richtlinien für die Er örterung der höheren und 
n i e d e r e n G e i s 1 1 i c h k e i t 

,1. Der Kampf der konfessionellen Gegner ist wesentlich von der 
Stärke ihrer Führer abhängig. Jeder Ober- und Unterabschnitts- 
referent muß deshalb ein klares Bild über die Arbeits- 
weise, die Fähigkeiten, die charakterliche und 
p ersö'nl i ch e H alt ung, die Vorzüge und Seh wa- 
chen derKirchenführerseinesGebieteshäben. 
Jeder Referent muß im Bereich seines Ober- und Unter- 
abschnittes der erste Spezialist auf diesem Gebiet sein und 
muß deshalb" die einzelnen Kräfte in der Führung der kon- 
fessionellen Gegner genauestens kennen. 

2. Am Sitz der Bischöflichen Kurie ist jeweils in der Betrachtung 
die gesainte Lage der Diözese in eine Reihe von Einzelreferaten 
aufgeteilt. Diese sachlichen Aufgabengebiete der einzelnen Mit- 
arbeiter der .Bischöflichen Ordinariate müssen den Ober- und 
Unterabschnittsreferenten völlig klar sein. 

3. Neben dieser allgemeinen Aufgabenverteilung ist an den ein- 
zelnen Ordinariaten das K r äf t e v e rh ältnis von General- 
vikar, Weihbischof, Domdekan, Dompropst usw. sehr ver- 
schieden. Ebenso ist das Verhältnis der einzelnen Würdenträger 
zum Bischof sehr vielfachem Wechsel unterlegen. 'Die Ober- 
abschnittskartei muß über diese Kräfteverteilung restlos Aus- 
kunft geben können. 

4. Katholische höhere und niedere Geistliche sind außerhalb des 
normalen kirchlichen Apparates tätig. Ihre offiziellen und in- 
ternen Aufgabengebiete müssen genauestens festgestellt werden. 

5. Die Dekane oder Erzpriester stellen nach kirchlicher Formu- 
lierung das Auge und Ohr des Bischofs dar. Sie haben das 

364 



ganze Leben in ihrem Dekanat sorgfältig zu beobachten und 
dem Bischof laufend Bericht zu erstatten. Die Beobachtung und 
Überwachung der Dekane oder Erzpriester ist deshalb be- 
sonders wichtig. 

6. Von großer nachrichtendienstlicher Bedeutung sind vielfach 
die personellen und verwandtschaftlichen 
Beziehungender einzelnen Geistlichen. Gleich- 
zeitig ergeben sich dadurch für sie vielfach weitgehende Ein- 
flußmöglichkeiten. Diese personellen und verwandtschaftlichen 
Beziehungen sind deshalb sorgfältigst festzustellen und zu über- 
wachen. 

7. Zahlreiche Geistliche verfügen über umfangreiche Aus- 
land sbeziehungen. Mit diesen gehen vielfach Beziehun- 
gen zu Staatsfeinden Hand in Hand. In Zusammenarbeit mit 
den übrigen zuständigen Abteilungen sind diese Verbindungen 
zu überwachen. 

8. Für die Benachrichtigung ihrer Dienststellen hat die Kirche 
einen umfangreichen Kurierdienst eingerichtet. Einen 
großen Teil dieser Kuriere stellt der katholische Klerus selbst. 
Alle Geistlichen, die irgendwie im Zusammenhang mit dem 
kirchlichen Nachrichtendienst stehen, sind besonders zu er- 
örtern. 

9. Die weltanschauliche Auflockerung macht sich 
bereits in erheblichem Maße auch innerhalb der katholischen 
Geistlichkeit geltend. Mit den katholischen Geistlichen, die im 
gegebenen Augenblick von der Kirche losgesprengt werden 
können, ist durch Mittelsmänner Verbindung aufzunehmen, sie 
sind in ihren Bestrebungen zu bestärken und nachrichten- 
dienstlich entsprechend anzusetzen. Bei diesen Fühlungsmaß- 
nahmen ist jedoch größte Vorsicht am Platze, da dadurch die 
Möglichkeit besteht, daß solche Geistlichen lediglich Agenten 
der Kirche sind. 

10. Vor direkter Zusammenarbeit mit charakterlich und moralisch 
nicht einwandfreien Geistlichen wird gewarnt. 

Bekämpfung des katholischen Ordenswesens 

Die Orden sind der militante Arm der katholischen Kirche. 
Sie müssen daher aus ihren Einf lußg eb i et en zu- 
rückgedrängt, eingeengt und schließlich ver- 
nichtet werden. Beim Kampf gegen die Orden muß auf 
Eigenarten Rücksicht genommen werden, die sich im Laufe der 
Entwicklung bei den einzelnen Ordensgesellschaften herausgebildet 
haben. Nur dann werden sie wirksam bekämpft werden können. 

Daher ist nötig: 

1. Die Orden und ihre Niederlassungen, ebenso auch die Brüder- 
genossenschaften und ihre Niederlassungen, nach ihren Eigenarten zu 

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beobachten und dabei Besonderheiten, die zum Arbeitsgebiet eines 
bestimmten Ordens öden einer Niederlassung gehören, herauszustellen. 
z. B. Bibliotheken, Archive, Gewerbebetriebe, landwirtschaftliche Be- 
triebe usw. 

Eine Reihe von Orden haben sich ganz besonders der Seelsorge 
zugewandt. Sie sind oft Träger von Wallfahrtsstätten,, Wallfahrtskirfchen 
und der Veranstaltungen, die dort vonstatten gehen. Ihre Beteiligung 
am Wallfahrtswesen ist im Rahmen der Anweisungen über die Beob- 
achtungen vor Wallfahrten festzustellen. • 

2. Für die Feststellung, gegebenenfalls auch für. die Sicherstellung 
von Material in den Bibliotheken, Archiven usw. ist genaue Orts- 
kenntnis notwendig. Es sind daher Skizzen' von Ordensgebäuden in der 
Lage zur zugehörigen Landschaft und Ortschaft, insbesondere zur 
Grenze anzufertigen. 

3. Nicht selten sind die Ordensniederlassungen Unterschlupf für 
Ordensangehörige, die sich irgendwelcher Vergehen schuldig gemacht 
haben. Durch die Aufnahme von Ausländern können sie zu Brutstätten 
von Greuelpropaganda werden. . ■ 

Zweifellos sind sie aber die ' Schulungsstätten oft wissenschaftlicher 
Art, an denen das Rüstzeug für den Kampf gegen den Nationalsozialis- 
mus geschmiedet wird. Es ist daher , notwendig, die Ordensnieder- 
lassungen auf ihre Insassen hin zu prüfen, insbesondere auch auf den 
Bestand an Ausländern, was gerade für die in der ^ Nähe der Grenze 
gelegenen Niederlassungen gilt. Bei den polizeilichen Meldeämtern sind 
dank der auch für Klosterinsassen bestehenden Meldepflicht deren 
Namen feststellbar. Bei kirchlich gebundenen Behörden ist Vorsicht 
geboten. 

4. Aus den oben angeführten Gründen müssen die an den Grenzen 
gelegenen Ordensniederlassungen besonders scharf überwacht -^werden. 
Es sind vor allem Postverkehr (zunächst auf seinen Umfang, gege- 
benenfalls auf seinen Inhalt hin) und die Bankverbindungen zu kon- 
trollieren. 

5. Für die Bekämpfung derjenigen Orden und Genossenschaften, 
die sich der Schularbeit zugewendet haben, sind entsprechende beson- 
dere Aufgaben zu stellen. Die von Orden oder Genossenschaften unter- 
haltenen Schulen sind bezüglich des Unterrichtsbetriebes zu überprüfen. 
Dabei sind alle Einzelheiten über Form und den Inhalt wichtig. Ferner 
muß die Schülerschaft und ihre Herkunft festgestellt werden. 

6. Im engen Zusammenhang hiermit stehen die Feststellungen über 
diejenigen Jugendlichen, die in Ordensjuvenate und Noviziate eintreten. 
Hierbei sind auch die Gründe zu ermitteln, die den Eintritt herbei- 
geführt haben. 

7. Bei der Feststellung der Herkunft der Schülerschaft i^nd bei Er- 
mittlung der treibenden Kräfte für den Eintritt in Klosterschulen, Juve- 
nate oder Noviziate muß besonderer Wert auf die Ermittlung und Er- 
örterung solcher Personen gelegt werden, die in einem Beamten- oder 
Angestelltenverhältnis zum^ Staat, zu Kommunalbehörden oder zur Par- 
tei stehen oder die Angehörige der NSDAP oder ihrer Gliederungen sind. 
Ebenso sind einzelne Mitglieder von Orden festzustellen. 

8. Einen breiten Raum in der Arbeit der katholischen Orden und 
Genossenschaften nimmt die Caritas in ihren verschiedenen Möglich- 
keiten ein. Die verschiedenen Einrichtungen der Caritas, die unter der 
Leitung oder dem Einfluß von Orden, Genossenschaften oder Mitgliedern 
derselben stehen, sind zu untersuchen auf: 

Art der Beeinflussung allgemein — Pflichtversäumnisse — Stellung 
zum Personal — Sittliches Verhalten — hygienische Verhältnisse — 
Ausbeutung der Pfleglinge — Verhalten zur NSV — Sabotage an der 
Arbeit der NSV. 

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9. Mit dieser Arbeit hängt ferner zusammen die Beobachtung der 
Orden und ihrer Mitglieder mit Bezug auf Übertretung der Verord- 
nungen zum Sammlungs-Gesetz, zur Wandergewerbeordnung, zur Ge- 
werbeordnung, zum Vermögens- und Grunderwerb. 

10. Nicht selten hat ein Orden die geistige Führung des katholischen 
Lebens in seinem Wirkungsbereich in der Hand; das kommt vielfach 
durch Beteiligung an der Herausgabe von Zeitschriften, Sonntagsblättern 
u. ä. zum Ausdruck, auch in der Herausgabe von Broschüren und ört- 
lichen Gelegenheitsschriften. Dieser Einfluß der Orden ist ebenfalls 
genauestens festzustellen. 

11. Neben der Beobachtung der Orden und Ordensgenossenschaften 
als Gesamtheit muß, die Ueberwachung der einzelnen Mitglieder dieser 
Gesellschaften stehen, vor allem, wenn sie sich durch besondere Seel- 
sorgetätigkeit herausstellen. Das erfolgt meistens als Prediger und Beicht- 
väter, die sich vielfach besonderer Beliebtheit erfreuen. Oft sind sie auch 
Leiter örtlicher Vereine oder solcher Gruppen. Diese Ordensgeistlichen 
sind besonders zu überwachen. 

12. Für die Bekän>pfung des Ordenswesens ist es von -großer Wich- 
tigkeit, daß es nicht weiter anwächst und seinen Einfluß weder geistig 
noch räumlich weiter auszudehnen vermag. Daher sind alle Versuche zur 
Neagründung von Ordensgenossenschaften oder Filialen sofort zu mel- 
den. Auch die Umsiedlung von bestehenden Genossenschaften und die 
Verlegung einzelner Anstalten von Orden und Ordensgenossenschaften 
müssen beobachtet und gemeldet werden. 

Die Zerschlagung der konfessionellen 
Organisationen 

a)KatholischeVereine: 

1. Die Auflösung der katholischen Organisationen ist auf dem 
Teilgebiet der Jugendverbände durch die gebiets- 
weisen Verbote bereits soweit vorgetrieben, daß die völlige 
Vernichtung dieser Verbände bis zum Ende der Winter- 
arbeit unbedingt erreicht sein muß. Die Oberabschnitte werden 
angewiesen, das Verbot und die Auflösung der Jugendverbände 
für die bis jetzt noch nicht betroffenen Gebiete durch Be- 
schaffung ausreichenden Verbotsmaterials 
mit aller Energie zu betreiben. 

2. Der Kampf gegen das katholische Vereinswesen hat sich aber 
nicht nur ausschließlich auf die Jugendorganisationen zu be- 
schränken, sondern sich mit gleicher Intensität auch gegen 
andere Gruppen, gegen die Standes-, Berufs- und 
sonstigen Vereine zu richten. (Die restlose Beseiti- 
gung der Beamtenvereinigungen auf Grund des Gesetzes vom 
20. Mai 1937 steht bevor, bis jetzt sind bereits die Michaels- 
bünde, der katholische Lehrerinnen- Verband und die Religions- 
lehrerverbände verboten bzw. aufgehoben worden.) 

3. Es hat sich gezeigt, daß bei aufmerksamer Beobachtung der 
Vereine sich immpr wieder eine illegale Betätigung feststellen 
läßt, insbesondere kommen Verstöße gegen die Verordnung der 
Gestapo vom 2 8. Juni 1935 (Verbot weltlicher Ver- 

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anstaltungen) und gegen die Verordnung vom 23. Juli 1935 
(betr. konfessionelle Jugendverbände) in Frage. 

Bei der Durchführung von Veranstaltungen, die nicht rein carita- 
tiven oder religiösen Chaial^ter tragen und nicht in kircheneigenen 
Räumen stattfinden, sind die Verordnungen unbedingt in Anwendung 
zu bringen. Selbstverständlich werden auch religiöse Veranstal- 
tungen in kircheneigenen Räumen von diesen Verordnungen be- 
troffen, wenn z. B. gegen einzelne Bestimmungen, wie Uniformver- 
bot etc. verstoßen wird. Ebenso sind nachrichtendienstliche Tätig- 
keit, Verteilung illegalen Schrifttums, Kanzelhetze und sonstige Ver- 
stöße gegen das Heimtückegesetz, sittliche Verfehlungen, hygienische 
und sonstige volksgesundheitsschädliche Mißstände in Internaten 
und caritativen Heimen, Mißbrauch nationalsozialistischer Symbole, 
Beschimpfungen von Angehörigen der NS-Formationen oder von 
Staatsbeamten, Widerstand gegen parteiamtliche oder staatliche Or- 
gane, Beschädigungen von Eigentum des Staates und der Partei, Be- 
hinderung oder Störung von Heimabenden, Versammlungen und 
nationalen Feiern, Fachschulung oder politischer Schulung, z. B. der 
pfarramtlichen Arbeitsstellen, in Vereinsabenden, bei Führertagungen 
und Wallfahrten (u. a. weist auch der neue Arbeitsplan der Kolping- 
familie auf diese Möglichkeiten hin) ohne weiteres zum Anlaß eines 
Verbotes zu nehmen. 

4. Die Verbote haben ,sich — wenn irgend möglich — aus 
gegebenem Anlaß auf größere Gebiete zu erstrecken. Der 
Nachweis einer allgemeinen Anweisung der Dekanate bzw. 
Diözesanleitungen zu Verbotswidrigkeiten oder die sonstige 
Beteiligung höherer Instanzen an der illegalen Betätigung der 
Untergliederungen und Organe rechtfertigen in den meisten 
Fällen eine gebietsweise Auflösung der Verbände. 

5. Bei Durchführung der Auflösung und der Verbotsmäßnahmen 
ist der Vermögensbesitz der Verbände in jedem Fall zu 
beschlagnahm.en, und zwar mit der Begründung, daß er zur 
Durchführung der volks- und staatsfeindlichen Betätigung be- 
stimmt war oder zumindestens dafür verwendet wurde. 

6. Die Oberabschnitte werden noch einmal nachdrücklich auf die 
SD-mäßige Ausv/ertung des bei Durchführung der Aktionen 
beschlagnahmten Materials hingewiesen. Auf die Sicherstellung 
bzw. Erfassung von Personalkarteien, Korrespondenzen, Vereins- 
akten, Unterlagen über das Finanzgebaren, Bibliotheken, Ar- 
beits- und Organisationspläne (u. a. für Nachrichtendienste, 
Kuriere etc.), Tagungsprotokolle, Beweismaterial für die Ein- 
flußnahme der Orden auf die Vereinigungen ist besonderes 
Augenmerk zu richten. 

7. Nach erfolgter Zerschlagung der Vereine ist der Verbleib der 
Mitglieder \md insbesondere die Bildung von Nachfolge-* oder 
Auffangorganisationen genauestens zu überwachen. Als solche 
Auffangorganisationen treten jetzt schon die ideellen Vereine, 
Gesinnungsgemeinschaften, Gebetsvereine und Laienapostolate 
in Erscheinung. (Besonder« Auimerksamkeit verdienen die 

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Meßdiener und Pfarrjugendgruppen, die junge Familie und die 
Männerkongregationen.) Auch die Zentralorgane konstituieren 
sich neu, z. B, für die Jugendarbeit die bischöflichen Jugend- 
seelsorgeämter, für die Männer- und Frauenapostolate die auf 
bischöfliche Anweisung errichteten pfarramtlichen Arbeits- 
stellen. Noch vor dem vollendeten Ausbau dieser Organisationen 
und Institutionen müssen alle SD-mäßig wichtigen Unterlagen 
erfaßt sein, um den Angriff auch auf diese letzte Verteidigungs- 
linie führen zu können. 

8. Im Kampf gegen die katholischen Organisationen ist die lau- 
fende und genaue Überwachung ihrer Betätigung unerläßliches 
Erfordernis. Als Sofortmaßnahme ist daher der Einbau von 
V-Männern umgehen(lst und umfassend in Angriff zu nehmen 
bzw. zu vollziehen. 

9. Wesentliches Mittel zum Abbau des kathol